Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
I. Der Chat als Teil der Internetdienste 3
1. 0 Begriffsdefinition Internet 3
2. 0 Datenautobahn und Cyberspace - Zwei 4
Internetmetaphern im Vergleich
2. 1 Datenautobahn 5
2. 2 Cyberspace 8
2. 3 Resümee 10
3. 0 Internetdienste 10
3. 1 World Wide Web (WWW, Web) 11
3. 2 Gopher 15
3. 3 Electronic Mail (Email, Mail) 15
3. 4 Mailinglisten 17
3. 5 Newsgroups 17
3. 6 File Transfer Protocol (FTP) 18
3. 7 Telnet 18
3. 8 Chat 19
3. 9 ICQ 19
4. 0 Arten und Formen des Chats 21
4. 1 Unterscheidung nach technischer Funktionsweise 21
4. 1. 1 Internet Relay Chat (IR)C 21
4. 1. 2 Web-Chat 22
4. 1. 3 Visual Virtual World Chat (3D-Chat) 22
4. 1. 4 Resümee 24
4. 2 Unterscheidung nach medialer Ausgestaltung 25
4. 2. 1 Textbasierte Chats 25
4. 2. 2 Voice-Chats 25
4. 2. 3 Video-Chats 25
4. 2. 4 Resümee 26
4. 3 Unterscheidung nach Teilnahmemöglichkeit 27
4. 3. 1 Offene Chats 27
4. 3. 2 Geschlossene Chats 27
4. 3. 3 Moderierte Chats 28
4. 3. 4 Unmoderierte Chats 28
4. 4 Unterscheidung nach inhaltlicher Zielsetzung des 28
Anbieters
4. 4. 1 Kommerzielle Chats 28
4. 4. 1. 1 Kostenpflichtige Chats 28
4. 4. 1. 2 Chats als Mittel der Kundenbindung 29
4. 4. 2 Nichtkommerzielle Chats 30
4. 4. 2. 1 Therapie-Chats, Online-Beratungen 30
4. 4. 2. 2 Selbsthilfe-Chats 32
IX
4. 4. 2. 3 Themenbasierte Chats 33
5. 0 Technischer Ablauf des Web-Chats 33
Literatur 39
II. Chat-Kommunikation 42
1. 0 Grundzüge der Kommunikation im Chat 42
2. 0 Standardisierungsformen 44
2. 1 Emoticons 44
2. 2 ASCII-Bildobjekte 47
2. 3 Akronyme 49
2. 4 Disclaimer 51
2. 5 Soundwörter 53
2. 6 Aktionswörter 53
3. 0 Theorien und Modelle zur Chat-Kommunikation 55
3. 1 Kanalreduktionsmodell 55
3. 2 Filtermodelle 58
3. 3 Rationale Medienwahl 59
3. 4 Normative Medienwahl 61
3. 5 Interpersonale Medienwahl 62
3. 6 Soziale Informationsverarbeitung 63
3. 7 Simulationsmodell 65
3. 8 Imaginationsmodell 68
3. 9 Digitalisierungsmodell 69
3. 10 Kulturraummodell 71
3. 11 Medienökologisches Rahmenmodell 74
3. 11. 1 Medienwahl 78
3. 11. 2 Mediale Umgebung 79
3. 11. 3 Mediales Kommunikationsverhalten 81
3. 11. 4 Kurzfristige soziale Effekte 82
3. 11. 5 Langfristige soziale Folgen 85
Literatur 87
III. Sozialpädagogischer Ausblick 90
1. 0 Die Konstruktion von Identität im Chat 90
1. 1 Eindrucksbildung 90
1. 2 Geschlechtsidentität und Gender-Switch 92
1. 3 Veränderung beste hender Identitäten 94
2. 0 Soziale Beziehungen und Gemeinschaften 95
2. 1 Soziale Beziehungen 95
2. 2 Beziehungsentwicklung 96
2. 3 Gemeinschaften 97
Literatur 98
X
Abkürzungsverzeichnis
3D: dreidimensional
ASCII: American Standard Code for Information Interchange
BDA: Bundesdatenautobahn
CERN: Centre Européen de Recherches Nucléaires (europäisches Kernforschungszentrum)
CGI: Common Gateway Interface (Allgemeine
CT: Chattertreffen
Cyborg: Cybernetic Organism (Kybernetischer Organismus): Mit der Technik verschmolzener Mensch
Email: Electronic Mail (elektronische Post): Internetdienst, der das versenden und empfangen von Nachrichten ermöglicht
FTP: File Transfer Protocol (Datentransferprotokoll):
HTML: HyperText Markup Language (Hypertext
III
HTTP: HyperText Transfer Protocol (Hypertext
ICQ: versprachlichte Abkürzung von “I seek you” (“Ich such dich”):
IRC: Internet Relay Chat (per Internet übertragener Chat): älteste
Mail: Electronic Mail (elektronische Post): Internetdienst, der das
NCSA: National Center for Supercomputing Applications (nationales Zentrum für die Anwendung von Hochleistungsrechnern)
NII: National Information Infrastructure (nationale Informationsinfrastruktur)
SGML: Standard Generalized Markup Language (normierte,
SIDE: Social Identity and DEindividuation (soziale Identität und Deindividuation)
SMS: Short Message Service (Kurzmitteilungsservice)
IV
TCP/IP: Transmission Control Protocol/Internet Protocol (Übertragungskontrollprotokoll/ Internetprotokoll)
UIN: Universal Internet Number (universale Internetnummer)
URL: Uniform Resource Locator (Vereinheitlichte
Web: World Wide Web (weltumspannendes Netz) : multimedialer
WWW: World Wide Web (weltumspannendes Netz) : multimedialer
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Firmenzeichen der Bundesdatenautobahn (BDA)
Abbildung 2: Beispiel einer URL
Quelle: Eigener Entwurf
Abbildung 3: Beispiel einer Emailadresse
Quelle: Eigener Entwurf
Abbildung 4: Einstellungsmöglichkeiten des Onlinestatus im ICQ 2000b
Abbildung 5: Screenshot aus dem 3D-Chat „ Rose Moove Roomancer“
Abbildung 6: Screenshot eines Video-Chats mit Voice- und
Abbildung 7: Die Anmeldeseite (Ausschnitt)
VI
Abbildung 8: Beispiel einer Benutzeroberfläche in einem Web-Chat
Abbildung 9: Regelkreis der Kommunikation
Abbildung 10: Beispiel für vom Anbieter zur Verfügung gestellte
Abbildung 11: Beispiele einfacher ASCII-Bildobjekte Quelle: Eigener Entwurf
Abbildung 12: Beispiel eines fortgeschrittenen ASCII-Kunstwerkes
Abbildung 13: Häufig verwendete Akronyme
Quelle: Eigener Entwurf
Abbildung 14: Häufig verwendete Soundwörter
Quelle: Eigner Entwurf
Abbildung 15: Häufig verwendete Soundwörter
Abbildung 16: Zwiebeldiagramm der Manifestation von Kultur auf
Abbildung 17: Medienökologisches Rahmenmodell
Abbildung 18: Bedingungen defizitärer oder defizitloser Chat-
Abbildung 19: Spezifische Vor- und Nachteile der computervermittelten
Einleitung
Das Internet wird nach aktuellen Schätzungen derzeit von ungefähr 20 bis 40 Millionen Menschen weltweit in verschiedener Form genutzt. Dabei beträgt die Zuwachsrate der Netzteilnehmer etwa 10 Prozent monatlich. Durch diese explosionsartige Entwicklung kommt dem Internet in der Gesellschaft eine wachsende Bedeutung zu. Es ist anzunehmen, dass der Chat als eine der beliebtesten Kommunikationsformen, die das Internet zur Verfügung stellt, dadurch ebenfalls verstärkt Einfluss nehmen wird auf verschiedene Bereiche des menschlichen Lebens. Aus diesem Grund bin ich davon überzeugt, dass die Sozialwissenschaften, insbesondere die Sozialpädagogik, in Zukunft zunehmend mit dem Thema der Chat-Kommunikation konfrontiert werden und sich mit diesem auseinandersetzen müssen.
Die neue, mediale Kommunikationsform „Chatten“ befindet sich jedoch noch mehr oder minder in der Einführungsphase, weshalb die öffentliche Diskussion zu diesem Thema vor allem durch ambivalente Stereotype geprägt ist. Dementsprechend ist auch die fortschrittgläubige Phantasie von der Allmacht der Technik ebenso verbreitet, wie die Befürchtung durch die computervermittelte Kommunikation würden die Menschen vereinsamen und sich voneinander isolieren. Meiner Meinung nach kann auf die spezifischen Vor- und Nachteile der Chat-Kommunikation allerdings nur adäquat eingegangen werden, wenn eine möglichst realistische Vorstellung der Charakteristika des neuen
Kommunikationsmediums existiert. Aus diesem Grund möchte ich in meiner Diplomarbeit versuchen, einen möglichst umfassenden Überblick zum Thema der Chat-Kommunikation zu geben.
Zunächst soll hierfür im ersten Kapitel der Chat als Teil der Internetdienste vorgestellt werden. Daran schließt sich der zweite Abschnitt meiner Diplomarbeit an, der speziell auf die Grundzüge der Chat-Kommunikation und die dabei entstandenen Standardisierungsformen eingeht, um anschließend die verschiedenen theoretischen Strömungen zu diesem
1
Thema aufzuzeigen. Abschließend soll im dritten Kapitel ein sozialpädagogischer Ausblick auf die Zusammenhänge zwischen der computervermittelten Kommunikation und Identitäten, Beziehungen sowie Gemeinschaften gegeben werden.
Ich hoffe, dass meine Diplomarbeit dem Leser einen Anstoß gibt, sich eingehender mit der Thematik der Chat-Kommunikation zu befassen, Bestehendes zu hinterfragen und den einen oder anderen Gedanken weiter zu verfolgen.
2
I. Der Chat als Teil der Internetdienste
1. 0 Begriffsdefinition Internet
Der Begriff Internet ist zusammengesetzt aus dem lateinischen Ausdruck „inter“ (zwischen) und der Abkürzung des englischen Wortes „networking“ (vernetzen) und bedeutet somit soviel wie „Vernetzung zwischen Computern beziehungsweise Computernetzen“ 1 . Es besteht, trotz der weiten Verbreitung dieses Wortgebrauches in der öffentlichen Diskussion und den Medien, keine Übereinkunft darüber, was sich hinter diesem zentralen Begriff unserer Informationsgesellschaft verbirgt. Die unterschiedlichen Auffassungen über die exakte Bedeutung des Begriffs Internet manifestieren sich meiner Meinung nach besonders deutlich bei der Betrachtung folgender, häufig zitierter Definitionen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten.
Technische Definition:
“Network based on TCP/IP 2 protocols.” 3
Soziologische Definition:
“A community of people who use and develop those networks.” 4
Kognitive Definition:
“A collection of resources that can be reached from those networks.” 5
Verschiedene Aspekte des Internets finden in diesen
Begriffsbestimmungen Beachtung, wobei allerdings immer nur ein einzelner Ausschnitt betrachtet wird, ohne andere Gesichtspunkte mit
1 Vgl. Bauser, Sylvia, Riautschnig, Rudolf: Internet & Identität. URL: http://www.uni-
klu.ac.at/~ruriauts/turkle/html/definition.html, entnommen am 11.09.2002.
2 Transmission Control Protocol / Internet Protocol
3 Krol, Ed, Hoffmann, Ellen: What is internet? Request for comments 1462. URL:
http://rfc.eunet.fi/rfc1462.txt, entnommen am 10.09.2002.
4 Ebd.
5 Ebd.
3
einzubeziehen. Dieses Defizit behebt Thomas Fasching in seiner Definition und konkretisiert seine umfassende Beschreibung der Charakteristika des Internets sogar noch weiter. Aus diesem Grund möchte ich seine Begriffsbestimmung nun kurz vorstellen, und mich im weiteren Verlauf meiner Diplomarbeit auf diese beziehen, wenn der Ausdruck Internet gebraucht wird.
„Das Internet ist ein globales Netzwerk unterschiedlicher Computernetze, das, technisch hierarchisch aufgebaut, Daten mittels TCP/IP -Protokollierung, als selbststeuernde Pakete transportiert, um den Nutzern Programm-, Datei- und Informationsaustausch und gegenseitige Kommunikation, mittels verschiedener Dienste zu ermöglichen. Dieses Netzwerk ist ein von seinen Nutzern selbstverwaltetes System ohne zentrale Instanzen mit formell legitimierter Sanktionsgewalt; das Miteinander vollzieht sich nach einem informellen dynamischen Regelwerk, das Teil einer gewachsenen Kultur ist. Die Nutzer sind darin in Subkulturen enkulturiert und grenzen sich über Kulturgüter nach außen ab.“ 6
2. 0 Datenautobahn und Cyberspace - 2 Internetmetaphern
im Vergleich
Ähnlich wie mit den Begriffsdefinitionen verhält es sich mit den beiden Metaphern Cyberspace und Datenautobahn, die häufig als Synonyme für das Internet verwendet werden. Sie erzeugen jeweils unterschiedliche Vorstellungen von der Beschaffenheit und den Nutzungsmöglichkeiten des Internets. Meiner Meinung nach ist es hierbei jedoch weniger wichtig, eine allgemeingültige Metapher zu (er-)finden, vielmehr muss einer Person bewusst werden, dass sie mit dem Gebrauch der beiden Ausdrücke unterschiedliche Assoziationen hervorruft und somit verschiedene Aussagen trifft.
6 Fasching, Thomas: Internet und Pädagogik. Kommunikation, Bildung und Lernen im Netz.
München [KoPäd Verlag], 1997, Seite 49.
4
2. 1 Datenautobahn
1993 erwähnte der damalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika Al Gore in seiner Regierungserklärung zum ersten Mal öffentlich den Begriff „data highway“, dem Vorläufer der Metapher Datenautobahn. In seiner Rede ging es darum, das Vorhaben eine nationale Informationsinfrastruktur (NII) zu entwickeln, der Öffentlichkeit vorzustellen. Dabei wählte Al Gore bewusst einen Ausdruck, der an das anerkannte Werk seines Vaters, die „Highway-Gores“, erinnerte. Auf diese Weise versuchte er ein positives Grundgefühl gegenüber der neuen Technik bei der Bevölkerung zu erzeugen. Schließlich benutzt fast jeder Einwohner der Vereinigten Staaten von Amerika, aufgrund der Größe des Landes und mangels alternativer Verkehrsmittel, ständig diese großen Straßenverkehrsnetze. Die Highways in den Vereinigten Staaten sind für die Einwohner dort jedoch nicht nur etwas Altbekanntes, sie sind auch ein Symbol für wirtschaftliches Wachstum, Freiheit und Mobilität. 7
Die vertrauenserweckenden Assoziationen, die der Begriff auslöst, sind sicher mit dafür verantwortlich, dass auch die deutsche Bundesregierung die Metapher von der Datenautobahn bevorzugt. Beispielsweise eröffnete am 2. Januar 1995 die erste Bundesdatenautobahn (BDA). Sie entstand durch den Zusammenschluss verschiedener regionaler Datenautobahnen zu einem föderativen Verbund und zielt darauf ab, die neuen Medien für die breite Bevölkerung nutzbar zu machen. Das Langzeitziel dieser Organisation sieht eine „Einbettung der Nutzung der BDA in das tägliche Leben des Verbrauchers, so selbstverständlich wie das Telefon“ 8 vor. Hierbei wird offensichtlich die ursprüngliche Idee Al Gores aufgegriffen, die Datenautobahn zu einer ebenso alltäglichen Erscheinung werden zu lassen, wie dies auch bei den Straßenverkehrsnetzen der Fall ist. Das
7 Vgl. Schwalm, Carola: Globale Kommunikation. Der Wandel sozialer Beziehungen durch die
Kommunikation in Computernetzwerken. Berlin [Wissenschaftlicher Verlag], 1998, Seite 23.
8 O. A.: Bundesdatenautobahn. URL: http://www2.heldenfussallee.de/bda/gen/info.html,
entnommen am 12.09.2002.
5
Logo der Bundesdatenautobahn (siehe Abbildung 1) verdeutlicht ebenfalls den nahen Bezug dieser Firma zur Metapher der Datenautobahn. 9
Abb. 1: Firmenzeichen der Bundesdatenautobahn (BDA) 10
Die Bundesregierung versteht, laut Schwalm, das Internet hauptsächlich auch als „Verteilungsmedium überregionaler Serviceangebote“ 11 . Somit wird die Datenautobahn vornehmlich zu einer Kanalmetapher, die sinnbildlich ausdrückt, dass das Internet eine Art Transportweg darstellt. Informationen werden auf der Datenautobahn ähnlich wie
Warenlieferungen in Form von einzelnen Datenpaketen von einem Ort zum anderen versandt. Das Computersystem ermittelt dabei die
momentan günstigste Route und leitet den Transfer gegebenenfalls um, wenn ein Knotenpunkt zu dieser Zeit blockiert ist. Durch seine vielfältige Vernetzung ähnelt das Internet somit realen Autobahnen. Beispielsweise kann der Benutzer frei wählen, welche „Auffahrt“ zur Datenautobahn für ihn die günstigste darstellt, zum Beispiel durch die Entscheidung für einen bestimmten Anbieter. 12
Je nach technischer Ausstattung erfolgt der bereits erwähnte Datentransport mit unterschiedlich schneller Geschwindigkeit. Dies ist in etwa vergleichbar mit der Motorkraft eines Fahrzeugs, das verschiedene Tempi ermöglicht. Dabei erlauben Autobahnen, ähnlich wie das Internet, durch ihre parallel verlaufenden Spuren, dass Kraftfahrzeuge mit
9 Vgl. Schwalm, Carola: Globale Kommunikation. Der Wandel sozialer Beziehungen durch die
Kommunikation in Computernetzwerken. Berlin [Wissenschaftlicher Verlag], 1998, Seite 29-33.
10 O. A.: Bundesdatenautobahn. URL: http://www2.heldenfussallee.de/bda/gen/info.html,
entnommen am 12.09.2002.
11 Schwalm, Carola: Globale Kommunikation. Der Wandel sozialer Beziehungen durch die
Kommunikation in Computernetzwerken. Berlin [Wissenschaftlicher Verlag], 1998, Seite 29-33.
12 Vgl. ebd.
6
unterschiedlicher Schnelligkeit gleichzeitig am Verkehr teilnehmen. Dadurch ist die Datenautobahn vor allem auch als
Geschwindigkeitsmetapher zu sehen. Im Internet existieren zudem keine Zulassungsbeschränkungen, was die Mindestgeschwindigkeit betrifft, auch wenn ab einem gewissen Grad der Zugang nur noch wenig effektiv ist. 13
Der Informations- und Datenaustausch im Internet verläuft jedoch nicht nur unterschiedlich schnell, er kann auch in verschiedene Richtungen erfolgen. Ein Benutzer kann nicht nur Informationen abrufen, sondern sich auch aktiv durch eigene Beiträge beteiligen, wodurch die Datenautobahn ebenso wie herkömmliche Autobahnen bidirektional ist. 14
Besonders wenn auf diese Weise Menschen im Internet über weite Entfernungen hinweg miteinander interagieren, wird jedoch auch deutlich, welche Mängel die Metapher von der Datenautobahn aufweist. Aufgrund der hohen Übertragungsgeschwindigkeit ist die eigentliche „Fahrzeit“ meistens kaum spürbar. Bill Gates sprach in diesem Zusammenhang sogar von einer „Raumaufhebung“. Im Internet werden lediglich Informationen transportiert, wobei die Interaktionspartner jedoch nicht ihren Aufenthaltsort ändern. Das virtuell weitergegebene Wissen ist beliebig reproduzierbar und kann an mehrere Zielorte gleichzeitig versendet werden, wohingegen Menschen und Waren natürlich nur einmal existieren und somit zur selben Zeit auch nur ein einziges Ziel auf Autobahnen ansteuern können. 15
Die Metapher der Datenautobahn erlaubt somit hauptsächlich eine Betrachtung des Internets aus einem eher technischen Blickwinkel und betont vornehmlich die Nutzungsmöglichkeit als Medium zum
13 Vgl. Herrmann, Andrea: Internet: Revolution oder Spielerei? Mythen, Metaphern und
Netzparadigmen: Datenautobahn, Cyberspace, CyberSociety, Digitale Stadt oder globales Dorf?
URL: http://www.erziehung.uni-giessen.de/studis/Robert/1512_2.html, entnommen am
12.09.2002.
14 Vgl. ebd.
15 Vgl. Schwalm, Carola: Globale Kommunikation. Der Wandel sozialer Beziehungen durch die
Kommunikation in Computernetzwerken. Berlin [Wissenschaftlicher Verlag], 1998, Seite 31-33.
7
Informationsaustausch. Diesem Sinnbild steht eine weitere Analogie des Internets gegenüber, die im Folgenden beschrieben werden soll. 16
2. 2 Cyberspace
Der Ausdruck Cyberspace wurde bekannt durch einen Science-Fiction-Roman von William Gibson namens „Neuromancer“, indem sich der Held Case in einer technischen, körperlosen Welt, dem so genannten Kyberspace (in der englischen Ausgabe Cyberspace genannt), bewegt und dort seine Abenteuer erlebt. In seinem 1984 erschienenen Werk beschreibt der Autor die Verschmelzung des Menschen beziehungsweise seines Nervensystem mit dem Computer, wodurch eine Aufhebung der Grenzen zwischen der realen und der virtuellen Welt erfolgt. Spracherkennungssysteme und Bewegungsabnehmer, wie zum Beispiel Datenhandschuhe, -brille n oder -anzüge, haben diese Vorstellung von einem sinnlich erlebbaren Raum im Internet durchführbarer erscheinen lassen, bis zu ihrer Weiterentwicklung und Verbreitung bleibt die Vorstellung von Gibson, die Realität vom Cyberspace nicht mehr unterscheiden zu können, jedoch ein reines Phantasiegebilde. 17
Die Raummetapher vom Cyberspace beschreibt somit vornehmlich eine Art virtuellen Ort oder Treffpunkt. Dieser wird erst durch das miteinander Interagieren der beteiligten Personen im Internet „belebt“. Beispielsweise ist eine sinnvolle Kommunikation im Webchat davon abhängig ob ausreichend viele Mitwirkende daran teilnehmen. Auf der anderen Seite basiert auch die Herausbildung von Gruppen und Gemeinschaften im Internet auf dem Vorhandensein fester Anlaufpunkte für die Benutzer. Meiner Meinung nach wird dadurch der soziale Aspekt der Metapher vom Cyberspace deutlich, da sich im Internet der virtuelle Raum und zwischenmenschliche Beziehungen gegenseitig bedingen. 18
16 Vgl. ebd.
17 Vgl. ebd.
18 Vgl. ebd.
8
So genannte Siedlungsmetaphern, wie zum Beispiel „globales Dorf“ oder „digitale Stadt“, lassen zudem den Eindruck entstehen, das Internet würde für seine Benutzer sogar eine Art Wohnraum oder Heimat darstellen. Meine eigenen Beobachtungen bestätigen zumindest teilweise diese Vermutung. Viele User (Internetbenutzer) bezeichneten sich selbst häufig als „Netzbewohner“ oder einfach nur „Einwohner“ und nannten den Cyberspace „my second home“ („mein zweites Zuhause“). Scherzhaft stellten einige sogar Überlegungen an, sich einen Zweitwohnsitz im Internet gene hmigen zu lassen. Außerdem wurden neu hinzu gekommene Benutzer nach einiger Zeit von den Erfahreneren gefragt, ob sie sich schon „eingelebt“ hätten. Diese Beispiele verdeutlichen sehr anschaulich, wie stark verwurzelt die Vorstellung eines irgendwie gearteten Raumes in der Internetkultur ist.
Hauptsächlich bieten solche sozialen Verortungen im Cyberspace, neben der eben beschriebenen (Be-)Siedlungskomponente, Gelegenheiten sich kommunikativ mit anderen Benutzern auszutauschen. Insbesondere
aufgrund neuer Verbreitungstechniken, wie zum Beispiel dem Internet, hat eine ungeheure Vermehrung, Beschleunigung, Verdichtung und Globalisierung von Kommunikation stattgefunden. Es erstaunt deshalb kaum, wenn Carola Schwalm den Cyberspace auch als „Metapher auf die Kommunikationsgesellschaft“ 19 bezeichnet.
Letztendlich wird der Cyberspace aber ebenso als Analogie zum Weltraum gesehen. „Dort erwartet die Menschheit Dinge, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ 20 Dieses Zitat erinnert sehr stark an den Vorspann der beliebten Science-Fiction-Serie „Star Trek“, in der die Raumschiffmannschaft der „Enterprise“ noch unbekannte Bereiche des Universums erforscht. Im Gegensatz zum Universum enthält der Cyberspace aber nur Elemente, die bewusst von Menschen erzeugt wurden. Durch das Internet erschließen sich für einige Menschen häufig derart neue Möglichkeiten, dass daraus der Eindruck entstehen kann, eine „neue Welt“ betreten zu haben. Trotzdem bleibt der Cyberspace, ähnlich
19 Vgl. ebd.
20 Ebd., Seite 29.
9
wie der Kosmos, eine letzte Grenze, an die man sich zwar annähern kann, die im Endeffekt aber nie überschritten wird. 21
2. 3 Resümee
Es wird deutlich, dass durch den Gebrauch einer Metapher mehr erzeugt wird, als nur eine einfache bildliche Umschreibung für einen Begriff. Vielmehr sind immer auch gewisse Erwartungen und Vorstellungen damit verbunden. Infolgedessen verspricht die Datenautobahn den schnellen Zugang zu verschiedensten Informationen, während sich durch den Cyberspace eine Art neuer Raum erschließen lässt, der Gelegenheit zur zwischenmenschlichen Kommunikation bietet. Auf diese Weise entsteht beinahe der Eindruck, es würden zwei verschiedene Dinge beschrieben werden. Es handelt sich bei den beiden Metaphern, wie bereits angedeutet, allerdings nur um die Beschreibung der unterschiedlichen Teilaspekte des Internets, die in der Gesamtbetrachtung eine umfassende Vorstellung von den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten bietet. In meiner Diplomarbeit wird speziell die zwischenmenschliche
Kommunikation den virtuellen Räumen des Chats behandelt, weshalb die Metapher vom Cyberspace in diesem Rahmen sicherlich zutreffender erscheint, als die der Datenautobahn, weshalb im weiteren Kontext das Internet auch eher als solcher verstanden werden soll. 22
3. 0 Internetdienste
Die eher abstrakte Auseinandersetzung mit der begrifflichen Bestimmung des Internets wird häufig umgangen, indem das Internet anhand seiner einzelnen Bestandteile beschrieben wird. Leider wird dabei meist versäumt, eingangs eine Festlegung vorzunehmen, was unter den
21 Vgl. Köhntopp, Kristian: Was ist das Internet? Ein Überblick. In: Rost, Martin (Hrsg.): Die
Netzrevolution. Frankfurt am Main [Eichborn-Verlag], 1996. Seite 20-36.
22 Vgl. Gräf, Lorenz, Krajewski, Markus: Soziologie im Internet. Handeln im elektronischen Web-
Werk. Frankfurt am Main, New York [Campus Verlag], 1997, Seite 81-89.
10
aufgeführten Internetdiensten zu verstehen ist. Dies ist meiner Meinung nach jedoch notwendig, da sonst unklar bleibt, unter welchen Gesichtspunkten eine Gruppierung vorgenommen wurde und dadurch Missverständnisse auftreten können. Aus diesem Grund soll nun zunächst eine prägnante, wenn auch kurze Definition der Internetdienste von Pior und Tiedemann wiedergeben werden.
„Die verschiedenen Anwendungsgebiete des Internet werden als „Dienste“ bezeichnet. Sie werden mit speziellen Internet-Protokollen und unterschiedlichen Softwareprogrammen genutzt.“ 23
Im Folgenden werden die wichtigsten Dienste aus der großen Bandbreite des Internets vorgestellt. Aufgrund der Vielzahl von
Anwendungsmöglichkeiten kann dabei allerdings kein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen.
3. 1 World Wide Web (WWW, Web)
Obwohl das World Wide Web (weltumspannendes Netz) eigentlich nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten des Internet darstellt wird es häufig mit diesem gleichgesetzt beziehungsweise verwechselt. Hauptgrund dafür ist gewiss, dass es sich beim Web zusammen mit der Email um einen der wichtigsten und am häufigsten genutzten Internetdienste handelt. Vor allem wurde das Internet aber auch erst durch die Entwicklung des World Wide Web zu einem Medium für die breite Öffentlichkeit. 24
Ab 1989 arbeitete Doktor Tim Berner-Lee am europäischen Kernforschungszentrum CERN (Centre Européen de Recherches Nucléaires) in Genf an der Erstellung des nicht-linearen
Informationssystems World Wide Web. Grundidee dabei war es, ein
23 Pior, Ra iner, Tiedemann, Paul: Internet für Psychologen. Eine praxisorientierte Einführung.
Darmstadt [Primus Verlag], 2000, Seite 17.
24 Vgl. ebd., Seite 3-6.
11
Programm zu schaffen, das in der Lage sein würde, Daten leichter zugänglich zu machen. Vor dieser Erfindung war es insbesondere nicht möglich, gezielt auf Informationen im Internet zuzugreifen. Ein Benutzer musste sich von Seite zu Seite vorarbeiten, bis er an der gewünschten Stelle angelangt war, wobei die hierarchische Struktur nicht umgangen werden konnte. Recherchearbeiten im Internet gestalteten sich dementsprechend schwierig.
Berner-Lee entwickelte zur Verwirklichung seiner Vorstellungen zunächst die Editierungssprache HTML (HyperText Markup Language), die auf der bereits anerkannten Auszeichnungssprache „SGML“ ( Standard
Generalized Markup Language) basierte. Sie dient zur Strukturierung von Texten und Dokumenten im World Wide Web, beispielsweise durch Tabellen oder Absätze. Die so genannten „Tags“ sind dabei einzelne Formatierungsanweisungen innerhalb der HTML, die durch die Standardzeichen <““/> kenntlich gemacht werden. Daraus ergab sich eine große Neuerung. Erstmals konnten auch multimediale Elemente direkt in Internetdokumente eingebettet werden. Außerdem sind Schnittstellen für verschiedene Erweiterungssprachen, zum Beispiel JavaScript, vorhanden. Der größte Fortschritt wurde jedoch durch die Entwicklung der Hyperlinks beziehungsweise Links erzielt. Diese stellen Querverweise her zu einer beliebigen Stelle in der jeweiligen Datei oder sogar zu einer anderen Internetseite. In der Regel werden Hyperlinks in Webdokumenten durch eine andere Farbgebung und/oder Unterstreichungen gekennzeichnet, allerdings können beispielsweise auch Grafikelemente einen Querverweis enthalten. Die hierarchische Informationsstruktur in früheren
Internetdiensten konnte somit letztendlich durch dieses Hypertextprinzip des World Wide Web durchbrochen werden. 25
Zusätzlich zur Editierungssprache HTML entwickelte Berner-Lee speziell für das World Wide Web ein eigenes, einfaches Verbindungsprotokoll namens „HTTP“ (HyperText Transfer Protocol). Dieses legt ein Verfahren fest, nach welchem ein vom Benutzer angefordertes Dokument als Kopie
25 Vgl. ebd.
12
Arbeit zitieren:
Diplom-Sozialpädagogin (FH) Annegret Teplan, 2002, Kommunikation im Chat, München, GRIN Verlag GmbH
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