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4. Armenisch-Orthodoxe (Gregorianer)
5. Assyrisch-Chaldäer (Assyrische Kirche des Ostens oder Nestorianer) 6. Protestanten (Evangelische Kirche)
1. Allgemein
1. A Das frühe Christentum im Vorderen Orient
Im Laufe seiner Geschichte hat das Christentum immer wieder seine Gestalt, Inhalte und Auffassungen entsprechend den geistigen Strömungen und politischen Verhältnisse der Zeit verändert. Während anfangs der innerchristlichen Streitigkeiten lediglich zu innenpolitischen und sozialen Spannungen führten, spaltete sich die Kirche in der Folge in zahlreiche Untergruppen auf. Auf dem ersten bedeutenden Konzil, dem Konzil von Nicaea 325, verkündete der Kaiser ein Glaubensbekenntnis, das für alle Christen im Reich als orthodox (rechtgläubig) und katholisch (allgemeingültig) zu betrachten war: das apostolisch-nicäische Christentum wurde zur katholischen Staatsreligion! Der Hauptstreit in der Kirche wurde dadurch nicht beigelegt. Es ging um die Natur Christi. So war das Christentum im Vorderen Orient von Anfang an von unterschiedlichem philosophisch-religiösem Gedankengut durchdrungen und ließ sich nicht in ein von Konstantinopel aufgezwungenes Schema pressen. Christen und Mönche waren Anhänger des Monophysitentums. Die Lehre von der einen, reinen göttlichen Natur Christi entsprach dem traditionellen religiösen Empfinden mehr als die orthodoxischen Vorstellungen, dass Christus wahrer Gott und Mensch in einer Person sei. Schließlich führte dieser Streit zur ersten Spaltung. Als auf dem Konzil von Chalkedon 451 Christus in zwei Naturen unvermischt, unverwandelt und ungetrennt anerkannt wurde, trennte sich die ägyptische Kirche (Kopten), die Westsyrer (Jakobiten) und Armenier von der byzantischen Reichskirche, den Malikitten (Kaiserlichen). Im Jahr 1054 entzweite sich das abendliche und das morgenländische Christentum endgültig voneinander.
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1. B Der Islam
Unter dem arabischen Begriff „Islam“ versteht man die Hingabe des Gläubigen an den göttliche Willen. Der Gläubige ist als Muslim (weibl. Muslima) zu bezeichnen, während der Begriff „Mohammedaner“ eine westliche Fehldeutung ist und dem islamischen Selbstverständnis widerspricht. Muhammed (wörtlich: „der Gepriesene“) war zwar Gottes Prophet und Gesandter und - so beschreibt es die sira, die kanonische Muhammadbiographie - der „treueste im Vertrag“, der „die vortrefflichste Hand, das kühnste Herz, die wahrhaftigste Zunge“ besaß. Doch Gott alleine, er, der allmächtige Schöpfer, steht im Mittelpunkt der Anbetung. Religiöse Verehrung auf einen Menschen, sei er auch wie Mohammed das „schönste Beispiel“, zu konzentrieren, entspräche nicht der Forderung nach einem konsequenten, absoluten Monotheismus -das wichtigste Charakteristikum der islamischen Religion!
Muhammed erblickte 570 in Mekka das Licht der Welt. Im Alter von 40 Jahren erhielt er seine ersten Offenbarungen durch den Erzengel Gabriel. Zunächst verängstigt und betroffen, von Gott als „Sprachrohr“ auserkoren zu sein, gewann Mohammed in seinem Glauben allmählich an Sicherheit. Er begann, die Worte, die ihm Gabriel übermittelte, weiterzugeben. Er verkündete, dass es nur einen Gott gibt und prangerte polytheistische Verehrungen öffentlich an.
Vor der Verkündung Muhammeds war das vorislamische Mekka des 6. und beginnenden 7. Jahrhundert von einer polytheistischen Verehrung hunderter Götzenbilder geprägt. Diese schmückten die Kaaba, die bereits vor dem Islam ein Heiligtum war und die als Anziehungspunkt vieler Pilger den Wohlstand der mekkanischen Händler sicherstellte. Der Konflikt mit der mekkanischen Gesellschaft, allem voran die Händler, die nun um ihre wichtigsten Einnahmequellen fürchteten, war somit vorprogrammiert. Die Spannungen nahmen zu und mit dem Tod seiner ersten Frau Hadija verlor er seine wichtigste Vertraute und Stütze, so dass es sich schließlich zur Hijra, der Auswanderung entschloß. Im Jahr 622 zog er nach Yathrib und das wir heute unter Medina kenne.
Mit diesem Jahr - 622 - beginnt die islamische Zeitrechnung, die sich am Mondjahr, orientiert. Dieses hat nur 354 Tage, deckt sich also nicht mit dem christlichen, woraus sich z.B. ergibt, dass der Ramadan jedes Jahr elf Tage früher beginnt.
In Medina schuf Muhammed die erste muslimische Gemeinde, die sogenannte umma, heute der Begriff für die weltweite muslimische Gemeinschaft, die jeder Muslim/Muslima ungeachtet der eigenen Nationalität angehört.
Bis zu seinem Tod 632 empfing Muhammed in unregelmäßigen Abständen göttliche Offenbarungen, die zu seinen Lebzeiten zunächst auf Tonscherben, Lederstücken und Palmstengeln aufgezeichnet wurden. Erst nach seinem Tod wurden sie unter dem dritten Kalifen Othman gesammelt und als Koran regidiert.
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Der Koran (wörtlich „die Lesung“) gilt den Muslimen als das direkte Wort Gottes -Muhammed ist lediglich der Übersetzer. Seine 114 Suren (Kapitel) sind ihrerseits in Verse unterteilt und haben ein sehr weit gefächertes Themenspektrum: Fragen des gesellschaftlichen und familiären Lebens, religiöse Vorschriften und Verbote. In den Suren finden sich auch Personen aus dem Alten und Neuen Testament.
Neben dem Koran wurde die in Schriften tradierte Lebensweise des Propheten (Sunna) und seine Aussprüche (Hadithe) zur wichtigsten Quelle der islamischen Religion. Auf der Basis der Hadtithe und der Koranverse, die zu juristischen Fragen Stellung nahmen, wurde im Laufe der ersten drei Jahrhunderte islamischer Zeitrechnung die sogenannte Scharia entwickelt.
In den verschiedenen Gegenden der islamischen Welt (auf der arabischen Halbinsel, in Syrien, Ägypten und dem Irak) hatten sich wissenschaftliche Zentren gebildet. In diesen fanden sich Rechtsgelehrte, sogenannte Ulama zusammen, um für die Muslime eine Rechtsordnung zu schaffen.
Die Rechtsgelehrten gelten als die religiösen Autoritäten. Der Islam besitzt keine Gemeindestruktur, keine Organisation, die mit der kirchlichen vergleichbar wäre und kein Oberhaupt, das allgemeine Anerkennung innerhalb der islamischen Welt genießt.
Durch Koran, Sunna, Hadithe und Scharia sind die Rechte und Pflichten der Gläubigen genau definiert. Die wichtigsten Pflichten, die gewissermaßen die Grundlage eines gläubigen Lebens darstellen, werden als die „Fünf Säulen des Islam“ bezeichnet.
1.
„Ich bekenne, dass es keinen Gott außer dem einen Gott gibt und dass Mohammed sein Gesandter ist. Ich glaube an Gott, an seine Engel, an seine Bücher, an seine Gesandten, an das Jüngste Gericht und das Schicksal, sei es gut oder schlecht.“
Durch das Glaubensbekenntnis, die schahade, bezeugt der Muslim seinen Glauben.
2. „Ihr Gläubigen!
Wenn Ihr Euch zum Gebet aufstellt, dann wascht euch (vorher) das Gesicht und die Hände bis zum Ellbogen und streicht Euch über den Kopf und (wascht euch) die Füße bis zu den Knöcheln!“
Die rituelle Reinigung ist eine Voraussetzung für das rituelle Gebet, des salat. Das Gebet soll fünfmal am Tag vollzogen werden (die Einhaltung der Gebetszeiten hängen mit dem Stand der Sonne zusammen). Die Gebetsrichtung ist gen Mekka. Der Gebetsausrufer nennt man Muezzin (der heutzutage oft durch ein Tonband ersetzt wird).
3.
„Man fragt dich nach dem Wein und dem Losspiel. Sag: In ihnen liegt eine schwere Sünde. Und dabei sind sie für die Menschen (auch manchmal) von Nutzen. Die Sünde, die in Ihnen liegt, ist aber größer als ihr Nutzen. Und man fragt dich, was man spenden soll. Sag: Den Überschuss (von dem, was ihr besitzt)!“
Die Almosensteuer, die zakat, soll als Unterstützung für Arme, Gefangene, Verschuldete und Reisende gegeben werden und so den sozialen Frieden sichern.
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4. „Ihr Gläubigen!
Euch ist vorgeschrieben, zu fasten, so wie es auch denjenigen, die vor euch lebten, vorgeschrieben worden ist. Vielleicht werden ihr gottesfürchtig sein.“
Das Fasten (saum) wird im Ramadan durchgeführt. Er ist ein besonders heiliger Monat - in seiner 27. Nacht, der „Nacht der Bestimmung“, empfing Muhammed zum ersten Mal die göttliche Offenbarung.
Vom Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang verzichtet der Fastende auf Essen, Trinken, Rauchen und sexuellen Verkehr. Von der Fastenpflicht sind Reisende, Schwangere, Stillende, Alte und Kranke ausgenommen - ihnen wird empfohlen, das Fasten in einer Zeit nachzuholen, in der es ihnen leichter fällt.
5.
„Führt die (große) Wallfahrt und die Besuchsfahrt im Dienste Gottes durch!“
Die Pilgerfahrt nach Mekka, der hajj (Hadschi), orientiert sich in ihrem Ablauf an der „Abschiedswallfahrt“, die Muhammed ein Jahr vor seinem Tod in seiner Geburtsstadt vorgenommen hat.
Sie ist Pflicht für jeden Gläubigen (vorausgesetzt, dass er dazu gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage ist). Der Mittelpunkt der Wallfahrt ist die siebenmalige Umrundung der Kaaba.
Die Spaltung der Muslime 1. B.1
Muhammed hinterließ nach seinem Tod 632 keinen Erben noch designierten Nachfolger und es begannen die Diskussionen um einen Nachfolger (Khalif). Auf die ersten Kalifen einigte man sich schnell - es waren Abu Bakr (632-34) und Umar (634-44), beide Schwiegerväter Muhammeds.
Bei der Ernennung des dritten Khalifen Othman (644-56) kam es jedoch zu Meinungsverschiedenheiten. Um den Titel stritten sich Othman (er kam aus der Familie der Umayya, die jahrelang gegen den Propheten Muhammed agierten) und Ali, der Schwiegersohn und Vetter von Muhammed. Othman konnte die Wahl jedoch für sich entscheiden. Durch äußere (stark expandiert: Irak, Iran, der gesamte vordere Orient, sowie große Teile von Nordafrika wurden von den Muslimen beherrscht) und innere Spannungen (u.a. Benachteiligung nichtarabischer Muslime) kam es zu innerislamischen Auseinandersetzungen.
Othman wurde 656 während des Betens ermordert und sein schärfster Widersacher, Ali, wurde zum neuen Kalif. Freunde und die Familie von Othman bezichtigten Ali des Mordes und es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Dies führte dazu, dass Ali sich nach Kufa (Irak) zurückzog und sein Widersacher aus der Familie Umayya, Muawiya sich in Jerusalem 660 als Kalif huldigen ließ. Damit war die Umma (die islmische Gemeinde) auseinandergebrochen.
661 fiel Ali einem Attentat zum Opfer und das Kalifat des Ummayyaden Muawiya wurde daraufhin fast überall anerkannt. Lediglich die Anhänger Alis widersetzten sich (muslimische Nichtaraber, die nach sozialer Gleichstellung strebten und muslimische Araber, die Ali, als den einzig rechtmäßigen Kalifen anerkannten). Da sie als geschlossene Gruppe auftraten, wurden sie fortan als Schia (zu deutsch: Partei)genannt.
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Aus der Schia sind die Schiiten und den Umayyaden sind die Sunniten hervorgegangen.
1.B.2 Überblick
Islam: Hingabe des Gläubigen an den göttliche Willen
Muslim (weibl. Muslima) der (die) Gläubige
Mohammedaner ist eine westliche Fehldeutung
die islamische Zeitrechnung 622 - orientiert sich am Mondjahr (nur 354 Tage)
sira die kanonische Muhammadbiographie
Suren Kapitel im Koran (Anzahl 114 Suren)
Sunna Lebensweise des Propheten
Hadithe Aussprüche Mohammeds
Ulama Rechtsgelehrte
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schahade Glaubensbekenntnis
salat das rituelle Gebet
hajj (Hadschi) Pilgerfahrt nach Mekka
Kaaba Muslimisches Heiligtum in Mekka
Allah die arabische Bezeichnung für Gott
Kalif Nachfolger (geistliches Oberhaupt)
Minarett Turm der Moschee
Moschee islam. Gotteshaus (wörtlich der Ort, wo der Gläubige das
Gebet verrichtet)
Muezzin Der Gebetsrufer
Mullah Bezeichnung für den Rechtsgelehrten
Sultan (von arab. Sulta, die Macht) politischer Führer
2. Religionen im Libanon
2. A Anmerkungen:
Der Libanon ist ein laizistischer, jedoch multikonfessioneller Staat. In der libanesischen Verfassung ist das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit verankert und die freie Religionsausübung garantiert. Die Regierung respektiert dieses Recht. Konvertiten können in ihrem privaten oder gesellschaftlichen Umfeld aufgrund der Tatsache, dass im Libanon der Konfessionalismus ein tragendes Prinzip des gesellschaft- lichen Lebens darstellt, nicht unbedingt mit Verständnis rechnen. Ihnen droht jedoch weder landesweite noch nichtstaatliche Verfolgung.
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Es gibt im Libanon keine Staatsreligion. 18 Religionsgemeinschaften sind offiziell anerkannt. Sie stellen Körperschaften des öffentlichen Rechts dar und verfügen über eine begrenzte gesetzgebende und rechtsprechende Gewalt für ihre jeweilige Gemeinschaft, d.h. sie bestimmen nicht nur ihre eigenen religiösen Angelegenheiten, sondern befolgen ein eigenes Personenstandsrecht und unterhalten eigene Bildungseinrichtungen. Libanon weist im Vergleich mit anderen Regionen des Mittleren Ostens das engste Nebeneinander von verschiedenen Religionen auf.
Ein charakteristisches Element des 1926 eingeführten politischen Systems, das auch durch das Taef-Abkommen nur modifiziert wurde, ist die Verteilung der politischen Macht an die wichtigsten konfessionellen Gruppen nach einem festen Proporzsystem. Im Parlament galt dabei seit 1929 ein 6:5 Übergewicht der Christen. Bis zum Taef-Abkommen 1989, in dem die Parlamentssitze paritätisch zwischen Christen und Muslimen aufgeteilt wurden, waren die Christen nicht dazu bereit, ihre Macht entsprechend der wachsenden Anteile der Muslime innerhalb der libanesischen Bevölkerung abzugeben. Die Überlagerung konfessioneller und sozialer Gegensätze begünstigte neben anderen Faktoren, wie z.B. der Rolle der Palästinenser und den Angriffen Israels, den Ausbruch des Bürgerkrieges. Obwohl seit dem Ende des Bürgerkrieges angestrebt wird, die Auswirkungen der jeweiligen Konfession auf die politische Macht zu reduzieren, hat sich das bisher politisch kaum niedergeschlagen. Es kommt immer noch zu Benachteiligungen aufgrund e iner bestimmten
Religionszugehörigkeit, da alle Regierungspositionen nach bestimmten Religionsproporzen und nicht nach der persönlichen Eignung des Individuums besetzt werden. Die Zugehörigkeit zu den einzelnen Konfessionen wirkt sich nach wie vor sehr stark politisch aus, denn im Libanon wird bei Wahlen nicht nach der politischen Richtung der Partei gewählt. Vielmehr vertreten die einzelnen Parteien bestimmte religiöse oder ethnische „Gruppen“ und werden als solche gewählt.
2. B Die Religionsgemeinschaften im Überblick:
• Christliche Gemeinschaften
o die unter der Autorität des Papstes stehen: Maroniten -
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Griechisch-Katholiken (Melkiten) - Armenisch-Katholiken - Syrisch-Katholiken - Chaldäer - Römisch-Katholiken(Römisch-Katholische Kirche, auch Lateiner, Latiner genannt) - o diedie Autorität der römischen Kirche nicht anerkennen: Griechisch-Orthodoxe - Armenisch-Orthodoxe(Gregorianer) - Syrisch-Orthodoxe(Jakobiten) - Assyrisch-Chaldäer(Assyrische Kirche des Ostens oder Nestorianer) - Protestanten(Evangelische Kirche) - Kopten(jedoch im Libanon nicht offiziell anerkannt) - • MuslimischeGemeinschaften
• Schiiten
• Ismailiten
• Alawiten
• Drusen
• Sunniten
• Jüdische Gemeinschaft
2. C Religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung: (lt. Fischer Weltalmanach 9/98)
• Schiiten (25,08 %)
• Maroniten (25,03 %)
• Sunniten (22,75 %)
• Griechisch-Orthodoxe (9,2 %)
• Griechisch-Katholiken (Melkiten) (6 %)
• Drusen (5,43 %)
• Armenisch-Orthodoxe (Gregorianer) (3,25 %)
• Alawiten (0,63 %)
• Armenisch-Katholiken (0,58 %)
• Protestanten (Evangelische Kirche) (0,36 %)
• Römisch-Katholiken (Lateiner) (0,25 %)
• Syrisch-Orthodoxe (Jakobiten) (keine Angabe in %)
• Syrisch-Katholiken (keine Angabe in %)
• Assyrisch-Chaldäer (Nestorianer) (keine Angabe in %)
• Chaldäer (keine Angabe in %)
• Ismailiten (keine Angabe in %)
• Kopten (2001: ca. 2000 Personen)
• Juden (2001, ca. 50 Personen)
2. D Die Siedlungsgebiete der Religionsgemeinschaften
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weisen eine traditionelle regionale Verteilung auf, obwohl sich diese durch den Bürgerkrieg zunehmend verändert hat und auch die historisch gewachsene Trennung nicht mehr so deutlich ist. Die ursprünglichen Hauptsiedlungsgebiete der Schiiten lagen im Süd-Osten Beiruts, in der Bekaa-Ebene und im Südlibanon. Jetzt gibt es auch Schiiten, die in West-Beirut leben. Die Sunniten bewohnen verschiedene Städte, insbesondere Tripoli(s) und den Norden des Landes, während die Drusen meist im Choufgebirge siedeln. Die maronitischen Christen leben in den Bergen oberhalb Beiruts, in Ost-Beirut, wenige im Südlibanon sowie viele im Norden des Landes; die Griechischen-Katholiken und die Griechisch-Orthodoxen in der Bekaa-Ebene und im Nordlibanon. Während des Bürgerkrieges sind ca. 1 Million Menschen aus ihrem Heimatgebiet geflohen und die Regierung bemüht sich, diese Flüchtlinge in ihrer angestammten Umgebung wieder anzusiedeln. Vor allem im Choufgebirge hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung sehr geändert. Dort stellten die Christen vor 1975 gut die Hälfte der Bevölkerung. Nach dem Massaker in Damour 1976, dem Einrücken der Forces Libanaises und dem daraus resultierenden Krieg 1983 flüchteten viele von ihnen. Nur wenige von den geflohenen Christen folgten dem Aufruf zur Rückkehr nach dem Ende des Bürgerkrieges.
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2. E Religionsgemeinschaften im Detail
2. E.1 Christliche Gemeinschaften
2. E.1. a Gemeinschaften, die unter der Autorität des Papstes stehen
2. E.1. a. 1 Die Maroniten
Die Maroniten gehören zu den ältesten der im Libanon ansässigen religiösen Gemeinschaften. Es handelt sich bei Ihnen um Christen syrischen Ursprungs. Sie sind eine christliche Sekte der Ost-Kirche, die sich von einer anderen monotheistischen Kirche, der Melchite-Kirche von Antiochien, im siebten Jahrhundert nach Christus abspaltete. Ihren Namen leiten sie vom heiligen Maron (Marun, lateinisch Marco, syrisch Muran), einem syrischen Mönch ab, der um die Wende des fünften Jahrhunderts lebte und unter dessen geistlicher Führung sie sich bereits vor der Entstehung des Islam im Tal des Nahr al Asi im heutigen Syrien aufhielten. Seit dem achten Jahrhundert werden sie Maroniten genannt. Durch den Patriarchen Johannes Maron wurden sie angesichts der muslimischen Bedrohung und der Zerstörung des Klosters des heiligen Maron in die unzulänglichen Bergregionen des Libanon geführt. Die Maroniten banden sich schon im 12. Jahrhundert an die Katholische Kirche in Rom; besiegelt wurde der Zusammenschluss jedoch erst im 16. Jahrhundert. Sie gaben ihre eigene Liturgie in arabischer, syrischer und aramäischer Sprache trotzdem nie auf. Das Zölibat ist keine Voraussetzung für Priester; vielmehr können Verheiratete Priester werden; hingegen kann ein Priester nicht heiraten. Sie behielten auch ihr Oberhaupt, den Patriarchen Antiochiens und des gesamten Orients, dessen Sitz im Libanon liegt. Die maronitische Kirche ist die größte und wichtigste mit Rom unierte Kirche des Orients. Die maronitische Kirche im Libanon hat vier Erzdiözesen (Antelias, Beirut, Tripoli(s), Tyros (Tyr, Sour) und sechs Diözesen.
Die Maroniten lebten in ihrem Siedlungsgebiet viele Jahrhunderte mit den übrigen Religionsgemeinschaften, vor allem mit den Drusen, friedlich zusammen. Schwierigkeiten entstanden zwischen den Christen, Drusen und den islamischen Gemeinschaften mit dem Anbruch des Kolonialzeitalters, als die Vorstellungen und Ideale der Französischen Revolution in den Orient gelangten und dort von den Christen im Gegensatz zu den Muslimen, die keine Ideen der „Ungläubigen“ übernehmen wollten, aufgegriffen wurden. Auch nachdem der Libanon französisches Mandatsgebiet geworden war, stützte sich Frankreich auf die westlich orientierten Maroniten und nicht auf die muslimischen religiösen Gemeinschaften. Die Maroniten gelten als das „Kernvolk“ Libanons. Mit französischer Hilfe wurde unter Machtbeteiligung der sunnitischen Elite ein konfessionelles politisches System mit maronitisch-christlicher Dominanz etabliert, während Schiiten und kleinere konfessionelle Gruppen von den wichtigsten Machtpositionen weitgehend ausgeschlossen blieben.
Die Maroniten stellten bei der letzten statistischen Erfassung der Religionszugehörigkeit der libanesischen Bevölkerung im Jahr 1932 noch die größte religiöse Gemeinschaft. Sie, die vor dem Bürgerkrieg nicht nur im Mount Libanon, ihrem Mittelpunkt, sondern überall im Libanon gelebt hatten, litten sehr stark unter den Vertreibungen und Auswanderungen ihrer
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Angehörigen und leben jetzt konzentriert im nördlichen Teil des Mount Lebanon. Die während des Bürgerkrieges aus dem Choufgebirge vertriebenen Maroniten sind erst zu 15 % in die vorher von Drusen und Maroniten bewohnten Dörfer zurückgekehrt. Momentan soll es 775 000 bis 1,8 Millionen Maroniten im Libanon geben.
Die Macht der Maroniten ist jedoch nach wie vor groß. Ihnen stehen 23 der 64 christlichen Parlamentssitze (insgesamt 128) zu und ebenso traditionsgemäß die Position des Staatspräsidenten, auch wenn er nach dem Abkommen von Taef nur noch über eine symbolische Macht verfügt. Durch den christlichen Wahlboykott 1992 und auch 1996 unterstrichen vor allem die Maroniten ihre Kritik daran, dass freie Wahlen stattfanden, solange das Land noch von syrischen Truppen besetzt war, und daran, dass die Provinz Lebanon (Mont Liban) bei der Wahlauszählung eine ungünstige Sonderbehandlung erfuhr.
2. E.1. a. 2 Griechisch-Katholiken (Melkiten)
Ein kleiner Teil der Griechisch-Orthodoxen blieb katholisch oder vereinigte sich wieder mit Rom. Diese Personen bilden die griechischen Katholiken oder die griechisch unierte Kirche. Der Name Melkiten (syrisch malka, arabisch malik) bedeutet Anhänger des Königs. Er wurde den Anhängern der Konzilslehre (Konzil von Chalkedon 451) von Anhängern einer anderen Lehre gegeben, um ihre Haltung weniger als Treue zur Orthodoxie, denn als Ergebenheit gegenüber dem byzantischen Kaiser zu diffamieren. Seit dem Jahr 1724 gibt es die syrische Kirche der griechischen Katholiken oder Melkiten, die sich, ebenso wie die griechisch-orthodoxen Christen sehr stark zur arabischen Kultur hingezogen fühlen. Die Melkiten lebten in den Patriarchaten von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem; heute vor allem im Patriarchat von Antiochien, das auch die Patriarchate von Alexandrien und Jerusalem verwaltet. Die melkitische Kirche bemüht sich bemüht sich darum, außer der Seelsorge und der Pflege der eigenen orientalischen Tradition (Kirchenrecht, Institutionen, weitgehende eigene Jurisdiktion, Liturgie, Sakramentesritus, usw.) verankerte und zugleich katholische, mit Rom unierte und im Katholizismus beheimatete Kirche zu erfüllen. Etwa 300 000 Melkiten, die zahlenmäßig zweitstärkste christliche Gruppe, lebte im Libanon. Viele von ihnen haben jedoch aufgrund der Bürgerkriegswirren das Land verlassen. Die melkitische Kirche im Libanon hat sieben Erzdiözesen (Baalbek, Baniyas, Beirut und Jbail (Byblos), Sidon (Saida), Tripoli, Tyr (Sur, Tyros), Zahle und Furzul. Den Melkiten stehen acht Parlamentssitze zu.
2. E.1. a. 3 Armenisch-Katholiken
Die Kirche entstand 1740 mit der Wahl des armenischen Bischofs von Aleppo zum ersten mit Rom unierten armenischen Patriarchen, Patriarchatsitz ist seit 1928 Beirut. Im Libanon sollen sich ungefähr 12 000 Anhänger dieser Glaubensrichtung aufhalten. Ihnen steht ein Parlamentssitz zu.
2. E.1. a. 4 Syrische-Katholiken
Die Gemeinde der syrischen Katholiken umfasst im Nahen Osten etwa 100 000 Personen, davon ca. 10000 im Libanon. Syrische-Katholiken sind vom Ursprung her monophysitische Orthodoxe, die infolge des Konzils von Chalkedon (451) entstanden und ursprünglich zu der Gruppe der Syrisch-Orthodoxen gehörten. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts gelang es der katholischen Kirche eine Anzahl von Orthodoxen zum Katholizismus zu bekehren, diese sind die syrischen Katholiken. Die syrisch-katholische Kirche wurde 1760 gegründet, als
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sich Orthodoxe mit Rom verbanden. Sie taten dies, um besser geschützt zu sein. Der Sitz des Patriarchats ist Beirut; er musste während der Kämpfe im libanesischen Bürgerkrieg mehrfach verlegt werden.
2. E.1. a. 5 Chaldäer
Die Chaldäer waren ursprünglich Nestorianer, die sich aber im Jahr 1515 der römischen Kirche anschlossen. Die chaldäische Kirche ist nach Chaldea benannt, dem Ort, an dem die Nestorianer ihren wichtigsten Sitz hatten. Nach dem ersten Weltkrieg suchten Chaldäer aus der Osttürkei im Libanon Zuflucht. In Ost-Beirut und Umgebung leben etwa 5 000 Chaldäer. Insgesamt hat diese Kirche ca. 10 000 Anhänger.
2. E.1. a. 6 Römische-Katholiken (Römisch-Katholische Kirche, auch Lateiner, Latiner genannt)
Die Katholiken des römischen Ritus werden im Libanon, wie in anderen Ländern des Nahen Ostens ebenfalls, „Lateiner“ genannt, die römisch-katholische Kirche als lateinische Kirche bezeichnet. Die heutige lateinische Gemeinschaft geht auf die Gründung von Ordensniederlassungen im Libanon seit dem 14. Jahrhundert zurück. Die Kontakte mit dem örtlichen Klerus der verschiedenen Ostkirchen waren häufig, vor allem mit den Melkiten; so dass sich innerhalb der örtlichen Kirchen immer mehr katholische Kerngruppen bildeten, aus denen mit Rom verbundene „unierte“ Kirchen entstanden wie die griechisch- melkitische 1724, die armenische 1740, die syro-antiochenische 1780, etc. In der Folgezeit widmeten sich die Ordensleute besonders der medizinischen Versorgung und dem Schulwesen. Es gibt ungefähr 20000 Mitglieder dieser Kirche.
2. E.1. b Gemeinschaften, welche die Autorität der römischen Kirche nicht anerkennen
2. E.1. b. 1 Griechisch-Orthodoxe
Diese Kirche trennte sich im byzantischen Reich im Jahr 1045 von der römischen Einheit unter dem Patriarchen von Konstantinopel. Sie folgt dem reinen byzantinischen Ritus. Im ganzen arabischen Raum gibt es drei griechisch-orthodoxe Patriarchate (in Alexandria, Jerusalem und Antiochia), wobei die griechisch-orthodoxe Kirche von Antiochia ihren Sitz in Damaskus hat. Die drei Patriarchate haben gemeinsam, dass ihre Gemeinden seit über tausend Jahren arabischsprachig und Erben einer byzantischen, ursprünglich griechischsprachigen Liturgie sind. Die Orthodoxen im Libanon gehörten dem antiochenischen Patriarchat an, sie werden deshalb als „Antiochenische Orthodoxe“ bezeichnet. Die zum Patriarchen von Antiochien gehörenden Orthodoxen kommen ungefähr zur Hälfte aus dem Libanon, weitere Herkunftsländer sind Syrien, Irak, Iran, Kuwait, (und durch Auswanderer) Nord- und Südamerika und Australien. Die orthodoxe Kirche im Libanon besteht aus sechs Diözesen (Akkar, Tripoli, Elkoura, Djabal Lubnan (Berg Libanon), Beirut, Südlibanon, El Bika).
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Die Orthodoxen litten im osmanischen Reich. Während dessen Herrschaft war ihnen zwar erlaubt, ihre religiösen Riten auszuüben, sie wurden aber wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Diese Leiden der Orthodoxen war für Russland der Anlass, das Recht auf deren Verteidigung zu beanspruchen und sie versuchten so, wie andere europäische Mächte auch, im Vorderen Orient Fuß zu fassen. Die Griechisch-Orthodoxen werden häufig als die „arabischsten“ Christen im Vorderen Orient bezeichnet, da sie an keine nichtarabische Ethnie oder Kirchensprache mehr gebunden sind wie Syrisch- und Armenisch-Orthodoxe. Nach Schätzungen wurde die Anzahl der Orthodoxen vor dem Bürgerkrieg mit 250 000 bis 300 000 beziffert. Viel von ihnen wanderten jedoch aufgrund der Bürgerkriegswirren aus. Der Krieg bewirkte auch eine Verarmung der Mittelschicht, zu der die meisten Griechisch-Orthodoxen gehören. Viele libanesische griechisch-orthodoxe Familien nehmen hohe Positionen in der Wirtschaft und in der Kultur ein. Nach dem 1943 abgesprochenen Nationalpakt fällt den Griechisch-Orthodoxen stets der Posten des stellvertretenden Parlamentspräsidenten zu. Seit dem Abkommen von Taef 1989 werden 14 von 128 Parlamentssitzen und vier von vierundzwanzig Ministerposten von Griechisch-Orthodoxen eingenommen.
2. E.1. b. 2 Syrisch-Orthodoxe (Jakobiten)
Es handelt sich um die jakobitische Kirche oder westsyrisch-monophysitische Kirche, die auf das Patriarchat von Antiochia zurückgeht. Die syrisch-orthodoxe Kirche basiert auf der Doktrin, die Jacobus Baradeus (500-578) im sechsten Jahrhundert aufstellte. Seine Anhänger, die hauptsächlich in Syrien wohnten, wurden nach dem Begründer der Doktrin Jakobiten genannt. Der berühmte Heilige Simeon, der sein Leben auf einem Säulenstumpf verbracht haben soll, gehörte dieser Kirche an. Auf dem Konzil von Chalkedon 451 wurden die monophysitischen Anschauungen über Jesus verurteilt. Seit dieser Zeit herrschte ein unerklärter Krieg zwischen der byzantischen Reichskirche und den Monophysiten, zu denen auch die Syrisch-Orthodoxen gehörten. Vor dem Bürgerkrieg lebten ca. 350 000 Syrisch-Orthodoxe in Syrien, dem Irak, in der Türkei, dem Libanon und in der westlichen Diaspora, ca. 250 000 davon im Nahen Osten. Etwa die Hälfte der Syrisch-Orthodoxen aus dem Libanon ist während des Bürgerkrieges nach Europa, Kanada, in die USA und nach Australien ausgewandert. Jetzt sollen ca. 20 000 Gläubige im Libanon leben.
2. E.1. b. 3 Kopten
Die größte christliche Gemeinschaft im heutigen Orient bilden die Kopten, von denen einige im Libanon leben. Diese Gemeinschaft von ca. 2000 Anhängern im Libanon wird offiziell durch die syrisch-orthodoxe Kirche vertreten. Die Koptisch-Orthodoxe Kirche leitet sich vom Patriarchat von Alexandria ab; ihre Anhänger sehen sich als Nachfahren der Pharaonen, die sich der Islamisierung Ägyptens widersetzt hatten. Im Jahr 42 ließ Markus, der Evangelist, die erste Kirche in Alexandria bauen. Die koptische Kirche entstand aus den blutigen Streitigkeiten bezüglich der Natur und des Wesens von Christus. Die ägyptische Kirche war der Ansicht, dass die menschliche von Christus so in seiner göttlichen aufgegangen sei und man nur von einer Natur sprechen könne. Die koptische Sprache, die heute nur noch im Gottesdienst benutzt wird, hat ein erweitertes, leicht abgewandeltes griechisches Alphabet.
2. E.1. b. 4 Armenisch-Orthodoxe (Gregorianer)
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Die nach Gregor, dem damaligen König, dem die Erhebung des Christentums zur Staatsreligion zu verdanken war, genannte gregorianische Kirche hatte großen Einfluss auf die Geschichte des armenischen Volkes, vor allem durch die Entwicklung des armenischen Alphabets. Während in den orientalischen Kirchen die Patriarchen die höchste Autorität innehaben, stehen in der armenisch-orthodoxen Kirche die sogenannten Katholikate über den Patriarchen. Nur der Katholikos hat das Recht zur Bischofsweihe, wobei die Katholikatswürde nicht an einen bestimmten Ort gebunden war, so dass deren Sitz mehrfach wechselte. Neben zwei Katholikaten gibt es Patriarchate. Die Armenier aus dem Libanon unterstehen dem Katholikat von Sis, das sich 1930 in Antelias, nördlich von Beirut, ansiedelte. Momentan sollen sich ca. 150 000 Gläubige im Libanon aufhalten. Den Gregorianern stehen fünf Parlamentssitze zu.
2. E.1. b. 5 Assyrisch-Chaldäer (Assyrische Kirche des Ostens oder Nestorianer)
Während des Konzils von Ephesos im Jahr 431 hingen die Anhänger des Bischofs Nestor dem Dogma an, dass Christus aus zwei verschiedenen „Personen“ bestand, einer göttlichen und einer menschlichen. Etwa 30 000 Nestorianer flohen seit dem ersten Weltkrieg aus ihrer Heimat in der Osttürkei und im Nordirak nach Syrien und Libanon. Etwa 8000 Nestorianer leben in der Umgebung von Ost-Beirut, insgesamt ca. 10 000 im Libanon.
2. E.1. b. 6 Protestanten (Evangelische Kirche)
Die Mission, die Neuengland (die späteren USA) im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts in den Libanon schickte, war das Ergebnis der vielen Erweckungsbewegungen, die im vorhergehenden Jahrhundert überall dort entstanden waren. Es gibt etwa zwölf protestantische Kirchen mit ca. 40 000 Anhängern.
2. E.2 Muslimische Gemeinschaften
2. E.2. a Schiiten
Die Schiiten stellen insgesamt zehn bis 12 Prozent der Muslime; als Minderheit wurden sie von der Mehrheitsfraktion im Islam, den Sunniten, unterdrückt. Der Zwist zwischen Schiiten und Sunniten entstand nach dem Tod des Propheten im Jahr 632. Der Begriff „Schiismus“ kommt vom arabischen „schiat Ali“, Partei des Ali, und bezieht sich auf den Vetter und Schwiegersohns Mohammeds, den Mann seiner Tochter Fatima, Ali Ibn Abi Talib. Dieser beherrschte von 656 bis zu seiner Ermordung 661 die islamische Welt. In der Tradition des Islam gehört Ali zu den vier „rechtgeleiteten Kalifen“, wobei seine Anhänger, die S chiiten genannt werden, die Meinung vertreten, dass er als leiblicher Nachkomme des Prophet sofort nach dessen Tod die Führung des Islam hätte übernehmen müssen, an der durch Machenschaften seiner Konkurrenten gehindert worden sei. Die Schiiten akzeptieren im Gegensatz zu den Sunniten die Geschichte des Islams und die Abfolge der Kalifen-Herrschaft nicht so, wie sie sich historisch abspielte. Insbesondere sind
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sie der Meinung, dass nach Alis Tod seine leiblichen Nachfahren, vor allem seine beiden Söhne Heussein (al-Husain) und Hassan (al-Hassan) und deren direkte Nachkommen zur Führung der Umma berufen gewesen seien und alle anderen Herrscher Usurpatoren gewesen seien. Das Martyrium Husseins, der an der Seite von siebzig seiner Anhänger in der Schlacht von Karbala im Irak niedergemetzelt wurde, ist eines der zentralen Ereignisse im Schiismus, dessen mit Prozessionen (s. Aschura, Aschurarituale) gedacht wird. Im Laufe der Jahrhunderte schufen sich die Schiiten, um ihren Anspruch auf das Kalifat zu untermauern, eine spezielle Eschatologie, die sich in manchem von den Vorstellungen der Sunniten, insbesondere bei der Lehre von den Imamen, unterscheidet. Mehr als im Sunnitentum müssen sich die Gläubigen der Autorität der Mullahs unterordnen. Ali gilt als der erste rechtmäßige Nachfolger Mohammeds.
Die Zwölferschia ist die mit Abstand größte unter den schiitischen Gemeinden. Neben
Ali werden noch elf Imame oder spirituelle religiöse Führer verehrt. Dabei handelt - essich um Hassan (al-Hasan ibn Ali) - Hussein(al-Husain ibn Ali) - AliZain al-Abidin - Muhammadal-Baqirä - Dschaafaral-Sadiq (Jafar as-Sadiq) - Musaal-Kazim - Aliar-Rida - Muhammadal-Jawad at-Taqi - Alial-Naqi (Ali al-Hadi an-Naqi) - Nasanal Askari (al-Hasan az-Zaki al Askari) und - Muhammadal-Mahdi (der als zwölfter und letzter schiitischer Imam am Ende der - Weltgeschichteals Herr der Zeit aus der Großen Verborgenheit zurückkehren wird, in die er nach der Überlieferung der Schiiten um die Mitte des neunten Jahrhunderts entrückt wurde.
Ein entscheidendes Kriterium für die Zugehörigkeit ist die Anerkennung der Imame, das Bekenntnis zu der absoluten Autorität der Imame für das wahre Verständnis des Islam.
Die schiitische Bevölkerung kam zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert in verschiedenen Wellen aus dem Irak und Iran in den Libanon. Auch bei schiitischen Minderheiten führten deren nicht mit dem offiziellen Islam übereinstimmende Lehren dazu, dass sie in den vergangenen Jahrhunderten ein bedrängtes und zurückgezogenes Leben führen mussten. Der Libanon, vor allem die Gegend um den Dschebel (Berg) Amil im Süden des Landes, ist schon seit langer Zeit eine Region, in der auch schiitische Flüchtlinge überlebt haben. Ein weiterer Schwerpunkt des Schiismus lag von je her in der Bekaa-Ebene im Ostlibanon. Obwohl die Schiiten im Libanon die zahlenmäßig größte Religionsgruppe darstellen, waren sie lange Zeit weitgehend machtlos und traten kaum in Erscheinung. Sie gehörten sozial, wirtschaftlich und politisch zur Unterschicht. Wie die Sunniten waren auch die Schiiten anfangs nicht mit ihrer Eingliederung in den neuen Staat Groß-Libanon einverstanden. Sie erkannten jedoch bald die Vorteile, die der Status einer großen Minderheit im Libanon im Verhältnis zu dem einer kleinen Minderheit im sunnitisch dominierten Syrien mit sich brachte. Hinzu kam, dass die Schiiten 1926 offiziell als eigene Religionsgemeinschaft anerkannt wurden und ihnen damit eine selbständige Gerichtsbarkeit im Personenstandsrecht zugebilligt wurde. Da die libanesische Bevölkerung in der ehemaligen „Sicherheitszone“ Israels vor allem aus Schiiten bestand, litt sie mit am meisten unter den israelischen Angriffen. Tausende waren dazu gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen, um vorübergehend
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Zuflucht in den südlichen Vororten Beiruts zu nehmen, wo sie bis heute geblieben sind. Seit den 70er Jahren diesen Jahrhunderts spielen die Schiiten eine wichtige Rolle im Libanon. Sie sind als einer der Gewinner des Bürgerkrieges anzusehen, da sie im Vergleich zu den Zeiten vor dem Bürgerkrieg ihre politische Macht ausbauen konnten. D as Amt des Parlamentspräsidenten wird traditionsgemäß von einem Schiiten ausgeübt. Den Schiiten stehen insgesamt 27 Parlamentssitze zu.
2. E.2. b Ismailiten
Bei den Ismailiten oder Siebener-Schiiten handelt es sich um eine der Gruppierungen des Schiismus. Sie sind nach Ismail (gestorben 765) benannt, dem Sohn des sechsten Imam der Schiiten, den sie als siebten und letzten Imam betrachten, der in der Verborgenheit lebt, bis er eines Tages wiederkehrt. Die meisten Ismailiten glauben, dass Ismail oder dessen Sohn Mohammed verborgen hat. Die Ismailiten sind wiederum in eine Vielzahl von Sekten aufgeteilt.
Im Libanon leben zw. 20-30000 „Siebener“
2. E.2. c Drusen
Die Entstehung des Drusenglaubens reicht fast tausend Jahre zurück und führt in das Ägypten der Fatimiden, einer Dynastie, die sich nach Fatima, einer der Töchter des Propheten Mohammed nannte. Die Fatimiden waren Siebener Schiiten oder Ismailiten. Sie sahen in Ismail, einem der Söhne des sechsten Imam ihren Erlöser. Die Religion der Drusen, aus der ismailitischen Schia hervorgegangen, wurde 1010 vom ägyptischen Sultan al-Hakim Biamrillah (bi Amrillah) gegründet, der verkündete, dass Gott in ihm Fleisch geworden sei. Im Jahre 1021 fand die Herrschaft al-Hakims ihr Ende, da der Kalif nach Angaben der Drusen in die “Verborgenheit“ („Ära der Enthüllung“) entrückt wurde. Wahrscheinlich wurde er jedoch ermordet. Er soll am tausendsten Geburtstag seines Verschwindens zurückkehren, um über ein goldenes Zeitalter zu herrschen. Die seitdem andauernde Ära d er Verhüllung ist eine Prüfung für alle Gläubige. Nach seinem Verschwinden schufen zwei extreme schiitische Schriftgelehrte, Hamza ibn-Ali und Mohammed al-Darazi, ein religiös-theosophisches System, in dem der Kalif al-Hakim als direkte Inkarnation Gottes bezeichnet wurde. Es wird angenommen, dass der Name Drusen entweder von dem Gelehrten Darazi (die arabische Bezeichnung „Druz“ bedeutet Anhänger des Darazi) oder von „daraza“ (arabisches Wort für studieren, Studium der heiligen Bücher) abgeleitet wird. Der Glaube der Drusen basiert auf der Ismaili-Tradition innerhalb des Islam. Der Offizielle Name der Drusen lautet „Din al-Tawhid“ (die Religion der göttlichen Einheit). Dennoch weicht der drusische Glaube stark vom islamischen ab. In ihm mischen sich Elemente des Platonismus und Neuplatonismus mit denen der islamischen Ismailiten. Weil der drusische Glaube in Ägypten verfolgt wurde, bereitete sich die Lehre im Libanon aus. Für die Drusen ist Mohammed jedoch nicht ihr eigentlicher Prophet, der Koran nicht die verbindliche Offenbarung. Auch der Glaube an die Selenwanderung ist mit dem Islam nicht vereinbar, er spielt in den Schriften der Drusen jedoch eine wichtige Rolle. Die Drusen übernehmen im Falle einer äußeren Bedrohung oft Sitten und Gebräuche des Islam, lehnen jedoch die Pilgerfahrt nach Mekka und das Fasten im Ramadan ab. Hüter des Wissens und der letzten Geheimnisse der Drusenreligion sind die Eingeweihten oder Weisen, denen die große Masse der in religiösem Sinne Unwissenden gegenübersteht. Auch Frauen haben Zugang zu den Geheimnissen der Eingeweihten. Die Drusen Libanons
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bezeichnen sich lieber als Bekenner der göttlichen Einheit oder Unitarier, denn als Drusen. Um der Feindschaft der islamischen Welt zu entkommen, verschloss sich die Glaubensgemeinschaft gegenüber Fremden so gut, dass bis zum heutigen Tag Außenstehende nur ein begrenztes Wissen über den Glauben und die Gebräuche der Anhänger dieser Lehre haben. Da die Missionstätigkeit der Drusen nur kurz andauerte und nicht zu den religiösen Aufgaben der Gemeinschaft gehört, kann man nur als Druse geboren werden, nicht jedoch zum Drusentum übertreten.
Vom offiziellen Islam wurden die Drusen häufig als Abtrünnige verfolgt. Sie lebten meist mit den christlichen Maroniten friedlich zusammen, vermischten sich jedoch nicht mit der christlichen Bevölkerung.
Im Libanon erlebt diese Religionsgemeinschaft ihre größte Machtentfaltung. Das Gebirge des Chouf und des Metn sind seit dem elften Jahrhundert das traditionelle Siedlungsgebiet der Drusen im Libanon. Das jahrhundertlange freundschaftliche und kooperative Verhältnis zwischen Drusen und Maroniten dort schlug während des Bürgerkrieges in einen unversöhnlichen Streit zwischen ihnen um. Der Grund liegt in der Mitte des vorherigen Jahrhunderts, als Drusenkrieger im Dienst der Hohen Pforte die Maroniten im Libanon und in Syrien angriffen. Es kam zu Massakern, in deren Verlauf ganze Dörfer bis auf die Grundmauern zerstört wurden. Die Drusen des Libanon setzten sich (vor allem in der Progressiven Sozialistischen Partei), wie andere ehemalige Bürgerkriegsparteien auch, für eine Veränderung oder Abschaffung des im Nationalpakt niedergelegten politisch religiösen Proporz ein.
Man nimmt an, dass etwa 400 000 Drusen im Libanon leben. Die Drusen fühlen sich auch heute noch benachteiligt; sie fordern die gleichen Rechte im Staat wie die christlichen oder muslimischen Gruppierungen. Den Drusen stehen acht Parlamentssitze zu. Es kommt regelmäßig zu Treffen der Notablen der Drusengemeinde im Libanon unter dem Vorsitz von Scheich Akl, dem geistigen Führer dieser Gemeinde. Innerhalb dieser Versammlungen werden Fragen, die die Drusengemeinde im Libanon betreffen, besprochen.
2. E.2. d Alawiten
Bei den Alawiten handelt es sich um eine religiöse Strömung innerhalb des Islams, die Parallelen mit dem schiitischen Islam aufweist, jedoch eigene Glaubensvorstellungen, Rituale und Normen hat.
Weder Schiiten noch Sunniten erkennen die Alawiten als Muslime an. Die Alawiten werden durch eine Kaste von Eingeweihten geführt. Zwischen 20-30000 Alawiten leben im Libanon. Ihnen stehen zwei Parlamentssitze zu.
2. E.2. e Sunniten
Die sunnitischen Muslime stellen die Mehrheit innerhalb des Islams. Innerhalb von dreißig Jahren nach dem Tod des Propheten kam es zur Auseinandersetzungen darüber, wie der Nachfolger des Propheten, der Kalif, bestimmt werden sollte. Eine große Mehrheit schlug vor, dass die „Ältesten“ ihn nach einer Wahl und der Zustimmung innerhalb der Gemeinschaft, wie dies in der Wüste Tradition war, ernennen sollten, Sunnah (Sunna) bedeutet Tradition, Brauch oder Übung und wird im Sinne der Sunnah des Propheten
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Mohammed, in seinem Sprechen, Tun oder in seiner stillschweigenden Zustimmung benutzt. Die Personen, die dieser Ansicht folgten, wurden Sunniten genannt. Die Anhänger der Sunnah lehnten im siebten Jahrhundert den dynastischen Machtanspruch der Nachkommen von Mohammeds Cousin und Schwiegersohn Ali auf die Leitung der Gemeinde ab.
Die Islamisierung des Libanon begann kurz nach dem Tod des Propheten im Jahr 632. Während die gebirgige Topographie des Libanon dafür sorgte, dass auch kleine Religionsgemeinschaften überleben konnten, traten die meisten Bewohner der Küstenebene zur neuen Religion über. Auch heute noch sind die Küstenstädte Tripoli, Saida (Sidon) und Beirut sunnitische Hochburgen.
Aufgrund ihres gemeinsamen sunnitischen Glaubens gab es immer Möglichkeiten der Zusammenarbeit der Sunniten mit Invasionstruppen, angefangen von den Zeiten der Mamelucken / Türken im 12. Jahrhundert bis in den Bürgerkrieg. Die Sunniten verloren 1920 mit der Einrichtung des Groß-Libanon ihre Funktion als staatstragende Gruppe. Sie waren zwar numerisch die zweitstärkste Bevölkerungsgruppe, jedoch unzufrieden mit der Loslösung von Syrien und der Eingliederung in den künstlich geschaffenen, maronitischfranzösisch dominierten Staat, da sie die Gefahr der Beherrschung durch Nichtmuslime und die permanente Trennung von der arabisch-muslimischen Welt fürchteten. Durch die Fortsetzung des Konfessionalismus sollten die Befürchtungen der Muslime -und vor allem der Sunniten- in einem christlich dominierten Staat leben zu müssen, zerstreut werden. Deshalb wurde in Artikel 95 der Verfassung eine angemessene Berücksichtigung der verschiedenen Religionsgemeinschaften bei der Besetzung politischer und administrativer Ämter entsprechend der jeweiligen Bevölkerungsgröße als vorläufige Maßnahme festgelegt. Dadurch wuchs die Bereitschaft den Staat zu akzeptieren. Nach der formalen Unabhängigkeit des Landes 1943 wurde in einem ungeschriebenen Abkommen (dem Nationalpakt) zwischen dem maronitischen Staatspräsidenten und dem sunnitischen Premierminister vereinbart, sowohl den arabischen Charakter des Landes als auch die Offenheit gegenüber dem Westen beizubehalten. Diese Festschreibung der politischen Machtverhältnisse, die die Bevölkerungsentwicklung und damit die Verschiebung der Anteile der einzelnen Religionsgemeinschaften innerhalb der Bevölkerung nicht berücksichtigte, trug dazu bei, dass sich kein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl bei allen Bewohnern des Landes entwickelte. Im Ergebnis zogen sich die Sunniten, wie auch andere Gemeinschaften, in ihre eigene Religionsgemeinschaft zurück. Dieses Phänomen ist auch heute noch in der libanesischen Politik zu beobachten. So sind die Ausrichtungen der Parteien oder die Auswahl und Wahl der Parlamentarier nicht ausschließlich von politisch unterschiedlichen Gesichtspunkten, sondern weitgehend von religiösen oder ethnischen Vorstellungen geprägt.
Die Macht der Sunniten ist nach wie vor groß, dies zeigt sich auch daran, dass der Premierminister traditionsgemäß immer noch ein sunnitischer Muslim sein muß. Den Sunniten stehen 27 Parlamentssitze zu.
2. E.3 Juden
Im Libanon als Religionsgemeinschaft offiziell anerkannt. Zur Zeit leben ca. 50 Juden im Libanon.
Arbeit zitieren:
Norbert Ratzke, 2001, Religionsgemeinschaften im Libanon, München, GRIN Verlag GmbH
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