und die nichts von einem Chamäleon oder einem Affen an sich hat, wie das bei der kulturellen Kunst konstante Praxis ist." 2
Da auch unser Künstler offensichtlich (und mit gutem Grund) dem ausschließlich rationellen und intellektuellem Kalkül in der Kunst misstraut, siedeln sich Thematik und grundlegendes künstlerisches Verständnis, Formensprache und Symbolik eher im intuitiven Bereich an.
Seine Kunst besitzt Sie einen hochentwickelten Sinn für Proportionen und Harmonie. Alle ausgestellten Arbeiten besitzen die Qualität der Schönheit. Würde man nach Vergleichen in der Kunstgeschichte suchen, böte sich eine assoziative Auseinandersetzung mit Arbeiten von Daniel Spoerri an. Auch bei Spoerri finden wir Objekte mit ähnlicher Semantik. Doch solche Bezüge bergen die Falle der Knechtschaft des Vergleichs, stellen Authentizität in Frage und behindern die eigene Meinung. Claude Stockinger verwendet Fundstücke aus der Welt der Natur und des Alltags. So entsteht ein Spiel mit der Prozeßhaftigkeit, mit der Fragilität und Flüchtigkeit - Materialien der Natur, wie Holz und Stein verbinden sich ganz selbstverständlich mit den Errungenschaften der Zivilisation. Seine Trouvaillen, entstehen aus einem existentiellen Bedürfnis zu Objekten mit "Fetischcharakter" beziehungsweise magischer Kraft, sie schöpfen scheinbar aus einem Baukasten unendlicher Möglichkeiten.
Die verwendeten Alltagsgegenstände erhalten bei Stockinger eine neue Bestimmung. Als ausgebildeter Restaurator liegt für ihn vielleicht der Gedanke nahe, auch eine Art Bewahrung mit aller konservatorischen Sorgfalt anzuwendendoch dies würde nicht die Aura der Objekten erklären.
Der Künstler sagt selbst dazu: „Die Dinge müssen zueinander finden, in ihrer eigenen Energie, in ihrer Handwerklichkeit, man muß die Kraft der Person spüren, die dahinter steckte“
„Der Migrant, dieser Mensch der heranrückenden heimatlosen Zukunft, schleppt (..) Brocken der Geheimnisse aller jener Heimaten in seinem Unterbewußtsein mit, die er durchlaufen hat, schreibt Vilem Flusser. ( 3 )
Hier, wo Relikte Geschichte schreiben, und die Vergänglichkeit zur Gegenwart wird, wird auch das Wertlose und Unscheinbare wieder wertvoll. Und irgendwo berührt uns das eine oder andere Objekt in seiner eigentümlichen Vertrautheit, erzeugt so ein heimatliches Gefühl. Ein assoziatives Wiedererkennenvielleicht hatte so ein „Ding“ Ihre Großmutter auch?... Was ist so faszinierend an diesen Object Trouvees - an diesen Fundstücken: Ihre Handhabungen hinterließen Spuren von Gebrauch und Verschleiß: Die verschliffene Klinge des Messers, eine sanfte Mulde am Holzgriff , dort, wo der Daumen lag... in uns entstehen eigene Bilder ... Aber wovon zeugen diese gebrauchten Dinge, diese Gebrauchsgegenstände vergangener Zeiten und vergangener Ereignisse? Die Dinge sind die Überlebenden der Vergangenheit. Längst verschwundene Generationen haben ihre Gedanken, ihre Botschaft an uns in den Dingen verkapselt. Wer öffnet die Flaschenpost? Wer findet das Zauberwort, um sie zu entziffern? Eine Märchenaufgabe: wir müssen bereit sein, uns selbst zu erkennen. Doch wer mag keine Märchen.
2 Jan Dubuffet: Band I, die Malerei in der Falle. Bern, 1991
3 Vilem Flusser, „Bodenlos“, 1990
Arbeit zitieren:
Charlotte Forster, 2001, Galerie der armen Seelen - Arte Povera, München, GRIN Verlag GmbH
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