Haydns Vater zufällig an diesem Tag zu Besuch kam. Voll Entsetzen hörte er, was geschehen solle; er verhinderte den bevorstehenden Eingriff und drohte Reutter mit einer Anzeige.
Ob Haydn deshalb bei Reutter in Ungnade gefallen war, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass er im November 1749 von einem Tag auf den anderen den Domchor verlassen musste - völlig mittellos. Von nun an musste sich Haydn seinen Lebensunterhalt selbst verdienen: Er spielte Geiger in vielen kleinen Orchestern mit, die in Wien bei Bällen und ähnlichen Anlässen musizierten. Für diese Kapellen schrieb er hin und wieder auch eigene Stücke, doch da er im Domchor keinen richtigen Kompositionsunterricht erhalten hatte, fiel ihm das sehr schwer. Deshalb brachte er sich das Komponieren im Selbststudium mühsam bei. Bald lernte Haydn durch Zufall den in der damaligen Zeit berühmten Pietro Metastasio kennen: Der italienische Librettist zog in das Haus, in dem Haydn die Dachkammer bewohnte. Auf Metastasios Empfehlung konnte Haydn der Tochter eines weiteren Hausbewohners Unterricht geben - als Gegenleistung erhielt er eine regelmäßige Verköstigung.
Durch Metastasio machte Haydn noch eine weitere, weitaus bedeutendere Bekanntschaft: die des gefeierten Komponisten Nicola Porpora. Porpora nahm Haydn als Kammerdiener auf und erteilte ihm dafür Kompositions- und Gesangsunterricht. Auch stellte er Haydn anderen Komponisten, darunter Gluck, vor und führte ihn in die Kreise des musikliebenden Adels ein. Erste Anstellungen
1755 kam Haydn in Kontakt mit Karl Joseph Graf Fürnberg, der ihn in der Folgezeit häufig auf sein Schloß Weinzierl zum gemeinsamen Musizieren einlud. Für diese Anlässe komponierte Haydn seine ersten Streichquartette. Auf Empfehlung von Fürnberg wurde Haydn 1759 vom böhmischen Grafen Karl Morzin als Kapellmeister angestellt. Damit hatte Haydn nun eine gesicherte Position erreicht: Ein festes Einkommen war garantiert, und um Unterkunft und Verpflegung brauchte er sich nicht mehr zu kümmern. Ein Jahr später heiratete Haydn, jedoch heimlich. Denn im Vertrag mit Graf Morzin hatte er sich verpflichtet, ledig zu bleiben. Haydn hatte in Wien die zwei Töchter des Perückenmachers Keller kennengelernt und sich in die jüngere der beiden, Thérèse verliebt, die dann aber ins Kloster ging. Wohl um ihrem Vater einen Gefallen zu tun, entschloß er sich zur Heirat mit der älteren Schwester, Anna Maria, die am 26.November 1760 im Wiener Stephansdom vollzogen wurde. Die Ehe entpuppte sich als eine höchst unglückliche Verbindung. Die drei Jahre ältere Anna Maria interessierte sich nicht für Musik, war sehr religiös und konnte - was Haydn sehr bedauerte - keine Kinder bekommen. In beruflicher Hinsicht allerdings nahm Haydns Werdegang eine entscheidende Wendung: Weil Graf Morzin wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten gezwungen war, sein Orchester und seinen Kapellmeister zu entlassen, musste sich Haydn eine neue Stellung suchen. Am 1. Mai 1761 trat er als Vizekapellmeister in die Dienste des in Eisenstadt residierenden Fürsten Paul Anton Esterházy ein, der zu den reichsten und bedeutendsten Vertretern des österreichischungarischen Adels zählte.
Zwar bekleidete Haydn offiziell die Position des Vizekapellmeisters, doch wurde er bald zum eigentlichen Hofkomponisten. Der Erste Kapellmeister Gregor
Joseph Werner, der schon seit 1728 am Hofe der Esterházys lebte, konnte Haydns Talent wenig entgegensetzen und musste mit ansehen, wie er als Komponist mehr und mehr verdrängt wurde. Erst 1766, nach Werners Tod, wurde Haydn zum Hofkapellmeister ernannt.
Haydn erhielt ein beachtliches jährliches Einkommen von 400 Gulden. Dafür hatte er aber einen Vertrag unterzeichnet, der ihm enge Fesseln anlegte. Laut Vertrag konnte der Fürst jederzeit anordnen, welche Komposition Haydn schreiben sollte. Darüber hinaus durfte Haydn seine Werke nicht kopieren lassen, und er musste sich um die Probenarbeit, die Instrumente und die Musikalien kümmern sowie auch den Unterricht der am Hof anwesenden Sängerinnen überwachen. Selbstverständlich hatte Haydn regelmäßig vor dem Fürsten zu erscheinen, um dessen Befehle entgegenzunehmen. Bei einer solchen Audienz verlangte der Fürst von Haydn, er solle drei Symphonien komponieren, die den Morgen, den Nachmittag und den Abend darstellten. Da Haydn schon bald nach Beginn seiner Tätigkeit ein Vergrößerung des Orchesters erreicht hatte, konnte er nun mit den drei Werken dessen gewachsene musikalische Leistungsfähigkeit demonstrieren. Sie sind dementsprechend auch anspruchsvoller und reicher orchestriert als seine allerersten Symphonien.
Da Fürst Esterházy einige Zeit in Italien verbracht hatte und ein großer Liebhaber italienischer Musik war, orientierte sich Haydn a, italienischen Kompositionsstil und insbesondere an den Concerti grossi (à wörtlich = große Konzerte; Diese Form eines mehrsätzigen Instrumentalkonzerts genoß im 17. Und in der ersten Hälfte des 18. Jh. Große Popularität.; charakteristisch ist Wechselspiel einer kleinen Solistengruppe mit dem vollen Orchester) von Arcangelo Corelli. Zugleich komponierte Haydn in den Symphonien wundervoll lautmalerische Abschnitte. So erinnert der letzte Satz der Symphonie Nr. 8 an einen sommerlichen Regenschauer.
Zur Uraufführung gelangten die drei Symphonien 1761 im großen Saal des Esterházy - Schlosses in Wien. Das Konzert wurde ein voller Erfolg. Im Jahr darauf starb Fürst Paul Anton, doch wurde Haydn von seinem Nachfolger, seinem Bruder Nicolaus Joseph, übernommen. In dessen Diensten blieb Haydn dann fast 30 Jahre lang, bis er 1790 infolge der Auflösung der Kapelle entlassen und zog noch im selben Jahr, durch seine Pensionierung unabhängig geworden, nach Wien. Der große Komponist
Noch im selben Jahr unternahm er auf Veranlassung des Konzertveranstalters und Geigers J. P. Salomon, für dessen Konzerte Haydn sechs Sinfonien komponierte und dirigierte, eine anderthalbjährige sehr erfolgreiche Reise nach London. 1791 erhielt er den Ehrendoktor der Universität Oxford, zu dessen Verleihung seine „Oxford“ - Sinfonie aufgeführt wurde. Nach der zweiten Englandreise (1794 / 95) berief ihn Fürst Nikolaus ÉÉ.
Esterházy wieder als Kapellmeister der inzwischen neu zusammengestellten Kapelle. Es entstanden die großen oratorischen Werke und die letzten Streichquartette, darunter das „Kaiserquartett“ mit dem Variationssatz über die 1797 komponierte Kaiserhymne. Zusätzlich schrieb er in den Jahren die noch bedeutenden orator. Werke „Schöpfung“ (1798) und die „Jahreszeiten“ (1801).
Von Alter und Krankheiten geschwächt, starb Haydn kurz nach der frz. Besetzung Wiens. Seine Gebeine wurden 1820 nach Eisenstadt überführt.
Klavierkonzerte; 13 italien. Opern mehrere oratorische Werke; 14 Messen und viele weitere kirchenmusikalische Kompositionen. Quellen: diverse Musikfachzeitschriften
Arbeit zitieren:
Torsten Mosler, 2001, Haydn, Franz Joseph, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Didaktische und methodische Ansätze des Klarinettenunterrichts unter E...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 11 Seiten
Klassenmusizieren als Modell für modernen Musikunterricht
Historie, Hintergründe und Wis...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 15 Seiten
Jazzimprovisation - Musikästhetische Faktoren und kollektive Aspekte
Ausgearbeitet anhand von "...
Seminararbeit, 11 Seiten
Instrumentalunterricht mit erwachsenen Schülern - Ansätze zur Unterric...
Hausarbeit, 18 Seiten
Blasmusik in Verein - Musikschule - allgemeinbildenden Schulen in Bade...
Hausarbeit, 64 Seiten
Hochbegabung - Definition, Diagnostik, Förderung
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Hausarbeit, 23 Seiten
Torsten Mosler hat den Text Haydn, Franz Joseph veröffentlicht
Torsten Mosler hat einen neuen Text hochgeladen
Hannes hat den Text Haydn, Franz Joseph kommentiert
Das italienische Reisetagebuch Kaiser Franz I. von Österreich aus dem ...
Eine kritische Edition
Thomas Kuster
Joseph Haydn, Sinfonie Nr. 102 B-Dur (»Londoner«)
Faksimile nach dem Autograph i...
Joseph Haydn
Joseph Haydn, Sinfonie Nr. 45 »Abschiedssinfonie«
Faksimile nach dem Autograph i...
Joseph Haydn
Stefan
DANKE.
wirklich interessante arbeit, konnte sie letztens sogar ziemlich günstig in meiner eigenen arbeit verwenden. leider fehlen bilder, ansonsten nichts zu meckern.
am Monday, April 22, 2002-
Stephanie
Endlich was gefunden.
Habe lange gescucht, bin dann auf Hausarbeiten gestoßen und doch tatsächlich etwas gefunden. Also vielen Danke dem Autor und auf weitere eingesandte Arbeiten, denn die brauche ich auch nächstes Jahr noch.
am Monday, July 01, 2002-
Hannes
Vorarbeit.
Bin jetzt aus der 7. Klasse raus und habe mir, weil das nächste Schuljahr schon in 3 Wochen beginnt mal den Stoff für die 8. Klasse angesehen. Da ich schon oft bei Hausarbeiten war, habe ich auch heute wieder hier gesucht und diesen passenden Stoff dazu gefunden. Wer weiß, vielleicht kann ich das ja als Vortrag verwenden .... *g*, werde es wohl leider ein wenig umändern müssen, unsere Lehrer sind ja nicht blöd und kennen die Seite auch schon. Schönen Gruß an den Autor.
am Sunday, July 14, 2002-