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Politikverdrossenheit durch Fernsehnutzung?
Inhaltsverzeichnis
VERZEICHNIS DER TABELLEN UND BILDER. II
1 EINLEITUNG 1
2 DER BEGRIFF DER POLITIKVERDROSSENHEIT 2
3 INDIKATOREN FÜR POLITIKVERDROSSENHEIT. 5
3.1 HANDLUNGSBEZOGENE INDIKATOREN. 5
3.2 EINSTELLUNGSBEZOGENE INDIKATOREN 7
4 GIBT ES POLITIKVERDROSSENHEIT? 8
5 DAS FERNSEHEN ALS URSACHE VON POLITIKVERDROSSENHEIT. 11
5.1 INFORMATIONSORIENTIERTE VS. UNTERHALTUNGSORIENTIERTE NUTZER. 11
5.2 DER ZUSAMMENHANG VON ZEITUNG UND FERNSEHEN. 12
5.3 DER WANDEL DES MEDIENSYSTEMS 13
6 FAZIT. 15
LITERATURVERZEICHNIS III
Politikverdrossenheit durch Fernsehnutzung?
BILD 1: MODELL DER POLITIKVERDROSSENHEIT VON MAIER.........................................4
BILD 2: ZEITAUFWAND FÜR DIE NUTZUNG DER MEDIEN PRO WERKTAG (MONTAG BIS
SAMSTAG), POLITISCHES INTERESSE, INTERNAL UND EXTERNAL EFFICACY,
1964-1995 (ALTE BUNDESLÄNDER)...................................................................9
Politikverdrossenheit durch Fernsehnutzung?
1 Einleitung
Im Jahre 1992 wurde der Begriff Politikverdrossenheit von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres gewählt 1 , nachdem von 1991 auf 1992 die Verwendung von Wortkomposita mit „-verdrossenheit“ in der Politikberichterstattung um ein Vielfaches gestiegen war 2 . Neben Politikverdrossenheit als häufigster Variante existieren zahlreiche Variationen, zum Beispiel Parteienverdrossenheit, Politikerverdrossenheit oder Demokratieverdrossenheit. Alle diese Begriffe, die bis heute in den Medien und in der öffentlichen Diskussion stark präsent sind, bringen die vermutete Tendenz zum Ausdruck, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine zunehmende Unzufriedenheit der Bürger mit der Politik bzw. den Politikern, Parteien oder dem politischen System zu beobachten ist. Einige Entwicklungen in der jüngeren deutschen Geschichte scheinen diese Vermutung zu bestätigen. So können die etablierten Parteien CDU/CSU, SPD und FDP immer weniger Wählerstimmen auf sich vereinen 3 . In den achtziger Jahren profitierten davon hauptsächlich die Grünen, die mit ihrer alternativen Ausrichtung für immer mehr Wähler interessant wurden. In den neunziger Jahren machten rechtsextreme Parteien wie Republikaner oder DVU durch einige Wahlerfolge auf sich aufmerksam. Diese Abwendung der Wähler von den etablierten Parteien stellt eine mögliche Folge des Phänomens der Politikverdrossenheit dar. Andere Folgen sind eine sinkende politische Partizipationsbereitschaft, das heißt abnehmende Wahlbeteiligungen und geringeres Engagement in Parteien oder anderen politischen Verbänden und Organisationen.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und wenn ja, in welcher Weise und unter welchen Bedingungen die Fernsehnutzung Auswirkungen auf die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung hat. Um diese Frage beantworten zu können, erscheint es sinnvoll, zunächst einmal den Begriff der Politikverdrossenheit näher zu definieren und ihn von ähnlichen Komposita abzugrenzen. Eine solche Definition und Abgrenzung ist nicht trivial, denn der Gegenstandsbereich ist sehr komplex und unscharf. Ein entsprechender Versuch wird dennoch in Kapitel 2 unternommen. In Kapitel 3 soll dann das Problemfeld der Messung von Politikverdrossenheit beleuchtet werden. Dazu ist es
1 Müller (1993), S. 6.
2 Müller (1993), S. 6, Anmerkung 4.
3 Maier (2000), S. 14.
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notwendig, zwischen handlungsbezogenen und einstellungsbezogenen Indikatoren zu unterscheiden. Mit dem Wissen um die Eignung besonders der einstellungsbezogenen Indikatoren versucht Kapitel 4 daraufhin, die Frage zu beantworten, ob so etwas wie Politikverdrossenheit überhaupt existiert. Speziell von Interesse ist dabei die zeitliche Entwicklung in den letzten 40 Jahren, also seit der Etablierung des Fernsehens als Massenmedium in Deutschland.
Schließlich wird in Kapitel 5 auf die eigentliche Kernfrage dieser Arbeit eingegangen, nämlich welche Rolle die Massenmedien allgemein und das Fernsehen speziell für die Rezeption und Bewertung von Politik spielen. Da diese Zusammenhänge sehr komplex sind, erscheint es notwendig, mehrere mögliche Determinanten in die Betrachtung mit einzubeziehen. Zu diesem Zweck lassen sich die Rezipienten in verschiedene Medien-nutzungskategorien einordnen. So kann man beispielsweise zwischen unterhaltungs-und informationsorientierten Nutzern unterscheiden, um zu untersuchen, ob ein höherer Unterhaltungsbedarf mit höherer Politikverdrossenheit korreliert. In diesem Zusammenhang sind nicht nur Unterschiede bei der Fernsehnutzung von Interesse, sondern auch Wechselwirkungen zwischen Fernsehen und Printmedien, speziell Qualitätszeitungen. Darüber hinaus ist der Wandel des Mediensystems vor allem seit Einführung des dualen Rundfunksystems Mitte der achtziger Jahre ein Thema. Abschließend werden in Kapitel 6 die gefundenen Ergebnisse kurz zusammengefasst und kritisch beurteilt.
2 Der Begriff der Politikverdrossenheit
Um zu verstehen, durch welche Faktoren Politikverdrossenheit determiniert ist, muss zunächst der Begriff definiert und von ähnlichen Begriffen abgegrenzt werden. Eine solche Definition ist dabei nicht einfach, denn Politikverdrossenheit wird oft sehr unterschiedlich verwendet und interpretiert. Dies wird am besten durch ein Zitat von Wolfgang Thierse deutlich, der Politikverdrossenheit als „medialen Mülleimer“ bezeichnet, „in den alles hineingepackt wird, was auch nur entfernt an Kritik, Unzufriedenheit, Ängste, Unbehagen oder auch an anti-politische Vorurteile erinnert“ 4 .
4 Thierse (1993), S. 19.
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Die Schwierigkeit der Definition ist durch mehrere Faktoren bedingt. Zum einen stellen die Wortbestandteile „Politik“ und „Verdrossenheit“ selbst sehr komplexe Sachverhalte dar. Zweifellos beinhaltet Politikverdrossenheit immer eine Unzufriedenheit oder zumindest ein Unbehagen. Schwieriger ist es, zu erfassen, gegen welche Personen oder Institutionen sich diese Unzufriedenheit richtet. Neben Politikverdrossenheit existieren eine ganz Reihe ähnlicher Begriffe, wie zum Beispiel Parteien-, Politiker, Staats- oder Demokratieverdrossenheit. Im Folgenden wird Politikverdrossenheit als Obergriff verstanden, der einzelne Phänomene wie Parteien- und Staatsverdrossenheit beinhaltet 5 . In einem hierarchischen Gebilde ist Demokratieverdrossenheit als grundsätzlichste Form der Politikverdrossenheit zu verstehen, da darin eine Ablehnung des demokratischen Systems zum Ausdruck kommt. Die Staatsverdrossenheit richtet sich im Gegensatz dazu nicht gegen das politische System, sondern gegen die Staatsform. Hier könnte beispielsweise eine Ablehnung der föderalen Struktur zugunsten eines zentralistischen Staatssystems vorliegen. Parteien- und Politikerverdrossenheit sind weniger grundsätzliche Ablehnungshaltungen. Parteienverdrossenheit richtet sich gegen die Strukturen und Machtgefüge der etablierten Parteien bzw. deren Repräsentanten. Politikerverdrossenheit erfasst Unzufriedenheit mit der Art, wie Politik gemacht wird, bzw. mit dem Auftreten und der Handlungsweise von Politikern. Diese hierarchische Struktur mit Politikverdrossenheit als Oberbegriff ist jedoch keineswegs unumstritten und es existieren andere Abgrenzungen 6 . Sie ermöglicht es jedoch, den Komplex der Politikverdrossenheit zu untergliedern und so handhabbarer zu machen. In dem in Bild 1 dargestellten Modell der Politikverdrossenheit von Meier 7 kommt die gleiche Unterteilung zum Einsatz und es erfolgt eine Beschränkung auf die drei Unterebenen Parteien-, Politiker- und Demokratieverdrossenheit, da diese Aspekte die „zentralen Elemente der in der Bundesrepublik geführten Verdrossenheitsdebatte“ 8 darstellen. So ist denn auch das Verhältnis von Politikern und Medien sowie eine gegenseitige Instrumentalisierung immer wieder Gegenstand sozialwissenschaftlicher Diskussionen 9 .
5 Vgl. Maier (2000), S. 132.
6 Vgl. Wolling (1999), S. 9-10.
7 Maier (2000), S. 132-139.
8 Maier (2000), S. 134.
9 Vgl. Kepplinger (1993); Pöttker (1990); Wiesheu (1993).
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Bild 1: Modell der Politikverdrossenheit von Maier
Quelle: Maier (2000), S. 133.
Eine zweite Schwierigkeit besteht in der Unschärfe des Begriffs Politikverdrossenheit. Unschärfe bedeutet, dass die realen Ordnungstendenzen von einer idealtypischen Ordnungsstruktur abweichen. Parteien, Politiker und Demokratie sind zwar eindeutig verschiedene Teilbereiche der Politik, die sich theoretisch auch klar voneinander abgrenzen lassen. Auf empirischer Ebene ist aber anzunehmen, dass zum Beispiel zwischen Parteien und Politikern nicht immer klar differenziert wird. 10 Als drittes Problem ist schließlich die Variabilität von Politikverdrossenheit in struktureller, zeitlicher und geographischer Hinsicht zu nennen. Die strukturelle Variabilität liegt darin begründet, dass Politikverdrossenheit kein kollektives Phänomen ist, sondern auf der individuellen Ebene auftritt. Sie kann sich bei verschiedenen Personen ganz unterschiedlich äußern, auf anderen Ursachen beruhen und zu anderen Konsequenzen führen. Auf zeitlicher Ebene ist es denkbar, dass die gegenwärtige Diskussion um Politikverdrossenheit eine ganz andere Bedeutung hat als diejenigen von vor zehn oder 20 Jahren. Für diese These spricht zum Beispiel, dass Politikverdrossenheit heute vorwiegend als diffuse Einstellung beschrieben wird, während sie noch zu Beginn der achtziger Jahre eher an konkreten Missständen festgemacht wurde 11 . Mit geo-
10 Maier(2000), S. 18.
11 Maier (2000), S. 21.
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graphischer Variabilität ist die Frage gemeint, ob Politikverdrossenheit ein gemeinsames Phänomen der modernen westlichen Demokratien ist, oder ob es sich dabei um nationale Einzelfälle handelt. 12
Wie bereits erwähnt, existiert gegenwärtig keine allgemein anerkannte Definition von Politikverdrossenheit. Im Folgenden wird Politikverdrossenheit wie weiter oben beschrieben als Oberbegriff verwendet, der hierarchisch abgestufte Formen der Unzufriedenheit umfasst.
3 Indikatoren für Politikverdrossenheit
Bevor in Kapitel 4 die Frage beantwortet werden kann, ob Politikverdrossenheit überhaupt existiert, stellt sich zunächst das Problem der Messung des Gegenstands. Kapitel 2 hat gezeigt, dass es relativ schwierig ist, zu einer brauchbaren Definition des Begriffs Politikverdrossenheit zu finden. Deshalb entstehen logischerweise auch Schwierigkeiten, wenn der Grad der Politikverdrossenheit auf individueller oder kollektiver Ebene erfasst werden soll. In diesem Kapitel soll deshalb erläutert werden, welche Indikatoren geeignet sind, um Politikverdrossenheit zu erfassen und welche Probleme dabei dennoch auftreten. Hierbei erscheint es sinnvoll, zwischen handlungsbezogenen und einstellungsbezogenen Indikatoren zu unterscheiden. Im Kontext der einstellungsbezogenen Indikatoren von besonderem Interesse ist dabei das Konzept der Political Efficacy 13 .
3.1 Handlungsbezogene Indikatoren
Oft wird eine sinkende Wahlbeteiligung als Indikator für Politikverdrossenheit angeführt. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass manche Nichtwähler aus Zufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen nicht zur Wahl gehen. Nichtwahl muss demnach nicht unbedingt bedeuten, dass der Nichtwähler dem demokratischen System die Legitimierung verweigert. Umgekehrt lässt eine hohe Wahlbeteiligung nicht automatisch auf
12 Maier (2000), S. 18-19.
13 Vgl. Wolling (1999), S. 20-22.
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hohe Stabilität und Systemzufriedenheit schließen. Dies wird unmittelbar deutlich, wenn man den Fall bedenkt, dass zahlreiche ehemalige Nichtwähler nun radikalen oder extremistischen Parteien ihre Stimme geben. Die erschreckenden Wahlerfolge einiger rechtsradikaler Parteien vor allem Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre gingen mit einer hohen Wahlbeteiligung einher, was darauf hindeutet, dass gerade ehemalige Nichtwähler sich für diese Parteien entschieden haben. 14 Die isolierte Betrachtung der Wahlbeteiligung ist demnach als Indikator für Politikverdrossenheit ungeeignet, während Wahlerfolge radikaler Parteien eher als Ausdruck von Unzufriedenheit mit dem herrschenden politischen System und den darin etablierten Parteien aufgefasst werden können. Allerdings ist auch diese Interpretation nicht unumstritten. So wurde zum Beispiel die Etablierung der Grünen als vierte politische Kraft in der Bundesrepublik im Nachhinein als Zeichen der Anpassungsfähigkeit unseres demokratischen Systems interpretiert, obwohl die Grünen Anfang der achtziger Jahre als linksradikale Protestpartei auftraten und ihre Wahlerfolge daher als Zeichen von Politikverdrossenheit aufgefasst wurden 15 .
Betrachtet man über das Wahlverhalten hinaus noch andere Formen politischer Partizipation, so lässt sich beobachten, dass seit den sechziger Jahren die unkonventionellen Formen der politischen Partizipation immer mehr an Bedeutung gewinnen 16 . Die Vermutung liegt nahe, dass viele Bürger sich deshalb nicht auf herkömmliche Weise, also vor allem in Parteien, am politischen Prozess aktiv beteiligen, weil sie die Funktionsweise und die Effizienz der traditionellen politischen Institutionen in Frage stellen. Einen Ausweg stellen dann zum Beispiel Bürgerinitiativen dar, die sich auf ein eng begrenztes Interessensgebiet beschränken und anders als Parteien ihre Positionen relativ kompromisslos vortragen können. Der Grad an unkonventioneller Partizipation, beispielsweise in Bürgerinitiativen, ist nach dieser Theorie dann als Indikator für Politikverdrossenheit anzusehen. Empirische Studien zeigen jedoch, dass Personen, die sich stark auf unkonventionelle Weise politisch beteiligen, auch in konventionellen Beteiligungsformen stark vertreten sind 17 . Eine unkonventionelle Partizipation ist deshalb vor allem als Komplement zur traditionellen Beteiligung zu sehen und kann
14 Wolling (1999), S. 11-12.
15 Wolling (1999), S. 12.
16 Wolling (1999), S. 12.
17 Wolling (1999), S. 12.
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nicht zwingend als Ausdruck von Systemfeindlichkeit oder Politikverdrossenheit angesehen werden.
Offenbar ist die Verwendung von handlungsbezogenen Indikatoren für Politikverdrossenheit überaus problematisch. Alle vorgestellten Indikatoren sind zumindest bezüglich des Grades ihrer Aussagekraft bedenklich und für die meisten sind sogar entgegengesetzte Deutungen ebenso plausibel wie die Annahme, dass ihr Vorhandensein auf Politikverdrossenheit schließen lässt. Wolling schlägt vor, “diese Verhaltensweisen als mögliche Folgen von Politikverdrossenheit zu konzeptionalisieren und zu analysieren und nicht als Beschreibungsmerkmale“ 18 . Diese Konzeptionalisierung findet sich auch in Maiers Modell der Politikverdrossenheit 19 wieder, das in Bild 1 dargestellt ist. Im nächsten Abschnitt werden deshalb einstellungsbezogene Indikatoren betrachtet, deren Verwendung eine bessere Messung von Politikverdrossenheit verspricht.
3.2 Einstellungsbezogene Indikatoren
Zum Themenkomplex der Einstellungen zur Politik existieren eine ganze Reihe von sozialwissenschaftlichen Theorien und Konzepten 20 , die an dieser Stelle nicht alle ausführlich behandelt werden können. Eines dieser Konzepte ist das der Political Efficacy, welches in der empirischen Forschung häufig zum Einsatz kommt und daher im Folgenden näher erläutert wird.
Grob gesagt ist Political Efficacy definiert als das Vertrauen einer Person in die Wirkung politischer Partizipation auf den gesamten politischen Prozess. Das Konzept der Political Efficacy entstand vor über vierzig Jahren 21 und wurde zunächst als eindimensional angesehen. Später konnte jedoch theoretisch und empirisch belegt werden, dass zwei Dimensionen vorliegen, die als Internal Efficacy und External Efficacy bezeichnet werden 22 . Internal Efficacy beschreibt dabei das politische Selbstbewusstsein bzw. Kompetenzgefühl einer Person, während mit External Efficacy das Vertrauen in die Responsivität des politischen Systems beschrieben wird 23 . Responsivi-
18 Wolling(1999), S. 13.
19 Maier (2000), S. 132-139.
20 Für einen Überblick vgl. Wolling (1999), S. 13-33.
21 Brettschneider/Vetter (1998), S. 463.
22 Wolling (1999), S. 20.
23 Brettschneider/Vetter (1998), S. 463; Wolling (1998), S. 20.
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tät meint hierbei, dass die Politiker sich den Bürgerwünschen entsprechend verhalten, das heißt das Gemeinwohl im Auge haben und nicht als streng rationale Akteure entsprechend der Neuen Politischen Ökonomie 24 ausschließlich das Ziel der Maximierung des eigenen Nutzens verfolgen.
Die beiden Dimensionen von Political Efficacy haben sich in der Vergangenheit als wichtiges Konzept zur Erklärung von politischer Partizipation etabliert 25 und scheinen deshalb im Gegensatz zu den handlungsbezogenen Indikatoren dazu geeignet, bei der Beantwortung der Frage, ob Politikverdrossenheit überhaupt existiert, Verwendung zu finden.
4 Gibt es Politikverdrossenheit?
Nach der Vorstellung des Konzepts der Political Efficacy im vorhergehenden Abschnitt soll nun die Frage beantwortet werden, ob so etwas wie Politikverdrossenheit überhaupt existiert und ob im zeitlichen Verlauf der letzten Jahre und Jahrzehnte eine wachsende Unzufriedenheit zu verzeichnen ist, wie immer wieder behauptet wird. Zur Beantwortung der Frage ist es wichtig, zwischen Internal und External Efficacy zu unterscheiden, denn Bild 2 zeigt, dass beide Teilphänomene zwischen 1964 und 1995 sehr unterschiedliche Entwicklungen aufweisen. So ist die Internal Efficacy, also das politische Kompetenzgefühl der Bevölkerung in den alten Bundesländern zwischen 1969 und 1995 stark gewachsen. Im Gegensatz dazu ist die External Efficacy, also das Vertrauen der Bürger in die Responsivität der Akteure und Institutionen der Politik zumindest seit Mitte der siebziger Jahre deutlich zurück gegangen.
24 Für eine kurze Darstellung der Neuen Politischen Ökonomie vgl. Weimann (1996), S. 40-46. und
Maier (2000), S. 114-125.
25 Wolling (1999), S. 22.
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Bild 2: Zeitaufwand für die Nutzung der Medien pro Werktag (Montag bis Sams-
Quelle:Brettschneider/Vetter (1998), S. 464.
Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass in Deutschland tatsächlich so etwas wie Politikverdrossenheit existiert. Wie ist aber eine gestiegene Internal Efficacy mit einer gleichzeitig sinkenden External Efficacy zu vereinbaren? Die westdeutschen Bürger haben in den vergangenen 40 Jahren immer mehr Interesse an Politik gefunden und folgerichtig auch ihr politisches Selbstbewusstsein gestärkt. Zudem sind auch die tatsächlichen Kenntnisse über das politische System in dieser Zeit größer geworden 26 . Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist in Deutschland darüber hinaus die Zufriedenheit mit dem demokratischen System immer besonders hoch gewesen 27 . Diese Entwicklung lässt sich zum einen mit der nationalsozialistischen deutschen Vergangenheit erklären. Nach der Diktatur und Terrorherrschaft des Dritten Reichs war eine demokratische Vorbildung bei vielen Deutschen kaum vorhanden, so dass in den
26 Pöttker (1996), S. 60.
27 Pöttker (1996), S. 60.
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Jahrzehnten danach das Interesse und die Kenntnisse bezüglich des demokratischen Systems kontinuierlich wachsen konnten. Zum anderen war Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in zwei Staaten geteilt und die Deutschen im Westen wurden mehr als andere europäische Länder durch die Nähe zur DDR ständig daran erinnert, welche Bedeutung die demokratischen Grundrechte haben. 28
Die zweifellos vorhandene und auch über die Zeit gewachsene Unzufriedenheit richtet sich in Deutschland also offenbar nicht gegen das demokratische System als solches. Von Demokratieverdrossenheit kann daher keine Rede sein. Die abnehmende External Efficacy deutet mehr auf eine Unzufriedenheit mit den Akteuren der Politik und ihrer Art Politik zu machen hin. Pöttker schreibt hierzu, dass Politikverdrossenheit eindeutig existiert, „wenn man darunter ein wachsendes Missfallen an dem konkreten, öffentlich sichtbaren Vollzug von Politik durch die Parteien und ihre typischen Vertreter sowie an dem als zu gering eingeschätzten Einfluß der Bürger auf diese Praxis versteht, nicht eine generelle Unzufriedenheit mit den Ideen der Demokratie und ihrer parlamentarischrepräsentativen Grundordnung“ 29 . Um die wachsende Internal Efficacy mit der abnehmenden External Efficacy konkret in Verbindung zu bringen, lässt sich vermuten, dass ein größeres Wissen und eine wachsende Kompetenz bezüglich der Demokratie und ihrer Ideen dazu beiträgt, dass die Bürger Unzulänglichkeiten in der politischen Umsetzung eher erkennen und deshalb eine größere Unzufriedenheit entwickeln. Welche Rolle spielen nun die Massenmedien, speziell das Fernsehen, bei dieser Entwicklung? Wie Bild 2 zeigt, ist im Zeitraum von 1964 bis 1995 die durchschnittliche tägliche Fernsehnutzung sehr stark angestiegen. Diese Beobachtung lässt sich leicht mit den Erkenntnissen über die Political Efficacy vereinbaren, denn eine verstärkte Fernsehnutzung kann durchaus zu einem steigenden Interesse für Politik führen und durch den Konsum politischer Sendungen zu einem wachsenden Kompetenzgefühl beitragen. Unklar bleibt bei dieser Annahme, ob und auf welche Weise das Fernsehen zu sinkendem Vertrauen in die Responsivität der Politik beiträgt bzw. beigetragen hat. Diese Frage soll im folgenden Kapitel behandelt werden.
28 Pöttker (1996), S. 60.
29 Pöttker (1996), S. 61.
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5 Das Fernsehen als Ursache von Politikverdrossenheit
In der Diskussion um das Phänomen der Politikverdrossenheit wird den Massenmedien, allen voran dem Fernsehen, vielfach eine wichtige Rolle zugeschrieben. Dieser Um-stand beruht auf der Tatsache, dass das Fernsehen noch vor der Tageszeitung für die meisten Bürger die wichtigste Quelle politischer Informationen darstellt 30 . Damit ist jedoch noch nicht erklärt, warum Fernsehnutzung zu Politikverdrossenheit bei den Konsumenten führen sollte. Pöttker argumentiert zwar, dass es schwer vorstellbar sei, „wie angesichts der [...] Schlüsselrolle der Medien für das Bild der Bürger von Politik deren negative Einstellung ohne den Faktor öffentliche Kommunikation zustande kommen soll“ 31 . Jedoch reicht die steigende Bedeutung des Mediums Fernsehen allein offensichtlich nicht aus, um eine wachsende Unzufriedenheit über die politischen Verhältnisse zu erklären 32 . In den folgenden Abschnitten soll deshalb geklärt werden, ob Unterschiede in der Nutzerstruktur zur Erklärung von Politikverdrossenheit beitragen können und welche Bedeutung dem Zusammenspiel von Tageszeitung und Fernsehen zukommt. Darüber hinaus wird auf den Wandel des Mediensystems eingegangen, der vor allem seit der Einführung des dualen Rundfunksystems in Deutschland Mitte der achtziger Jahre deutlich zu beobachten ist.
5.1 Informationsorientierte vs. unterhaltungsorientierte Nutzer
In Kapitel 4 wurde vermutet, dass das steigende politische Kompetenzgefühl der Bevölkerung durch eine steigende Nutzung des Fernsehens mitverursacht wird, wenn man annimmt, dass mehr Fernsehkonsum generell auch mit mehr Konsum von politischen Informationssendungen einhergeht. Brettschneider und Vetter haben in ihrer Studie allerdings gezeigt, dass diese Hypothese zumindest in den alten Bundesländern einer empirischen Prüfung nicht Stand hält 33 . Ihren Ergebnissen zufolge hängt häufiges Sehen von politischen Informationssendungen kaum mit der Internal Efficacy einer Person zusammen. Allerdings sinkt mit steigendem Konsum von unterhaltenden Sendungen das politische Kompetenzgefühl. Für die External Efficacy liefert eine
30 Brettschneider/Vetter (1998), S. 468.
31 Pöttker (1996), S. 62.
32 Brettschneider/Vetter (1998), S. 465.
33 Brettschneider/Vetter (1998), S. 474-475.
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Unterscheidung in informations- und unterhaltungsorientierte Fernsehnutzer keinen großen Erkenntnisgewinn, denn die Menge an konsumierten Informationssendungen hat keinen Einfluss auf das Responsivitätsgefühl. Betrachtet man die neuen Bundesländer, so stellt sich die Situation deutlich anders dar. Im Osten Deutschlands nimmt im Gegensatz zum Westen das Responsivitätsgefühl ab, wenn mehr politische Informationen aus dem Fernsehen bezogen werden. Außerdem hat eine stärkere Unterhaltungs-orientierung hier einen negativen Effekt auf die External Efficacy. Die Ergebnisse von Brettschneider und Vetter zeigen also in erster Linie, dass bei der Analyse von Politikverdrossenheit teils erhebliche Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern zu berücksichtigen sind. Diese Erkenntnis kann jedoch kaum verwundern, wenn man die völlig unterschiedliche politische Prägung der Ost- und Westdeutschen in der Zeit von 1945 bis 1990 berücksichtigt. Eine Unterscheidung in unterhaltungs- und informationsorientierte Fernsehnutzung liefert für die Erklärung der in Bild 2 dargestellten abnehmenden External Efficacy jedoch keine größeren Erkenntnisse. Allerdings sei hier bemerkt, dass frühere Studien zu deutlich anderen Ergebnissen gekommen sind 34 .
5.2 Der Zusammenhang von Zeitung und Fernsehen
Bezüglich der Internal Efficacy hat die Studie von Brettschneider und Vetter ergeben, dass die Aufnahme vieler politischer Informationen aus Tageszeitungen das politische Kompetenzgefühl steigert. Im Gegensatz dazu verfügen Personen, die aus dem Fernsehen sehr viel über Politik erfahren, über ein niedrigeres politisches Selbstbewusstsein als Personen, für die das Fernsehen keine häufige Informationsquelle darstellt. Dieses etwas überraschende Ergebnis lässt sich so interpretieren, dass mit der zunehmenden Verbreitung von Fernsehgeräten in den sechziger Jahren zwar das politische Interesse in den Haushalten mit Fernsehgeräten anstieg, die Vorstellung von Politik sich jedoch in Abhängigkeit von der Zeitungsnutzung unterschiedlich entwickelte 35 . Demnach führt eine steigende Fernsehnutzung bei schwachen Zeitungslesern zu dem Eindruck, Politik sei leicht, unterhaltsam und konflikthaltig, während starke Zeitungsleser Politik eher für
34 Pöttker (1996), S. 62.
35 Brettschneider/Vetter (1998), S. 470.
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wichtig halten und insgesamt mit Politik stärker vertraut werden. Fernsehen fördert also das politische Verständnis nur in Verbindung mit einer starken Zeitungsnutzung und ist alleine nicht geeignet, eine vorhandene Ungleichverteilung von politischem Wissen in der Bevölkerung zu nivellieren. Zwar führt höherer Konsum politischer Fernsehsendungen zu einem höheren politischen Wissensstand, aber eine starke Zeitungsnutzung verstärkt diesen Effekt. 36
Ähnlich wie bei der Unterscheidung von unterhaltungs- und informationsorientierten Nutzern führt auch die Trennung nach starken und schwachen Zeitungslesern zu keinen Erkenntnissen, die die beobachtetete abnehmende External Efficacy und damit Politikverdrossenheit erklären könnten. Auf die Annahme, dass im Fernsehen wegen des in den spezifischen Eigenschaften des Mediums begründeten Zwangs zur Verknappung und Dramatisierung negativer über Politik berichtet wird als in Tageszeitungen, lässt sich folgende Hypothese gründen: Eine häufigere Fernsehnutzung führt zu einem geringerem Responsivitätsgefühl. Empirisch bestätigt sich diese Hypothese jedoch nicht. Der Zweifel an der Offenheit des politischen Systems ist offenbar unabhängig von der Menge der über das Fernsehen aufgenommenen politischen Informationen. 37
5.3 Der Wandel des Mediensystems
Neben den in den beiden vorhergehenden Abschnitten vorgestellten möglichen Ursachen von Politikverdrossenheit wird immer wieder der Wandel der deutschen Medien-landschaft als Ursache für eine wachsende politische Unzufriedenheit der Bürger angeführt 38 . Dabei wird diese Hypothese meist als Vorwurf an die Medien vorgetragen, der sich seit den achtziger Jahren deutlich verschärft hat. Heute wird den Massenmedien vorgeworfen, dass sie durch einen Negativitätsbias, das heißt durch eine Bevorzugung von negativen Nachrichten und Ereignissen, eine ihrer zentralen Funktionen, nämlich Themenauswahl und Selektion von Informationen, grob missbrauchen 39 . Der Strukturwandel beim Fernsehen ist in Deutschland hauptsächlich durch die Einführung des dualen Rundfunksystems Mitte der achtziger Jahre bedingt. Vor 1984
36 Brettschneider/Vetter (1998), S. 469-470.
37 Brettschneider/Vetter (1998), S. 470-471.
38 Kepplinger (1993), S. 23; Maier (2000), S. 79-83; Pöttker, (1996), S. 65-68; Schulz (1998), S. 389;
Wiesheu (1993), S. 32-33.
39 Maier (2000), S. 80-81.
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gab es in der Bundesrepublik nur öffentlich-rechtliche Sender und die Programmauswahl war in den meisten Regionen auf ARD, ZDF und ein oder zwei dritte Programme der ARD beschränkt. Dies änderte sich drastisch als ab 1984 privatwirtschaftlich organisierte Fernsehsender auftraten und untereinander und mit den öffentlichrechtlichen Sendern um die Aufmerksamkeit der Zuschauer konkurrierten. Während sich ARD und ZDF hauptsächlich aus den Rundfunkgebühren finanzierten, stellte für die privaten Sender der Verkauf von Werbeblöcken praktisch die einzige Einnahmequelle dar. Für die Privaten war und ist deshalb die Maximierung der Zuschauerzahlen ein zentrales Ziel, denn der Wert der verkauften Werbeblöcke richtet sich unmittelbar nach der Reichweite und Nutzerstruktur der die Werbung umgebenden Sendung(en). Diese Ökonomisierung des Mediensystems im Allgemeinen und des Fernsehens im Speziellen ist ein wichtiger Faktor für den bereits erwähnten Negativitätsbias in der politischen Berichterstattung. Pöttker schlussfolgert für den Zusammenhang zwischen vermehrt negativer Berichterstattung und Politikverdrossenheit: „Politikverdrossenheit und sensationelle Skandalberichterstattung bedingen sich gegenseitig, mehr noch: schaukeln sich gegenseitig auf.“ 40
Nicht zuletzt durch die wachsende Kommerzialisierung ist auch eine stärkere innere Ausdifferenzierung des Mediensystems bedingt. Mit n-tv und N24 gibt es heute bereits zwei Sender in Deutschland, die sich ausschließlich informationsorientierten Themen widmen. Neben der Wirtschaft spielt Politik bei diesen Sendern die wichtigste Rolle. Pöttker vermutet, dass diese Ausdifferenzierung vor allem bei unterhaltungsorientierten Fernsehnutzern eine größere Distanz zum politischen Geschehen verursacht, da Politik als „special interest“ erscheint, der nur für eine Minderheit politisch aktiver und interessierter Bürger von Bedeutung ist 41 .
Schließlich wird unterstellt, dass sich das Selbstverständnis vieler Journalisten in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt hat. Kepplinger schreibt dazu: „Als kritisch galt früher ein Journalist, der eine Meldung erst publizierte, wenn er ihre Richtigkeit festgestellt hatte. Heute gilt ein Journalist als kritisch, wenn er über negative Sachverhalte berichtet beziehungsweise sie als negativ darstellt.“ 42 Dadurch rückt auch die Darstellung des Privatlebens von Politikern immer weiter in den Vordergrund und
40 Pöttker (1996), S. 68.
41 Pöttker (1996), S. 66.
42 Kepplinger (1993), S. 23.
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verdrängt zum Teil die Auseinandersetzung mit politischen Inhalten 43 . Wenn aber private Verfehlungen und Skandale von Politikern immer stärker von den Medien aufgegriffen werden, ist es nicht verwunderlich, dass die Unzufriedenheit der Bürger mit diesen Politikern steigt. Damit ist nicht gesagt, dass die Verfehlungen der gewählten Volksvertreter nicht von Bedeutung sind und nicht über sie berichtet werden sollte. Problematisch wird diese Entwicklung aber dann, wenn die Auseinandersetzung mit politischen Inhalten dadurch so weit in den Hintergrund gedrängt wird, dass die Bürger für ihre Wahlentscheidung die tatsächlichen politischen Handlungen kaum noch berücksichtigen.
6 Fazit
Das Phänomen der Politikverdrossenheit ist so komplex, dass es in dieser Arbeit nicht vollständig beleuchtet werden konnte. Zudem existieren zu vielen Aspekten keine oder nur sehr wenige empirische Daten, so dass sich viele Spekulationen und Hypothesen nicht verwerfen oder belegen lassen. Klar scheint jedoch zu sein, dass so etwas wie Politikverdrossenheit existiert und dass die Unzufriedenheit in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist. Diese Unzufriedenheit beschränkt sich aber vor allem auf die Einschätzung von Parteien und Politikern. Eine zunehmende Ablehnung der demokratischen Ideen und Werte ist nicht zu beobachten.
Bei der Frage, welche Rolle das Fernsehen für die Politikverdrossenheit spielt, konnte gezeigt werden, dass die alleinige Betrachtung der Fernsehnutzung nicht ausreichend ist. Den interessantesten Aspekt bildet hier sicherlich der Wandel des Mediensystems und das Verhältnis von Journalisten und Politikern. Leider existieren gerade in diesem Bereich die wenigsten empirischen Untersuchungen, so dass die tatsächlichen Zusammenhänge und Wirkungen bei den Rezipienten unklar bleiben. Hier wären weitergehende Forschungen wünschenswert, die beispielweise die Inhalte von Informationssendungen analysieren und die Wirkungen verschiedener Inhaltstypen untersuchen.
43 Brettschneider/Vetter (1998), S. 471; Maier (2000), S. 82; Pöttker (1996), S. 66.
Politikverdrossenheit durch Fernsehnutzung?
Brettschneider, Frank und Angelika Vetter: Mediennutzung, politisches Selbstbewußt-
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Kepplinger, Hans Mathias: Medien und Politik. Fünf Thesen zu einer konflikthaltigen
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Pöttker, Horst: Permanente Imagepflege. Was suchen die Politiker im Fernsehen und
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vermittlung im Wandel. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1996, S. 59-71.
Schulz, Winfried: Wahlkampf unter Vielkanalbedingungen. Kampagnenmanagement,
Informationsnutzung und Wählerverhalten. In: Media Perspektiven 8/1998, S. 378-391.
Thierse, Wolfgang: Politik- und Parteienverdrossenheit: Modeworte behindern die
berechtigte Kritik - Zur Notwendigkeit gesellschaftspolitischer Reformen. In: Aus
Politik und Zeitgeschichte 31 (1993), S. 19-25.
Weimann, Joachim: Wirtschaftspolitik: Allokation und kollektive Entscheidung.
Berlin/Heidelberg: Springer, 1998.
Wiesheu, Otto: Medien und Politikverdrossenheit. In: Bertelsmann Briefe 129 (1993),
S. 32-33.
Wolling, Jens: Politikverdrossenheit durch Massenmedien? Der Einfluß der Medien auf
die Einstellungen der Bürger zur Politik. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag,
1999.
Eidesstattliche Erklärung
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Hausarbeit „Politikverdrossenheit durch
Fernsehnutzung?“ selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen als die
in der Arbeit angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet habe. Die Arbeit hat in
gleicher oder ähnlicher Form noch keinem anderem Prüfungsamt vorgelegen.
Alle Ausführungen, die wörtlich oder sinngemäß übernommen wurden, sind als solche
gekennzeichnet.
Nürnberg, den 27. Juli 2001 _______________________________
(Christopher Verheyen)
Arbeit zitieren:
Christopher Verheyen, 2001, Politikverdrossenheit durch Fernsehnutzung?, München, GRIN Verlag GmbH
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Ich danke dir!!!
am Sunday, November 25, 2001-