- Aischylos: Orestie (500 v. Chr.)
- Euripides: Iphigenie bei den Taurern (5./6. Jhdt. v. Chr.)
2. Personenkonstellation
Iphigenie: Tochter von König Agamemnon und dessen Frau
Orest:
Pylades:
Arkas:
3. Inhalt
- Vorgeschichte:
~ zeitl. Hintergrund: Trojanischer Krieg ~ griech. Flotte unter der Führung König Agamemnons wird in Aulis von der Jagdgöttin Artemis durch eine Windstille von der Fahrt nach Troja abgehalten ~ im Gegenzug zur freien Fahrt fordert Artemis die Opferung Agamemnons Tocher Iphigenie
~ heimliche Rettung Iphigeniens bei der Opferzeremonie durch Artemis, die sie in einer Wolke nach Tauris bringt (alle anderen glauben, Iphigenie sei geopfert worden) ~ während I.s Abwesenheit: Mord ihres Bruders Orest an ihrer gemeinsamen Mutter Klytämnestra aus Wut über deren Gattenmord an Agamemnon → Verfolgungswahn Orests (Erinnyen)
- Einsetzen des Dramas
-Exposition (Entstehung des Problems)-~ Iphigenie verrichtet fortan den Tempeldienst in Artemis‘ Tempel auf Tauris unter der Herrschaft von König Thoas → Sehnsucht nach der Heimat
~ sanftmütige Iphigenie schafft es barbarischen König aufgrund dessen Zuneigung zu ihr zu überreden, die Fremdenopfer abzuschaffen
→ Heiratsantrag, jedoch Ablehnung I.s
~ I.s Bruder Orest kommt mit seinem Gefährte Pylades im Auftrag Apolls nach Tauris,um seinen Muttermord durch die Heimführung der Schwester zu sühnen. (Missverständnis: Orest deutete „Heimführung der Schwester“ zunächst falsch als den Raub des Kultbilds der Artemis,der Schwester Apolls, nicht die Heimführung seiner Schwester Iphigenie, von der er dachte, sie sei tot.) ~ werden von Thoas‘ Männern gefangen genommen, sollen geopfert werden
- Höhepunkt (Scheinbare Lösung des Problems)-
~ I. erfährt von Pylades von den Geschehnissen in ihrer
Abwesenheit (Fall Trojas, Morde in ihrer Familie), dass der von ihr zu opfernde Gefangene ihr Bruder Orest ist ~ Planung der Flucht sowie des Raubs des Kultbilds der Artemis
- retardierendes Moment (Verzögerung der Lösung des Problems)
~ jedoch Zwiespalt I.s: einerseits Wunsch nach Rettung, andererseits Mahnung des Gewissens zur Erfüllung ihrer Pflicht als Priesterin sowie der Verpflichtung gegenüber Thoas
~ fortschreitende Heilung Orests vom Wahnsinn (Hoffnung)
- Katastrophe (Lösung des Problems)-~ Erfahren Thoas‘ vom Fluchtplan der drei (Verlust des Glaubens an das Gute im Menschen) → Befehl I. zu ihm zu bringen
~ nach anfänglichem Ausweichen I.s: Offenbarung des Fluchtplans
→ Legen des Schicksals aller in Thoas‘ Hände
( Sieg der reinen Seele)
~ Vermittlung I.s führt zur Verhinderung eines Duells zwischen Orest & Thoas
~ nach Eliminierung des letzten Hindernisses: Auflösung des Missverständnisses betreffend der „Heimführung der Schwester“
→ Erlaubnis Thoas‘ zur Rückkehr der drei nach Griechenland
4. Form & Aufbau des Dramas
- Kombination aus Blankvers und Jamben - Aufbau des klassischen Dramas: ~ 5 Akte entsprechen Exposition, Steigerung, Wendepunkt, retardierende Moment & Katastrophe des Konflikts ~ Einheit von Ort (immer Hain vor Artemis´ Tempel), Zeit (ein Tag) & Handlung
- szenisch-theatralisches Werk, d.h. Entfaltung des Konflikts
in Monolog & Dialog → Einbeziehen des Publikums
5. Wortwahl Goethes im Drama
- deutlich griech. Einfluss durch griech. Spracheigenheiten spürbar
~ Wortzusammenfassungen von Adjektiven oder Adverbien mit Partizipien: Bsp.: „vielwillkommen“ (V.803) ~ Wortspiele (typisch für griech. Tragödiendichter) Bsp.: „eine Schandtat schändlich rächen“ (V.709)
- zu Sentenzen gewordene Verse des Dramas: ~ „Kann uns zum Vaterland die Fremde werden?“ (V.76) ~ „Ein edler Mann wird durch das Wort der Frau weit geführt.“ (V.213)
~ „Du sprichst ein großes Wort gelassen aus.“ (V.307)
- Verdeutlichung des antiken Konflikts zwischen Götterspruch und menschlicher Selbstständigkeit (oft als Hybris verstanden) → Appell zu Eigenverantwortlichkeit des Menschen
& Loslösung von Fremdbestimmung
→ Infragestellung der Machtstellung von Fürsten & Göttern
è Humanisierung des griechischen Mythos´
- Umsetzung des Gedanken in die Klassik: Idee der allseitigen Harmonie zwischen ~ Göttern & Menschen ~ Regenten & Regierten ~ Mythos & Aufklärung
→ Umsetzung der Antike in die moderne Zeit
- Thoas: einerseits barbarischer (Fremdenopfer) und
- Orest: einerseits Herbeisehnen des erlösenden Sühnetods,
- Iphigenie: einerseits Sehnsucht nach einem freien Leben mit
- Thoas: durch Iphigenie vom Barbaren zu humanem Menschen verwandelt
- Orest: nach reuevoller Schuldanerkennung & Reifung → erhabenen Seele (im Affekt: edelmütiges Handeln)
- Iphigenie: Durchringen zu unbedingter Wahrhaftigkeit
→
schöne Seele
Vollkommenheit (konstruiertes Drama)
Grundfrage: Hat Humanität in einer von Sachzwängen & Eigennutz bestimmten Welt eine Chance?
Zwiespalt I.s: Flucht oder Pflichterfüllung?
schließlich: Neigung zur Pflicht (Offenlegung des Fluchtplans) è schöne Seele (klassisches Menschenideal)
KS 12/1
Johann Wolfgang Goethe
• Einheit von Ort, Zeit & Handlung
• Unterteilung in Exposition, Steigerung, Wendepunkt, retardierendes Moment & Katastrophe
~ Iphigenie: Tochter von König Agamemnon und dessen Frau
~ Orest:
~ Pylades: ~ Thoas:
~ Arkas:
Herrscherstolz (zu opfernde Fremde- anfangs Identität nicht bekannt:
~ Verdeutlichung des antiken Konflikts zwischen Götterspruch und menschlicher Selbstständigkeit (oft als Hybris verstanden)
→ Appell zu Eigenverantwortlichkeit des Menschen & Loslösung von Heteronomie
→ Infragestellung der Machtstellung von Fürsten & Göttern è Humanisierung des griechischen Mythos´
~ Umsetzung des Gedanken in die Klassik: Idee der allseitigen Harmonie
- Orest:
- Iphigenie: Durchringen zu unbedingter Wahrhaftigkeit
→ schöne Seele
-Grundfrage: Hat Humanität in einer von Sachzwängen & Eigennutz bestimmten Welt eine Chance?
-Zwiespalt I.s: Flucht oder Pflichterfüllung?
-schließlich: Neigung zur Pflicht (Offenlegung des Fluchtplans)
Johann Wolfgang Goethe: Iphigenie auf Tauris, Reclam, 1975 1 , Stuttgart Quellen:
Hrsg. Hermann Stadler: Texte & Methoden, Cornelsen, 1994 1 , Berlin
Wolf Wucherpfennig: Geschichte der deutschen Literatur, Ernst Klett Verlag, 1996 3 , Stuttgart
Arbeit zitieren:
Sarah Schwarzenberg, 2001, Goethe, Johann Wolfgang von - Iphigenie auf Tauris, München, GRIN Verlag GmbH
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Gymnasiale Oberstufe
St. Wenzel
Top Zusammenfassung und Auseinandersetzung!!!!!!!.
15 Punkte sind wirklich berechtigt. Ich weiß nicht warum der PISA Test so schlecht ausgefallen ist.
MfG Stefan
am Thursday, January 03, 2002-
Enrico Nuglisch
Nicht schlecht.
Nicht schlecht deine Auseunandersetzung mit diesem sehr anspruchsvollen Werk von Goethe. Die Interpretation ist verständlich und gut und logisch aufgebaut. Das gebührt meinen Respekt.
Enrico
Deutschlehrer am Steenbeck Gymnaisium Cottbus
am Tuesday, January 08, 2002-
Miguel
Lob.
Echt stolz auf deine Arbeit
am Thursday, January 10, 2002-
Benny
Hochachtung!.
Da ich selbst das gleiche Thema bearbeitet habe, weis ich wie schwer und verschachtelt der Stoff ist. Mach weiter so und das Abi ist so gut wie geschrieben!
am Tuesday, January 15, 2002-
Andreas
Imaginärer Kuss für unvorhergesehene Hilfe.
Du hattest wahrscheinlich Spaß an der Arbeit.
Aber mich quält man mit so einem Scheiß!
Trotzdem vielen Dank für die Hilfe!
am Thursday, February 28, 2002-
Wolfgang Fries
Sehr gute Arbeit!!.
Eine wirklich sehr, sehr gute Arbeit!!
Eignet sich vor allem sehr gut zum Wiederholen!! - fürs Abi zum Beispiel!
Die 15 Punkte sind von daher mehr als berechtigt!!
Gruß
Wolfgang
am Wednesday, April 03, 2002-
L. Schröder
Tauris.
Hast dir ja echt viel Mühe damit gegeben und warst erfolgreich.
am Sunday, April 28, 2002-
Daniel
Danke Du bist meine Retung!
am Sunday, January 04, 2004-
Mc Vahrencampbell
Gute Arbeit! Stimme nur nicht ganz dem Aufbau zu.
Orests Heilung ist der Vorzeitige Wendepunkt (Peripetie.
Der Heiratsantrag kann auch schon als Verkomplizierung des Problems (Komplikation) gesehen werden.
am Wednesday, October 06, 2010-