1. Die sozialistische Stadt
1.1. Einleitung
Bei der sozialistischen Stadt handelt es sich um einen Stadttypen, der aus den Gegebenheiten der Gesellschaftsformen und politischen Systemen des zwanzigsten Jahrhunderts heraus entstanden ist.
Seit der russischen Revolution im Jahre 1918 dient sie als Modell einer idealtypischen Stadt im Sozialismus und Kommunismus.
Die vorliegende Arbeit will diesen Stadttyp als Gesamtes darstellen. Auf die ausführlichere Darstellung muss teilweise verzichtet werden, da sie den Umfang dieser Arbeit sprengen würde. So musste bespielsweise bewusst auf die weiteren Diskussionen über Wohnkomplexe verzichtet werden, die einer eigenen Arbeit gerecht würden.
1.2. Definition
Die sozialistische Stadt ist ein nicht genau zu fassender Stadttyp. Sie kommt ausschließlich in sozialistischen/ kommunistischen (bzw. ehemals sozialistischen/ kommunistischen) Ländern vor. Die sozialistische Stadt wurde von Partei und Staat mehrfach zu verwirklichen versucht. Allerdings scheint es keine Stadt zu geben, die vollkommen dem Modell oder den ursprünglichen Vorstellungen entspricht. 1 Letztendlich ist es nicht
geklärt, woher das Modell stammt. Vielmehr ist der Begriff der sozialistischen Stadt, ein Begriff, der sich mit der Zeit formte und nach und nach ein wenig präzisiert wurde. Den Ausführungen vorgreifend lässt sich jedoch als charakteristisch für eine sozialistische Stadt ausmachen, dass ein privates Bodeneigentum fehlt, wodurch Behörden eine nahezu uneingeschränkte Planungsfreiheit haben, kollektive Lebensformen betont werden, was sich auch in den großen Demonstrationsplätzen und Aufmarschalleen, sog. Magistralen widerspiegelt, die sich im Zentrum neben den, die Stadt dominierenden, Partei- und Verwaltungsgebäuden befinden. 2 Dieses Stadtzentrum hat eine quasi propa-gandistische Funktion. 3 Die Bewohner dieser Städte leben größtenteils in einfachen, standardisierten Wohneinrichtung der industriellen Wohnungsbauweise 4 („Plattenbau-
ten“). Hofmeister gibt zu bedenken, „ob es in der nachindustriellen Stadtentwicklungs- 1 Vgl.Leser, H. (Hrsg.): Wörterbuch Allgemeine Geographie. München, Braunschweig 1997, S.796
2 ebenda
3 Burkhard Hofmeister: Stadtgeographie. Braunschweig 1997 7 , S.222
4 Burkhard Hofmeister: Stadtgeographie. a.a.O., S.222- 224
3
periode wirklich einen Typ der sozialistischen Stadt gibt“ 5 , da die sozialistischen Länder bereits nach kurzer Zeit von diesem Konzept der Stadtplanung wieder abrückten. Unstreitbar sind jedoch die Folgen zu erkennen, im Vorhandensein dieser zu jener Zeit geplanten Städte.
1.3. Die Geschichte der sozialistischen Stadt
Die Entwicklung der sozialistischen Stadt beginnt in den frühen dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit Gründung der CIAM 1928 wurden neue Konzepte zum Städtebau geschaffen. Dabei kritisierte man die damaligen sozialen Verhältnisse, die sich in Wohnungsnot und der „Schwierigkeit, die einfachen Bedürfnisse in der Stadt zu befriedigen“ 6 niederschlugen. Man begann, die Rolle des Städtebaus neu zu definieren. „Städtebau ist die Organisation sämtlicher Funktionen des kollektiven Lebens in der Stadt und auf dem Lande.“ 7 Diese Definition, in die Gründungserklärung der CIAM mit übernommen, wurde ergänzt durch die Forderungen nach dem Ordnen der Funktionen nach wohnen, arbeiten und erholen. 8
Le Corbusier führte das in der Charta von Athen zu den Forderungen nach geringer Baudichte, großzügigeren Abständen, Durchgrünung des Wohnumfeldes und Anlage von Wohnwegen aus. 9 Letztendlich schien es eine Lösung zu sein, dass man die Funktionen der Städte aufteilte in Wohnfunktion, Arbeitsfunktion und Erholungsbereich, dabei eine räumliche Trennung herbeiführte und diese Funktionen durch Verkehr wieder verknüpfte. 10 Dies kann nur erfolgreich sein, wenn ein Verkehr möglich ist. Den Bewohnern der Stadt muss die Möglichkeit gegeben sein, sich entweder mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln am Verkehr zu beteiligen.
Tony Garnier stellte seine Vision einer neuen Stadt vor: Die Cité industrielle sollte der Prototyp der Arbeiterstadt des zwanzigsten Jahrhunderts sein. „Der Städtebau als eine neue Verbindung der Arbeit mit den natürlichen Ressourcen, radikale Dezentralisiereung des Urbanisierungsprozesses und die Abkehr von den traditionellen Zentren des
5 Burkhard Hofmeister: Stadtgeographie. a.a.O., S.222- 224
6 Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S.91
7 ebenda
8 ebenda
9 Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S. 93
10 Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S. 93- 94
4
Handels, der Regierung und des Finanzkapitals.“ 11 Garniers industrielle Stadt orientiert sich an der Organisation von industriellen Prozessen. Der Entwurf sollte „einen von den sozialen Beziehungen entwickelten idealen produktiven Arbeitsprozess zur gesellschaftlichen Grundlage von Architektur und Stadtplanung [...] machen.“ 12 Ferner entsprach es seinen Vorstellungen, dass sich das Leben der Bevölkerung eben dieser Stadt auf einer genossenschaftlicher Basis selbst organisieren. 13 Der russische Stadtplaner Nikolai A. Miliutin dachte über Standortwahlen nach. Dabei kommt er zu dem Schluss, das die Zeit für die Städte vorbei sei, die „sich entlang von Handelsstraßen ausbreiten“ und „auf der Basis des [...] Kapitals aus der Erde schießen“. 14 Neue Städte, so Miliutin, seien als „industriell- agrarische Zentren“ zu sehen, und müssten daher mit Lebensmittelerzeugern kombiniert werden. 15 Die Folge dieses Ansatzes wäre jedoch, dass letztendlich die Städte nicht mehr als solche existieren würden, sondern sich vielmehr kooperative Zentren bilden, die sich am besten möglichst gleichmäßig über Land verteilen sollen. So sah es auch Lenins Staatsplan zur Elektrifizierung Russlands vor, der durch ein ideales Netz von Stromversorgung ermöglichen sollte, Russlands Bodenschätze zu erschließen und dabei zu einer Besiedlungsform zu kommen, die dadurch geprägt ist, dass Produktions- und Kulturzentren gleichmäßiger verteilt sind. 16 (Nur kurze Zeit später stellte sich heraus, dass der Plan zur Elektrifizierung so nicht durchführbar war und man relativierte die Erwartungen). Die Vorstellungen, die man sich seinerzeit gemacht hatte, kann man kurz wie folgt zusammenfassen: „Kommunismus = Sowjetmacht + Elektrifizierung“ 17 .
1.3.1 Die Stadt Magintogorsk
Garniers Cité industrielle ist eine Eisen- und Stahlstadt, eine Stadt, deren Existenz auf der Schwerindustrie fußt. Bereits 1928 stellte die Sowjetunion ihren ersten Fünfjahresplan auf, der unter anderem die Errichtung der Stadt Magnitogorsk vorsah. Auch Ma-gnitogorsk, am Ural gelegen, ist eine Industriestadt mit vorwiegend eisen- und stahlverarbeitenden Betrieben. Magnitogosk sei die „radikale Formulierung der funktionellen Stadt- als sozialistische Stadt“, schreibt May 18 . Miliutin adaptiert dabei in seinen Pl a-
11 JörnJanssen: Architektur der Arbeiterbewegung. S. 19 in: Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S.
107
12 ebenda
13 ebenda
14 Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S. 107
15 ebenda
16 Vgl. Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S. 107/108
17 Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S.107
18 Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S.108
5
nungen rationell- industrielle Produktionsprozesse, die, damit sie ökonomisch ablaufen, in einer bestimmten kontinuierlichen Reihenfolge angeordnet werden, ähnlich dem Fließbandschema. Materialien oder Vorprodukte und Arbeitskräfte würden diesem Band quasi parallel zugeordnet und punktuell zugeführt. 19 Übertragen auf die Stadt bedeutet dies, dass sich durch Transportwege, Wohngebiete, Arbeitsbereich/ Fabrikzone und Grüngürtel ein System paralleler Bänder bildet (Abb.1).
„Das tayloristische Prinzip wird aus der Fabrik heraus verlängert [...]“ 20 , was dadurch in Erscheinung tritt, dass beispielsweise eine Politik der kurzen Wege betrieben wird. Der Weg zwischen dem Arbeitsplatz und der Wohnung soll maximal zehn bis zwanzig Minuten Fußweg betragen, „der Umgang mit Zeit soll ökonomisiert werden“ 21 . Die Siedlung wird von Miliutin gemäß seinen anfangs geschilderten Vorstellungen ent-worfen. Dabei integriert er eisenverarbeitende Betriebe und landwirtschaftliche Betriebe. Diese zusammen bilden anfangs erwähnte „industriell- agrarische Zentren“. Die Gleichheit aller Bewohner spiegelt sich unter anderem darin wider, dass die Landarbeiter und Industriearbeiter gemeinsam in einer Siedlung leben. Diese ist die Wohnsiedlung, wodurch er die Funktionstrennung unter anderem vollzieht. Aus der Abbildung (Abb.1) wird besonders deutlich, dass die Funktionen getrennt werden, es keine Durchmischung gibt. Die medizinische Versorgung würde durch Polikliniken am Stadtrand sichergestellt, Bildungseinrichtungen sollen über die Arbeitsplätze eng mit der Arbeit verknüpft werden. Dabei herrscht die Vorstellung von der „Intellektualisierung der Arbeiter“ vor. Schulen jedoch würden in einer eigenen Zone gebaut werden, ebenso Kinderkrippen, die nach und nach die Erziehung der Kinder in der Familie durch die „kollektive Kindererziehung“ ersetzt werden. Ebenso sollte sich Familie über kurz oder lang gänzlich der Kommune hingeben, was sich in der Schaffung von Freizeiträumen, Versammlungsräumen, etc widerspiegelt, nicht zuletzt aber in der Wohnzelle (Abb.2). Im Zuge der Rationalisierung des familiären Lebens kann die auch die Wohnung auf die „minimalen Restfunktionen“ reduziert werden. 22 Miliutin schränkt seine Utopie jedoch selbst ein, in dem er teilweise betont, derartige Veränderungen ließen sich nicht herbeizwingen.
In dieser Stadt als eine Art „Bandstadt“ sollen die Bänder idealerweise wie folgt ange-ordnet werden:
19 Ruth May: Planstadt Stalinstadt, a.a.O. , S.108
20 ebenda
21 ebenda
22 Ruth May: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. , S. 108/109
6
„Eisenbahnline – Produktionszone (samt Forschung und Lehre)- Grünzone mit Fernstraße, mindestens 500 Meter breit- Wohngebiet mit je einem Band für gesellschaftliche Einrichtungen, Wohngebäude und Kindereinrichtungen- Parkzone mit Erholungseinrichtungen, etc- Gärten und Landwirtschaft.“ 23
Die Bauten der Stadt sollten im Design der „funktionalistischen Moderne seiner Zeit (z.B. OSA, Bauhaus, Le Corbusier)“ 24 mit neuen Methoden errichtet werden, und gleichzeitiger Konzentration auf „Standardisierung von Bauteilen bei variantenreicher Kombination“ 25 .
Abschließend bleibt zu erwähnen, dass Miliutins Konzept von den Sowjets nicht realisiert wurde. Man setzte auf ausländische Experten und „versuchte, [...] praktikable Ideen ins Land zu holen“ 26 .
Miliutin ist nicht der geistige Vater aller seiner Planungsvorschläge. Vielmehr hat er aus den seinerzeit aktuellen Ansätzen der Städteplanung Entwürfe aufgegriffen und teilweise in seine Planungen mit übernommen und sie mit eigenen Vorstellungen verschnitten. Die Ideen Miliutins von der Gestaltung Magintogorsks sind grundlegend für die Idee der sozialistischen Stadt (russ: Sotsgorod) 27 . Zwar wurden seine Pläne nicht verwirklicht, aber in vielen Folgeplanungen neuer Städte treten seine Vorschläge wieder in Erscheinung.
Die Pläne der Sowjets waren utopisch. Hatte man mit dem ersten Fünfjahresplan vorgesehen, die Weiten Rußlands zu industrialisieren, so war kurz vor Ende der ersten Pl anungsperiode, 1931, die Wohnungsnot groß und man sah es als notwendig an, eher in die Wohnungsbau zu investieren. Diese Investitionen waren im ersten Plan äußerst gering bemessen und bedurften einer Aufstockung. So beschloss die KPdSU 1931 auch ein Programm für den Städtebau und das Siedlungswesen, das die Städte
1.4.Wohnkomplexe
Der Wohnkomplex ist eine Ansammlung mehrerer vielgeschossiger Bauten, die in mehreren Trakten sich beispielsweise um einen Innenhof gruppierten. 28 Merkmale, die später auch in den sozialistischen Städten wie Stalinstadt auftauchen, sind bereits im Ent- 23 RuthMay: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. , S. 109/110
24 ebenda
25 ebenda
26 Ruth May: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. , S. 110
27 Nikolai A. Milutin soll hier nicht als der „Erfinder oder Entwickler“ des Modells der sozialistischen Stadt dargestellt sein ! (Anm. des Verf.)
28 Ruth May: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. , S. 113
7
wurf der Kommunehauses (Abb.3) in Moskau zu finden: Der offene Innenhof, die un-tereinander verbundenen Trakte und die symmetrische Anlage von Gemeinschaftseinrichtungen im Zentrum des Komplexes. In diesem 1928 entstandenen Kommunehaus wird auch im sozialen Bereich versucht, eine Kommune zu schaffen: Eine Hausordnung stellt klar, was die Pflichten der Bewohner sind. Die Lebensbedingungen der Arbeiter sollten verbessert werden, indem sie im Bereich Kindererziehung, Speise-versorgung und Wäschereibetrieb sowie im kulturellen Bereich „vergesellschaftet“ wurden. Diese Dinge oblagen dem Kollektiv, der Kommune. Die Bewohner hätten die Verpflichtung zur Teilnahme an gesellschaftlicher und kultureller Arbeit, ferner sollte das Analphabetentum innerhalb eines Jahres beseitigt sein, „Relikte aus dem alten Leben, wie ‚Trunkenbolde‘ und Ikonen, hatten keine Berechtigung, 80 Prozent des Geha ltes sollten abgeliefert werden.“ 29 „Arbeit und Leben werden, wie bei Miliutin, gewissermaßen nach einem Prinzip konstruiert: Die (analytische) Zerlegung des Produktions-und Lebensprozesses erlaubt Neuzusammensetzungen, mit denen das Leben im Kollektiv erst organisiert werden kann.“ 30
In den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts planten einige Städteplaner und Architekten „kompakte Siedlungen, die große kommuneartige Zusammenschlüsse vorsahen“ 31 . Es entstand die sogenannte Sotsgorod- Konzeption. Dabei sollten „Wohnkombinate“ 32 entstehen, in denen 2000 bis 4000 Menschen leben konnten. Selim Chan-Magomedow beschreibt diese Wohnkombinate als „eine Art zu einem Wohnviertel herangewachsenes Kommunehaus“ 33 . Alle Gebäude innerhalb dieses Wohnviertels seien über Gänge miteinander verbunden und besitzen diverse Kollektiv- Eirichtungen. Vier Wohngebäude (je zwei Gebäude für Familien und Alleinstehende), ein Gesellschaftsgebäude (das eine Kantine, Versammlungsraum, Lesesaal und Sporthalle beinhaltete), ein Schulgebäude (mit einem Internat) sowie Kindereinrichtungen bildeten ein Wohnkombinat; dabei sind alle Gebäude durch Übergänge verbunden. Jeweils zwei Wohnkomb inate bildeten mit einem zwischen ihnen liegendem Grünstreifen ein Viertel. Die Schulen und Kindereinrichtungen waren jeweils am Grünstreifen gelegen. 34 „Das gesamte Wohngebiet (der Sozgorod) ‚häufte‘ sich aus solchen Wohngebieten zusammen.“ 35
29 Ruth May: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. , S. 113
30 Ruth May: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. , S. 114
31 ebenda
32 ebenda
33 Selim O. Chan- Magomedow: Pioniere der sowjetischen Architektur. Wien- Berlin 1983, S. 334
34 Ruth May: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. 1999, S. 114
35 Selim O. Chan- Magomedow: Pioniere der sowjetischen Architektur. Berlin 1983, S. 335
8
Das Konzept des Wohnkomplexes wurde über die Jahre hin weiterentwickelt und wurde schließlich in die Städtebaugrundsätze der Sowjetunion übernommen. 36
1.5. Schema der russischen Stadt: Komplexe, Quartale, Rayons
Der Wohnkomplex der sowjetischen Stadt sollte die soziale Bestimmung des Lebens im Kollektiv sein. Als man 1935 den Generalplan zur Umgestaltung Moskaus mit seinen gigantischen Ausmaßen verabschiedete, nahm man im Zuge der Planungen für Moskau eine Hierarchisierung der Infrastruktur vor. Dabei wurden öffentliche Einrichtungen in drei Gruppen eingeteilt:
1. Krippe, Kindergärten, Schulen;
2. Speisehalle, Klubs, Gesundheits- und Kultureinrichtungen;
3. Badehäuser, Wäschereien, Garagen, Läden. 37
Dementsprechend sollten nicht alle Wohnkomplexe alle Funktionen (beispielsweise die von höherer Zentralität) übernehmen.
Im Dezember 1951 taucht (wahrscheinlich über den Moskauer Chefarchitekten Alexa nder Wlassow) eine Pause in Berlin auf, die den schematischen Aufbau der sowjetischen Neubaustädte dokumentieren sollte. „Diese gliedern sich in Wohnkomplexe, Quartale und Rayons, jeweils mit verschieden definierten Zentren. (Wie ersichtlich wird, ist die Hierarchisierung der Funktionen gegenüber der Moskauer Planung von 1935 modifiziert.)“ 38 (Abb.5).
1.6. Stalins städtebaulichen Grundsätze
Wie bereist erwähnt, wurde 1935 der Generalplan zur Umgestaltung Moskaus verabschiedet. Die Beratungen bis dahin hatten auch den kompletten Neuaufbau etwa 100 Kilometer entfernt in Erwägung gezogen. Josef Stalin war es, der seinerzeit sich von einem Neuaufbau distanzierte, da es wirtschaftlicher sei, eine bestehende Stadt an ein technisches Versorgungsnetz anzupassen, als eine neue. Die Stadt sei in ihrer Form nicht zufällig entstanden. Schließlich kann er seine Planer überzeugen: „Genosse Stalins [...] Rede wurde für uns zum Programm, nach dem wir um die sozialistische Erneuerung
36 siehe hierzu Punkt 1.6 dieser Ausführungen
37 Ruth May: Planstadt Stalinstadt. a.a.O. 1999, S. 128
9
Arbeit zitieren:
Alexander Gehmlich, 2000, Die sozialistische Stadt, München, GRIN Verlag GmbH
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