nicht befriedigt werden können. Höchster Ausdruck des Willens ist der Geschlechtstrieb. Da es aufgrund der nicht zu befriedigenden Wünsche kein dauerhaftes Glück gibt, ist das Leben unausweichlich von Schmerz und Leiden gekennzeichnet. Die Erlösung vom Leiden geschieht durch die Verneinung des Willens, die der Mensch entweder durch Kontemplation in der Kunstbetrachtung oder durch Askese und Entsagung gewinnt, durch die sämtliche Bedürfnisse zum Schweigen gebracht werden.
Burckhardt:
Nennt die Vorstellung vom „heiteren Griechen“ eine der allergrößten Fälschungen der Geschichte. „Die Hellenen waren im Glanze der Kunst und in der Blüthe der Freiheit unglücklicher als die meisten glauben.“ „Der Mensch ist zum Unglück geboren. Nichtsein oder das Frühsterben ist das Beste“
Schopenhauer, Wagner, Burckhardt und Bacchofen prägen seine Auffassung des Lebens und die Entwicklung seiner Kunstauffassung prägen.
Lebensfrage: Wie ist angesichts des Schreckens des Lebens, seiner Grausamkeit und seiner Gleichgültigkeit (← Schopenhauer) eine Bejahung des Lebens überhaupt möglich.
Griechen:
haben die Lösung auf diese Frage in der Kunst und im Mythos gefunden haben „die Schrecken und Entsetzlichkeiten des Daseins“ gekannt und haben sie mit der olympischen Götterwelt bedeckt, um leben zu können.
Apollo:
Reiner, heiliger Gott des Lichts (Phoibos = Der Strahlende) Gott der Reinheit (heilt Krankheiten), der Musik, der Dichtung und des Logos (der ewigen Form) „Erkenne dich selbst“
Dionysos:
Sohn der Unterweltsgöttin Persephone und des Zeus. Von Hera angestiftet schneiden die Titanen das göttliche Kind in Stücke und fressen es auf. Athene kann das Herz retten. Zeus verschluckt es und gibt einen zweiten Dionysos das Leben, indem er Semele, die Tochter des thebanischen Königs Kadmos, verführt. Hera verleitet Semele dazu Zeus in seiner ganzen Göttlichkeit sehen zu wollen. Bei der Erfüllung ihres Wunsches verbrennt Semele. Zeus rettet das ungeborene Kind, näht es in seinen Schenkel ein und bringt es selbst zur Welt. Dionysos wird in der Einsamkeit erzogen. Sein Eintritt in die Welt gleicht einem Eroberungsfeldzug. Sein Gefolge sind Mänaden, Satyrn und Silenen. Dionysos ist Gott der Frauen. Im Herbst zogen Mädchen und Frauen in Tierfellen durch die Wälder und beschwörten bei nächtlichen orgiastischen Riten den Gott. Die Frauen säugten Zicklein, zerrissen sie und aßen sie roh.
Gott der orgiastischen Natur, des Todes und des Weines. Seine Gegner bestraft er mit Wahnsinn. In Zeichen seines Kultes ist die griechische Tragödie entstanden. Gestaltenreicher fremder Gott aus Thrakien, Herr des rauschhaften Lebens und des Todes
Taucht in Form eines Tigers auf
Dionysich:
Das Schreckliche und Grauenvolle im Leben Dionysos ist Gott der nächtlichen Welt Dionysische „Wahrheit“
Der „Wille“, „das Ur-Eine“ (Schopenhauer) ist Dionysos → Trieb Dionysos ist Symbol für alle nichtenden Erscheinungen der Welt
Der Schmerz selbst ist schöpferisch, er gebiert aus sich heraus die Lust. (Lust am Leben = Daseinswille) Gegensatz Dionysisch-Sokratisch Orgiastische Gestimmtheit des Willens → Rausch
Sage vom weisen Silen, dem Begleiter des Dionysos: Ein König fragt Silen, was für den Menschen das Allerbeste und Allvorzüglichste sei. Zum Antworten gezwungen anwortet dieser: Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist für dich - bald zu sterben“
Apollinisch:
„Verklärung“ des Daseins, sublimiertes Abschatten des Leidens und des Schmerzes → Schönheit ist eine Frucht des Leidens Verklärung des Leidens durch die Kunst
Die taghelle Welt ist die mit dem Schönheitsschleier der Kunst verdeckte Sphäre des Apollo Apollinischer „Schein“ Schein → Traum Apollo: Form
„Das Ja-Sagen zum Leben“ selbst bei den härtesten Problemen, „der Wille zum Leben im Opfer“ (→ Sebastiansgestalt)
Bild: Raffaels Transfiguration (obere Bildhälfte: leuchtender, verklärter Christus ;untere Bildhälfte: Wiederspiegelung des ewigen Urschmerzes, dämonische Dunkelheit)
Dionysich → Apollinisch:
Dionysisches u. Apollinisches Prinzip gehören unmittelbar zusammen Alte Göttergestalten (Schicksalsgöttin moira, die Erinyen, die Todesgöttinen )und ihr finsteren Machenschaften sollen durch den glänzenden Zeus versteckt werden. Kampf zwischen Wahrheit und Schönheit/Illusion
Gegen die barbarisch-dionysische Orgiastik stellt sich die apollinische Sublimierung, Mäßigung des Maßlosen.
Die entscheidende Leistung der Welt des attischen Geistes, den finstren Grund der Welt mit dem Schönheitsschleier ihrer Kunst und ihrer Religion zu verhüllen Balance zwischen Apollon u. Dionysos wichtig:
→ unter der absoluten Herrschaft Apollos im Sinne einer starken Formgebung verkümmert das Leben
→ unter der absoluten Herrschaft Dionysos brechen alle Ordnungen des Lebens auf und das Leben zerstört sich selbst Entstehung der Tragödie aus dem Dionysos-Kult
Haltung zur Wissenschaft: Entzauberung der Welt → Romantik Sokrates: „neugeborener Dämon, genannt Sokrates“ Sokrates als der Vernichter der Tragödie
„Einzige Möglichkeit des Lebens in der Kunst. Sonst Abwendung vom Leben. Völlige Vernichtung der Illusion ist der Trieb der Wissenschaft“ Konflikte: Kunst ↔ Philosophie; Weisheit ↔ Wissenschaft; Mythos ↔ Logos Mythos durch Wissenschaft und Logos gefährdet Was ihn stört: ein im Wesen der Logik verborgener Optimismus
Versuch einer Selbstkritik:
Vorwort für sein Werk verfasst er einige Jahre später (1886). Anmerkung neuer Erkenntnisse und Fragestellungen.
Nietzsche gibt zu: illusionslos betrachtet besitzt das Dasein keinerlei moralische Bedeutsamkeit, es ist jenseits von Gut und Böse Christentum → Kunstfeindlich → Lebensfeindlich
→ Tiefer als der Gegensatz Dionysos-Sokrates ist der Gegensatz: Dionysos-Christentum
Seine Schriften waren weder eine Revolution, noch überhaupt eine Neuerung. Alle Ansätze sind bereits bei anderen Philosophen zu finden.
Erneuerung des Mythos durch Wagners Musik
Gegenposition zu Schopenhauers pessimistischer Weltverneinung: Weltbejahung im Angesicht des Untergangs
Arbeit zitieren:
Bahareh Hassanvand, 2001, Nietzsche, Friedrich - Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, München, GRIN Verlag GmbH
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