Diese Hausarbeit resultiert aus meinem am 07. Januar 2003 gehaltenen Referat im Rahmen des Seminars „Ästhetik vor der Ästhetik“. Thema ist Theophilus Presbyter und seine Schrift „Schedula diversarum artium“, die um das Jahr 1100 entstand und eine Art mittelalterliches Handbuch des Kunsthandwerkes darstellt. In drei Büchern gibt Theophilus das Wissen, das er sich in vielen Jahren kunsthandwerklicher Praxis angeeignet hat, an die mittelalterlichen Künstler weiter. Doch nicht nur aus kunstwissenschaftlicher Sicht ist das Werk interessant, sondern vielmehr enthält es auch drei Prologe, die Aufschluß über die künstlerische und ästhetische Anschauung im Mittelalter geben. Aus diesem Grund wird sich diese Hausarbeit schwerpunktmäßig mit den Prologen des Werks beschäftigen und versuchen, Theophilus´ ästhetische Auffassung deutlich zu machen. Zunächst werde ich auf die Identität des Theophilus und auf „biographische“ Daten eingehen. Anschließend soll in Kapitel 3 das Gesamtwerk der „Schedula diversarum artium“ betrachtet werden, bevor ich genauer auf die einzelnen Prologe und ihre theologisch-künstlerische Bedeutung eingehen werde. Daraus ergibt sich die ästhetische Anschauung des Theophilus, die ich abschließend mit verschiedenen zeitgenössischen Meinungen vergleichen möchte. Ich werde in dieser Hausarbeit ausschließlich mit der deutschen Übersetzung der „Schedula diversarum artium“ arbeiten und versuchen, meine Thesen anhand des Textes nachzuweisen. Bei meinen Ausführungen stütze ich mich besonders auf die Gesamtausgabe der Schrift bei Brepohl 1 und den Aufsatz „Ornatus materialis domus dei“ von Bruno Reudenbach, der sich ebenfalls mit Theophilus und seiner theologischen Auffassung auseinandersetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Person des Theophilus
3. Die Schedula diversarum artium
3.1. Zur Entstehung des Werkes
3.2. Der Inhalt der Schedula
4. Die Prologe der Schedula
4.1. Der Prolog zum ersten Buch
4.2. Der Prolog zum zweiten Buch
4.3. Der Prolog zum dritten Buch
5. Zusammenfassung der Prologe
6. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk des Theophilus Presbyter „Schedula diversarum artium“ unter besonderer Berücksichtigung der darin enthaltenen Prologe, um dessen künstlerische und theologische Auffassung sowie die Rechtfertigung handwerklicher Tätigkeit im mittelalterlichen Kontext aufzuzeigen.
- Biographische Identität des Theophilus Presbyter und seine Zuordnung zu Roger von Helmarshausen.
- Struktur, Inhalt und Entstehungsgeschichte der Schedula diversarum artium.
- Analyse der Prologe als theoretische Grundlage für die handwerkliche Praxis im Mittelalter.
- Auseinandersetzung mit dem theologischen Diskurs über kirchlichen Prunk und die Bedeutung von Kunst als Mittel zur Gotteserfahrung.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Prologe für das Verständnis des Werkes
Aus philosophischer Sicht sind die Prologe zu den einzelnen Büchern der „Schedula diversarum artium“ der wohl interessanteste Teil. Sie entstanden wahrscheinlich später als das eigentlich Werk, weshalb eine genaue Datierung schwerfällt.
Theophilus richtet sich in seinem Vorwort an die Künstler, die sein Werk zur Hand genommen haben und nun nach seinen Anleitungen Kunstwerke schaffen werden. Er ermahnt sie immer wieder zu einem gottesfürchtigen Leben und versucht, ihnen den Sinn von Kunst aus seiner Sicht näher zu bringen. Dabei bedient er sich immer wieder Zitaten aus der Bibel, die er auf die handwerkliche Arbeit eines Künstlers ausdeutet und dazu nutzt, seine eigene Argumentation zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Anlass der Hausarbeit und legt den Fokus auf die Untersuchung der Prologe zur Schedula diversarum artium als Quelle für das mittelalterliche Kunstverständnis.
2. Zur Person des Theophilus: Dieses Kapitel widmet sich der Identitätsforschung des Autors und begründet, warum Theophilus heute mit dem Goldschmiedemönch Roger von Helmarshausen gleichgesetzt wird.
3. Die Schedula diversarum artium: Hier wird der Entstehungshintergrund und die inhaltliche Struktur des Werkes als mittelalterliches Handbuch und Enzyklopädie des Kunsthandwerks beschrieben.
4. Die Prologe der Schedula: Diese Sektion analysiert die drei Prologe im Detail, wobei die theologischen Rechtfertigungen für künstlerisches Schaffen sowie die Bezüge zur Schöpfungstheologie im Zentrum stehen.
5. Zusammenfassung der Prologe: Das Kapitel rekapituliert die Kernpunkte der Prologe, insbesondere die Vorstellung, dass Kunsthandwerk ein Weg zur Wiedererlangung der gottgegebenen Fähigkeiten und zur Teilhabe an der göttlichen Wahrheit ist.
6. Schlußbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Einordnung des Theophilus in den zeitgenössischen Streit um den Schmuck in Kirchen und betont den Stellenwert der Schedula als einzigartiges, theologisch fundiertes Handbuch.
Schlüsselwörter
Theophilus Presbyter, Schedula diversarum artium, Roger von Helmarshausen, Kunsthandwerk, Mittelalter, Theologie, Ästhetik, Buchmalerei, Goldschmiedekunst, Glasbearbeitung, Imago Dei, Schöpfungsgeschichte, Kirchenkunst, Religiöse Kunst, Handbuch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die „Schedula diversarum artium“ des Theophilus Presbyter, wobei der Schwerpunkt auf den theoretischen Prologen liegt, die das mittelalterliche Kunstverständnis und die theologische Legitimation von Kunsthandwerk beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Identität des Autors, die historische Einordnung der Schedula, die theologische Deutung künstlerischer Arbeit sowie der Vergleich der Position des Theophilus mit anderen mittelalterlichen Denkern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die künstlerisch-ästhetische Auffassung des Theophilus zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie er handwerkliche Tätigkeit durch biblische Begründungen in den Dienst Gottes stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Arbeit, die Textanalyse und komparative Forschung betreibt, indem sie die Aussagen der Prologe mit biblischen Quellen und zeitgenössischen Debatten vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Person Theophilus, die inhaltliche Beschreibung des Gesamtwerks sowie die detaillierte Untersuchung der drei Prologe unter Berücksichtigung theologischer Argumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Theophilus Presbyter, Schedula diversarum artium, Kunsthandwerk, Theologie, Mittelalter, Ästhetik und die Imago-Dei-Theorie.
Wie begründet Theophilus den „Prunk“ in der Kirche?
Theophilus argumentiert, dass die Ausstattung mit wertvollen liturgischen Gegenständen notwendig sei, um die göttliche Botschaft angemessen zu verkünden und das Haus Gottes entsprechend seiner Heiligkeit zu ehren.
In welchem Verhältnis steht Theophilus zu Bernhard von Clairvaux?
Sie vertreten gegensätzliche Standpunkte: Während Bernhard von Clairvaux künstlerischen Schmuck als Ablenkung und Sittenverfall ablehnt, sieht Theophilus in der Kunst ein notwendiges Mittel, um das Paradies auf Erden zu vergegenwärtigen und Gott durch das Schaffen von Werken zu dienen.
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- Pamela Sommer (Author), 2003, Theophilus Presbyter - Schedula diversarum artium, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10598