Bürgerrechtsbewegungen
Mahatma Gandhi
Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung
Geschichte Indiens bis 1909
Biografie inklusive Ursachen, Verlauf und Folgen seines Kampfes um Unabhängigkeit (von der Herrschaft der Kolonialmacht Britanniens):
- eigentlicher Name:
Mohandas Karamchand Gandhi
- Mahatma heißt ,,große Seele";
Diesen Ehrentitel hat er von dem Dichter Rabindramath Tagore verliehen bekommen, weil er sich mit Nachdruck für die Armen Indiens, insbesondere für die Unberührbaren, eingesetzt hat (Tagore - indischer Dichter und Philosoph, trat für umfassende Reformen der hinduistischen Gesellschaft ein, 1913 Nobelpreis für Literatur)
- Geb. 2.10.1869, entstammte Hindukaste der Kaufleute (zweithöchste Kaste)
- war sehr religiös und enthaltsam
- studierte Jura in London; die Kaste war jedoch der Meinung, dass er im Ausland nicht ,,rein" leben könnte; obwohl er ein Gelübde ablegte, in dem er sich verpflichtete, keusch zu leben und weder Fleisch noch Alkohol anzurühren, verbot ihm die Kaste die Reise ins Ausland
- Gandhi widersetzte sich und wurde deshalb von der Kaste ausgeschlossen
- beschäftigte sich während des Studiums ausgiebig mit Hinduismus, Islam und Christentum- sein hinduistischer Glaube wurde immer wichtiger für ihn; dennoch erkannte er die anderen Religionen an
- besonders begeisterte ihn die Bergpredigt; diese entsprach seinem Motto, Böses mit Gutem zu vergelten; sein Konzept des Satyagraha verglich er immer wieder mit der Bergpredigt, um es besser erklären zu können
- Rückkehr nach Indien, ein Teil der Kaste nahm ihn wieder auf, offiziell war er weiterhin ausgeschlossen und jedem, der ihn aufnahm, drohte ebenfalls Ausschluss
- wurde Rechtsanwalt in Indien, doch ohne Hilfe der Kaste war es schwer eine Anwaltskanzlei aufzubauen
- 1893 ging nach Südafrika in die britische Kronkolonie Natal
- nahm dort Stellung bei indischer Firma an
- erlebte sowohl im Gerichtssaal als auch auf einer Bahnfahrt für diese Firma starke Demütigungen (er wurde aus dem Zug geschmissen, wurde beim Friseur nicht bedient, durfte im Gerichtssaal keinen Turban tragen und nach 21 Uhr nicht mehr ohne Genehmigung des Arbeitgebers das Haus verlassen; alles nur weil er ein Inder war); war empört über den Umgang der Briten mit indischen Einwanderern; für die Weißen waren alle Inder Sammies oder Kulis, schlicht nicht ebenbürtig
- diese entwürdigenden Situationen öffneten ihm die Augen, er begann gegen Rassenvorurteile Südafrikas anzukämpfen und nahm Kampf für die Grundrechte der Inder in Südafrika auf; sammelte innerhalb von 2 Wochen 10 000 Unterschriften - stellte zwei Regeln für sich auf: erstens, dass er nie wieder dulden wird, unterdrückt zu werden und zweitens, dass er in seinen Kämpfen niemals Gewalt anwenden wird, selbst wenn andere Gewalt gegen ihn anwenden
- organisierte erstmals Widerstand der indischen Einwanderer gegen diskriminierende Gesetze, z.B. Aberkennung des Stimmrechts - gründete ,,Natal Indian Congress" (1894)
- stieg zum politischen Führer der indischen Bevölkerung in Südafrika auf
- 1899 Ausbruch des Burenkrieges; er wollte den Engländern gegenüber Loyalität zeigen und meldete sich zusammen mit 1000 Indern zum Sanitätsdienst, mit dem er allgemeine Bewunderung erregte (er sah es als Bürgerpflicht; wer seine Rechte einfordere, müsse auch seine Pflichten erfüllen); er erhoffte Verbesserung der Rechte der Inder- nach dem Krieg: Stellung der Inder verbesserte sich dadurch allerdings nicht
- 1901 durch erschütternde Gewaltakte des Krieges begann er mit dem Verzicht auf alle persönlichen Neigungen und Leidenschaften, er verpflichtete sich zum ,,brahmacharja", der ständigen Enthaltsamkeit, dem ,,ahimsa", der Gewaltlosigkeit, und dem ,,Satyagraha", dem Kräftequell aus Wahrheit und Liebe
- das waren die drei Ecksteine seines Weges und seines Lebens; schneidet er sein Haar selbst, wusch seine Hemden eigenhändig, säuberte seine Latrine (primitive Toilette), normalerweise Aufgabe der Unberührbaren, und fastete regelmäßig
- 1904 gab durch Artikel in der eigenen Zeitung ,,Indian Opinion" und durch öffentliche Reden bei Massenveranstaltungen den Indern wieder Kraft und Hoffnung; gründete die Phoenixfarm in Natal
- 1906 nach dem Zuluaufstand mussten sich alle Inder bei den Behörden registrieren lassen (mit Fingerabdruck), bekamen einen Reiseschein und ohne diesen durften sie z.B. nicht nach Transvaal; auf Zuwiderhandlungen standen Gefängnis oder Deportation (verschleppen) - 3000 Inder versammelten sich unter Gandhis Leitung im Staatstheater, wo sie schwörten, diesen Erlass nicht Folge zu leisten; er verweigerte grundsätzlich Zusammenarbeit mit den Behörden - Gandhi wurde deswegen verhaftet(1908); Zeit in Haft(2 Monate) nutzte er zum Lesen von Tolstoj (russischer Schriftsteller), um sich innerlich zu stärken
- wandte sich an General Smuts und verlangte Gesetz, nicht zu verabschieden; im Gegenzug würden sich alle Inder registrieren lassen; Gandhi registrierte sich und die Mehrheit der Inder folgten ihm - Gesetz wurden dessen unbeachtet trotzdem verabschiedet
- lenkte in Transvaal (Provinz in Südafrika) eine Kampagne für Anerkennung der bürgerlichen Rechte seiner Landsleute; gründete dort Tolstojfarm
- entwickelte Formen des gewaltlosen Kampfes (unter Einfluss der altindischen Lehre des Ahimsa, der christlichen Bergpredigt und der Ideen Tolstojs), die er dort erstmals anwendete - forderte seine Anhänger auf, im Zeichen des Satyagraha an dem als wahr Erkannten festzuhalten und sich aus diesem Wissen heraus gewaltlos dem Unrecht und der Gewalt entgegenzustellen
- verbrannten über 2000 Meldescheine
- Smuts hielt sich auch nicht an die Vereinbarung mit Gokhale (wichtiger Freund und Unterstützer Gandhis, Mitglied des INC), die Dreipfundsteuer für Kontraktarbeiter abzuschaffen (durch Vertrag an einen Brotherren gebundener Arbeiter, erhielten nur geringe Leistungen, nach Abschaffung der Sklaverei wurden u.a. indische Arbeiter zur Bewirtschaftung der Plantagen nach Südafrika gebracht)
- Bsp. für den gewaltlosen Widerstand der Inder in Südafrika: Polizisten kamen auf Pferden an und wollte auf die Gruppe von streikenden und demonstrierenden Arbeitern einknüppeln, da hat sich die Gruppe flach auf den Boden gelegt, und die Pferde konnten nicht dazu gebracht werden, über Menschenkörper zu laufen
- Polizisten sind wieder verschwunden und die Indern haben gewaltlos gewonnen
- 1913 Situation der Inder spitzte sich zu, als alle nicht-christlichen Ehe, die nicht vor einem Standesbeamten in Südafrika geschlossen wurden, für nichtig erklärt wurden; alle indischen Ehen wurden nicht anerkannt; zudem waren die Kinder nicht mehr erbberechtigt - Frauen und Kontraktarbeiter schlossen sich ihm an, Bergarbeiter streikten -
- startete erneut Satyagraha-Kampagne: einige seiner Anhänger sollten ohne Papiere die Grenze zwischen Natal und Transvaal überqueren und sich verhaften lassen
- aus den streikenden Bergarbeitern und ihren Familien bildete er eine ,,Friedensarmee" von rund 5000 Menschen; wollten ebenfalls Grenze überschreiten - massenhafte Verhaftungen, darunter auch Gandhi
- Gefängnisse quollen über, Kosten für die Inhaftierten waren enorm und Stilllegung der Bergwerke verursachte Gewinneinbußen
- zunehmend schlossen sich auch Arbeiter anderer Gegenden dem Streik an; aus Indien kam geistige und finanzielle Unterstützung
- Gandhi ließ dann von weiteren Streiks ab, da die Regierung in Bedrängnis geriet - er wollte ja seinen Gegner keinen Schaden zufügen
- er hat erreicht, dass die britische Regierung den Indern bedeutende Zugeständnisse macht, z.B. Abschaffung der Kopfsteuer und die Legalisierung nichtchristlicher Ehen
- 1914 kehrte zurück nach Indien, wird von großer Menschenmenge bejubelt - er war jetzt der eigentliche religiöse und politische Sprecher der indischen Volkes; kämpfte nun für die indische Selbstverwaltung - wurde Vorsitzender der ,,campaign for home rule"(eine Kampagne für indische Selbstbestimmung); ist mit dem Zug durch Indien gefahren, um möglichst viel von dem Land und den Leuten kennenzulernen
- 1917 Bauern in Nord-Bihar am Fuße des Himalaja hatten ihn um Hilfe gebeten; Pächter wurden gezwungen, 3 von 20 Teilen ihres Landes für den Grundherrn mit Indigo (der älteste bekannteste Farbstoff Indigoblau wird daraus gewonnen) zu bepflanzen; hatten kein Recht, über das von ihnen selbst gepachtete Land zu bestimmen; Gandhi sollte sehen , unter welchen Qualen sie Indigo anbauten und verarbeiteten; führte Untersuchungen durch
- Pächter erhielten einen Teil ihrer bereits gezahlten Abgaben zurück, und dieses System wurde abschafft - außerdem setzte er sich für Bildungsmaßnahmen und verbesserte gesundheitliche Versorgung der Bauern ein
- im Rahmen der Montford-Reformen sollte den Indern 1918 in den Provinzen eine Beteiligung an der Regierung eingeräumt werden; Durchsetzung verzögerte sich - Unruhen in der Bevölkerung kamen auf - Briten bekamen Angst, sie könnten den über 3 Mio. Indern nicht mehr Herr werden
- nach Unruhen in Bengalen wurden die Rowlettgesetze (nach ihren Erfinder Rowlett benannt) diskutiert; sie sahen vor, das Kriegsrecht einzuführen; nach diesen Gesetzen hätten u.a. Verdächtige ohne Prozess eingesperrt werden dürfen
- 1919 Demonstration der Inder auf einem Platz in Amritsar gegen die Rowlatt Acts, die die eingeführten Ausnahmerechte der britischen Behörden in Indien verlängern, um mit den revolutionären indischen Volk fertig zu werden
- nach der blutig verlaufenden Auflösung(380 Tote) dieses Protests (gegen britische Sicherheitsgesetze) durch britische Truppen, welche den einzigen Ausweg besetzten und wahllos in die Menge feuerten, löste er erste Kampagne des ,,Zivilen Ungehorsams aus (brach somit Satyagraha-Kampagne ab)
- wurde in deren Verlauf (bis 1922) Führer des INC (Indian Nation Congress)
- der General, der die Truppe angeführt hatte, sagte aus, er habe alle Menschen auf dem Platz töten wollen; es wurden ihm nahegelegt, den Dienst zu quittieren, was er auch tat - eine weitere Bestrafung erfolgte nicht!!!
- dennoch wurden die Gesetze verabschiedet
- gestützt auf INC setzte er Massenbewegungen (vorher nur eine Elitebewegung) in Gang, die durch Nichtbeteiligung (Non-cooperation, Kampagne der Asahayoga) an den Institutionen der britisch-indischen Regierung (z.B. Verwaltung, Gerichts-, Schul- und Bildungswesen) die britische Regierung zu Zugeständnissen in der Unabhängigkeitsfrage zu zwingen versuchten
- eingeschlossen in diese Aktionen - Boykott britischer Firmen und Produkte (besonders Textilien), Inder geben Dienst in öffentlichen, staatlichen und sozialen Bereichen auf, Gerichtshöfe werden boykottiert und indische Kinder werden von staatlichen Schulen genommen
- aktivierte die gegen das britische Textilmonopol (gegen Importe englischer Stoffe) gerichtete häusliche Handspinnerei; forderte die Menschen auf, ihre Kleidung abzulegen und auf einen Haufen zu werfen; hielt dann ein Streichholz an den Kleiderberg und rief seine Landsleute auf, sich ans Spinnrad zu setzen und den dhoti (ein selbstgesponnenes Tuch), das er lebensschutzartig um den Leib geschlungen hatte, anzufertigen - verhalf damit auch ärmeren Indern zu einem Nebenverdienst
- als er in London war, besuchte er die Fabrikarbeiter in den Fabriken, die die Klamotten hergestellt haben; obwohl dort viele arbeitslos geworden sind, konnten sie ihn verstehen und fanden es auch gut, dass er sie besuchte, um mit ihnen zu reden; das hätten ihre eigenen Politiker nie gemacht
- Spinnrad wird zum Symbol der indischen Unabhängigkeit - noch heute ziert ein Spinnrad die indische Flagge
- Außerdem organisierte er einen landesweiten Streik, an dem Tag ging nichts mehr in Indien, kein Bus oder Zug fuhr, kein Geschäft war offen und die Telegraphen funktionierten nicht mehr - Briten waren von ihrem Mutterland abgeschnitten und bekamen Angst
- der verstärkte Druck durch diese Bewegung veranlasste die Briten 1921 zu den Montford-Reformen: eine neue Verfassung besagt, dass 10% der männlichen Bevölkerung das Wahlrecht erhielten; den Provinzen wurden finanzielle und normative Kompetenzen zugebilligt; der Legislativrat durch eine zweite, gewählte Kammer unterstützt
- indische Volk hält sich nicht vollständig an Gandhis Lehre Ahimsa und es kommt zu bewaffneten Aufständen gegenüber den Briten
- Gandhi ist enttäuscht, erklärt Kampagne des zivilen Ungehorsams als beendet
- März 1922 Verhaftung (zu 6 Jahren); Widerstände wurden trotz seiner Inhaftierung fortgesetzt; viele wichtige Verbände, wie die Gerechtigkeitspartei, Gewerkschaften und Studentenverbände wurden gegründet
- 1924 wegen Krankheit begnadigt; betrachtet nun die Erziehung des Volkes als eine seiner wichtigsten Aufgaben, zieht 6 Jahre lang durchs Land
- außerdem widmet er sich der Aufgabe, der im hinduistischen Denken verankerten gesellschaftlichen Ächtung der Unberührbaren, d.h. derer, die keiner Kaste angehören, entgegen zu wirken
- 1928 beauftragten die Engländer eine Kommission mit der Überprüfung der indischen Selbstverwaltung, die allerdings nur aus Briten bestand
- der INC berief eine Allparteienversammlung ein, die sich als Ziel die völlige Unabhängigkeit bis 1930 setzte
- nach Weigerung der britischen Regierung, Indien den Dominionstatus (selbstständiges Commonwealthland) zu gewähren, löst Gandhi zweite Kampagne des zivilen Ungehorsams aus (1930)
- 12.3.-6.4. 1930 führte Hunderttausende von Menschen in einem Demonstrationsmarsch zum Meer(380km),gewannen eigenständig Salz aus dem Meer (jede Person nahm symbolisch eine handvoll Salz), um gegen das Salzmonopol-Gesetz der britisch-indischen Regierung zu protestieren/zu verstoßen, im Sinne seiner Strategie der gewaltlosen Überschreitung ungerechter Gesetze; Inder mussten hohe Steuern für das Salz zahlen (ein Arbeiter muss 3 Tage arbeiten, um die Salzsteuer aufbringen zu können), das im eigenen Land gewonnen wird; außerdem predigte er während dieses Marsches die Benutzung des Spinnrads, kritisierte Kinderehe und Alkoholkonsum
- Protestmarsch hatte Erfolg: Die Regierung gestattete den Indern die Salzgewinnung für den Eigenbedarf
- Verhaftung der Führung des INC und 100 000 anderer Personen
- 29.5.1930 eine Menschenkette marschierte zum Salzbergwerk, um es friedlich zu besetzen; Bergwerk wurde von Polizisten bewacht, diese schlugen die Menschen mit Stöcken nieder, wogegen sie sich nicht wehrten
- die Männer wurden schwer verletzt und teilweise sogar getötet
- weltweites Entsetzen wurde hervorgerufen; internationale Druck war so groß, dass Gandhi im Januar 1931 entlassen wurde
- indisches Salz durfte nun verkauft werden
- Briten wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten; wie sollten sie einen Feind bekämpfen, der keine Gewalt benutzt, trotzdem aber so resolut ist?
- 1931 Gandhi nahm an Verfassungskonferenzen in London teil (Roundtable-Konferenzen, 1930/31), kämpfte um eine neue Verfassung, die den Föderalismus (Streben nach größerer Selbständigkeit, Gliederung in Bundesstaaten) einführte und die Reservierung von Parlamentssitzen für Minderheiten beinhaltet - endeten ergebnislos
- 1932 wiederholt im Gefängnis; führte mehrfach langes Fasten durch, um gegen die britischen Verfassungspläne für Indien zu protestieren (Hungerstreik)
- gleichermaßen wandte er sich mit solchen Aktionen gegen Tendenzen, den Unberührbaren die volle staatsbürgerliche Gleichstellung vorzuenthalten; Briten wollten getrennte Wahllisten für die Parias einführen; Gandhi will aber Anerkennung derer erreichen - ein Abkommen zwischen Hindus und den Unberührbaren wurde geschlossen, Gandhi nur knapp den Tod durch Fasten entkommen; Parias durften jetzt an Messen in den Tempel teilnehmen, Frauen der anderen Kasten empfingen jetzt öffentlich die Nahrung aus den Händen der Parias
- setzte sich dafür ein, dass Menschen aus verschiedenen Kasten sich gut miteinander verstanden, ging Geld und Kleidung für die Parias sammeln und hat mit ihnen geredet, wie mit jedem anderen auch
- 1934 reiste durch ganz Indien, setzt sich für das Prinzip der Ahimsa ein; legte Führung des INC nieder und trat aus, da er glaubte, maßgebliche Mitglieder verstanden Prinzip der Gewaltlosigkeit nur als politisches Mittel, nicht als umfassende gesellschaftliche Grundbekenntnis
- der ohne indische Beteiligung zustande gekommene Government of India Act von 1935, eine Verfassungsreform, die einen Bundesstaat vorsah, scheiterte an der ablehnenden Haltung der indischen Fürsten
- 1937 erlangte die Kongresspartei (entstanden aus INC) eine deutliche Mehrheit bei Provinzwahlen
- ab 1939 sprach Gandhi sich öffentlich gegen den Krieg aus - Inder sollten Briten in diesem Krieg nicht unterstützen
- Der 2. Weltkrieg brach aus und Großbritannien war geschwächt
- während des 2. Weltkrieges hatte Indien unter der militärischen Ausbeutung durch die Engländer sowie einer Wirtschaftskrise zu leiden, die zu großen Hungersnöten führte
- erneute Kampagne des Zivilen Ungehorsams (versagten Unterstützung im Krieg)
- Briten reagierten nicht - Gandhi erneut in Haft
- Kongresspartei organisierte weiter Protestaktionen - wurden von Briten niedergeschlagen
- Gandhi forderte sofortige Entlassung Indien in die Unabhängigkeit und brachte die angelegten Pläne der britischen Regierung zum Scheitern (1942) - Briten machten Indern Zugeständnisse, da sie ihre Unterstützung brauchten, als die Japaner kurz vor dem Einmarsch in Indien standen
- 1944 Entlassung Gandhis
- 1945 Kampf um Unabhängigkeit wurde durch Regierungsübernahme der Labour Party in England (Winston Churchill wurde abgewählt) begünstigt, aber INC und Muslimliga konnten sich über weiteren Verlauf der Regierungsbildung nicht einigen - verlangsamte Rückzug Englands
- die Muslime, die jahrhunderte lang über eine Hindu-Mehrheit geherrscht hatten, wollten nun nicht unter einem Hindu-Regime leben und verlangten ihren eigenen Staat
- Briten wollten vollständige Unabhängigkeit nur gewähren, wenn INC und Muslimliga ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen
- Gandhi ist eigentlich gegen Teilung Indiens, willigte aber trotzdem ein, weil er hofft den Frieden zu festigen - so war Teilung in religiös-politische Teile einzige Lösung; der Liquidator der Kolonialherrschaft, Lord Mountbatten, sagte: ,,Indien wird geteilt, oder aber es wird zerstört werden."
- nach Kriegsende - Teilung des Subkontinents in Nehrus Indien (INC) und Jinnahs Pakistan (Muslimliga), 15.8.1947 Gandhis Lebensziel erreicht - Unabhängigkeit Indiens (und Pakistans, wofür sich seit 1934 Mohammad Ali Jinnah einsetzte)
- Gandhi suchte vergeblich, die Einheit Indiens zu bewahren und blutige Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen bei der Teilung Indiens zu verhindern
- Auf beiden Seiten bildeten sich gewalttätige Gruppen, die die Minderheiten unterdrückten; außerdem wollten die Hindus nicht, dass die Moslems einen eigenen Staat gründeten; ca. eine Million Menschen starben, 12 Millionen Flüchtlinge
- Mit Fastenaktionen konnte er blutige Ausschreitungen in Kalkutta beenden; seine Gesundheit schien ernsthaft gefährdet - beide Religionsgruppen hätten Tod Gandhis nicht verantworten können und schlossen Frieden (für kurze Zeit) - zog damit Hass fanatischer Anhänger beider Religionen auf sich
- 30.1.1948 fiel Attentat eines jungen Hindufanatikers zum Opfer: Gandhi geht in den Garten des Birla-Hauses in Delhi, 500 Menschen haben sich zum Gebet mit ihm versammelt, er sagt die ersten Worte des Gebetes, da tritt der Fanatiker an ihn heran, verbeugt sich vor ihm und tötet ihn; Hindufanatiker warf ihm vor, dass er der muslimischen Minderheit (ein Drittel der Muslime lebte noch in Indien) gleiche Rechte zugebilligt hatte - Gandhi hat bis zuletzt dafür gekämpft, allen Gruppen des alten Indiens die gleichen Rechte und materiellen Unterstützungen zukommen zu lassen
- Er hat immer versucht, wie die meisten Menschen in Indien zu sein und tat immer das, was ihm sein Herz geraten hat. Auch das war ein Grund, warum die Menschen ihn liebten. Er wollte behandelt werden wie jeder andere Mensch auch. Das sah man auch daran, dass er, wenn er nicht durch Indien gereist ist, auf einer kleinen Farm gelebt hat und dass er körperlichen Arbeiten selbst verrichtete und er nur von den Erträgen der Farm lebte. In Gesellschaft reicher Leute hat er sich sehr unwohl gefühlt. Er wollte sich mit den meisten Menschen Indiens, mit den armen Dorfbewohnern, identifizieren können. Durch diese Identifikation versuchte er besser zu verstehen, was die Leute dachten und was in ihnen vorgeht. Das hat ihm bei seinem Kampf sehr geholfen.
- In Indien wurde das Bild des Mahatma, in sein dhoti gehüllt, das Objekt tiefer Verehrung, nicht nur wegen den Inhalten seiner Politik, sondern auch, weil Gandhi nach seinen gepredigten Prinzipien der Armut, Demut und des guten Willens lebte. Er kämpfte sein ganzes Leben mit Menschlichkeit, Toleranz, Ideen und gewaltlos.
- Gandhi hat nie aufgehört zu kämpfen, auch wenn er im Gefängnis war. Dort hat er meistens Kampagnen vorbereitet oder war sonst irgendwie aktiv.
- Oft kamen Menschen zu Gandhi und sagten, dass es doch nur gerecht wäre, wenn sich jemand für das rächt, was ein anderer ihn angetan hat: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Gandhi hat immer geantwortet: ,,Ein Auge für ein Auge macht die ganze Welt blind." Er hielt nichts von Rache. Er war für Vergeben und Liebe und hat alle Menschen gleich behandelt. Er war der Meinung, dass Menschlichkeit das Allerwichtigste auf der Welt ist. Und danach hat er gelebt!
- Er galt in Indien als entschiedener Wegbereiter für die Unabhängigkeit des Subkontinents von der britischen Kolonialherrschaft.
- Er wurde besonders für die Bürgerrechtsbewegungen der 60er Jahre zur Symbolfigur, durch seine Methoden des gewaltlosen Widerstands zur Durchsetzung politischer Ziele. In den 60er sind die meisten Kolonien in Afrika und Indochina unabhängig geworden.
- Er war Vorbild von Martin Luther King und Nelson Mandela.
- Und sein Vorbild war Henry David Thoreau (amerikanischer Schriftsteller) und dessen Buch ,,Die Pflicht zum zivilen Ungehorsam".
- 1949/50 Gründung der Republik Indiens; Inkrafttreten der Verfassung durch die Indien zu einer Unions-Republik wird; erster Premierminister Indiens war Jawaharlal Nehru; ist Mitglied des Commonwealth;
- Indien hatte bei seinem Start in die Unabhängigkeit die Möglichkeit, bald eine konstante Regierung aufzubauen, da eine unabhängige Justiz, fähige Beamte und Politiker, sowie eine professionelle Armee bereits vorhanden waren.
- Die beiden neu geschaffenen Staaten begannen ihre Geschichte mit dem ersten von bislang 3 Kriegen gegeneinander- um das Himalaja Fürstentum Kaschmir, dessen Hindu-Maharadscha (schaffte es nicht eine selbstständigen Staat aufzubauen) seine mehrheitliche muslimische Bevölkerung an Indien anschließen wollte. Resultat ist eine noch immer andauernde Teilung des Territoriums entlang der laut internationalen Beobachtern ,,gefährlichsten Grenze der Welt", an der nach wie vor fast täglich geschossen wird.
International aber konnte sich Indien zunächst durch die geschickte Außenpolitik Nehrus etablieren. Die junge Demokratie galt als bestrebt, Frieden gewaltfrei zu bewahren. Erst nach der Niederlage im indisch-chinesischen Krieg um Territoriale erlitt Indien einen Prestigeverlust.
- 1964 Tod Nehrus, seine Tochter Indira Gandhi wird seine Nachfolgerin
- 1965 Ausweitung des Kaschmir-Konflikts zum indisch-pakistanischen Krieg
- 1966 Vereidigung von Indira Gandhi (nicht verwandt mit Mahatma Gandhi) als Premierministerin, die eine zum Sozialismus tendierende Politikverfolgte; Bemühungen um den Aufbau des Landes durch Industrialisierung und der Verbesserung der Ernährungslage; hat sehr mit wirtschaftlichen und anderen innenpolitischen Problemen zu kämpfen - brachten sie um ihr Amt; ihre Nachfolger konnten Problem auch nicht lösen - sie kam wieder an Macht einige Jahre später
- Indien verlor an Zusammenhalt, den der Kampf um Unabhängigkeit gebracht hatte, Bevölkerung litt unter den wirtschaftlichen Problemen und die religiösen Auseinandersetzungen veranlassten Indira zu einem gewaltsamen Schlag gegen sie Sikhs
- 1971 Freundschaftsvertrag zwischen Indien und der UdSSR
- 1974 Zündung der ersten indischen Atombombe; Pakistan erhöht seine Rüstungsausgaben
- 1984 Indira Gandhi wird ermordet von Sikhs, ihr Sohn Rajiv Gandhi wird Nachfolger
- 1990/91 verstärkter Einfluss des Indischen Nationalkongress, der nach den Wahlen 1991 stärkste Partei wurde
- 1992 erneut religiös motivierte Kämpfe
- 1996 nach der Wahlniederlage des INC regiert eine Koalition aus circa dreizehn Parteien
- 1997 zum ersten Mal wird ein Paria, ein Kastenloser, Präsident
So hat Indien bis heute mit den Folgen der Kolonialzeit zu kämpfen, aber sie hat Indien auch zu einem Staat mit einer demokratischen, fortschrittlichen Verfassung gemacht.
Indien ist ein tief gespaltenes Land, in dem sich die großen Religionen vermischt haben, wie in kaum einem anderen Land der Erde. Religiöse, soziale und geografische Aspekte, die sich aus der Geschichte Indiens ergeben, spielen heute wie damals eine große Rolle. Noch heute kommt es immer wieder zu Unruhen. Das Land besteht aus vielen verschiedenen Bundesstaaten, es gibt über 1000 Kasten, über 100 verschiedene Sprachen und verschiedene Glaubensrichtungen. Neben Hindus, Muslimen, Christen und Sikh gibt es diverse andere Religionen und Sekten in Indien.
- Engländer beuteten Inder aus
- Import britischer Waren schwächte die Wirtschaft Indiens stark
- Inder waren wirtschaftlich von den Briten abhängig; Gandhi rief zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit auf - Boykott britischer Firmen - z.B. sind viele der indischen Klamottenindustrien bankrott gegangen, weil die Briten Klamotten importiert haben - sehr viele Menschen sind arbeitslos geworden - Gandhi forderte zum Verbrennen der englischen Klamotten auf und zum Selberspinnen - außerdem hat er es geschafft, dass Indien selbstgewonnenes Salz verkaufen darf - dadurch wurde Wirtschaft in Indien einwenig angekurbelt und neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, in England hingegen gingen Firmen bankrott und Menschen arbeitslos
- in Afrika ebenfalls - Versuch britische Wirtschaft zu schwächen: Gefängnisse quollen über, Kosten für die Inhaftierten waren enorm und Stilllegung der Bergwerke verursachte Gewinneinbußen - im 2. Weltkrieg beuten die Engländer Indien militärisch aus, Inder erleiden Wirtschaftskrise, welche zu Hungersnöten führt...
Zusammenfassung - Für welche Rechte er gekämpft hat und was er erreicht hat:
Recht(e) wofür er gekämpft hat | Erfolgreich | Ergebnislos | MR? GR? BR? |
- In Afrika: | |||
er kämpfte gegen Rassenvorurteile Südafrikas, nahm Kampf für Grundrechte der Inder in Südafrika auf, da dort für Weiße alle Inder Sammies oder Kulies waren, sie mussten sich ihnen unterordnen | Grundrecht, speziell Bürgerrechte und Freiheitsrechte | ||
gegen diskriminierende Gesetze wie Aberkennung des Stimmrechts, Gesetz, dass sich alle Inder registrieren lassen mussten, Dreipfundsteuer für Kontraktarbeiter, Nichtanerkennung indischer Ehen, Gesetz, dass Kinder nicht mehr erbberechtigt waren | er hat erreicht, dass die britische Regierung den Indern bedeutende Zugeständnisse macht wie Abschaffung der Kopfsteuer und die Legalisierung nichtchristlicher Ehen | -,,- | |
lenkte in Transvaal Kampagne für Anerkennung der bürgerlichen Rechte der Inder | Bürgerrechte | ||
- In Indien: | |||
kämpfte für indische Selbstverwaltung/ Selbstbestimmung/ Unabhängigkeit (Dominionstatus) | hat erreicht, dass 10% der männlichen Bevölkerung Wahlrecht erhielten, den Provinzen wurden finanzielle und normative Kompetenzen zugebilligt; der Legislativrat durch eine zweite, gewählte Kammer unterstützt; Ende des Krieges: Gandhi hat die Unabhängigkeit Indiens erreicht!!! | Bürgerrechte (Teilhabe an staatlicher Gewalt) | |
half Bauern in Nord-Bihar selber über ihr gepachtetes Land zu bestimmen, Bauern wurden gezwungen, Indigo anzupflanzen, was mit großen Qualen verbunden war | Gandhi schaffte es, dass sie einen Teil ihrer bereits gezahlten Abgaben zurückerhielten und das System abgeschafft wurde | Bürgerrechte, Freiheitsrechte (Abwehr von staatlichen Übergriffen) | |
setzte sich außerdem für Bildungsmaßnahmen und verbesserte gesundheitliche Versorgung der Bauern ein | Menschenrechte (Ernährung), Grundrecht (Teilhabe an staatlichen Leistungen) | ||
kämpfte gegen die Rowlettgesetze; sie sahen vor, das Kriegsrecht einzuführen; nach diesen Gesetzen hätten u.a. Verdächtige ohne Prozess eingesperrt werden dürfen | wurden aber dennoch abgeschlossen | Freiheitsrechte, Bürgerrechte (Rechtstaatlichkeit wäre nicht mehr gegeben gewesen, Inder wären der völligen Willkür der Briten ausgeliefert gewesen) | |
ging gegen das Textil- und Salzmonopol Englands vor (und andere britische Institutionen) - boykottierte | schuf damit neue Arbeitsplätze und Indien durfte selber Salz gewinnen und verkaufen | Bürgerrechte, Mitwirkungsrechte | |
setzt sich für die Anerkennung und staatsbürgerliche Gleichstellung der Paria ein, wollte Kastensystem beseitigen (fand es unmenschlich und ungerecht) | ein Abkommen zwischen Hindus und den Paria wurde geschlossen, bekamen mehr Rechte | Kastensystem wurde nicht abgeschafft | Alle Grundrechte vor allem Freiheitsrechte, Bürgerrechte (Briten wollten getrennte Wahllisten), und auch Menschenrechte (Verbot von Mahlzeiten) |
kritisierte Kinderehe und Alkoholkonsum | Grundrechte | ||
kämpfte für den Föderalismus und die Reservierung von Parlamentssitzen für Minderheiten | ergebnislos | Bürgerrechte, Mitwirkungsrechte | |
protestiert gegen britische Verfassungspläne | |||
Briten machten Indern Zugeständnisse, weil sie Unterstützung im Krieg brauchten | |||
Versucht blutige Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen zu verhindern- wollte Gleichberechtigung beider (wollte Hindu-Muslim-Einheit) | Kurzzeitig | bis heute noch Auseinandersetzungen | Alle Menschenrechte und Grundrechte inklusive Bürgerrechte |
- Man sieht es waren überwiegend Bürgerrechte und auch Freiheitsrechte für die er gekämpft hat! Und vieles war erfolgreich (!), obwohl die Politiker und Journalisten in England versuchten, ihn und seine Gewaltlosigkeit lächerlich zu machen, ihn als verrückten Heiligen darzustellen.
- Indien war eine Kolonie Englands, das sogenannte ,,Kronjuwel"
- England ist ein parlamentarische Monarchie, haben ein Parlament - also ein demokratisches System
- Indien steht aber unter dieser Herrschaft, ein Regierungsoberhaupt (eine Kaiserin und einen Vizekönig) wurde ihnen vorgesetzt und sie bekamen so gut wie alles von den Briten vorgeschrieben, haben also nur ein sehr geringes Mitspracherecht darüber, was im Land geschieht - das lässt darauf schließen, dass es sich hierbei um ein autoritäres System handelt
- Totalitär ist es auf keinen Fall, da es ja eine britisch-indische Regierung ist und keine rein britische, einige Inder also auch im Exekutiv- und Legislativrat sind und eingeschränkt mitbestimmen dürfen
- einige demokratische Werte werden zugelassen (Exekutiv- und Legislativrat; Wahlen)
- da die Inder eine Teilmitwirkung hatten an den Provinzregierungen, kann man hier auch von einer ,,Dyarchie" sprechen; eine Dyarchie ist eine Staatsform - im Gegensatz zur Monarchie
- mit der Machtausübung durch 2 verschiedene, weitgehend voneinander unabhängigen Gewalten; wobei hier aber die Kontrolle über zentrale politische Bereiche in britischer Hand blieb - wirklich entscheidende Sachen wurden von den Briten bestimmt
- erst 1949/50 wurde Indien eine Demokratie, Verfassung enthält zahlreiche Merkmale der konstitutionellen Systeme westlicher Demokratien, Staatsname: Republik Indien (Hindu: Bharat)
- Vorher handelte es sich eher um eine Kultur. Das Gebiet in Form einer Halbinsel, auch Subkontinent genannt, war lange Zeit von anderen Völkern abgeschlossen. Das lag daran, dass im Norden riesige Gebirgszüge, im Süden das arabische Meer und der Golf von Bengalen die natürlichen Grenzen des Gebietes waren.
Das Kastensystem
Das Kastensystem entstand um 1000 v.Chr. als die arischen Eroberer die schwarz- und dunkelhäutigen Ureinwohner Indiens unterworfen hatten.
Kastenbilden im Hinduismus eine hierarchische Ordnung, die die Bevölkerung in vier Klassen teilt: Brahmanen (Priester), Kshatrigas (Krieger), Waischja (Bauern), Schudra (Knechte). Außerhalb der vier Kasten und rund 3000 Unterkasten stehen die Unberührbaren (Parias), die Kastenlosen, die etwa 100 Mio. der Bevölkerung ausmachen.
Die Menschen werden in eine Kaste hineingeboren und bleiben in dieser das ganze Leben. Wenn sie sich nach den Regeln der Religion gut benehmen in ihrem Leben, dann werden sie in ihrem nächsten Leben in eine höhere Kaste geboren, oder wenn sie bereits in der höchsten Kaste sind, kommen sie ins Paradies. Eine Kaste zu verlassen oder zu wechseln ist unmöglich. Der Mensch wird nicht nach seiner Leistung, sondern nach seiner Geburt beurteilt.
Das Gesetz nach dem Karma zieht jeden einzelnen für jede seiner irdischen Taten zur Rechenschaft, wenn die Bilanz gut ausfällt, wird die Seele in einer höheren Kaste wiedergeboren. Karma heißt ,,Tat" - die geistige ebenso wie die physische Tat. Durch die Lehre vom Karma und von der Wiedergeburt wurde das indische Kastensystem zum festen Bestandteil der herrschenden Religion.
Die herrschende Religion in Indien ist der Glaube, der im Westen Hinduismus und von seinen Anhängern ,,dharma" genannt wird. Ein Wort, das unterschiedlich mit Harmonie, Ordnung und Gesetz übersetzt wird. Der Hinduismus bestimmt in Indien das ganze Leben, seine Lehren gehen weit über den eigentlichen religiösen Bereich hinaus. Unter Dharma versteht die Inder die religiös begründetensittlichen Gebote, wie die Pflichten der unterschiedlichen Kasten.
Die Kastenzugehörigkeit wirkt sich auf alle Bereiche des Lebens aus. Die vier Kasten mit ihren Unterkasten haben jeweils ihren eigenen rechtlichen Status, ihre eigenen Traditionen, Gesetze und Lebensgewohnheiten. Die strengsten Kastengesetze verbieten Ehen, Mahlzeiten und andere gesellschaftliche Kontakte mit Mitgliedern einer anderen Kaste.
Strafen für ein Verbrechen fallen für ein Mitglied einer hohen Kaste wesentlich härter aus als für den Angehörigen einer niedrigen Kaste oder für eine Unberührbaren.
Die kastenlosen Inder, leben als Außenseiter in der Hindu-Gesellschaft und müssen ,,unreinen" Berufennachgehen. Deren Berührung wird von den Kastenangehörigen als Befleckung empfunden, deshalb werden sie oft auch als Unberührbare bezeichnet.
Inder modernen Republik Indien soll die Kastenzugehörigkeit nach der Verfassung von 1950 ohne Bedeutung sein. In den Städten hat sie tatsächlich an Bedeutung verloren, auf dem Lande aber spielt sie immer noch eine zentrale Rolle.
Niedere Kasten und Kastenlose werden also noch immer nicht voll von ihren Mitmenschenakzeptiert und leben zumeist in großer Armut. Die Spannungen zwischen Arm und Reich zwischen den Kasten führen immer wieder zu Unruhen.
Das Kastenwesen sorgt für eine feste, gesicherte Gesellschaftsordnung, verhindert aber durch die von Geburtvorgezeichnete Lebensstellung die freie Entfaltung des Talents. Sie isoliert die Inder voneinander und erschwert somit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt.
Definitionen/Erklärungen
Ziviler Ungehorsam: öffentlicher, gewaltloser, gewissensbestimmter bewusster Verstoß gegen einzelne Gesetze als eine Form des Widerstandes gegen den Staat; für bewusste Gesetzesübertretungen wurden Gefängnisstrafen in Kauf genommen;
Verstieß Gandhi bewusst gegen ein Gesetz, bekannte er sich schuldig im Sinne des Gesetzes (nicht in seinem Sinne) und nahm seine Strafe an. Dadurch hatten die Briten große Probleme. Wäre Gandhi gewalttätig oder flüchtig gewesen, hätten sie härter gegen ihn vorgehen können. So stand die (internationale) Öffentlichkeit auf seiner Seite und die Briten behandelten ihn eher milde.
Hungerstreik: die Verweigerung der Nahrungsaufnahme als Mittel passiven Widerstands zur Durchsetzung v.a. politischer Ziele; auch als Druckmittel von Inhaftierten gegenüber dem Staat benutzt
Commonwealthland: Im Westminster-Statut von 1931 wurde zunächst der Name British Commonwealth of Nations verfassungsrechtlich festgelegt; im Zuge der Entkolonialisierung verstand sich die Gemeinschaft nicht mehr als »british«, sondern als »multiracial« (vielrassisches) Commonwealth of Nations. Es besteht aus Member States of the Commonwealth, unabhängigen, gleichberechtigten und in freier Vereinigung verbundenen Staaten, in denen der britische Monarch entweder Staatsoberhaupt ist und durch einen Generalgouverneur vertreten wird (z.B. in Kanada, Neuseeland oder im Australischen Bund) oder lediglich symbolisch als Haupt des Commonwealth of Nations anerkannt ist (z.B. in den Republiken Indien, Bangladesh und Namibia sowie in Monarchien wie Malaysia oder Tonga). Den unabhängigen Staaten des Commonwealth of Nations steht der Austritt aus dem Verband jederzeit frei, sie können aber auch auf Beschluss der Commonwealth-Mitglieder ausgeschlossen werden; eine gegenseitige Bündnispflicht besteht nicht.
Burenkrieg: Großbritannien wollten zusammenhängendes Kolonialreich in Afrika erreichen und die Burenstaaten wollten ihre Selbstständigkeit verteidigen; Buren unterwarfen sich am Ende den Engländern
Dreipfundsteuer Viele Inder waren als billige Arbeitskräfte nach Südafrika gekommen. Sie erhielten nur mit einem Arbeitsvertrag eine Aufenthaltserlaubnis. Die Kontrakte waren auf wenige Jahre begrenzt, in denen der Arbeiter so gut wie keine Rechte hatte. Wollte er kündigen, musste er eine Kopfsteuer von drei Pfund zahlen, eine Summe, die keiner der Arbeiter aufbringen konnte, da die Löhne um ein vielfaches geringer waren. Die Arbeiter waren also nur bessere Sklaven
Gewaltloser Widerstand: Ahimsa, wörtlich: nicht töten (entspricht hinduistischen Gedankenmuster) Dabei gilt es nicht dem Gegner Schaden zuzufügen, sondern durch Leiden in der eigenen Person in ihm schlechtes Gewissen zu wecken (Gewinnung des Gegners). Gandhi stellt fest, dass Gott von einem selbst verlangt Schläge hinzunehmen, vielleicht auch mehrere, nur um seinen Gegner zu beweisen, dass man nicht zurückschlagen wird. ,,Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen"
- Leitsatz des gewaltlosen Widerstandes: er sagt eindeutig aus, dass man durch die Liebe zu seinen Feinden etwas in ihnen freilegt und nur für sie bitten kann, dass es den Hass kleiner werden lässt und so dem Gegner Einsicht bringt und ihn respektieren lernen lässt.
Aktionsformen des oft von basisdemokratischen Vorstellungen geprägten und von Bürgerinitiativen getragenen gewaltfreien Widerstand sind Protestveranstaltungen, passiver Widerstand (Steuerboykott, Sitzstreik), ziviler Ungehorsam, Besetzungen, Blockaden, ...
Paria: von Tamil paraiyar: Trommelschläger
Name einer niedrigen Kaste in Tamil Nadu, der in Unkenntnis des indischen Kastensystem auf alle kastenlosen Inder übertragen wurde. Die Parias, auch Unberührbare genannt, da ihr körperlicher Kontakt Kastenhindus befleckt, leben als Außenseiter in der Gesellschaft der Hindus. Sie gehen oft als ,,unrein" geltenden Berufen nach. Trotz sozialer und wirtschaftlicher Integrationsbemühungen werden sie v.a. in Dörfern noch heute diskriminiert. Gandhi nannte sie ,,Harijans" - Kinder Gottes.
Satyagraha: Gandhi schrieb in seiner Autobiografie:
,,Ehe man zur Anwendung friedlichen Ungehorsams berufen sein kann, muss man zuvor den Staatsgesetzen willigen und ehrerbietigen Gehorsam geleistet haben. Meist gehorchen wir diesen Gesetzen nur aus Furcht vor Strafe; ... Ein Satyagrahi gehorcht den Gesetzen der Gesellschaft kraft eigener Einsicht und weil er es für seine heilige Pflicht hält. Nur wenn ein Mensch in solchem Sinne den Gesetzen der Gesellschaft zunächst einmal getreulich gehorcht hat, vermag er zu beurteilen, welche Verordnungen im Einzelnen gut und gerecht und welche ungerecht und schlecht sind. Nur dann steht ihm das Recht zu, friedlichen Widerstand gegen gewisse Gesetze anzuwenden in genau bestimmten Gesetzen."
Film über Gandhi:
- Name: ,,Gandhi: Sein Triumph veränderte die Welt für immer"
- Erschienen 1982, 8 Oscars
- Regie: Lord Richard Attenborough
- Hauptdarsteller: Ben Kingsley
- Ort: USA/Indien/Groß Britannien
- Genre: Biographie
- Monumentale historische Filmbiografie über Mahatma Gandhi, die seinen Lebensweg in den wichtigsten Stationen in episch ruhiger Erzählweise und mit sorgfältiger historischer Rekonstruktion des Lokalkolorits detailgetreu aufbereitet. Vor allem dank der herausragenden darstellerischen Leistung Ben Kingsleys gelingt es dem Film, etwas von der Ausstrahlung Gandhis und seiner Ideale der Gewaltlosigkeit, der Würde des Menschen und des Friedens auf Erden zu vermitteln. Neben der visuellen Gestaltung macht auch die humanistische Weltsicht den Film zu einem Erlebnis.

Quellen: -Länder und Völker -Indien von LIFE
-Internet, diverse Seiten wie z.B. Hausarbeiten.de
- Harenberg Kompaktlexikon in 3 Bänden von Harenberg Lexikon Verlag
- Der Brockhaus
- Meyers Universallexikon
Arbeit zitieren:
Yvonne Röming, 2002, Mahatma Gandhi, München, GRIN Verlag GmbH
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Henning
mahatma gandhi klasse text!!!.
Ich finde diesen Text sehr gut formuliert!
Er ist sehr ausführlich!
Außerdem finde ich es sehr vorbildhaft die Quellen nicht nur aus dem Internet zu sammeln sondern auch aus Büchern bzw. Lexiken!
Auch das ein Film vorgeschlagen wird ist sehr souverän!
Mit bejubelnden Grüßen:
Henning
am Wednesday, December 05, 2007-