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Fachbereich Wirtschaft
Studiengang Betriebswirtschaft Betriebswirtschaft (Grundstudium)
SS 2001
Inhalt
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UHQ HQXQG3 UREOHPHEHLGHU QDO VHYRQ LODQ HQ 4
,QVWUXPHQWHXQG0 HWKRGHQGHU LODQ DQDO VH 6
3.1. Sichtung des Informationsmaterials und Analyse der Bilanzpolitik 6
3.2.Strukturbilanz und Kennzahlenbildung 7
3.3. Zielsetzungen der Bilanzanalyse 8
'LH(UIROJVDQDO\VH............................................................................................................ 9
4.2. Ermittlung der Rentabilität 10
4.3. Der Cash-flow als Erfolgsindikator 12
4.4. Einschätzung der Unternehmen durch die Börse 13
'LH)LQDQ]ZLUWVFKDIWOLFKH$QDO\VH 15
5.1. Zielsetzung der Finanzwirtschaftlichen Analyse 15
5.2. Beurteilung der kurzfristigen Liquidität 15
5.3. Vermögensstrukturkennzahlen und Umschlagskoeffizienten 16
5.4. Der Cash-flow als Indikator für die Finanzkraft der Unternehmung 17
5.5. Die Kapitalflussrechnung 18
5.6. Solidität und Stabilität der Finanzierung 19
QDO VHGHU,QYHVWLWLRQVSROLWLN 23
6.1. Höhe der Investitionen 23
6.2. Investitionsbereiche 24
6.3. Beurteilung des Investitionsrisikos 26
6.4. Wachstum der Unternehmung 26
6.5. Finanzierung der Investitionen 27
6.6. Finanzierungspotential des künftigen Wachstums 28
7. Fazit 28
Abkürzungsverzeichnis 30
Literaturverzeichnis 31
3
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Eine Bilanz muss heute von fast allen Unternehmen, insbesondere Kapitalgesellschaften erstellt werden. Dient sie bei kleineren Personengesellschaften lediglich der Ermittlung der Höhe der Körperschaftssteuer, hat sie besonders im Falle von börsennotierten Aktiengesellschaften auch eine Informationsfunktion gegenüber den Anteilseignern und anderen Interessenten, wie den Kreditgebern, den Lieferanten, den Kunden, der Belegschaft und der übrigen interessierten Öffentlichkeit. So sind Kreditgeber, Lieferanten und Kunden besonders daran interessiert mit Hilfe der Bilanz etwas über die Kreditwürdigkeit der Unternehmung zu erfahren. Die Belegschaft, bzw. ihre Standesorganisationen, die Gewerkschaften, möchten aus der Bilanz Einsicht in die Ertragslage des Unternehmens gewinnen, um Argumente für Tarif-verhandlungen zu sammeln. Mögliche Investoren wiederum erhoffen sich durch die Analyse der Bilanz Rückschlüsse auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens zu erhalten. Das Lesen einer Bilanz allein beantwortet jedoch kaum eine Frage des interessierten Personenkreises. Hierzu bedarf es einer detaillierten Analyse der Bilanz.
Der folgende Text soll die grundlegenden Methoden und Möglichkeiten, welche die Analyse von Bilanzen bietet, aufzeigen. Ich werde mich in meinen Ausführungen auf die Methoden zur Erfolgsanalyse und zur Analyse der Finanzlage der Unternehmung konzentrieren, da es sich hierbei um die wichtigsten und in der Literatur am ausführlichsten erläuterten Analyseziele handelt. Einleitend werde ich die sich bei einer Bilanzanalyse stellenden Probleme betrachten, um anschließend auf die allgemeinen Methodiken der Bilanzanalyse und die Analyse der oben genannten Zielsetzungen einzugehen.
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Bei der Analyse einer Bilanz stellen sich dem Analysten einige Hindernisse in den Weg, die es im folgenden immer wieder zu bedenken gibt. Deshalb sollen diese grundsätzlichen Probleme bei der Interpretation einer Bilanz bereits hier erläutert werden.
Das erste Problem, das sich dem Analysten stellt ist, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Jahresabschluss nicht mit dem Bilanzstichtag übereinstimmt. Die gesetzlichen Vorschrif-
4
ten 1 sehen eine Veröffentlichung der Bilanz spätestens 12 Monate nach dem Abschlussstichtag vor. In einem solchen Extremfall würde der Analyst einer Bilanz also Zahlenmaterial betrachten, das vor einem Jahr aktuell war. Aber auch wenn eine Unternehmung seine Bilanz schnellstmöglich für die Öffentlichkeit freigibt, entsteht durch die Erstellung des Jahresabschlusses eine erhebliche zeitliche Lücke zum Abschlussstichtag. Ein weiteres Problem bei Bilanzanalysen besteht darin, dass die Ergebnisse der Untersuchung rein quantitativ sind und beispielsweise nichts über die Qualität des Managements der Unternehmung aussagen. Außerdem stellen die Größen der in der analysierten Bilanz enthaltenen Posten keine eindeutig definierten Größen dar. Sie werden teilweise massiv durch bilanzpolitische Maßnahmen der Unternehmensleitung beeinflusst und müssen keinesfalls realistische Größen repräsentieren. Ermöglicht wird eine solche „Bilanzkosmetik“ durch zahlreiche Wahlmöglichkeiten, die das Handelsgesetzbuch (HGB) dem Bilanzierenden gewährt. So räumt das HGB beispielsweise umfangreiche Bewertungs- , und Abschreibungswahlrechte 2 ein, wodurch eine Bildung und Auflösung von stillen Reserven und somit eine Beeinflussung des ausgewiesenen Jahresüberschusses für das bilanzierende Unternehmen ermöglicht wird. Während solche Beeinflussungen des Ergebnisses vom Bilanzleser möglicherweise durch die Angaben im Anhang des Jahresabschlusses zumindest teilweise erkannt werden, können Transaktionen die bereits vor dem Bilanzstichtag durchgeführt wurden um das „Bilanzbild“ zu verbessern, gar nicht oder nur äußerst schwer aufgedeckt werden. Zu solchen Transaktionen gehören beispielsweise die Verlagerung wichtiger Transaktionen in das folgende Geschäftsjahr zur Senkung des Gewinnes, oder die Abtretung von Forderungen zur Erhöhung der Liquidität. Aber auch die Wahl des Bilanzstichtags kann bereits erhebliche Auswirkungen auf das durch die Bilanz vermittelte Bild haben. Erfahrungsgemäß ist in Branchen mit saisonalem Geschäftsverlauf der Bestand an Vorräten, Forderungen, liquiden Mitteln und kurzfristigen Verbindlichkeiten zu unterschied-lichen Jahreszeiten verschieden hoch, sodass eine Bilanz zu verschiedenen Zeitpunkten inner-halb eines Jahren ein vollkommen unterschiedliches Bild der Vermögenslage vermitteln wür-de. Außerdem handelt es sich bei einem Jahresabschluss immer um eine Aufstellung der ver-gangenen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens. Ein Bilanzanalyst möchte aber in der Regel Erkenntnisse über die zukünftige Entwicklung der Unternehmung, wie beispielsweise die weitere Zahlungsfähigkeit oder den in der Zukunft erzielbaren Jahresüberschuss, gewinnen.
1 § 235 HGB
2 vgl. G.Wöhe S. 1071, Abb. 120 u. 121
5
Aus den genannten Gründen hat die Analyse einer Bilanz nicht zum Ziel „ endgültige Urteile zu fällen, sondern Entwicklungstendenzen aufzudecken, die Anlass für weitere Fragen und Recherchen geben“ . 3 Sie hat jedoch den Vorteil, dass sie Dank der heutigen Computertechnik (entsprechende Kenntnisse vorrausgesetzt) relativ schnell durchführbar ist und zumindest größere Probleme in der Unternehmensentwicklung frühzeitig erkannt werden können.
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6LFKWXQJGHV,QIRUPDWLRQVPDWHULDOVXQG$QDO\VHGHU%LODQ]SROLWLN
Eine Bilanzanalyse beginnt selbstverständlich immer mit dem Zusammenstellen und der Sichtung des vorliegenden Informationsmaterials. Dieses sollte neben der Bilanz inklusive Anhang und Jahresbericht aus möglichst umfangreichen Vergleichsdaten, wie Abschlüssen vergangener Jahre und Bilanzdaten vergleichbarer Unternehmen, bestehen. Es ist für den Bilanzanalysten unerlässlich sich einen allgemeinen Überblick über die Situation zu verschaffen. Dazu gehört die Beachtung der Rechtsform der Unternehmung, die einen erheblichen Einfluss auf verschiedenste handels- und steuerrechtliche Vorschriften hat, genauso wie die Analyse der Marktstellung des Unternehmens. Besondere Beachtung sollte dem Anhang des Geschäftsberichts geschenkt werden, da hier Auskunft über die verwendeten Bewertungs- und Abschreibungsvorschriften gegeben werden muss. Somit kann die Bilanzpolitik des Unternehmens aufgedeckt werden. Oft können bereits hier Auffälligkeiten festgestellt werden, wenn beispielsweise von degressiver Abschreibung zu linearer gewechselt wird oder der zur Abzinsung der Pensionsrückstellungen verwendete Zinssatz von 4% auf 6% erhöht wurde, um Rückstellungen auflösen zu können und somit das Betriebsergebnis zu verbessern. Aus einer solchen als „ kreativ“ bezeichneten Bilanzierung kann ein Analyst bereits auf Probleme in der Geschäftsentwicklung des Unternehmens schließen. Eine „ konservative“ Bilanzierung, die durch die Bildung stiller Reserven, beispielsweise durch eine Maximierung der Abschreibungen oder auch durch die Verwendung des Ansatzwahlrechts für selbst hergestellte Produkte zu Teilkosten 4 gekennzeichnet ist, kann bereits ein erstes Anzeichen dafür sein, dass es dem analysierten Unternehmen wirtschaftlich gut geht.
3 s. Gräfer S.25 Z. 29ff.
4 vgl. § 255 Abs. 2, 3 HGB
6
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Natürlich kann man durch eine einfache Analyse der Bilanzpolitik noch keine endgültigen Aussagen über die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens machen. Hierzu ist die Aufbereitung der Zahlen der Bilanz selbst nötig. Dies geschieht in erster Linie durch die Bildung und Interpretation von Kennzahlen. Vor der Berechnung geeigneter Kennzahlen muss allerdings noch eine sogenannte Strukturbilanz erstellt werden. Dabei wird die Bilanz systematisch aufgegliedert und es wird versucht, stille Reserven soweit wie möglich aufzudecken. So werden beispielsweise die Aktiva und Passiva nach ihrer Liquidierbarkeit geordnet. Zudem ermittelt man durch verschiedene Kürzungen und Hinzurechnungen das bilanzanalytische Eigenkapital. 5 Zur einfacheren Erstellung der Strukturbilanz empfiehlt sich die Verwendung von Formblättern, 6 was zudem den Vorteil hat, dass die verschiedenen analysierten Bilanzen einheitlich aufbereitet und somit vergleichbarer gemacht werden.
Nachdem die Strukturbilanz entwickelt wurde, kann mit dem eigentlichen Kern der Bilanzanalyse der Kennzahlenrechnung, begonnen werden. Bei Kennzahlen handelt es sich um „ betriebswirtschaftlich relevante absolute Zahlen und Verhältniszahlen, die messbare, betriebliche Tatbestände zusammengefasst wiedergeben“ . 7 Man kann zwischen zwei grundlegenden Arten von Bilanzkennzahlen unterscheiden. Grundzahlen sind absolute Zahlen, die direkt aus der Bilanz, bzw. der Strukturbilanz, entnommen werden können. Solche Kennzahlen haben allerdings kaum Aussagekraft und genügen höchstens zu einer Klassifizierung des betrachteten Unternehmens, bzw. der Einordnung innerhalb einer Branche. Sinnvoller ist die Errechnung von Verhältniszahlen. Hierbei kann zwischen vier verschiedenen Kennzahlentypen unterschieden werden:
1. *OLHGHUXQJV]DKOHQ: Bildung des Verhältnisses einer Teilmasse zur Gesamtmasse (z.B. Eigenkapitalquote)
2. %H]LHKXQJV]DKOHQ: Bildung des Verhältnisses von zueinander in Beziehung stehenden Bilanzposten (z.B. EK zu AV)
3. ,QGH[=DKOHQ: Zeitreihenanalyse (z.B. EK´98=100, EK´99=108 usw.)
4. 5LFKW]DKOHQ: Unternehmenszahlen werden in Beziehung zu Branchendurchschnitten oder ähnlichen vergleichbaren Werten gesetzt.
5 vgl. Gräfer S. 78 Abb. 12
6 z.B. Gräfer S. 82 ff.
7 Gräfer S. 88 Z. 22 ff.
7
Die beiden ersten Typen von Verhältniszahlen haben für sich genommen noch keine Aussagekraft. Um zu einem Urteil zu kommen, ob beispielsweise ein bestimmter Wert für eine Eigenkapitalquote als positiv oder negativ angesehen werden kann, müssen Normwerte über die „ optimale Höhe“ der betrachteten Gliederungszahlen herangezogen werden. Dies kann am einfachsten durch die Bildung von Richtzahlen geschehen, da der Analyst so nicht nur sofort erkennen kann, dass die betrachtete Kennzahl oberhalb der Norm (also beispielsweise des Branchendurchschnittes) liegt, sondern mit Hilfe der Richtzahl auch sofort sieht um wie viel Prozent die Normgröße übertroffen wird. Aber auch die Bildung von Indexzahlen kann bei der Analyse wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung des Unternehmens zu Tage fördern. So ist es möglich, durch die Erstellung einer Zeitreihenanalyse einen schnellen Überblick über Tendenzen in der wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens zu gewinnen.
Die Bildung von Kennzahlen hat den Vorteil, dass Sachverhalte, die beim bloßen Lesen einer Bilanz nicht erkennbar wären, wie beispielsweise die Rentabilität des Unternehmens, durch entsprechende Kennzahlen transparent gemacht werden. Außerdem können durch Kennzahlenbildung auch komplexe Tatbestände auf nur eine einzige Zahl komprimiert werden. Dies ermöglicht es dem Analysten relativ schnell und einfach Vergleiche zwischen verschiedenen Unternehmen oder auch Zeitreihenvergleiche durchzuführen. Es darf dabei allerdings nie vergessen werden, dass durch eine solche Komprimierung von Sachverhalten immer auch Informationen verloren gehen und es sollte stets die Entstehung einer Kennzahl hinterfragt werden. Die Bildung von Kennzahlen kann die Denkarbeit eines Experten deshalb keinesfalls ersetzen. Zudem stellen Kennzahlen stets nur Momentaufnahmen dar, und ihre Qualität hängt aus diesem Grund von den bereits oben besprochenen Problemen der Wahl des Bilanzstichtags und der Aktualität der analysierten Bilanz ab.
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Je nach Zugehörigkeit zu einer der verschiedenen Interessengruppen, hat der Bilanzanalyst unterschiedliche Erklärungsziele. So versucht ein Investor beispielsweise Erkenntnisse über die zukünftige Entwicklung des Ertrages der Unternehmung aus der Bilanz abzuleiten. Ein Kreditgeber hingegen interessiert sich eher für die zukünftige Fähigkeit des Unternehmens seine Kredite zu bedienen. Andere Interessengruppen, wie die Gewerkschaften oder Umwelt-organisationen wiederum haben eher ein Interesse daran mit Hilfe der Bilanzanalyse Aussa-
8
Quote paper:
Dirk Cordes, 2001, Bilanzanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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