Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Formen des Terrorismus. 1
2.1 Territorialer Terrorismus. 2
2.2 Religiöser Terrorismus. 3
3 Terrorismus und Modernisierung. 5
3.1 USA als Ziel von Anschlägen. 6
3.2 Terrorismus und die Medien. 7
3.3 Entwicklung in den nicht-westlichen Staaten. 8
4 Fazit. 10
5 Literatur 14
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1 Einleitung
Obwohl Terrorismus im 20. Jahrhundert ein dauernd präsentes Phänomen war, ist er erst nach dem 11. September 2001 stark ins öffentliche Interesse geraten. Dabei unterscheidet sich dieser Anschlag überhaupt nicht so sehr von früheren. Anschläge auf US-Einrichtungen hat es bereits gegeben (z.B. auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania), und diese fanden auch schon in den Vereinigten Staaten selbst statt (z.B. der Anschlag auf das Regierungsgebäude in Oklahoma City). Neu war also nur das Ausmaß, die Zahl der Toten und die Vernichtung von Sachwerten. Und die militärischen Entscheidungsträger der USA reagieren mit Maßnahmen, die den veränderten weltökonomischen und -politischen Bedingungen nicht mehr angemessen sind. So werden vermutlich weder die Besetzung Afghanistans und des Irak den Terrorismus eindämmen, noch werden die verschärften Sicherheitsgesetze alle weiteren Anschläge verhindern. Nichts deutet im Moment auf eine Entspannung der Lage hin. Sollte Samuel Huntington also doch recht behalten mit seiner Prophezeiung vom bevorstehenden „Kampf der Kulturen“? Im folgenden soll der Frage nachgegangen werden, ob dieser Zusammenstoß wirklich unausweichlich und ob er überhaupt wahrscheinlich ist. Dazu ist es notwendig, die Ursachen und Ziele des Terrorismus aufzuzeigen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf der Frage, inwieweit diese Entwicklungen im Modernisierungsprozess bereits angelegt sind. Dazu soll erst einmal versucht werden, den Begriff des Terrorismus einzugrenzen und verschiedene Formen davon herauszuarbeiten (2), um dann den Zusammenhang zwischen Modernisierung und Terrorismus zu untersuchen (3). Dabei wird darauf eingegangen, weshalb die USA im Mittelpunkt des internationalen Terrorismus' steht (3.1), welche Rollen die Medien spielen (3.2), und wie sich die Entwicklung der nicht-westlichen Staaten auf den Terrorismus auswirkt (3.3).
2 Formen des Terrorismus
Es gibt eine Vielzahl an Definitionen von Terrorismus, und je nachdem, wie breit dieser Begriff ausgelegt wird, fallen auch verschiedene Phänomene darunter. Im folgenden wird davon ausgegangen, dass Terrorismus die gezielte Gewaltanwendung gegen die Zivilbevölkerung ist und zum Ziel hat, die Bevölkerung in Angst zu versetzen und so politische oder soziale Veränderungen zu erreichen (vgl. Juergensmeyer 2000: 122, TRC 2003). Einige Terroristen würden dieser Definition nicht zustimmen, da ihre Taten aus ihrer Weltsicht gerechtfertigte Verteidigungsmaßnahmen darstellen, und sie sich eher als Freiheitskämpfer sehen.
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Nun soll versucht werden, zwei Formen des Terrorismus voneinander abzugrenzen: territorialer und religiöser. Diese Abgrenzung ist nicht ganz trennscharf, da es - wie zum Beispiel in Nord-irland - auch Mischformen gibt. Dennoch lässt sich meistens das Vorherrschen eines Merkmals feststellen.
2.1 Territorialer Terrorismus
Beispiele für territoriale Terroristengruppen sind die IRA und ihre protestantischen Widersacher in Nordirland, die ETA im Baskenland oder die ehemaligen tamilischen Separatisten in Sri Lanka (weitere Beispiele in Barber 1999: 178ff). Hinter ihren Anschlägen steckt das Ziel eines territorialen Landgewinns, entweder durch die Gründung eines eigenen Staates oder - wie in Nordirland - durch Verschiebung von einem Staat zu einem anderen. Die Anschläge dieser Gruppen sind regional begrenzt und sollen nur den Staat oder dessen Bevölkerung treffen, der Territorium abgeben soll. Mittel zum Zweck ist es, den Leidensdruck bei der Bevölkerung und beim Staat - zum Beispiel durch Anschläge auf touristische Einrichtungen - so weit zu erhöhen, dass es sich eher lohnt, auf das Territorium zu verzichten als weiterhin Anschläge in Kauf zu nehmen. Diese Terroristen setzen ihr Leben bei ihren Anschlägen nicht aufs Spiel, da sie ja später von den veränderten politischen Bedingungen profitieren möchten. Zunächst scheint es unlogisch, dass in Zeiten zunehmender internationaler Vernetzung und wachsender europäischer Integration der Wunsch nach Abspaltung so groß ist, dass er durch Gewaltanwendung vertreten wird. Doch die Entwicklungen nach dem Zerfall der UdSSR und Jugoslawiens haben durch die Differenzwahrnehmung verschiedener Gruppen zur Bildung vieler neuer Staaten geführt. Im Falle der Tschechoslowakei ging das so weit, dass sogar ein bereits bestehender Staat nochmals geteilt wurde. Was aber ist so verlockend an einem eigenen Staat? Einige Autoren postulieren, dass moderne Nationalstaaten immer weniger Identifikationsmöglichkeiten bieten, da den Staaten durch die Modernisierung und Globalisierung zunehmend Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten verloren gehen (Barber 1999: 170ff; Gill 2002: 61; Juergensmeyer 2002: 104f). Ihre Politik muss sich immer mehr an den Erfordernissen der freien Marktwirtschaft orientieren, wodurch Wohlfahrtsleistungen abgebaut werden, damit die Staaten bei den Löhnen international konkurrenzfähig bleiben. Die Unterschiede zwischen den Staaten werden also mehr und mehr eingeebnet, da alle Märkte dereguliert und Sozial- und Solidaritätsleistungen weiter privatisiert werden (z.B. private Rentenvorsorge in Deutschland und Frankreich).
Guillén widerspricht dieser Interpretation, indem er den Staaten eine aktive Rolle bei der Globalisierung unterstellt: „… globalization certainly poses new problems for states, but it also
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strengthens the world-cultural principle that nation-states are the primary actors charged with identifying and managing those problems on behalf of their societies“ (2001: 250). Dabei übersieht er jedoch, dass die Nationalstaaten der Entwicklung hinterher laufen und nur auf die Globalisierung der Wirtschaft reagieren, um möglichst viele Arbeitsplätze und Kapital im Inland zu erhalten. Er selbst gibt zu, dass moderne Nationalstaaten zwar mehr zu tun haben als früher, dabei jedoch über weniger Autonomie verfügen. Die Modernisierung produziert außerdem Strukturen wie die zu Wirtschaftszentren umfunktionierten Innenstädte, in denen niemand mehr lebt. Ein staatlich gesteuertes Gemeinwesen hätte sich wahrscheinlich nie für so etwas entschieden. Die Freiheit des Staates ist also nur Freiheit im Kleinen, aber nicht im Großen (vgl. Barber 1999: 228).
Bis zum Ende des Kalten Krieges konnten die beiden großen Machtblöcke und ihre Ideologien noch sozialen Zusammenhalt erzeugen. Seit dem Scheitern des Kommunismus steht diese Möglichkeit nicht mehr zur Verfügung. Wenn nun die Identifikationsmöglichkeiten der Staaten abnehmen, dann wird zunehmend auf Kultur, Ethnizität und Religion rekurriert, um wieder ein Gefühl der sozialen Zusammengehörigkeit zu erzeugen (Gill 2002: 58; Huntington 1996: 17ff; Juergensmeyer 2002: 105). So gibt es auch in westlichen Staaten Gruppen, die mit rückwärts gewandten Ideologien eine imaginierte Gemeinschaft, die es früher einmal gegeben haben soll, herbeiwünschen (Barber 1999: 171ff). In Einwanderungsgesellschaften wie Deutschland führt dies zu Fremdenfeindlichkeit und Angst vor Überfremdung, in Konglomeratstaaten wie der ehemaligen Sowjetunion zu separatistischen Bewegungen. Dieser neue Nationalismus, der Rassen- und Stammesdenken in den Vordergrund stellt, soll „… Inseln provinzieller Bruderschaft ein einem Meer bewahren, welches unbarmherzig das Wesentliche ausschwemmt und brüderliche Bande mit sich fortspült“ (Barber 1999: 173). In diesem Licht unterscheiden sich die Motive der territorialen Terroristen gar nicht so sehr von denen der religiösen.
2.2 Religiöser Terrorismus
Der Konflikt in Nordirland scheint vordergründig religiöse Ursachen zu haben. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch, dass die Vereinigung der irischen Insel im Vordergrund steht. Der Umstand, dass die britischen Besatzer eine andere Konfession haben bringt nur einen weiteren Aspekt in die Auseinandersetzung ein, doch die Religionszugehörigkeit ist sekundär. So ist es unwahrscheinlich, dass nach einer Vereinigung der Republik Irland mit Nordirland die IRA ihre Anschläge fortführen würde.
Ganz anders ist die Situation jedoch zwischen Israel und den Palästinensern (vgl. Juergensmeyer 2000: 49ff, 69ff). Während es hier scheinbar das Ziel ist, einen Palästinenserstaat zu schaffen,
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werden die Bemühungen dazu immer wieder gezielt von Organisationen wie der Hamas oder dem israelischen Militär zunichte gemacht. Beiden Seiten ist eigentlich gar nicht an einem Frieden, sondern an der Vernichtung des Gegners gelegen. Diese Polarisierung dient auch der Identitätssicherung. Auf der einen Seite unsere Gruppe, auf der anderen eine andere 1 . Für Offe ist dies externe Barbarei, bei der eine andere Gruppe als Sache betrachtet wird, deren Rechte und körperliche Verletzbarkeit ignoriert werden kann (1996: 262). Juergensmeyer sieht als Bedingung für einen solchen Konflikt, dass er von mindestens einer Seite auf ein kosmisches Niveau gehoben wird (2000: 161f). Dazu sind drei Merkmale notwendig: 1. der Kampf wird als Verteidigung der Identität und des Glaubens gesehen 2. den Kampf zu verlieren ist undenkbar (z.B. die Juden in Israel akzeptieren) 3. er kann aber auch nicht in absehbarer Zeit gewonnen werden
Das erklärt auch das Fehlen von Forderungen von Seiten der Terroristen in diesen Fällen. Außer der absoluten Auslöschung des Feindes ist keine Lösung denkbar. Der Terrorismus ist in diesem Fall ein symbolischer Akt, unmittelbare politische oder strategische Ziele sollen damit gerade nicht erreicht werden. Er soll die Botschaft übertragen werden, dass die Terroristen das bekämpfen, was in ihren Augen unrecht ist (Juergensmeyer 2000: 123). Dass solche symbolischen Akte gerade gegen die Symbole der Macht wie das World Trade Center oder das Regierungsgebäude in Oklahoma City gerichtet sind, ist leicht zu verstehen. Und da der Kampf nicht gewonnen werden kann, sind die Terroristen auch bereit, ihr Leben bei einem Anschlag zu verlieren. Eine Änderung der Bedingungen zu ihren Lebzeiten können sie nicht erwarten, während ihnen als Märtyrer zumindest im Jenseits ein erträgliches Auskommen gesichert ist. Die Religion liefert hierbei die moralische Legitimation für das Töten (vgl. Juergensmeyer 2000: 81f). Fundamentalistische Autoren sehen das Töten von Andersgläubigen als gerechtfertigt, wenn dadurch der Glauben verteidigt und verbreitet wird. Erstaunlicherweise vertreten hier islamische und christliche Autoren ganz ähnliche Standpunkte. Die Fundamentalisten beider Religionen erachten säkulare Staaten wie die USA als zutiefst amoralisch und daher bekämpfenswert. Da sie einen religiösen Krieg führen ist auch das sonst verbotene Töten anderer Menschen gerechtfertigt.
Nach der obigen Definition sind die Morde an Abtreibungsärzten in den USA, die Juergensmeyer beschreibt (2000: 20ff), keine terroristischen Akte, sondern von religiös-ethischen Einstellungen inspirierte Morde. Hier fehlt klar die Einschüchterung der Zivilbevölkerung. Dennoch sind die
1 In der Sozialpsychologie ist das als ingroup-outgroup-Phänomen bekannt. Demnach lassen sich Gruppen auch
über zufällig zugeordnete, nicht-askriptive Eigenschaften bilden. Statt Religion oder Ethnizität könnten also auch
andere Eigenschaften zu Gruppenbildung herangezogen werden, allerdings würden diese wahrscheinlich nicht zu
einer ebenso hohen Gruppenkohäsion führen.
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Motive dieser Taten denen des religiösen Terrorismus sehr ähnlich und sie illustrieren damit die gedankliche Nähe der christlichen und islamischen Täter. Im Jahr 1994 erschoss Paul Hill einen Abtreibungsarzt. Ein Glaubensbruder von Hill gab als Grund an, dass die Amerikaner in einem versteckten Krieg gegen die dämonische Regierung steckten, und dass das Töten von Abtreibungsärzten eine Verteidigung des Lebens sei (Juergensmeyer 2000: 23). Timothy McVeigh gab nach seinem Bombenanschlag in Oklahoma City ganz ähnliche Gründe für seine Tat an, und auch Osama bin Laden hat die US-Regierung als Dämon bezeichnet.
In der Ablehnung der Säkularisierung der Staaten und des öffentlichen Lebens sind sich die Anhänger der verschiedenen Religionen also einig. Dies dient unter Umständen jedoch auch der Machterhaltung einiger Führer, wie im folgenden Kapitel gezeigt wird.
3 Terrorismus und Modernisierung
Im Zuge der Aufklärung wurde in den westlichen Staaten die Kirche mehr und mehr von der Regierung getrennt. Durch diese Säkularisierung und der Verdrängung der Religion in den privaten Bereich verschwinden aber auch die moralischen Werte der Religion zunehmend aus dem öffentlichen Leben. Bis zum Ende der 1980er wurde das Welt- und Selbstbild noch durch die zwei großen Machtblöcke aufrecht erhalten. Bis dahin war allen klar, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört (vgl. Juergensmeyer 2000: 225). Doch nun ist die Lage noch komplizierter, denn globale Märkte bieten keine moralischen Handlungsanleitungen. Bereits gegen Ende der Kreuzzüge mussten die beteiligten Religionen auch andere religiöse Ansichten außer der eigenen anerkennen, denn die endgültige Bekämpfung der Andersgläubigen hatte sich als nicht durchführbar erwiesen (Telos 2001: 183). Doch in dem Maße, in dem die Toleranz als Grundprinzip in den politischen Verkehr zwischen den Völkern Einzug hielt, wurde die Autorität der Religion untergraben. Diese verlor damit ihren Anspruch auf alleinige spirituelle Wahrheit, während immer mehr Legitimität zu den säkularen Institutionen transferiert wurde. Vor allem in den westlichen Staaten schritt dieser Prozess, unterstützt durch die Modernisierung, zügig voran. In den islamischen Staaten ging es langsamer, doch spätestens im vergangenen Jahrhundert mussten auch sie sich dieser Entwicklung stellen. Darauf wird in Kapitel 3.3 näher eingegangen.
Beck weist darauf hin, dass Deregulierung und Liberalisierung Anschläge erleichtern oder überhaupt erst möglich machen (2002: 37). Als Beispiel nennt er die Privatisierung der Flugsicherung in den USA, wo seitdem schlecht ausgebildetes Personal arbeitet, das zudem einer hohen
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Fluktuation unterliegt. Hier wurde also am falschen Ende, nämlich bei der Qualität der inneren Sicherheit gespart. Der Staat und die Unternehmen in den USA haben das nach dem 11.09.2001 kompensiert, indem sie die Bürger einer Dauerüberwachung unterziehen, die diese auch bereitwillig über sich ergehen lassen (vgl. Prose 2003). Am liebsten würden sie dies global ausweiten, indem sie zum Beispiel die Passagierlisten aller Verkehrsflugzeuge bei sich sammeln möchten. Die Globalisierung hintertreibt allerdings genau die westlichen Werte, die in den Augen vieler die Überlegenheit unserer Kultur ausmachen. Über die Auslagerung einfacher Tätigkeiten in Billiglohnländer werden dort auch Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen in Kauf genommen (Barber 1999: 229). So ist es kein Wunder, dass auch die westlichen Staaten in der UNO Menschenrechtsfragen nur am Rande anschneiden, denn die Unternehmen aus diesen Ländern profitieren schließlich von diesen Zuständen.
Doch die Terroristen stehen der Globalisierung nicht prinzipiell ablehnend gegenüber. Sie nutzen im Gegenteil ganz gezielt die globalisierten Mittel, die ihnen bei der Planung und Durchführung ihrer Anschläge behilflich sind (internationaler Geldtransfer, internationale Kommunikation, Reisen). Das ist durchaus paradox, denn andererseits lehnen sie die in ihren Augen negativen Folgen der Globalisierung ab. Durch ihre eigene transnationale Organisation bringen sie die Globalisierung aber auch weiter voran (Beck 2002: 27; Juergensmeyer 2002: 101).
3.1 USA als Ziel von Anschlägen
Die Mehrzahl der religiös motivierten Anschläge hatten und haben Einrichtungen oder Bürger der USA zum Ziel. Doch weshalb zieht dieser Staat den Terrorismus so an? Seit jeher haben die USA ein hohes Sendungsbewusstsein und bemühen sich aktiv, westliche Werte auch im Rest der Welt zu verbreiten. Zum einen macht das die Regierung, die nicht zögert, eine andere Regierung zu stürzen und durch ein aus westlicher Sicht gerechteres Regime zu ersetzen. Bereitwillig macht sie das aber nur, wenn - wie in Kuwait oder im Irak - damit auch handfeste wirtschaftliche Vorteile verbunden sind. In Bosnien musste erst die NATO gerufen werden. Damit widerlegen die USA natürlich ihren Schein vom Verteidiger der Freiheit, den sie dennoch gerne aufrecht erhalten möchten. Die USA möchte solche Interventionen als Unterstützung und Befreiung eines unterdrückten Volkes verstanden wissen, bei vielen der Betroffenen wird es aber als neue Form des Imperialismus wahrgenommen. Dass nach der Befreiung Kuwaits 1991 kein demokratisches Regime installiert, sondern ein amerikafreundlicher Herrscher an die Staatsspitze gestellt wurde, verstärkt diesen Eindruck noch. Zum anderen bemühen sich auch US-amerikanische Konzerne, den westlichen Lebensstil zu verbreiten. So versucht Coca Cola, den Absatz ihrer Getränke in Ostasien zu steigern. Dabei ist
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den Managern durchaus bewusst, dass sie dazu kulturelle Traditionen verändern müssen, damit die Menschen dort weniger Tee und dafür mehr Softdrinks zu sich nehmen (vgl. Barber 1999: 77f). Das Marketing und die Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn vieles, was global ausgestrahlt wird, stammt aus den USA. Damit sind sie in den Kreisen, die diese neue Kolonialisierung über Produkte ablehnen, als Feindbild am ehesten präsent. Obwohl auch Unternehmen aus anderen Staaten ihre Produkte global absetzen, werden die USA durch diese verstärkte Präsent in den Medien pauschal verantwortlich gemacht, auch wenn gar nicht alle dieser Anschuldigungen direkt auf sie zurückzuführen sind.
So werden die USA als Imperialmacht gesehen, die zwar die Annehmlichkeiten der Globalisierung nutzt, sich aber davor scheut, Verantwortung bei globalen Herausforderungen wie der Erwärmung der Atmosphäre oder der Armut zu übernehmen (Telos 2001: 132). Letztlich sind die USA daher für die Islamisten selbst ein Terrorist, der die islamische Welt bedroht - durch die Unterstützung säkularer Regime;
- durch die Verbreitung der modernen westlichen Kultur, die sich nicht mit den religiösen Werten verträgt;
- durch die Globalisierung und die US-amerikanische Dominanz der Wirtschaft (vgl. Juergensmeyer 2000: 179ff).
3.2 Terrorismus und die Medien
Doch auch in den entwickelten Ländern bringt die Modernisierung nicht nur Segen. Barber sieht die Bürger in den westlichen Staaten als „… Konsumenten und Kunden, deren Freiheit in dem Recht besteht, auf Märkten zu kaufen, auf die sie keinen Einfluss haben. Ihre Identität wird ihnen von einer Konsumhaltung vermittelt, die sie kaum noch wahrnehmen“ (1999: 230). Wir ziehen unsere Identität also nicht mehr aus unserem Glauben, sondern aus unserem Besitz. Und über die globalisierten Medien und weltweit verfügbaren Produkten bemühen sich die westlichen Unternehmen, diese Mentalität auch dem Rest der Welt nahe zu bringen. Sender wie das von westlichen Einstellungen und Werbesendungen durchdrungene MTV sind auf fast der ganzen Welt zu empfangen und sie schicken sich an, lokale und traditionelle Formen des kulturellen Ausdrucks zu verdrängen (Juergensmeyer 2002: 101ff). Ob sie es schaffen, die anderen Kulturen gänzlich zu verdrängen, wie es Barber weissagt (1999: 90), ist zweifelhaft. Doch der drohende Zwang zur Anpassung an die westliche Moderne ist es, der den Terroristen ihre Motivation verleiht. Sie sehen sich also nicht als die Aggressoren, sondern als Opfer, deren legitimes Recht es ist, sich zur Wehr zu setzen (Juergensmeyer 2000: 145). Um den allgegenwärtigen, amoralischen Kapi-
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talismus zu bekämpfen, sehen sie dabei nur Gewalt als Mittel, das ihnen zur Verfügung steht. Das Schlimme daran ist, dass durch diese globale Ausstrahlung die Medien den ökonomisch weniger Begüterten ihre Würde, Anerkennung und erreichbare Lebensziele nehmen (Gill 2002: 58). Die Medien und die Werbung wecken Bedürfnisse nach etwas, das ein Großteil der Menschen nie erreichen kann. So gesehen könnte Terrorismus auch eine Forderung nach Teilhabe am internationalen Reichtum sein. In diesem Fall würde eine ökonomische Entwicklung, die mit der jeweiligen Kultur kompatibel ist, den Terrorismus reduzieren. Doch auch in anderer Hinsicht sind die Medien bedeutend für den Terrorismus. Denn auch die Terroristen verstehen es, ihre Anschläge publikumswirksam in Szene zu setzen, und so ihre eigentlichen Ziele, Aufmerksamkeit zu erreichen und Angst zu verbreiten, viel besser zu erreichen (Gill 2002: 58; Juergensmeyer 2000: 142). So gewinnt ein Anschlag durch seine weltweite Übertragung noch etwas von seinem symbolischen Gehalt, indem sie den Glaubensbrüdern deutlich macht, dass es überhaupt einen Gegner gibt, der bekämpft werden muss, dass es dazu aber auch Mittel und Wege gibt. Denn tatsächlich ist nur ein kleiner Teil derer, die die Entwicklung in ihren Ländern ablehnen, radikal genug, dass sie auch Anschläge verüben. Huntingtons Gleichsetzung von Moslems mit radikalen Islamisten ist sicher nicht richtig.
3.3 Entwicklung in den nicht-westlichen Staaten
Huntington sieht drei Möglichkeiten, wie weniger entwickelte Staaten der Modernisierung gegenübertreten können (1996: 104ff):
1. Verweigerung: Hierbei wird jede Anpassung an die Werte aber auch jegliche Übernahme der Technologie des Westens abgelehnt. Huntington sieht diesen Ansatz in einer immer mehr vernetzten und globalisierten Welt als nicht viabel an. Gruppen, die alles Fremde radikal ablehnen sind außerdem so unattraktiv, dass sie nur wenig Zulauf zu erwarten haben. 2. Kemalismus: Hierunter versteht Huntington die bedingungslose Anpassung sowohl an die westliche Technologie als auch an die westlichen Werte. Die eigene Kultur wird dabei als inkompatibel mit der Modernisierung gesehen, weshalb eine fremde importiert werden muss. Verwestlichung ist hier also eine zwingende Voraussetzung für die Modernisierung. Die Bevölkerung steht dem jedoch eher ablehnend gegenüber, da sie die eigenen Traditionen nur ungern aufgibt. Letztlich produzieren diese Versuche mehr soziale Spannungen, als sie lösen, und sind zum Scheitern verurteilt.
3. Reformismus: Huntington sieht dies als den Königsweg, da hierbei zwar die Gesellschaft modernisiert wird, zentrale Werte der Kultur aber beibehalten werden. Wie beim Kemalismus wird Modernisierung als notwendig und wünschenswert gesehen, hier scheint sie jedoch unter
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Aufrechterhaltung der eigenen Kultur möglich.
Diese Möglichkeiten sind natürlich idealtypisch dargestellt, in der Realität ist mit Brüchen und Verlaufsänderungen zu rechnen. Tatsächlich ist zu beobachten, dass beispielsweise Ägypten und Indien eine Zeit lang versuchten, einen säkularen Staat aufzubauen und die Modernisierung so voranzutreiben. Zur Zeit ist in diesen Ländern jedoch trotz fortgeführter Modernisierung eine Rückkehr zu traditionellen Werten festzustellen (Juergensmeyer 2000: 227). Auch andere Autoren sehen die fehlende ökonomische Entwicklung als wichtigen Faktor bei der Entstehung von Terrorismus. So wurden im Kalten Krieg einige Länder von den USA, andere von der Sowjetunion unterstützt. Diese Unterstützung war von der Wahrscheinlichkeit abhängig, in diesen Ländern das eigene Weltbild zu verankern und zu festigen. In Ländern wie Afghanistan, die keine der beiden Ideologien ganz für sich vereinnahmen konnten, wurden zum Teil lange Stellvertreterkriege ausgetragen. „Modernity in these places has largely added up to little more than on-going civil war, arrested economic development, totally ravaged cities, intermittent border wars, deep agricultural stagnation, and persistent ragged famines. … [M]odernity has failed miserably for decades to improve many people's lives in these strongly Islamic countries” (Telos 2001: 131).
Doch auch nach dem Ende des Kalten Krieges hat sich die Lage nicht grundlegend gebessert. Die USA müssen nun genau gegen die Leute kämpfen, die sie einst für den Kampf gegen den Kommunismus selbst ausgebildet haben. Diese Leute haben gemerkt, dass sie nur als Mittel zum Zweck benutzt wurden. Nachdem ihnen durch den Kollaps der Sowjetunion ihr Feindbild abhanden gekommen war, suchten sie sich einen neuen Gegner. Früher war es ihr Ziel, die Besatzer aus dem Land zu vertreiben, heute kämpfen sie gegen die kulturelle Vereinnahmung durch den Westen, der sie nach dem Ende des Kalten Krieges sich selbst überlassen hat oder bestenfalls noch als Absatzmarkt sieht. „Some of the most intense movements for ethnic and religious nationalism have arisen in nations in which local leaders have felt exploited by the global economy - as in Iran and Egypt - or believe that somehow the benefits of economic globalization have passed them by” (Juergensmeyer 2002: 103). Beck bringt dies ganz plakativ auf den Punkt: “In der Tat gibt es nur eines, das noch schlimmer ist, als von ausländischen Investoren überrollt zu werden - nicht von ausländischen Investoren überrollt zu werden“ (2002: 43, Hervorhebung im Original).
Wie oben bereits angesprochen (siehe 2.2) ist der Rückgriff auf traditionelle Werte zumindest teilweise der Versuch, in Zeiten wachsender Differenzierung neue Identifikationsmöglichkeiten anzubieten und der Säkularisierung entgegen zu wirken. Einen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Globalisierungsfolgen und der Rückbesinnung auf kulturelle Werte scheint es aber
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nicht zu geben. Die gegenwärtig zu beobachtende Rückkehr zu traditionellen Werten ist eher das Mittel einer Politik, die die Ängste der Menschen vor den Auswirkungen der Modernisierung nutzt, um eine massenwirksame Herrschaftsideologie zu begründen. Inszenierte Tradition wird für aktuelle politische Ziele instrumentalisiert, um die Herrschaft zu sichern (vgl. Huntington 1996; Juergensmeyer 2002: 107).
Die Vergangenheit lehrt, dass eine völlige Anpassung an die gerade vorherrschende Kultur nicht notwendig ist, es können auch nur gezielt die Teile übernommen werden, die der Modernisierung der eigenen Gesellschaft dienen. So haben beispielsweise Japan und Indien eine bemerkenswerte ökonomische Entwicklung vollbracht, ohne die eigene Kultur dabei aufzugeben. Im Gegenteil schauen heute westliche Staaten nach Japan, um dort entwickelte Innovationen (z.B. Managementtechniken) zu übernehmen.
Und auch schon früher gab es Modernisierungshürden wie zum Beispiel die Schrift oder Geld, denen sich die anderen Kulturen anpassen mussten, wenn sie sich weiter entwickeln wollten. Heute scheint der globale Kapitalismus eine solche Hürde darzustellen und alle Kulturen, die ihn nicht in irgend einer Form übernehmen, werden von der weltweiten Entwicklung ausgeschlossen bleiben.
4 Fazit
Wie hängen Modernisierung und Terrorismus nun also zusammen? Zwei Punkte sind zu beobachten: Zum einen führt der Modernisierungsvorsprung des Westens und der Anpassungsdruck, den dieser dadurch auf die weniger entwickelten Länder ausübt, dort zu Widerstand. Da eine politische Einflussnahme durch die größere wirtschaftliche und militärische Macht des Westens quasi unmöglich ist, sehen die Gruppen, die der Anpassung kritisch gegenüberstehen, den Terrorismus als einzig mögliche Form des Widerstandes. Zum anderen ist der Terrorismus aber auch in der Modernisierung bereits angelegt. Die Unfähigkeit mancher Gruppen, mit der zunehmenden personalen und strukturellen Differenzierung umzugehen, führt diese unter Umständen zu antimodernen Ideologien von Religion und Ethnizität. Die Bedrohung dieser Ideologie muss bekämpft werden, da ein Kompromiss oder eine friedliche Koexistenz als unmöglich erachtet wird. So sieht auch Barber im „Dschihad weniger das krasse Gegenteil als die heimliche Ergänzung zu McWorld, mithin eine dialektische Reaktion auf die Moderne und in seinen Merkmalen überhöhte Spiegelung der Vorzüge und Laster der modernen Welt - eher ein Dschihad durch McWorld als ein Dschihad gegen McWorld“ (1996: 165, Hervorhebungen im Original).
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Noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden in Australien die Kinder von Aborigines und Weißen von ihren Familien getrennt, um ihnen die moderne westliche Lebensweise und Kultur aufzuzwingen. Ganz unbegründet sind die dahin gehenden Befürchtungen der nichtwestlichen Welt also durchaus, nur das dies heute nicht mehr aus so genannter Nächstenliebe, sondern aus kommerziellen Gründen geschieht. Alle Gesellschaften neigen dazu, die eigene Kultur als den anderen überlegen zu betrachten. So sehen es auch die USA als ihre Aufgabe, Freiheit und Demokratie zu verbreiten. Dabei übersehen sie allerdings, dass islamische Gesellschaften eben nicht in den westlichen Referenzrahmen gepresst werden können, dass unsere westlichen Werte keine universelle Gültigkeit beanspruchen können (Juergensmeyer 2002: 108). Sie können allenfalls durch Überzeugung, nicht aber durch Gewalt verbreitet werden. Zudem widersprechen militärische Interventionen in vielen Fällen gerade diesen westlichen Werten. Diese Einstellung kann sich der Westen nur erlauben, weil er wirtschaftlich und militärisch noch überlegen ist. Doch sowohl die relative wirtschaftliche Macht als auch der relative Bevölkerungsanteil des Westens hat in den letzten Jahren abgenommen, nur die militärische Vorherrschaft ist noch geblieben. Zur Zeit setzt der Westen alles daran, dass sowohl der wirtschaftliche als auch der militärische Vorsprung noch so lange wie möglich erhalten bleibt, doch auf lange Sicht ist dieser Vorsprung nicht zu halten (Huntington 1996).
Beck sieht zwei Idealtypen von Staaten, die sich als Antwort auf den internationalen Terrorismus herausbilden: Überwachungsstaaten und weltoffene Staaten (2002: 49). In ersteren erreichen die Terroristen ihr Ziel, Angst zu verbreiten. Wenn alle Bürger jedoch pauschal unter Verdacht stehen, dann ist das das Ende der Demokratie, die ja gerade auf gegenseitigem Vertrauen gründet. Weltoffene Staaten hingegen geben Autonomie an internationale Institutionen ab, um die nationale Souveränität zu erweitern. Dadurch soll das transnationale Zusammenleben von „ethnischen, nationalen und religiösen Identitäten“ (Beck 2002: 52) gewährleistet werden. Der prinzipielle Vorwurf der Terroristen, dass solche Institutionen amoralisch sind, wird dadurch aber nicht ausgeräumt.
Juergensmeyer sieht fünf Möglichkeiten, die Gewalt zu beenden (2000: 229ff): 1. Es könnte versucht werden, alle Terroristen zu töten. Dabei kann behilflich sein, dass diese sich unter Druck manchmal gegenseitig umbringen. Diese Lösung scheint jedoch unrealistisch, da durch einen solchen totalen Krieg gegen den Terrorismus eher mehr Widerstandskämpfer geschaffen als getötet werden. Der andauernde Konflikt in Israel bietet hier ein deutliches Beispiel.
2. Durch eine Gewaltandrohung kann versucht werden, die Terroristen abzuschrecken. Im Falle von Selbstmordattentätern fällt dies natürlich schwer, da diese nach ihrem Anschlag nichts
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mehr zu verlieren haben. Israel zieht deshalb auch die Familien der Terroristen zur Verant-wortung, doch ebenfalls ohne Erfolg.
3. Die Terroristen gewinnen oder erreichen durch eine friedliche Einigung ihre politischen Ziele. Auch dies ist wenig wahrscheinlich, da die Gegenseite ebenso vehement die Legitimität der Forderungen abstreitet. Dadurch ist ein Kompromiss unakzeptabel, und die militärische Übermacht verhindert einen Sieg der Terroristen.
4. Durch eine Trennung von Religion und Politik könnte der Auseinandersetzung die Unüberwindbarkeit genommen werden. Doch eine solche Säkularisierung bekämpfen die religiös motivierten Terroristen, da hierbei die moralischen Wertvorstellungen der Religion ebenfalls aus dem öffentlichen Leben verschwinden würden.
5. So kommt als einzige Lösung, die dauerhaftes Zusammenleben möglich macht, eine Moralisierung der Politik in Betracht. Nur wenn sich ein Minimum der religiösen Moralvorstellungen in der Politik wiederfindet, kann eine Werteokkupation durch den Westen vermieden werden.
Das heißt folgerichtig dann auch, dass die Politik die internationalen Märkte stärker regulieren müsste. So gesehen kann sich nur eine politisch regulierte Wirtschaft auch zu einer gerechten Weltwirtschaft entwickeln (Beck 2002: 39). Doch im Moment existiert kein ausreichendes internationales Recht und keine Instanz, die es durchsetzen könnte. Mit einer bloßen internationalen Konvention gegen den Terrorismus, wie Beck sie fordert (2002: 32), ist es also nicht getan. Zur Zeit wird alles und jeder nur nach der wirtschaftlichen Kontributionsfähigkeit gemessen (eines gutes Beispiel ist hier die Novelle des deutschen Zuwanderungsgesetzes). Dadurch bildet sich eine neue internationale Unterklasse von Staaten und Gruppen heraus, denen die Teilnahmefähigkeit für Teile oder die Gesamtheit des bürgerlichen Lebens abhanden kommt bzw. abgesprochen wird (Offe 1996: 275). Nur die Bereitschaft der Staaten, hier internationale Verantwortung zu übernehmen und die ungezügelten Kräfte des freien Marktes einzuschränken, kann an dieser Situation etwas ändern.
Eine Modernisierung und ein Aufschwung ohne oder gar gegen den Westen ist wohl unmöglich. Sicher werden sich aber alternative Formen der Moderne herausbilden, dieser Überzeugung ist auch Beck: „In diesem Sinne deutet sich heute bereits an, dass in Zukunft viele Modernen nebeneinander bestehen werden. Die Debatten um eine asiatische Moderne oder um chinesische, russische, südamerikanische, afrikanische Modernen beginnen erst. Derartige Diskurse machen deutlich, dass in der Weltrisikogesellschaft das europäische Monopol auf Modernität endgültig zerbrochen ist. So gesehen entpuppt sich die radikale Modernitätskritik im außereuropäischen Raum am 'exzessiven Individualismus', am Verlust von 'kultureller Identität und Würde', kurz: an
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der 'McDonaldisierung der Welt' nicht als eine schlichte Ablehung der Moderne, sondern vielmehr als Versuch, andere Modernen zu entwerfen und zu erproben, die selektiv auf das Modell der westlichen Moderne zurückgreifen“ (2002: 23, Hervorhebungen im Original). Der kritische Punkt dabei ist, ob der Westen dies auch zulässt. Dazu muss er die Toleranz, die er bei anderen gegenüber den westlichen Einstellungen erwartet, auch endlich selbst aufbringen. Einer rein an wirtschaftlichen Interessen orientierten Politik kann zurecht vorgeworfen werden, dass sie amoralisch, wenn nicht sogar unmoralisch ist. Die Ausbeutung der weniger entwickelten Staaten durch Kinderarbeit zur Sicherung des Wohlstandes in den Industrienationen trägt nicht dazu bei, dass die Globalisierung als positiv erachtet wird.
Die Kausalkette von Modernisierung zu Terrorismus lässt sich vereinfacht so darstellen:
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5 Literatur
Barber, Benjamin R., 1999: Demokratie im Würgegriff. Kapitalismus und Fundamentalismus -
eine unheilige Allianz. Frankfurt am Main: Fischer
Beck, Ulrich, 2002: Das Schweigen der Wörter. Über Terror und Krieg. Frankfurt am Main:
Suhrkamp
Gill, Bernhard, 2002: Organisierte Gewalt als 'dunkle Seite' der Modernisierung. Vom nationalen
Krieg zum transnationalen Terrorismus. In: Soziale Welt 53, S. 49-65
Guillén, Mauro F., 2001: Is Globalization Civilizing, Destructive or Feeble? A Critique of Five
Key Debates in the Social Science Literature. In: Annual Review of Sociology 27,
S. 235-260
Huntington, Samuel P., 1996: Kampf der Kulturen: die Neugestaltung der Weltpolitik im 21.
Jahrhundert. München, Wien: Europaverlag
Juergensmeyer, Mark, 2000: Terror in the Mind of God. The Global Rise of Religious Violence.
Berkeley, Los Angeles, London: University of California Press
Juergensmeyer, Mark, 2002: Global antimodernism. In: Sachsenmaier, Dominic; Riedel, Jens
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London, Boston, Köln: Brill, S. 100-115
Offe, Claus, 1996: Moderne „Barbarei“: der Naturzustand im Kleinformat? In: Miller, Max;
Soeffner, Hans-Georg (Hg.): Modernität und Barbarei. Soziologische Zeitdiagnose am
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Arbeit zitieren:
Stefan Hoba, 2003, Modernität und Terrorismus - zwei untrennbare Phänomene?, München, GRIN Verlag GmbH
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