Inhalt
Inhalt Seite 2
Vorwort Seite 3
1 Textanalyse Seite 4
1.1 Einbettung in den Textzusammenhang Seite 4
1.2 Abgrenzung Seite 5
1.3 Übersetzung und Textkritik Seite 6
1.3.1 Übersetzung Seite 6
1.3.2 Semantische und textkritische Anmerkungen Seite 6
1.4 Poetische Analyse Seite 8
1.4.1 Erklärung der Begriffe und Bilder Seite 8
1.4.1.1 Jhwh als Hirte Seite 8
1.4.1.2 Jhwh als Gastgeber Seite 11
1.4.2 Metrum und Komposition Seite 14
1.4.3 Gattung und Sitz im Leben Seite 15
2 Historische Rekonstruktion Seite 19
2.1 Literarkritik Seite 19
2.2 Zeit, Verfasser und Redaktion Seite 20
3 Psalm 23 im Gesamtkontext der Heiligen Schrift Seite 22
3.1 Altes Testament (Motiv- und Traditionsanalyse) Seite 22
3.1.1 Rückblick auf das Grunddatum von Israels Erwählung und Errettung Seite 22
3.1.2 Psalm 23 im Rahmen der Gottesbeziehung Israels Seite 23
3.1.3 Bezüge zur David-Überlieferung Seite 25
3.1.4 Profetie und eschatologischer Ausblick Seite 26
3.2 Neues Testament: Jesus der gute Hirte und endzeitliche Gastgeber Seite 28
4 Die Bedeutung von Psalm 23 für zeitgenössischen christlichen Glauben Seite 31
Literatur Seite 33
Anhang: Scriptura sui Interpres Seite 35
Vorwort
"Immer wieder wird die Praxis- und Lebensferne der theologischen Ausbildung beklagt. Weite Kreise von Gemeindegliedern bestätigen diesen Eindruck. Ein tiefes Mißtrauen gegenüber der Universitätstheologie ist keine Seltenheit in unseren Gemeinden. Das Unbehagen konzentriert sich dabei besonders auf die historisch-kritische Methode. Für viele Gemeindeglieder ist sie der Inbegriff akademischen Hochmuts gegenüber der Autorität der Heiligen Schrift, während sie an den Universitäten hierzulande die Standardmethode ist. Nachdem die Bibel in der Hand des Laien einst mitverantwortlich für die Schlagkraft der Reformation war, entsteht durch moderne wissenschaftliche Exegese vielfach wieder eine faktische Ausgrenzung des Laien vom Schriftgebrauch. Vom Religionsuntericht bis hinauf in die Methodenseminare der Bibelwissenschaften wird darüber gestritten. Zwischen der historisch-kritischen Methode und sowohl der persönlichen Frömmigkeit als auch der systematischen Theologie wird eine Spannung empfunden." 1
In dem Aufsatz "Scriptura sui Interpres" habe ich mich auf die Suche nach einer exegetischen Methode gemacht, die die Gräben überbrücken soll, indem sie von einer dezidiert christlichen Lehre von der Heiligen Schrift ausgeht, anstatt die Schriften bloß als historische Dialogpartner aufzufassen. 2 Die vorliegende Arbeit ist der Versuch, diese Methode am Beispiel von Psalm 23 durchzuführen. Es geht mir darum, zu zeigen, dass synchrone Auslegung im Kontext des Kanons, wie sie meist in Bibelkreisen betrieben wird, in klare methodische Schritte zergliedern lässt, so dass sie dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit genügt. 3
Einiges wurde in der praktischen Anwendung neu überdacht. Folgende Aspekte sind methodisch besonders wichtig: Die Endgestalt des Textes ist verbindlich; Er kann nur im Horizont des biblischen Gesamtzeugnisses richtig verstanden werden. Das führte zu einer Schwerpunktsetzung zugunsten synchroner Auslegung. Diachrone Auslegung hat ihren Stellenwert, ist aber dem Verstehen untergeordnet. 4 Sie wird umso wichtiger, je mehr Bedeutung historische Daten für den Text haben. Ein weiterer Arbeitsschritt behandelt die Rolle des Textes im Gesamtbild der biblischen Theologie. Dies ist auch ein Brückenschlag zur systematischen Theologie. Die Schlusszusammenfassung erfolgt in Form eines Ausblicks auf die praktische Theologie, denn in dem Text will der lebendige Gott ja nicht nur Verstehen, sondern auch Glauben wecken. In der praktischen Durchführung war der Unterschied zum herkömmlichen historisch-kritischen Vorgehen kleiner als erwartet. Das liegt auf der einen Seite daran, dass der kanonische Kontext auch ein geschichtlicher ist, auf der anderen Seite daran, dass die historische Auslegung auch kaum über die Aussagen der biblischen Texte selbst hinauskommen kann, wenn sie nicht spekulieren will. Sie hat ja kaum mehr Quellen als das Alte Testament. Das macht aber die vorliegende Arbeit nicht überflüssig, denn in wissenschaftlicher Exegese kommt es nicht nur darauf an, wie man tatsächlich auslegt, sondern auch dass man klare Rechenschaft über seine Voraussetzungen ablegen kann. 5
1.Textanalyse 1.1.Einbettung in den Textzusammenhang
Obwohl nur eine Handvoll Psalmen in der Bibel Gebete genannt werden, kennzeichnet die Unterschrift unter Ps72 die vorhergehenden Psalmen als tvlpt, Gebete. 1 Sie sind Gebete, auch wenn sie didaktischer oder hymnischer Art sind, weil sie Antwort auf die Anrede Gottes sind. Darum sind sie Zeugnisse und Modelle alttestamentlicher Frömmigkeit, der gelebten Beziehung des Volkes Israel zu seinem Gott. Der Psalter ist das Gebetsbuch der Bibel, schriftgewordene Antwort auf Gottes Offenbarung, die zum Mitbeten einlädt. 2 Im Psalter sind Gebete aus verschiedenen Jahrhunderten und Epochen gesammelt. Diese Sammlungen waren für den Gebrauch im Kultus bestimmt und entstanden durch ihn. 3 Psalmen wurden gesungen, vorgelesen (arq) und wohl auch meditiert (vgl. Ps1,2). Viele der Psalmen tragen Überschriften, die sie bestimmten Autoren und Anlässen zuweisen oder musikalische Angaben machen. Ihre Authenzität und Zuverlässigkeit sind umstritten, jedoch gehören sie mit zum Text und werden darum in die folgende Exegese miteinbezogen. Ps23 findet sich gegen Anfang des Psalters, als Teil einer Sammlung von Davidspsalmen (Ps3-41). Er steht in innerem Zusammenhang mit den beiden benachbarten Psalmen. Ps22 schildert zuvor die Tiefe der Gottverlassenheit. Er wurde quasi "im Tal der Finsternis" (Ps23,4) geschrieben. Auch hier kommt dem Beter die Hoffnung auf Gottes Hilfe nicht abhanden (Ps22,26ff). Man kann Ps22 gut als eine Vorrede zu Ps23 lesen. "It is one such as the lamenter of Psalm 22, transformed by God's saving grace into a loud and joyous witness to the goodness and steadfast love of God, who sings the twenty-third Psalm. If one wishes to know whence comes such abiding confidence and conviction of God's care, read Psalm 22 as a preface to Psalm 23." 4 Interessant, dass Ps22,27 sogar auf das in Ps23,5f geschilderte Gastmahl hofft. 5 In Ps22,13f klingt eine der gefährlichen Situationen an, vor denen sich Weidetier 6 und Hirt fürchten müssen. 7 Auch der nachfolgende Psalm passt gut: Ps23 endet mit den Worten "Und ich werde wiederkommen in Jhwhs Haus für immer"; Ps24 besingt den Einzug in Jhwhs Heiligtum. 8
1.2.Abgrenzung
Die Abgrenzung von Ps23 ist durch die beiden Überschriften (Ps23,1 u. 24,1), sowie seine relative inhaltliche und metrische Geschlossenheit eindeutig.
1.3.Übersetzung und Textkritik 1.3.1.Übersetzung
Jhwh ist mein Hirte c - mir mangelt nichts.
(2) Auf Weiden von frischem Grün a lässt er mich lagern.
Zum Wasser der Ruhe führt er mich.
(3) Mein ganzes Wesen a lässt er wieder aufleben b .
Er leitet mich auf Pfaden des Rechts c
um seines Namens willen.
(4) Auch wenn ich gehe
im Tal der Finsternis, fürchte ich kein Unheil,
denn du bist mit mir.
dein Stecken und dein Stab sie machen mir Mut a .
(5) Du bereitest vor mir einen Tisch a
im Beisein meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt.
Mein Becher ist Überfluß b .
(6) Nur Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
alle Tage meines Lebens
Und ich werde wiederkommen a in Jhwhs Haus b
für immer.
1.3.2.Semantische und textkritische Anmerkungen
1a. Das Wort rmzm stellt wohl eine Gattungsbestimmung dar, 9 deren genaue Bedeutung nicht mehr klar ist. Die Übersetzung folgt hier der seit der LXX eingeführten Bezeichnung .
1b. Die Bedeutung der Präposition l ist hier umstritten. Es könnte bedeuten: "von David", "für David", "David gewidmet" oder "zu (einer Sammlung von) David(spsalmen) gehörig". 10 Der Kontext, der über die Bedeutung von l entscheiden müsste, fehlt hier. Es handelt sich wohl um eine geprägte Wendung. Deren Bedeutung ist in Hab3,1 und Ps18,1 eindeutig: Sie bezeichnet den Autor oder Sänger des Liedes. 11
1c. Koehler 228f weist darauf hin, dass der Satz yir hvhy ein invertierter Nominalsatz ist, und deutet ihn als Nebensatz von rsca~al: 'Weil Jhwh mein Hirte ist, mangelt mir nichts.' Bei dieser Übersetzung würde jedoch das Gewicht, das jede der beiden Aussagen hat, nicht zum Ausdruck
kommen. Die Inversion könnte auch einfach dazu dienen, hvhy zu betonen und an den Anfang zu stellen (vgl.,S.). Darum folgt unsere Übersetzung nicht Koehler. Allerdings soll festgehalten werden, dass die erste Aussage die zweite inhaltlich begründet. 2a. Nach Gesenius 170 bedeutet awd "junges, frisches Grün, Gras". Die hier gewählte Übersetzung ist stimmungsvoller als die herkömmliche.
3a. Die Übersetzung soll im Unterschied zum gängigen "Seele" den ganzheitlichen Gehalt von wiedergeben. 12
3b. wpn bbvw wörtl. etwa "die Lebenskraft, die Vitalität zurückbringen". 13 3c. Obwohl mißverständlich ist "Recht" das dt. Wort, das das Bedeutungsspektrum von qdx am besten wiedergibt, zumal der Begriff in neuerer Zeit statt auf absolute Prinzipien immer mehr auf Normen und Werte bezogen wird, und sich damit der hebräischen Bedeutung annähert. 14 4a. Mhn wörtl. "trösten". Trost jedoch wäre die Antwort auf Leid oder Niedergeschlagenheit, nicht auf Angst. 15
5a. Koehler, S.233 vertritt die These, der ganze Psalm bliebe in der Bilderwelt des Hirten. Darum deutet er dgn Nclw als Dittographie von dgn clw (Speer). Koehlers These muss jedoch den Text zu oft ändern, um ernstgenommen werden zu können (außer hier noch in V6). Der Psalm arbeitet mit zwei Bildern.
5b. Die wörtliche Übersetzung ist am ehesten offen für die Konnotation von "Becher" als Los oder Schicksal. 16 LXX übersetzt ungenau: "dein Becher"
6a. die Konstruktion bvw + b ist ungewöhnlich - wenn auch nicht unmöglich. 17 Darum liest LXX Infinitv von und übersetzt etwas holprig "mein Bleiben", was besser zum Nachsatz "für immer" zu passen scheint. Die Differenz liegt dabei lediglich in der Vokalisation des gleichen Konsonantentextes. Die altsyrische Übersetzung glättet offensichtlich. MT ist lectio difficilior, 18 während LXX nach Ps27,4 geglättet haben könnte. Allerdings liegt LXX ein Text zugrunde, der viel älter ist als die masoretische Punktation. Zudem ist leicht vorstellbar, dass ein Abschreibfehler aus einem Chiräk ( ) ein Patach ( ) macht. Da es sich bei den Varianten von MT und LXX nur um Aussprachevarianten handelt, können auch beide als richtig gelten, und im Gebrauch gewesen sein. Aus inhaltliche Gründen 19 wird hier MT der Vorzug gegeben.
6b. Köhler 234 muß hier eine weitere Konjektur vornehmen, um seine Theorie halten zu können: hvhy dyb (in Jhwhs Hand) statt hvhy tybb. Wie gesagt wird Kohlers Theorie hier abgelehnt.
1.4.Poetische Analyse
1.4.1.Erklärung der Begriffe und Bilder 1.4.1.1.Jhwh als Hirte
Der Psalm beginnt im Brustton des Gottvertrauens und der Zuversicht: Jhwh ist mein Hirte - mir wird nichts mangeln. - Eine Art Überschrift, die fast alles enthält: die Hoffnung und deren Grundlegung.
Die Metapher vom Hirten ist nichts neues in Ps23. Sie wird immer wieder auf Gott angewandt. 20
Das Volk versteht sich als die Herde seines Gottes. Das besondere an der Verwendung in Ps23 ist der Singular "mein Hirte". Gewöhnlich hat die Metapher eine große Herde im Blick, wie sie von ihrem Hirten versorgt, geschützt, geführt wird. Hier ist die Perspektive anders. Ein einzelnes Tier der Herde preist den Hirten der Herde als "seinen" Hirten. Dadurch kommt das persönliche Verhältnis zwischen dem Psalmbeter und Jhwh, der sich persönlich um ihn kümmert, in den Blick. 21 Die Darstellung aus der Sicht des Tieres lenkt zudem die Aufmerksamkeit ganz auf den Hirten und auf das, was er für das Herdentier tut. 22 Auf diese Beziehung gründet 23 sich die Zuversicht: "Mir mangelt nichts." - Keine Einschränkung. Der Beter ist restlos zufrieden mit Jhwhs Fürsorge. Das ist eine Glaubensaussage, denn der Beter weiß ja, dass Notzeiten kommen (V4), und er hat Feinde (V5), aber er geht dennoch davon aus, dass Jhwhs Fürsorge für ihn vollständig ausreicht. 24
Unter diesem Vorzeichen wird in den folgenden Versen beschrieben, was der göttliche Hirt für seinen Schützling tut. Er führt (V2-3) und er beschützt (V4). In V2-3a hat die Führung materielle Fürsorge zum Ziel. Die Verse atmen eine Atmosphäre des zur-Ruhe-Kommens und Verschnaufens. Es ist die Rede vom Lagern auf saftigem Grün und im Parallelismus dazu von einer stillen angestauten Tränke 25 . Die Wirkung wird lautmalerisch unterstützt durch das Auslauten der zwei entsprechenden Halbverse 26 (2a u. 2b) auf ein langezogenes - nî. 27 Als ein kleines Fazit folgt V3a. Die wpn wird wieder zurückversetzt in ihren (guten) Ausgangszustand (faktitives Polel von bvw) 28 . Die Formulierung malt mit ihren Zisch- und Lippenlauten lautlich das Bild von Verschnaufen und Trinken aus. 29 Ins Bild paßt auch die ursprüngliche Bedeutung von wpn, "Gurgel", "Kehle", "Atem" 30 , die mitschwingt.
V3b beschreibt nun Gottes Leitung im allgemeinen. Der Ausdruck "Recht" findet kaum noch Platz in der Bildebene, sondern weist ganz hinüber zur Sachebene. Überhaupt wird gerade in Konstruktus-Verbindungen wie "Wasser der Ruhe" 31 und "Wege der Gerechtigkeit" die "Doppelbödigkeit der Sprachebene" 32 sichtbar. Die Wurzel qdx beschreibt gemeinschaftsgemäßes Verhalten, das die Voraussetzung für heilvolles Zusammenleben ist, und zwar sowohl unter den Menschen als auch bezogen auf Gott. 33 Das Substantiv qdx bezeichnet in den Psalmen einen derartigen Zustand, der oft als eigene Größe, evtl. sogar persönlich vorgestellt wird. 34 Dieser qdx kommt von Gott 35 auf den Menschen und begabt ihn zum Tun des Guten, was ihm heilvolles Leben ermöglicht. 36 Die Vorstellung rechnet "mit einem gleichsam naturgegebenen Drang zu selbstzerstörerischem Egoismus bei Menschen. Das Moralische muß regelmäßig neu geweckt werden." 37 Martin Luther lag also völlig richtig, als er in V3b eine von außen zugeeignete iustitia aliena erkannte. 38 Allerdings beeinflusst der sehr praktisch den Lebenswandel und sorgt für Wohlergehen im Sinne eines Tun-Ergehens-Zusammenhangs. 39 Dies wird deutlich an dem Begriff lgim, einem Parallelbegriff von Krd - Weg. Er umfasst Lebenswandel und Lebenslauf, und damit auch den Zusammenhang von Tun des Guten und Wohlergehen.
In diesem rechten Wandel leitet Jhwh um seines Namens willen, d.h. "er hat sich als den Gnädigen offenbart und als solcher will er sich auch an der Bedürftigkeit dessen der sich seiner Leitung untergiebt bewähren und verherrlichen." 40 Gottes Zuwendung geschieht allein aus
Gnade, sola gratia. Gnade, atl. dsc (vgl. V5), gehört zu Gottes Wesen - und der Name bezeichnet das Wesen -, so dass Gott seinen Namen verherrlicht, wo er seine dsc zeigt. 41 Hatte der Beter bisher die ruhigere Normalität seines Lebens beschrieben, so richtet er in V4 den Blick nach vorne. 42 Er weiß, dass er, auch wenn Jhwh mit ihm ist, in angst- und gefahrvolle Situationen kommen kann. Das Bild vom finsteren Tal ist folgendes: Die Herde geht durch ein enges Tal - so eng, dass kein Sonnenlicht in den Talgrund fällt. Dabei zieht sich die Herde weit auseinander und kann leicht angegriffen werden von Räubern oder Raubtieren, die hinter Felsen lauern können. tvmlx bedeutet zwar ursprünglich schlicht "Finsternis", 43 die masoretische Vokalisierung des Begriffes folgt jedoch einer Volksetymologie, die tvmlx als zusammengesetztes Substantiv "Schatten des Todes" deutet. Auch die LXX folgt schon dieser Lesart. 44 Wir werden darum "Schatten des Todes" als Konnotation im Auge behalten. V4a überrascht nun mit einem unvermittelten und betonten ( ) Wechsel in die (Gebets-) Anrede: Du bist mit mir. Wir befinden uns am Klimax genau in der Mitte des Psalms. Nach zwei weiteren Drittelversen (V4b) wird der zweite Teil des Psalms mit einem neuen Bild beginnen. V4b expliziert noch einmal im Bild des Hirten. Der Hirt trägt den bekannten Hirtenstab und dazu eine mit Eisen beschlagene Keule, 45 denn er hat nicht nur seine Herde zu führen, sondern sie auch zu verteidigen. 46
Die Verwendung der Wurzel Mcn (mutmachen) zeigt noch einmal, was schon an anderer Stelle hindurchschien (v.a. "fürchten" V4a): dass mit dem Perspektivenwechsel auf den Einzelnen in seiner Gottesbeziehung auch dessen Inneres in den Blick kommt.
1.4.1.2.Jhwh als Gastgeber
V5. Das Metrum wechselt in 3+2. 47 Die Beschreibung wendet sich dem zweiten Bild des Psalms zu: Jhwh als Gastgeber. Es ist die Rede von einem festlichen (hyvr - Überfluß) Mahl, bei dem Jhwh im Beisein der Feinde 48 des Beters "demonstrativ den Tisch deckt und ihn auf diese Weise in seine Schutzsphäre hineinnimmt." 49
Auch die Salbung mit Öl steht in diesem Zusammenhang. Gegenüber cwm, das Salbung im kultischen Sinn bezeichnet, meint hier "salben,um zu ehren und und erfreuen" 50 mit der Grundbedeutung "fett machen" > "stärken" 51 . Nwd steht im Perfekt, ist also vorzeitig. D.h. die Salbung ging als Begrüßungsgeste den anderen Akten der Gastfreundschaft voraus. Am Anfang aller Gnadenerweise steht Gottes grundsätzliches Ja zum Menschen. Alle anderen Zuwendungen Gottes werden in der Zeit des Imperfekt geschildert, sind also zukünftig oder gegenwärtig erhofft - wenn auch mit Gewissheit. Es geht hier nicht um einen letzten Unsicherheitsfaktor, sondern um das, was die spätere Dogmatik als rechte Unterscheidung von Gewissheit und falscher Sicherheitfesthalten sollte. 52 Der Erweis der göttlichen Huld aber ist erfahrenes Unterpfand für alles weitere.
Vor dem Hintergrund der sprichwörtlichen orientalischen Gastfreundlichkeit wird Jhwh als freigiebiger Gastgeber geschildert. 53 Gastfreundschaft bedeutetete, dass ein Fremder, der sonst nahezu rechtlos und vogelfrei war, als Gast in den Schutz des Hauses und der Familie aufgenommen wurde. 54 Martin Luther weist auf die Ironie in diesem Vers hin: "Das ist ein
Arbeit zitieren:
Otto Guggemos, 1999, Der Herr ist mein Hirte. Psalm 23 ausgelegt als Bestandteil des biblischen Kanons, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Kindgerechter Schulanfang und flexible Schuleingangsphase
Examensarbeit, 180 Seiten
Überblick des Reformkonzeptes von Peter Petersen und seinem Jenaplan
Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge
Hausarbeit, 14 Seiten
Die pädagogische Bewegung am B...
Seminararbeit, 22 Seiten
Psalm 139 - Eine Exegese anhand von Leitfragen
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
'Wollt ihr den totalen Krieg?' - Sprachliche Untersuchung zur...
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Übersetzung von "Daniel von dem blühenden Tal"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Zwischenprüfungsarbeit, 75 Seiten
Aspekte der literarischen Onom...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erziehung
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Zur Kommunikationslosigkeit in Georg Büchners „Woyzeck“
Die Sprachlosigkeit der Hauptf...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 22 Seiten
Streitschlichten in der Grundschule - Das Programm nach Karin Jefferys...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Examensarbeit, 107 Seiten
Unterrichtseinheit: Psalmen - den Gefühlen Worte geben
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Unterrichtsentwurf, 10 Seiten
Theologie - Biblische Theologie: Der Herr ist mein Hirte. Psalm 23 ausgelegt als Bestandteil des biblischen Kanons ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Otto Guggemos hat den Text Der Herr ist mein Hirte. Psalm 23 ausgelegt als Bestandteil des biblischen Kanons veröffentlicht
Otto Guggemos hat einen neuen Text hochgeladen
Cantata 129: Gelobet Sie Der Herr, Mein Gott, Bwv 129 - Vocal Score
Johann Sebastian Bach, Bernhard Todt
0 Kommentare