Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Das mentale Lexikon S.2
2.1 Definition des mentalen Lexikons S.2
2.2 Verschiedene Modelle des mentalen Lexikons 2
2.3 Beziehungen innerhalb des mentalen Lexikons 3
2.3.1 Zusammenhänge auf der paradigmatischen Ebene S.4
2.3.2 Zusammenhänge auf der semantischen Ebene 4
2.4 Wortformrepräsentationen im mentalen Lexikons 5
2.5 In welcher Form werden Wörter gespeichert? 5
3 Das Wörterbuch S.7
3.1 Die Form des Wörterbuchs S.7
3.2 Der Wörterbucheintrag S.7
3.3 Eventuell auftretende Probleme S.8
3.4 Vermittelte Information S.8
4 Praktische Untersuchung anhand der Wörterbücher
„Zingarelli“ und „Sabatini Coletti“ S.10
4.1 imparare S.10
4.2 riferire S.11
4.3 fare S.13
5 Unterschiede und Gemeinsamkeiten
mentales Lexikon-Lexikon S.16
6 Schluss S.19
7 Literaturverzeichnis S 20
1 Einleitung
„Mentales Lexikon“ und „Lexikon“ - wenn man diese beiden Begriffe hört, könnte man denken, dass es sich bei dem „mentalen Lexikon“ um ein „mentalisiertes“, vorher in Schriftform vorliegendes Lexikon handelt. Dass dies jedoch nicht der Fall ist wird sehr schnell klar, wenn man sich bewusst macht, dass unter dem mentalen Lexikon die komplette Speicherung aller Wörter im Kopf eines bestimmten Sprechers verstanden wird. Da ein einzelner Sprecher niemals all die Informationen in seinem Kopf speichern kann, die in einem Wörterbuch gegeben werden, andererseits ein Wörterbuch auch nicht all die Informationen bieten kann, die einem Sprecher zu einem bestimmten Wort zur Verfügung stehen, ist es interessant zu schauen, inwieweit sich die beiden „Speicherungsformen“ entsprechen, bzw. welche Unterschiede es gibt.
Deshalb will ich in der vorliegenden Arbeit die Organisation und Inhalt betreffenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem mentalem Lexikon und einem einsprachigen italienischen Lexikon herausarbeiten. Als Vertreter für die Lexika habe ich die einsprachigen Werke „Zingarelli“ und „Sabatini Coletti“ gewählt, die beide ungefähr 30 000 Einträge zu verzeichnen haben. Zunächst werde ich den Aufbau des mentalen Lexikons und eines Lexikons in Schriftform skizzieren, danach einige ausgewählte Wörterbucheinträge untersuchen und zum Schluss auf die bemerkten Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten eingehen. Da ich mich bei meinen Untersuchungen nur auf Verben beschränkt habe, besitzen die von mir beobachteten Phänomene nur im Bezug auf Verben Gültigkeit, bei Substantiven und anderen Wortarten können eventuell ganz unterschiedliche Ergebnisse zustande kommen.
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2 Das mentale Lexikon
2.1 Definition des mentalen Lexikons
Die Geschwindigkeit beim Abruf von Wörtern aus dem mentalen Lexikon vollzieht sich bei Muttersprachlern mit einer Geschwindigkeit von ca. 200 Millisekunden, was nur durch „Voraktivierungen“ 1 bestimmter Netzstrukturen möglich ist. Das heißt, das Wort ist an einem bestimmen Platz gespeichert, und bei Erwähnung des Themas oder des Kontextes wird dieser Bereich des Gehirns aktiviert und die Information an die Oberfläche befördert. Unter dem mentalen Lexikon versteht man allgemein die aktive Speicherung der lexikalischen Einheiten 2 im Kopf, genauer gesagt, im Langzeitgedächtnis. Der Begriff „lexikalische Einheiten“ anstelle von „Wörtern“ soll verdeutlichen, dass hier nicht nur von Lexemen als Speichereinheiten ausgegangen werden soll, sondern auch von Affixen und Flexiven. Jeder erwachsene Mensch hat ca.30 000-50 000 aktive Wörter ( plus Affixe und Flexive) in seinem Kopf gespeichert und kann auf einen unendlich größeren passiven Wortschatz zurückgreifen. Das mentale Lexikon bezeichnet jedoch nicht nur die Speicherung der reinen Wortform, sondern es enthält auch phonologische, artikulatorische, morphologische und syntaktische Informationen über ein Wort.
2.2 Verschiedene Modelle des mentalen Lexikons
Grundsätzlich werden zwei Typen von Lexikonmodellen im Kopf unterschieden. Zum einen gibt es das sogenannte „modulare Stufenmodell“ (z.B. nach Levelt), zum anderen das „interaktive Netzwerkmodell“ (z.B. Dell oder Kielhöfer). Im modularen Modell wird zwischen Worterkennung und - produktion einerseits und der Repräsentation in semantischen und phonologischen Sublexika andererseits unterschieden. Das heißt, die Worterkennung läuft in verschiedenen Zeitstufen ab. Die Netzwerkmodelle hingegen unterscheiden nicht zwischen Speicherung und Verarbeitung, hier findet die Speicherung in den verarbeitenden Netzen statt und Verarbeitung ist nur die Aktivierung bestimmter Teile des Netzwerks. Beide Modelle
1 Kielhöfer, B., Wörter lernen, behalten und erinnern; Neusprachliche Mitteilungen,1994, S.211-220.Zitiert
nach: http://ella.phil.uni-freiburg.de/RomSeminar/Deztscher/Zula/HTML/node5.html
2 Meibauer, Rothweiler(1999:10)
4
hingegen tendieren (aufgrund von Worterkennungsexperimenten) zu der Annahme, dass die lautliche Seite eines Wortes getrennt von seiner Bedeutungsseite gespeichert wird. Die Ordnung im mentalen Lexikon entsteht durch gewisse Beziehungen die die Wörter auf verschiedenen Ebenen zueinander haben, wobei jedes einzelne Wort zu vielen
verschiedenen Klassen gehören kann. Die verschiedenen Modelle gehen hier von unterschiedlichen Annahmen der lexikalischen Repräsentation aus. So sieht Levelt die Knoten im Netzwerk als semantisch spezifizierte Lemmata und Garrett definiert sie als „Worteinheiten deren Bedeutung sich aus den Relationen zwischen den unanalysiert gespeicherten Einheiten ergeben.“ 3 Nach Kielhöfer muss man sich die Speicherung der Wörter in einer Art Netzform vorstellen, die er folgendermaßen definiert: „Alle Wörter sind untereinander mehrfach verknüpft, wobei die Worte die Knoten des Netzes bilden und jedes Wort wiederum zu verschiedenen Teilnetzen gehört. Aufgrund der Polysemie ist die Position der Wörter in diesem Netz nicht festgelegt, sondern kann immer wieder wechseln.“ 4
2.3 Beziehungen innerhalb des mentalen Lexikons
Ich werde jetzt am Beispiel Kielhöfers diese Beziehungen etwas näher untersuchen: 5 Er unterscheidet dabei folgende 7 Klassen: 1) Zusammenhang auf der paradigmatischen Ebene:
2) Zusammenhang auf der semantischen Ebene:
3 Meibauer, Rothweiler (1999:11)
4 Kielhöfer,B., Wörter lernen, behalten und erinnern; Neusprachliche Mitteilungen,1994, S.211-220. Zitiert
nach: http://ella.phil.uni-freiburg.de/RomSeminar/Deztscher/Zula/HTML/node5.html
5 ebenda
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3) Zusammenhang auf der syntagmatischen Ebene: - Wörter die typischerweise nacheinander kommen (cane und abbaiare)
2.3.1 Zusammenhänge auf der paradigmatischen Ebene
Die Prototypentheorie
In letzter Zeit hat vor allem für die Speicherung von Substantiven die sogenannte „Prototypentheorie“ sehr an Bedeutung gewonnen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Mensch bei jeder Begegnung mit einem „realen“ Ding Verbindungen zwischen den wahrgenommenen und assoziierten Merkmalen herstellt und sich auf diese Weise mentale Kategorien bilden, die dann später auf neue „Vertreter“ dieser Gattung angewendet werden. Da diese Prototypen jedoch individuell und kulturell sehr verschieden sind, ist es eher angebracht von einem „Prototypeneffekt“ 6 zu sprechen. Diese Auffassung sagt aus, dass die Prototypen im Kopf, die eine Mischung aus Beobachtungen, kulturellen Werten, Erinnerung und Phantasie sind, nicht unbedingt der Realität entsprechen und dazu dienen, sich mithilfe von unbewussten mentalen Modellen in der Vielfalt der realen Welt zurechtzufinden. Viele Substantive werden mental also unter einem bestimmten „Prototypen“ gespeichert, wobei der Prototyp selbst heterogener Natur, und die Prototypentheorie prototypischer Struktur ist.
2.3.2 Zusammenhänge auf der semantischen Ebene
Die Frametheorie
Dieser „Speicherungsart“ sehr ähnlich ist auch die „Frame- oder Rahmentheorie“. Hier wird davon ausgegangen, dass ein bestimmtes Wort immer einem bestimmten Hintergrund entspringt, der bei der Nennung des Wortes unbewusst gleich mitgeliefert wird. Frames
6 Aitchison(1997:87)
6
können in temporärer/zielgerichteter Form (z.B. die Situation: “Dinge, die ich für meinen Urlaub brauche“) oder als festgelegtes Modell („was ist ein Auto?“) vorkommen. In diesem Fall bedeutet Frame „feste Menge genau bezeichneter Leerstellen, deren Wert je nach Anwendung variiert.“ 7
Allgemein wurde durch Wortassoziationsexperimente und Versuche mit hirngeschädigten Personen herausgefunden, dass die Wörter in semantischen Feldern angeordnet sind, wobei die Verbindungen zwischen Konjunkten (sale - pepe; rosso - biancho - verde) und kollokativen Verbindungen ( also die Rahmenwörter) etwas stärker zu sein scheinen als zwischen Hyponymen und ihren Oberbegriffen. 8
2.4 Wortformrepräsentationen im mentalen Lexikon
Auch bei den Wortformrepräsentationen gibt es ähnlich unterschiedliche Annahmen, die jedoch aus linguistischer Sicht zumindest von der gleichen Grundannahme ausgehen. Nämlich, dass es eine Reihe von lexikalischen Informationen gibt, die (unabhängig davon wie sie in einem psycholinguistischen Modell repräsentiert werden) auf alle Fälle mit einem Lexem gespeichert werden müssen: 9
1) die semantische Repräsentation (Bedeutung und Referenz) z.B. portone 2) die lexikalische Kategorie/Wortart: Substantiv 3) Syntaktische Eigenschaften, z.B. Genus (m)
4) Morphologische Eigenschaften und innere Struktur (-one bedeutet Vergrößerung) 5) Die phonetisch-phonologische Form (Silbenzahl, Wortakzent) 6) Pragmatische Eigenschaften, wie zum Beispiel das Register, bzw. der Stil des jeweiligen Wortes.
2.5 In welcher Form werden Wörter gespeichert?
Abgesehen von der Frage, wie und in welchem Kontext ein Wort gespeichert wird, ist es auch wichtig und interessant zu wissen, was eigentlich unter einem „gespeicherten Wort“
7 Barsalou,L., Frames concepts and conceptual fields, in: Lehrer, Kiltay, 1992, S.29. zitiert nach Aitchison
(1997:91)
8 Aitchison(1997:125)
9 Meibauer, Rothweiler(1999:11)
7
verstanden werden kann. Vor allem bei Verben ( aber auch bei anderen Wortklassen) ist es wichtig zu wissen, ob nur der Infinitiv oder alle Formen ( inklusive Vor-und Nachsilben) einen extra Eintrag im mentalen Lexikon besitzen. Das heißt, ich werde mich jetzt mit der Rolle der Morpheme im mentalen Lexikon befassen. Hierbei muss man zwischen „Flexion“ (Beugung) einer Verbs und der „Derivation“, bei der an einen bestehenden Wortstamm ein Morphem angehängt wird, und so ein neues Wort entsteht unterscheiden. Ein Beispiel für Flexion ist cantare cantando bei dem der Wortstamm canta durch das Anhängen von -ando eine zusätzliche Information erhält. Das Wort cantante wäre jedoch ein Fall, bei dem durch anhängen eines Morphems ein neues Wort entsteht. Eine gute Möglichkeit, diesen Aspekt der Speicherung zu untersuchen ist, sich Versprecher anzuschauen. Da einige der häufigsten Versprecher (bei Verben) z.B. die versehentliche regularisierung irregulärer Verbein ist ( *er ist verschwindet) oder man sich manchmal nicht ganz sicher ist, wie ein bestimmter Plural gebildet werden soll (*Eis am Stiels) spricht einiges dafür, dass die meisten Flexionsendungen erst beim Sprechen an die Wörter angehängt werden. Andere Experimente jedoch kommen zu dem Schluss, dass die unregelmäßigen, eher seltenen Formen als ganzes im mentalen Lexikon aufgelistet sind. Anders die Präfixe: die Tatsache, dass bei einem Versprecher oft die erste Silbe (also das Präfix) dem ursprünglich geplanten Wort entspricht („Kondition, Konstruktion, nein, Konversion“) spricht dafür, dass diese fest mit dem jeweiligen Stamm verbunden sind. Bei Derivaten sind auch die Suffixe fest mit ihrem Stamm verwachsen, was am deutlichsten bei basislosen Derivaten ohne Grundform wie z.B. „Sensation“ oder „radikal“ zu sehen ist. Sollte man aus welchen Gründen auch immer einmal das gewünschte Wort nicht kennen oder im mentalen Lexikon nicht finden, so beginnt man automatisch aus der Erfahrung schöpfend, sich das Wort selbst zu konstruieren. Das heißt, prinzipiell ist es möglich, das Wort in Morpheme zu zerlegen, was aber nur dann vorkommt, wenn man ein bestimmtes Wort selbst konstruieren muss, oder ein komplexes Wort auf seine Bedeutung untersuchen will. Aitchison bezeichnet dieses Phänomen als den „mentalen Werkzeugkasten.“ 10
10 Aitchison (1997:218)
8
3 Das Wörterbuch
3.1 Die Form des Wörterbuchs
Das Wörterbuch ist aufgeteilt in eine Makro-und eine Mikrostruktur, wobei unter Makrostruktur eines Wörterbuchs „die Menge seiner Lemmata und die Ordnung die über diese gelegt wird“ 11 verstanden wird. Die von mir untersuchten Wörterbücher ( wie im allgemeinen die meisten einsprachigen Wörterbücher) besitzen alle eine alphabetische Makrostruktur, das heißt, die Wörter sind alphabetisch angeordnet. Je nachdem, ob die Wörter einer Familie (die dem gleichen Stamm entspringen) unter einem oder mehreren Einträgen zusammengefasst sind, spricht man laut Gaudin/Guespin 12 von einer einfachen oder einer doppelten Makrostruktur.
Die Mikrostruktur bezeichnet den Aufbau des einzelnen Eintrags, das heißt, hier werden Angaben wie die Vokallänge, die Trennung, die Reflexivität, der Stil oder die Bedeutung gemacht.
Eine wichtige Rolle kann auch noch der sogenannte Wörterbuchaußentext spielen, der neben Inhaltsverzeichnis, Danksagungen u.s.w. auch Hinweise zur verwendeten phonetischen Schreibweise, Verbkonjugations- oder Flexionstabellen enthalten kann. Hier werden Zahlen entschlüsselt, die eventuell bei den Lexikonartikeln als Anmerkungen codiert angegeben werden.
Bei den meisten Wörterbucheinträgen kommt es laut Engelberg/Lemnitzer zu einer sogenannten Textverdichtung, das heißt, im eigentlichen Eintrag stehen viele Symbole, deren Bedeutung man dann im Wörterbuchaußentext nachschlagen muss.
3.2 Der Wörterbucheintrag
Normalerweise wird ein Wörterbucheintrag von einem Lemma eingeleitet. Jedes Lemma repräsentiert ein Lemmazeichen ( das heißt, dasjenige sprachliche Zeichen, das in dem Wörterbuchartikel bearbeitet wird), wobei es dann zu einer Lemmatisierung kommt. Lemmatisierung bedeutet, dass ein Wörterbucheintrag normalerweise über die Eigenschaften von Lexemen informiert, und nicht über die Eigenschaften bestimmter Wortformen von Lexemen. Für gewöhnlich werden die Einträge für Substantive, Adjektive
11 Engelberg/Lemnitzer(2001:122)
12 Gaudin, Guespin(2000:111)
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und Pronomen in der Form Maskulin Singular und für die Verben im Infinitiv Präsens, das heißt in der sogenannten „Nenn-oder Zitierform“ vorgenommen. Es wird also zum Beispiel eine Aussage gemacht über „lehren“, nicht jedoch, was ein „er lehrt“ oder „gelehrt“ ist. Je nach Wörterbuch kann es auch vorkommen, dass alle Wörter, die mit einer Bestimmten Vorsilbe beginnen unter einem Eintrag zusammengefasst sind, das heißt, nicht jedes Wort hat seinen eigenen Eintrag.
3.3 Eventuell auftretende Probleme
Diese Art der Zusammenfassung kann jedoch häufig zu Problemen führen:
- so gibt es Adjektive ohne kanonische Zitierform: z.B. substantivistisch gebrauchte Adjektive und Partizipien wie „impiegato/impiegata“, bei denen nicht klar ist, ob sie einen eigenen Eintrag erhalten sollen
- Mehrwortlexeme: wenn sie aus einem Verb und einem Substantiv bestehen ist nicht klar, wo sie eingeordnet werden sollen, bzw. manchmal ist gar nicht klar, ob es sich überhaupt um ein Mehrwortlexem handelt ( das englische „time bomb“)
- Lautliche oder orthografische Varianten, wie zum Beispiel im Deutschen „adlig“ und „adelig“ oder „Graphik“ und „Grafik“
- Homonymie oder Polysemie: Wenn eine Wortform zwei Bedeutungen hat, muss man entscheiden, ob es sich um Bedeutungsvarianten eines polysemen Lexems handelt, oder ob der Ursprung zwei homonyme Lexeme sind, also zwei Lemmata angesetzt werden müssen
- unregelmäßige Verbformen, die eventuell nur unter ihrem Infinitiv aufgeführt sind. („vado“ bei „andare“)
3.4 Vermittelte Information
Der einzelne Eintrag ist aufgeteilt in funktionale Textsegmente, das heißt, kleinste „Teile“ eines Wortes, die zu Analysezwecken abgetrennt und dann separat betrachtet werden können. Diese Textsegmente sind laut Gaudin/Guespin 13 entweder Strukturanzeiger die einen Formkommentar angeben, oder aber Angaben zum Inhalt machen, das heißt mit semantischer Bedeutung!
Generell kann man sagen, dass ein Wörterbucheintrag immer über die Bedeutung eines Wortes informiert und oft eine phonologisch/orthographische ( die Aussprache und Schreibung betreffend), eine syntaktische (Valenz, wie Wörter miteinander kombiniert
13 Gaudin, Guespin(2000:112)
10
werden), eine morphologische ( Flexion, Genus, Wortfamilie...) und eine semantische Komponente ( Bedeutungsangabe, Synonyme, Beziehung der Wörter zueinander...) beinhaltet. Eventuell erfolgen auch noch pragmatische Angaben (Fachgebiet, Stil, Schicht, Verbreitung....). Falls ein Wort zwei oder mehrere Bedeutungen haben sollte, müsste eigentlich nach der phonetischen Angabe, eine Trennung erfolgen und danach für jede Bedeutung ein einzelner kompletter Eintrag erstellt werden. Die Bedeutung eines Wortes wird am häufigsten über eine Definition verdeutlicht. An zweiter Stelle stehen Synonyme oder Antonyme und gelegentlich auch Beispiele und Zitate. 14 Laut Gaudin/Guespin 15 muss ein gutes Wörterbuch eine Verbindung schaffen zwischen beschreibender (description) und anwendungsorientierter (prescription) Funktion. Das heißt, nicht nur die Bedeutung eines Wortes ist wichtig, sondern auch, seine „soziale“ Rolle, das heißt, wann und wie es angewendet werden kann. Die vermittelte Information kann jedoch nie der Menge entsprechen, die im mentalen Lexikon zu einem Eintrag vorhanden ist. Aitchison zitiert zu diesem Thema Hudson: “Die Menge detaillierter Informationen...., die mit einer lexikalischen Einheit verknüpft ist, ist nach allem, was wir wissen, unbegrenzt. Die existierenden Wörterbücher, selbst die großen, definieren die lexikalischen Einheiten nur unvollständig.“ 16 In einem Wörterbuch sind die Wörter nicht austauschbar, sondern jedes Wort muss genau an dem ihm zugewiesenen Platz stehen. Ein Wörterbuch kann auch nie alle Wörter einer Sprache enthalten, und manche Wörter werden einfach aufgrund ihres „Status“ ( sexistisch, rassistisch, umgangssprachlich, veraltet) nicht berücksichtigt. Abgesehen davon ist ein Wörterbuch immer etwas „veraltet“ da ein Neubearbeitungsprozess mehr Zeit in Anspruch nimmt als beim mentalen Lexikon.
14 Gaudin, Guespin(2000:121)
15 Gaudin, Guespin(2000:99)
16 Hudson, R., Invitation to linguistics, London, Martin Robinson, 1984, S.74. zitiert nach Aitchison(1997:99)
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4 Praktische Untersuchung anhand der Wörterbücher „Zingarelli“ und „Sabatini Coletti“
Die von mir im ersten Teil theoretisch erarbeiteten Unterschiede zwischen der Speicherung im mentalen Lexikon und einem Wörterbucheintrag werde ich jetzt exemplarisch anhand einiger ausgewählter Verben untersuchen. Dafür werde ich zunächst stichwortartig die in den beiden Wörterbüchern gegebene Information kurz darstellen und später in einem anschließenden Teil die eventuell auftretenden Unterschiede und Auffälligkeiten erläutern und zu deuten versuchen.
4.1 Imparare
Hierbei handelt es sich um ein relativ „einfaches“ Verb, das ich aufgrund eben dieser Eigenschaft ausgewählt habe. Das heißt, seine syntaktische Struktur und seine semantische Bedeutung sind relativ einfach zu erfassen und zu beschreiben, und man kann recht gut die Struktur der jeweiligen Wörterbücher erkennen. Sabatini Coletti:
Nach der Lemmaangabe erfolgt eine phonetische Transkription, sowie eine Angabe über die Silbenaufteilung des Wortes. Nach der Angabe, dass es sich um ein Verb handelt, wird spezifiziert, dass es intransitiv ist, und für gewöhnlich die Valenz eins hat. In dieser Form sind drei Bedeutungsvarianten möglich:
1) “acquisire conoscenze o capacità attraverso lo studio, l’esercizio,l’ applicazione” wobei als Synonym “aprendere” angegeben wird und mehrere Beispiele, sowie ein das Lemma enthaltendes Sprichwort folgen.
2) “Acquisire comportamenti mediante l’esperienza” wobei darauf hingewiesen wird “introdotti da a” und wiederum einige Beispiele, sowie ein Sprichwort erwähnt werden.
3) hier werden zwei regionale Gebrauchsweisen angebeben: „venire a sapere qualcosa per caso“ und „Insegnare qualcosa a qualcuno”, wobei letzteres die Valenz zwei erfordert.
Abschließend wird noch die Herkunft des Wortes und seine erste schriftliche Erwähnung angefügt.
12
Zingarelli
Nach der Lemmaangabe erfolgt die phonetische Transkription und eine Erklärung der Wortherkunft. Nach der Angabe, dass es sich um ein intransitives Verb handelt, werden vier Bedeutungsvarianten angegeben:
1) “acquistare una serie di conoscenze mediane lo studio, l’esercizio, l’oservazione” wobei einige Beispiele, sowie die Bemerkung, dass dieses Verb bei Tieren eine besondere Bedeutung hat (“apprendere mediante l’educazione o la ripetizione abitudinaria degli atti”) folgen.
2) “Aprendere q.c. per mezzo dell’esperienza” wird erläutert durch Beispiele und ein Zitat von Poliziano. 3) Regionaler Gebrauch „venire a sapere“. 4) Regionaler Gebrauch “insegnare” erläutert durch ein Sprichwort. Im gleichen Eintrag wird anschließend noch das Wort „imparaticcio“ erläutert.
4.2 Riferire
Wurde von mir ausgewählt, da dieses Lemma homographische Eigenschaften aufweist, das heißt, das gleiche Schriftbild beinhaltet zwei Bedeutungen, die nicht auf einen gemeinsamen Stamm zurückzuführen sind. Sabatini Coletti
Hinter dem Lemma steht eine hochgestellte „eins“ die anzeigen soll, dass dieses Lemma zwei Einträge nach sich zieht, danach wird die erste Bedeutung des Lemmas, wie bereits oben beschrieben, erläutert: phonetische Transkription mit Silbentrennung, die Angabe, dass es sich um ein Verb handelt, Angabe der Konjugation im Präsens, Spezifizierung , dass es sich einerseits um
-ein transitives Verb mit der Valenz zwei handelt, das in folgenden Formen auftreten kann: 1) “riportare ad altri quanto si è venuti a conoscere” mit der Angabe des Synonyms “esporre” und einigen Beispielen sowie der Anmerkung „frequente con il secondo argomento espresso da frase che sono introdotte da che” ( was wiederum mit einem Beispiel erläutert wird)
2) „Connettere qualcosa ad altro” mit Angabe des Synonyms “ascrivere” und einigen Beispielen
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- es folgt die Angabe des intransitiven Gebrauchs, das die Valenz eins hat und das Hilfsverb „avere“ benötigt: “Presentare a qualcuno una relazione“
- danach kommt der reflexive Gebrauch, der Ebenfalls die Valenz eins hat und sich folgendermaßen unterscheidet:
1) „fare riferimento a qualcosa“ mit dem Synonym “richiamare” und einigen Beispielen
2) „essere in rapporto con qualcosa” mit dem Synonym “riguardare, concernere”, sowie ebenfalls dem beispielhaften Gebrauch.
Zum Schluss werden einige etymologische Angaben gemacht, woraufhin der zweite Eintrag zu „riferire“ folgt.
Wie oben erscheint das Lemma erneut um einen Eintrag einzuleiten, dieses Mal von einer hochgestellten zwei gefolgt. Nach Angabe von Lautschrift und Silbentrennung erfolgt identisch wie vorher die Angabe ,dass es sich um ein transitives Verb mit der Valenz eins handelt, das im Präsens der angegeben Konjugationsform folgt und die Bedeutung „ferire di nuovo“. Abschließend folgen die etymologischen Angaben. Zingarelli
Nach der Angabe des Lemmas folgen die Lautschrift, sowie die veraltete Form „referire“, und der etymologische Ursprung des Wortes. Es erfolgt ebenfalls eine Trennung nach transitiv und intransitiv, wobei unter dem Stichwort transitives Verb folgende Angaben zu finden sind: Angabe der Präsensformen, sowie deren Lautschrift und folgende Bedeutungen:
1) „ridire, riportare fatti, notizie, discorsi” sowie literarisch, veraltet “grazie, rendere grazie” mit den Synonymen “dire” und “raccontare” 2) “Ascrivere” mit einigen Beispielen
Das intransitive pronominale Verb kann folgende Funktionen erfüllen: 1) “rapportarsi, mettersi in relazione”, was durch einige Beispiele verdeutlicht wird 2) „rigurdare, concernere“ mit einem Beispiel
Das intransitive Verb mit dem Hilfsverb „avere“ hat die einzige Bedeutung von „presentare una relazione su cose di propria competenza“
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Daraufhin folgt der zweite Eintrag zum Lemma „riferire“.
Dieser ( gefolgt von einer zwei) enthält die Informationen Lautschrift, veraltete Form (rifedire), die etymologische Herkunft, die Angabe „transitives Verb“, die Präsens Konjugationsformen mit Lautschrift und den Vermerk „Einzige Bedeutung, raro: ferire di nuovo“ enthält.
4.3 Fare
Hierbei handelt es sich um ein sehr komplexes Verb ( sicherlich zusammen mit „essere“ und „avere“ das komplexeste Verb überhaupt), weswegen ich mich bei der Zusammenfassung der in den Lexika angegeben Informationen etwas einschränken und nur die wichtigsten Stichworte erläutern werde. Sabatini Coletti:
Das Lemma ist aufgeteilt in zwei unabhängige Einträge, wobei ich zuerst „fare(1)“ untersuchen werde.
Nach Angabe der Lautschrift, Silbentrennung, der veralteten Form „facere“, sowie der Angabe, dass es sich um ein Verb handelt, folgen sämtliche zum Verständnis der Verbgruppe notwenigen Verbformen in ihrer aktuellen und veralteten Form. Dann werden unter dem „Sinnzusammenhangspunkt eins“ „ costruire, fabbricare, produrre“ folgende Formen unterschieden:
Danach folgt die zweite Bedeutungseinheit „atribuisce al soggetto mediante il complemento predicativo“
Die dritte Bedeutungseinheit bezieht sich auf perifrasische Konstruktionen „seguito dalla preposizione per e l’infinitivo di un verbo“.
Die vierte Gruppe schließlich ist „ seguito dall’infinitivo di qualunque verbo” Nach der etymologischen Referenz folgen ca. 60 konkrete Beispiele zum Thema „locuzioni in senso proprio o figurativo“ und einige „detti e proverbi“ die das Verb „fare“ enthalten.
Der zweite Eintrag zum Lemma „fare“ gibt nach Lautschrift, Silbentrennung und der Auskunft „Substantiv, männlich“ folgende drei Bedeutungen an:
Abschließend folgt die etymologische Herkunft.
Zingarelli:
Bei Zingarelli gibt es nur einen Eintrag unter dem Lemma „fare“, der folgendermaßen gegliedert ist: Zunächst werden die Lautschrift, die veraltete Form „facere“ und die Herkunft des Wortes erläutert, danach folgt die Angabe der ersten Gruppe „Verb transitiv“ sowie sämtliche unregelmäßigen Verbformen in ihrer aktuellen, sowie veralteten Form und die jeweilige Lautschrift. Die erste von 6 Vorkommensweisen ist die Sektion „Verb transitiv“ die in fünf Untergruppen unterteilt:
1) Unter der „Sinngruppe“ „creare, generare“ werden 16 verschiedene Formen unterschieden
2) Danach folgt die Gruppe „compiere una azione“, die drei Anwendungsmöglichkeiten anbietet
3) „per evitare la ripetizione di un verbo precedente dal quale è specificato” 4) bei “seguito da un infinitivo” kennt es zwei Varianten 5) “significati diversi determinati dal complemento” hier werden viele spezielle Anwendungsbeispiele für das Verb “fare“ angeboten.
- Daraufhin folgt die zweite Kategorie „intransitives Verb“ mit dem Hilfsverb „avere“ das fünf verschiedene Sinnformen annehmen kann.
16
- Als dritte Klasse kann „fare“ reflexiv verwendet werden
- An vierter Stelle steht der intransitive pronominale Gebrauch, -An fünfter Stelle der intransitive unpersönliche Gebrauch, der mit dem Hilfsverb „avere“ gebildet wird, und an letzter Stelle die Angabe
-„in funzione di sostantivo maschile“ das drei Bedeutungsvarianten annehmen kann, und dem Synonym „principio“ entspricht. Diese Bedeutung wird noch anhand eines Sprichwortes näher erläutert.
Grundsätzlich sei noch gesagt, dass in keinem der beiden Wörterbücher die unregelmäßigen Verbformen als eigenständiges Lemma aufgeführt sind ( zum Beispiel fece, faccio...), wohingegen Verben, die sich nur durch eine Affixierung von einem anderen Verb unterscheiden, mit eigenen Einträgen präsent sind (z.B beinhalten beide Wörterbücher das Lemma „rifare“ (fare di nuovo) oder „ferire“, auf das sich später das „riferire“ bezieht.)
Wenn man die beiden Wörterbücher miteinander vergleicht, so wird deutlich, dass zwar unterschiedliche Prioritäten bei der Wichtigkeit der verschiedenen erwähnten Punkte gesetzt worden sind, im großen und ganzen jedoch die gleichen Kategorien verwendet wurden. So legt Zingarelli zum Beispiel großen Wert auf die Herkunft eines Wortes, während Sabatini Coletti dies als nebensächlich empfindet, und es erst ganz zu Ende des Eintrages erwähnt. Auch die veralteten Formen, die bei Sabatini Coletti keine Erwähnung finden, werden bei Zingarelli jedes Mal angegeben. Andererseits wird die Valenz eines Verbs jedoch nur bei Sabatini Coletti explizit angegeben 17 , während bei Zingarelli dies wohl aus der Angabe der Verwendung (transitiv, intransitiv) erschlossen werden soll.
17 Hier wird das Subjekt nicht als Valenz gewertet. Eine Valenz von eins bedeutet also, zusätzlich zum
Subjekt noch eine weitere Ergänzung.
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5 Unterschiede und Gemeinsamkeiten mentales Lexikon-Lexikon
Auf den ersten Blick erscheinen die Wörterbucheinträge sehr komplex und kompliziert, dies liegt jedoch vor allem daran, dass hier explizit ausgedrückt werden muss, was der Mensch (unbewusst) zu jedem Eintrag im mentalen Lexikon gespeichert hat. Auf der phonologischen Ebene entsprechen sich mentales und „normales“ Lexikon weitgehend. Hat ein Sprecher ein Wort in seinen Wortschatz aufgenommen, so weiß er für gewöhnlich auch, wie dieses Ausgesprochen wird. ( Es sei denn, er hat das Wort nie gesprochen gehört, sondern immer nur in schriftlicher Form gesehen). Die lexikalische und syntaktische Ebene dürfte sich ebenfalls weitgehend entsprechen, da es zu einem korrekten Sprachgebrauch notwenig ist, zu wissen, welcher Wortart oder welchem Genus ein bestimmtes Wort angehört.
Auf der morphologischen Ebene findet insofern eine Entsprechung statt, als ein erwachsener Sprecher für gewöhnlich weiß, wie ein bestimmtes Verb konjugiert wird. Das heißt, er kennt dessen unregelmäßige Formen und ist in der Lage, sie instinktiv richtig zu bilden. Beide Lexika geben zusammen mit einem Verb dessen unregelmäßige Formen an, verfügen aber, im Gegensatz zum mentalen Lexikon, über keinen eigenen Eintrag für jede Verbform. Ein Sprecher ist in der Lage, die mentale Verbindung zwischen „feci“ und „fare“ herzustellen, in einem „normalen“ Lexikon sucht man die Form „feci“ jedoch vergeblich.
Eine weitere semantische Angabe, die beide Wörterbücher liefern, ist die Angabe des zu verwendenden Hilfsverbs. Diese Angabe erfolgt im Falle von Bedeutungsunterschieden je nach verwendetem Hilfsverb oder bei Hilfsverben, die man rein gefühlsmäßig an dieser Stelle in dieser Form nicht erwarten würde.
Die semantische Ebene ist sicher die interessanteste und komplexeste bei einem Vergleich mentales Lexikon - Lexikon. Hierbei sieht sich das Lexikon mit dem Problem konfrontiert, die Fülle von Informationen und Bedeutungen, die ein Wort (hier ein Verb) haben kann, systematisch zu ordnen und eine gewisse Struktur in den Eintrag zu bringen. Beide Lexika
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gehen hier so vor, dass sie zunächst nach den verschiedenen Vorkommensweisen des Verbs unterscheiden ( reflexiv, transitiv....) innerhalb dessen sie dann verschiedene Unterpunkte je nach Bedeutungsunterschied vornehmen. So ist „riferire“ bei Sabatini Coletti zum Beispiel in a)transitiv b)intransitiv und c) reflexiv aufgeteilt, wobei transitiv die Bedeutungen 1)“riportare quanto si è venuto a conoscere“ und 2)“connettere qualcosa ad altro“ möglich sind. Reflexiv ist die Bedeutung entweder 1)“fare riferimento a qualcosa“ oder 2)“essere in rapporto con qualcosa“.
Die meisten dieser „Klassen“ werden durch Beispiele ergänzt, einige wenige mit Synonymen und eine kleine Anzahl durch Zitate oder Sprichwörter. Im Gegensatz dazu steht das mentale Lexikon, das eine ganz andere Art der Speicherung praktiziert. Zwar wird auch hier bei der Erwähnung eines Wortes ein bestimmter Sinn wachgerufen, aber meist nur diejenige Komponente der möglichen Erklärungen, die auf den betreffenden Kontext passt. Weniger gebräuchliche Formen können dem Sprecher zwar durchaus bekannt sein, werden bei der Nennung des Wortes zunächst jedoch nicht „aktiviert“. Die in den Wörterbüchern erwähnten Synonyme kommen so im mentalen Lexikon auch vor, vielleicht sogar noch intensiver. Hier beginnt die „Ausbreitung“ eines Wortes, das heißt, indem seine Bedeutung definiert wird, werden auch andere Wörter mit der selben oder der gegensätzlichen Bedeutung „wachgerufen“, was letztendlich der zuvor beschriebenen Frame Theorie entspricht. Dies ist die Stelle, an der ein verschriftlichtes Wörterbuch an seine Grenzen gelangt. Es ist ihm nicht möglich ( oder zumindest war es bei den von mir untersuchten Vertretern nicht der Fall), die Verben in semantische Felder einzuordnen. Es werden weder Sachfeldbeziehungen ( was bei Verben jedoch immer selten der Fall ist), noch Zusammenhänge auf paradigmatischer, syntagmatischer oder semantischer Ebene gemacht. Es werden weder Hyperonyme noch Homonyme angegeben. Hier muss jedoch angemerkt werden, dass alle diese Verbindungen bei Nomen viel stärker sind als bei Verben.
Die teilweise angegeben Sprichwörter und Zitate müssen nicht unbedingt im mentalen Lexikon vorhanden sein, wobei die Sprichwörter, wenn sie vorhanden sind, auch in der „tieferen“ Struktur des mentalen Lexikons zu finden sind, und normalerweise nicht „aktiviert“ werden.
Ein anderer Aspekt, der vor allem bei dem Verb „fare“ sehr deutlich wird, ist das Vorhandensein von übertragenen Bedeutungen. Die hier angegebenen sind sicher nur die am häufigsten vorkommenden, können aber eventuell das Wissen eines Sprechers bereits überschreiten. Das heißt, der Sprecher kann das Verb kennen, mit seinem Gebrauch auch
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vertraut sein, aber wenn er diese spezielle übertragene Bedeutung noch nie gehört hat, kann er ihren semantischen Sinn nicht erfassen, bzw. muss ein Wörterbuch um Rat befragen.
Ein weiterer Punkt in dem sich mentales Lexikon und Lexikon weitgehend entsprechen ist die Tatsache, dass ein homographes Wort durch zwei Lemma wiedergegeben wird. Im mentalen Lexikon wird die Verbindung zwischen „riferire“ im Sinne von „sich auf etwas beziehen“ und „riferire“ im Sinne von „erneut verletzen“ sicher minimal sein, da die beiden Wörter außer der gemeinsamen Schreibweise nicht viel miteinander verbindet.
Die etymologische Herkunft ist etwas, was man für gewöhnlich nicht im mentalen Lexikon findet, da es keinen Einfluss auf das Sprechen an sich hat. Egal ob man die Herkunft eines Wortes kennt oder nicht, man wird das Wort immer korrekt anwenden und verstehen können. Sollte man jedoch zufälligerweise die Herkunft eines Wortes kennen, schlägt sich dies eher auf der semantischen Ebene nieder, da man so eventuell eine Bedeutungsdifferenzierung erreichen kann.
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6 Schluss
Wie bereits erwähnt, spielen sich die hauptsächlichen Unterschiede zwischen mentalem Lexikon und Lexikon auf der semantischen Ebene ab. Unveränderliche Kriterien wie Lexik, Syntax und auch die morphologischen Komponenten sind weitgehend identisch, wobei gesagt werden muss, dass viele morphologischen Komponenten, wie z.B. regelmäßige Flexionsformen im Lexikon gar nicht einzeln aufgeführt sind. (Allerdings werden sie auch im mentalen Lexikon meistens erst direkt während des Sprechaktes gebildet).
Anders die semantische Ebene. Hier werden im Lexikon die Grundbedeutungen der Verben angegeben, es werden jedoch nur wenige Angaben über die Sinnzusammenhänge mit anderen Wörtern gemacht. Im Gegensatz dazu steht das mentale Lexikon wo die vorhandenen Einträge auf vielfältige Weise netzwerkartig miteinander verbunden sind und die Verbindungen verschiedenster Art sein können. (Affektive Felder, Sinnzusammenhänge, Wortfamilien...).
Abschließend bleibt noch zu sagen, dass jeder Sprecher andere Begriffe miteinander assoziiert und andere mentale Verbindungen herstellt, so dass jeder Mensch sein eigenes mentales Lexikon besitzt das nie mit dem mentalen Lexikon eines anderen Menschen identisch sein kann und wird.
Das mentale Lexikon ist im Gegensatz zum „normalen“ Lexikon viel flexibler und schneller in der Lage, sich dem Wandel der Sprache anzupassen. Das heißt, wenn es zu einer Bedeutungsverschiebung kommt, schlägt sich dies lange Zeit vorher im mentalen Lexikon nieder, bevor es schließlich Eingang in ein Wörterbuch findet.
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7 Literaturverzeichnis
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Engelkamp, Johannes, Mentales Lexikon :Struktur und Zugriff, Arbeiten der Fachrichtung Psychologie Universität des Saarlandes, Nr.175, 1993.
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Arbeit zitieren:
Ines Harsch, 2003, Gegenüberstellung von mentalem Lexikon und ensprachigen italienischen Lexika, München, GRIN Verlag GmbH
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