Angela Anaconda –
SuperRTL und eine besondere
Serie
Seminar: SuperRTL und Kinderkanal
SS 2001
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Ein kurzer Überblick über SuperRTL
3. Kindgerechte TV-Serie – was heißt das?
4. Angela – wer?
4.1 Die Hauptpersonen
4.1.1 Angela Anaconda
4.1.2 Ihre Familie
4.1.3 Freunde und Feinde & Co.
4.2 Das Konzept und die Struktur der Serie
4.3 Die Machart
4.4 Die Erfolgsbilanz
5. Angela spricht!
6. Schluss
7. Literatur und Quellen
1. Einleitung
Seit dem Herbst des Jahres 2201 ist Deutschland um eine Kinderserie reicher.
Nun wird man berechtigterweise fragen können, was daran erwähnenswert sein
sollte.
Gerade Kinderserien kommen und gehen in einem Maße, wie es sonst wohl nur bei
Talkshows der Fall ist.
Sat1, Pro7, RTL, RTL2 und vor allem die speziellen Kinderprogramme KiKa und
SuperRTL bedienen mit ihren zahlreichen Angeboten einen stetig wachsenden Markt
mit einer schier inflationären Fülle von Shows, Serien und Konzepten.
Dem Erwachsenen kann dabei sehr schnell der Überblick abhanden kommen. Nur
selten gerät eine Kinderserie so in den Focus des allgemeinen Interesses, wie es
zum Beispiel, auch dank der besonders extensiven Marketingkampagne, bei den „POKéMON“
der Fall gewesen ist.
Oftmals sind die Serien billig eingekaufte Importe aus den USA oder Asien, deren
wesentlichster Herstellungsgrund im anschließenden Merchandising zu sehen ist.
Sie sind oft nur von minderer Qualität, mit vergleichsweise geringem
finanziellem Aufwand produziert, pädagogisch fragwürdig und somit nicht wirklich
kindgerecht.
Nur selten sind Eltern in dem Maße informiert über das, was sich ihre Kinder
ansehen, wie es eben bei den „Poketmonstern“ der Fall gewesen ist.
Vor diesem Hintergrund macht die Ankündigung, das Deutschland um eine
Kinderserie reicher ist, umso mehr Sinn.
Denn die Serie, um die es in dieser Arbeit gehen soll, ist das ansprechende
Ergebnis einer Koproduktion der kanadischen und US-amerikanischen Firmen DECODE
, C.O.R.E. Digital Pictures, Fox und Teletoon.
Es handelt sich um die Zeichentrickserie Angela Anaconda, die der Kindersender
SuperRTL wochentags ausstrahlt.
Vorab möchte ich noch erwähnen, dass es mir leider nicht möglich war, zu dieser
Kinderzeichentrickserie umfangreiche Literatur oder Hintergrundinformationen zu
beziehen. Somit kann ich mich in dieser Arbeit nur auf einige wenige Quellen
berufen.
2. Ein Überblick über SuperRTL
SuperRTL ging 1995 in Köln an den Start. Zunächst als reiner Abspulsender der
beiden größeren Brüder RTL und RTL2 verschrien, gelang es ihm relativ schnell,
sich zunächst als Familiensender, und schließlich durch den aggressiv
vorangetriebenen Aus- und Umbau seiner Tagesschiene auch und vor allem als
qualitativ vergleichsweise hochwertiger Kindersender zu positionieren.
Diesen Weg erleichtert haben gewiss auch die von Anfang an ausgestrahlten
hochwertigen Disney-Cartoons, die damals aber auch den wohl einzigen Höhepunkt
des Programmschemas darstellten. Sie machten das Programm von SuperRTL schon vom
Sendestart an für Kinder attraktiv. Durch die enge inhaltliche Kooperation mit
dem Anteilseigner Walt Disney konnte sich der Sender inzwischen zudem den Ruf
als „Europas Heimat der Zeichentrickfilme“ erarbeiten. Viele seiner Produktionen
testet der amerikanische Medienkonzern hier auf ihre Wirkung und ihren Erfolg,
bevor er sie an weitere europäische TV-Stationen verkauft.
In jüngster Zeit kamen zur Tagesschiene Eigenproduktionen hinzu, wie zum
Beispiel „Was-ist-was-TV“, die den bei Kindersendern erwarteten Auftrag zur
Bildung erfüllen sollen.
Das Abendprogramm besteht allerdings noch heute nicht selten aus Altproduktionen
von RTL, wie zum Beispiel das „Schloss am Wörthersee“, „RTL-Samstag Nacht“ oder
„Traumhochzeit“.
Die Hauptzielgruppe von SuperRTL ist die der drei- bis dreizehnjährigen. Hier
erreicht man einen Marktanteil von angesehenen 19,8 Prozent. In der Zielgruppe
der vierzehn- bis neunundvierzigjährigen sind es hingegen nur vergleichsweise
geringe 2,4 Prozent.
Hauptkonkurrent ist neben den diversen auf Kinder zugeschnittenen
Pay-TV-Angeboten der Kirchgruppe (Disney Channel, FoxKids und Junior) vor allem
der öffentlich-rechtliche Spartensender KiKa, vormals Kinderkanal der aus
Leipzig sendet.
SuperRTL erreicht inzwischen über die Verbreitungswege Kabelfernsehen und Satellit (Astra und Eutelsat) circa 84 Prozent, oder 31,8 Millionen aller Haushalte in Deutschland. Nicht erfasst werden die Haushalte im deutsch- und fremdsprachigen europäischen Ausland, wo SuperRTL über Satellit und teilweise über die Kabeleinspeisung ebenfalls zu empfangen ist.
Etwa fünfzig Prozent der Anteile an SuperRTL gehören der RTL-Gruppe, der TV- und Hörfunktochter des Bertelsmann-Konzerns, die verbleibenden fünfzig Prozent liegen in Händen des bereits erwähnten Disney-Konzerns. Der offizielle Firmenname des Senders lautet daher auch RTL Disney Fernsehen GmbH & Co. KG, SuperRTL ist lediglich der Programmname.
Die RTL-Gruppe ist heute das erfolgreichste Medienunternehmen Europas und
betreibt derzeit in acht Ländern vierundzwanzig TV- und vierzehn Radiostationen
und Ketten.
Neben SuperRTL gehören zum Beispiel die deutschen TV-Sender RTL, RTL2 und Vox,
sowie die RadioNRW GmbH zum Konzern.
Die Stärke und Kompetenz des Disney-Konzerns dürfte hinlänglich bekannt sein, wodurch sich klar zeigt, dass sich hier zwei starke Partner gefunden haben, um den deutschsprachigen europäischen Fernsehmarkt mit Kinderfernsehen zu versorgen.
Der so genannte Advertising Share, also der Anteil des Werbeaufwands eines
Anbieters am gesamten Werbeaufwand seiner Branche, liegt für den Sender SuperRTL
bei etwa 2,4%.
Das heißt, man trägt in Köln mit nur 2,4% zum gesamten Aufwand bei. Damit ist er
im Vergleich zu anderen kommerziellen Sendern relativ gering. Dies heißt im
Klartext, dass SuperRTL im Gegensatz zu anderen privaten TV-Sendern
vergleichsweise wenig Werbespots sendet.1
Dies geschieht zum einen, um sowohl die jungen Zuschauer, als auch vielmehr
deren Eltern nicht zu verprellen, zum anderen, weil die Gesetzeslage eine
übermäßige Bewerbung von Kindern untersagt.
Die Finanzierung des Programms erfolgt daher neben dem klassischen Weg der
TV-Spots über folgende weitere Wege:
1. Sponsoring. SuperRTL lässt sich die Produktion einzelner Inhalte seines TV-
und Internetangebotes durch interessierte Werbekunden finanzieren. Im Ausgleich
dafür wird deren Firmenlogo gezeigt und dem Konsumenten mittels eines kurzen
Hinweises klargemacht, dass dieses Angebot ohne die Unterstützung der jeweiligen
Firma nicht hätte produziert werden können. Auch der Videotext von SuperRTL wird
gesponsort. Die Spielwarenkette Toys’r’Us hat sowohl die Finanzierung, als auch
die inhaltliche Konzeption von SuperRTL übernommen.
2. Merchandising: Durch den Verkauf von zum Bespiel Spielwaren, Software,
Kleidung, Haushalts- und Schulbedarf erhält SuperRTL über die Lizenz- und
Vermarktungsrechte Einnahmen, die zur Finanzierung des Sendebetriebs beitragen.
3. Cross-Media-Konzept: Ergänzend zu den Inhalten des Programms vermarktet
SuperRTL mediale Angebote in Form von zum Beispiel Zeitschriften oder über seine
Internetseite www.toggo.de. Diese ergänzenden Inhalte und Informationen sind
teilweise nur gegen Bezahlung abrufbar. Das dieses Konzept aufgeht, lässt sich
an der Tatsache erkennen, dass das zugegeben recht unterhaltsame und
anspruchsvoll gemachte Internetangebot von SuperRTL seit seiner Schaffung
Deutschlands meistbesuchte Kinderseite überhaupt ist.2
[...]
1 Alle Angaben aus http://www.rtl-group.com
2 Angaben aus den Unterlagen zu Prof. Dr. Hans Dieter Erlinger: SuperRTL und
Kinder Kanal. Siegen, SS2001
Quote paper:
Nils Vervoort, 2003, Angela Anaconda - SuperRTL und eine besondere Serie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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