war jedoch die Abgrenzung nach Süden und Osten (Zugehörigkeit Rußlands, Türkei) vor allem da man die als Europa zu bezeichnende Festlandmasse auch als Ausläufer Asiens betrachten könnte und nur historische und eben auch kulturelle Gründe eine Eigenständigkeit rechtfertigen.
Die Idee einer Europäischen Gemeinschaft nahm 1693 erstmals vage Formen an : William Penn forderte die Schaffung eines europäischen Reichstags zur Erhaltung des Europäischen Friedens (nach Ende des Dreißigjährigen Krieges). Auch Kant entwickelte Ideen eines Völkerbundes zur Friedenssicherung (1795). Nach dem 1. Weltkrieg schlugen Stresemann und Briand gemeinsam die Schaffung eines souveränen Staatenbunds vor. Letztlich gab Churchills Rede in Zürich 1946 und ein Treffen der „Europäischen Bewegung in Den Haag 1948 den Impuls zur Gründung des Europarats. Es folgten EGKS, EWG, EURATOM, 1967 die EG und schließlich 1992 die EU. Die Konzepte der Organisationen begründen sich aus der Notwendigkeit des sicheren und friedlichen Europas - der marktrelevante Aspekt ist jedoch unübersehbar. Und wo ein gemeinsamer Absatzmarkt geschaffen wird ist eine Angleichung des Konsumverhaltens (einhergehend mit der Anpassung der Lebensstile) unausweichlich. Das konstruierte Europa des gemeinsamen Wirtschaftsmarktes bietet inzwischen kaum gravierende Kulturunterschiede und erschlägt beinahe mit Massenkultur. Hork^^heimer spricht vom „Zwangscharakter der großen Gemeinschaft“ der vor allem von der Ökonomischen Instanz ausgeht. Diese Umstände bieten eine gefällige Plattform für einen Teil gemeinsamer Identität auch für eine kulturelle. Eine konsumorientierte Gesellschaft fordert auch eine europakompatible, weil ökonomische Kulturindustrie (die nach Adorno längst nur noch auf Effekte abzielt). Die besagte Kulturindustrie könnte in der Tat hilfreich für eine kulturelle Identität der Europäer sein, werden doch durch gängige Stereotype ( z.B. der populären Künste) gemeinsame, eventuell auch neue, Kodes auf liberale Weise verbreitet. Kulturindustrie sozusagen als Träger von Europäisierung (und auch Globalisierung). Europäische Identität sollte man aber sicher nicht als gänzlichen Neuerwerb betrachten - hat sie doch schon immer parallel zur nationalen Identität existiert. Ist es doch so, daß die Identifikation mit einer europäischen Volksgruppe auch immer die Identifikation mit deren europäischen Rahmen impliziert. (Zu überlegen wäre, eine europäische Staatsbürgerschaft nach amerikanischem Modell einzuführen.) Die Schwierigkeit einer gemeinsamen kulturellen Identität besteht offensichtlich in der Suche nach einem kleinsten gemeinsamen Nenner.
Zu unterschiedlich verliefen gesellschaftliche Prozesse, zu unterschiedlich sind die Auffassungen zu historischen Ereignissen, als daß auf ihnen eine gemeinsame Kultur fundieren könnte. An dieser Stelle rückt der Aspekt der Kommunikation in den Vordergrund. So könnte das Thematisieren dieser Unterschiede identitätsstiftend wirken, wenn
Kommunikation als Voraussetzung und auch Grundlage von Identitätsfindung sieht. Also kann die zur Kommunikation erforderliche demokratische Struktur als supra-nationale Ebene für kulturelle Identität in Europa gesehen werden.
Arbeit zitieren:
Anke Duensing, 2002, Kulturelle Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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