Autor:
Dr. Martin Hilpert
> G e w a l t i n s o z i a l e n S y s t e m e n <
Abstract:
Soziale Systeme bilden sich durch die zwischenmensch liche Interakti on aus auf-
grund von Erwartunge n sich selbst verstärken der und schließli ch verstetig ter Vor-
stellung en über die Wirklichk eit - z. B. eine Mutter-K ind Beziehung .
Analog der zwischenmensch lich sich etablier enden sozialen Systeme entstehe n
auch komplexer e des Gemeinschaf tlichen, Politische n, Juristisch en und Ökonomi-
schen - stets muß potentie lle Erwartung interakt ionell verhandelt , entschiede n und
als wahr behaupte t werden, damit selbstverst ärkend eine bestimmte Wirklich-
keitsannah me interakt ionell und schließli ch auch institut ionell wahr gemacht wer-
den kann und dadurch tatsächlich Realität wird. Diese fortlaufe nd stattfinde nde
Hervorbri ngung und Anpassung von sozialen Systemen ist ein Marktgesche hen,
ein Identitätsmar kt, der der Optimier ung der jeweils aktuelle n Umsetzung des
menschliche n Potentie llen dient, d. h. der eine verbessert e Verbindu ng von Wirk-
lichkeit swahrnehmun g bzw. Daseinsbewält igung mit Wertvorstel lungen zum Ziel
hat. Gewalt ist jede Einflußn ahme, die eine dem Menschen gemäße Identitätsf in-
dung manipulie rt bzw. verhinder t.
Die jeweils bereits entstanden en sozialen Systeme sind Vorbeding ung für weitere
Entwicklun gen, so daß soziale Systeme sogenannte "struktu relle Gewalt" (Begriff
von Johan Galtung 1930-) begründe n und Identitätsmär kte in doppelter Weise Ge-
waltmärkte sind, weil sie durch die fortlaufe nde Anpassung Gewalt intern mininie-
ren, genau darin besteht ihre Aufgabe, und zugleich selbst struktur elle Vorgaben
darstellen , mittels derer die Interakti on gesteuer t werden kann. Daraus ergibt sich,
daß Führung (Leadership ) entscheide nd ist, weil durch sie Wirklichk eitsvorstel lun-
gen fokussiert und soziale Systeme verändert werden, um einersei ts eine jeweils
verbessert e Aktivieru ng des Potentie llen zu erreiche n bzw. um durch eine neue
Verbindu ng von Daseinsbewält igung mit Symbolischem, d. h. durch Innovation,
ein menschenwür diges Leben zu sichern, und anderersei ts mit der durch Lea-
dership erreichb aren aktiven Gestaltun g sozialer Systeme strategisch e Vorausset-
zungen geschaffen werden können, die die Entstehun g entmenschl ichender sozia-
ler Systeme bzw. die Entstehun g von Gewalt mindern oder unterbi nden.
Führung entsteht immer innerhal b sozialer Systeme und basiert auf Integrit ät und
Wertvorstel lungen, sie kann aber auch paradox und damit negativ und gewalthal-
tig sein - eine positive, leistung sfähige Leadership, die für ein menschenwür diges
Leben und das materiell e Überlebe n essentiel l ist, setzt ein tiefen Wissen um das
Menschliche und die damit verbunden Werte voraus. Für eine nicht-par adoxe ei-
gentlich e Leadership ist auch die Kenntni s der "Selbstkon zeptionen des Menschen"
(Ideengesch ichte) erforderl ich, weil nur so die natürlich e Fixieru ng auf das momen-
tan Aktuelle überwunde n werden kann, um immer wieder neu angemessen kon-
ventionel le mit neuen Ideen und Strategie n zu verbinden und Chancen zu nutzen -
dies gilt selbstverst ändlich auch für soziale Systeme und Leadership, die in Betrie-
ben bzw. im Wirtschaftsl eben entstehe n.
Die folgenden sechs Thesen zur "Gewalt in sozialen Systemen" sind eine W eiter entwicklung bzw .
Nutzbarmachu ng der Inhalte der Dissertation des Autors "Theorien der Gewalt in Schulen" -
eine Zusammenfass ung der Dissertation ist kostenlos unter www .hausarbeiten.d e/download/2 3025.pdf
er hältlich.
Die Thesen wur den als Arbeitspapier im Auftrag der T echnik Akademie V ienna Region verfaßt.
Zu den Begriffe n:
In den folgenden Ausführun gen werden alle verstetig ten zwischenmensch lichen
Interakti onen als soziale Systeme aufgefaßt , neben dem politische n System und der
Wirtschafts- und Rechtsordnun g zählen beispiel sweise auch der ritualisi erte Um-
gang innerhal b einer Firma zwischen Kollegen und zu Vorgesetzt en, private
Freundschaf ten und die Familie dazu.
Gewalt ist jede Form von Übergrif f oder Mißbrauch, der individuel l als verletzen d
empfunden wird und nicht geklärt werden kann, bzw. jede Manipulati on, die die
zwischenmensch lich und gesellschaf tlich fortwähren d angestreb te Optimier ung
der sozialen Systeme behinder t oder unterbi ndet.
1. - Bedingung en sozialer Systeme -
Soziale Systeme können sich nur gemäß der Entstehun gsbedingu ngen für mensch-
liches Bewußtsein entwickel n, weil sie nur vom Menschen hervorgeb racht und er-
lebt werden können.
Empirischer Befund:
- Menschliche s Bewußtsein ist Wahrnehmun g des Selbst in einer Welt.
- Welt und damit das Selbst werden individuel l als Bedeutung erfahren , in der
stets Wirklichk eitswahrne hmung bzw. Daseinsbewält igung mit Symbolischem
bzw. Vorstellu ngen des Menschseins und eines "Insgesamt" (der Welt oder des Le-
bens) verbunden werden.
- Zwischenmensch liche Kommunikati on thematisie rt Wirklichk eitswahrne hmung,
Daseinsbewält igung und das jeweilige Selbstverst ändnis (das Symbolische) .
- Menschliche Interakti on verändert die Daseinsbewält igung, die Wirklichk eitsvor-
stellung en und damit die symbolischen Bedeutung en (das Selbstverst ändnis und
die Wertvorstel lungen) .
Schlußfolg erung:
Soziale Systeme sind das Resultat eines Marktgesche hens, innerhal b dessen Strate-
gien der Daseinsbewält igung und des Selbstverst ändnisses verhandelt und opti-
miert werden - sie beinhalt en struktur elle Gegeben heiten, sogenannte struktur elle
Gewalt, innerhal b derer das Individuum sein Potentie lles umzusetzen hat.
Soziale Systeme werden akzeptier t, solange sie Daseinsbewält igung (z. B. Leben-
sunterhal t) gewährlei sten, sie werden für gerechtf ertigt und wahrhaftig angesehen ,
wenn sie Daseinsbewält igung und symbolische Vorstellu ngen in einer in sich
schlüssigen Weise verbinden , und sie werden verehrt und geliebt , wenn sie die Ent-
faltung des individuel len Potentie llen erleicht ern, d. h. eine intensive re Selbst- und
Weltwahrne hmung erlauben und dabei die Wirklichk eitswahrne hmung bzw. Da-
seinsbewält igung verbessern .
2. - Entstehun g von Gewalt -
Gewalt kann konkret nur bezogen auf ein bestimmtes soziales System definier t
werden, weil sich ein Übergrif f oder Mißbrauch nur aus dem Selbstverst ändnis und
der jeweilige n Daseinsbewält igung begründe n läßt.
Empirischer Befund:
- Nicht ein bestimmtes äußeres Geschehen , sondern lediglich die symbolische Be-
deutung einer Handlung wird als Gewalt verstanden - z. B. kann eine Tötung in
den westlichen Kulture n Totschlag, Mord oder Notwehr bedeuten ; ein ärztlicher
operativer Eingriff wird zur justiziable n Körperver letzung, wenn er nicht fachge-
recht durchgefü hrt wurde, dagegen gilt ein Todesfall im Krankenh aus als normal,
wenn der Arzt nach dem Stand der Wissenschaft behandelt e.
- Die mit dem jeweilige n sozialen System gegeben e struktur elle Gewalt wird nur
dann als Gewalt erfahren , wenn sie dem individuel len Wollen entgege nsteht, als
unverein bar mit dem Potentie llen des Menschen erfahren wird, und oder die Da-
seinsbewält igung nicht gewährlei sten kann bzw. die Wirklichk eit dem beanspruch -
ten Selbst- und Weltverstän dnis widersprich t - struktur elle Gewalt wird als Gewalt
empfunden , wenn sie zur die Symbolmärkte besetzende n Ideologie wird, die die
fortlaufe nde Aktualisie rung der Daseinsbewält igung und des Selbstverst ändnisses
verhinder t.
Schlußfolg erung:
Gewalt ist ein das stets auf Daseinsbewält igung, Zwischenmensch lichkeit und
Sinngebu ng angewiesen e menschliche Leben schädigendes Verhalte n - Gewalt ist
der Mißbrauch der sozialen Abhängigk eit des Menschen.
Soziale Systeme sind gewalthalt ig, wenn sie gegen den Menschen gerichte t sind
und dadurch ihrer Entstehun gsursache bzw. ihrem Sinn, die förderlich e Aktualisie -
rung der Daseinsbewält igung und des Selbstverst ändnisses, widersprech en.
Gewalt ist die Unterbre chung jenes Marktgesche hens, das Identität angepaßt und
verbessert individuel l und in sozialen Systemen immer wieder möglich machen
muß.
3. - Überwindun g von Gewalt -
Gewalt kann innerhal b einer Identität als Verhalte n gegen das Selbst- und Weltver-
ständnis bzw. gegen die daraus abzuleite nden Wertvorstel lungen eindeuti g be-
stimmt und kritisie rt werden - problemati sch ist dagegen die Begründun g und
Überwindun g kulturdi fferent er Gewalt, die aufgrund der unterschi edlichen Identi-
tätsentwick lung unvermeidb ar entsteht .
Empirischer Befund:
- Innerhalb funktion ierender sozialer Systeme wird gemäß der Intention ihrer Ent-
stehung die Daseinsbewält igung gewährlei stet, und es werden Wertvorstel lungen
entwickel t, die individuel les Potentie lles aktiviere n, individuel le Entfaltun g und Er-
füllung begünsti gen, und der Lebenssitu ation gemäß sind - z. B. eine ideale Familie
oder ein familiärer Handwerksbe trieb, in denen unterschi edliche Potential e zur
Spezialisie rung und zu den Veränderu ngen angepaßte n Innovationen im Interesse
aller führen und durch die Lebensbewäl tigung bzw. den Erfolg auch die zwischen-
menschliche Bindung und das Selbstverst ändnis, die Identität, wachsen.
- Unterschie dliche soziale Systeme bilden unterschi edliche Daseinsbewält igungs-
strategie n und unterschi edliche Wertvorstel lungen bzw. Identitäte n aus - z. B. ver-
schiedene religiöse , nationale oder herkunf tsmilieub ezogene Grundhalt ungen.
Schlußfolg erung:
Während innerhal b eines funktion ierenden sozialen Systems Gewalt als Verstoß ge-
gen die Wertvorstel lungen deutlich benannt und aufgelöst werden kann, ist die
kulturdi fferent e Gewalt, die als Folge unterschi edlicher Identität und Wertvorstel -
lungen unvermeidb ar ist, von den betroffe nen identität sdifferen ten Gruppen nicht
in gleicher Weise erkennb ar - dementspre chend perpetu ieren sich kulturdi fferent e
Konflikt e, weil die Überwindun g dieser Gewaltform nicht direkt möglich ist.
Identitätsdi fferent e Konflikt e können nur gemäß der Entstehun gsbedingu ngen des
Bewußtsein s, der Identität und der sozialen Systeme durch eine Identitätse rweite-
rung überwunde n werden, d. h. durch die Hervorbri ngung einer neuen Gemein-
schaft bzw. eines neuen sozialen Systems, in dem bisher unterschi edliche ggf. ge-
walthaltig e Identitäte n partiell gemeinsame Weiteren twicklung en erfahren und da-
bei aufgrund einer neuen gemeinsamen Daseinsbewält igung Wertvorstel lungen
entwickel t bzw. übernommen werden, die den bisherig en Gegensatz aufheben .
4. - Führung ist Verhalte n analog zur Bewußtsein sstruktur -
Die Herausforde rungen der Gegenwart , insbesonder e die sich rasch ändernden
Märkte, können nur analog der für soziale Systeme gültige n Entstehun gs- und Ent-
wicklungsb edingung en gemeister t werden, weil beliebi g oder gar gegen die Vor-
aussetzunge n des menschliche n Bewußtsein weder die Aktivieru ng des individuel -
len Potentie llen noch wirtschaftl icher Erfolg möglich sind.
Empirischer Befund:
- Idealtypisch rein materialist ische soziale Systeme, die ihre Interakti onen aus-
schließli ch durch finanziel le Anreize regeln, kommunizier en Warenfeti sche, die als
Als-ob der sozialen Interakti on und Beziehung gelten sollen - solche Systeme sind
nicht nur entmenschl icht, weil sie für das vom Menschen Gewollte lediglich fremd-
bestimmten Ersatz anbieten , sondern sie erreiche n auch ihr erklärte s Ziel nicht, weil
sie nicht den allgemein en Wohlstand fördern, sondern zunehmend Individuen von
der wirtschaftl ichen Marktteil nahme ausschließe n.
- Romantische soziale Systeme, die idealistisch bloße Vorstellu ngen behaupte n und
keine Daseinsbewält igung erreiche n, erfülle n die Intention eines sozialen Systems
ebenfall s nicht - sie können nicht stabil sein, weil nur die authenti sche Aktivieru ng
von Potentie llem, d. h. die Verbindu ng von Wirklichk eitsvorstel lung und Daseins-
bewältigu ng mit symbolischen Werten und Identität, dem von Menschen Gewoll-
ten entsprich t.
Schlußfolg erungen :
Soziale Systeme sind instabil, sie verfehle n ihre Intention materialist isch oder idea-
listisch, werden paradox und lösen sich schließli ch auf, wenn sie nicht durch über-
geordnete Struktur en Hilfe erfahren bzw. eigenstän dig Leadership hervorbri ngen.
Selbstübe rlassen unterli egen Individuen zufällige n Identitätsan geboten und soziale
Gemeinschaf ten bleiben hinter ihren Möglichkei ten zurück. Mit Leadership, mit der
Vermittl ung des "nächsten Schrittes" , wird dagegen innerhal b der sich unwillkü r-
lich bildenden sozialen Systeme eine aktualisie rte Verbindu ng zwischen Daseinsbe-
wältigung und Wertvorstel lungen konkret angeboten .
Bezogen auf den Bereich der berufli chen Bildung und des Wirtschaftsl ebens bedeu-
tet dies, daß für die aktive Zukunftsg estaltung spezifische Gemeinschaf ten gebildet
werden müssen, soziale Systeme, die Daseinsbewält igung erreiche n und dabei
Wertvorstel lungen entwickel n und oder vermittel t bekommen, die das Bisherige
berücksich tigen und die zugleich aktuelle n Anforderun gen genügen und den un-
terschiedl ichen Herkunf tsmilieus eine gemeinsame Identitätse rweiteru ng erlauben .
Die individuel le Wahrnehmun g der Welt entsteht als Projektion des Potentie llen,
sie wird als Vorstellu ng der Welt und des Selbst erfahren und interakt ionell auf
Symbolmärkte n präzisiert , verhandelt und bezüglich ihrer Wirklichk eitswahrne h-
mung und Nähe zum menschliche n Potentie llen optimiert . Analog dieser Struktur
verbindet Leadership verschieden e Offerte n der Wirklichk eitsvorstel lung und des
Selbstverst ändnisses und behaupte t eine Innovation in Form eines integri erenden
Gesamtverstän dnisses und einer dadurch erreichb aren Daseinsbewält igung, die er-
folgreich sein wird, wenn sie das Bisherige aufgreif t, dadurch verständlich ist und
individuel l akzeptier t bzw. übernommen werden kann, und wenn sie der Realität
ausreichen d entsprich t.
Leadership ist Marktführ erschaft innerhal b der jeweilige n Symbolmärkte - sie ist
immer essentiel l, weil von ihr die Effizienz des Momentanen und die Entwicklun g
des Kommenden abhängen. Führung ist wirksam, wenn sie analog der Bewußts-
einsstruk tur bzw. des Menschliche n aufgebaut ist - der Erfolg der Führung hängt
vom durch sie aktiviert en und kumulier ten Potentie llen ab, d. h. einersei ts vom
Umfang der durch sie erreicht en Wirklichk eitswahrne hmung und Daseinsbewält i-
gung und anderersei ts von der Integrati onskraft und der Intensität des dadurch in
den jeweilige n Gemeinschaf ten bzw. sozialen Systemen erreicht en Menschenbi ldes.
5. - Intellig enz und Innovationsfäh igkeit sind an das Menschliche gekoppel t -
Zukunftse ntscheiden d ist eine fortlaufe nde Verknüp fung bisherig er (konventi onel-
ler) und neuer (postkonven tionelle r) Daseinsbewält igungsstr ategien mit konventio-
nellen und postkonvent ionellen Wertvorstel lungen - das jeweils relevante Erken-
nen und die Verbindu ng dieser "vier Bereiche" kann nur gelinge n, wenn das
menschliche Potentie lle aktiviert wird, d. h. eine Interakti onsweise bzw. ein soziales
System vorliegt, das Vertraue n rechtfer tigt und deshalb das vom Menschen Ge-
wollte bewußt macht und entfalte t.
Empirischer Befund:
- Ohne Aktualisie rung der Daseinsbewält igung und des Selbstverst ändnisses hat
kein soziales System Bestand, weil ohne die Wahrnehmun g der Veränderu ng lang-
fristig weder wirtschaftl iches Überlebe n noch ein als authenti sch erfahren er Le-
bensvollzug erreichb ar sind.
- Soziale Systeme verliere n ihre Leistungsf ähigkeit jedoch auch dann, wenn sie ver-
meintlich e Veränderu ngen direkt überneh men und nicht ihr jeweilige s mentales
und materiell es Potentie lles realisier en.
- Soziale Systeme sind jedoch vital, wenn sie analog der Bewußtsein sentstehu ngs-
bedingun gen aufgebaut sind, d. h. die individuel le Wahrnehmun g durch ein au-
thentisch es Zu-sich-sel bst-Verh alten (Selbstver trauen) erreicht wird und interakt io-
nell adäquate, effizien te und innovative Daseinsbewält igungsstr ategien ermittel t
werden können, weil dadurch Gewalt überwunde n, Vertraue n begründe t, das Po-
tentiel le aktivierb ar und demzufolge Gemeinschaf t vorhanden ist.
Schlußfolg erungen :
Menschen nehmen Welt als Bedeutung wahr, als symbolische Werte, die gemein-
schaftlich zu komplexen Wirklichk eitsannahme n ausgebaut werden und innerhal b
derer soziale Systeme entstehe n, die zwischenmensch lich oder institut ionell ausge-
formt sein können. Dieses "äußere" gesellschaf tliche Geschehen entsprich t den "in-
neren" Bedingung en für die Entstehun g des Bewußtsein s, weil Bewußtsein sinhalte
Projektion en des individuel len Potentie llen sind, mittels derer Wirklichk eit vorge-
stellt und innerhal b derer Beziehung en angestreb t werden, um Daseinsbewält igung
und ein menschgemäße s (menschenwü rdiges) Leben zu erreiche n - Leben ist per se
ein "Marktgesch ehen", weil Menschen als Menschen leben wollen müssen und sie
deshalb Optionen der Realitätswahr nehmung und des Sinnhafte n verhandeln und
verbinden , um Identität zu entwickel n, um ihr Potentie lles in der Welt zu verge-
genwärtig en, um nicht bloß zu existier en, sondern zu sein.
Bewußtsein skonstitut iv entstehe n soziale Systeme, die Resultat und zugleich Teil
eines Identitätsmar ktes sind, der letztlich die Minimieru ng der Gewalt zum Ziele
hat. Menschen thematisie ren ihre Identität und müssen die gewalthalt igen Wider-
sprüche zwischen Vision und Praxis, die Paradoxien innerhal b ihres jeweilige n
Welt- und Selbstverst ändnisses ermittel n und vermindern , und sie müssen Strategi-
en erschließ en, die eine Handhabung und schließli ch eine Überwindun g der kultur-
differen ten Gewalt erlauben - während die nach und nach erkannte n Widersprüch e
innerhal b eines sozialen Systems als Gegensatz zur Intention des jeweilige n sozia-
len Systems verständlich sind
1
, ist die Überwindun g der kulturdi fferent en Gewalt
schwierige r, weil sie nicht direkt, sondern nur mit einer gemeinsamen Weiteren t-
wicklung des Welt- und Selbstverst ändnisses benannt und überwunde n werden
kann.
Führung ist eine charismatisch begründe te und oder institut ionell abgesicher te In-
teraktion sform, die wirksam ist, weil sie den hier erläuter ten Struktur en des
Menschliche n genau entsprich t - wirksame Führung benennt momentane Paradoxi-
en des sozialen Systems (der Wirklichk eitswahrne hmung bzw. der Daseinsbewält i-
gung oder des Selbstverst ändnisses) und löst sie auf, und sie erreicht dabei Identi-
tätsoptione n, die auch kulturdi fferent e Gewalt mindern. Sie ist innerhal b der stets
stattfinde nden Identitäts- und Gewaltmärkt e attraktiv, weil sie Aktualisie rungen
der symbolischen Bezüge (Selbstver ständnis) und der Wirklichk eitswahrne hmung
(Daseinsbewäl tigung) behaupte t, die als vereinbar te Wirklichk eitsannahme eine
Gemeinschaf t begründe n können, wenn sie mit dem menschliche n Potentie llen kor-
respondier en, und die sich selbst verstärken d auf sozialen Systeme Einfluß nehmen
und gesellschaf tlich relevant werden, wenn die damit verbunden en Vorstellu ngen
mit der Realität ausreichen d überein stimmen.
Dementspre chend ist eine leistung sfähige Firma eine Gemeinschaf t, in der die
Wirklichk eitswahrne hmung auf die Aufgabenst ellung und Herausforde rungen des
Betriebe s fokussiert ist und die einem soziales System entsprich t, in dem durch die
Überwindun g von Gewalt soziale Kooperation erreicht wurde, durch die Vertraue n
begründe t ist und durch die Führung (Leadership ) effizien t wird, d. h. in der das
Potentie lle individuel l bewußt und eine Kumulation des relevante n Wissens und
dadurch ein funktion ierendes Wissensmanageme nt möglich wird.
6. - Gestaltun g sozialer Systeme erfordert Kenntni s des Menschen -
Menschliche s Leben muß Regeln folgen, die zumindest bedingt verstanden werden
können und genutzt werden müssen, weil das zeitlich fortlaufe nd in "Fließg leichge-
wichten" sich einstell ende individuel le Bewußtsein und die interakt ionell erreicht e
Wirklichk eitsvorstel lung und Daseinsbewält igung nicht regellos stattfinde n kann
und ein besseres Verständni s der "Wirkzusammen hänge des Menschliche n" eine
bewußter e Gestaltun g sozialer Systeme erlaubt.
1
Z. B. verstand sich eine bür gerliche Familie im späten 19. Jh. als Liebesgem einschaft, woraus sich
er gibt, daß Feindseli gkeiten inner halb einer Familie ihr em Selbstvers tändnis widerspr echen - im
Falle familiär er Feindseli gkeiten wür de die mit V erweis auf familiär e V erpflich tungen, Gefühle -
und V erantwort ung erzwunge ne familiär e Nähe genützt, um eine erst dur ch die Nähe mögliche
Geringsch ätzung und Schädigung einzelne r Familienm itgliede r , d. h. eine Distanzier ung, dur ch-
zuführ en. Das soziale System der Familie wür de in diesem Fall paradox und gewalthal tig, weil
sie eine Gemeinsch aft von Gemeinsch aftsfeindl ichen wür de.
Paradox, d. h. moralisch unzulässig und gewalthal tig, ist jede Form der "ungesel ligen Gesellig -
keit" (Begrif f von Immanuel Kant 1724-1804). Dies gilt selbstvers tändlich auch für Betriebe und
für alle ander en sozialen Systeme, inner halb der er die Beteilig ten aufeinand er angewiese n sind
und eine Schicksalsge meinschaft darstellen - dementspr echend ist der Erfolg einer Firma davon
abhängig, inwieweit die im Aufbau des sozialen Systems einer Firma enthalte ne Intention r eali-
siert wur de, d. h. inwieweit die Aktivier ung des individue llen Potentie llen stattfinde t und die
T eilhabe der Belegschaf t an den aktuelle n Herausfor der ungen der Firma Aktualisie r ungen der
Daseinsbewäl tigung und Gemeinsch aftsbildun g hervorbri ngen und V ertrauen , Sozialpartn er -
schaft, vor handen ist.
Empirischer Befund:
- Die zwischen Menschen stattfinde nde Interakti on ist nicht beliebi g, sondern be-
wirkt stets eine aktualisie rte Identitätsau sbildung und eine damit verbunden e
Wirklichk eitsvorstel lung und Daseinsbewält igung.
- Menschen neigen dazu, die interakt ionell jeweils dominanten Identitätsk onzeptio-
nen für einmalig und wahrhaftig zu halten, obwohl sie sich ständig ändern, wieder-
holen und nicht emphatisch wahr sind, sondern nur interakt ionell war gemacht
wurden.
- Die Entwicklun g eines Individuums und sozialer Systeme wird nicht durch die
Ausgangsbedi ngungen determini ert, sondern stets vom "Dazu-Verh alten", von der
Umgangsweise mit den Gegeben heiten entschiede n.
Schlußfolg erung:
Leben ist Aktualisie rung des Potentie llen, d. h. die immer wieder neue Vermittl ung
konvention eller und postkonvent ioneller Symbole und Daseinsbewält igungsstr ate-
gien, um Identität individuel l und innerhal b sozialer Systeme zu erreiche n und da-
mit als Mensch zu leben.
2
Dies bedeutet , daß Leben Innovation und Lebensvollzu g
Markt ist und beides sich nach "Gesetzen " ereigne t, die nicht direkt erkennb ar sind,
weil es für Menschen keine "Außenpe rspektive " gibt und sie in den sie bestimmen-
den Zusammenhänge n verfangen bleiben , die jedoch aus der bereits stattgefu nde-
nen Ideengeschi chte ermittel t werden können, weil das in der Veränderu ng Kon-
stante das Regelhaft e sein muß, das es zu ermittel n gilt.
Die Kenntni s der historische n "Selbstkon zeptionen des Menschen" (Ideengesch ich-
te) vertieft das Wissen um die aktuell gültige n Werte und trainier t jene Distanz ge-
genüber dem jeweils Konvention ellen, die für eine dem Menschen gemäße Anpas-
sung und Aktivieru ng des Potentie llen unbeding t notwendig ist. Führung , die akti-
ve Einflußn ahme, die das bloß passive Erdulden ersetzen soll, erfordert "Wissen
über den Menschen", und ist innerhal b sozialer Systeme für die Identitätse ntwick-
lung und die Daseinsbewält igung gleicher maßen unabdingb ar.
Leadership wird die Zukunft der sozialen Systeme und damit nicht nur die indivi-
duellen Möglichkei ten, sondern die Chancen ganzer Nationen und Völker entschei-
den.
© Dr . Martin Hilpert , 2005
2
Beispielsw eise war auch die Katholisch e Soziallehr e ein die katholisch e Konventio n überschr ei-
tender Ansatz, der im 19. Jh. erfor derlich wur de, um in der V eränder ung das essentiel l Konstan-
te, z. B. die Wür de des Menschen, dur ch eine neue Sichtweise und Methodik konkr et einzufor -
dern.
Fir me nk ult ur un d soz ial e Ko op era tio n:
Au ch die W irk lich kei tsa nn ahm e in Be trie ben ble ibt
fik tiv , we il soz ial e Sy ste me aus der Be wu ßts ein sst ruk tur
ent ste hen un d des hal b nu r ana log die ser "fu nk tio nie ren ".
Di es bed eut et, daß Be trie be po ten tie ll cha nce nre ich sin d,
we nn ihr e Int era kti on sbe din gu ng en Ide nti tät sm ärk te
beg ün stig en, d. h. ein e V ert rau en rec htf ert ige nd e
Ge me ins cha ft (so zia le Ko op era tio n) vor han den ist, du rch
die Po ten tie lle s akt ivi ert un d rel eva nte s W iss en
ku mu lie rt un d tra nsf eri ert wi rd, um mi t ein er jew eil s
ang epa ßte n Lea der shi p V ors tel lun gen zu prä fer ier en, die
int ern als wa hr beh aup tet we rde n un d die du rch den
Erf olg (am Ma rkt ) als rea l bes tät igt we rde n sol len .
Int era kti on ell er Ide nti tät sm ark t:
W irk lich kei tsv ors chl äge (An geb ote ) we rde n akz ept ier t,
we nn sie dem me nsc hli che n Po ten tie lle n ent spr ech en,
un d sie we rde n für wa hr geh alt en, we nn sie Da sei n
bew ält ige n, d. h. Be zug zur Re ali tät hab en.
Ind ivi du ell e W ahr neh mu ng :
Ni cht die Sin nes org ane , son der n das Ge hir n bri ng t die
W ahr neh mu ng her vor , d. h. die Pro jek tio n des
Po ten tie lle n erz eug t ind ivi du ell ein e vor ges tel lte W elt ,
die für rea l geh alt en wi rd, sol ang e die mi t der
jew eil ige n V ors tel lun g err eic hte W ahr neh mu ng der
V ors tel lun g zug eor dn et we rde n kan n.
Hervorbringung eines sozialen Systems
in einem Betrieb
Di ese lbe Str uk tur gil t für die En tste hu ng
des soz ial en Sy ste ms ein er Fam ilie , ein er
Ge me ins cha ft od er Ge sel lsc haf t.
T
r a
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s
f o
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B
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S
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s
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G
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ist die
Un
ter
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du
ng
die
ser
po
ten
tie
ll vom
Me
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