Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
1.1 Ziel dieser Arbeit 3
1.2 Vorgehensweise und Gliederung 3
1.3 Ausgangspunkt und Quellen 4
2 KRAFTTRAINING IM RADSPORT 4
2.1 Krafttraining als Vorbereitung und Ausgleich 4
2.2 Training mit allgemeinen Mitteln 5
2.3 Spezifisches Krafttraining 6
3 TRAINING IM KINDES- UND JUGENDALTER 6
3.1 Probleme und Gefahren beim Nachwuchstraining 6
3.1.1 Bedingte Trainierbarkeit von Jugendlichen 6
3.1.2 Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Nachwuchsathleten 7
3.1.3 Gefahr der Überbelastung 8
3.2 Radsporttraining in den Nachwuchsklassen 8
3.2.1 Langfristiger Leistungsaufbau 8
3.2.2 Das Phänomen der „Quereinsteiger“ 9
4 SANFTES KRAFTTRAINING IM NACHWUCHSRADSPORT 9
4.1 Das Modell des „sanften Krafttrainings“ 9
4.2 Anwendung auf den Radsport 10
4.3 Eventuelle Probleme 11
5 FAZIT 11
6 LITERATUR 13
2
1 Einleitung
1.1 Ziel dieser Arbeit
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Krafttraining in der Trainingsplanung von Radsportlern in den Nachwuchsklassen. Hiermit sind in diesem Text alle Altersklassen bis zum Juniorenalter (U19) gemeint - die Altersklasse „Espoirs“ (U23) stellt zwar per definitionem auch eine Nachwuchsklasse dar, die im Folgenden erörterte Problematik, trifft jedoch nur auf minderjährige Sportler zu. Die gezielte Durchführung von Krafttraining bei jungen Radsportlern ist unter Trainern und Übungsleitern umstritten und wird kontrovers diskutiert, da sie einige Probleme und Gefahren birgt. Andererseits ist das Erreichen von hohen und höchsten Leistungen im Radsport ohne vorbereitendes Krafttraining heutzutage nicht mehr möglich, zudem spricht vieles dafür, dass richtig durchgeführtes Training muskulären Dysbalancen und Verletzungen vorbeugt. Um sich die angesprochenen Vorteile des Krafttrainings zunutze machen zu können, ohne jedoch Risiken einzugehen, scheint das Modell des sogenannten „sanften Krafttrainings“ geeignet. Dieses Konzept auf den Radsport anzuwenden ist das Ziel des folgenden Textes.
1.2 Vorgehensweise und Gliederung
Zunächst wird auf die Rolle des Krafttrainings in den Radsportdisziplinen eingegangen. Dargestellt wird einerseits seine Bedeutung für den stetigen Leistungsaufbau der Athleten bis hin zum Höchstleistungsalter, sowie andererseits die vorbeugenden Wirkungen des Krafttrainings in Bezug auf Verletzungen und Haltungsschäden. Hierbei wird Bezug auf Besonderheiten der Trainingsmethodik im Radsport genommen und auch ein Blick auf das spezifische Training der Kraft mit dem Rad selbst geworfen.
Kapitel drei beschäftigt sich mit der Problematik der Trainierbarkeit von Kindern und Jugendlichen allgemein, sowie dem Training in den Radsport-Nachwuchsklassen im Speziellen. Diese Aufteilung erschien notwendig, da zwischen den biologischen beziehungsweise physiologischen Gegebenheiten der Sportler, sowie der üblichen Trainingspraxis und dem Wettkampfsystem bisweilen ein breiter Graben klafft, auf den es einzugehen gilt, will man den Realitätsbezug nicht aus den Augen verlieren.
3
Im letzten Kapitel wird zunächst das sanfte Krafttraining in seiner Konzeption vorgestellt. Daraufhin wird versucht, die gewonnenen Erkenntnisse auf die Praxis des Radsporttrainings anzuwenden, dabei seine Vorteile beizubehalten und die grundlegenden Probleme von Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen so zu umgehen. An dieser Stelle sei noch daraufhin gewiesen, dass im Text aus praktischen Gründen stets die maskuline Form gewählt wurde, wenn von Sportlern beiden Geschlechts die Rede ist.
1.3 Ausgangspunkt und Quellen
Die Anregung zur Anfertigung dieser Arbeit entstand aus dem langjährigen Dialog mit verschiedenen Radsporttrainern. Insbesondere die von mir besuchten Seminare zur Lizenzstufe „Trainer C“ in der Landessportschule Albstadt im Laufe des Jahres 2005 haben gezeigt, dass auf dem Feld des Krafttrainings bei den Übungsleitern noch vielfach Klärungsbedarf herrscht. Auch in meiner eigenen „Lehrzeit“ als Nachwuchsradsportler wurde ich diesbezüglich mit verschiedenen - teilweise widersprüchlichen - Konzepten konfrontiert. Die Abschnitte über spezifisches Radsporttraining in Kapitel zwei basieren weitgehend auf dem gleichnamigen Standardwerk von Lindner. Sie finden sich sinngemäß auch in den Empfehlungen des Bundes Deutscher Radfahrer wieder und werden in den Übungsleiterausbildungen an die Landes- und Vereinstrainer weitergegeben. Die Grundlagen bezüglich jugendgerechtem Training basieren - sofern nicht anders angegeben - auf dem Standardwerk von Martin et al. Das Konzept des sanften Krafttrainings wurde 1992 von Buskies entwickelt. Neuere Publikationen untermauern die Ergebnisse seiner ersten Untersuchungen, am Trainingsprinzip selbst hat es seitdem keine Veränderungen gegeben. 1
2 Krafttraining im Radsport
2.1 Krafttraining als Vorbereitung und Ausgleich
Das Krafttraining erfüllt im Radsport zweierlei Aufgaben. Zum Einen stellt es eine wichtige Grundlage für die Wettkampfleistung der Athleten dar. Der Straßenradsport ist - abgesehen vom Rudersport - diejenige Disziplin unter den Ausdauersportarten, in welcher die Athleten die höchsten Kraft- und Kraftausdauerleistungen erbringen müssen, um erfolgreich sein zu können.
1 Inhaltlich ist in diese Arbeit nur der Text von Buskies (2001a) eingeflossen. Trotzdem sind im Literaturverzeichnis weitere
Publikationen des selben Autors zum gleichen Thema aufgeführt, um den aktuellen Forschungsstand zu dokumentieren. Diese
Texte stehen jeweils in einer eckigen Klammer.
4
In anderen Disziplinen wie dem Bahn- oder Querfeldeinradsport ist der benötigte Kraftanteil sogar noch höher - auf deren spezielle Trainingsanforderungen kann an dieser Stelle jedoch nicht eingegangen werden. Lindner schätzt die Bedeutung des Krafttrainings derart hoch ein, dass er zu dem Schluss gelangt, dass ein Radsportler um Spitzenleistungen erbringen zu können „...vor allem sein Kraftpotential vergrößern [muss]“ (Lindner, 2000, S. 134). Hieraus zu folgern, dass es nötig sei möglichst früh mit dem Training der wettkampfrelevanten Kraftleistung zu beginnen ist aus verschiedenen Gründen, die später angeführt werden jedoch nur bedingt richtig. Vielmehr gilt es, die Nachwuchsathleten auch im Krafttraining frühzeitig auf die späteren hohen Anforderungen vorzubereiten - was in jungen Jahren allerdings nicht unbedingt Training an Maschinen oder mit schweren Gewichten bedeutet. Abgesehen von der Leistungsentwicklung kommt dem Krafttraining im Radsport auch eine präventive Rolle zu. Der Einfluss den die Muskulatur des Oberkörpers auf die Wettkampfleistung hat ist vergleichsweise gering und gerade deswegen wird ihr Training von Radsportlern häufig vernachlässigt. Da auf den Oberkörper und Rücken der Athleten bei der Tretbewegung jedoch hohe Kräfte wirken, besitzt das Krafttraining jenseits von der Ausprägung der Leistung auch eine wichtige Bedeutung für die (lebens-) lange Gesundheit der Sportler. Dies ist ein Grund bereits früh entsprechende Einheiten in das Training der Jugendlichen aufzunehmen, bevor überhaupt Schäden entstehen können.
2.2 Training mit allgemeinen Mitteln
Unter Krafttraining mit allgemeinen Mitteln wird im Radsport jedes Training verstanden, welches nicht auf dem eigentlichen Sportgerät erfolgt. Dieser Bereich beginnt bereits bei Sportarten mit vergleichsweise geringen Kraftleistungen: Schwimmen oder Skigymnastik stellen für die bei den meisten Radsportlern eher schwach ausgeprägte Oberkörpermuskulatur bereits ein Kraftausdauertraining dar. In vielen Vereinen ist es außerdem gebräuchlich, ein Hallentraining anzubieten, in dem neben Dehnübungen und Spielsportarten auch Kraftausdauergymnastik, zum Beispiel in Form von Zirkeltraining, durchgeführt wird. Hierbei spielen vor allem Übungen mit dem Körpereigengewicht (wie Liegestütz) oder mit Turngeräten (Barren, Reck) eine Rolle.
Je höher die im Training angestrebte Kraftleistung ist, desto mehr tritt das „klassische“ Krafttraining in den Vordergrund, bei welchem im Kraftraum oder Fitnessstudio an Maschinen oder mit freien Hanteln trainiert wird.
5
Dieses Training ist als solches durch nichts zu ersetzen, da seine hohe Belastungen mit anderen Methoden nicht erreicht werden können und durch die Wahl der Gewichte außerdem eine absolut individuelle Belastungssteuerung möglich ist. Im Radsport ist es üblich alle oben genannten Trainingsmethoden aus Gründen der Saisongestaltung und der Witterung so gut wie ausschließlich im Winterhalbjahr durchzuführen. In Bezug auf die Ausbildung der wettkampfrelevanten Kraft der Beinmuskulatur ist dies trainingsmethodisch sinnvoll, hinsichtlich des ausgleichenden Oberkörpertrainings - zumindest bei Nachwuchssportlern - fragwürdig.
2.3 Spezifisches Krafttraining
Spezifisches Krafttraining bezeichnet Training auf dem Fahrrad selbst, bei dem die spezielle Kraft trainiert wird, die im Radsport beim Spurt, beim Fahren mit hohen Übersetzungen und beim Bergauffahren benötigt wird. Solange die von den Verbänden vorgeschriebenen Übersetzungsbeschränkungen im Nachwuchsbereich eingehalten werden, ist das Verletzungs- und Überlastungsrisiko hier klein.
Bei jungen Fahrern sollte - speziell bei langen Bergauffahrten - trotzdem auf die Wahl einer angemessen kleinen Übersetzung geachtet werden. Abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt, ist das Training der Kraft im Nachwuchsbereich noch nicht effizient möglich und daher nur bedingt sinnvoll, worauf im folgenden Kapitel eingegangen wird.
3 Training im Kindes- und Jugendalter
3.1 Probleme und Gefahren beim Nachwuchstraining
3.1.1 Bedingte Trainierbarkeit von Jugendlichen
Abgesehen vom Aspekt der Gesundheitserhaltung ist beim Umgang mit Nachwuchssportlern zu bedenken, dass sich Trainings- und Leistungsaufbau von Erwachsenen nicht einfach auf die jüngeren Organismen und deren geringeres Leistungsvermögen übertragen lassen. Selbst wenn ein Trainer - hypothetisch gedacht - bar aller moralischen Überlegungen versuchen sollte, seinen jungen Schützling ohne Rücksicht auf dessen Gesundheit auf Höchstleistungen zu trimmen, so wäre Krafttraining wie bei Erwachsenen nicht der Schlüssel zum Erfolg. Jugendliche besitzen nicht nur eine geringere Leistungsfähigkeit als Erwachsene, sondern können ihr Training durch die hormonellen Unterschiede noch nicht auf gleiche Weise kompensieren wie Erwachsene. Insbesondere Trainingseinheiten im laktaziden und kraftintensiven Bereich bringen sehr viel weniger Anpassungserscheinungen mit sich, als bei Sportlern, deren körperliche Entwicklung komplett abgeschlossen ist.
6
Selbst wenn ein hartes Krafttraining also im besten Falle keine negativen Folgen mit sich brächte, so wäre es bis zu einem gewissen Alter schlichtweg als verlorene Zeit anzusehen, da im Training andere Reize gesetzt werden sollten, die bei den Nachwuchsradsportlern eine sehr viel schnellere und bessere Adaption hervorrufen würden. Hier muss selbstverständlich zwischen den verschiedenen Krafttrainingsarten unterschieden werden: von Beginn an sollte die Ausbildung der jungen Sportler „in die Breite“ gehen, also Vielseitigkeit gewähren. Die in Kapitel 2.2 angesprochenen Trainingsmittel bieten sich hier hervorragend an, um Ausgleich zur Hauptsportart zu schaffen. Spezifisches Krafttraining, sowie Training mit hohen Widerständen machen aus oben genannten Gründen jedoch wenig Sinn.
3.1.2 Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Nachwuchsathleten
Beim Training der Kraft kommen die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Nachwuchsathleten noch stärker zum Tragen, als in anderen Trainingsbereichen. Ein Problem, dem Frauen häufig gegenüberstehen, trifft auf Mädchen noch stärker zu: Krafttraining sinnvoll zu gestalten fällt mitunter schwer, da die Körperkraft der Frauen durch ihren biologisch bedingt geringen Muskelanteil am Körper geringer ist als die der Männer und deshalb viel schneller eine Überbelastung eintreten kann.
Durch den früheren Eintritt in die Pubertät liegen die „sensiblen Phasen“ des Körpers bei Mädchen entsprechend früher als bei Jungen. Als sensible Phasen werden bei Kindern und Jugendlichen Zeiträume bezeichnet, in denen einzelne Leistungsfaktoren aus biologischen Gründen besonders gut trainierbar sind. 2 Für die Kraft wäre das bei Jungen das Alter zwischen ca.16 und 19 Jahren, bei Mädchen zwischen ca. 15 und 18 Jahren. Dies ist jedoch nur schwer auf das Individuum übertragbar, da sich jeder Jugendliche völlig unterschiedlich entwickelt - im Zweifel können Ärzte oder Physiotherapeuten dabei helfen, das „biologische Alter“ der Nachwuchssportler zu bestimmen, welches Aufschluss darüber gibt, wie weit der jeweilige Organismus tatsächlich - unabhängig von seinem Lebensalterentwickelt und daher belastbar ist.
Eine biologische Besonderheit bei Sportlerinnen soll an dieser Stelle noch Erwähnung finden, wenn sie hier auch nicht in angemessener Ausführlichkeit besprochen werden kann. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die muskuläre Disposition eines Sportlers in Richtung Ausdauer, oder Schnelligkeit von der genetischen Veranlagung bestimmt und daher nur sehr begrenz veränderbar ist. Insbesondere die Schnellkraft gilt als schwer trainierbar.
2 Eine Tabelle, die alle sensiblen Phasen genau auflistet, findet sich bei Merkl (2005).
7
Durch stoffwechselbedingte Besonderheiten ist es jedoch möglich, weibliche Athletinnen in der schnelligkeitssensiblen Phase vor der Pubertät - also im Durchschnitt zwischen 10 und 13 Jahren - hinsichtlich ihrer Schnellkraft zu trainieren und ihre Muskelzusammensetzung zu beeinflussen, bevor sich diese in der Pubertät stabilisiert. Daher empfiehlt es sich, bei Mädchen im entsprechenden Alter verstärkt schnelligkeitsorientierte Reize zu setzen - es kann davon ausgegangen werden, dass so gute Anpassungen erzielt werden, die sich später nicht mehr nachholen lassen.
3.1.3 Gefahr der Überbelastung
Die im bisherigen Text bereits mehrfach angesprochene kritische Haltung, die viele Trainer dem Krafttraining im Nachwuchsbereich gegenüber einnehmen ist aus gesundheitlicher Sicht durchaus berechtigt. Besonders in Wachstumsphasen kann falsches, das heißt zu hartes, oder technisch schlecht ausgeführtes Krafttraining zu irreparablen orthopädischen Schäden besondere im Bereich der Wirbelsäule führen. Dies sollte jedoch eher dazu führen, dass auf die richtige Durchführung des Trainings geachtet wird, als es ganz zu streichen. Kein Trainer sollte sich hier scheuen, die Hilfe von Spezialisten aus dem Kraft- und Fitnessbereich zu Rate zu ziehen, wenn er sich nicht kompetent genug fühlt.
Auch Faustregeln wie „kein Training mit ‚Eisen’ vor dem 17. Lebensjahr“ wie sie in der Radtrainerwelt kursieren sind eher bedingt hilfreich. Zwar lässt sich so vermeiden, dass Sportler zu früh zu hart trainieren: der Fokus wird jedoch weg von der richtigen Durchführung der Übungen - welche selbstverständlich auch nach dem 17. Lebensjahr wichtig ist - auf das Lebensalter gerichtet.
Dass das Alter nur ein grober Anhaltspunkt sein kann wurde in Kapitel 3.1.2 bereits erörtertein vom Wuchs retardierter männlicher Sportler kann sich durchaus auch mit 17 Jahren noch in einer Phase befinden, in der Krafttraining riskant wäre. Wer also als Trainer anhand solch einfacher Weisheiten eine Trainingsplanung gestaltet, verschenkt viel Potential, welches die betreuten Athleten durch richtig durchgeführte Kräftigungsübungen ausschöpfen könnten.
3.2 Radsporttraining in den Nachwuchsklassen
3.2.1 Langfristiger Leistungsaufbau
Dass Krafttraining eine nötige Komponente des Leistungsaufbaus darstellt, um als Radsportler seine Möglichkeiten ausschöpfen zu können, wurde bereits mehrfach betont. Dass es außerdem nötig ist, die Gesundheit der Athleten auf lange Sicht zu erhalten und Überlastungsschäden zu vermeiden steht außer Frage. Somit wäre noch zu erörtern, welchen Platz das Krafttraining nun tatsächlich im Leistungsaufbau von jungen Radsportlern einzunehmen hat.
8
Hier darf nicht aus den Augen verloren werden, dass die Kraft - wenn auch eine wichtigeso doch nur eine Komponente unter vielen ist, die sich letztendlich zur Leistung im Wettkampf zusammenfügen. So ist es für einen Radsportler keinesfalls nötig, bereits in jungen Jahren eine direkte Leistungsgrundlage für späteres Training im Kraftraum zu legen, da dieses weit weniger intensiv ausfallen wird, als in anderen Sportarten. Für die Praxis kann die Empfehlung gegeben werden, nicht vor dem Einsetzen der Pubertät mit lastenorientiertem Krafttraining zu beginnen, da sich vor dieser Entwicklungsphase ohnehin kaum nennenswerte Erfolge einstellen würden. Viel wichtiger ist es, die Sportler vielseitig zu schulen, weshalb es empfehlenswert ist typische „Winterübungen“ wie Gymnastik in der Halle - ein allgemeines Kräftigungstraining, welches nicht unbedingt auf eine hohe Last, als vielmehr einen athletischen Ausgleich abzielt - auch während der Wettkampfsaison, also im Sommer in das Training zu integrieren. Viel zu oft rückt die kurzfristige Leistung der Sportler in den Mittelpunkt, wobei übersehen wird, dass das wirkliche Hochleistungsalter im Radsport deutlich jenseits der 20 liegt.
3.2.2 Das Phänomen der „Quereinsteiger“
Hierdurch lässt sich auch das Phänomen erfolgreicher „Quereinsteiger“ im Radsport erklären. Es lässt sich beobachten, dass Athleten, die mit dem Radsport selbst erst recht spät - also erst nach der Pubertät - beginnen, zuvor jedoch intensiv andere Sportarten betrieben haben, häufig erfolgreicher sind als jene, die von Kindesbeinen an auf dem Rad saßen. Dies lässt den Schluss zu, dass die wirklich relevanten physischen Faktoren für eine erfolgreiche Radsportkarriere noch nach der Pubertät ausgebildet werden können, da bis zum Hochleistungsalter in diesen Fällen immer noch mindestens zehn Jahre Zeit bleiben. Viel wichtiger erscheint eine breite athletische Ausbildung in frühester Jugend zu sein, die Komponenten wie Körpergefühl, Athletik und eine vielseitige Kräftigung des Körpers garantiert. Daher kann nur empfohlen werden, Kinder, die direkt mit dem Radsport beginnen, so vielseitig wie möglich zu trainieren und zu gewährleisten, dass sie neben dem Radfahren noch andere Sportarten betreiben.
4 Sanftes Krafttraining im Nachwuchsradsport
4.1 Das Modell des „sanften Krafttrainings“
Das Modell des sanften Krafttrainings, welches in dieser Form von Wolfgang Buskies entwickelt wurde und im Folgenden vorgestellt wird, kann einen hervorragenden Beitrag dazu leisten, das Krafttraining im Nachwuchsbereich allgemein und insbesondere im Radsport effizienter und auch gesünder zu gestalten.
9
Das Krafttraining ist in der Praxis derart zu gestalten, dass es nicht über Kennziffern (zum Beispiel „x Wiederholungen mit je y Kilogramm Hantelgewicht“), sondern über das subjektive Belastungsempfinden gesteuert wird. Der Athlet absolviert also ein klassisches Krafttraining - zum Beispiel mit Hanteln, oder an Kraftmaschinen - jedoch in einem Bereich, der von ihm als „angenehm“ empfunden wird und auch nicht bis zur völligen muskulären Erschöpfung, wie sonst häufig empfohlen wird.
Buskies konnte in seiner Studie nachweisen, 3 dass ein derart gestaltetes Training viele Vorteile mit sich bringt. So liegt eine geringere Belastung des Bewegungsapparates vor, was zur Folge hat, dass das Risiko von Überbelastungen und Verletzungen sinkt. Das Training ist insgesamt weniger intensiv und als Folge sowohl für junge Athleten und Athleten mit geringer Kraftleistungsfähigkeit - wie beispielsweise Frauen und Mädchen - besser geeignet, da diese das leichtere Training besser absolvieren und kompensieren können. Zudem sind die Regenerationsphasen im Vergleich zu einem herkömmlichen Training, welches bis zur Ausbelastung durchgeführt wird deutlich kürzer. Durch die niedrigere Ausschüttung von Stresshormonen war bei allen Probanden eine höhere Motivation und eine geringere psychische Anstrengung während des Trainings festzustellen. Trotz der eher niedrigen Belastung konnte bei den Trainierenden in der Studie nach acht bis zehn Wochen ein signifikanter Kraftzuwachs festgestellt werden.
4.2 Anwendung auf den Radsport
Die Vorteile die das vorgestellte Konzept bietet, lassen sich im Radsporttraining hervorragend nutzen. Der einzige „Nachteil“, den das sanfte Krafttraining gegenüber konventionellem Training hat, liegt im geringeren Kraftzuwachs, der in der niedrigeren Belastung gründet.
Da das Krafttraining im Radsport - insbesondere in den Nachwuchsklassen - ohnehin nur vorbereitend und begleitend zum restlichen Trainingspensum durchgeführt wird, kann dieses Problem vernachlässigt werden. Richtig durchgeführt ist das sanfte Krafttraining ungefährlicher: sowohl die Verletzungsgefahr als auch die Gefahr von Überlastungen wird für junge Radsportler minimiert. Die jungen Athleten können sich vielmehr auf das Erlernen der richtigen Technik konzentrieren, um diese dann in fortgeschrittenerem Alter dann mit größerer Belastung umzusetzen.
3 Siehe: Buskies (2001a)
10
Durch die kürzeren Regenerationszeiten kann das Krafttraining so auch ganzjährig ins Training integriert werden, ohne dass die Einheiten auf dem Fahrrad zu kurz kommen, wie dies der Fall wäre, wenn sich die Sportler nach intensiven Krafteinheiten lange erholen müssten. Durch die im Vergleich zu konventionellem Krafttraining geringere Stressbelastung fällt außerdem die Motivation zum Training leichter, was für junge Sportler besonders von Bedeutung ist, da diese sich generell lieber im Freien aufhalten und das Krafttraining deswegen scheuen.
4.3 Eventuelle Probleme
Für den Praxisbezug stellt es sich als problematisch dar, dass vielen Radsporttrainern bereits für konventionelles Krafttraining an Kompetenz mangelt und das sanften Krafttraining für sie völliges Neuland darstellt. Den Athleten das Gefühl für die richtige Trainingsintensität zu vermitteln bedarf jedoch einiger Erfahrung. Dieses Problem lässt sich nur dadurch lösen, dass die Radsporttrainer auch im Bereich Krafttraining entsprechend geschult werden, oder dass Trainer aus dem Fitnessbereich - eventuell im Rahmen von Workshops oder ähnlichem - miteinbezogen werden. In der Praxis dürfte letzteres alleine aus Kostengründen kaum umsetzbar sein.
Weiterhin ist es problematisch, dass besonders Kinder dazu neigen sich beim Sport auszutoben und „bis zum Umfallen“ zu trainieren. Auf dem Fahrrad hat das kaum negative Folgen, von unspektakulären Folgeerscheinungen wie Muskelkater einmal abgesehen. Für das sanfte Krafttraining ist es jedoch von zentraler Bedeutung, dass die Einheiten gerade nicht an der Belastungsgrenze durchgeführt werden. Um dies tatsächlich zu gewährleisten, bedarf es besonders zu Beginn des Trainings einer individuellen Kontrolle durch den Trainer. Sollte dieser bei einzelnen Sportlern feststellen, dass sie das Krafttraining trotz Anleitung grundsätzlich zu intensiv betreiben, empfiehlt es sich, bis auf weiteres darauf zu verzichten, um Folgeschäden vorzubeugen.
5 Fazit
Ausgehend von der Fragestellung wurde im Text das Thema Krafttraining im Nachwuchsradsport erörtert. Dabei konnte gezeigt werden, dass es zwar richtig ist die entsprechenden Trainingseinheiten mit Bedacht und Vorsicht zu planen und durchzuführeneine generelle Ablehnung scheint aber unbegründet. Krafttraining ist für junge Radsportler nötig, wenn sie sich an die Leistungsspitze vorarbeiten wollen und auch für weniger ambitionierte Athleten sinnvoll, um einen Ausgleich zur einseitigen Belastung auf dem Fahrrad zu schaffen.
11
Dass bei der Planung Rücksicht auf die besonderen Gegebenheiten junger Sportler genommen werden muss steht außer Frage, was zur Folge hat, dass man die Nachwuchsradfahrer beim Krafttraining zumindest zu Beginn betreuen und kontrollieren muss - dies ist zeitintensiv und erfordert auch einige Kompetenz. Für die speziellen Anforderungen des Nachwuchsradsports erscheint das Konzept des sanften Krafttrainings hier geradezu ideal, da bei richtiger Durchführung fast alle Probleme die ein konventionelles Krafttraining mit sich bringt umgangen werden können. Die Überlastungs- und Verletzungsgefahr wird minimiert und das Training kann auch von leistungsschwächeren Athleten sinnvoll durchgeführt werden. Trotzdem sind für die Praxisanforderungen der Sportart ausreichende Leistungsentwicklungen zu erwarten. Es scheint daher für jeden Radsporttrainer empfehlenswert, sich mit dem sanften Krafttraining auseinander zu setzen, um diese sinnvolle Konzeption auch in der Praxis anwenden zu können.
12
6 Literatur
[ Buskies, W. (1992). Sanftes Krafttraining - unter besonderer Berücksichtigung des subjektiven Belastungsempfindens. Köln: Sport und Buch Strauß. ] 4 Buskies, W. (2001a). Zur Bedeutung des sanften Krafttrainings nach dem subjektiven Belastungsempfinden. Sportwissenschaft, 31, S. 45-60.
[ Buskies, W. (2001b). Die Bedeutung des subjektiven Belastungsempfindens bei der Trainingssteuerung im Krafttraining. In: Baumann, H. & Freiberger, E. (Hrsg.): Vom Wettkampfsport zum Gesundheitssport. Köln: Sport und Buch Strauß. 125-139. ] [ Buskies, W. & Boeckh-Behrens, W.-U. (2004). Keine Angst vor sanftem Krafttraining. Trainermagazin, 2, 35-37. ]
Frey, G. & Hildenbrandt, E. (2002). Einführung in die Trainingslehre (2. erweiterte und überarbeitete Auflage). Schorndorf: Hofmann.
Lindner, W. (2000). Radsporttraining (3. Auflage, Neuausgabe). München: blv. Martin, D., Nicolaus, J., Ostrowski, C. & Rost, K. (1999). Handbuch Kinder und Jugendtraining. Schorndorf: Hofmann. Merkl, Dr. C (2005). Trainings-Plan. Tour, 12/05, S.26f.
[ Reuter, K. & Buskies, W. (2001). Zu den Effekten eines sanften Krafttrainings bei Kindern und Jugendlichen. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 52, 7/8, 27. ]
4 Siehe: Fußnote 1
13
Arbeit zitieren:
Uli Theobald, 2006, Sanftes Krafttraining im Nachwuchsradsport?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Uli Theobald hat den Text Sanftes Krafttraining im Nachwuchsradsport? veröffentlicht
Uli Theobald hat einen neuen Text hochgeladen
Körperliche Fitness durch Krafttraining in der Sporthalle
100 Übungen für ein gesundheit...
Andreas Neumann, Reinhard Wolpers
Die besten Übungen und Methode...
Wend-Uwe Boeckh-Behrens, Wolfgang Buskies
Grundlagen, Methoden, Übungen,...
Hans Ehlenz, Manfred Grosser, Elke Zimmermann
Krafttraining mit Seilzug- und Fitnessgeräten
Die effektivsten Übungen unter...
Jürgen Buchbauer
0 Kommentare