Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG 3
2 DEUTSCHLAND NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG. 3
2.1 DIE POLITISCHE AUSGANGSLAGE IN DEUTSCHLAND. 3
2.2 DIE AUFLÖSUNG DES FRONTHEERES. 4
2.3 DIE AUFSTELLUNG DER FREIKORPS 5
3 DARSTELLUNG DER FREIKORPS. 7
3.1 DIE ORGANISATION DER FREIKORPS. 7
3.2 DIE SOZIALE ZUSAMMENSETZUNG INNERHALB DER KORPS. 8
3.3 DER FREIKORPSGEIST 10
4 DAS WIRKEN DER FREIKORPS IN DER WEIMARER REPUBLIK 12
4.1 DER KAPP - LÜTTWITZ PUTSCH. 12
4.2 DER GENERALSTREIK ODER DIE FOLGEN DES KAPP-LÜTTWITZ
PUTSCHES 14
4.3 DIE AUFLÖSUNG DER FREIKORPS. 16
5 AUSBLICK AUF DAS WEITERBESTEHEN UND WIRKEN DER EHEMALIGEN
FREIKORPSK ÄMPFER. 17
5.1 DIE ORGANISATION CONSUL (O.C.) UND DER POLITISCHE TERROR 17
6 ZUSAMMENFASSUNG 19
7 LITERATURLISTE 20
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1. Einführung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Freikorps; einer kurzen, aber sehr prägenden Erscheinung in der Weimarer Republik. Es wird der Versuch unternommen, den Widerspruch des Verhältnisses zwischen Regierung und den Freikorps darzustellen. Dabei werde ich mich auf die Jahre 1918 bis 1923 beschränken, allerdings nicht ohne einen Ausblick auf die weitere Entwicklung zu geben. Im Einzelnen werde ich zuerst die Ausgangslage Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg beschreiben, um die Notwendigkeit für die Aufstellung der Freikorps zu verdeutlichen. Dann wird dem Leser ein Einblick in die Organisation und Struktur der Freikorps verschafft, um darstellen zu können, wann diese Einheiten von der Regierung im Kampf gegen die Revolution eingesetzt werden konnten. Abschließend versuche ich darzustellen, wie sich die Freikorps nach dem Auflösungserlass weiter entwickelten, und wie diese Männer sich politisch in die noch junge Republik einbrachten.
2. Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg
2.1. Die politische Ausgangslage in Deutschland
Nach dem Ausruf der Republik von Friedrich Ebert am 9.11.1918 war den meisten Deutschen klar, dass der totale Krieg, den das alte System propagiert hatte, verloren war. So unterzeichnete Matthias Erzberger am 11.November im Namen einer nicht mehr bestehenden, kaiserlichen Regierung den Waffenstillstandsvertrag.
Die Revolution, die aus dem inneren und äußeren Zusammenbruch heraus entstanden war, bezeugte die chaotischen Zustände, die im ehemals so glorreichen und geordnet preußischen Kaiserreich herrschten. Die Bevölkerung war ziellos, überall im Land war man, wegen der jahrelangen Versprechen den Krieg zu gewinnen, am Boden und vollkommen orientierungslos. Hinzu standen die revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte der Regierung des Mehrheitssozialisten Ebert alles andere als wohlgesinnt gegenüber. Zwar waren die Soldatenräte aus dem Ostheer als eher gemäßigt anzusehen, „aber die Räte
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der Etappe waren in überwiegender Mehrzahl Befürworter des kommunistischen Systems nach sowjetischem Muster oder aber pazifistische Schwärmer.“ 1 . Sie erkannten keine Macht über sich an, und es gelang nur unter großen Mühen am 10.November 1918 im Zirkus Busch, eine Dachorganisation der Räte zu schaffen. Die Forderung dieser revolutionären Räte war die Proklamierung einer deutschen sozialistischen Republik.
Die Übergangsregierung Ebert war gegen dieses Deutschland als „Filiale der Sowjetrepublik Russland“. Allerdings hatte sie keinerlei militärische Möglichkeit die Revolution niederzuwerfen, um eine demokratische Republik zu sanktionieren, da auf das alte, kaiserliche Heer nicht zurückgegriffen werden konnte.
2.2. Die Auflösung des Frontheeres
Das Ostheer - das ohnehin nur aus minder verwendungsfähigen Mannschaften und Unteroffizieren bestand, da die OHL während des Krieges die besten Soldaten an die Westfront abtransportierte - war durch die räumliche Nähe, dem Einfluss der kommunistischen Propaganda am stärksten ausgesetzt. Dadurch hatten Moral und Disziplin der Truppe schon ab Mai 1918 stark nachgelassen. Beleg dafür ist eine Klage der neunten Infanteriedivision über den überwiesen Ersatz. „Es fehle ihm sehr an kriegerischen Geist, die Disziplin sei schlecht, die Ausbildung unzureichend und die Zahl der Krankmeldung unverhältnismäßig hoch“ 2 . So scheiterten alle Versuche der OHL mit dem Ostheer die Ordnung im Inneren wiederherzustellen.
Ähnlich verhielt es sich an der Westfront. Zwar waren die Soldaten hier besser ausgebildet und kampferfahrener, aber die Zersetzungsarbeit der heimischen Arbeiter- und Soldatenräte entfaltete ihre volle Wirkung, sobald die Truppe die deutsche Grenze überschritten hatte. „Anstelle von Kampfeswillen trat eine tiefe Kriegsmüdigkeit und die Autorität der Offiziere wurde durch die Propaganda weiter untergraben.“ 3 Der Rückzug verlief im Westen schon wesentlich geordneter als im Osten, aber sobald die Grenze erreicht war, fielen die Division und Einheiten auseinander.
1 Maercker: Vom Kaiserheer, S.20
2 Volkmann: Marxismus, S.193
3 H. Schulze : Freikorps und Republik, S.9
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So konnte die OHL auf keinen Truppenteil des zurückkehrenden kaiserlichen Heeres zurückgreifen, um die Revolution im Innern niederzuschlagen. Es gab zwar Versuche aus den aufgelösten Einheiten Neue auszuheben, doch sie scheiterten am Unwillen der Soldaten.
Um sich und die Regierung in Berlin vor der Revolution zu schützen, griff die OHL auf Truppen von der Westfront zurück, die für zuverlässig gehalten wurden. Aber schon bei kleineren Einsätzen zeigte sich, dass selbst diese Garden so stark zersetzt waren; so dass auch hier kein Rückgriff möglich war.
2.3. Die Aufstellung der Freikorps
Zeitgleich zu den Experimenten mit den „republikanischen Volkswehren“ entwickelte sich ein neues Machtmittel in Deutschland; die Freiwilligenverbände, für die sich schon innerhalb kürzester Zeit der Begriff „Freikorps“ durchsetzte. Der Grundgedanke, der hinter der Aufstellung dieser Truppen stand, war einfach: Die Truppen, die auf diese Weise aufgestellt wurden, sollten nach militärischen Prinzipien strukturiert sein. D.h. an ihrer Spitze sollte ein Offizier und ausgebildeter Soldat das Kommando innehaben, und sie sollte möglichst aus Freiwilligen bestehen. Am 10.November 1918 soll Major von Schleicher geäußert haben, „neue freiwillige Verbände aufzustellen. Junge Offiziere sollten sie kommandieren. Die Freiwilligen möge man mit hohen Tagessätzen honorieren und ihnen ganz klar machen, dass sie für die Republik und gegen den Bolschewismus zu kämpfen hätten“ 4 .
Als am 15. November der Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern eingestand, er könne mit seinen Truppen, die sich in Auflösung befanden, das Ober Ost Gebiet nicht länger halten, fiel die Entscheidung zur Aufstellung der Freiwilligenverbände. Ebert hoffte allerdings immer noch darauf, die Revolution mit Hilfe des alten Heeres zu stoppen, und so billigte er die Aufstellung der Freikorps zwar, wodurch aber Groener unter heftigen Beschuss der unabhängigen Volksbeauftragten geriet.
So entstanden sieben Freikorps bereits im November 1918, wovon sechs zur Sicherung der Grenzen im Osten eingesetzt wurden. Im Dezember wurden zwölf weitere Einheiten ausgehoben, die sowohl im Grenzschutz als auch an den Brennpunkten Berlins und im Ruhrgebiet zum Einsatz kamen.
4 Berndorff: General S.44
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Als sich dann während der Weihnachtskämpfe in Berlin zeigte, dass Teile des alten Heeres mit der Sicherung der Ordnung überfordert waren, drängte Groener auf eine vermehrte Aufstellung von Freiwilligeneinheiten. Erst im Januar 1919, nachdem die unabhängigen Volksbeauftragten aus der Regierung ausgetreten waren, klärte sich das Verhältnis zwischen Regierung und Freikorps. Diese Truppen waren auch die einzige Rettung der Regierung, die im tobenden Aufruhr von Berlin unterzugehen drohte. Gustav Noske wurde als Oberbefehlshaber der Freiwilligenverbände eingesetzt und am 9.01.1919 erschien ein Aufruf der Regierung, der von allen Volksbeauftragten unterschreiben war, mit dem folgenden Wortlaut:
„Freiwillige vor! Kameraden! Deutschland ist in schwerer Gefahr! […]Proteste allein nützen nichts[…]Wehren müssen wir uns. Meldet euch freiwillig zum Grenzschutz; bei jedem Bezirkskommando werden Meldungen
entgegengenommen und Euch die günstigen Bedingungen mitgeteilt, unter den die Anwerbung von Freiwilligen erfolgt. Wir wollen Euch in keinen neuen Krieg führen. Ihr sollt das Vordringen von Landesfriedensbrechern aufhalten. Ihr sollt das Überrumpeln wehrloser Städte und Dörfer verhindern. Ihr sollt es unmöglich machen, dass Fremde nach Deutschland, wie in ein herrenloses Haus eindringen und sich festsetzen[…]Die Republik ruft Euch, sie sorgt für Euch, aber sie braucht Euch auch. Freiwillige vor.“ 5
Damit hatte sich die Regierung endgültig zugunsten des Freikorpssystems entschieden. 6
5 Armeeverordnugsblatt,1919 S.17 vgl. Schulze : Freikorps S. 31
6 H. Schulze: Freikorps S.31
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3. Darstellung der Freikorps
Bei dem Versuch dem Leser einen Einblick in die Organisation, soziale Zusammensetzung und den Geist der Freikorps zu vermitteln, muss unbedingt beachtet werden, dass die Truppen keineswegs als eine homogene Masse zu betrachten sind.
Als Freiwilligeneinheit sollte demnach verstanden werden; was als eine mobile Formation aufgrund des Freiwilligenerlasses gegründet wurde und nach militärischen Prinzipen organisiert war. Grundsätzlich aber, um die innere Sicherheit zu gewährleisten, die Regierung zu unterstützen und um Aufgaben des Grenzschutzes zu übernehmen.
3.1. Die Organisation der Freikorps
Den 15.3.1919 setzte Groener als Stichtag, um die Kopfzahl der Personen, die sich in einem militärischen Dienstverhältnis befanden, festzustellen. Dabei kam die Zahl von 660.000 Mann zustande, von denen 250.000 in den Freikorps dienten.
Meist wurden die Truppen von Offizieren des alten Heeres aus dem Boden gestampft. Es genügte im Allgemeinen ein zugkräftiger Name eines hochdekorierten Frontoffiziers, um in kurzer Zeit eine Truppe aufzustellen. Viele der großen Freikorps, vor allem um Berlin herum, verdanken ihre Existenz der Umbildung von alten Heeresteilen in Freiwilligenverbände. Schon an der Namensgebung wird deutlich, was ein Freikorps verbindet. Wenn es aus einem alten Heeresteil heraus gebildet wurde, gab dessen Bezeichnung auch oft den Namen. So auch im des Falle „Freiwilligenregiments 12“, das aus dem Grenadierregiment 12 entstanden war. Oft wurden sie auch nach ihrem Aufstellungsort benannt, wie z.B. die Freikorps „Schlesien“ und „Hessen-Nassau“. Einige Truppen trugen auch Namen, die an die Vorstellungskraft und das Ehrgefühl appellierten wie etwa „Eiserne Division“ oder „Schwarze Jäger“. Am häufigsten aber wurden die Freikorps nach ihren Führen oder Gründern benannt. Die Zahl, der so zustande gekommen Namen, ist schier endlos; um einige Beispiele zu bringen die Freikorps Rossbach, Faupel, von Brandis. Selten kam es vor, dass die Truppen durchnummeriert waren Grenzschutz Ost,
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Regiment A, B, C usw. Obwohl das auch für die Marinebrigaden zutraf, führten diese immer noch den Namen ihres Führers dazu.
Die großen Freikorps wurden von Generälen geführt, um so eine bessere Verbindung zur OHL gewährleisten zu können, während die Kleineren durch ihre Unabhängigkeit schwerer zugänglich für Befehle und zu kontrollieren waren. Trotzdem waren die Truppen autonom und bildeten, selbst wenn sie vorübergehend zu größeren Verbänden zusammengefasst wurden, „einen Staat im Staate“ 7 . Sie waren entgegen den alten Heeresteilen meist Mischkompanien, d.h. das in einer Kompanie unterschiedliche Waffengattungen vereint waren, um so dem Straßenkampf gerechter zu werden, der fast schon eine Partisanenbekämpfung war. So verzichteten die meisten Freikorpsführer auch auf Artillerie und Reiterei.
Die Ausbildung erfolgte unter harten Bedingungen. Es wurde gedrillt; Formalausbildung und Straßenkampf waren dabei die wichtigsten Ausbildungsinhalte, um den revolutionären Kräften zu begegnen 8 . Die Einstellungsbedingen waren für die Verhältnisse der Zeit außerordentlich günstig. Die monatliche Grundlöhnung lag bei dreißig Mark; hinzu gab es eine tägliche Zulage von fünf Mark, die sich bei einem Einsatz außerhalb der deutschen Grenzen, also vor allem im Baltikum, auf neun Mark erhöhte. Weiterhin gab es Marschgebührnisse, Sonderleistungen für Technische Truppen, Neueinkleidung der Geworbenen und hohe Verpflegungssätze. Die Verpflichtungsdauer war allerdings sehr kurz. Das Dienstverhältnis konnte zum 1. und 15. eines jeden Monats gekündigt werden, unterblieb die Kündigung lief es stillschweigend weiter. 9
3.2. Die soziale Zusammensetzung innerhalb der Korps
In der Zusammensetzung der Freikorps finden sich deutliche Schwerpunkte. Das entscheidende Element der Freiwilligenverbände waren die jungen Frontoffiziere und Unteroffiziere. Anfang Januar berichtet ein Soldatenrat „im Bereich Grenzschutz Ost kämen auf 200 Mann 40 Offiziere“. 10 Oft wurden ganze
7 H.Schulze: Freikorps S.41
8 Maercker: Vom Kaiserheer siehe Anl.2.
9 Oertzen: Freikorps S.21
10 Paulus: soziale Struktur S.690
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Einheiten nur aus Offizieren gebildet, die ihren Führer selbst wählten und das Kernstück eines Freikorps bildeten. Sie wurden als „Sturmkompanien“ bei besonders schwierigen Aufgaben eingesetzt und galten als zuverlässig.
Diese Sturmkompanien waren auch der Moral eines Korps sehr zuträglich. Sie festigten den Willen und die Bereitschaft der Mannschaften zum Kampf durch das ehrvolle Vorleben, denn oft übernahmen auch die Offiziere Aufgaben, die eigentlich Mannschaften hätten übernehmen müssen. Durch die Ungleichheit zwischen den Dienstgraden ließ sich das aber nicht vermeiden. Einen weiteren wesentlichen Faktor in den Reihen der Freiwilligenverbände bildeten die Schüler und Studenten. Es erschien am 13.03.1919 ein „Aufruf an die akademische Jugend Preußens“ des Ministers für Wissenschaft, Kultur und Bildung, mit folgendem Wortlaut: „Noch einmal heißt es: „Freiwillige vor! [...]Die deutsche Wehrmacht liegt in Trümmern, die Flut des Bolschewismus droht unseren Grenzwall im Osten zu durchbrechen, die Hydra der Anarchie und des Bürgerkrieges erhebt ihr Haupt. Rette dein Vaterland, deutsche Jugend! [...]“ 11 . Aufgrund einer Verfügung desselben Ministers konnten Schüler der Untersekunda, die das 17. Lebensjahr vollendet hatten, sich als Freiwillige melden. Sie galten als so zuverlässig, dass sie von ihren Kommandanten bevorzugt als Stabswache eingesetzt wurden.
Die übrigen Mitglieder der Freikorps rekrutierten sich aus bäuerlichen und kleinbürgerlichen Schichten, meist Arbeitslosen oder Zivilisten, die nach dem Krieg keinen Anschluss mehr in der Heimat fanden und so auf eine gesicherte, materielle Grundlage hofften.
Ein ernstes Problem bereiteten den Freikorps, vor allem in der Anfangszeit, die Kriminellen, die in ihren Reihen Zuflucht suchten. Es gab viele, die nur um der Zulage willen sich hatten anwerben lassen. Dann kündigten sie den Dienst oder verschwanden mitsamt der gestellten Ausrüstung spurlos, nur um sich im nächsten Monat von einem anderen Freikorps erneut anwerben zu lassen. Viele der Kriminellen gingen in den Grenzschutz Ost, möglichst in den Baltikum. Dort waren die Sitten roher und es galt als das „El Dorado“ für Abenteurer und Verbrecher.
Eine andere große Bevölkerungsgruppe fand man allerdings nie bzw. sehr selten in den Reihen der Korps: die Arbeiter und Sozialisten. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen war der Großteil der Arbeiterschaft einfach kriegsmüde, und
11 nach Noske: Von Kiel S.119
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andererseits stimmten die nationalistischen Ideologien der Freikorps selten mit denen der Arbeiter überein. Das gegenseitige Misstrauen war unüberwindbar und durch die Hetzparolen, sowohl der Linken als auch der Bürgerlichen gegen die jeweils andere Seite, vertiefte sich diese Kluft und führte später zu einer arbeiterfeindlichen Isolation der Freikorps.
3.3. Der Freikorpsgeist
So vielfältig die Freikorps auch zu Beginn ihres Bestehens waren, so unterschiedlich waren auch die Motive ihres Kampfes. Je stärker sie später isoliert wurden, je mehr sie in den Gegensatz zur Republik gerieten, desto mehr wurden sie sich ihrer Zusammengehörigkeit bewusst, was zu einer gewissen Einheitlichkeit des Denkens und Wollens führte.
Eine klare Linie bei den politischen Vorstellungen gab es nicht; der Krieg war soeben beendet und die meisten hätten ihre Ziele nicht formulieren können, so undeutlich waren sie. E. Salomon schreibt zu dieser Orientierungslosigkeit später: „Die Männer der Freikorps waren nicht getrieben von einer Idee[…]Eben dies war die vorzüglichste Eigenschaft der Freikorpsmänner gewesen: sie waren frei von jeder Ideologie. Sie vermochten nicht auszudrücken, was sie bewegte, ihr Handeln war stumm.“ 12
Die vom „Fronterlebnis“ geprägten jungen Offiziere, die gleich nach dem Krieg in ein Korps eintraten oder selbst eines aushoben, waren das bestimmende Element in der Bewegung. Die alten Standesschranken waren durch die Erfahrung in den Schützengräben nicht mehr bindend und es gab ein Gefühl des Zusammenhalts in den Truppen, dass durch den Eintritt in ein Freikorps wieder erweckt wurde. Die Wut der Soldaten richtete sich gegen den „friedfertigen, anspruchslosen, arbeitsamen, gutgläubigen, demokratischen Bürger, einer Phantasiefigur, die niemals Wirklichkeit besaß[…]“ 13 . Stärker als die Kommunisten und Proletarier wurde also der Bourgeois zum Feindbild stilisiert.
12 Salomon: Freiheitskämpfer S.11
13 Salomon: Freiheitskämpfer S.11
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Die Frontsoldaten nahmen es ihm übel, dass er sich so unsoldatisch verhielt. „Wenn nur hunderttausend Bürger wieder für kurze Zeit das Koppel umgeschnallt hätten[…]anstatt sich vor hergelaufenen Matrosen und Ausländern zu ducken, […]dann hätte man überhaupt auf das ganze Theater mit den Freikorps verzichten können“ 14
Die Abneigung gegen den Bürger übertrug sich nur zu leicht auf den „bürgerlichen“ Staat, die junge Weimarer Republik. De Gedanke an eine Neugestaltung Deutschlands spukte in den Köpfen der Männer herum, aber es war außerordentlich schwierig einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das revolutionäre Ziel sollte in gewissen Formen sozialistische Züge tragen, denn diese kamen der erlebten Kameradschaft am nächsten. Es wurde dumpf eine Verbindung von Nationalismus und Sozialismus angestrebt.
Der „Nationale Sozialismus“ fand meist bei den jüngeren Offizieren Anklang, während die Älteren einer Idee des „preußischen Sozialismus“ anhingen. So kamen auch Treffen mit den Kommunisten zustande, bei denen über eine solche Neuordnung diskutiert wurde. Allerdings ohne Erfolg; die Ansichten der Parteien ließen sich nur schwer vereinen.
Ein weiterer wesentlicher Gedanke, der den Freikorpsgeist näher einkreist, ist der unbedingte Führergehorsam. Das Misstrauen allem gegenüber, was von außen kam, ließ die Soldaten nur den Offizieren vertrauen, die sie kannten. Diese jungen Offiziere waren in Kämpfen immer präsent, lebten mit den Mannschaften und hatten schon im Krieg den Schützengraben mit den Mannschaften geteilt, während die Stabsoffiziere hinter der Front saßen. Dieses System hatte allerdings die offensichtliche Schwäche, dass sobald der Führer ausfiel, die gesamte Einheit kampfuntauglich wurde.
„Abends griffen die Polen von Czarnikau aus wieder an. Sehr unglücklicherweise fiel der Komp.-Führer Lt. Koop gleich als Erster. Darauf räumte die ganze Kompanie fast ohne Verluste die Sache. Der größere Teil marschierte nachts nach dem Bahnhof Schönlanke, erklärte dort, sie hätten keine Lust mehr, und kauften sich Fahrkarten nach Berlin. Weg sind sie.“ 15 Zusammenfassend ist der „Freikorpsgeist“ also die verächtliche Abneigung gegen den Weimarer Staat, das Trauma des verlorenen Krieges und der unbedingte Wille für alle Ziele die der Führer aufzeigte zu kämpfen - ein äußerst gefährlicher Sprengstoff.
14 Mann: Mit Ehrhardt S.32
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4. Das Wirken der Freikorps in der Weimarer Republik
Nachdem die Freikorps die kommunistische Revolution niedergeschlagen und Deutschland so gewaltsam befriedet hatten, wurden sie im Zuge des Versailler Vertrages überflüssig. Die Regierung hatte den Freiwilligen in ihrer Not zuviel versprochen; die Soldaten sollten Land bekommen oder aber in die neue Reichswehr integriert werden, doch diese Versprechen konnte sie aufgrund der harten Vertragsbedingungen nicht einhalten: die neue Reichswehr durfte nur 100.000 Mann stark sein und Siedlungsraum war nicht vorhanden. So richtete sich die Stimmung der Freikorps gegen die Regierung und es wurde Pläne und Aufrufe zu deren Umsturz gemacht vor allem nach dem diese beschlossen hatte, die Verbände aufzulösen.
Das folgende Kapitel widmet sich dem Versuch der Freikorps die Regierung zu stürzen, den daraus folgenden Konsequenzen und der schlussendlichen Auflösung.
4.1. Der Kapp - Lüttwitz Putsch
Ende Februar im Jahr 1920 wies die Militär-Kontroll-Kommission die Reichsregierung darauf hin, dass sich auf den Truppenübungsplätzen bei Berlin Freiwilligenverbände lägen, die aus Marineangehörigen bestanden. Es gab die Anweisung den Verband aufzulösen, da die Marine nur 15.000 stark sein durfte. Namentlich handelte es sich um die Brigade Ehrhardt bzw. die Marinebrigade II, die vor allem zur Niederhaltung der Revolution eingesetzt wurde. Sie hatte sich bei den Kämpfen einen guten Ruf als fähige Brigade erworben und galt als das Kernstück Generalleutnants v. Lüttwitz Truppe.
Von Lüttwitz gehörte schon seit längerer Zeit zu dem Verschwörerkreis um Kapp, dem Gründer der Vaterlandspartei, der einen Sturz der Regierung plante. Auf den Auflösungsbefehl hin, nahm v. Lüttwitz die Sache selbst in die Hand und hieß den Korvettenkapitän Ehrhardt, seine Männer auf Berlin marschieren zu lassen. Am Nachmittag des 12.März wurde G. Noske vom Stabschef des Generals v. Lüttwitz über den bevorstehenden Putsch informiert, der das Ziel hatte eine „nationale Regierung“ einzusetzen.
15 Oertzen: Freikorps S.58
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Während die Brigade Ehrhardt schon auf dem Marsch nach Berlin war, fiel die Entscheidung der Kommandeure - der in Berlin stehenden Truppen - : Reichswehr kämpft nicht gegen Reichwehr. Noch in dieser Nacht floh die Regierung aus Berlin nach Dresden, später nach Stuttgart, um sich einer Gefangennahme zu entziehen. So hatte die Brigade Ehrhardt Berlin am 13.März fest in ihrer Hand und die Putschisten versuchten ihre Macht nun auch politisch zu etablieren. Da Kapp von dem Alleingang v. Lüttwitz überrascht worden war, hatte er sich nicht vorbreitet. Er ernannte sich selbst zum Reichskanzler, v. Lüttwitz zum Reichswehrminister und den früheren Polizeipräsidenten v. Jagow zum preußischen Innenminister. Mehr Personal konnte er für sein Kabinett nicht aufstellen. Zudem verweigerten die Beamten der Reichskanzlei jegliche Zusammenarbeit mit den Putschisten. Da Wochenende war, gelang es Kapp auch nicht die Presse für seine Zwecke auszunutzen und auch die Reichsbank verweigerte ihm die Auszahlung von 10 Millionen Reichsmark, die er dringend für die Soldaten benötigte. Es sollte eine Zulage von 50 Reichsmark für sie geben, wenn der Putsch erfolgreich verlaufen wäre. Kein wichtiges Ministerium erkannte Kapp als neuen Reichskanzler an, er konnte befehlen, was er wollte, die Beamten nahmen seine Anweisungen ordnungsgemäß entgegen und ließen sie dann in ihren Aktenstapeln verschwinden, um sie nicht bearbeiten zu müssen. Kapp war ein Kanzler ohne Macht; einzig einige Truppenkommandeure aus Nord-Ostdeutschland schlossen sich ihm an und ein Teil schon aufgelöste Freikorps standen innerhalb kürzester Zeit wieder unter Waffen. Sie besetzen einige Städte, doch das waren nur Teilerfolge; nach kurzer Zeit schwenkten die Reichswehrkommandeure wieder in das Lager der alten Regierung. Diese war in Stuttgart nicht untätig geblieben; sie hatte einen Aufruf publiziert, der die Arbeiterschaft zum Generalstreik aufforderte. Da der 13.März ein Samstag war, störte es die Putschisten wenig, denn der Streik konnte erst am 15.März seine volle Wirksamkeit entfalten.
Es war das erste Mal, dass der Generalstreik als politische Waffe der Regierung eingesetzt wurde, zuvor war er immer die Waffe der Linken gewesen und so verlor die Regierung Bauer viel zu schnell die Kontrolle über den Streik; er radikalisierte und breitete sich zu einer linken Aufstandsbewegung gegen Ebert und Bauer aus, während Kapp mit seinem abenteuerlichen Unternehmen scheiterte.
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Es mangelte ihm schlussendlich an Unterstützung im In-und Ausland, und den Todesstoß versetzte ihm die die Gegnerschaft der Ministerien und der Reichswehrführung. Am 17.März erkannt Kapp, dass er auf einem hoffnungslosen Posten saß und verließ Deutschland mit dem Flugzeug nach Schweden. General v. Lüttwitz beuge sich kurz darauf einem Ultimatum der Offiziersversammlung, suchte sein pommersches Gut auf und verschwand schließlich nach Ungarn.
4.2. Der Generalstreik oder die Folgen des Kapp-Lüttwitz
Putsches
General v. Seeckt verpflichtete die Freikorps wieder auf die alte Regierung und es gelang der Brigade Ehrhardt und anderen Freikorps die aufflammenden Unruhen in und um Berlin schnell niederzuschlagen. Anschließend wurden sie abtransportiert und widerstandslos aufgelöst.
Im Bezirk Halle-Merseburg stellten regierungstreue Freikorps die Ordnung beinahe ebenso schnell wieder her, nur im Ruhrgebiet entwickelte sich aus der Streikbewegung ein regelrechter Bürgerkrieg.
Aus dem spontanen Zusammenschluss unterschiedlichster politischer Gruppen, von Anarchisten, über Zentrumsanhängern bis hin zu Kommunisten, wurde die „Rote Armee“ gebildet. Der gemeinsame Nenner der Truppe war der Hass, auf alles was eine Uniform trug und im Dienst der Regierung stand. Sie hatte eine Stärke von ca. 50000 Mann und es gelang ihr innerhalb kürzester Zeit das Ruhrgebiet vollständig zu besetzen, die Reichswehr- und Freikorpstruppen zu vertreiben und bis zur holländischen Grenze bei Wesel vorzustoßen. Es war deshalb für die Aufrührer so einfach, weil einerseits kaum Truppen dort lagen und andererseits keine Entwaffnungsaktion durchgeführt worden war. Zudem fielen ihnen Waffen, die für Einwohnerwehren gedacht waren in die Hände und die Polizei händigte den Kapp-Gegnern zusätzlich noch solche aus. „…zogen sich die letzten intakten Reichswehrverbände, zum Teil fluchtartig, aus dem Ruhrgebiet zurück. Das Reichswehrregiment 61, das mit überstürzter Eile aus Düsseldorf abrückte, hinterließ der nachrückenden Roten Armee sein gesamtes Kriegsgerät; das Freikorps Schulz verzog sich ähnlich schnell aus Mühlheim zurück, zum Teil unter verlustreichen Rückzugsgefechten, bis zum 21.März alle Truppen aus dem Revier.“ 16
16 Oertzen : Freikorps, S.402
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Die Reichswehrführung ließ darauf hin alle Truppen in Marsch setzen. Die Ironie bestand darin, dass diese zum überwiegenden Teil aus Freikorps und Zeitfreiwilligenkorps bestanden, die sich vorher für Kapp erklärt hatten oder unter ihm wieder aufgestellt wurden. Die Regierung war sich durchaus im Klaren darüber, wie dieses Vorgehen auf die Öffentlichkeit gewirkt haben muss und setzte so alles daran den Eindruck zu erwecken, die Freikorps wären die ganze Zeit über der Regierung treu geblieben. Die Darstellung in Flugschriften ging dahin, dass der Putsch von einzelnen Politikern und Offizieren ausgegangen wäre und dass er jetzt fälschlicherweise Offizieren und Truppen der Reichswehr angehängt werden sollte.
Doch was in diesen Tagen auf das Ruhrgebiet zumarschierte, war alles andere als republiktreu. „Es war die Auslese der gesamten deutschen Freikorpsbewegung, die alles andere als verfassungstreu und, intakt und kampfkräftig wie nie zuvor, mit einjähriger Verspätung das letzte Kapitel des deutschen Bürgerkrieges beenden sollte.“ 17
Nach anfänglichen Verhandlungen der Regierung mit den Aufständischen; immerhin hatte sie die Ausrufung des Streiks gebilligt, die darin endeten, dass einige die Waffen niederlegten, folgte eine Woche des Taktierens und zermürbenden Wartens für die Freikorps. Es wurden Verhandlungen geführt, die es Deutschland erlaubten Truppen in die entmilitarisierte Zone des östlichen Rheinufers zu führen.
Schließlich gab General Watter am 3.April 1920 den allgemeinen Angriffsbefehl. Nach schweren und grausamen Kämpfen gegen die Rote Armee - ein Soldat schreibt seine Erlebnisse Angehörigen: „Selbst die Verwundeten erschießen wir noch…Wer mit einer Waffe angetroffen wird, der ist unser Gegner und muss dran glauben[…].Selbst gegen die Franzosen waren wir im Feld humaner.“ 18 - waren die Gefechte am 8.April beendet. Auf Seiten der Regierungstruppen wurden 249 Tote, 705 Verwundete und 123 Vermisste gezählt; auf der Gegenseite konnte lediglich geschätzt werden, es waren „Tausende“ 19 . Gleich nach der Schlacht wurde massiv Propaganda unter den Freikorpssoldaten, betrieben, die sich gegen die Republik richtete und schon wieder gab es Pläne die Regierung zu stürzen, die glücklicherweise durch den Rücktritt des Freiherrn von Watter im Nichts verliefen.
17 H. Schulze : Freikorps, S.309f
18 H. Schulze : Freikorps, S.315
19 Oertzen : Freikorps, S.419
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4.3. Die Auflösung der Freikorps
Nun war der Regierung klar, was sie von den Freikorps zu erwarten hatte, denn auch aus anderen Gebieten, als dem Revier drangen Putschgedanken zu ihr vor. Ebert und Bauer mussten die Freikorps auflösen, um die Republik zu schützen. Seeckt versuchte diesen Plan schnellstmöglich in die Tat umzusetzen.
Es gab einige Einheiten, die sich der Auflösung wild widersetzten. So verschanzten sich, z.B., viertausend Baltikumer auf der Insel Dänholm und mussten ausgehungert werden, bevor sie nachgaben. Ein anderer Fall konnte nur mit Einsatz massiver Polizeigewalt gelöst werden; in Münster widersetzte sich ein Freikorps mit Waffengewalt und wurde schließlich mit Gummiknüppeln auseinander getrieben. Dergleichen Einsätze gab es mehrere.
Andere Freikorps ließen sich zwar auflösen, versteckten aber ihre Waffen, um sich nach „erfolgreicher“ Auflösung erneut zu bewaffnen.
Am 29.Mai wurde eine Verordnung erlassen, die zeigt wie stark die Regierung den halb aufgelösten Freikorps misstraute: § 1 verbot den Angehörigen früherer Korps sich erneut oder ähnlich, militärisch zusammenzuschließen und auch sich bei der Auflösung zu widersetzen. § 2 bedrohte Zuwiderhandlung mit bis zu fünf Jahren Zuchthaus. 20
Diese Verordnung wurde zwar nicht angewandt, doch sie macht recht deutlich, in welches Stadium die Republik zu ihren früheren Geburtshelfern getreten war. Die Regierung hatte die Kampfansage der Freikorps angenommen und mit der Verordnung erwidert. Doch selbst die Auflösung, die bis Mitte Juni 1929 durchgeführt worden war, konnte den Kampf der ehemaligen Korpsmitglieder nicht aufhalten. Er wurde lediglich in ein neues Stadium geführt, denn die die Freikorpsmänner gingen in die Illegalität und wurden so schwerer greifbar für die Regierung. Ein Abschnitt im Bestehen der Freikorps war abgeschlossen und nun taten die Männer alles, um den schließlichen Untergang der Republik herbeizuführen.
20 H. Schulze : Freikorps, S.324
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5. Ausblick auf das Weiterbestehen und Wirken der
ehemaligen Freikorpskämpfer
Viele der Freikorpskämpfer waren zwar nach der Auflösung auseinander gegangen, doch gab es über ganz Deutschland verteilt versteckte Waffenlager mit dem ehemaligen Kriegsgerät und Ausrüstung. Manche Freikorps bildeten sich als Verein neu und agitierten von nun an aus dem Untergrund heraus. So auch die im Folgenden angerissene Vereinigung Organisation Consul.
5.1. Die Organisation Consul (O.C.) und der politische Terror
Nach ihrer Auflösung blieb die Brigade Ehrhardt weiterhin in Bayern unter dem Schutz der dortigen Landesregierung und anderer Organisationsstruktur bestehen. Korvettenkapitän Ehrhardt gründete die Organisation Consul (O.C.), in die viele ehemalige Freikorpskämpfer eingebunden waren. Nach der Abstimmung in Oberschlesien 1921 kam es zu einem polnischem Aufstand, der hauptsächlich von der Brigade, unter dem Decknamen „Sturmbatallion Koppe“, niedergehalten wurde. Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich die Männer trotz Sperrmaßnahmen deutscher Behörden, in Beuthen und nahmen den Kampf auf.
Auch beim Hitler Putsch 1923 war die Brigade Ehrhardt zur Stelle und schützte erneut die so verhasste Republik.
Die O.C. hatte den Ruf einer „Mörderorganisation“ 21 , weil viele ehemalige Korpskämpfer Attentate auf die Vertreter des republikanischen Staates verübten, allerdings konnte nie ein direkter Bezug zu Ehrhardt und der O.C. hergestellt werden. Die Täter dieser Tage sind leicht einzugrenzen; sie gingen nach der Schule, meist schon mit siebzehn Jahren, freiwillig in den Krieg, wurden dekorierte Offizier, nach dem Krieg traten sie einem Freikorps bei oder gründeten selbst Eines. Sie hatten keine Berufsausbildung vorzuweisen, also auch keine Chance am Arbeitsmarkt und waren voller Hass auf die Republik.
21 Mauch : Wehrorganisationen S.59
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Der Bürgerkrieg, der beendet war und die tiefe Kluft der Bevölkerung deutlich hervorgebracht hatte, wurde nun aus dem Untergrund weitergeführt. Es gab reihenweise Attentate und Mordversuche. ‚Den Höhepunkt dieser Serie bildete sicher der Mord am damaligen Reichsaußenminister Walther Rathenau auf offener Straße am 24.06.1922.
Der Auftakt zu diesen Morden war aber schon am 15.01.1919 gegeben; Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden von Soldaten und Offizieren der Garde-Kavallerie-Schützendivision umgebracht, die damals zur Niederhaltung der Revolution in Berlin eingesetzt wurde. Nach dem Ende des Bürgerkrieges geschahen die Morde, aber gezielter und weniger zufällig. So erlag am 10.06.1921 der USD-Landtagsabgeordnete Karl Greiser seinen Mördern des Freikorps Oberland; am 26.08.1922 wurde Matthias Erzberger von zwei Offizieren der Brigade Ehrhardt mit zwölf Schüssen hingerichtet und Phillip Scheidmann entging einem Blausäure-Attentat am 04.06.1922 nur knapp mit dem Leben’ 22 , um nur einige Beispiele zu benennen. Es gab bei weitem noch mehr Tote, so auch ehemalige Freikorpssoldaten und Mitwisser, deren man sich zu entledigen versuchte. Die meisten dieser Morde sind aber mehr als ein Akt der tiefsten Frustration, gegen die Republik, zu verstehen und selten politisch gezielt. Es kursierten Listen mit Namen von „Gegnern“ die von den Einzeltätern genauestens studiert wurden.
22 H. Schulze : Weimar, S.240
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6. Zusammenfassung
Die Freikorpskämpfer, die die Beschützer und Geburtshelfer der Republik waren, entwickeln sich, nachdem sie für die Regierung zu gefährlich und überflüssig werden, zu organisierten Staatsfeinden. Sie wollen die Notwendigkeit ihres Daseins mit politischem Terror rechtfertigen, denn sie hoffen durch die Morde, die kommunistische Revolution wieder zu entfachen.
Allerdings tritt genau das Gegenteil ein, denn die ständige Bedrohung von rechts weckt in den Bürgern ein verstärktes Sicherheitsbedürfnis und lässt die Demokratie erstarken
Den „Berufskriegern“ wird der Zugang in die Gesellschaft versperrt und aus ihrer Frustration heraus entwickelt sich eine Eigendynamik, die die Republik viele Kraftproben und gute Staatsmänner kostet.
Und trotzdem gelingt es der Weimarer Republik nicht, sich vollständig von den Männern loszusagen; die Folgen des Kapp Putsches zeigen deutlich, wie sehr sie noch auf die Kämpfer angewiesen ist. Es gelingt der Regierung nicht, sich der Revolution von links und rechts dauerhaft zu erwehren und so bedarf es in Krisensituationen immer wieder der Freikorpssoldaten, auch nach deren Auflösung.
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7. Literaturliste
BERNDORFF, H.R. : General zwischen Ost und West Hamburg o.J. (1951)
MARCKER, G. : Vom Kaiserherr zur Reichswehr. Geschichte des Freiwilligen Landesjägerkorps. Ein Beitrag zu Geschichte der deutschen Revolution. Leipzig 1921
MANN, R. : Mit Ehrhardt durch Deutschland. Erinnerungen eines
Mitkämpfers von der 2.Marinebrigade. Berlin 1921
MAUCH, H.J. : Nationalistische Wehrorganisationen in der Weimarer
Republik. Zur Entwicklung und Ideologie des „Paramilitarismus“. Frankfurt a.M. 1982
NOSKE, G. : Von Kiel bis Kapp Berlin 1920
OERTZEN, F. W. v. : Kamerad reiche mir die Hände. Freikorps und Grenzschutz Baltikum und Heimat. Berlin 1933
nach der Novemberrevolution.
In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 1955, H.5, S.685 ff
SALOMON, E. v.(Hrsg.): Das Buch vom deutschen Freiheitskämpfer Berlin 1938
SCHULZE, H. : Die Deutschen und ihre Nation. Weimar. Berlin 1982
SCHULZE, H. : Freikorps und Republik. 1918 - 1920. Boppard 1969
Berlin 1925
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Arbeit zitieren:
Jan Dahlke, 2002, Die Paramilitärischen Verbände, München, GRIN Verlag GmbH
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