Inhaltsverzeichnis
I Präliminarien
II Das sexuelle Faktum Hannelore Schlaffers Poetik der Novelle
III Heinrich von Kleist Die Marquise von O
1. Die Verdrängung des sexuellen Faktums
1. Mittels der Verschiebung des Argumentums
2. Mittels sozialer und lokaler Verschiebungen
2. Die Substituierung des sexuellen Faktums: die Taktik der impliziten
Darstellung NA
1. Sprachliche Zeichen
2. Körperliche Zeichen
3. Metonymien
4. Symbolische Zeichen
3. Die implizite Enthüllung weiblichen Begehrens
und die Verrätselung der Marquise
4. Der Leser als Forensiker und verführter Voyeur
IV Fazit oder Das Begehren nach Ordnung
V Bibliografie
I. Präliminarien
„Mich beschleicht nämlich schon seit einiger Zeit das Gefühl, daß die Novelliererei zu einer allgemeinen Nivelliererei geworden sei, einer Sintflut, in der herumzuplätschern kein Vergnügen und bald auch keine Ehre mehr sei.“ 1 Kritisch äußert sich Gottfried Keller zur
Novellistik des 19. Jahrhunderts, die zu diesem Zeitpunkt bereits ihren ästhetischen und marktwirtschaftlichen Höhepunkt erreicht hat. Neben dem Roman hat sich die Novelle zwischen 1850 und 1890 im deutschsprachigen Raum zur dominierenden literarischen Gattung entwickelt, wobei es zur Differenzierung in künstlerisch anspruchsvolle, in den literarischen Kanon eingegangene Novellen und in jene von Keller kritisierte, triviale und massenpopuläre Novellen kam. Während zahlreiche deutsche Autoren im 19. Jahrhundert die Novelle zur anspruchsvollsten Gattung, die den Rang des Dramas eingenommen habe, emporstilisierten, empfand Heinrich von Kleist die Hinwendung zur Novellistik als Degradierung seiner künstlerischen Fähigkeit und nicht wie Keller als Ehre: „[S]ich vom Drama zur Erzählung herablassen zu müssen, [habe] ihn grenzenlos gedemütigt.“ 2 Tatsächlich entstehen Kleists
Erzählungen in einer Zeit, in der, im Gegensatz zum poetischen Realismus, die Novelle als Gattung gegenüber dem Drama gering geschätzt wird. Die Bedeutung und Stellung Kleists innerhalb der Novellengeschichte ist dementsprechend umstritten. Während Heyse trotz lobender Erwähnung Kleists in Tieck den Begründer der modernen Novelle sieht, 3 postuliert
Freund, dass „mit den 1810 und 1811 in zwei Bänden erschienenen Erzählungen von Heinrich von Kleist [...] die Geschichte der modernen deutschen Novelle ein[setzt].“ 4 Aust wiederum
verweist darauf, dass Kleist den Novellenbegriff stets vermieden hat und das ursprüngliche Vorhaben, die Sammlung unter dem Titel ‚Moralische Erzählungen’ herauszugeben, nicht Kleists Nähe zur Tradition der Cervantschen Novellistik andeute sondern „die radikale Form seiner Abrechnung mit ihr [...].“ 5 Samuel geht demgegenüber davon aus, dass Kleist sich bewusst „in die Tradition eben der europäischen Novelle [stellt]“ 6 und Greiner sieht in Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter den zentralen Bezugstext Kleistscher Novellen. 7 1 Gottfried Keller: Brief an Paul Heyse vom 7. September 1884, Zürich. In: Max Ralbeck (Hrsg.): Paul Heyse und Gottfried Keller im Briefwechsel. Hamburg/Braunschweig/Berlin 1919, S. 384.
2 Clemens Brentano. Zitiert nach: Hannelore Schlaffer: Poetik der Novelle. Stuttgart/Weimar 1993, S. 3. [im Folgenden: Schlaffer: Poetik der Novelle] 3 Vgl. Paul Heyse: L’Arrabiata. Das Mädchen von Treppi. Im Anhang: Beiträge zur Novellentheorie. Hrsg. v. Karl Pörnbacher. Stuttgart 2002, S. 67 und S. 76.
4 Winfried Freund: Novelle. Stuttgart 1998, S. 78.
5 Hugo Aust: Novelle. Stuttgart/Weimar 2 1995, S. 78.
6 Richard Samuel. Zitiert nach: Ebd., S. 75.
7 Vgl. Bernhard Greiner: Gebrechliche Einrichtungen: Kleists Erzählen in der Tradition der Novellistik. In: Ders.: Kleists Dramen und Erzählungen. Experimente zum >Fall< der Kunst. Tübingen/Basel 2000, S. 274-285.
Es zeigt sich, dass die in der Forschung bereits zum Topos gewordene Formulierung von der
Unzeitgemäßheit und Sonderstellung Kleists nicht nur literarhistorisch sondern auch
gattungsgeschichtlich zutrifft: „[S]eine Dramen oder Erzählungen stehen thematisch wie formal
nur in lockerer Beziehung zu den dominierenden Gattungsentwicklungen seiner Zeit.“ 8 Trotz
dieser Differenzen zu bestehenden Traditionen wird deutlich, dass die Novellen Kleists und
jene vergangener und folgender literarischer Strömungen einen gemeinsamen Kern besitzen:
das sensationell Unerhörte, das im Bereich der Sexualität zu verorten ist. Schon in Fontanes
Roman Der Stechlin heißt es, dass erst „ein Verstoß gegen die Sittlichkeit“ 9 die Novelle recht
interessant mache und die Baronin gibt freimütig zu: „[M]ein Sinn ist nun mal auf das
Sensationelle gerichtet. [...] ‚Gott sei Dank, daß es Skandale gibt’.“ 10 Von solch einem
sexuellen Skandal erzählt Kleists erstmals 1808 publizierte Novelle 11 Die Marquise von O...,
die „als erotische Erzählung [...] Furore gemacht [hat]“ 12 . Wenn Blöcker sie gar als „verdecktes
erotisches Drama“ 13 bezeichnet, verweist dies darauf, dass Erotik und Sexualität 14 zwar als
Zentrum und Movens der Novelle fungieren, aber stets im Verborgenen bleiben, verdrängt und
sublimiert, durch Substitute verdeckt und zugleich implizit enthüllt werden. Die vorliegende
Arbeit widmet sich der Analyse literarischer Verdrängungs- und Substituierungsstrategien des
sexuellen Faktums in der Marquiese von O... . 15
In einem ersten Abschnitt wird die von Hannelore Schlaffer in der Poetik der Novelle
vertretene These, dass im Zentrum aller Novellen der sexuelle Akt stehe, der im 19.
Jahrhundert von den Autoren meist aus moralischen Gründen verschoben und durch auf ihn
verweisende Zeichen substituiert worden sei, zu erörtern sein.
8
Zmegac, Viktor (Hrsg.):
Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Band I/2 1700-1848. Königstein
2
1984, S. 141.
9 Theodor Fontane: Der Stechlin. Berlin 2 1999, S. 352.
10 Ebd., S. 268.
11 In der Kleistforschung werden für Die Marquise von O...die Gattungsbezeichnungen ‚Erzählung’ und ‚Novelle’ verwendet. Die Arbeit geht von der Prämisse aus, dass ‚Erzählung’ der umfassendere Begriff ist, der einer Einordnung des Kleistschen Textes in die Gattung der ‚Novelle’ nicht widerspricht. Dass es sich hier um eine Novelle handelt, darüber herrscht in der Forschung ein weitestgehender Konsens. Dieser wird in der vorliegenden Arbeit vorausgesetzt.
12 Bernhard Greiner (wie Anm. 7), S. 281.
13 Günter Blöcker: Heinrich von Kleist oder Das absolute Ich. Berlin 1960, S. 177.
14 In der Forschung werden meist beide Begriffe differenziert, wobei unter Sexualität das trieb- und körperorientierte, unter Erotik das psychologisch-geistige und unter Liebe das emotional-seelische Verlangen nach einem Partner verstanden wird. Da der Begriff ‚Erotik’ aber urpsrünglich aus dem Griechischen stammend sowohl die geistig-platonische Beziehung als auch die sinnlich, sexuell konnotierte Beziehung bezeichnete und Sexualität ebenfalls nicht auf Geschlechtlichkeit reduziert werden kann, werden im Folgenden beide Begriffe synonym im Sinne von ‚triebhaft-körperlichem Begehren’ verwendet. Vgl.: de.wikipedia.org/wiki/Erotik; http://erotik.know-library.net/; de.wikipedia.org/wiki/Sexualität;
15 Als Textgrundlage der Analyse dient die Werkausgabe in: Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. Zweibändige Ausgabe in einem Band. Hrsg. v. Helmut Sembdner. München 9 1993, Bd. 2, S. 104-143. [im Folgenden: Heinrich von Kleist: Die Marquise von O... . In: SWB, Bd. 2]
Ausgehend davon soll untersucht werden mittels welcher Strategien, das sexuelle Faktum aus der Novelle Die Marquise von O... verdrängt und durch welche Zeichen es substituiert wird, so dass es zu einer spürbaren, aber stets implizit bleibenden, sexuellen Aufladung der Novelle kommt. In einem weiteren Abschnitt wird vor allem anhand des performativen Sprechens der Marquise die verdeckte Enthüllung und die Sublimierung ihres erotischen Begehrens untersucht werden. Zuletzt soll die Rolle des Lesers beleuchtet und ein hypothetischer Ausblick zu der Frage gewagt werden, welche mögliche Funktion das erotische Begehren einnehmen kann.
II. Das sexuelle Faktum - Hannelore Schlaffers Poetik der Novelle
Die Novellentheorie von Hannelore Schlaffer geht von der grundlegenden Prämisse aus, dass die literarische Gattung ‚Novelle’ allein auf Giovanni di Boccaccio zurückzuführen sei, der mit seinem Novellenzyklus Il Decamerone (1349-1353) den Archetyp des Genres begründet habe. Trotz zahlreicher thematischer und struktureller Veränderungen der Gattung in den folgenden Jahrhunderten bleiben laut Schlaffer die Grundstruktur und Grundmotive der Novelle Boccaccios zu erkennen. Sie kommt deshalb zu der Auffassung, dass „[d]ie Geschichte der Novelle [...] die Geschichte von Boccaccios Nachleben [ist]“ 16 , d.h. dass theoretisch in jeder
Novelle – wenn auch rudimentär – die wesentlichen Elemente des Novellenmusters von Boccaccio nachgewiesen werden können, worin die Intention ihrer Poetik besteht. Nach einem Überblick über die wesentlichen Charakteristika der Novelle, die sie von Boccaccio ableitet und zum Ausgangspunkt ihrer theoretischen Überlegungen werden lässt, zeigt sie anhand ausgewählter Novellen vor allem des 19. Jahrhunderts, dass diese sich auf die Grundstruktur und elementaren Motive des Boccaccio zurückführen lassen.
Die zentrale These Schlaffers ist, dass im Zentrum der Novelle Boccaccios die Sünde stehe, für die jedoch die Novellenfiguren nicht bestraft werden. Daraus resultiere die elementare Handlungsstruktur von „Vergehen – Strafandrohung – List und Befreiung“ 17 , die in ihrem
Grundmuster in späteren Novellen immer wieder aufgegriffen werde. Die Novelle handele also stets davon, dass eine oder mehrere Figuren eine von der Gesellschaft gesetzte Grenze übertreten und berichte, wie sie dann erfolgreich mittels Intelligenz und List der Strafe entkommen. Diese Gesetzesübertretung und nicht die Tatsache, dass die Täter ungestraft entkommen, stelle strukturell das unerhörte Ereignis dar, das den Kern jeder Novelle bilde. Inhaltlich bestehe laut Schlaffer dieses unerhörte Ereignis stets im sexuellen Faktum, d.h. im sexuellen Akt, der eine Verletzung der moralischen oder gesetzlichen Konventionen darstellt: „Kern der Novellenhandung ist das sexuelle Vergehen von Personen, denen Sexualität gesellschaftlich nicht erlaubt ist: der Jungfrauen, Ehefrauen, Mönche.“ 18 Das Unerhörte in der
Novelle besteht also nicht in der Sexualität an sich, sondern in der Übertretung eines sexuellen Verbots (z.B. Ehebruch, Zölibat, Inzest) innerhalb einer darüber wachenden, restriktiven Gesellschaft. Erst dadurch kommt es zum Skandal. Hierin sieht Schlaffer den Ursprung novellistischen Erzählens, auf den sich alle Novellen zurückführen lassen, „das Grundgesetz
16
Schlaffer:
Poetik der Novelle,
S. 7.
17 Ebd., S. 26.
18 Ebd., S. 27.
der Novelle: Die Handlung kreist stets um das Zentrum der Sexualität.“ 19 Aus diesem „unerhörten Ereignis, das für [Schlaffer] ausnahmslos als erotisches Faktum Gestalt gewinnt“ 20
resultieren alle weiteren Elemente der Novelle Boccaccios, die in späteren Jahrhunderten zum Teil weggelassen oder abgewandelt werden, aber stets auf das sexuelle Faktum der Novelle verweisen. 21
Entscheidend für Schlaffers Poetik der Novelle und für die Analyse von Kleists Marquise von O... sind ihre Überlegungen zur Entwicklung der Novelle nach Boccaccio. Diese sei geprägt durch „die Verleugnung seiner Motive und die Zerstückelung der Bauelemente seines Werkes.“ 22 Vor allem der Kern der Novelle, das sexuelle Faktum, erregt moralische Bedenken
bei den Autoren folgender Jahrhunderte. Besonders im 19. Jahrhundert gilt die Novelle als „Literatur der ungezogenen Leute“ 23 , die nicht dem bürgerlichen Moral- und Sittenkodex,
durch den Sexualität einer strengen gesellschaftlich kontrollierten Reglementierung unterliegt, entspricht. Sie scheint für die sittlich-moralische Bildung des vorwiegend weiblichen Rezipientenkreises ungeeignet und Tieck bezeichnet sie sogar als „anstößig, obszön oder lüstern“ 24 . Zugleich kommt es aber zu einer Renaissance der Novelle, die massenhaft in
Familienzeitschriften wie der Gartenlaube, die zur sittlich-moralischen Konstituierung des Bürgertums und damit ihrer Abgrenzung und Konsolidierung gegenüber anderen sozialen Schichten von Bedeutung sind, verbreitet wird. 25 Die restriktive bürgerliche Moral lässt sich
mit dem sexuellen Faktum der Novelle Boccaccios selbstverständlich nicht vereinbaren. Dies führe laut Schlaffer dazu, dass die Autoren des 19. Jahrhunderts Strategien der Verdrängung, Substituierung und Sublimierung des sexuellen Faktums aus vorherigen Epochen wieder aufgreifen und weiterentwickeln, so dass - zumindest scheinbar - Sexualität und Erotik aus der Novelle verdrängt werden und sie damit einem bürgerlichen Publikum zugänglich gemacht wird. „Die entschiedenste Umarbeitung der Gattung freilich muß am ‚sexuellen Zentrum’ stattfinden. Es wird verdrängt, verschoben, verschwiegen“ 26 , denn „die deutschen Schriftsteller,
die die Gattung neu- und nacherfinden müssen, empfinden es als die Peinlichkeit einer vorbürgerlichen Form, die es zu umgehen und zu umschreiben gilt.“ 27 Sie gehen sogar darüber
hinaus, indem sie „Taktiken [entwickelten], die die Obszönität der Kernszene verschleierte, ohne daß ihr Reiz verlorengegangen wäre.“ 28 19 Ebd., S. 29.
20 Winfried Freund (wie Anm. 4), S. 29.
21 Auf die wichtigsten Elemente der Novelle Boccaccios und deren Anwendung in Kleists Novelle wird im Verlauf der Textanalyse eingegangen werden.
22 Schlaffer: Poetik der Novelle, S. 42.
23 Ebd., S. 79.
24 Ludwig Tieck. Zitiert nach: Ebd., S. 79.
25 Vgl. Roy C. Cowen: Der poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München 1985, S. 102-115. 26 Schlaffer: Poetik der Novelle, S. 82.
27 Ebd., S. 86.
28 Ebd., S. 80.
Damit bleibt „[i]n den nachfolgenden Epochen dennoch das unerhörte, das sexuelle Ereignis – erstaunlicherweise – der Kern aller Novellen.“ 29 Das bedeutet, dass die Autoren des 19.
Jahrhunderts immer raffiniertere Strategien der Verschleierung entwickeln, die dazu führen, dass das sexuelle Faktum der Novelle einerseits zwar nicht mehr explizit genannt wird, die Novelle damit dem bürgerlichen Sittenkodex entspricht und bedenkenlos konsumiert werden kann, aber andererseits implizit als Subtext stets präsent bleibt und lediglich über die verschlüsselten Zeichen, Signale, Symbole entschlüsselt werden muss und so eine Lust am Lesen, ein erotisches Lektürevergnügen bereitet, das erneut zur Sünde wird:
Das Jahrhundert der ‚Novellenwut’ scheint vor allem bestrebt zu sein, das Aufbegehren, das einst die Gattung kennzeichnete, zu diffamieren. Sie wird zur lustvollen Unterhaltung, die den Affront nicht mehr sucht. Damit allerdings wird doch wieder eine ihrer anfänglichen Konstituenten bestätigt, die nämlich, daß, Novellen zu lesen, Sünde sei. 30
Zu den beliebtesten literarischen Verdrängungsstrategien 31 im 19. Jahrhundert gehören neben
der euphemistischen Verklärung von Sexualität als hohe, empfindsame Liebe die bewusste Provokation durch die detaillierte Beschreibung des Geschlechtsaktes, der bei Boccaccio nur ein zu benennendes Faktum darstellt, und die Abschaffung der Dominanz der weiblichen Figur. Außerdem greifen zahlreiche Autoren auf erzählerische Verfahren der Verschiebung bzw. Ablenkung zurück, indem sie zum Beispiel die Ständeklausel als erschwerendes Hindernis für die sexuelle Vereinigung der Figuren einführen, so dass die Verletzung der sozialen Hierarchie in den Vordergrund rückt und das sexuelle Faktum verdeckt. Nach dem gleichen Prinzip der Verschiebung erfolgt auch die Einführung der Kategorien von ‚Moral’, ‚Schuld’, ‚Gewissen’ und ,Schicksal’, die bei Boccaccio nicht präsent sind und dazu führen, dass die Folgen explizit dargestellt werden und von der zu verschweigenden Ursache, dem sexuellen Akt, ablenken. Eine weitere Strategie ist neben der Dämonisierung von Sexualität und der Schaffung einer aparten Situation vor allem die Konstruktion eines zu enträtselnden Zeichensystems, das sich aus Substituten des sexuellen Faktums bzw. des erotischen Begehrens zusammensetzt, die das sexuelle Zentrum der Novelle als ein Netz aus Signalen, Symbolen und Metaphern umkreisen.
Schlaffers Novellentheorie ist innerhalb der Forschung umstritten. So kritisiert Freund die „einseitige Bindung an das Novellenmuster Boccaccios“ 32 . Außerdem ist die Reduzierung ihrer
diachron angelegten Analyse auf Erotik und Sexualität als dem gemeinsamen Kern aller Novellen durchaus problematisch:
29 Ebd., S. 42.
30 Ebd., S. 164.
31 Vgl. ebd., S. 79-103.
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Janin Taubert, 2006, Die Substituierung des sexuellen Faktums und die implizite Enthüllung erotischen Begehrens in Heinrich von Kleists Novelle "Die Marquise von O...", Munich, GRIN Publishing GmbH
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