Grundsätzliches: das Wachstum und seine Probleme.
Das grundlegende biologische Prinzip unserer lebenden Natur ist das des exponentiellen Wachstums. Viele Verläufe sind in der Biomathematik als Potenzfunktionen erfassbar, so z.B. das Bakterienwachstum. Man kennt dies aus den verschiedenen empirischen Ermittlungen und Darstellungen der Zeiten für eine Verdoppelung ihrer Anzahl. Über das Ende solchen Wachstums bestehen unterschiedliche Deutungs- und Begründungsansätze, meist tendiert man zu Hemmungen aus der Umgebung oder der Konkurrenz, manchmal schlicht aus dem Postulat der Endlichkeit folgernd. Genaues ist wissenschaftlich nicht erforscht. Faktisch wissen wir nichts über die Gründe der fortdauernden Ausdehnung unseres Universums, nichts über das Ende des Größenwachstums der Dinosaurier oder ihres Unterganges, das Erlöschen der sich rasant verbreitenden Pestepidemie im Mittelalter. Aber wir konnten in der kurzen Zeit der Menschheitsgeschichte und der uns umgebenden Natur bereits schmerzliche Erfahrungen mit dem Eingriff des Menschen in diese Natur machen, so mit dem Raubbau der Vorräte auf der Erde, der in einen wirtschaftlichen Kampf ausartet. Besonders grausam ragen da die Entwaldung ganzer Kontinente, die Ausbeutung metallischer Elemente und die Erschöpfung der Energievorräte fossiler Brennstoffe als Mahnmale hervor. Dennoch wird das Denken unserer Zeit von Wachstumsideologien beherrscht - ohne die Grenzen herauszufinden 1 oder sich ihrer bewusst zu werden 2 . Die Korrelation von Wachstum und Arbeitskräftebedarf ist nicht erwiesen, absehbar das Ende des Produktivitätsfortschrittes 3 im Rahmen globalisierenden Wettbewerbes um den Markt, deren Triebkräfte das Bevölkerungswachstum und die Erhöhung des Bedarfs 4 der Menschen unserer Zeit sind, wenn auch durch emotionale Versprechen, durch Werbesprüche auf die Zukunft künstlich erhöht 5 . Die Immunisierung dagegen gehört nicht zur Thematik unserer heutigen Bildung. Sie ist nicht Bestandteil unserer „modernen“ Gesellschaft; diese Art Unterwerfung wird nicht als Freiheitseinschränkung empfunden. Werbung ist für die meisten Teil der Marktwirtschaft.
1 In Erinnerung: Zischka, Anton. Der Kampf um die Weltmacht Öl. Leipzig: Goldmann. 1934 u. weitere. Meadows, Dennis L. Die Grenzen des Wachstums; Club of Rome. Stuttgart: Dt. Bücherbund. 1972, Wachstum bis zur Katastrophe, pro und Kontra zum Weltmodell. Stuttgart. DVA. 1974. - Pestel, Eduard. Jenseits der Grenzen des Wachstums. Stuttgart. DVA. 1988. und weitere zum Thema.
2 Mit dem Wachstum der Intelligenz (≠ Gehirn) oder der Vernunft befassen sich meist nur Philosophen. Siehe: Ditfurth, Hoimar v. Von den biologischen Grenzen unserer Vernunft. http://visipix.dynalias.com/sitesen/buch_denken/ditfurth.htm.
3 In der technischen Entwicklung ist zu unterscheiden zwischen „echtem“ und nur vermeintlichem Fortschritt.
4 Nicht des Gundbedarfs, sondern solcher Güter, die anderen Bedürfnissen zugeordnet werden können. Ob dies eine Qualitätsverbesserung unseres Lebens dient, steht dahin.
5 Vgl. hierzu: Albrecht, Jürgen, Dr.-Ing. www.politik-poker.de/globale-aufklaerung-globale-chance.php. 2005. Vgl. auch: Monatsbericht BMinFinanz. April 2007, Psychologie, Wachstum und Reformfähigkeit, S. 43-55. Darin: Es ist nicht möglich mit irgendwelchen kommunikativen „Tricks“ für jede Art von Reform beliebig viel Akzeptanz erzeugen. Der Mensch erwartet - mindestens langfristig - positive Auswirkungen.
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In der Welt des Geldes begegnen uns mit dem Zins und der daraus abgeleiteten Funktion des Zinseszinses ähnliche Phänomene 6 . Sie sind ein Charakteristikum langanhaltenden Wirkens von Kreditaufnahmen. Erwähnt wird es zum Beispiel in den Gutachten zur Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik 7 , in dem eine korrekte Quantifizierbarkeit in Frage gestellt wird: Es fehlt an einer geordneten und zusammenfassenden Berichterstattung, auf deren Grundlage sich die finanzpolitisch Verantwortlichen systematisch mit den vorliegenden Problem auseinandersetzen müssten. 8 In Deutschland wird der haushaltspolitische Handlungsbedarf viel zu einseitig unter kurz- und mittelfristigen Konsolidierungsaspekten und vor allem im Hinblick auf die Einhaltung der fiskalischen Konvergenzkriterien des Maastricht-Vertrages diskutiert. Zu dem kommt noch, dass betreffs der Wirksamkeit dieser Schuldengrenzen eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist, weil sie wiederholt nicht eingehalten wurden. 9
Prognosen über die zukünftige Entwicklung und die noch zumutbare Belastung zukünftiger Generationen, fortgerechnet aus den Budgetdefiziten 10 sind unsicher, weil weder die zukünftigen wirtschaftlichen Begleitumstände noch die Zinsgröße bekannt sind und ein Risiko aus einem unerwarteten Ereignis nicht vorbeugbar ist. Die Zinsausgaben setzen sich aus den unterschiedlichsten Verpflichtungen der Kreditverträge am Markt zusammen in Fälligkeit, Zinshöhe und Art des Kreditgebers. Zinsausgaben aus Altschulden bleiben solange bestehen, wie es diese gibt. Der Primärüberschuss im Bundesland Nordrhein-Westfalen weist jetzt zwar einen Primärüberschuss auf, aber noch immer müssen 4,2 Mrd. € für Zinszahlungen mit neuen Krediten finanziert werden 11 .
Wenn die Zinsbelastung zunimmt, das Produktivitäts-Wachstum gering wird und die Defizite steigen, lässt sich eine Schuldenstandsquote 12 durch „gepuschtes“ Wachstum weder halten noch gar der Schuldendienst bewältigen. Die Schulden sind zu zwei Dritteln durch die Bege- 6 Binswanger,Hans Christoph- - Paschen v. Flotow (Hrsg.). Geld & Wachstum. Stuttgart-Wien: Weitbrecht. 1994.
7 Beirat des BFinMin. Mit dem Vergleich des OECD-Konzeptes u. dem Problem der Generationenbilanzierung. www.bundesfinanzministerium.de/lang_de/DE/Service/Downloads/Downloads_7/9127_0,temprateld=raw,prope rty=publicationFile.pdf. Vgl. hierzu Managerkreis d. Friedrich-Ebert-Stiftung. Staatshaushalt, Wachstum, Demographie. März 2005.
8 Ebenda, S. 3
9 Kambeck, Rainer - Christoph M. Schmidt, RWI Essen. Zur Nachhaltigkeit öffentlicher Haushalte. Kommunal-Info 04/06, Artikel 25, Absatz 1.
10 Zusammengesetzt aus Primär- und Sekundärdefizit (= Zinszahlungen).
11 Kambeck, Absatz 4.
12 Siehe Entwicklung der öffentlichen Schulden, Statistisches Bundesamt, Fachserie 14, Reihe 5, 2005, mit Tabelle Schuldenstand nach Arten und Körperschaftsgruppen. Am 31.12.2005 betrugen die Kreditmarktschulden ÖH im weiteren Sinne 1,447 . 10ⁿ (n = 12). In der Spalte Bürgschaften, Garantien und sonstige Gewährleistungen steht ein Betrag von 0,343 . 10ⁿ (n = 12), dessen Verpflichtung man im Einzelnen nicht kennt. Angeblich sind die Kreditmarktschulden hauptsächlich mittel- und langfristig.
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bung von Wertpapieren am Kreditmarkt entstanden. Der Bund beschafft sich die benötigten Mittel fast ausschließlich auf diesem Weg 13 , in erster Linie durch die Auflage von Anleihen, Obligationen und Schatzanweisungen 14 . Direkte Darlehen bei inländischen Banken und Versicherungen sowie ausländischen Stellen sind dagegen die bei Ländern und Gemeinden/Gv. bevorzugte Verschuldensform. Infolge des Politik-Wandels begann ab 1975 ein gewaltiger Anstieg des Anteiles der Zinsausgaben aller öffentlichen Haushalte an den Steuereinnahmen auf mehr als das Doppelte 15 . Einige Experten meinen, bei einer relativen Spezifizierung, also einer Umrechnung auf den Kopf der Bevölkerung oder der Steuerzahler wäre dieser Betrag gar nicht so schlimm.
Die Belastung des einzelnen, der für das Funktionieren des Staatsapparates einen beträchtlichen Teil der Früchte seiner Arbeit opfert, war der Auslöser so mancher Proteste, Demonstrationen und Revolten. In der Vorrede zur Deutschen Ausgabe des Kommunistischen Manifestes von 1872 wird bereits auf die veränderten Verhältnisse seit den letzten 25 Jahren hingewiesen, aber eines ist in den späteren Ausgaben weiterhin enthalten 16 : die wesentliche Bedingung für die Existenz und für die Herrschaft der Bourgeoisklasse ist die Anhäufung des Reichtums in den Händen von Privaten, die Bildung und Vermehrung des Kapitals. Aber den Verfassern 17 war bereits klar, dass ihre Maßregeln mit der Enteignung des Privateigentums nicht ungeschmälert sinnvoll waren, ja sie setzen sich mit den leistungslosen Einkommen überhaupt nicht auseinander, obwohl ein solches bereits einen langen geschichtlichen Hinter-grund hat. Es tritt in den neueren Verfassungen neben das Privat-Kapital und der Eigentumsgarantie die proklamatorische soziale Verpflichtung, hebt also auf Einsicht und sittliche Würdigung der Menschen ab, ein oft wenig wirksames Unterfangen. Dabei gilt noch heute das, was Descartes äußerte: sowohl der Erforschung des Wesens einer Sache als auch bei Betrachtung aller einzelnen Schwierigkeiten so vollständige Aufzählungen und so umfassende Übersichten zu geben, dass ich sicher wäre nichts auszulassen. 18
13 StBA Datenreport 2006, Auszug Teil 1.- Bundeszentrale für politische Bildung, S. 236.
14 Siehe weiter unten unter persönliche Ersterlebnisse: verloren gegangene durch den 1. Weltkrieg.
15 Das Finanzierungsdefizit in Abgrenzung der Finanzstatistik ist nicht identisch mit dem der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, das in die Berechnung des Maastricht-Kriteriums des staatlichen Defizits einfließt. lt. www.destatis.de/presse/deutsch/abisz/kassenstatistik.htm, Pressemitt. StBA vom 29.03.2007. Im Finanzierungssaldo steht der Bund 2006 mit -28,2 10ⁿ /n = 9), die Länder mit -10 und die Gemeinden mit + 3 da. Vgl. Fachserie 14, Reihe 2 „Vierteljährliche Kassenergebnisse der öffentlichen Gesamthaushalte“, April 2007.
16 Hier Ausgabe 1883 im Abschnitt Bourgeois und Proletarier.
17 Karl Marx, Friedrich Engels.
18 René Descartes. Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung. Leyden 1637. Siehe Übersetzung von L. Fischer, Leipzig: Ph. Reclam jun,. Universal-Bibliothek Nr. 3767 S.31.
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Eigennutz und Moral.
Nach Sokrates 19 leben wir nicht, um zu essen; wir essen, um zu leben. Bereits vor 3 Tausend Jahren drückten die Philosophen der Antike den Charakterzug des Menschen aus: er ist sittlich verpflichtet, nicht nur seinem Eigennutz zu frönen. Später wurde das zu einem Grundsatz der Vernunft des Menschen umgeformt. Heute versucht man Selbstregelungen einzelner Wirtschaftsgruppen und leitender Wirtschaftsführer zu einer Art Anerkennung und Befolgung zu bringen, oft aber vergeblich. Dieses Versagen führt also nicht zur Änderung der Haltung von bestimmenden Kreisen, von Politikern.
Es ist eine Frage der Moral, ob man es gerechtfertigt ansieht, zukünftigen Generationen die Abtragung der Finanzierung der heutigen „Spaßgesellschaft“ anzulasten, unabhängig davon, in welcher genauen Größe sich die heutigen Finanzierungslücken - nicht nur wegen des langen Vorhersagezeitraumes - auswirken werden. Ein jeder kann sich sehr leicht das Maß seiner moralischen Vollkommenheit gradweise aufstellen. Er braucht nur bei seinen Handlungen und den Beweggründen dazu aufzumerken, wie viel und was er um seiner selbst willen und wie viel und was er um edler Zwecke und um anderer willen tut, und ob er das, was er für edle Zwecke und andre tut, nicht um seinetwillen tut. 20 Aus der Kenntnis der Menschen heraus kann sich daraus nicht bei jedem eine bindende Verpflichtung entwickeln. Manchen ist es gleich, was mit den Nachfahren geschieht bzw. wie es diesen ergeht.
Die katholische Kirche strich erst 1983 das Zinsverbot aus dem Kodex des kanonischen Rechtes. Dem Argument, der Zins sei lediglich die Höherbewertung von jetzigem „Spaß-Erleben“ als dem späteren, womöglich wegen des Ablebens nicht mehr realisierbarem, kann nicht beigepflichtet werden. Die Volkswirtschaft profitiert keineswegs direkt davon, dass der Ertrag gesteigert würde durch die Tendenz, dass das Kapital dahin gezogen wird, wo der höchste und sicherste Ertrag zu erwarten ist 21 , denn dabei wird unterstellt, es gäbe eine Moral unter den Nutznießern des spekulativen Kapitaleinsatzes 22 . Mit Krediten finanzierte Investitionen erhöhen unter Umständen die einzelne Rendite, aber der moralische Sinn würde dann abhängig von den Differenzen der Zinshöhen. Bleibt eigentlich nur der Appell an die Moral der ver-antwortlichen Menschen?
19 469-399 v.u.Zr.
20 Klinger, F. M. [* 1776]. Betrachtungen und Gedanken über verschiedene Gegenstände der Welt und der Literatur. Herausgeber: V. R. von Gottschall. Leipzig: Ph. Reclam jun. Universal-Bibliothek 3524/5. S. 172.
21 Vgl. hierzu die Börsenentwicklungen.
22 Onken, Werner. Der Zins als Angelpunkt von Wirtschaft und Moral. In: www.geldreformde [W. Roehrig].
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Das Zins-Wachstum.
Das Bewusstsein in der Öffentlichkeit wird oft durch das Beispiel des Zins-Wachstums von Kredit in Höhe von 1 oder 10 € vor 2 Tausend Jahren von einigen wenigen % Zinsgröße demonstriert. Durch den hohen Potenzfaktor hätte man einen Goldschatz im Umfang einer astronomisch großen Zahl mit der Masse der Erde als „Eigentum“ erworben. Schon die Bundesbank wies vor Jahrzehnten darauf hin, dass Zinsen, Wachstum und Inflation funktionell miteinander verknüpft sind und dass Sorge zu tragen ist, dass das Gleichgewicht nicht gestört ist. Hohe Schulden und hohe Zinslastungen sind Indikatoren für dramatisches Aufziehen von Gewitter. Die öffentlichen Haushalte haben verhältnismäßig - oder besser verantwortungslos zu nennende - hohe Zinsausgaben 23 , die sich ein Familien-Haushalt nicht leisten könnte, da seine Finanzierungsmöglichkeiten endlich begrenzt sind und er deshalb einer Insolvenz entgegengeht. Sein Leben, seine Existenz mit Vorgriffen auf die Belastung zukünftiger Generationen würde heißen, schon dafür Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Immer mehr Menschen erkennen, dass die Politik der ungedeckten Schecks nicht nur verantwortungslos ist, sondern eine Sünde an künftigen Generationen darstellt. Die Zeche bezahlten wir schon heute mit Unsummen von Zinsausgaben 24 , maroden Sozialsystemen, steigenden Steuern und Abgaben. 25 Die Schuldenfalle, in die viele unserer Nachbarbundesländer getappt sind, ist nichts anderes als der fehlende politische Wille, der Bevölkerung unbequeme Wahrheiten zuzumuten. Dies wird sich bitterböse rächen. Leicht abgewandelt ein Zitat von Henry Ford: Ruhm verdampft, Beliebtheit schwindet, Reichtum macht sich davon, nur eines bleibt: Schulden. Der Artikel 121 (1) des EG-Vertrages verlangt, dass die öffentliche Hand eine auf Dauer tragbare Finanzlage sicherzustellen hat. Kredite aus der riesigen Masse der Geldersparnisse privater Haushalte anzuzapfen, dürfte verwerflich sein.
Die Altersvorsorge galt in einigen Entwicklungsländern als gewährleistet, wenn man Kinder hatte. In unserer Kultursphäre war das zurzeit feudaler Herrschaft manchmal noch nicht einmal möglich. Umgekehrt ist unsere Wirtschaft nicht immer Vorbild, wenn man sich des bekannten Ausspruches von Vespasian 26 erinnert: non olet 27 .
23 Siehe Anlagen.
24 Eigentlich aus laufenden Steuereinnahmen zu finanzieren; der Bürger zahlt die Zinsen.
25 Albrecht, Uwe. MdL Rede auf der 14. Sitzung des Sächsischen Landtages am 19.04.2005. Vorsitzender des Arbeitskreises „Haushalt und Finanzen“.
26 Reg. 69-79 im römischen Reich. Juvenal 14,204 sagte dazu: lucri bonus est odor ex re qualibet (Der Geruch des Gewinns ist gut, woher dieser auch stamme).
27 Geld stinkt nicht. Vgl. Sueton (Leben des Vespasian, K.23) und Cassius Dio (B.66,K.14).
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Der „richtige“ Umgang mit Geld - aus Erfahrungen.
Der Begriff des Geldes wird verschieden gefasst. Im Brockhaus ist es schlicht ein Mittel des Zahlungsverkehrs mit allen erdenklichen Mitteln des Verankerns der Information in Speichermedien. Im letzten Jahrhundert ist das Verwalten dieser Information von Werten 28 gigantisch explodiert und die Kontrolle dieser Informationsströme auf dem Erdglobus ist (fast) unmöglich geworden. Im vom Verfasser 2004 bis 2007 beobachteten großen Wirtschaftskriminalitätsprozess der Bundesrepublik Deutschland 29 wurden im Rechnungswesen Lücken festgestellt: Rechnungen waren zuhauf von Töchtern eines Konzerns untereinander ohne Lei-stungs-Grundlage 30 erstellt und in die Jahresabschlüsse und Bilanzen überführt, so dass ein
mit den Dingen nicht näher Vertrauter den Eindruck eines fantastischen Unternehmens gewinnen musste. Nach unserer Rechtsordnung stellen Rechnungen eigentlich eine auf einer „Leistung“ beruhende in Geld fixierte Forderung dar. Aber es gibt Abweichungen: geistige Leistungen können dem Nutzer mehr wert sein als einem sonstigen in unserer Gesellschaft. Einige Berufszweige genießen sogar Rechtsschutz durch Honorarordnungen, sogar ohne ausreichende Kontrolle wirklich erbrachter Leistung, z.B. kann ein Architekt einen einmal erstellten Entwurf eines Hauses „pauschal“ mehrfach als Verhältnis zur Bausumme in Rechnung stellen. Was ein gerechter Preis ist, bleibt oft ungeklärt. Der zur Zahlung Verpflichtete muss Geld geben. So ist es seit den Römer-Zeiten. Im Bürgerlichen Gesetzbuch § 242 heißt
es: Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern. Hier spielt also die jeweils praktizierte Moral hinein, zumindest so, wie es im Streitfall das Richter-Kollegium sieht.
Ein weiter Bereich ist Einkommen ohne Leistung durch bloßes Zurverfügenstellen von Geld an ein Institut, das dieses Geld wiederum gegen Zins als Kredit vergibt und dem Grunde nach nur Verwaltungsarbeit „leistet“ 31 . Bei Reinvestition von Zins und damit Unterwerfen der exponentiellen Zinseszinsrechnung kann bei hohen Zeitfaktoren, d.h. langem Liegenlassen von Geld bzw. anderen Ausleihungen, ein astronomisches Wachstum der Geldmenge initialisiert werden. Im Schrifttum wird immer wieder das Beispiel einer geringen Menge von Geld
28 Jede Urkunde, die ein privates Recht verbrieft, ist ein Wertpapier. Das Recht kann das einer Mitgliedschaft (Aktien), einer Sache (Hypotheken) oder schuldrechtliche Forderungen (Wechsel, Scheck usw.) sein. Zur Geltendmachung des Rechts muss der Besitz der Urkunde nachgewiesen sein.
29 Siehe BIG Business Crime 2/2006 und 2/2007 sowie Kapitel 12 der Genealogie Rabich, CD www.familierabich.de
30 Im BGH Urteil v. 12.03.1981 III ZR 92/79 wird zum groben Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung als sittenwidriges Phänomen Stellung bezogen. Die Bank 6/81 S. 299ff.
31 Die Geschäftsbank sieht das anders und hält die Administration von Geld für eine Leistung.
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vor 2 Tausend Jahren angeführt, wonach man zig-goldene Kugeln in der Größe unseres Erdballes generieren kann. Vielen Wirtschaftlern war das schon vor Jahrzehnten aufgefallen und sie hatten postuliert, das Geld müsste im Volumen durch außerordentliche Ereignisse 32 aus dem Verkehr gezogen werden, um die Spanne zwischen reich und arm oder besser: zwischen dem, der mehr als er dessen bedarf über Geld verfügt und dem, der vom Geld oder seiner Arbeits-Leistung seine Existenz sichern muss, nicht ins Unendliche wachsen zu lassen. Andere Wirtschaftler machen zur Gesundung unseres Geldwesens Vorschläge der Umlaufsicherung, der Regulierung durch staatliche Maßnahmen usw. Schließlich müssen zur Stabilität des Geldwesens die Realwerte der Zinsen erwirtschaftet werden, d.h. das Geld wird zu anderen Besitzern - oder Eigentümern - verschoben. Das Mittel dazu sind Schuldverhältnisse.
Im oben erwähnten Kriminalitätsprozess wurden sowohl die Fehldeutungen aus den
Börsenkurswerten
der Aktiengesellschaften als auch die Praktiken von Firmenjägern aufgedeckt, die Firmen-Komplexe aufkaufen zu einem Preis unter dem
Substanzwert,
ja unter Nutzen eines Notzustandes des Eigentümers sogar unter dem
Marktwert
33
. Nicht lange danach wurden die Firmen dann wesentlich teurer wieder verkauft, der Jäger hatte den Vorteil der Bereicherung. Was also Marktwirtschaft sein kann, wurde da bestens demonstriert und steht manchem
Gewinn-Erzielen
durch Vorspiegeln höherer Werte z.B. infolge Werbung oder durch die
Psychologie
der Erwartung wie an der Börse nicht nach. Die Selbstregulierung des Marktes ist hier ausgeklinkt. Eine solche Art des Handelns ist nicht strafbar und offenbar auch nicht kriminell, denn die Gesetze greifen hier nicht
34
. Wissenschaftlich ist das Phänomen der menschlich arg begrenzten Einsicht
35
und der Korrelation zu den „Kaufmotiven“ quantitativ nicht kalkulierbar und von daher auch in Modellen der Markt- oder Volkswirtschaft nicht abbildbar
36
. Es ist ohnehin bekannt, dass die
Ökonometrie
nicht vergleichbar ist zu den Methoden der naturwissenschaftlichen oder verfahrenstechnischen Disziplinen. Man kann die sogenannten Geldmengen-Flüsse weder in seinen Größen noch in Parametern messen noch aus Erfas-
32 Wozuauch Kriege oder militärische Einsätze zählen.
33 Zu dem Substanzwert eines Unternehmens gehört auch seine Bonitätseinschätzung durch den Markt. Eine sinnvolle und aussagekräftige Information ist nur nach einer umfassenden Unternehmensbewertung möglich. S. Stellungnahme der Deutschen Bundesbank B20l/B2-1 28.09.2001 zum Vorschlag der Joint Working Group of Standard Setters „Fair Value Accounting für alle Finanzierungsinstrumente“.
34 Die Verluste (negatives Einkommen) müssen durch „Gewinne“ an anderer Stelle ausgeglichen werden. Die Banken müssen ab Verlusten > 25 % diese der Aufsichtsbehörde melden KWG § 24 (1) Nr.5.
35 Der Analyst der Kapitalbeteiligungsgesellschaft verließ sich auf die Bewertung an der Börse. Vgl. Bäse, Uwe. Sero: Sortenrein börsenfit. W. Mathes von der Deutschen Bank Research warnt die Anleger. Vdi-nachrichten vom 14.04.1995 S. 8 und mein Leserbrief (gekürzt) in vdi-n. v. 12.05.1995 S.2. Verwirrung stiften auch die Angaben des SERO-Vorstandes Thomas Wagner, s. Reuters Nachrichten- u. Kursinformationssystem v. 28.02. 1995. Dieser Vorstand wurde im Prozess ebenfalls verurteilt. S. Handelsblatt v. 14.12.1994 (Vorankündigung) und Anzeige Sachsen LB im Handelsblatt vom 24./25.02.1995.
36 Decker, Peter. Kritik der Volkswirtschaftslehre. www.contradictio.de/vwl.html
8
sungsstatistiken herauslesen. Es gibt keine zentrale Stelle in der Welt, der die Basis-Daten dazu gemeldet werden oder der im Zeitalter elektronischer Informationstechnik diese kontrollieren könnte. Der Blick in die reale monetäre Welt ist auf wenige Momente und Segmente beschränkt.
Eine Bemerkung sei noch angefügt: der technische Fortschritt dient als „Restgröße“ zur Erklärung von Entwicklungs-Abweichungen bei der Prognose von Branchenentwicklungen 37 . Wir wissen, dass im Rahamen der technischen Entwicklungen die Güter zur Versorgung des Menschen 38 mit Maschinen wesentlich billiger und bei weniger Arbeitern produziert werden können und werden. Die Notwendigkeit menschlicher Arbeit 39 wird daher ständig abnehmen, die Ressourcen 40 werden durch den Menschen erschöpft. Selbst das garantierte Eigentum an Sachwerten 41 wird infolge des Bevölkerungswachstums zwangsläufig abnehmen. Es wird Zeit, sich von der Illusion des Wohlstandes für alle und für alle Zeit zu verabschieden. Dabei schafft der Zins infolge seiner exponentiellen Vermehrung einer elitären Gruppe, die über „freies“ Kapital verfügt, immer mehr Geldvermögen, das, um seine Größe weiter zu erhöhen, wieder eine prosperierende Anlage 42 sucht Solch vermögende Dynastien sind weitgehend unbekannt. Es sind wohl nicht die Banken, die lediglich Mittler und Bucher von „Geld“ und Nutzer vom Geldverleih sind. Die Kriminalitätssucher sind hier anscheinend machtlos, die Soziologen wettern gegen die um sich greifende Unmoral.
Was wissen wir vom Geld und der Geldverteilung des Geldvermögens?
Um das 16. Jahrhundert herum wurde das Papiergeld in Europa eingeführt und bald danach das Buchgeld. Mit dem Wachsen von Banken und Bank-Netzen wurde einerseits die Übersicht über die Geldverhältnisse immer geringer und andererseits ließ auch die Verlässlichkeit der in den Banken gehüteten Geld-Daten nach. Deshalb mussten strengere Maßstäbe an das Rechnungswesen angelegt werden, zumal geldwerte Beziehungen zwischen Handelspartnern
37 Verfasser war selbst mehrere Jahre in den Anhörungen des Deutschen Wirtschaftsinstitutes in Berlin.
38 Nicht Wohlstandsgüter, die eigentlich zur Existenzsicherung niemand braucht.
39 Und damit als Geldquelle, weil Lohn = Ergebnis menschlicher Leistung sein soll. Hier ist hauptsächlich die Leistung aus menschlicher Handarbeit gemeint, indem man unterstellt, geistige sei „höherwertig“.
40 Siehe 1972 Club of Rome: Die Grenzen des Wachstums.
41 Geldvermögen ist ebenfalls Eigentum, infolge seiner Wert-Kopplung jedoch nicht ewigkeitsfest.
42 Hohe Rendite wird versprochen von Kapitalanlagegesellschaft mit aggressiver Markt-Strategie zwecks Gewinnmaximierung ohne strenge Verhaltensgrundsätze und unmittelbare Kontrolle sowie Reglementierung. Meist hohes Risiko, Ab 1.1.2004 in Deutschland zugelassen. Dem Markt werden hohe Renditen vorgegaukelt.
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oft nur in Verträgen als Forderungen 43 oder Verbindlichkeiten vorliegen - ohne dass die Banken davon etwas wussten. Dann kam in großem Stil der Geld-„Schwarzmarkt“ hinzu, der den öffentlichen Überwachungs-Instanzen nicht zugänglich war. Stabilität wurde zu einem Indi-kator, der von verschiedenen Faktoren abhing, auf den die Banken nur bedingt Einfluss haben. Mit dem Aufkommen des elektronischen Banken- und Börsenverkehrs kamen weitere Parameter des Geldverkehrs-Prozesses hinzu, die nicht nur den Umfang der Geldmengen, sondern auch deren Qualität und die Informations-Schnelligkeit betrafen.
Es ist kein Geheimnis, dass man vom globalen Markt und insbesondere vom Geldmarkt nur Teilkenntnis haben kann und hat. Die Geld-Experten benutzen für ihre Markt- und Prozess-Aussagen weitgehend Informationen, die ihnen gemeldet werden oder die sie abfragen. Sie sammeln fortlaufend „Erfahrungen“ und nutzen die daraus resultierenden Daten in einer Art empirischer Wissenschaft 44 . Sie verarbeiten die Daten in unterschiedlichen Berechnungsmodellen oder -Methoden und füllen die Lücken ihres Wissens mit Schätzungen 45 . Die Abweichungen der Geldmengen bezeichnen sie mit Geldüber- oder -unterhängen, aber letztlich ist die wahre Größe der Geldmengen 46 nicht exakt überprüfbar. Immerhin meinen Experten, trotz der Unsicherheiten aus abgeleiteten Indikatoren auf eine reale Inflationsgefahr 47 schließen und die Mengen steuern zu können. Die latente Gefahr aus einer wegen der Zinseszins-Belastung irgendwo erwachsenden unbegrenzten Geldvermehrung 48 ist nicht berechenbar. Dunkle Marktsegmente und die Schattenwirtschaft bleiben außen vor 49 .
43 Mit werthaltigen Forderungen arbeiten Inkassounternehmen = Realisierung von Schuldtiteln. Sie haben 30 Jahre Gültigkeit.
44 Vgl. hierzu das Institut für Statistik und Ökonometrie als empirische Wirtschaftsforschungs-Stelle. Siehe auch: Ebert, Klaus. Theorie und Empirie der Geldnachfrage. Eine saisonale Kointegrationsanalyse liquiditätsorientierter Geldmengen. Diss. Univ. Eichstätt. Wirtschaft & Statistik (2001)4 S. 312-320.
45 Z.B. Experten, empirische Falsifizierung. Es ist nicht möglich, alle Einflußfaktoren zu erfassen und sie auch abzubilden, deshalb wird vereinfacht. Einige Geld-Segmente werden ausgeklammert.
46 M0 = von Zentralbank geschaffenen [= Giroguthaben der Banken + Bargeld]¸1 = M0 + Sichtguthaben, M2 = M1 + Spareinlagen, M3 = M2 + Termingeld. M3 ist die meist genutzte Geldgröße. Die Größen stammen aus Meldedaten der Banken.
47 Eine Inflation soll aus einem Güterkorb abgeleitete Preissteigerungsrate sein, wenn sie 2 % übersteigt, aber sie ist mit Fehlern behaftet, weil einem Preis auch eine Qualitätsverbesserung des Produktes anhaften kann und weil sie die gefühlte Inflation nicht wiedergibt. Eine direkte Messung gibt es nicht.
48 Lt. Bundesbank [Weber, Axel A. Die Aufgaben und Geschäftsfelder der Deutschen Bundesbank, Vortrag am 03.11.2006] ist Ende Oktober 2006 der Bargeldumlauf im Euro-System bei etwa 590 Mrd. €, die Wachstumsraten bei der Bundesbank bewegen sich im zweistelligen Bereich. Okt. 2005 betrug das Girokonten-Guthaben 720 Mrd. €.
49 2002 wird die Schattenwirtschaft auf ein Volumen von 350 Mrd. € geschätzt, s. Informationsdienst Institut d. deutschen Wirtschaft Köln, 29, 49 vom 04.12.2003
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Da Geld dem Grunde nach eine Information - meist in bestimmten Einheiten - über das Verhältnis zu ökonomisch realen oder als realisierbar erscheinenden Werten 50 ist, ist es auch abhängig vom Bewertenden. Banken sind die (rechtlich dafür zugelassenen) Emittenten 51 , die Verwendung liegt außerhalb - auch die Hortung an anderer Stelle, in anderer Art 52 . Der, der Geld besitzt, wird als sein Eigentümer angesehen. Mit einer Aktion, einer Transaktion 53 in eine andere Wert-Art, erhält es den Charakter von Geld als Äquivalent 54 . Das Verhältnis in diesem Augenblick ist also abhängig von der menschlichen Einschätzung, zuweilen losgelöst vom sogenannten Echt-Wert, z.B. vom Metallwert im offiziellen Handel. Diese (statistisch verteilte) Motiv-Parameter 55 sind schwer ermittel- und kalkulierbar, wie die Erwartungshaltungen der an der Börse Aktien Erwerbenden, ausgedrückt in schwankenden Kursen. Auch die Zahl der pro Zeitperiode erfolgenden Aktionen ist nicht direkt messbar 56 , da einerseits einer das Geld „liegen“ lassen kann 57 oder es umgehend weiter - aber unbekannt -transferiert. Im Gegensatz zur Annahme-Pflicht besteht keine Weitergabepflicht.
Das Wachstum und die Spaltung der Geld- und Vermögensgesellschaft
Beständiges Vermögen konnten sich im Laufe der Jahrhunderte nur wenige Menschen schaffen, wenn man einmal von den erblich überkommenen Vermögen der Aristrokatie, abgeleitet aus Macht und Herrschaft, absieht. Im Mittelalter sammelten Fernhandelshäuser in Verbindung mit Bankensystemen, die wiederum Edelmetallgruben ausbeuten konnten und die oft Münzhoheitsrechte verliehen bekommen haben, Geld an. Deshalb wurden solche Bürger als soziale Gruppe Geld-Adel genannt, u.a. auch, weil ggf. Geld zum Adels-Diplom geführt hatte. Schon der Uralt-Niederadel 58 nutzte sein Geldvermögen, um es zu verleihen, was sein Vermögen mehr als das Einkommen aus dem Grundbesitz vermehrte. Nur wenige der „Reichen“ erklärten im vorigen Jahrhundert, ihr Vermögen stamme aus der Zeit vor 1800. Die Mehrheit
50 Es ist keineswegs (nur) Äquivalent für Waren und Leistung, es ist „unabhängig“. Geld ist das einzige Nachfragemittel, das auch ohne Leistungsdeckung in Verkehr gebracht werden kann.
51 Bundesbank (über ihr EZB = Genehmigungsbehörde) gibt den Banken gegen Sicherheit und Bereitstellungsgebühr Geld. Sie reguliert den Wirtschaftskreislauf und den des Geldes. Der Euro ist in gewisser Weise an den US-Dollar gekoppelt.
52 Z.B. Sachwerte.
53 Meist zweckgerichtet. Gewöhnlich kommt es zu einer Transaktionskette, wobei auch Splittungen vorkommen.
54 Sogenanntes Kaufkraft-Maß.
55 Siehe Grosser, Thilo. Es irrt der Mensch, so lang er strebt. vdi-nachrichten 18.10.2002 S. 18 [Behaviour Finance]. Den homo oeconomicus gibt es nicht.
56 Unter der Annahme eines Umlaufes in Richtung und Zeit wird aus den Mengenverhältnissen eine sogenannte Umlaufgeschwindigkeit „errechnet“.
57 Horten, meist bei Banken, aber nicht immer! Nur die Transaktionen über die Bank sind feststellbar.
58 Siehe die Geschichte derer von Herda vom Verfasser.
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der 1991 befragten reichen Dynastien erklärten, ihr Reichtum stamme aus den Umständen der Zeit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts 59 .
Über die Schicht der „oberen Zehntausend“ bzw. der „Reichen“ gibt es nur kümmerliche und wenig verlässliche Daten. Um 1990 vermutet man eine hohe Dichte an Milliardären in Deutschland 60 , mehr scheint es zu dieser Zeit nur in Hongkong und in der Schweiz zu geben. Heute ist das Bild wahrscheinlich stark verändert. So gibt es nach dem Zerfall der Sowjetunion von dort einige Dutzend russische Milliardäre. In den USA zählte man 2001 580 Milliardäre, aber wie sich das Vermögen zusammensetzte und wie es entstand, darüber gibt es keine Informationsquellen. So bleibt auch die Zinseszinsvermehrung durch Geld-Kapital ein Geheimnis, obwohl einige meinen, dort die Nutznießer davon zu finden.
Der einzelne schätzt sich im Allgemeinen nur im Verhältnis zur nächsthöheren Sozio-Schicht ein. Oft ist für ihn bereits ein Einkommensmillionär etwas „bedeutendes“, aber seit Fußballer solche Millionäre sind, ist auch das wenig beeindruckend. 1995 zählte man > 21 Tausend solcher Einkommensmillionäre 61 , wobei „reich“ das war, was > zweimal dem Einkommensdurchschnitt entsprach 62 analog zu „arm“ 63 , obwohl dies keine hinreichende Größe für die Einstufung in die soziale Schicht ist 64 , weil zum Lebensstil noch weitere Einflußfaktoren gehören. Die Ursachen für die gesellschaftliche Differenzierung nach dem Geld oder Vermögen hat eine längere Geschichte. Im Mittelalter gab es bereits dokumentierte Bettler und die den Gemeinden belastenden Armen wurden „registriert“. Manchem bezahlte man im 19. Jahrhundert sogar die Überfahrt zum Auswandern nach den USA. Die Weimarer Verfassung fixierte in Artikel 163 ein Recht auf Arbeit und soziale Leistungen. 1927 wurde die Arbeitslosenversicherung eingeführt. Das Vergehen des Reichtums ist nur fallweise bekannt.
59 Nollmann, Gerd - Hermann Strasser. Armut und Reichtum in Deutschland. Aus Politik und Zeitgeschichte B 29-30/2002 S. 20-28. Die gleichen Startbedingungen zur Zeit der Währungsreform 1948 sind Fiktion.
60 Die Vermögenssteuerstatistik weist 1993 87 Milliardäre auf mit >0,2 Mrd. DM. Das Statistische Bundesamt registriert 1999 die Spareinlagen (Banken/Bausparkassen) von Privatpersonen mit 1,165 Billionen DM. Der Wert des Immobilien-Eigentums ist unbekannt. An Vermögensverwaltern (Finanzportfolioverwalter) gibt es mehr als 400, die meisten „verwalten“ jedoch nur Vermögen in Millionenhöhe.
61 In der Bundesrepublik Deutschland.
62 In der ehemaligen Bundesrepublik 1995 > 10 TDM/Monat. 1989 gab es 180 Tsd. mit Einkommen >250 TDM/ a, d.h. Ø 762 TDM/Kopf.
63 Verfügbares Einkommen < ½ des gesamtwirtschaftlichen Durchschnittes. Tatsächlich stellt die absolute Armut das Unterschreiten der Existenzgrenze dar, was die Behörden anders als die Betroffenen sehen und abhängig ist von der Verwirklichung eines der Kultur entsprechenden Standes.
64 Behle, Heike. Armut trotz Erwerbstätigkeit. Magisterarbeit. W3.ub.uni-konstanz.de/v13/volltexte/2000/451/ pdf/451_1.pdf.
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Wir können also festhalten, dass der Zinseszins bei Verleihstatus mit dafür sorgt, dass einige Menschen Waren und Güter dafür zusätzlich schaffen müssen, genau so wie für Verluste von Unternehmen und Banken 65 , denn diese sind vorher in die verschiedenen Gewinn-Quellen einkalkuliert. Ob dies zum Prädikat soziale Gerechtigkeit reicht, sei dahingestellt.
Anliegend (= am Ende)
Tabellen über Statistiken über Geld in der Bundesrepublik Deutschland und in Europa.
Der private Konsum macht auf der Nutzungsseite der „Wertschöpfung“ einen erheblichen Anteil aus.
Die im Umlauf befindlichen Banknoten setzen sich zu etwa 1/3 aus 500 € und einem weiteren aus 50 € Scheinen zusammen. Das meiste Geld wird jedoch über die Banken verschrieben, die daraus ihren Gewinn erzielen.
Über die vielen sonstigen Arten von Vermögen, z.B. Grundbesitz, Immobilien, Kunstgegenstände usw. gibt es nur wenig Daten, meist resultieren sie aus Schätzungen und dabei auf wenig zuverlässigen Datenquellen. In wessen Hand die Vermögen sind, ist nur zu vermuten.
65 Und von Kriegen des Staates.
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Die persönlichen Ersterfahrungen des Verfassers mit dem Faktor Geld
Es mag in früheren, lange zurück liegenden Zeiten möglich gewesen sein, ein Leben ohne das Mittel Geld zu führen. Heute ist ein Dasein ohne Geld nicht einmal denkbar, denn man braucht es immer und überall. Dabei denkt man zunächst an das Geld in der Form von Bargeld, d.h. geprägte Münzen oder bedruckte Papierscheine, die man überall gegen Waren, Güter, Dienstleistungen, Verpflichtungsschulden (Steuern, Abgaben usw.) einlösen oder umwechseln kann.
Mein erstes Erlebnis als Kind ist mir fortan im Gedächtnis geblieben und wurde ein Mahn-Motiv. Meine Mutter fragte mich, als der Eismann so leckere Eisbecher anbot: brauchst Du das? Worauf ich eilfertig antwortete: Nein! Das existentielle Bedürfnis war ja nicht da, man konnte auch ohne dieses Eis leben. Später ging es mit Schokolade genau so. Ich hortete die Tafeln - meine Brüder staunten und sagten: Da kannst Du ja etwas abgeben. Und im späteren Leben kam ich öfter in eine Situation, wo sich dieselbe Frage stellte, letztlich auch eine Frage des Liquiditäts-„Verzichtes“ (oder von „Wohlstand“) als Mittel zum Sparen für einen anderen Zweck, z.B. die Finanzierung der Ausbildung der Kinder, den Häuserbau oder die Altersver-sorgung, Die Lehre daraus:
Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein. [Goethe] Bezugsmaß ist immer das, was man „wirklich“ braucht.
Dann erzählte meine Mutter von der Goldmark, die meine Großeltern im (preußischen) Kaiserreich angelegt und in schönen Reichs-Papieren „gespart“ hatten. Sie fehlten ihr in ihrer Jugend, im Aufbau der Familie. Aber sie waren mit dem ersten Weltkrieg, in dem die 1876 gegründete Reichsbank zur Kriegsfinanzierung 1914 Schatzwechsel und -Anweisungen ausgab, untergegangen. Und dann kam die Inflation 1922/23 oder heute meist Hyperinflation genannt, wo die Reichsmark im Wert abstürzte und ein Bauernhof für wenige ausländische Dollar den Eigentümer wechselte. Erst später, als mein Vater die Scheine bereits vernichtet hatte, wurden sie mit einem Minimalbetrag „aufgewertet“. Und nicht einmal dieser lächerliche Betrag konnte den einstigen Staats-„Betrug“ mildern. Hitler propagierte nach der Aufhebung der Golddeckung durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 22.07.1931 eine Dekkung durch die Potenz des Arbeitsvermögens. Mit der Unterstellung der Reichsbank 1937 unter den „Führer“ war dann das Tor offen für die Reichsbankkredite 1939 an das Reich; Geld
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wurde nach Staatsbedarf gedruckt, allerdings gab es einen strikten Preis- und Lohnstopp. Der einzelne spürte die wundersame Geldvermehrung nicht oder wenig. Die Scheine von 1923 mit den vielen aufgedruckten Nullen faszinierten mich, sie waren die Erinnerung in einem Zigarrenkästchen, man konnte sie als Antikes anschauen. Was waren das doch für Zeiten gewesen! Zuletzt gab es dafür nur noch etwas für Stunden 66 . Die Lehre daraus:
Das Versprechen auf immerwährende Stabilität und Werthaltung steht auf schwachem empirischem Boden, Wachsamkeit ist gefordert.
Mein Vater arbeitete im Ammoniakwerk Merseburg in Leuna, wo auch die Zentrale der IG-Farbenindustrie war. Er blieb von der Arbeitslosigkeit in der Zeit von 1931/32 verschont. Wir wussten aber schon in der Kindheit, dass es Unterschiede im Einkommen gab. Wir wohnten in einem Meisterviertel, die ärmeren in einer Arbeitergegend, wo auch Kommunisten lebten, die reicheren in einer schönen Anlagesiedlung oberhalb der Saale. Im Domgymnasium in Merseburg spürte man die Herkunft, vielleicht sogar den an dem Status der Kinder von Akademikern, später den der Intelligenz. Dennoch: ich bekam für schulische Leistungen Prämien, z.B. in der Art von Büchern, d.h. als Äquivalent eine Ware. Leistung lohnt sich, hieß es, die Frage war nur, wird das immer so sein und wer bewertet sie? Oder gab es noch etwas anderes, Geld und Beziehung? Das Leben demonstriert das täglich, nicht alle konnten sich etwas Besonderes „leisten“. Im Arbeitsdienst und bei der Wehrmacht wurde dann alles gleichgehobelt, jeder bekam seinen bescheidenen Sold - schließlich arbeitete man für das Volk, für die Ehre. Als Student musste man unter schwierigsten Verhältnissen und viel arbeiten, um überhaupt studieren zu können 67 . Freitisch und Studiengebühren-Erlass waren Begünstigungen, aber ohne Leistungs-Scheine gab es auch das nicht. Die Lehre daraus:
Mangelnde Erwerbsgelegenheit für Arbeitsfähige und - willige ist eine Funktion des Systems von Wirtschaft und Politik, die Gefahr der Existenznot ist für den einzelnen nicht allein durch mehr Leistungsfähigkeit und Leistung vermeidbar.
Vor dem konkreten Antritt des Studiums an der Technischen Hochschule Braunschweig - bei der Heimat jenseits der Zonengrenze in Leuna, also in einem anderen Besatzungsgebiet, setzte die Währungsreform im Bundesgebiet 1948 ein. Ich stand praktisch mit Null Reichsmark da, musste in einer Herberge zur Heimat (für Obdachlose) übernachten und mir Geld für die
66 Die Zeit des regionalen Notgeldes, das nicht immer von der Reichsbank anerkannt wurde.
67 Unabhängig vom Ausschluss durch den numerus clausus, den ich immer überwand.
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Erstausstattung mit 40 DM von der Sozialhilfe holen. Brutal explodierte das Wahrungsgefälle von West zu Ost, aber man konnte noch eine kurze Zeit lang in Konservendosen verpackte 50 Pfennig-Stücke in Berlin umtauschen. Das Coupon-Geld der Deutschen Notenbank erholte sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte von dem qualitativ-quantitativen Unterschied nicht. Die Anverwandten in der Deutschen Demokratischen Republik waren vom Wohlstand des Westens ausgesperrt. Der Wert des Geldes, ausgedrückt in Mark, wurde dort vielfach als unverhältnismäßig niedrig empfunden. Man rätselte über die Ursachen und meinte, das sei politisch gewollt. Klar, dass man als studentischer Babysitter, als Mitbegründer einer der ersten Hilfsorganisationen, mit einem Stundenlohn von 1,25 DM/h und trotz der vielen Stunden keine Sprünge machen konnte. In einer schrägen Eck-Dachkammer hauste ich bei kärglichster Ausstattung und bei 15 DM/Monat Miete. Die Lehre daraus:
Der Wert des Geldes oder des Geldvermögens ist eine Funktion eines über-geordneten Systems, auf das man als einzelner nur verschwindenden Einfluss hat.
Das Maß der Leistung in Geld als unselbständiger Arbeitnehmer legt der Arbeitgeber fest, aus Sicht des Angestellten nicht immer „gerecht“. Für die Leistungsbeurteilung der Beamten kann man gleiches sagen, wie ich später in einer Untersuchung als Industrial Engineer feststellte. Aber das gilt auch für das erarbeitete Vermögen im Erbfall. Die Besteuerungsidee stammt aus der feudalistischen Zeit. Die Investition in die Zukunft der Nachfahren nahm der „Herrscher“. Hier gibt es etwas über zwei moderne Fälle zu berichten. Mein Onkel (mütterlicherseits) verstarb in Berlin, aber er war vorher von den Zeugen Jehovas „bekehrt“ und ein Notar aus dieser „religiösen“ Gruppe fertigte ein Testament zu Gruppen-Gunsten bei einem alten Menschen über 80 Jahre, der nur noch bedingt real und rationell denken konnte. Es war zwecklos, hier bei Gericht „Gerechtigkeit“ zu suchen, denn die Beweislage war schwach. Später beim Tod meiner zweiten Stiefmutter passierte ähnliches. Noch auf dem Sterbebett im Krankenhaus wurde ein DDR-notarielles Not-Testament mit Zeugen erstellt, in dem das ursprüngliche Testament in Frage zu stellen gesucht wurde. Dieser Fall war eindeutig ein politisch bedingter Fall der Erbschleicherei, aber auch hier war ich weitgehend machtlos. Im dritten Fall ging es um das Erbe meiner 1953 in der DDR zu Unrecht verurteilten ersten Stiefmutter. Auf Grund des Vermögensgesetzes konnte immerhin 1990 die Verurteilung kassiert und eine Reparatur der Rechte des Alleinerben angegangen werden. Die Denkmalbehörden des Neuen Bundeslandes Sachsen-Anhalt versuchten jedoch, die Bedeutung der Sozialver-
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pflichtung des Vermögenden 68 zu nutzen und damit die Wiedereinsetzung zu sabotieren. Einige Mühe kostete es - und damit des Einsatzes von erheblicher Geldmenge, hier dennoch zu einer vertretbaren Lösung zu gelangen. Auch die Festsetzungen des Wertes von Mobilien wurden aus der „Notlage“ des Staates restriktiv behandelt und dies zeigte auf, dass keine Instanz in der Lage war, Werte im privaten Haushalt jenseits der Gebrauchsgüter festzustellen. Diese Unsicherheit führte also zu einem Verlust, das Risiko der Nichtbeweisbarkeit hat eben der Ansprucherhebende zu tragen. Die Lehre daraus:
Das Erbrecht ist historisch Teil eines Herrschafts-Systems, der Staat greift über die Steuer nach den Früchten des eigenen Erwerbslebens, wobei das Einkommen bereits einmal besteuert wurde. Das individuell über eigene Leistung erzielte Einkommen wird in der Sparform besondere Steuerquelle - vergleichsweise ungerecht - genutzt. Der Staat fördert den konsumtiven Verbrauch und nicht die Vorsorge für nachfolgende Generationen.
Unangenehme Erfahrungen werden mit der Vorfinanzierung der Anschaffung einer BMW-Isetta und eines BMW-700 gemacht, da sie von einem Finanzierungsinstitut über Wechsel zu einer verpflichtenden Mehrausgabe führten. Das war dann ein Erst-Erlebnis, fast so schlimm wie das erste Mal an der Straße stehen, um als Student mit einem PKW-Fahrer mitgenommen zu werden. Das entsprach in keiner Weise dem eines freien Menschen; man war in einer ungewohnten Art Sklave der Umstände. Aber zu dieser Finanzierung kamen noch weitere Begleitumstände hinzu: beide Fahrzeuge waren solche aus einer Neuentwicklung und mit Anfangsmängeln behaftet, ganz gegen das gewohnte Prinzip einer soliden Ingenieurleistung. Selbst die sogenannte Garantie konnte diesen Mangel nicht ausgleichen, zumal auch diese in ihrer Dienstleistungsqualität arg zu wünschen übrig ließ. Die Arbeit als Zeichenknecht (in einem Technischen Konstruktionsbüro) zeigte, worauf solch Qualitätsmangel an einem technischen Erzeugnis zurückzuführen ist - unabhängig vom Marktdruck. Später musste noch akzeptiert werden, dass die eigene Leistung nicht einmal gesetzes-fälligkeitsgemäß vergütet wurde - nach dem Willen des Arbeitgebers um Wochen verspätet; so dass er das auszuzahlende Geld erst als zinslosen Kredit nutzen konnte. Geld hat also auch einen zeitabhängigen Wert. Die Lehre daraus:
68 Hergeleitet aus dem Artikel 14 des Grundgesetzes.
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Festzuhalten bleibt, dass Geld, Geldvermögen 69 und Sachanlage-Werte nicht unbedingt einem Marktwert oder gar einem „wahren“ Wert entsprechen müssen. Ein Teil wird ohnehin zu anderen transferiert, zu welchen Nutzungen, bleibt geheim. Dies gilt insbesondere im Streit um den besteuerbaren Wert des zurückzugebenden „Vermögens“, der im Finanzgericht Magdeburg (Sachsen-Anhalt) als nicht der Tatsächlichkeit adäquat bezeichnet wurde. Das Finanzamt Naumburg hatte da eben eigene Bewertungsprinzipien. Die persönlichen Berührungspunkte mit Geld sind vielfältig und sie offenbaren, welche Variabeln auf Geld bzw. Geldvermögen (Bank-Guthaben) einwirken können.
Aus der Ermittlung der Geschichte der Vorfahren in Herda 70 wurde deutlich, welche Rolle der Begriff Eigentum und Schenkung und die Stellung des Abgabenpflichtigen an vorgeordnete Adlige spielte. Unverständlich: die dortige Kirche gilt im Eigentum als ohne Urkunden-Beleg befindlich. Häufig wurden „Schenkungen“ an die Kirche von der Partei der Urkundenschreiber der Kirche/Klöster zugeordnet, aber der Schenker und der Schenkungsvorgang bleiben im dunklen. Waren das Aneignungen? Waren die Zahlungen (Zehnten) und Abgaben in natura oder äquivalent in Geld „willkürlich“? Die Rechtsordnung war lange Zeit für die unteren Bauernkreise unbestimmt. Die Möglichkeit, etwas gegen die Herrschaftsverhältnisse wirksam zu unternehmen war begrenzt. Manch Adliger musste sich unternehmerisch als „pleite“ ergeben, mancher wurde reich. Er verlieh seine überschüssige Mittel gegen hohe Zinsen 71 . Aber nicht selten wanderte dabei das Geld an eine ferne unbekannte Stelle, was man heute nicht mehr nachvollziehen kann. Viel Geld wurde durch den Geldhunger der Mächtigen „verbrannt“.
Die Lehre daraus:
Manche meinen, die Schaffung des (privaten) Eigentumsrechts sei überhaupt der Anreiz für mehr Leistung, man vermehre gewissermaßen sein eigenes Vermögen. Dem steht weit abgeschlagen das Argument, als Mitglied einer Volksgemeinschaft einer übergeordneten Zielsetzung zu dienen, gegenüber. Der Begriff des Volkes ist aus dem Bewusstsein verschwunden. Goethe lässt im Vorspiel zu seinem Faust 1808 sagen: Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.
69 Im Sprachgebrauch = Bargeld + kurzfristige Einlagen bei Banken.
70 Dem Herkunftsort der Vorfahren Rabich, siehe www.familie-rabich.de
71 Im Mittelalter war ein Zinssatz > 10 % hoch und verwerflich. Die christliche Lehre verbot überhaupt das Zinswesen, zumindest nach außen hin. Sie selbst nahm den Zehnten als Kirchensteuer. Vor Gerichten gibt es immer wieder Streit um zu hohe Zinsen (versprochene/verlangte). Der Anlageberater sollte über die Risiken aufklären. Ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen ist verpflichtet, s. 2. Finanzmarktförderungsgesetz 26.07.1994 § 31 (1) Nr.4.
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Statistik-Angaben
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Statistisches Bundesamt Wiesbaden.
2006 Bruttowertschöpfung (Preise) [Gesamtwirtschaft] 2,08x 10ⁿ n =12 €
davon Finanzierung aus Vermietung, Untern.Dienstl. 0,6
Bruttoinlandsprodukt (BIP (~Preise) 2,3 Konsum 1,77 davon 1,35 Privater Konsum 0,16 Sparen private Haushalte Brutto-Nationaleinkommen 2,318 Arbeitnehmerentgelt 1,14
davon Unternehmens u. Vermögenseinkommen 0,58 Kreditnehmerschulden per 31.12.2006 1,48 10ⁿ n = 12 zum Vergleich 2005 1,44
Öffentliche Haushalte
Ausgaben [Gesamthaushalt] 1,002 10ⁿ n = 12 Bund 0,28 Sozialversicherung 0,47 (57%; 2004)
Nettokreditaufnahme (Schuldenaufnahme - Tilgung) 0,033
Schuldenstand 72 31.12.2006 [Gesamthaushalt] 1,48 Schuldenaufnahme 2005 [Öffentl. Finanzen] 0,327 darin Wertpapiere 0,076 Unverzinsl. Schatzanweisungen 0,074 Abgänge 2005 0,27
Ausgaben, bereinigt 1,002 10ⁿ n = 12 Zum Vergleich 2005 1,002 Zinsausgaben 73 (Öffentl. Haushalte) 65 10ⁿ n = 9 davon Bund 37,5 zum Vergleich 2005 64,4
72 Kreditmarktschulden im erweiterten Sinne
73 StBA Pressemitteilung vom 29.03.2007 vgl. Anhang.
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Nettokreditaufnahme 33,4 davon Bund 27,9 Zum Vergleich 2005 49,6 davon Bund 31,2
Deutsche Bundesbank
Gold (inklusiv Forderungen) 53 10ⁿ n = 9
Einlagen [auf Girokonten, inkl. Mindestreserve] 47
Banken, Bausparkassen, Versicherungen 2006
Aktiva 7,19 10ⁿ n = 12 Kredite an Nichtbanken 3,05
Schuldverschreibg. + festverzinsl. Wertpapiere 74 1,28 Bruttoabsatz, festverzinsl. Wertpapiere 0,925 Aktien 0,009
Passiva, Einlagen von Nichtbanken 2,66
Saldo von Geldvermögen/schulen
Geldvermögen (2002 75 ) 1 3,73 10ⁿ n = 12 Private Haushalte 2 Geldschulden 1,53
- NichtfinanzielleKapitalgesellschaften 1 1,9 2 3,14 = Monetäre Finanzinstitutionen 1 5,46 2 5,28
- Staat 1 0,3 2 1,32 =
2002 76 Bargeldumlauf in Deutschland 0,089 10ⁿ n = 12
Deutscher Beitrag zur Geldmenge M 3 1,5
Geldmenge M3 in der Eurozone Ende Okt.2004 6,46 EZB Aktiva (E. 2003) 835 ∑
74 Aus Tabelle Wertpapiermarkt
75 Bundesbank, Finanzierungsrechnung 1991-2002, Tab. XI
www.dieterb.de/newmonex/texte/Fetisch_Contra_Mantra. html. S.3 oben. Tab. 1 Geldvermögen…
76 Dtsch. Bundesbank, Deutscher Beitrag zur konsolidierten Bilanz der monetären Finanzinstitute (MFis) im Euro Währungsgebiet. www.gosner-clan.de/workshop/der_fluss_des_geldes_grundlage-
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Anhang:
Aus den Eckwerten der öffentlichen Haushalte BRD 2006/2005 77 geht hervor:
Steigerungen
der Kreditmarktschulden 78 von 2005/2006 + 1,9 %, davon Bund + 3,3 %
Anteil Öffentliche Schulden an Bruttoinlandsprodukt > 60 % [2004 66,4 %]
der Kassenverstärkungskredite 2005/2006 + 2,1 % davon Bund + 13 % Länder - 25 % Gemeinden usw. + 15,8 %. Kassenkredite per 31.12.2006 47,4 10ⁿ n = 9 in €
davon Gemeinden usw. Anteil 34 % zu Kreditmarktschulden.
Kreditmarktmittel des Bundes März/April 2007-05-26 79
lang > 4 Jahre 50,3 %, mittel 31 %, kurz (Rest).
77 Pressemitteilung StBA vom 29.03.2007, Tabelle. Siehe auch Fachserie 14, Reihe 3.1 und 5.
78 Anleihen, Bundesschatzbriefe, -anweisungen, -obligationen, Finanzschätze u.a. Nicht enthalten im Eigenbestand der Emittenden befindliche Wertpapiere, Schuldscheindarlehen usw.
79 Kurzübersicht der Haushalts- u. Finanzdaten des Bundes, Bundesmin. Finanzen v. 23.05.2007
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Gewährleistungen, Ausnutzung per 31.03.2007
Ausfuhr 117,0 10ⁿ n = 9 in € Binnenwirtschaft u. Treuhandanstalt 103,9
Die Zinsausgaben 80 von 2005 auf 2006 + 0,9 %
davon Bund + 0,2 % + 4,8 % 81 von 2006 auf 2007-05-23 Länder + 1,9 % Gemeinden usw. + 2,1 %
Zins-Steuer-Quote 82 1950 bis 1970 < 4 % 1980 bis 1990 ~ 12 % ab 2000 > 14 %.
80 Zinseinnahmen sind gering. Die Verteilung auf Arten, Kreditgeber, nach Fälligkeiten usw. ist unbekannt.
81 Lt. Bundesfinanzministerium vom 10.01.2007, Vorstellung des Bundeshaushaltes 2007.
82 Datenreport 2006 StBA/Bundeszentrale f. politische Bildung. Verhältnis zu Steuereinnahmen
83 Kambeck, Rainer - Chritoph M. Schmidt, RWI Essen. Nachhaltigkeitslücken. Kommunal-Info 04/06 Artikel 25. www.kpv-nw.de/index.php?option=com_contlent&task=viewid=69itemid=124.
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Dr.-Ing. Adalbert Rabich, 2007, Wachstum und Verpflichtung, München, GRIN Verlag GmbH
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