Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
1.1 Untersuchungsgegenstand 4
1.2 Entwicklung der Fragestellung 5
2 Von penetranten weißen B aren 6
3 Erkl arungsans atze 10
3.1 Ironic-Monitoring-Theory 10
3.1.1 Hyperacessability 11
3.1.2 Ironische Prozesse der bewussten Einflußnahme auf die Stimmung 13
3.2 Distractor-Associations-Model - oder: Im Trichter des Ameisenl owen 15
3.3 Motivational inference model 17
4 Fazit 21
4.1 Zusammenfassung 21
4.2 Offene Fragen 22
Literaturverzeichnis 24
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Abk¨ urzungsverzeichnis und Glossar
Distractor(s) . . . . . . . . Gedanken die dazu dienen von einem zu unterdr¨ uckenden Gedanken (→ Target) abzulenken
KD . . . . . . . . . . . . . . . . . Kontrafaktisches Denken MIMO . . . . . . . . . . . . . . Motivational-Inference-Model Negative Cue . . . . . . . → Distractors werden ¨ uber den sog. Negative-Cue mit dem → Target verkn¨ upft (‘Distractor ist nicht Target’) PSR . . . . . . . . . . . . . . . . Post-Suppressional-Rebound
Target . . . . . . . . . . . . . . In dieser Arbeit meist ein Synonym f¨ ur einen Gedanken der un-
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand
Der ¨ ubergewichtige Herr M¨ uller, der Gedanken an seine Lieblingsschokolade verdr¨ angen m¨ ochte, Frau Maier, die den belastenden Gedanken an den k¨ urzlich vorgenommenen Schwangerschaftsabbruch unterdr¨ uckt, ein Heroinabh¨ angiger, der einen Drogenentzug durchf¨ uhrt - sie alle versuchen bewusst Gedanken zu unterdr¨ ucken. Oft sind diese Gedanken Ausl¨ oser f¨ ur eine unerw¨ unschte Handlung. In jedem Fall werden derartige Gedanken vom Unterdr¨ uckenden als unerw¨ unscht klassifiziert.
Prinzipiell sind Verdr¨ angungsprozesse durchaus negativ besetzt. Sie werden oft mit einer Flucht vor den eigenen Problemen gleichgesetzt und was zu der Ansicht verleitet, dass Gedankenunterdr¨ uckung schon an sich ein unreifes, eventuell pathologisches und insgesamt ungesundes Verhalten darstelle. In gewissen Situationen mag die Unterdr¨ uckung von Gedanken wirklich gesundheitssch¨ adlich wirken bzw. eine w¨ unschenswerte Verhaltens¨ anderung hemmen. In der Tat gibt es jedoch auch Beispiele, dass Gedankenunterdr¨ uckung sinnvoll sein kann. Am Beispiel des Kontrafaktischen Denkens (KD) l¨ aßt sich dies einfach nachvollziehen. KD besch¨ aftigt sich u. a. damit, was anders gewesen w¨ are oder anders h¨ atte sein k¨ onnen, wenn verschiedene Ereignisse einen anderen Verlauf genommen h¨ atten (Markman, McMullen, Elizaga & Mizoguchi 2006). Ein Vater, der in einem Moment nicht aufmerksam war, w¨ ahrend sein vierj¨ ahriges Kind auf die Straße sprang und t¨ odlich verletzt wurde, mag sich dies lange zum Vorwurf machen. ” Wenn ich in diesem Moment nicht dieser sch¨ onen Frau hinterhergeschaut h¨ atte, w¨ are nichts geschehen“, wird er sich beispielsweise denken. Eine tragische Situationbesonders tragisch, da er sich einen positiven Verlauf sehr leicht vorstellen k¨ onnte - und am fortw¨ ahrenden Gr¨ ubeln ¨ uber die Frage ” Was w¨ are gewesen, wenn . . .“ verzweifeln
w¨ urde. Sieht der Mann den Grund f¨ ur den Vorfall in einer generellen Veranlagung zum Unaufmerksam-Sein, wird er sich m¨ oglicherweise auch in anderen Situationen, in denen er unaufmerksam ist, Vorw¨ urfe machen. Gleichzeitig wird er dabei oft unweigerlich an den Tod seines Kindes denken, wenn er sich bei einer Unaufmerksamkeit ertappt. In der psychologische Forschung hat man sich mit der Thematik Gedankenunter-
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dr¨ uckung (Thought-Suppression) intensiv besch¨ aftigt. Besonders der Umstand, dass Gedanken, die eine gewisse Zeit unterdr¨ uckt wurden, sich in einem ” schwachen Moment“
umso intensiver ins Bewusstsein dr¨ angen, ist hier von großem Interesse. Dieses Ph¨ anomen hat unter der Bezeichnung Rebound-Effect Einzug in die Fachsprache gefunden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von dem Paradoxen Effekt der Gedankenunterdr¨ uckung. Paradox deshalb, weil sich der Unterdr¨ uckende zu gewissen Zeiten mit einem Ausbruch“ des unerw¨ unschten Gedankens konfrontiert sieht, den man bildlich mit ei-”
nem erloschenen Vulkan gleichsetzen k¨ onnte, unter dem sich ¨ uber Jahrzehnte Magma
ansammelt bis der hohe Druck zu einem erneuten, verheerenden Ausbruch f¨ uhrt.
1.2 Entwicklung der Fragestellung
Es wird sich zeigen, dass die Vulkan-Metapher den Sachverhalt jedoch stark vereinfacht. Doch worin liegen die Gr¨ unde f¨ ur den Rebound-Effect? Wodurch wird er ausgel¨ ost und welche Variablen beeinflussen seine Intensit¨ at? Versetzt uns die Kenntnis dieser Variablen in die Lage auf den Rebound-Effect Einfluß zu nehmen? F¨ ur die Beantwortung dieser Fragen - oder vorsichtiger ausgedr¨ uckt: Um sich der Problematik anzun¨ ahern - ist es zun¨ achst n¨ otig auf verschiedene Erkl¨ arungsmodelle und die zugrunde liegenden Experimente einzugehen. F¨ orster und Liberman (2000) haben in ihrem Artikel eine Einteilung der Erkl¨ arungsmodelle vorgenommen. Ich werde auf diese Einteilung im Kapitel 3 zur¨ uckgreifen.
Im folgenden Kapitel werde ich die klassische Untersuchung von Wegner, Schneider, Carter III und White (1987) ausf¨ uhrlich darstellen, da sich viele Autoren in darauffolgenden Untersuchungen auf sie beziehen.
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2 Von penetranten weißen B¨ aren
Wegner et al. (1987) ließen sich von Dostojewskis Aufforderung inspirieren und entwarfen ein Experiment, das die Probanden mit der Aufgabe konfrontierte nicht an einen weißen B¨ aren zu denken.
Vor dem eigentlichen Experiment wurden die Probanden in einer ¨ Ubungsphase daran
gew¨ ohnt, all ihre Gedanken laut auszusprechen. Ihre ¨ Außerungen wurden per Tonband aufgezeichnet.
Anschließend ließen sie die Probanden zweierlei Phasen durchlaufen: eine Suppression-Phase (Unterdr¨ uckungsphase) und eine Expression-Phase (Konzentrationsphase). In der Suppression-Phase wurden die Probanden aufgefordert, ihre Gedanken wie in der ¨ Ubungsphase laut zu ¨ außern. Dabei sollten sie jedoch m¨ oglichst nicht an einen weißen weißer B¨ ar“ 1 sagten oder wenn ihnen der B¨ aren denken. Jedesmal, wenn sie trotzdem ”
Begriff in den Sinn kam, ohne dass sie ihn aussprachen, sollten sie mit einer Klingel l¨ auten, die vor ihnen auf dem Tisch stand (Ebd., S. 6). In der Expression-Phase wurden die Probanden hingegen aufgefordert, sich f¨ unf Minuten auf den Gedanken an einen weißen B¨ aren zu konzentrieren. Auch in dieser Phase sollte ” laut gedacht“ und von der
Klingel Gebrauch gemacht werden. W¨ ahrend beider Phasen wurden die ¨ Außerungen der
Probanden auf Tonband konserviert, um sie zu einem sp¨ ateren Zeitpunkt auswerten zu k¨ onnen.
In ihrem ersten Experiment verglichen Wegner et al. (1987) nun zwei Guppen: Die
1 Selbstverst¨ andlich galt dies auch f¨ ur grammatikalische Abwandlungen wie ” weiße B¨ aren“ usw . . .
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Tabelle 2.1: Abfolge der Phasen bei der Initial-Suppression- und der Initial-Expression-
Initial-Suppression-Gruppe durchlief erst eine Suppression-Phase und danach eine Expression-Phase - bei der Initial-Expression-Gruppe verhielt es sich umgekehrt (siehe auch Tabelle 2.1). Wegner et al. erhoben die H¨ aufigkeit des ” Weißer-B¨ ar-Gedankens“ in jeder Phase beider Gruppen anhand von drei H¨ aufigkeiten:
1. Erw¨ ahnung und gleichzeitiges L¨ auten der Klingel ( ” Bell with mention“)
2. Ausschließliches L¨ auten der Klingel ( ” Bell only“)
3. Ausschließliche Erw¨ ahnung ( Mention only“)
”
Die Auswertung der Daten f¨ orderte zu Tage, dass sich die beiden Gruppen vor allem in der Expression-Phase unterschieden. Wegner et al. (1987) konstatieren:
When they [the initial suppression group, B. L.] are then released from the suppression task and asked instead to go ahead and express the thought, they do so at an accelerated rate, mentioning it more often than if they had simply been asked to express the thought from the start.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese Wirkung, wenn man die Nennungsh¨ aufigkeit im zeitlichen Verlauf betrachtet. Aus Abbildung 2.1 auf der n¨ achsten Seite l¨ aßt sich entnehmen, dass sich die H¨ aufigkeit des ” Weißer-B¨ ar-Gedankens“ innerhalb von f¨ unf
Minuten ver¨ andert. W¨ ahrend sie sich in der Expression-Phase der Initial-Expression- Gruppekonstant verringert, geschieht in der Expression-Phase der Initial-Suppression- Gruppegenau das Gegenteil; hier nimmt die H¨ aufigkeit im Laufe der f¨ unf Minuten stetig zu. Die ” Verst¨ arkung“ des Gedankens nach vorheriger Unterdr¨ uckung wird von Wegner et al. (1987) als Rebound-Effect bezeichnet und wird auf verschiedene Weise erkl¨ art. Sie diskutieren in ihrer Ver¨ offentlichung bereits zwei alternative Erkl¨ arungsans¨ atze. Zum einen versuchen sie, in Brehms Theorie der psychologischen Reaktanz ( psycholo-”
gical reactance“) eine Erkl¨ arung f¨ ur den Rebound-Effect zu finden. Die Instruktion des
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Abbildung 2.1: Anzahl der Klingelbet¨ atigungen pro Minute in den jeweiligen vier Phasen im zeitlichen Verlauf. Quelle: Wegner et al. (1987, S. 8)
Testleiters, einen Gedanken zu unterdr¨ ucken, schr¨ anke demnach die Freiheit des Proban-
den, genau dies zu tun, ein. Der Theorie zufolge f¨ uhre diese ” dazu, dass der Proband den ” verbotenen“ Gedanken als besonders reizvoll bewerte und ihn in der folgenden
Expression-Phase
um so h¨ aufiger ¨ außere. Sie argumentieren weiter, dass diese Reaktanz jedoch auch im umgekehrten Fall eintreten m¨ usste, denn die Testleiterinstruktion der
Expression-Phase,
sich auf einen Gedanken zu konzentrieren, schr¨ anke die Gedankenfreiheit ja ebenso ein - der ” Weißer-B¨ ar-Gedanke“ sollte demnach im Verh¨ altnis zu anderen Gedanken entsprechend an Attraktivit¨ at einb¨ ußen. Deswegen sollten die Probanden der
Initial-Expression-Bedingung
weniger Probleme haben, den Gedanken in der darauffolgenden
Suppression-Phase
zu unterdr¨ ucken - dieser Effekt sollte sich in vergleichbarem Umfang wie der
Rebound-Effect
in der
Initial-Suppression-Gruppe
bemerkbar machen. Dies war jedoch nicht der Fall, weshalb sie diesen Erkl¨ arungsansatz wieder verwarfen. Desweiteren diskutieren sie einen m¨ oglichen Zusammenhang mit Bems’ Selbstwahrneh-mungstheorie. Diese besagt, dass Personen, die ein Verhalten zeigen, w¨ ahrend sie darin zur gleichen Zeit von Außen gehemmt werden (z. B. durch Strafen o. ¨ a.), dieses Verhalten h¨ aufiger zeigen, sobald diese Hemmnisse wegfallen.
Bezogen auf die Gedankenunterdr¨ uckung sei anzunehmen, dass die Suppression-In-
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struktion ein solches externes Hemmnis darstelle. Da die Probanden in der Suppression- Phasetrotz des Hemmnisses an weiße B¨ aren denken, w¨ urden sie zu der ¨ Uberzeugung
kommen, dass das Denken an einen weißen B¨ aren f¨ ur sie wichtig ist. Ein Proband w¨ urde somit in einem inneren Monolog feststellen: ” Seltsam, jetzt denke ich schon wieder an
diesen doofen weißen B¨ aren - obwohl ich es doch nicht soll! Anscheinend ist mir der weiße B¨ ar sehr wichtig.“.
Nach Wegner et al. (1987) h¨ atte dies jedoch zur Folge, dass es eine positive Korrelation zwischen der H¨ aufigkeit des Gedankens in der Expression-Phase und der H¨ aufigkeit der Instruktionsmissachtung in der vorhergehenden Suppression-Phase geben m¨ usste. Personen, die sich unter der Suppression-Bedingung besonders h¨ aufig ” widersetzt“ h¨ atten,
also besonders oft an einen weißen B¨ aren dachten, w¨ urden demnach auch in der Expression-Phase h¨ aufig an das Tier denken - und umgekehrt. Wegner et al. untersuchen diese M¨ oglichkeit, verwerfen diese Theorie jedoch wieder:
This was not the case, as a zero-order correlation was observed between thought frequencies in the two periods among initial suppression subjects. So self-perception theory fails to capture an important facet of these data. (Wegner et al. 1987, S. 9)
F¨ orster und Liberman (2004) greifen die Selbstwahrnehmungstheorie in ihrem Motivational-Inference-Model (MIMO) wieder auf. Auf dieses Modell werde ich im Abschnitt 3.3 auf Seite 17 n¨ aher eingehen.
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3 Erkl¨ arungsans¨ atze
3.1 Ironic-Monitoring-Theory
Der Ironic-Monitoring-Theory sowie auch dem Distractor-Associations-Model (siehe Abschnitt 3.2) liegt die Vorstellung zugrunde, dass sich der Prozess des Gedankenunterdr¨ uckens aus zwei interagierenden Unterprozessen zusammen setzt (Wegner et al. 1987):
Monitor Ein Prozess der dauerhaft auf der Suche nach unerw¨ unschten Gedanken ist, die sich in das Bewusstsein dr¨ angen (auch: Automatic-Target-Search).
Operator Ein Prozess, der definiert ist als anstrengender, bewusst ablaufender Versuch, uns mit alternativen Gedanken (Distractors) abzulenken. Dieser Prozess findet auch als Controlled-Distractor-Search Erw¨ ahnung.
Der Monitor wird den automatischen Denkprozessen zugerechnet. Das heißt, der Prozess ben¨ otigt zu seiner Ausf¨ uhrung keine geistige Kapazit¨ at. Der Operator hingegen wird als kontrollierter Denkprozess deklariert, fordert demnach die Ausmerksamkeit der jeweiligen Person und wird als anstrengend empfunden. Der Operator greift genau dann ein, wenn der Monitor den unerw¨ unschten Gedanken ” entdeckt“. Abbildung 3.1 auf der
n¨ achsten Seite stellt beide Prozesse im Zusammenspiel dar. Die Wirkungsweise des Monitors wird oft mit einem von außen initiierten Priming- Effektverglichen (Wegner et al. 1987; Erber & Wegner 1992; F¨ orster & Liberman 2000). Demnach soll die Suche des Monitors nach Ged¨ achtnisinhalten, die ein Scheitern des Unterdr¨ uckungsprozesses bedeuten k¨ onnten, die Zug¨ anglichkeit dieser Inhalte erh¨ ohen. Der Gedankenunterdr¨ uckungsprozess l¨ ost also einen ungewollten, kontraproduktiven Effekt aus. Der entsprechende Gedanke wird zuk¨ unftig gerade deshalb h¨ aufiger abgerufen, weil er zuvor unterdr¨ uckt und damit durch den Monitor ” geprimed“ wurde. Wegner (1994)
bezeichnet den Monitor deshalb als Ironic-Monitor und die Effekte des Gedankenunterdr¨ uckens als paradox.
Wegner, Erber und Zanakos (1993) schreiben dem Operator jedoch eine gr¨ oßere Effektivit¨ at zu, Gedanken in das Bewusstsein zu bringen, als dem Ironic-Monitor. Dies soll jedoch nur unter ” Normalbedingungen“ gelten. W¨ are der Operator jedoch durch
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Abbildung 3.1: Schematische Darstellung der Aktivit¨ aten des Monitor- und des Opera-torprozesses (Meine Darstellung, nach Wegneret al. (1987)
Tabelle 3.1: Zwei Beispiele f¨ ur Target- und Nontarget-Prompts (Erber & Wegner (1992, S. 905)).
Einfl¨ usse, die eine kognitive (Zusatz-) Belastung ausmachten in seiner Funktionalit¨ at eingeschr¨ ankt, w¨ urden die ironischen Effekte des Monitors st¨ arker zu Tage treten. Zusammenfassend l¨ aßt sich also sagen, dass die Ironic-Monitoring-Theory vorschl¨ agt, den Gedankenunterdr¨ uckungsprozess als Zusammenspiel der beiden Prozesse Monitor und Operator zu betrachten. W¨ ahrend der Monitor kontinuierlich auf der Suche nach dem zu unterdr¨ uckenden Gedanken ist, lenkt der Operator die Aufmerksamkeit gezielt auf andere Dinge. Der Monitor wirkt ¨ ahnlich wie ein Priming und erh¨ oht damit in paradoxer Weise die Zug¨ anglichkeit zum unterdr¨ uckten Gedanken. Die erh¨ ohte Zug¨ anglichkeit ist im Endeffekt f¨ ur den Rebound-Effect verantwortlich.
Im Folgenden m¨ ochte ich exemplarisch auf zwei Studien eingehen, die sich maßgeblich auf die Ironic-Monitoring-Theory beziehen.
3.1.1 Hyperacessability
Erber und Wegner (1992) stellen in ihrem Aufsatz ” The Hyperaccessibility of Suppressed
Thoughts“ die Vermutung auf, dass der Monitor-Prozess den gedanklichen Zugang zum zu unterdr¨ uckenden Gedanken (Target) stark erleichtert und vergleichen dies - wie schon Wegner et al. (1987) - mit einem extern angeregten Priming-Effekt:
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The automatic target search should act in much the same way as an externally encountered prime to make the unwanted thought highly accessible (Erber & Wegner 1992, S. 904)
In einem Experiment wiesen sie den Probanden jeweils ein Target (z. B. child, house usw. . . ) zu. Eine Gruppe wurde instruiert sich auf das Target zu konzentrieren (Concentration- Condition). Eine andere wurde instruiert, jegliche Gedanken an das Target zu unterdr¨ ucken (Suppression Condition).
Die Probanden sollten sich ihrer jeweiligen Aufgabe f¨ unf Minuten lange alleine widmen. Anschließend wurden ihnen der Reihe nach 16 W¨ orter ¨ uber Tonband vorgespielt.
Vier davon hatten einen Bezug zum Target (Target-Prompts), der Rest waren Non-Target-Prompts und F¨ ullw¨ orter. In Tabelle 3.1 sind Target-Prompts und Non-Target-Prompts zweier Probanden dargestellt. Zu jedem dieser 16 W¨ orter sollten die Probanden einen spontan assoziierten Begriff in ein Mikrofon sprechen - allerdings sollten sie auch w¨ ahrend dessen mit ihrer urspr¨ unglichen Aufgabe (Suppression oder Concentration) fortfahren. F¨ ur ihre Antworten hatten die Probenden manchmal zehn Sekunden, manchmal aber auch nur drei Sekunden Zeit. Erber und Wegner ¨ außern n¨ amlich die Vermutung, dass:
[. . . ] time pressure disturbs the operation of controlled, ressource-dependent processes while interfering only little with the operation of automatic process, the research examined the nature of word associations made by subjects whose controlled processes were either undermined by time pressure or allowed free reign. (Erber & Wegner 1992, S. 905)
Um die Wirkung des Operators isolieren zu k¨ onnen testen daraufhin zwei Bedingungen:
High-Time-Pressure Unter der High-Time-PressureBedingung hatten die Probanden nur drei Sekunden Zeit um eine Wortassoziation zu ¨ außern. Sie standen also unter erheblichem Zeitdruck.
Low-Time-Pressure standen ihnen hingegen zehn Sekunden zur Verf¨ ugung. Kontrollierte Denkprozesse sollten demnach verh¨ altnism¨ aßig unbeeinflusst sein.
Die Untersuchungsergebnisse f¨ orderten zu Tage, dass Probanden, die ihr Target unterdr¨ ucken sollten, unter Zeitdruck stark dazu neigten, das Target zu assoziieren, wenn ihnen ein Target-Prompt vorgegeben wurde. Standen sie nicht unter Zeitdruck wurde das Target wesentlich seltener genannt. Probanden, die sich auf ihr Target konzentrierten, nannten es hingegen h¨ aufiger, wenn sie nicht unter Zeitdruck standen.
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Erber und Wegner (1992) konnten in ihrer Untersuchung also belegen, dass die Effekte des Ironic-Monitor durch Zeitdruck isoliert werden k¨ onnen. In einem weiteren Experiment testeten sie außerdem den Einfluss von geistiger Belastung (Cognitive-Load ) auf die Effektivit¨ at des Operators. Auch hier zeigten sich vorausgesagten Effekte. Erber und Wegner (1992) bekr¨ aftigten ihre Annahme im Anschluss nochmals:
We believe these hyperaccessibility effects occur as a result of the operation of an automatic search for the suppressed thought that is is initiated when a thought is suppressed.
3.1.2 Ironische Prozesse der bewussten Einflußnahme auf die Stimmung
Auf die Frage ob sich der Mensch willentlich in eine positive Stimmung versetzen kann, hat Aldous Huxley eine eindeutige Meinung abgegeben: Es erscheint ihm nicht m¨ oglich. 1 Wegner et al. (1993) besch¨ aftigen sich mit dieser Frage vor dem Hintergrund der Ironic-Monitoring-Theory. Grundgedanke ist hier, dass willentliche ¨ Anderung der Stimmungsla-
ge gleichzeitig auch die Unterdr¨ uckung inad¨ aquater Gedanken mit einschließe. Gemeint sind solche Gedanken, die der Stimmungs¨ anderung entgegenwirken k¨ onnten. Demnach handle es sich hierbei zum Teil auch um eine Variante des Gedankenunterdr¨ uckens. Die Annahme, dass mentale Auslastung die Funktionalit¨ at des Operators (kontrollierter Denkprozess) einschr¨ anke, w¨ ahrend der Ironic-Monitor davon relativ unbeeinflusst bleibe, f¨ uhrt Wegner et al. zu der Vermutung, dass es unter geistiger Belastung schwieriger sei, Einfluss auf die Stimmungslage zu nehmen.
Sie forderten Probanden auf, sich an ein trauriges bzw. erfreuliches Ereignis zu erinnern. Probanden die sich beispielsweise an ein erfreuliches Ereignis erinnern sollten, wurden wiederum zuf¨ allig drei Bedingungen zugeteilt: Die einen sollten versuchen, diese heitere Stimmung wieder hervorzurufen, andere wurden instruiert, sich von der Erinnerung nicht beeinflussen zu lassen und eine dritte Gruppe erhielt keine Instruktion. Probanden, die ein trauriges Ereignis erinnern sollten, erhielten dem entsprechende Instruktionen. Sie wurden aufgefordert, sich entweder (a) so traurig zu f¨ uhlen wie in der
1 Auch Edith Wharton schreibt in The Last Asset: ” There are lots of ways of being miserable, but
there’s only one way of being comfortable, and that is to stop running round after happiness. If you
make up your mind not to be happy there’s no reason why you shouldn’t have a fairly good time.“
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erinnerten Situation, (b) Traurigkeit zu unterdr¨ ucken oder man gab ihnen (c) keine weiteren Instruktionen.
Um die Auswirkung geistiger Belastung zu erfassen wurden verschiedene Probanden aus allen sechs Gruppen vor die Aufgabe gestellt, eine neunstellige Zahl auswendig zu lernen, die am Ende des Experiments wieder erinnert werden musste. Nach der Instruktionsphase wurden die Probanden aufgefordert, ihre Gedanken niederzuschreiben. Nach sieben Minuten sollten sie ihre Stimmung auf einem Testbogen einsch¨ atzen. Die Probanden, die der Bedingung ” Geistige Belastung“ (Cognitive-Load- Condition) zugeteiltwaren, mussten dar¨ uber hinaus die gelernte Zahl niederschreiben. Die Niederschrift der Gedanken wurde sp¨ ater in Hinblick auf die Stimmung in einer siebenstufigen Skala ausgewertet (h¨ ohere Zahl entspricht gl¨ ucklicherer Stimmung). Es zeigte sich, dass Probanden, die durch das Auswendiglernen einer Zahl geistig belastet waren, ihre Stimmung weniger stark beeinflussen konnten, als solche, die keiner geistigen Belastung ausgesetzt waren. Allerdings ließ sich nicht nachweisen, dass sich die Stimmung bei geistig belasteten Probanden paradox, also entgegen der Instruktion, entwickelt, wie dies unter Annahme der Ironic-Monitor-Theory zu vermuten w¨ are. Bei der Auswertung der Selbsteinsch¨ atzungen, ließ sich der paradoxe Effekt bei Pro-banden unter der Cognitive-Load-Condition allerdings nachweisen. Diese Probanden sch¨ atzten ihre Stimmung schlechter ein, wenn sie instruiert worden waren, sich gut zu f¨ uhlen oder schlechte Stimmung zu unterdr¨ ucken. Probanden unter der Cognitive-Load-Condition, die entweder instruiert wurden, sich in eine schlechte Stimmung zu versetzen oder eine gute Stimmung nicht aufkommen zu lassen, f¨ uhlten sich anschließend besser. Der ironische Effekt zeigte sich unter der Cognitive-Load-Condition st¨ arker bei Probanden, die aufgefordert wurden eine Stimmung zu unterdr¨ ucken, anstatt eine bestimmte Stimmung herbeizuf¨ uhren. Probanden, die sich erst an ein sch¨ ones Ereignis erinnern sollten und dann aufgefordert wurden sich angesichts der Erinnerung trotzdem nicht gl¨ ucklich zu f¨ uhlen zeigten also eine st¨ arkere Tendenz, dies entgegen der Instruktion trotzdem zu tun, als Probanden, die diese gl¨ uckliche Stimmung wieder hervorrufen sollten (Wegner et al. 1993).
Wegner et al. (1993) haben in ihrer Untersuchung gezeigt, dass willentliche Stimmungs¨ anderung zwar m¨ oglich ist, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die jeweilige Person sich dieser Aufgabe konzentriert widmen kann. Behindern andere geistige Aktivit¨ aten den Zugang zu den notwendigen Ressourcen, besteht die M¨ oglichkeit, dass ein gegenteiliger Effekt ausgel¨ ost wird. Desweiteren scheint das Vorhaben negativ beeinflusst zu werden, wenn sich die Person eher darauf konzentriert, eine Stimmung zu vermeiden, anstatt eine alternative Stimmung gezielt anzupeilen. In einfachen Worten: Vorhaben
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Abbildung 3.2: Ameisenl¨ owe und seine Opfer. Quelle: http://bugs.bio.usyd.edu.au/ Entomology/images/Topics/intAnatomy/antLionPit.jpg
wie ” Ich denke jetzt einfach an etwas sch¨ ones!“ scheinen besser zu funktionieren als Vorhaben wie ” Ich vergesse jetzt am besten alle d¨ usteren Gedanken!“.
In Anlehnung an den einleitenden Aphorismus Aldous Huxleys l¨ asst sich also zusammenfassend sagen: ” Happiness is not achieved by the conscious pursuit of happiness - whenyour consciousness is engaged in other things.“
3.2 Distractor-Associations-Model - oder: Im Trichter des
Ameisenl¨ owen
Um dieses Modell zu veranschaulichen m¨ ochte ich auf einen Vergleich aus der Tierwelt zur¨ uckgreifen.
Ameisenl¨ owen sind Insektenlarven, die sich beim Beutefang einer trickreichen Methode bedienen: Sie konstruieren im Sand Trichter, in deren Mitte sie sich eingraben. Die W¨ ande des Trichters sind so steil, dass jeder Fremdk¨ orper, der in den Trichter gelangt, einen Erdrutsch ausl¨ osen wird. Ein Opfer, das die Trichterwand betritt, wird bis zum Trichtermittelpunkt rutschen - wo es dann vom Ameisenl¨ owen in Empfang genommen wird.
Stellen wir uns nun eine Ameise vor, die sich auf einer Sandfl¨ ache bewegt. Sie weiß, dass an verschiedenen Punkten Ameisenl¨ owen in ihren Trichtern lauern. Sie weiß jedoch weder wie groß diese Trichter sind, noch wo sie sich befinden.
In ¨ ahnlicher Weise verh¨ alt es sich beim Unterdr¨ ucken von Gedanken nach dem Distrac-tor-Associations-Model : Man stelle sich den zu unterdr¨ uckenden Gedanken (im folgenden
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Target genannt) als einen Ameisenl¨ owen in der Mitte seines Trichters vor. Der Trichter steht hier symbolisch f¨ ur alle Gedanken, die eine Person mit dem Target assoziiert - die Gr¨ oße des Trichters spiegelt die Menge der assoziierten Gedanken wider. Umso gr¨ oßer der Trichter ist, desto gr¨ oßer ist auch die Gefahr, in die Falle zu laufen. Auf den Fall des Gedankenunterdr¨ uckens bezogen hieße dies, dass die Menge der mit dem Target assoziierten Gedanken entscheidet, wie h¨ aufig bzw. wahrscheinlich die jeweilige Person wieder bei dem Target landen wird.
Doch von welchen Assoziationen ist hier die Rede, und wie entstehen sie? Laut Wegner et al. (1987) f¨ uhren die Versuche sich beim Unterdr¨ ucken von Gedanken mit alternativen Gedanken (Distractors) bewusst abzulenken, dazu, dass jeweils neue Assoziationen zum Target gekn¨ upft werden. Sie bezeichnen diesen Vorgang als Negative-Cuing und erkl¨ aren dies folgender Maßen:
Essentially, the individual who is faced with the task of suppressing a thought is given a negative cue for subsequent thinking, an instruction of what to avoid rather than an instruction of what to approach. This means that there is no single item for attention; there is, for instance, no one such thing as not white bear. (Ebd., S. 9)
Als Konsequenz dieses ” ziellosen“ Denkens ergibt sich eine Art unbest¨ andiges ” Von-Gedanke-Zu-Gedanke-Irren“. Diese Gedanken teilen eine Eigenschaft: Sie haben alle nichts mit weißen B¨ aren zu tun. Doch diese gemeinsame Eigenschaft (oder treffender: Nicht-Eigenschaft“) l¨ aßt sich ohne das Konzept ” weißer B¨ ar“ nicht definieren, weshalb
”
jeder Distractor einen negativen Hinweis (Negative Cue) auf den weißen B¨ aren liefert (Ebd.).
Ein zweites Experiment von Wegner et al. (1987) zeigt, dass es - in Hinblick auf den Rebound-Effect - einen großen Unterschied macht, ob versucht wird, sich mit vielen verschiedenen oder mit nur einem Distractor ” auf andere Gedanken zu bringen“. In diesem
Experiment wurden die beiden Gruppen des in Kapitel 2 beschriebenen Experiments (Initial-Suppression und Initial-Expression) beibehalten. Allerdings wurde eine weitere Gruppe in den Versuch einbezogen: die Focused-Distraction-Gruppe. Der Phasenablauf der Focused-Distraction-Gruppe war derselbe wie bei der Initial-Expression-Gruppe. Die Probanden m¨ ussten erst den ” Weißer-B¨ ar-Gedanken“ unterdr¨ ucken und sich anschließend auf ihn konzentrieren. Die Gruppe erhielt jedoch eine Zusatzinstruktion f¨ ur die Suppression-Phase: ” Also, if you do happen to think of a white bear, please try to think of a red Volkswagen instead.“ (Wegner et al. 1987). Durch diese Anweisung sollte die Anzahl der gekn¨ upften Assoziationen erheblich eingeschr¨ ankt, und damit der Rebound-Effect abgeschw¨ acht werden.
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Die Auswertung der Daten zeigte, dass genau dies der Fall war. Durch eine fokusierte Ablenkung wurde der Rebound-Effect signifikant abgemildert (Wegner et al. 1987, S. 11). Dem Distractor-Associations-Modell zufolge konstituiert sich der Rebound-Effect also (auch) durch Assoziationen zwischen dem zu unterdr¨ uckenden Gedanken und solchen, die zur Ablenkung dienen sollen. Diese bezeichnen Wegner et al. (1987) auch als Negative-Cues. Je weniger dieser Assoziationen gekn¨ upft werden, desto schw¨ acher f¨ allt der Rebound-Effect aus. Da der Operator zu den kontrollierten Denkprozessen z¨ ahlt und f¨ ur die Auswahl der ablenkenden Gedanken verantwortlich ist, besteht dadurch auch die M¨ oglichkeit, auf die St¨ arke des Rebound-Effect Einfluß zu nehmen.
3.3 Motivational inference model
F¨ orster und Liberman geben sich mit ausschließlich Priming-orientierten Ans¨ atzen zur Erkl¨ arung des Postsuppressional Rebound (PSR) nicht zufrieden. Sie leiten mit der Feststellung ein, dass Priming additiv wirke. Bewirke der Ironic-Monitor w¨ ahrend der Suppression-Phase ein Priming des Targets wie dies Wegner et al. (1987) vorschlagen, so m¨ usste die Konzentration auf das Target in einer anschließenden Expression-Phase, welche schließlich auch ein Priming darstelle, den Effekt noch verst¨ arken. Also w¨ urden Probanden, die sowohl eine Suppression- als auch eine Expression-Phase durchlaufen, bez¨ uglich des Targets doppelt ” geprimed“ werden. Probanden, die entweder nur eine
Suppression- oder nur eine Expression-Phase durchlaufen, und auf diesem Wege nur einmal ” geprimed“ w¨ urden, sollten somit in einem weiteren Test einen geringeren PSR aufweisen als Probanden, die beide Phasen durchlaufen - sofern nur das Priming f¨ ur den PSR verantwortlich gemacht werden k¨ onne.
F¨ orster und Liberman (2000) schlagen im Gegensatz dazu eine motivationale Begr¨ undung f¨ ur den PSR vor. Ihre zentrale These ist, dass die Probanden aus ihrer Schwierigkeit, die Forderung des Testleiters w¨ ahrend einer Suppression-Phase zu erf¨ ullen, schließen, dass sie motiviert sind, den entsprechenden Gedanken zu denken. Ein Proband k¨ onnte beispielsweise denken: ” Seltsam, jetzt denke ich schon wieder an diesen doofen weißen
B¨ aren - obwohl ich es doch nicht soll! Anscheinend ist mir der weiße B¨ ar sehr wichtig.“. Von der subjektiv empfundenen Schwierigkeit, die Aufgabe zu bew¨ altigen w¨ urden Personen also auf eine latente, intrinsische Motivation schließen. Probanden, die im Anschluss an eine Suppression-Phase eine Expression-Phase durchlaufen 2 sollten ihr Bed¨ urfnis, das zu unterdr¨ uckende Konstrukt 3 zu verwenden, in der
2 Wie die Initial-Suppression-Gruppe aus den Untersuchungen von Wegner et al. (1987)
3 Im Gegensatz zu Wegner et al. (1987) die den Gedanken an einen weißen B¨ aren unterdr¨ ucken lassen,
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Tabelle 3.2: Funktionen von Suppression- und Expression-Phase in Abh¨ angigkeit vom
darauffolgenden Expression-Phase befriedigen k¨ onnen. Tabelle 3.2 gibt einen ¨ Uberblick
uber die Vorannahmen von F¨ orster und Liberman (2000). Es f¨ allt auf, dass sie der Ex- ¨
pression-Phase unterschiedliche Funktionen zuschreiben, je nachdem, ob eine Suppression-Phase vorangegangen ist oder nicht. Dies wirkt auf den ersten Gedanken etwas widerspr¨ uchlich, denn warum sollte die Expression-Phase nicht auch als Priming wirken, wenn sie auf eine Suppression-Phase folgt? Sicherlich beziehen sich F¨ orster und Liberman hier jedoch auf den richtungsweisenden bzw. st¨ arkeren Effekt. Im zweiten Experiment 4 ihrer Versuchsreihe ließen F¨ orster und Liberman (2000) die Probanden f¨ unf Minuten lange ein buntes Gem¨ alde beschreiben. Eine H¨ alfte der Pro-banden sollte bei der Beschreibung des Bildes keinerlei Farbw¨ orter oder W¨ orter die mit Farben assoziiert werden (z. B.: ” Banane“), verwenden. Die andere H¨ alfte erhielt keine besonderen Anweisungen.
Anschließend wurde jeweils die H¨ alfte beider Gruppen zusammengefasst. Sie sollten ein zweites Bild beschreiben - diesmal sollten sie so viele Farbadjektive wie m¨ oglich verwenden. Die restlichen Probanden gingen direkt zum Test der abh¨ angigen Variable ¨ uber.
Durch diesen Versuchsaufbau ergaben sich einerseits die drei dargestellten Konstellationen aus Tabelle 3.2 und andererseits eine vierte, die weder eine Suppression- noch eine Expression-Phase durchlief.
Alle Probanden wurden anschließend in einem scheinbar unabh¨ angigen Test gebeten, Wortr¨ atsel, wie sie beim ” Galgenm¨ annchen-Spiel“ vorkommen, zu l¨ osen. Manche
besch¨ aftigen sich F¨ orster und Liberman (2000) auch mit der Unterdr¨ uckung von ganzen Wortfel-
dern (wie Farben) und Stereotypen (AfroamerikanerInnen und Frauen) und verwenden deshalb den
Terminus ” construct“ statt ” thought“
4 Die Vorgehensweise entsprach zum gr¨ oßten Teil der des ersten Experiments, das allerdings keine signifikanten Ergebnisse gezeigt hatte.
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der Wortfragmente ließen sich sowohl zu einem Farbbegriff, als auch zu einem Nicht-Farbbegriff erg¨ anzen (z. B.: GR
Die Auswertung der Daten zeigte, dass Probanden, die entweder nur eine Suppression-Phase oder nur eine Expression-Phase durchlaufen hatten, beim L¨ osen der R¨ atsel signifikant st¨ arker dazu neigten, Farbadjektive zu erg¨ anzen, als dies Probanden taten, die sowohl Suppression-Phase, als auch Expression-Phase absolvierten. Ließe sich der Rebound-Effect ausschließlich ¨ uber Priming-Effekte erkl¨ aren, w¨ urden letztere st¨ arker zur Bildung von Farbw¨ ortern neigen. Auch die drei folgenden Experimente konnten ihre Alternativhypothese st¨ utzen.
Im Jahre 2004 stellen F¨ orster und Liberman schließlich das Motivational-Inference-Model (MIMO) vor. Sie berufen sich dabei im Wesentlichen auf zwei psychologische Ans¨ atze 5 :
Selbstwahrnehmungstheorie Menschen, die einer Aktivit¨ at nachgehen, obwohl die Gefahr besteht daf¨ ur bestraft zu werden, folgern, dass diese Aktivit¨ at attraktiv sein muss.
Schwarz’ ” feelings as information“ Menschen folgern von wahrgenommenen Schwierigkeiten auf ihre Disposition.
Es k¨ onnte hilfreich sein, die Wahrnehmung der Schwierigkeit in zwei Komponenten zu zerlegen:
1. Eigene Schwierigkeiten, eine Aufgabe zu bew¨ altigen
2. Einsch¨ atzung der generellen Schwierigkeit einer Aufgabe
Die Einsch¨ atzung der generellen Schwierigkeit einer Aufgabe l¨ aßt sich im Experiment leicht manipulieren. F¨ orster und Liberman (2004) beschreiben in ihrem Artikel verschiedene F¨ alle derartiger Manipulationen.
In einem Fall wird den Probanden ein unverst¨ andlicher Text vom Tonband vorgespielt. W¨ ahrend man einigen Probanden erkl¨ art, das Geh¨ orte wirke sich positiv auf ihre F¨ ahigkeit Gedanken zu unterdr¨ ucken aus (Bedingung 1), sagt man den anderen genau das Gegenteil (Bedingung 2). Probanden, die an die unterst¨ utzende Wirkung glauben (Bedingung 1) werden die generelle Schwierigkeit als gering einsch¨ atzen. Diese Probanden
5 Dar¨ uber hinaus thematisieren sie in diesem Zusammenhang den Zeigarnik-Effekt. Der Zeigarnik-Effekt besagt, dass unterbrochene, nicht erf¨ ullte Aufgaben im nachhinein besser erinnert werden, als solche,
die abgeschlossen werden konnten (Ebd.). Sie vergleichen ein, durch Gedankenunterdr¨ uckung geschaf-fenes, Bed¨ urfnis ein Konstrukt zu verwenden, mit einer nicht abgeschlossenen Aufgabe. Somit bleibe
die Zug¨ anglichkeit so lange erh¨ oht, bis die ” Aufgabe“ das unterdr¨ uckte Konstrukt zu verwenden,
abgeschlossen werden k¨ onne. (z. B.: in einer Expression-Phase).
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werden aus dem Konstrast zwischen subjektiv empfundener und vermuteter genereller Schwierigkeit auf ihre Disposition schließen ( Eigentlich sollte es mir doch leicht fallen
”
den Gedanken zu unterdr¨ ucken, da der Text vom Tonband mir dabei hilft! Warum finde ich es dennnoch so schwer? Scheinbar will ich unbedingt daran denken!“). Unter Bedingung 2 werden die Probanden keinen besonders krassen Kontrast zwischen beiden Schwierigkeitseinsch¨ atzungen versp¨ uren, und damit weniger dispositional, sondern eher situativ attribuieren: ” Mmh, die Aufgabe f¨ allt mir ganz sch¨ on schwer. Aber das ist ja kein Wunder, das Tonband macht die Sache ja anscheinend viel schwerer. Ohne das Tonband w¨ urde mir das sicher leichter fallen“.
Die Wirkung von geistiger Belastung (Cognitive-Load ) auf Unterdr¨ uckungsprozesse, wie sie in zahlreichen Experimenten untersucht wurden (z. B.: Erber & Wegner 1992; Wegner et al. 1993) deuten F¨ orster und Liberman (2004) anders als die Autoren der genannten Publikationen:
Another possibility, in line with MIMO, ist that load makes suppression more difficult, and that people may interpret this difficulty as indicating a particularly strong motivation to engage in the suppressed activity. (F¨ orster & Liberman 2004, S. 5)
F¨ orster und Liberman (2004) stellen einen Zusammenhang zwischen der Art der Attribuierung und der Auspr¨ agung des PSR fest:
To sum up, our studys found that augmenting internal attributions of suppression difficulty [. . . ] enhanced rebound, whereas discounting internal attributions for suppression difficulty [. . . ] eliminated PSR.
Die Entstehung eines Rebound-Effects ist also laut F¨ orster und Liberman (2004) an bestimmte Voraussetzungen gekn¨ upft. Treffen diese in einem bestimmten Fall nicht zu kommt es nicht zu einer erh¨ ohten Zug¨ anglichkeit eines unterdr¨ uckten Gedankens bzw. Konstrukts. Nach dem MIMO m¨ ussen hierf¨ ur folgende Voraussetzungen gegeben sein:
1. Das Unterdr¨ ucken muss von der Person als schwierig empfunden werden/die Unterdr¨ uckung scheitert oft.
2. Die Person muss den Grund f¨ ur die Schwierigkeit in ihrer eigenen Disposition sehen (Motivational-Attribution).
3. Das dadurch entstehende Bed¨ urfnis, das entsprechende Konstrukt zu verwenden, wird nicht befriedigt (z. B.: in Form einer anschließenden Expression-Phase im Experiment).
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4 Fazit
4.1 Zusammenfassung
Die Fragestellung meiner Arbeit war einerseits, worin die Gr¨ unde des Rebound-Effect gesehen werden und welche Variablen seine Intensit¨ at beeinflussen. Andererseits fragte ich nach nach M¨ oglichkeiten auf den Rebound-Effect Einfluß zu nehmen. Zweitere Frage k¨ onnte sich besonders in der therapeutischen Praxis stellen. Ich habe in dieser Arbeit beschrieben, worin Gr¨ unde f¨ ur den Rebound-Effect gesehen werden:
• Priming durch den Ironic-Monitor
• Negative-Cuing (Distractor-Associations-Model )
• Bed¨ urfnisbezogene Zug¨ anglichkeit (MIMO)
Im Folgenden m¨ ochte ich auf die aufgez¨ ahlten Theorien in Hinblick auf auf m¨ ogliche Einflussnahme auf den Rebound-Effect eingehen.
Ironic-Monitoring-Theory Die St¨ arke des Rebound-Effects kann hier theoretisch nicht direkt beeinflusst werden. Der Ironic-Monitor, der ein Priming des Targets und verwandter Themen verursacht, ist ein automatischer Denkprozess und kann von außen schlecht beeinflusst werden. Die Ironic-Monitoring-Theory liefert zwar Hinweise, dass die Unterdr¨ uckung eines Gedanken leichter von statten geht, wenn die jeweilige Person keinen weiteren geistigen Belastungen ausgesetzt ist. Die Abmilderung eines Rebound-Effect ist der Logik der Ironic-Monitoring-Theory zufolge jedoch nicht m¨ oglich - außer nat¨ urlich, entsprechende Gedanken erst gar nicht zu unterdr¨ ucken.
Distractor-Associations-Model Die entscheidende Variable dieses Modells ist die Menge der gekn¨ upften Assoziationen durch Negative-Cues. Je mehr Gedanken w¨ ahrend der ” Ablenkungsman¨ over“ benutzt werden, desto h¨ oher sollte die Anzahl dieser Negativen Hinweise sein. Eine erfolgsversprechende Strategie k¨ onnte also sein, sich
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bei der Gedankenunterdr¨ uckung auf m¨ oglichst wenige Distractors zu konzentrieren (Wegner et al. 1987).
Motivational-Inference-Model Der Rebound-Effect leitet sich hier aus der empfundenen Schwierigkeit einen Gedanken zu unterdr¨ ucken her. Sobald die betreffende Person aus der Schwierigkeit auf seine Disposition schließt, entwickelt sie ein reales Interesse, das unterdr¨ uckte Konstrukt anzuwenden (F¨ orster & Liberman 2004). Einfluss auf den Rebound-Effect ist demnach m¨ oglich, indem die Person auf die objektive Schwierigkeit einer Gedankenunterdr¨ uckung hingewiesen wird, die Gr¨ unde f¨ ur seine R¨ uckschl¨ age infolgedessen nicht auf seine Person bezieht und sich damit keine latente Motivation ” unterstellt“, das entsprechende Konstrukt zu verwenden.
Leider ist es schwierig, auf die Frage, wie ein Rebound-Effect zu beeinflussen ist, eine endg¨ ultige Antwort zu finden. Daf¨ ur w¨ are weitere Literaturarbeit n¨ otig und der Rahmen dieser Hausarbeit w¨ urde hierbei gesprengt werden. Es trat jedoch zu Tage, dass auch im wissenschaftlichen Diskurs keine Einigkeit besteht wie der Rebound-Effect zu erkl¨ aren sei.
4.2 Offene Fragen
Bei der Besch¨ aftigung mit dem Thema ” Gedankenunterdr¨ uckung“ stellten sich mir Fragen zu verschiedenen weiteren Untersuchungsszenarien, die ich im Folgenden kurz darstellen m¨ ochte:
Mehrere Unterdr¨ uckungsprozesse nebeneinander Welche Wechselbeziehungen w¨ urden sich ergeben, wenn zwei (oder mehr) Konstrukte zur gleichen Zeit unterdr¨ uckt werden sollten? Wie w¨ urde es sich auswirken, wenn eine anschließende Expression- Phasenur f¨ ur eines der Konstrukte gelten w¨ urde, w¨ ahrend das andere unver¨ andert weiter unterdr¨ uckt werden werden m¨ usste? W¨ urden beide Konstrukte ¨ uber gemeinsame Negative-Cue-Assoziationen verbunden werden?
Unterdr¨ uckung von Kontrafaktischem Denken Welche Rolle spielt die Unterdr¨ uckung von Gedanken beim Umgang mit KD? Kann kontraproduktives KD mithilfe von Gedankenunterdr¨ uckungsstrategien in den Griff bekommen werden?
Selbsthilfegruppen als ” Attribuierungshelfer“ W¨ urde es sich auswirken wenn Probanden nach einer Suppression-Phase untereinander ¨ uber ihre Schwierigkeiten beim
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Unterdr¨ ucken austauschen k¨ onnten, bevor sie alle anschließend eine Expression- Phasedurchlaufen? Dem MIMO zufolge, sollte ein solcher Austausch eine Auswirkung zeigen. Damit w¨ urde das Selbsthilfegruppenkonzept aus dem Blickwinkel der Gedankenunterdr¨ uckung beleuchtet werden.
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Literaturverzeichnis
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Markman, K. D., McMullen, M. N., Elizaga, R. A. & Mizoguchi, N. (2006). Counterfac-
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Wegner, D. M., Erber, R. & Zanakos, S. (1993). Ironic processes in the mental control of mood and mood-related thought. Journal of Personality and Social Psychology, 63, 1093-1104.
Wegner, D. M., Schneider, D. J., Carter III, S. R. & White, T. L. (1987). Paradoxical effects of thought suppression. Journal of Personality and Social Psychology, 53, 5-13.
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Arbeit zitieren:
Benjamin Liersch, 2007, Gedankenunterdrückung: Erklärungsansätze für der Rebound-Effect , München, GRIN Verlag GmbH
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