INHALTSVERZEICHNIS
A) HANNIBALS JUGEND 3
B) DER ZWEITE PUNISCHE KRIEG BIS CANNAE 10
)C DER ZWEITE PUNISCHE KRIEG VON CANNAE BIS ZAMA. 16
D) HANNIBALS LETZTE LEBENSJAHRE 23
E) ZUR BEURTEILUNG HANNIBALS. 31
VERWENDETE LITERATUR 37
A) HANNIBALS JUGEND
Über Hannibals Jugend fehlen fast alle biographischen Details. Das Geburtsjahr ist nur durch spätere Angaben zu errechnen. Seine Brüder werden nur erwähnt, weil sie später neben ihm eine Rolle spielten, 1 nur zufällig ist bekannt, daß er zwei Schwestern hatte, 2 der Name der Mutter ist unbekannt, da diese Tatsachen für den antiken Betrachter unwesentlich waren. 3
Das Geburtsjahr läßt sich nach dem Schwur am Altar 4 errechnen, dies geschah während des Auszugs nach Spanien im Frühjahr 237. Hannibal war damals 9 Jahre alt. Danach ist die Obergrenze für seine Geburt das Frühjahr 247 v.Chr. Polybios gibt in XV 19, 3 an, daß Hannibal zur Zeit der Rede an den Senat 45 Jahre alt war. Nepos gibt in Hann. 3,2 an, daß Hannibal bei seiner Ernennung zum Feldherrn 25 Jahre alt war, was bedeutet, daß Hannibal 246 v. Chr. geboren wurde. 5 Aus seiner Jugend wird nur die Geschichte des Eides überliefert, als er sie 193/2 Antiochos erzählte. 6 Vor der Abfahrt brachte Hamilkar den Göttern Opfer, und ließ Hannibal schwören, daß er als Erwachsener nie vergessen dürfe, daß Rom der Todfeind seines Volkes sei. 7 Das Militär vermittelte ihm die ersten entscheidenden Eindrücke.
Er wuchs dort als ältester Sohn und damit als Erbe Hamilkars auf, was ihn aus der Masse seiner Altersgenossen heraushob. In Karthago wurde die vornehme Jugend unter ihresgleichen erzogen, Hannibal dagegen lernte frühzeitig eine festgefügte staatliche Ordnung kennen, und war von alten
1 Hasdrubal, Hanno, Mago; de Beer, 61
2 Livius: Die Frau Hasdrubals und die Frau des Ösellos, des Königs von Numidien und des Oheims Massinissas; Egelhaaf, 56
3 Hoffmann, 36
4 Liv. XXI 1, 4; Nep. Hann. 2; Pol. III 11, 5
5 RE 7/2, 2323;
6 Hoffmann, 36
7 Hoffmann, 36f
Traditionen umgeben. Wegen seiner künftigen Stellung war ein guter Unterricht nötig. Möglicherweise hat er bereits damals Griechisch gelernt.
Auch die Kriege und die Herrschaft der Barkiden in Spanien und die Feldlager machten auf ihn einen großen Eindruck. Er erfuhr früh, was ein Offizier wissen mußte, er lernte aber auch die Probleme der Soldaten kennen.
Es entwickelte sich in ihm die Fähigkeit, mit Soldaten umzugehen, auf sie einzuwirken und sie anzufeuern, aber auch die Überzeugung, zum Befehlen und Herrschen geboren zu sein. 8 Besonders bewährte er sich als Reitergeneral 9 und in der Taktik. 10
Da die Gegner der Karthager oft zahlenmäßig stärker waren, entwickelte er in Spanien eine Kampftechnik, die die Hauptmasse schonte, und die leichter zu ersetzenden Bundesgenossen die Hauptlast tragen ließ. Diese Taktik wandte er später auch in Italien an. 11
Er war der geborene Befehlshaber, ein ausgezeichneter Reiter, seine Ausrüstung war immer auf das beste gepflegt. Meist trug er die gewöhnliche Uniform der Offiziere, er war auch ausgezeichnet im Nahkampf, und hatte die Gabe, die Truppen so anzufeuern, daß sie sich bedingungslos für ihn einsetzten. 12
Dabei muß man berücksichtigen, daß er nicht an der Spitze einer patriotischen Nationalarmee stand, sondern an der eines Söldnerheeres, dessen Angehörige aus den verschiedensten Regionen kamen. 13 Er wußte,
8 Hoffmann, 38
9 RE 7/2, 2323; Liv. XXI 4, 1ff; Nep. Hann. 3
10 de Beer, 64
11 Hoffmann, 39
12 de Beer, 64
13 de Beer, 64f
wie die anderen Barkiden, den Wert der griechischen Kultur zu schätzen, so zeigen die Münzen, die die Barkiden prägten, griechischen Einfluß. 14
Die militärische Umgebung bestimmte allerdings auch seine Einstellung zu politischen Entscheidungen, da die Trennung zwischen Militärwesen und Politik in Spanien nie sehr groß war. Außerdem waren der Wertmaßstab der spanischen Fürsten kriegerisches Können und ritterliche Tapferkeit, menschliche Größe war wichtiger als vertragliche Abmachungen. Auch wurden Gegner, die diese Bedingungen erfüllten, bewundert.
Um spanische Stämme an sich zu binden, heiratete er eine Fürstentochter aus Castulo. Dies zeigt, daß er die Fähigkeit, durch Versprechungen Gegner zu gewinnen, bereits gelernt hatte. 15
Auf seine politische Einstellung wirkte es sich auch aus, daß er kaum Gelegenheit hatte, sich über große politische Zusammenhänge zu orientieren, da man darüber im Randgebiet Spanien eine andere Sicht hatte als in Karthago. Dies unterschied ihn von Hamilkar und Hasdrubal, die den Ersten Punischen Krieg selbst miterlebt hatten. Hannibal dagegen kannte Rom nur aus Geschichten und sah in Spanien die Überlegenheit der karthagischen Waffen und glaubte deshalb an die Zukunft Karthagos.
Er sah das Herrschen seines Hauses als etwas Gegebenes. Hamilkar und Hasdrubal stiegen vom Bürger zum Herrscher in Spanien auf, Hannibal dagegen fühlte sich nie als Bürger. 16
Nach dem Tod Hamilkars wurde er zweiter Mann in Spanien, 17 nach der Ermordung Hasdrubals im Jahr 221 sofort Oberfeldherr. 18
14 de Beer, 65
15 Hoffmann, 39
16 Hoffmann, 40
17 Hoffmann, 38
Zuerst sicherte er die Position der Karthager in Spanien ab. Im folgenden Jahr eroberte er den gesamten Teil Spaniens südlich des Ebro. Damit war die karthagische Herrschaft in Spanien endgültig konsolidiert. Jetzt begann er, den Kampf gegen Rom vorzubereiten, da die optimale Mannschaftsstärke erreicht und das Heer aufs beste gerüstet war. 19
Außerdem hatten die Kelten in Italien bei Telamon eine Niederlage erlitten, wobei das Keltenheer blutig niedergemetzelt wurde. 220 v. Chr. waren die Operationen abgeschlossen. Außerdem war Hannibal von den Schwierigkeiten der Römer in Illyrien und Griechenland überzeugt. 20
Die griechische Stadt Sagunt war der Anlaß zum Kampf gegen Rom. Sagunt lag im Gebiet der iberischen Turdetaner, die den Saguntinern feindlich gesinnt waren. Die Saguntiner fürchteten das Eingreifen Hannibals und wandten sich um Hilfe an die Römer. Inzwischen begann Hannibal mit der Belagerung Sagunts.
Im Winter wies er eine römische Gesandtschaft ab, die ihn wegen Sagunt aufsuchen wollte. 21 Nach acht Monaten eroberte er Sagunt im Herbst 219. Durch dieses Vorgehen war der Krieg unvermeidlich.
Hannibal traf Anordnungen für den Aufbruch, er schickte Kundschafter unter Geheimhaltung über die Alpenpässe nach Oberitalien, um die Stimmung dort zu erkunden. 22
Auch mußte das Gelände, die dortigen Truppen und deren Kampftechniken erkundet, und die Unterbringungs- und Verpflegungsfrage geklärt werden. 23
18 RE 7/2, 2324; Pol. II 36, 3; III 13, 3; Liv. XXI 36, 1
19 de Beer, 73f
20 de Beer, 75
21 Pol. III, 17, 1-9
22 RE 7/2, 2324
23 de Beer, 75
Hasdrubal erhielt den Befehl in Spanien, die Verteilung der Truppen in Spanien und Afrika nahm Hannibal noch selbst vor. 24
Karthago verfügte durch die Eroberung Spaniens beim Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges zwar über ein größeres Gebiet als 264, und Spanien galt als unerschöpfliches Reservoir für die Anwerbung von Truppen, dazu kam die Ausbeute aus den spanischen Silberminen, was wichtig für die Finanzkraft Karthagos war, jedoch hatte sich die strategische Lage verschlechtert. Sardinien und Sizilien waren römisch, die römische Flotte der karthagischen weit überlegen, die karthagische Flotte war außerdem zu klein, um die lange afrikanische Küste zu schützen. 25 Deshalb mußte Hannibal die Initiative an sich reißen, um vor Beginn der römischen Offensive in Italien zu sein. 26
Außerdem benötigte er Operationsbasen in Italien. Dafür waren Siege über die römische Feldarmee nötig, um die italische Bundesgenossenschaft zu zerschlagen. 27
Das Ziel Hannibals war nicht die Vernichtung Roms, 28 da Karthago nie erobernde Weltpolitik getrieben hat. Kämpfe dienten nur der Verteidigung kaufmännischer Interessen, 29 selbst in Afrika wurden nicht mehr Eroberungen als nötig gemacht. 30 Nach Cannae machte Hannibal einen Versuch, Frieden zu schließen. Gegen den Plan einer völligen Unterwerfung spricht auch, daß er einen direkten Kampf gegen Rom ablehnte, da er sein Heer für viel zu schwach hielt. 31 Laut Polybios VII 9 war nur die Abtretung des römischen Gebietes in Illyrien und der Küste von Epirus geplant.
24 RE 7/2, 2324
25 Hoffmann, 47
26 Hoffmann, 51
27 RE 7/2, 2325
28 ebenda
29 Kromayer, HZ, 241
30 Kromayer, HZ, 242
31 Kromayer, HZ, 244
Mit Rom wollte Hannibal einen Freundschaftsvertrag schließen, er ließ Rom so selbständig, daß er sogar einen neuen Krieg in Erwägung gezogen hat. 32
Demnach kämpfte er in Makedonien und Karthago um die Erhaltung eines Gleichgewichtszustandes, der Garant dafür war Makedonien. Hannibal trat für ein dauerndes und festes Nebeneinander zwischen Rom und Karthago ein, er wollte Rom nur unschädlich machen. 33 Nur das Gebiet, das Karthago vor dem Krieg, also das Gebiet bis zu den Pyrenäen und die zu ihm abgefallenen Gebiete wollte er nicht preisgeben. Auch dem König Hieronymus wurde der Bestand seines Reiches garantiert. Roms Herrschaft sollte sich auf die latinischen, sabinischen, etruskischen und umbrischen Stämme beschränken. 34 Nach Polybios III 8 war Karthago mit dem Krieg einverstanden, deswegen haben sie ihn auch 17 Jahre geführt, allerdings hatten die Anhänger der Barkiden in den karthagischen Regierungsbehörden großen Einfluß. Hannibal wurde von Karthago auch 15 Jahre lang unterstützt. 35
In Rom hatte ein Teil des römischen Adels Angst vor Karthago. Die römischen Bundesgenossen waren unzufrieden wegen der steigenden römischen Produktionskraft in Kampanien, deswegen wurde der Krieg gegen die Karthager vielleicht für nötig gehalten. Gegen den Krieg waren die Fabier und die Plebejer, die die Handwerker und Bauern stellten und die Hauptlast des Krieges trugen. 36 Außerdem waren die Keltenkriege erst vorbei. Im Mai 218 v. Chr. trafen die ersten Nachrichten von der Ebroüberquerung in Rom ein, was als Nichteinhaltung des Ebrovertrages gewertet wurde. Jetzt war der Krieg für die Römer eine Prestigefrage. 37
32 Kromayer, HZ, 245f
33 Kromayer, HZ, 246
34 Kromayer, HZ, 247
35 Kromayer, HZ, 250
36 Görlitz, 54
37 Görlitz, 55
Arbeit zitieren:
Brigitte Ecker, 1984, Hannibal, München, GRIN Verlag GmbH
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