biologischen Verwandschaft zum Primaten sah.Für die Bindungstheorie übernahm Bowlby den ethologischen Bezugsrahmen der Verhaltensforschung von Konrad Lorenz,William Thorpe und Niko Tinbergen.
Somit kann man Bowlbys Bindungstheorie als einen gelungenen Versuch verstehen , sich mit historisch gewachsenen, aber oft empirisch ungeprüften Einsichten , den Anforderungen des heutigen wissenschaftlichen Selbstverständnisses zu stellen . Von der Psychoanalyse ........
Die Grundthese , nach der " das Kind Vater des Mannes sei" wird von der Psychoanalyse vertreten , wobei sie der frühkindlichen Erfahrung eine grosse Rolle zuweist.
Allerdings gibt es viele Belege dafür , dass diese Behauptung viel zu pauschal ist und zu falschen Assoziationen führen kann , obwohl die Behauptung an sich nicht empirisch untermauert wurde. Bowlby zog aufgrund von eigenen Erfahrungen über das Elend der Kinder vor und nach dem 2. Weltkrieg die wissenschaftliche Konsequenz , dass unklare Begriffe und rückwärtsgerichtete Äusserungen erwachsener Patienten durch systematische Beobachtungen und vorwärtsgerichtete Untersuchungen zu ersetzten seien.
Nach Bowblys Meinung hat zwar die Psychoanalyse die richtigen Fragen gestellt , aber die falschen Antworten gegeben.
Der nicht zu überbrückende Unterschied zwischen der Psychoanalyse und der theoretisch offnen Bindungsforschung ist derjenige zwischen einem geschlossenen Denksystem , welches nur auf den Worten Freuds beruht und wissenschaftlich ungeprüft für wahr angenommen wurde . Und den Hypothesen einer offenen Theorie, in der Annahmen solange skeptisch betrachtet werden , bis sie entweder als falsch widerlegt werden oder durch Untersuchungspläne und Forschungsmethoden hinreichend belegt sind. Das theoretische Konzept : die Ethologie
Das theoretische Konzept , was die Bindungsforschung überhaupt erst ermöglicht, beruht zu einem grossen Teil auf der Ethologie bzw. der vergleichenden Verhaltensforschung. In den folgenden Beiträgen sollen diese Zusammenhänge aufgezeigt werden , um die Bindungsforschung an sich zu verstehen:
-in " Mit der Ethologie heraus aus der Psychoanalyse : Ein Kreuzungsexperiment" beschreibt John Bowlby den Schritt, die triebtheoretischen Konzepte der Psychoanalyse durch adaptive ,informationsverarbeitende Konzepte zu ersetzen.
-die umgekehrten Blickrichtung , die als eine Art der Bestätigung gilt, veröffentlichte er in dem Beitrag " Ethologisches Licht auf psychoanalytische Probleme"
-einen gemeinsamen Lebensrückblick von Mary Ainsworth und John Bowlby beinhaltet der dritte Beitrag" Ein ethologischer Zugang zur Persönlichkeitsentwicklung ".In ihm wird der ethologische Ansatz als phylogenetischer Bezugsrahmen auf seine entwicklungspsychologischen Möglichkeiten hin geprüft.
Bowlbys Methode....
Durch die Methode der Beobachtung ergab sich für Bowlby die Möglichkeit zur objektiven Erfassung von Parametern individuellen Verhaltens und von kommunikativen Prozessen: -in der frühen Kindheit gibt es eine weitgehende Parallelität zwischen den inneren Vorgängen und dem Verhalten . Hier erweist sich vielfach die systematische Dokumentation von Verhaltensweisen als ein Leitfaden , mit dem man sich gleichzeitig vollziehende Prozesse erkennen kann. -wenn in der späteren individuellen Entwicklung des Kindes die Sprache gut beherrscht wird, lassen sich die geistigen Prozesse als sprachliche Repräsentation erfassen . Bowlby und die Verhaltensbiologie....
Die Verhaltensbiologie geht davon aus , dass Erklärungen für die Funktion von Verhaltenssystemen und ihrer Entwicklung auf der Basis der Gene zu suchen sind. Die Funktion des Bindungsverhaltens , welches die Nähe des Kleinkindes zur Mutter herstellt und aufrechterhält , sieht Bowlby darin, dass es Schutz vor Gefahren gewährleistet , die das Kind noch nicht kennt. Darüber hinaus hat das Kind in der Gesellschaft der Mutter die Möglichkeit Tätigkeiten und Dinge zu erlernen , die es fürs Überleben sowie für die Rolle in der Gemeinschaft benötigt. Vererbt sind hierbei nicht die Verhaltenssysteme selbst , sondern nur das Potential ,um bestimmte Verhaltenssysteme zu entwickeln , deren Wesen und Ausprägung sich ontogenetisch qualitativ unterschiedlich ausbilden können.
Verhaltenssysteme werden gesteuert durch spezifische Informationen , die aus der Umwelt, wie auch aus dem Organismus selbst ,kommen können. Diese Informationen sind messbar ( z.B. innere Vorgänge durch physiologische Messungen).
Die systemische Sichtweise hat die Grundlage für die Erfassung eines " ziel-korrigierten" Verhaltens geschaffen. D.h. der Organismus vergleicht seine Bedürfnisse mit der aktuellen Situation (Soll-/Istwert) , um so Informationen über die Wirksamkeit seiner Aktion auf die Umwelt bzw. über den Einfluss der Umwelt auf den Organismus zu erhalten .In diesen Rahmen stellte Bowlby auch seine Theorie über die Funktion der Gefühle. Bowlby und die Gefühle....
Gefühle sind Bewertungsprozesse des Individuums , die als intuitve Einschätzung bestehender Zustand oder als ein sich verändernder Zustand vorliegen können. Sie können bewusst oder unbewusst sein.
Die grundlegenden Emotionen und Gefühle sind nicht Elemente , die unabhängig vom Verhalten existieren , sondern sie sind Phasen der Verhaltensprozesse selbst .Sie stellen die Schnittstelle dar zwischen mehr oder weniger erfolgreichem Verhalten des Individuums und den Wirkungen , die dieses Verhalten in seiner Lebensumwelt hat. Die Wechselwirkungen zwischen Individuum und Umwelt sind dabei am wichtigsten, denn daraus folgen dann entsprechende "Anleitungen" zur zukünftigen Steuerung der Verhaltenssysteme.
Störungen in der emotionalen Bewertung der Wechselwirkungen führen zu Störungen in der Bewertung der sozialen und dinglichen Wirklichkeit.
Optimale Verhaltensweisen und Entwicklung einer sicheren Organisation von Emotionen: Durch Bowlbys sowie auch Mary Ainsworth Anlehnung an die Verhaltensforschung gewannen beide nachprüfbare Hypothesen über "optimales " Verhalten von Säuglingen und ihren Betreuungspersonen.
"Optimale " Verhaltensweisen sind solche, die in der Urzeit das Überleben des jungen Menschen garantierten.
Sein phylogenetisches Erbe stattet den Säugling von Anfang an mit grundlegenden kommunikativen Fähigkeiten aus( Signalverhalten, Orientierungsfähigkeit) , durch die seine Bedürfnisse verständlich werden. Die Bedürfnisse sowie das mütterliche Pflegeverhaltenssystem sind prä-adaptiv aneinander angepasst und bilden somit die Grundlage zur Ausbildung einer sozio-emotionalen Beziehung(affectionate systems).
Nach Bowlbys Ansicht verbindet die Bindungstheorie theoretisch und therapeutisch nützliche Hypothesen mit einer Theorie der Psychodynamik individueller Anpassung zu einem Konzept von emotionalem Zusammenhang und Vollständigkeit.
Die Entwicklung einer sicheren Organisation von Emotionen des Säuglings in Übereinstimmung mit seinen wirklichen Erfahrungen wird unterstützt durch angemessene Beantwortung der vom Säugling signalisierten Bedürfnisse und Wünsche durch die Mutter. Eine unangemessene Reaktion der Mutter wirkt im Gegensatz dazu behindernd .
Die Entwicklung einer sicheren Organisation ist somit der Beginn der Entwicklung von Selbst und Selbstwertgefühl.
Funktion der menschlichen Bindung und die Emotionen ....
Unter anderem hat die menschliche Bindung die Funktion , dem Kind ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln , wenn es z.B. unter emotionaler Belastung steht oder die eigenen Ressourcen erschöpft sind und das Kind dadurch auf die Unterstützung einer "stärkeren und weiseren " Person angewiesen ist.
Kein Verhalten wird von stärkeren Gefühlen beeinflusst als das Bindungsverhalten : -Das Kind fühlt sich sicher , solange es sich in uneingeschränkter Verfügbarkeit seiner Hauptbindungsperson oder in geringer Entfernung von dieser befindet.
-Die Gefahr eines Verlustes der Hauptbindungsperson ruft Angst hervor , der tatsächliche Verlust Trauer und beide lösen ausserdem meist noch Ärger aus. Unterschied zwischen Bindung und Bindungsverhaltenssystem:
-Innerhalb der Bindungstheorie wird die Bindung als ein hypothetisches Konstrukt angesehen , welches nicht unmittelbar beobachtet werden kann. Es stellt die innere Organisation des Bindungsverhaltenssystems und der dazugehörenden Gefühle dar.
-Das Bindungsverhalten wiederum ist eine Klasse von variablen und bedingt austauschbaren Verhaltensweisen oder Signalen - z.B. weinen,nachfolgen,anklammern,rufen,Trennungsprotest, die das Kind nutzt , um mit seiner Bindungsperson in Verbindung zu kommen oder zu bleiben. Diese Unterscheidung ist für Bowlby sehr wichtig .Nach Bowlby werden Signale im Dienste der Bindung nur dann geäussert, wenn das Bindungsverhaltenssystem (Warnsystem)aktiviert ist z.B. wenn beim Kind negative Emotionen (Verunsicherung/Angst) auftreten.
Das zwischen dem konkreten Bindungsverhalten und der Bindung unterschieden wird , bedeutet, dass das Bindungsverhalten nicht als Index für das Vorhandensein oder die Intensität einer Bindung verwendet werden kann. Denn besonders intensives Bindungsverhalten ist eher ein Anzeichen einer gefühlten Unsicherheit ,sprich Angst um die eigene Sicherheit , als ein Anzeichen einer starken Bindung.
Ethologische s Licht auf psychoanalytische Probleme (1991)S.55-69: Oft widerwillig haben auch medizinische Praktiker erkannt , dass gestörte Beziehungen, Trennungen und Trauerfälle bei den Leiden ihrer Patienten eine wichtige Rolle spielen. Über einen Großteil der Zeit war die Psychoanalyse die einzige Kategorie , die sich mit der systematischen Untersuchung von Emotionen und Beziehungen befasste. Die frühen psychoanalytischen Formulierungen und die mit ihr verwandte Theorien wurden stark von der Physiologie beeinflusst und waren in der Medizin verwurzelt. Aufgrunddessen konzentrierten sich die ersten Theorien auf Begriffe des individuellen Organismuses ,seinen Energien und Trieben. Beziehungen an sich wurden nur am Rande beachtet . Durch Freuds Einführung einer neuen innovativen Technik wurde erstmals als Hauptmerkmal die Aufmerksamkeit auf die Beziehung fokussiert , die der Patient während der Behandlung zu seinem Therapeuten aufbaut. Bei den vielen Versuchen von Freud , seine Theorie neu zu formulieren , erwies sich der Gedankengang am produktivsten , der sich mit Beziehungen befasste ,die oft bei Patienten mit emotionalen und Beziehungsproblemen gemacht worden. Am Ende seines Lebens bemerkte Freud schliesslich , dass die frühste Beziehung im Leben jeder Person die Beziehung zur Mutter ist. Er war überzeugt , dass diese Beziehung als wirkliches Vorbild späterer Liebesbeziehungen dient , unabhängig davon , welches Geschlecht die Person hat . In den letzten 50 Jahren kam es dann zu folgender Vorstellung:
Die Form , die die Beziehung eines Kindes mit seiner Mutter in den ersten Jahren annimmt , wirkt sich auf die Fähigkeiten aus , anteilnehmende Beziehungen zu haben . Sie habe somit einen enormen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung und die seelische Gesundheit. Da sich John Bowlby vor dem 2. Weltkrieg mit der Psychoanalyse befasste und nach dem Krieg in einer kinderpsychiatrischen Anstalt arbeitete , stiess er auf viele ernsthaft gestörte Beziehungen zwischen Kindern / Jugendlichen zu ihren Mutter-Figuren. Das veranlasste ihn dazu , sich auf die Auswirkungen von Phasen zu konzentrieren , in denen ein Kind während der ersten 5 Lebensjahre von der Mutter-Figur getrennt ist. Dabei drängte sich eine Frage auf : Wenn die Unterbrechung der Beziehung eines Kindes zur Mutter-Figur in den ersten Jahren soviel Stress und Angst erzeugt, was ist so besonders an der Beziehung, die gestört wurde?
Die Antwort in den frühen 50ger Jahren lautete: das Interesse an der Mutter stammt von der Nahrung, die sie bereitstellt- berechnende Theorie der Mutterliebe. Doch wenn das so sein würde , dann wäre zu erwarten , dass ein Kind den Wechsel einer Ernährungs-Figur verkraften würde. Als eine plausible Alternative bot sich zu diesem Zeitpunkt die erschienene Theorie über den Aufbau eines Bandes unabhängig von Nahrung als Verstärker , die von Lorenz durch seine Arbeit über die Prägung bekannt wurde.
Bindungstheorie und Forschung : Der umfassende Begriff Bindungsverhalten:
wenn man von Bindungsverhalten spricht , so beschreibt dies das affektive Band , das sich fast immer zwischen Kind und seiner Mutterperson entwickelt . Dieses Band stellt man sich als Folge bestimmter vorprogrammierter Verhaltensmuster im Kind vor , die sich schnell und gezielt auf die Person richten , die sich um das Kind kümmert, sprich am häufigsten die Mutter. Der Effekt der Aktivierung dieser Verhaltensmuster ist es, Kind und Mutter nahe zusammenzubringen und -zuhalten. Das Bindungsverhalten.....
Am häufigsten wird das Bindungsverhalten während der Kindheit gezeigt , nichtsdestotrotz hält man es für allgemein charakteristisch für menschliche Wesen. Folgende Verhaltensweisen schliesst das Bindungsverhalten mit ein : -Weinen, Rufen- ruft Fürsorge hervor
-Berühren, Anklammern ,heftiger Protest - wenn ein Kind allein oder bei Fremden zurückgelassen wird
Die Häufigkeit und Intensität dieser Verhaltensweisen nimmt ab , wenn das Kind älter wird .Doch all diese Verhaltensformen bestehen im Erwachsenenleben fort und sind am offensichtlichsten , wenn eine Person verängstigt,gestresst oder krank ist.
Weiterhin hängen die speziellen Muster von Bindungsverhalten vom Alter,Geschlecht und aktuellen Umständen ab . Und teilweise auch von bestimmten Erfahrungen , die in früheren Jahren mit Bindungsfiguren gemacht wurden. Die Grundmerkmale der Bindungstheorie:
➔ Bindungsverhalten ist jegliche Form von Verhalten , das zum Ergebnis hat , dass eine Person die Nähe zu einem anderen bevorzugten Individuum erlangt oder aufrechterhält. ➔ Bindungsverhalten ist eine Klasse von Verhaltensweisen mit eigener Dynamik. ➔ Innerhalb einer gesunden Entwicklung führt das Bindungsverhalten zur Entstehung von affektiven Banden oder Bindungen.
➔ Bindungsverhalten wird durch Verhaltenssysteme vermittelt , die sich früh in der Entwicklung an sich verändernde Ziele anpassen und somit zielkorrigiert werden. ➔ Ein Bindungsband besteht dauerhaft. Verschiedene Formen von Bindungsverhalten , die zur Entstehung dieses Bandes dienen, werden nur , wenn nötig , aktiviert. ➔ Viele der intensivsten Emotionen entstehen während des Aufbaus,des Aufrechterhaltens,der Unterbrechung und der Erneuerung von Bindungsbeziehungen. ➔ Während der Evolution ist Bindungsverhalten ein Merkmal vieler Spezies geworden, weil es zum Überleben des Individuums beiträgt.
➔ Das Verhalten , das dem Bindungsverhalten komplementär ist , ist das Fürsorgeverhalten. ➔ Wenn man annimmt,dass Bindungsverhalten das ganze Leben hindurch aktiv ist , ist ein schwerer Fehler , es bei Erwachsenen als Zeichen für Pathologie oder Regression zu sehen. ➔ Gestörte Bindungsverhaltensmuster können in jedem Alter vorhanden sein und sind darauf zurückzuführen, dass die Entwicklung einen von der Norm abweichenden Weg gegangen ist.
➔ Hauptsächliche Faktoren, die entscheiden , wie sich das Bindungsverhalten eines Individuums entwickelt , sind Erfahrungen mit Bindungsfiguren im Säuglingsalter,Kindheit und Jugend.
➔ Wie das Bindungsverhalten eines Individuums innerhalb seiner Persönlichkeit organisiert
ist beeinflusst die Muster der affektiven Bande , die im weiteren Leben geschlossen werden. Die internalen Arbeitsmodelle
Beobachtungen führten zu der Schlussfolgerung, dass ein Kind gegen Ende des 1. Lebensjahres ein enormes Wissen über die unmittelbare Welt erwirbt und dieses Wissen in den darauffolgenden Jahren in Form von internalen Arbeitsmodellen, einschliesslich Modellen des Selbst und der Mutter , organisiert.
Funktion der Modelle : Ereignisse der realen Welt zu simulieren und dadurch die Fähigkeit zu erlangen, Verhalten mit allen Vorteilen von Einsicht und Voraussicht zu planen. Es gibt klare Hinweise, dass die meisten kinder spätestens bis zu ihrem 5- Lebensjahre hoch entwickelte Modellevon der Mutter oder dem Mutterersatz benutzen, welche Wissen über ihre Interessen,Launen und Absichten umfassen.
Weil diese Modelle im ständigen Gebrauch sind, wird ihr Einfluss auf Gedanken , Gefühle und Verhalten nicht mehr bewusst wahrgenommen. Bindungsmuster und ihre Bindungsfaktoren :
Aus den ersten Lebensjahren wurden 3 hauptsächliche Bindungsmuster zusammen mit ihren familiären Bedingungen identifiziert. Beeinflusst wird , das sich in den ersten Lebensjahren entwickelnde Muster weitgehend davon , wie Eltern oder andere Personen mit der selben Bedeutung , das Kind behandeln. 1: Bindungsmuster: Die sichere Bindung
Bei der sicheren Bindung ist das Individuum zuversichtlich , dass ein Elternteil in widrigen, furchteinflössenden Situationen verfügbar, antwortbereit und hilfreich ist. Durch diese Gewissheit fühlt sich das Kind zur Entdeckung seiner Umwelt ermutigt . Man fand heraus , das dieses Muster in den ersten Jahren besonders von nur einer Person , meist der Mutter gefördert wird. Bei diesem Bindungsmuster geht man davon aus , es gehöre zu einer gesunden Entwicklung. 2. Bindungsmuster: ängstlich- widerstrebende(resistente) Bindung
Bei diesem Bindungsmuster ist das Kind unsicher, ob ein Elternteil verfügbar,ansprechbar oder hilfreich ist , wenn es gebraucht wird. Aufgrund dieser Unsicherheit neigt das Kind stets zu Trennungsängsten und ist auch hinsichtlich der Erkundung der eigenen Umwelt ängstlich. Es wird von einem Elternteil gefördert ,welches nur zu manchen Gelegenheiten verfügbar ist oder das Verlassen des Kindes als Drohung und Kontrolle einsetzt . 3. Bindungsmuster: ängstlich-vermeidende Bindung
Hierbei haben Kinder keine Zuversicht , dass auf sie hilfreich reagiert wird, sie erwarten eher , dass sie schroff abgewiesen werden . Diese Kinder versuchen ihre Leben ohne Liebe sowie Unterstützung anderer zu leben . Das Muster ergibt sich , wenn Kinder von ihren Müttern ständig hart zurückgewiesen werden , sobald sich das Kind hilfesuchend und schutzbedürftig nähert. In Extremfällen ist das Muster begründet auf wiederholte Zurückweisung und Misshandlung oder längerer Institutionalisierung. Klinische Belege weisen darauf hin , das beim Bestehenbleiben diese Musters es zu einer Vielzahl von Persönlichkeitsstörungen mit sehr unterschiedlichen Schweregraden kommen kann.
Viele Belege zeigen , dass die Bindungsmuster zwischen Mutter und Kind dazu neigen , bestehen zu bleiben , vorausgesetzt das die Familien-und Fürsorgesituation identisch bleibt. Z.B. haben prospektive Studien gezeigt , dass das Bindungsmuster , was bei einem 12 Monate altem Kind charakteristisch war ,eine hohe Voraussagekraft für das Verhalten ausserhalb des Elternhauses in einer Kindergartengruppe 3 1/2 Jahre später hatte: -Kinder , die bereits mit 12 Monaten ein sicheres Bindungsverhalten zeigten , wurden im Kindergarten als vergnügt,kooperativ,beliebt bei anderen ,anpassungsfähig und ideenreich beschrieben.
-Wer mit 12 Monaten ein ängstlich -widerstrebendes Muster zeigt , wird zunehmend entweder als angespannt , impulsiv und leicht frustrierbar oder aber passiv und hilflos beschrieben. Zusätzlich als jemand , der übermässig nach Aufmerksamkeit strebt.
-Die , die ein ängstlich-vermeidendes Muster zeigten , werden später mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit als emotional-isoliert ,abweisend oder antisozial beschrieben und sie streben übermässig nach Aufmerksamkeit.Diese Ergebnisse wurden in Deutschland von G.Suess,K.E.Grossmann und L.A.Sroufe (1992)repliziert.
Ein Grund , warum einmal entwickelte Bindungsmuster dazu neigen , bestehen zu bleiben , ist , dass die Art und Weise wie Kinder von einem Elternteil behandelt werden , tendenziell unverändert bleibt .
Ein weiterer Grund ist , das jedes Muster sich bekanntlich wiederholt. Dabei kann es zur Entwicklung eines Teufelskreises kommen :
Einerseits ist ein sicheres Kind glücklicher ,dankbarer und weniger anspruchsvoll , wenn man sich um es kümmert . Aber anderseits neigt ein ängstlich- widerstrebendes Kind dazu, eher weinerlich zu sein, sich anzuklammern. Ein ängstlich-vermeidendes Kind wahrt die Distanz , ist schlecht gelaunt und oft schikaniert es andere Kinder .
In jedem dieser Fälle wird eine missbilligende Reaktion der Eltern durch das jeweilige Verhalten des Kindes hervorgerufen, so dass sich der Teufelskreise schließt.
Aus den eben genannten Gründen ist die Wahrscheinlichkeit hoch , dass einmal geformte Muster bestehen bleiben, aber das ist nicht notwendigerweise so. Es gibt Belege dafür , dass Bindungsmuster gerade während der ersten 2 oder 3 Lebensjahre nur eine Eigenschaft der Beziehung ist , z.B. unterscheidet sich das Bindungsmuster zwischen Kind und Mutter von dem zwischen Kind und Vater . Und das Muster kann sich auch ändern , wenn das Verhalten eines Elternteils sich ändert.
Somit kann nach Sroufe (1985) die Stabilität des Bindungsmusters nicht auf angeborene Merkmale zurückzuführen sein ,welches immun gegen Umwelteinflüsse sind. Sondern ,ganz im Gegenteil, gibt es Belege , dass eine Reihe von persönlichen Merkmalen , von denen man glaubte , sie seien unveränderlich ,weil angeboren , von der Umwelt verursacht sind.
Zwar unterscheiden sich Neugeborene in vielen verschiedenen Weisen voneinander , doch Studien zeigen deutlich , dass Säuglinge , die in den ersten Tagen als schwierig angesehen werden , durch feinfühliges mütterliches Verhalten zu glücklichen und umgänglichen Kindern heranwachsen. Auf der anderen Seite können sich ruhige Neugeborene durch unfeinfühliges oder zurückweisendes mütterliches Verhalten in ängstliche,launische, anspruchsvolle Kleinkinder verwandeln. Daher bleiben Persönlichkeitsmerkmale , von denen man glaubt , sie seien entscheidend für
seelische Gesundheit ,verhältnismäßig offen für Veränderungen bezogen auf die frühen Lebensjahre, da sie immer noch auf die jeweilige Umwelt abreagierend ein Kind jedoch älter, werden Bindungsmuster sowie auch die dazugehörigen Persönlichkeitseigenschaften zu Eigenschaften des Kindes und sind dadurch auch schwerer zu verändern . Weiterhin neigt somit das Kind dazu , das verfestigte Bindungsmuster oder eine Abwandlung dessen , auf neue Beziehungen anzuwenden.
Arbeit zitieren:
Stefanie Kowalczyk, 2007, Bindung - Pionier der Bindungstheorie: Bowlby, München, GRIN Verlag GmbH
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