Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 2
1. EINLEITUNG 3
2. DER ERZÄHLSTIL 3
2.1. Der erste Rahmen 5
2.1.1. Der Wahrheitsanspruch 5
2.1.2. Der Erzähler entzieht sich der Verantwortung 6
2.1.3. Weitere Besonderheiten des ersten Rahmens 6
2.2. Der zweite Rahmen 7
2.3. Der dritte Rahmen 8
2.4. Die Binnenerzählung 9
2.4.1. Die Abweichungen Hauke Haiens von der menschlichen Norm 11
2.4.1.1. Haukes äußerliche Erscheinung weicht vom Idealbild ab 11
2.4.1.2. Konzentration auf die geistige zugunsten der körperlichen Arbeit 11
2.4.1.3. Haukes Ehe mit Elke als Mesalliance 12
2.4.1.4. Gründung einer eigenen Fortpflanzungsfamilie scheitert 13
2.4.1.5. Die Absonderung Haukes von den anderen Dorfbewohnern 13
2.4.2. Der Widerspruch zwischen rationalen und irrationalen Deutungsweisen 14
2.4.2.1. Die Dämonisierung Haukes 15
2.4.2.2. Bezüge zur Realität 15
2.4.2.3. Optische Täuschungen? 16
2.4.3. Der Schimmelkauf als Teufelspakt 18
2.4.4. Der Deich als ein teuflisch gefördertes „fressend Werk“ 19
2.4.5. Selbstmord Haukes als nachträgliches Lebendopfer 20
2.4.6. Der Schluss ohne Auflösung 20
3. SCHLUSS 22
4. LITERATURVERZEICHNIS 23
2
1. Einleitung
Die Novelle „Der Schimmelreiter“ wurde im April 1888 veröffentlicht und ist somit das letzte und gleichzeitig umfangreichste Werk des deutschen Schriftstellers Theodor Storm. Storm wurde 1817 in dem an der norddeutschen Küste gelegenen Ort Husum als Sohn des Justizrats Johann Casimir Storm und der Patriziertochter Lucie Woldsen geboren. Er studierte Jura in Kiel und Berlin und eröffnete 1843 eine Anwaltskanzlei in Husum. Daneben beschäftigte er sich jedoch auch mit dem Schreiben und wurde bald zu einem der bedeutendsten Lyriker und Verfasser von Novellen und Prosa des deutschen Realismus. Seine Werke sind durch norddeutsche Einflüsse, bedingt durch Storms Herkunft, gekennzeichnet. 1 Diese norddeutsche Prägung lässt sich auch bei der Schimmelreiternovelle wiederfinden, von der Storm in einem Brief an Frau Eckermann, der Frau des schleswig-holsteinischen Landesbaurats, schrieb: „Es ist die, ich glaube, ostfriesische Sage vom ,Schimmelreiter’, die jetzt in mir spukt, die ich in meinem achten oder neunten Jahr, Gott weiß wo, las, und nicht habe wiederfinden können.“ 2 Nur wenige Monate nach Beendigung des Schimmelreiters, „dem Größten, was [er] bisher schrieb“ 3 verstarb Theodor Storm im Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen an Magenkrebs. Diese Arbeit soll sich vor allem auf das Unheimliche, Gespenstische im Schimmelreiter beziehen, genauer gesagt, wie es Storm gelang, „einen Deichspuk in eine würdige Novelle zu verwandeln“ 4 um somit den Kriterien des Realismus gerecht zu werden, und dann wieder umgekehrt, die Novelle in eine Spukgeschichte.
2. Der Erzählstil
Im Gegensatz zu vielen seiner anderen Werke, wie z.B. das Gedicht „Meeresstrand“, stellte Storm das Grausige-Gespenstische in der Schimmelreiternovelle nicht direkt in den Vordergrund. Er war vielmehr darum bemüht, allein den Glauben an das Grausige, die Möglichkeit und Ahnung des Gespenstischen zu nähren. Dies gelang ihm zum Beispiel durch finstere Andeutungen und das Schaffen einer unheimlich düsteren Atmosphäre. Nur so konnte
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Storm
2 Laage, Karl Ernst: Der „Schimmelreiter“ im „Danziger Dampfboot“. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft 20, S.72-75. In: Wagener, Hans (Hrsg.): Erläuterungen und Dokumente: Theodor Storm. Der Schimmelreiter. 1976, S.40
3 Heyse-Storm-Briefwechsel, S. 200. In: Wagener, Hans (Hrsg.): Erläuterungen und Dokumente: Theodor Storm. Der Schimmelreiter. S. 45
4 Goldammer, Peter (Hrsg.): Theodor Storm: Sämtliche Werke in vier Bänden. Bd.4. Berlin, 1956, S. 636 In: Wagener, Hans (Hrsg.): Erläuterungen und Dokumente: Theodor Storm. Der Schimmelreiter. S. 41
3
er dem Kunstanspruch, den der Realismus an eine Novelle stellte, gerecht werden. 5 Schließlich forderte dieser die rein objektive Betrachtung der fassbaren Welt, wenn nicht sogar die detailgetreue Nachahmung der Wirklichkeit. 6 Werke mit Wunderbarem zum Inhalt, demzufolge auch Gespenstergeschichten, zählten daher nicht zu den bevorzugt gelesenen Themen. Beeinflusst bei der Entwicklung dieser unheimlichen Atmosphäre wurde Storm sicherlich von Bildern aus seiner nebelverhangenen, düsteren und stürmischen norddeutschen Heimat, wo die Menschen verschlossen und wortkarg sind. Hier stehen das Christentum und die vom Realismus geprägte Intelligenzschicht dem von den einfachen Menschen getragenen alten Aberglauben an Gespenster und verwunschene Orte gegenüber. 7 Dieser Konflikt wurde von Storm selbst mitgetragen und lässt sich auch als Motiv im „Schimmelreiter“, wie wir später sehen werden, immer wieder finden.
Formal handelt es sich bei der Novelle „Der Schimmelreiter“ um eine Rahmenerzählung, oder Schachtelnovelle, da vier verschiedene Erzählebenen ineinander verschachtelt sind. So erhöht Storm die Distanz zum Stoff, wodurch die Überlieferung glaubhafter erscheint. Die Glaubwürdigkeit verstärkt sich noch zusätzlich dadurch, dass Storm seine Hauptfiguren auf historisch belegte Personen bezog und zusätzlich immer wieder authentische Fakten mit einbaute. 8 Überdies wird die Verfolgung des Gespenstermotivs durch die wechselnde Erzählperspektive erschwert, besonders da nicht jedem der drei Erzähler das selbe Maß an Glaubhaftigkeit zugebilligt werden kann. So ergibt sich eine Palette an rationalen und irrationalen Deutungsweisen, wodurch eine letztendliche Deutung unmöglich wird. 9 Auf jeden der angesprochenen Punkte soll nun im Speziellen durch die Untersuchung der einzelnen Rahmen eingegangen und dabei einerseits typische Methoden und Motive von Gespenstergeschichten, andererseits auch auf Besonderheiten in der Gespenstermotivik beim Schimmelreiter aufgedeckt werden. Neben dem Unheimlichen sollen auch Widersprüchlichkeiten, sowie reale Bezüge und Einflüsse von Storms Herkunft im Werk herausgearbeitet werden.
5 Wilpert, Gero von: Die deutsche Gespenstergeschichte. Kröner, Stuttgart, 1994. S. 312
6 http://de.wikipedia.org/wiki/Realismus_%28Literatur%29
7 Wilpert, Gero von: Die deutsche Gespenstergeschichte, S. 309-311
8 http://www.janvonbroeckel.de/literatur/schimmelreiterframeset.htm
9 Wilpert, Gero von: Die deutsche Gespenstergeschichte, S. 313
4
Darstellung der einzelnen Erzählebenen: 10
2.1. Der erste Rahmen
„Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kund geworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebunden Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den „Leipziger“ oder von „Pappes Hamburger Lesefrüchten“.“ (Reclam 1977, S. 3)
Dies sind die ersten Sätze der Novelle „Der Schimmelreiter“, erzählt von einem namentlich nicht genannten Ich-Erzähler, der jedoch anhand der wenigen biographischen Angaben mit Storm gleichzusetzen ist. Die Erzählung beginnt mit der für Gespenstergeschichten typischen Hervorhebung des Wahrheitsanspruches.
2.1.1. Der Wahrheitsanspruch
Elsabe Feddersen, die zwischen 1741 und 1829 ebenfalls in Husum lebte, war nämlich tatsächlich Storms Urgroßmutter mütterlicherseits. 11 Doch nicht nur der Ort, sondern auch die Quellen, aus denen der Erzähler seine Informationen erhielt, existierten wirklich, wodurch Storm ein hohes Maß an Beglaubigung erreicht. Denn tatsächlich wurde im „Danziger Dampfboot“, einer zwischen 1811 und 1842 vom Hamburger Schriftstellers Johann Joseph
10 http://www.janvonbroeckel.de/literatur/schimmelreiterframeset.htm
11 Wagener, Hans (Hrsg.): Erläuterungen und Dokumente: Theodor Storm. Der Schimmelreiter. S.5
5
Christian Pappe aufgelegten Zeitschrift, eine Weichselsage mit dem Titel „Der gespenstige Reiter. Ein Reiseabenteuer“ abgedruckt. 12 Der namenlose Erzähler versucht somit durch genaue Namens- , Zeit- und Ortsangaben (im Haus der Urgroßmutter; die alte Frau Senator Feddersen; vor über fünfzig Jahren) den Wahrheitsanspruch seiner Erzählung zu unterstreichen. Des weiteren führt er real existierende Quellen an: eine blau eingebundene Zeitschrift. Und gerade weil sich der Erzähler nicht wirklich sicher ist, ob es sich um die „Leipziger“ oder um „Pappes Hamburger Lesefrüchte“ handelte, wirkt dieses Erinnerungsmotiv so authentisch.
2.1.2. Der Erzähler entzieht sich der Verantwortung
Durch die genaue Quellenangabe gelingt es dem Erzähler jedoch auch, sich völlig der Verantwortung für das Erzählte zu entziehen; eine ebenfalls typische Vorgehensweise bei Gespenstergeschichten. 13 Dies beteuert er auch direkt im Text:
„[...]; vergebens auch habe ich seitdem jenen Blättern nachgeforscht, und ich kann daher um so weniger weder die Wahrheit der Tatsachen verbürgen als, wenn jemand sie bestreiten wollte, dafür aufstehen; [...].“ (Reclam 1977, S. 3)
Es wird nun wirklich deutlich, dass es sich um eine Erinnerung des Erzählers handelt, die schon sehr lange zurück liegt und daher auch fehlerhaft sein kann.
2.1.3. Weitere Besonderheiten des ersten Rahmens
Der Erzähler des ersten Rahmens ist gleichzeitig auch derjenige, der die gesamte Erzählung zur Schrift bringt. Er ist der Endverschrifter. Wir erfahren kaum etwas über ihn, außer von dem weit in der Vergangenheit zurückliegendem Zeitpunkt seines Lebens, an den er sich erinnert. 14 Der erste, äußere Rahmen kann somit auch als einleitendes Vorwort angesehen werden. Auffällig ist, dass der Ich-Erzähler des ersten Rahmens jedoch kein Schlusswort erhält, somit der erste Rahmen eigentlich gleichzeitig mit dem zweiten Rahmen abschließt. 15
12 Ebd. S. 5/S. 61
13 Wilpert, Gero von: Die deutsche Gespenstergeschichte. Kröner, Stuttgart, 1994. S. 316
14 Hoffmann, Volker: Theodor Storm: Der Schimmelreiter. Eine Teufelspaktgeschichte als realistische Lebensgeschichte. In: Interpretationen, Erzählungen und Novellen des 19. Jahrhunderts. Bd.2, Reclam, Stuttgart, 2003. S.335
15 http://www.janvonbroeckel.de/literatur/schimmelreiterframeset.htm
6
Arbeit zitieren:
Sophia Schroll, 2008, Das Unheimliche am "Schimmelreiter", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Im Spannungsfeld zwischen poetischem Realismus und gespenstischen Phan...
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Formale und inhaltliche Grenzüberschreitungen als literarisches Gestal...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Schauerliches in der Novellistik Theodor Storms
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 98 Seiten
Religiöse Motive und Analogien zur Religion in der Rockmusik
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Lyriktheorie Gottfried Benns anhand 'Probleme der Lyrik'
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Elternarbeit und Elternmitarbeit in der Schule
Untersuchung zur Zusammenarbei...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Examensarbeit, 90 Seiten
Die Sprache als Schlüssel zum Bildungserfolg?
Kinder mit Migrationshintergru...
Examensarbeit, 78 Seiten
Zitat und Plagiat – Phänomene der Intertextualität
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Der verspätete Ödipuskomplex. Eine Analyse des Romans "Die Klavie...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Grenzüberschreitungen in Ludwig Tiecks ‚Der blonde Eckbert‘
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 26 Seiten
Intertextualität in Cornelia Funkes Roman "Tintenherz"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Examensarbeit, 91 Seiten
Soziale Ungleichheit und die Chancenverteilung im Bildungssystem als P...
Ein Konzept zu mehr gesellscha...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Examensarbeit, 75 Seiten
Neurowissenschaften und Schulpädagogik - eine Erörterung am Beispiel d...
Diplomarbeit, 89 Seiten
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Bildungsungleichheit an deutschen Schulen - über ungleiche Bildungscha...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 24 Seiten
Intertextualität in der KJL: Cornelia Funkes Tintenherz
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 15 Seiten
Dogma: Eine Filmanalyse - Ist Dogma ein Film gegen den Glauben?
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Seminararbeit, 27 Seiten
Sophia Schroll's Text Das Unheimliche am "Schimmelreiter" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sophia Schroll hat den Text Das Unheimliche am "Schimmelreiter" veröffentlicht
Sophia Schroll hat einen neuen Text hochgeladen
Sistema de medición AM-AM y AM-PM para transistores en RF y microondas
Desarrollo de un método simple...
Rigoberto Jauregui Duran, J. Apolinar Reynoso, Francisco Hirata
Der Schimmelreiter - Textausgabe mit Materialien
Theodor Storm, Peter Bekes, Volker Frederking
Dramatische Erzählung. Niveau ...
Theodor Storm, Rosanna Vitale, Fabio Visintin
0 Kommentare