Die Vorgänge an den Börsen in den letzen Jahren, vorab an den Wachstumssegmenten der wichtigen
Börsenplätze, waren und sind auch heute noch Gesprächsthema. Viele haben mit Erstaunen - eventuell
sogar selbst als Aktionäre - den Aufstieg und Niedergang der „New Economy“ - Titel miterlebt.
Träume sind geplatzt, Erwartungen, die sich in ihrem Optimismus und in ihrer Euphorie gegenseitig
hochschaukelten sind wieder auf dem Boden der Realität gelandet. Im März 2000 erreichte der Neue
Markt (Nemax), das Segment für Wachstumsunternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse, seinen
Höchststand mit 8559 Punkten. Seither ist der Index konstant gesunken und steht heute bei ca. 835
Punkten (Stand: Mitte Mai 2002). Seit dem „all-time-high“ sind mehr als 500 Mrd. DM an
Buchwerten verloren gegangen! Alles, was ein „net“ oder “dot.com“ im Firmennamen trug, ist
offensichtlich mit anderen Massstäben beurteilt worden als etwa die traditionelleren Unternehmungen
der „Old Economy“. So schreiben denn auch Behr und Caliz (2002, S. 1139): „Probleme der
Unternehmensbewertung und die kritische Hinterfragung der Ergebnisse wurden zu Beginn der Neuen
Ökonomie sträflich vernachlässigt und es stellt sich die Frage, ob neben der herrschenden Euphorie
die Anwendung bisher bewährter aber spezifisch für die New Economy unangemessener
Bewertungsmethoden mit ein Grund für die Überbewertungen und mittlerweile geplatzte Blase (...)
war“.
Warren Buffet hat einmal gesagt (Knolmayer, 2001, Folie 2): „ If I were a Business School Professor
in Finance, I would assign the following exam: ‚How do you value Internet companies?’ and I would
fail everyone that did not leave the answer sheet blank.“ Ist die Bewertung von
Wachstumsunternehmen wirklich so unmöglich?
Fokus und Ziel unserer Arbeit ist es einerseits zu zeigen, was der Begriff Wachstum im
Zusammenhang mit Unternehmen bedeutet. Andererseits wollen wir untersuchen, wie
Unternehmenswert geschaffen wird, und versuchen, die verschiedenen Modelle zur Bewertung von
Unternehmen auf ihre Anwendbarkeit für die Bewertung von Wachstumsunternehmen zu analysieren.
Unsere Arbeit haben wir nach folgendem Muster konzipiert und aufgebaut:
In einem ersten Schritt wollen wir uns Gedanken über das Unternehmenswachstum machen und uns
überlegen, unter welchen Voraussetzungen man von einem Wachstumsunternehmen sprechen kann.
In einem zweiten Schritt werden wir die verschiedenen Aspekte zum Thema „Wertentstehung, -
schaffung“ beleuchten. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wachstum
2.1 Unternehmenswachstum
2.2 Wachstumsunternehmen
2.2.1 Technologie und Wachstum
2.2.2 Charakteristika von Wachstumsunternehmen
2.3 Wertgenerierung
3. Anlässe der Bewertung von Wachstumsunternehmen
4. Bewertungsmodelle und –ansätze
4.1 Traditionelle Verfahren
4.2 Moderne Ansätze
5. Ausgewählte Bewertungsmodelle
5.1 DCF (Discounted Cash Flow) Ansatz
5.1.1 Der Weighted Average Cost of Capital (WACC) Ansatz
5.1.2 Der Adjusted Present Value (APV) Ansatz
5.1.3 Anwendbarkeit auf Wachstumsunternehmen
5.2 Realoptionen
5.2.1 Aktivoptionen
5.2.2 Optionspreismodell (OPM)
5.2.3 Passivoptionen
5.2.4 Kritische Würdigung von Realoptionen
5.3 Aspekte bei der Bewertung von Wachstumsunternehmen
6. Case Study: Amazon
6.1 Einführung
6.2 Vorgehen bei der Bewertung
6.2.1 Bestimmung des Bewertungszeitraumes
6.2.2 Berechnung der Kapitalkosten
6.2.3 Bestimmung der Free Cash Flows
6.2.4 Szenarien
6.2.5 Bestimmung des Firmen- und Eigenkapitalwertes
6.2.6 Sensitivitätsanalysen
6.2.7 Fazit
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Begriff des Unternehmenswachstums zu klären, die Mechanismen der Wertschöpfung zu beleuchten und moderne Bewertungsmodelle auf ihre Eignung für Wachstumsunternehmen zu prüfen. Dabei wird insbesondere untersucht, warum traditionelle Verfahren bei jungen Unternehmen oft versagen und wie alternative Ansätze wie der Realoptionsansatz hier Abhilfe schaffen können.
- Analyse der Merkmale und Entwicklungsstadien von Wachstumsunternehmen.
- Untersuchung der Wertgenerierung und relevanter Werttreiber.
- Gegenüberstellung traditioneller und moderner Bewertungsverfahren.
- Anwendung des DCF-Ansatzes anhand einer Fallstudie zur Firma Amazon.
- Kritische Diskussion der Grenzen der Unternehmensbewertung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Unternehmenswachstum
Unternehmenswachstum bedeutet im Allgemeinen eine Zunahme des Umsatzes und der Bilanzsumme. Nimmt der Umsatz zu, so steigen normalerweise auch alle Kostenfaktoren und idealerweise auch der Gewinn. Herrscht ein vollkommen homogenes Wachstum, so wachsen sämtliche Grössen der Erfolgsrechnung und der Bilanz mit der gleichen Wachstumsrate. In der Praxis treffen wir aber meistens auf nicht homogenes Wachstum.
Das Unternehmenswachstum unterliegt den Grenzen des Wachstums der Gesamtwirtschaft und den einzelnen Märkten als Teile davon. Eine Firma kann nur auf Kosten der anderen Wettbewerber schneller wachsen als der Markt in dem sie sich bewegt.
Grundsätzlich kann man drei Entwicklungsstadien von Märkten, Unternehmungen oder Produkten unterscheiden: Wachstum, Stagnation und Schrumpfung. In der Wachstumsphase gibt es meist viele Wettbewerber, welchen es normalerweise keine grossen Schwierigkeiten bereitet zu wachsen. Anders ist es dagegen in gesättigten Märkten. Für die einzelne Firma besteht nur die Möglichkeit der Verdrängung oder der Akquisition. Die schwächeren Marktteilnehmer fallen normalerweise aus dem Markt und es entsteht typischerweise ein Oligopol.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Aufstieg und Fall der "New Economy" und definiert das Ziel der Arbeit, Bewertungsmodelle für Wachstumsunternehmen zu analysieren.
2. Wachstum: Erläutert das Konzept des Unternehmenswachstums, die Charakteristika von Wachstumsunternehmen und die Grundlagen der Wertgenerierung.
3. Anlässe der Bewertung von Wachstumsunternehmen: Diskutiert die verschiedenen Situationen, in denen eine Unternehmensbewertung notwendig wird, wie bei Fusionen, Exits oder Finanzierungsrunden.
4. Bewertungsmodelle und –ansätze: Unterscheidet zwischen traditionellen, vergangenheitsorientierten Verfahren und modernen, zukunftsorientierten Ansätzen.
5. Ausgewählte Bewertungsmodelle: Vertieft den DCF-Ansatz und den Realoptionsansatz sowie deren Anwendbarkeit und Herausforderungen bei Wachstumsunternehmen.
6. Case Study: Amazon: Detaillierte praktische Anwendung der besprochenen Bewertungslogik am Beispiel der Firma Amazon unter verschiedenen Szenarien.
7. Schlusswort: Führt die Erkenntnisse zusammen und betont die inhärente Unsicherheit bei der Bewertung von schnell wachsenden Unternehmen.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Wachstumsunternehmen, DCF-Ansatz, Realoptionen, Wertgenerierung, Free Cash Flow, Kapitalkosten, Amazon, New Economy, Shareholder Value, Marktanteil, Investment, Finanzanalyse, Bewertungsmethoden, Unternehmertum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, schnell wachsende Unternehmen (Wachstumsunternehmen) zu bewerten, da traditionelle Methoden bei diesen oft an ihre Grenzen stoßen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt Wachstumsdefinitionen, Werttreiber, verschiedene Bewertungsmodelle wie DCF und Realoptionen sowie deren praktische Anwendung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Anwendbarkeit verschiedener Bewertungsmodelle auf Wachstumsunternehmen zu analysieren und zu zeigen, wie trotz hoher Unsicherheit ein realistischer Unternehmenswert ermittelt werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse von Bewertungsmodellen durchgeführt, die durch eine praktische Fallstudie (Case Study) zur Firma Amazon ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen (DCF, Realoptionen), die Besonderheiten bei der Bewertung von Wachstumsunternehmen und die konkrete Berechnung der Kapitalkosten und Cash Flows am Beispiel von Amazon.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Unternehmensbewertung, Wachstumsunternehmen, DCF-Ansatz, Realoptionen, Wertgenerierung und Free Cash Flow.
Warum sind traditionelle Bewertungsverfahren für Wachstumsunternehmen oft ungeeignet?
Diese Verfahren basieren meist auf historischen Daten und stabilen Kapitalstrukturen, was bei stark expandierenden Unternehmen ohne lange Unternehmenshistorie oder positive Erträge zu unzuverlässigen Ergebnissen führt.
Welchen Vorteil bietet die Bewertung mittels Realoptionen gegenüber dem DCF-Ansatz?
Der Realoptionsansatz berücksichtigt explizit die unternehmerische Flexibilität und den Wert von Handlungsspielräumen bei unsicheren Investitionsprojekten, was bei einer statischen DCF-Berechnung oft unterbewertet wird.
- Arbeit zitieren
- Karl Flubacher (Autor:in), Stefan Meier (Autor:in), 2002, Bewertung von Wachstumsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11233