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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Die Elfenbeintafel mit Otto II. und Theophanu 4
3. Ein umstrittenes Thema 6
3.1. Elfenbeinkunst 6
3.2. Das Relief 7
4. Ungereimtheiten auf der Elfenbeintafel 10
4.1. Johannes Philagathos und Theophanu 11
4.2. Inschriften und Titel: Fehler oder bewusste Inszenierung? 12
5. Fazit 15
6. Abbildungen 18
7. Abbildungsnachweis 24
8. Literaturverzeichnis 25
8.1. Quellen 25
8.2. Literatur 25
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1. Einleitung
Bilder sind besetzt mit Zeichen. Diese gilt es zu entschlüsseln und zu verstehen, will man die gesamte Darstellung in ihrem Kontext begreifen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass Zeichen ihre Bedeutung verändern können oder der Sinn gar vergessen wird. Die Darstellung kann dann nicht mehr (richtig) gelesen werden. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Pariser Elfenbeintafel, auf der Otto II. und Theophanu durch Christus gesegnet werden. Diese Tafel gehört zu den zahlreichen Beispielen von Herrscherdarstellungen im Mittelalter.
Obwohl schon einige Erkenntnisse als gesichert angesehen werden können, wirft diese Tafel noch einige Fragen auf. Es gilt herauszufinden, welche Fragen noch gar nicht gestellt wurden - und warum. Interessant ist an dieser Stelle die Frage nach den Inschriften, da gerade sie besonderen Anlass zu Diskussionen bieten. Neue Fragen an sie zu richten bedeutet, neue Antworten zu erhalten und möglicherweise neue Interpretationen und Kontextualisierungen vorzunehmen. Besonders die Theophanu zugeordneten Inschriften sind Gegenstand vieler Diskussionen. Es existieren verschiedene Sichtweisen, bei denen sowohl eine weibliche Form 1 ihres Titels gesehen wird, als auch das männliche Genus 2 . Mittlerweile wird die maskuline Form der Titulatur als Faktum betrachtet. Die Frage nach dem warum scheint bisher jedoch noch nicht gestellt worden zu sein.
Die Untersuchung konzentriert sich auf das Beispiel dieser Elfenbeintafel, um einen Eindruck zu vermitteln, wie Herrscherdarstellungen aussehen konnten, in welchem Kontext sie standen und welche Intentionen mit ihnen verbunden waren. Die Arbeit widmet sich einzelnen offenen Fragestellungen. Die Untersuchung soll Eindrücke vermitteln, Anregungen und Ansätze für weitergehende Forschungen bieten.
1 Vgl. Pamme-Vogelsang, Gudrun, Die Ehen mittelalterlicher Herrscher im Bild. Untersuchungen zu zeitgenössischen Herrscherpaardarstellungen des 9. bis 12. Jahrhunderts, München 1998.
2 Vgl. Kahsnitz, Rainer, Elfenbeinrelief mit Otto II. und Theophanu, in: Puhle, Matthias (Hg.), Otto der Große. Magdeburg und Europa, Bd. 2, Mainz 2001; Vgl. Mütherich, Florentine, Schramm, Percy Ernst, Denkmale der deutschen Könige und Kaiser. Ein Beitrag zur Herrschergeschichte von Karl dem Großen bis Friedrich II. 768-1250, München 1962.
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Als Basis dieser Untersuchung dienen verschiedene Arbeiten, die sich direkt mit dem Relief auseinander setzen 3 , oder erklärende Hintergrundinformationen bieten. Zu den letzt genannten zählen die Arbeit von Irmgard Siede 4 , die sich der Elfenbeinkunst im Allgemeinen widmet, als auch die von Jennifer L. Ball 5 , die sich mit höfischer Kleidung in Byzanz auseinandersetzt. Als Quellen dienen in erster Linie verschiedene bildliche Darstellungen, aber auch Urkunden, die Aufschlüsse über die Inschriften geben können. Die Arbeit stellt zu Beginn das Relief und im Folgenden die aktuellen Erkenntnisse vor. Im Anschluss greift sie neue oder noch nicht weitergehend diskutierte Fragen auf und stellt verschiedene Thesen gegenüber. Das Fazit fügt das vielseitige und verworrene Puzzle zu einem neuen Gesamtbild zusammen und stellt die Thesen und neue Ansätze für weitergehende Forschungen zusammenhängend vor.
2. Die Elfenbeintafel mit Otto II. und Theophanu
Auf der Elfenbeintafel (Abb. 1) befinden sich Christus, Otto II. und Theophanu unter einem Baldachin. Christus ist zentral positioniert. Neben ihm stehen Otto und Theophanu, die er segnet oder krönt. Alle Personen stehen auf Schemeln. Christus ist deutlich größer als das Kaiserpaar. Otto und Theophanu sind gleich groß. Die Größenverhältnisse verdeutlichen die Bedeutung der dargestellten Personen. Christus ist herausragender und mächtiger als das Kaiserpaar, dem die Herrscher untertan sind. Von seiner Macht hängt die ihre ab. Christus verleiht ihnen ihren Stand. Dass Otto und Theophanu in gleicher Größe abgebildet sind, könnte darauf schließen, dass das Paar als gleichwertig und gleichberechtigt verstanden wird. Theophanu ist ihrem Gatten nicht unterstellt. Sie steht auf gleicher Stufe mit ihm. Die Größenverhältnisse weisen nicht auf die tatsächlichen Körpergrößen hin. Sie verdeutlichen vielmehr die soziale Stellung und die Machtverhältnisse. Dass auf Herrscherdarstellungen auch die Königin oder Kaiserin abgebildet ist, ist bis zu diesem Zeitpunkt eher selten. Dass ein Herrscherpaar zudem als gleichberechtigt auftritt ist ein Novum. Auch
3 Vgl. Pamme-Vogelsang, Gudrun, Die Ehen mittelalterlicher Herrscher im Bild; Vgl. Kahsnitz, Rainer, Elfenbeinrelief mit Otto II. und Theophanu; Vgl. Mütherich, Florentine, Schramm, Percy Ernst, Denkmale der deutschen Könige und Kaiser.
4 Vgl. Siede, Irmgard, Elfenbeinkunst. Funktion-Wirkung-Auftraggeber, in: Beuckers, Klaus Gereon u.a. (Hgg.), Die Ottonen. Kunst, Architektur, Geschichte, Petersberg 2 2006, S.153-164.
5 Vgl. Ball, Jennifer L., Byzantine dress. Representations of secular dress in eighth- to twelfth- century painting, Nwe York u.a. 2005.
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die Tatsache, dass das Thema „Herrscher durch Gottes Gnaden“ durch die Darstellung der Königin oder Kaiserin erweitert ist, stellt im weströmischen Reich etwas Neues dar. 6 Theophanu kommt hiermit eine bedeutende Rolle zu, die sich, obwohl außergewöhnlich, in verschiedenen Quellen wieder finden und bezeugen lässt. Auf diesen Punkt soll an späterer Stelle weiterführend eingegangen werden.
Neben der Abbildung als Herrscherpaares ist es auch denkbar, dass es sich bei Otto und Theophanu um Allegorien handelt, die das römische und das byzantinische Reich präsentieren. Die gleichberechtigte Darstellung könnte ein gleichberechtigtes Nebeneinander und Miteinander, ein Bündnis, der beiden Kaiserreiche symbolisieren. Spannungen mit der byzantinischen Kaisermacht in Süditalien führten zu einer weiteren Rivalität zwischen den Kaisern. Otto I. bemühte sich vergeblich um deren Beilegung. 7
Die Brautwerbung Ottos I. in Byzanz blieb ohne Erfolg. Wenige Jahre nach seiner Kaiserkrönung hatten seine Gesandten in Byzanz um eine Prinzessin als Braut für seinen Sohn Otto II. geworben. Interessenskonflikte in Süditalien verzögerten eine Übereinkunft. Diese ergab sich erst nach dem Sturz des byzantinischen Kaisers Nikephoros II. Phokas mit dessen Nachfolger Johannes Tzimiskes. Dieser suchte den Ausgleich mit dem Westkaiser und ging auf die Brautwerbung ein. Johannes I. Tzimiskes sandte seine Nichte Theophanu als Braut für Otto II. Die Vermählung mit Theophanu bedeutete eine Anerkennung des westlichen Kaisertums durch das Kaisertum Byzanz. 8 Unter Otto II. kniet in devoter Haltung eine weitere Person. Bei dieser handelt es sich vermutlich um den Stifter der Tafel. Der Inschrift zufolge stellt sie Johannes Philagathos dar. 9 Mit einer Hand hält er den Fuß des Schemels fest, auf dem Christus steht. Er wird als Untertan Ottos II. und Diener Christi dargestellt. Etwas befremdlich wirkt sein mit Sternen verzierter Umhang. Den einzelnen Personen sind Inschriften zugeordnet, auf die an anderer Stelle weitergehend eingegangen werden soll. Christus trägt ein schlichtes Gewand. Otto und Theophanu sind in Gewändern gekleidet, die auf den ersten Blick
6 Vgl. Pamme-Vogelsang, Gudrun, Die Ehen mittelalterlicher Herrscher im Bild, S. 71/ 78.
7 Vgl. Struve, T., s.v. Otto. 1. O. I., d. Gr., in: LexMA VI (1993), Sp. 1563-1566.
8 Vgl. Körntgen, Ludger, Starke Frauen: Edgith-Adelheid-Theophanu, in: Matthias Puhle (Hg.), Otto der Große. Magdeburg und Europa, Bd. 1, Mainz 2001, S. 127; Vgl. Struve, T., s.v. Otto. 2. O. II., in: LexMA VI (1993), Sp. 1567-1568.
9 Vgl. Kahsnitz, Rainer, Elfenbeinrelief mit Otto II. und Theophanu, S. 130f.
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fremdartig anmuten. Ihre Kleider sind reich verziert und wirken byzantinisch. Auch die Kronen des Kaiserpaares wirken eher oströmisch als abendländisch. Eine Darstellung von Konstantin VII. (Abb. 2) verdeutlicht diesen Eindruck. Sowohl Krone als auch Kleidung ähneln sich deutlich. Unterschiede gibt es im Schnitt der Kleidung, wie sich an der Elfenbeintafel von Romanos II. mit Eudokia (Abb. 3) zeigt. Otto II. trägt eine Tunika mit einem Umhang darüber. Dieser ist an seiner rechten Schulter mit einer Fibel zusammengehalten. Dies stellt eine deutliche Abweichung von der Kleidung der byzantinischen Abbildungen dar. Der Schnitt und die Fibel sind typisch römisch, westlich. Theophanu und Otto halten beide ihre rechte Hand an der Brust, in Höhe des Herzens. Die linke halten sie in Höhe des Bauches, wobei Ottos Hand unter dem Umhang verborgen bleibt. Christi Haltung ist leicht Otto II. zugewandt. Er blickt ihn jedoch nicht direkt an.
3. Ein umstrittenes Thema
Das Elfenbeinrelief mit Otto II. und Theophanu weist einige Ungereimtheiten auf, die in der Literatur noch nicht genauer geklärt oder untersucht sind. Eingehende Untersuchungen stehen teilweise noch aus. Wichtige Eckdaten und Zusammenhänge sind jedoch bekannt. Unbekannt ist die Funktion dieser Tafel.
3.1. Elfenbeinkunst
Neben Einflüssen aus der römischen Antike prägte auch der byzantinische Kulturraum die ottonische Elfenbeinkunst. Während im westlichen Mittelalter Elfenbein zur Herstellung der gleichen Gegenstände verwendet wurde wie in der Antike (mit Ausnahme von Konsulardiptycha und Türbeschlägen), ihre Aufgabe und Gestaltung von der Antike geprägt wurde, wurde ihr aus dem oströmischen Raum keine Aufgaben vererbt. Byzantinische Arbeiten erhielten im Westen eine neue Funktion. Auch sie sind von der römischen Antike geprägt. Ein Anschluss an antike Darstellungsweisen und Formen ist in Byzanz nach dem Ikonoklasmus festzustellen. Es existierten zahlreiche Darstellungen von Heiligen (als Teile von Diptycha oder Triptycha, zur privaten Andacht), die wohl oft im Zuge diplomatischer Geschenke in den Umkreis der westlichen Herrscher gelangten. 10
10 Vgl. Siede, Irmgard, Elfenbeinkunst, S. 156f.
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Durch organisierten Handel kam zahlreiche Kleinkunst aus Elfenbein nach Europa. Elfenbeinkunst wurde nicht ausschließlich importiert - sei es in Form von Handel oder Geschenken. In Europa existierten zahlreiche Herstellungszentren: Mailand, Trier, Echternach, Mainz, Metz, Würzburg, Bamberg, Köln, Lüttich, Minden. 11
Elfenbeinkunst blickte sowohl im römisch wie im byzantinischen Reich auf eine antike Tradition zurück, die die Arbeiten beeinflusste. Handel und der Umlauf von Geschenken förderten eine gegenseitige Beeinflussung. Darstellungen wurden nicht einfach nur adaptiert sondern auch modifiziert (imitatio und emulatio). Westliche Elfenbeinkunst übernahm also auch byzantinische Elemente, ohne sie jedoch völlig zu kopieren. Fremde und eigene Elemente vermischten sich.
3.2. Das Relief
Bei der Elfenbeintafel handelt es sich vermutlich um ein süditalienisches Werk, das 972 oder 982/983 entstanden ist. 12 Das Jahr 972 wird diskutiert, da Otto II. und Theophanu am 14. April 972 vermählt wurden. Bei dieser Zeremonie wurde Theophanu zur Kaiserin gekrönt. 13 Diese These tritt allerdings mittlerweile in den Hintergrund und wird nicht mehr als wahrscheinlich angenommen. Otto II. trug den Titel „Imperator Romanorum“, der als Inschrift über seiner Darstellung eingraviert ist, erst ab 982. Am 7. Dezember 983 verstarb Otto II. bereits. Aus diesen Gründen wird die Zeitspanne zwischen den Jahren 982 und 983 als Entstehungsdatum angenommen. 14 In der Forschung wird dieses Datum für wahrscheinlicher angesehen. Die Verwendung dieses programmatischen Titels auf der Tafel stellt ein Indiz dar, dass sie nicht in Byzanz entstanden ist. Der Titel „Imperator Romanorum“ war gegen Ostrom gerichtet. In Byzanz also wäre er nicht für Otto II. benutzt worden. 15
11 Vgl. Siede, Irmgard, Elfenbeinkunst, S. 160.
12 Vgl. Beuckers, Klaus Gereon u.a. (Hgg.), Die Ottonen. Kunst, Architektur, Geschichte, Petersberg 2 2006, S. 162.
13 Vgl. Körntgen, Ludger, Starke Frauen, S. 127f.
14 Vgl. Kahsnitz, Rainer, Elfenbeinrelief mit Otto II. und Theophanu, S. 130f; Vgl. Pamme-Vogelsang, Gudrun, Die Ehen mittelalterlicher Herrscher im Bild, S. 63; Vgl. Struve, T., s.v. Otto. 2. O. II., in: LexMA VI (1993), Sp. 1567-1568.
15 Vgl. Pamme-Vogelsang, Gudrun, Die Ehen mittelalterlicher Herrscher im Bild, S. 63; Vgl. Mütherich, Florentine, Schramm, Percy Ernst, Denkmale der deutschen Könige und Kaiser, S. 144.
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Christina Warneke, 2008, Christus segnet Kaiser Otto II. und Kaiserin Theophanu, München, GRIN Verlag GmbH
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