HS: Der Orient in der deutschen und angelsächsischen Literatur
SoSe 2006, 21. August 2006
Der Mahdi-Aufstand
und seine literarische Rezeption bei May, Churchill, Höllriegel und
Mason
von
Felix Strüning
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Inhalt
Inhalt... 2
Einleitung ... 3
1. Der Mahdi-Aufstand historisch... 4
1.1. Der Sudan... 4
1.2. Die Rolle des Mahdi im Islam... 5
1.3. Der Mahdi-Aufstand ... 6
2. Literarische Rezeption... 8
2.1. Karl May ... 8
2.2. Winston S. Churchill ... 9
2.3. Arnold Höllriegel ... 11
2.4. A.E.W. Mason... 12
Fazit... 13
Quellenverzeichnis:... 15
Literatur... 15
Internet ... 15
3
Einleitung
Wer heute dem iranischen Staatspräsidenten Achmadinejad
1
zuhört oder die Reden des
berüchtigten Terroristen Osama bin Laden liest
2
, wird immer wieder auf das Phänomen des
Mahdi stoßen. Doch um wen handelt es sich dabei?
Eine andere Erscheinung: Heutige Medien paraphrasieren immer wieder gerne Karl May,
indem sie z.B. ein ,,Massaker im Lande des Mahdi" feststellen, wenn sie über den Sudan
sprechen. Der Mahdi scheint also vor allem aus literarischen Erzeugnissen bekannt zu sein
und nur wenige Sachbücher zum Thema haben eine größere Verbreitung gefunden. Das ist
durchaus bemerkenswert, immerhin handelt es sich bei dem sudanesischen Mahdiaufstand um
den Beginn des modernen islamischen Fundamentalismus, wie die einführende Bemerkung
schon angedeutet hat und wie z.B. Wildfried Westphal umfangreich dokumentiert.
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Als Frage stellt sich also, in welchem Maß das Bild des Mahdi durch die deutsche und
angelsächsische Literatur geprägt wurde und als wie realitätsnah es bezeichnet werden kann.
Dazu muss zunächst die Rolle des Mahdis im Islam erläutert und ein historischer Abriss des
Mahdi-Aufstandes im Sudan wiedergegeben werden.
Anschließend widmet sich diese Untersuchung vier Werken der Schriftsteller Karl May (,,Im
Lande des Mahdi"), Winston S. Churchill (,,Weltabenteuer im Dienst"), Arnold Höllriegel
(,,Die Derwischtrommel") und A.E.W. Mason (,,Die vier Federn"). Anhand der einzelnen
literarischen Texte soll die Darstellung des Mahdi und seines Aufstandes untersucht werden.
Haben die Werke darüber hinaus das Bild vom Orient und/oder Sudan beeinflusst? Wird das
Phänomen des Gottesstaates wiedergegeben? Spielen imperialistische und kolonialistische
Ansichten eine Rolle?
Auf Inhaltsangaben der Werke wird weitestgehend verzichtet.
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Eine sehr gute Dokumentation einzelner Reden Achmadinejads liegt z.B. beim Middle East Media Research
Institute vor, vgl. MEMRI, V.i.S.d.P. MEMRI,
http://www.memri.de
, 01.08.06.
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Zu den Reden Osama bin Ladens sehr gut z.B. Marwan Abou-Taam/Ruth Bigalke, Die Reden des Osama bin
Laden, München 2006.
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Vgl. Wilfried Westphal, Sturm über dem Nil. Der Mahdi-Aufstand, Köln 2002
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1. Der Mahdi-Aufstand historisch
Zunächst soll eine kurze Einführung die historischen Ereignisse beschreiben, damit eine
Einschätzung des Bezuges der literarischen Verwertungen vorgenommen werden kann. Dazu
wird der Sudan als Handlungsort betrachtet, die Rolle des Mahdi im Islam erläutert und der
eigentliche Mahdi-Aufstand im Sudan dargestellt.
1.1. Der Sudan
Was heute das Staatsgebiet des Sudan umfasst, ist nur ein Teil dessen, was früher darunter
verstanden wurde. Ursprünglich bezeichnete Sudan das ganze subsahare Afrika bis an die
Ostküste. Später verlagerte sich das Gebiet auf den östlichen Teil zwischen der nubischen
Wüste und den zentralafrikanischen Regenwäldern. ,,Beled es Sudan" bedeutet wörtlich
übersetzt ,,Land der Schwarzen". Es kann grob in zwei Regionen aufgeteilt werden, die auch
heute noch deutlich sichtbar sind: Während der Norden arabisiert und somit auch durchweg
islamisiert ist, findet sich im Süden vorwiegend negride Bevölkerung, die verschiedenen
Naturglauben angehören bzw. bis zum Mahdiaufstand gehörten.
Das angrenzende Ägypten war ab 1807 Teil des osmanischen Reiches, allerdings mit
weitestgehender Handlungsfreiheit. Mehmet Ali (1769-1848), der mit osmanischen Truppen
die Briten aus Ägypten vertrieben hatte, begann mit einer radikalen Modernisierung des
Landes. Er führte die Eisenbahn und ein Postwesen ein, öffnete das Land europäischen
Einflüssen und schuf eine halbwegs erfolgreiche Baumwollindustrie. Ab 1820 begannen seine
Truppen den Sudan zu erobern, vorwiegend zum Zweck des Sklavenhandels. Dieser wurde
erst 1855 auf Druck der Briten abgeschafft, florierte aber in der geduldeten Illegalität weiter
(zur Ausdehnung des Osmanischen Reiches siehe Abbildung 1).
Der Mahdiaufstand erzwang einen nahezu vollständigen Rückzug der ägyptischen Truppen
aus dem Sudan und das Geschäft mit Sklaven erlebte eine neue Blüte, da es nach islamischen
Recht erlaubt ist und vom Mahdi unterstützt bzw. sogar selbst betrieben wurde.
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