Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Familie in der vorindustriellen Zeit 1
2.1 Der Haushalt des „Ganzen Hauses“ 2
2.2 Die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander. 2
3. Die Entstehung der bürgerlichen Familie 3
3.1 Trennung von Arbeits- und Wohnbereich. 3
3.2 Personenbezogene Stabilität 3
3.3 Die Entdeckung der Kindheit. 4
3.4 Institutionalisierung 4
4. Der Wandel aus demografischer Sicht. 5
4.1 Geburtenentwicklung 5
4.2 Eheschließungen 6
4.3 Scheidungen 6
5. Pluralisierung der Lebensformen 8
5.1 Nichteheliche Lebensgemeinschaften (NELG) 8
5.2 Alleinerziehende 9
5.3 Kinderlosigkeit/kinderlose Ehen 9
6. Erklärungsansatz anhand der Individualisierungstheorie 10
7. Fazit 11
Literaturverzeichnis
Beck, Ulrich / Beck-Gernsheim, Elisabeth: Das ganz normale Chaos der Liebe, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1990, S. 65-104
Geißler, Rainer: Die Sozialstruktur Deutschlands, Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, 4. Auflage, S.36-40, S 331-357 Nave-Herz, Rosemarie (Hg.): Ehe und Familiensoziologie, Eine Einführung in Geschichte, theoretische Ansätze und empirisch Befunde, Juventa Verlag Weinheim und München, 2004, S 37-76 Peuckert, Rüdiger: Familienformen im Sozialen Wandel, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, 6. Auflage, S. 15-42
Peuckert, Rüdiger: Zur aktuellen Lage der Familie, in: Ecarius 2007, S 36-56
1. Einleitung
Die bürgerlich moderne Familie, wie sie noch heute in der Gesellschaft überwiegend dominiert, war bis weit in die 60er Jahre hinein eine kulturelle Selbstverständlichkeit und ein millionenfach fraglos gelebtes Grundmuster. Sie ist aus einer Vielzahl von Veränderungsprozessen innerhalb des Familienlebens ent-standen. Für die große Bevölkerungsmehrheit galt sie als die einzig gesellschaftlich „richtige“ und rechtlich legitime private Lebensform.
Doch seit Mitte der 1960er Jahre findet in Deutschland ein Wandel dieser bisherigen „Normalfamilie“ statt. Dadurch entsteht eine zunehmende Pluralisierung und Individualisierung der Haushalts- und Fa-milienformen. Einige Sozialwissenschaftler interpretieren die Entwicklung als Bedeutungsverlust von Ehe und Familie (vgl. Peuckert 1999, 19).
Die Entscheidung für die Ehe wird immer mehr von einer subjektiven Werteorientierung, besonders vom Kinderwunsch, bedingt. Ihre Dauerhaftigkeit wiederum wird immer mehr von Partnerzufriedenheit und individuellen Anspruchsmustern abhängig.
Der Geburtenrückgang, die abnehmende Heiratsneigung sowie die steigende Zahl von Scheidungen gelten als die wichtigsten Symptome des Wandlungsprozesses.
Die „Individualisierungstheorie“ gilt gegenwärtig als der populärste Erklärungsansatz für den sozialen Wandel von Ehe und Familie. Die „Normalbiographie“ ist Vergangenheit. Heutzutage ist es Sache jedes einzelnen Individuums, die eigene Lebenskarriere selbst zu definieren. Dies gilt gleichermaßen für Frauen wie für Männer.
Um den gesellschaftlichen und den damit verbundenen familiären Wandel thematisieren zu können, ist es unerlässlich, zuvor die vorindustrielle Familie sowie die Beziehung der Familienmitglieder unterein-ander genauer zu betrachten. Darauf folgend wird der Umbruch durch die Industrialisierung sowie das daraus entstandene bürgerliche Familienmodell genauer beleuchtet. Anschließend beschreibe ich den Wandel aus demographischer Sicht. Die wichtigsten daraus resultierenden Privatheitsformen stehen im nachfolgenden Punkt im Vordergrund. Die Hausarbeit wird abgerundet mit einem Erklärungsansatz für den Wandel des Ehe- und Familiensystems mittels der Individualisierungstheorie.
2. Die Familie in der vorindustriellen Zeit
Noch bis Anfang der 1970er ist die Familiensoziologie davon ausgegangen, dass die Familien in der vorindustriellen Zeit häufig mit mehreren Generationen als sogenannte „Drei-Generationen-Familien“ unter einem Dach lebten. Diese Familienform hat es allerdings aus ökonomischen Gründen, aus Grün-
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den des relativ späten Heiratsalters sowie der geringen Lebenswahrscheinlichkeit seltener gegeben, als häufig angenommen wird.
Zahlreiche familienhistorische Untersuchungen belegen, dass vor und zu Beginn der Industrialisierung alle heute auftretenden familialen Lebensformen schon existiert haben, auch wenn sie mit den heutigen Lebensformen nur bedingt vergleichbar sind (vgl. Peuckert 1999, 21).
2.1 Der Haushalt des „Ganzen Hauses“
Das am weitest verbreitete Sozialgebilde war die Sozialform des „ganzen Hauses“. Diese Lebensform war typisch für die bäuerliche und handwerkliche Lebensweise. Diese erfüllte eine Vielzahl gesellschaftlich notwendiger Funktionen, zu denen Produktion, Konsumtion, Sozialisation sowie Alters- und Ge-sundheitsvorsorge gehörten. Zentrales Merkmal war die Einheit von Produktion und Familienleben (vgl. Peuckert 1999, 21). Die Haushaltsfamilie, wie sie auch genannt wird, war patriarchalisch strukturiert: Sowohl die Familienmitglieder als auch das Gesinde (Ammen, Gesellen, Mägde und Knechte), welches in gleicher Weise zum Hausverband zählte und auch dort wohnte, unterstanden dem „Hausvater“. Als oberstes Gebot galten die tägliche Existenzsicherung und der Erhalt der Generationsabfolge. Diese Art der Verbindung von Produktion und Haushalt ließ kaum Raum für persönliche Neigungen und Gefühle. Affektiv-neutrale Beziehungen besaßen ein deutliches Übergewicht gegenüber Emotionen. Dies galt in gleicher Weise für die Geschlechter zueinander wie für die Stellung der Kinder.
2.2 Die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander
Obwohl die Liebe zwischen den Ehegatten ein biblisches Gebot war, spielte sie jedoch nur eine unter-geordnete Rolle. Bei Partnerwahl und Ehe zählte nicht das „Zusammenpassen“ oder „Nicht-Zusammenpassen“ der Eheleute, sondern das ökonomische Arrangement. Die Ehe wurde eingegangen im Hinblick auf Kinder, um - je nach Schicht - Vermögen, Namen usw. weiterzugeben und um im Alter oder im Krankheitsfall die Versorgung zu garantieren (vgl. Nave-Herz 2004, 40). Die Kinder galten als potentielle Arbeitskraft und wurden gesindegleich angesehen und behandelt (vgl. Peuckert 1999, 21). Die Kinderzahl war trotz hoher Geburtenraten mit durchschnittlich drei bis vier Kindern pro Familie gering. Dies lag an der hohen Kindersterblichkeit. Weit über die Hälfte der Kinder starben im Säuglings- und Kleinkindalter an Epidemien, Kinderkrankheiten, durch Hunger und Kriege (vgl. Nave-Herz 2004, 41).
Es gab eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Die Frauen waren je nach Schicht in unterschiedlichem Maße für die vielseitigen Haushaltstätigkeiten sowie für bestimmte Bereiche der Erwerbs- und
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Arbeit zitieren:
Claudia Remmel, 2008, Zeitgeschichtlicher Wandel des Ehe- und Familiensystems in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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