Inhaltsverzeichnis
1 E I N L E I T U N G 3
2. DIE NATIONALSOZIALISTISCHE JUDENPOLITIK -
PHASEN DER VERFOLGUNG UND VERNICHTUNG 4
3. FALLENGELASSEN - Die Jahre 1933 und 1934 5
4. DIE „NÜRNBERGER GESETZE“ UND DIE AUSSPRACHE 10
KIRCHLICHER LOYALITÄT IM JAHR 1936
5 F A Z I T 1
6. QUELLEN UND LITERATURVERZEICHNIS 13
2
1. Einleitung
„Wäre das Christentum in Deutschland und im ganzen Abendland lebendiger gewesen, dann hätte es ein Drittes Reich mit all seinen Verfallserscheinungen nicht gegeben.“ 1
Das von Jesuiten Max Pribilla für die Zeitschrift Stimmen der Zeit nach der Kapitulation Deutschlands niedergeschriebene Urteil, steht im Widerspruch zum den direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gemachten Äußerungen der obersten Kirchenmänner da. Es ist zwar zu hinterfragen inwiefern die stärkere Religiosität der Menschen Hitler gehindert hätte an die Macht zu kommen, doch eines ist sicher: das deutsche Episkopat als Vertreter des Katholizismus und damit Propagierter des Gebots der Nächstenliebe wäre durchaus in der Lage die Bevölkerung zum breiten Protest gegen die Judenhetze zu mobilisieren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten sie sich zu befreien von jeglicher Schuld während der Naziherrschaft und präsentierten sich in der Öffentlichkeit und in internen Kreisen selbst als oppositionelle Kraft während der Jahre 1933
- 1945. Selbstkritik blieb ihnen gänzlich fremd. So heißt es im Hirtenbrief, den die bayerischen Kirchenmänner am 28. Juni 1945 als Antwort auf ein Loblied des Papstes Pius XII. 2 geschrieben haben:
„Die deutschen Bischöfe haben, wie ihr selber wisst, von Anfang an vor den Irrlehren und Irrwegen des Nationalsozialismus ernstlich gewarnt und immer wieder hingewiesen auf die unglücklichen Folgen, die der Kampf gegen Glaube, Christentum und Kirche, gegen Recht, Freiheit und Wahrheit mit sich bringen muss.“ 3
Der von Pribilla verwendete Begriff Verfallserscheinungen impliziert auch auf das von Dritten Reich verfolgte Ziel der Judenvernichtung, dessen Realisierung
1 Vgl. Georg Denzler: Widerstand oder Anpassung. Katholische Kirche und Drittes Reich,
München, 1984, S. 133.
2 Am 2. Juni 1945 nahm der Papst zur jüngsten Vergangenheit der katholischen Kirche in
Deutschland Stellung, bei der er der kirchlichen Autorität jegliches Versagen abspricht.
3 Vgl. Ludwig Volk (Hg.): „Akten Kardinal Faulhabers, Bd. II, Mainz, 1975-1978, S. 1080-
1084.
3
mit der Verfolgungsphase (1933 bis 1939) 4 - verbunden mit Ausgrenzung, Entrechtung, Entzug der wirtschaftlichen Grundlage und Druck zur Emigration- ihren Anfang nahm.
Die vorliegende Hausarbeit soll mit Hilfe auserwählter Literatur und Quellen das Verhalten des deutschen Episkopats während dieser ersten Phase kritisch untersuchen. Anhand der Reaktion auserwählter Repräsentanten des deutschen Episkopats auf die zentralen Maßnahmen der Nationalsozialisten gegen den jüdischen Teil der Bevölkerung bis zum Jahr 1936 soll gezeigt werden, dass die gerne verwendete Apologetik der Kirchenleute und die damit zusammenhängende Propagierung der Unschuld, nicht auf das tatsächliche Handeln basieren kann. Primär soll dafür das Handeln des Münchener Kardinals Faulhaber durch die Analyse auserwählter Quellen in Betracht gezogen werden. Er gilt als eine der markantesten Persönlichkeiten im deutschen Episkopat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und gerade aus diesem Grunde soll sein Unwille, den Nationalsozialisten die Stirn zu bieten und sein Ignorieren der innerkirchlichen Stimmen gegen das Regime gezeigt werden.
2. Die nationalsozialistische Judenpolitik - Phasen der Verfolgung und Vernichtung 1933 - 1945
Die Vernichtung der Juden war eines der primären Ziele der Nationalsozialisten. Geprägt von den Ideen Adolf Hitlers, die er in seinem gemeinsam mit Rudolf Heß verfassten zweibändigen Pamphlet „Mein Kampf“ äußerte, war die Eliminierung der Juden Kern ihrer Ideologie. Schon 1919 hat Hitler in einem Brief geschrieben, dass das letzte Ziel des Antisemitismus „unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt“ 5 sein müsse. Hitler favorisierte die planmäßige, durch Gesetze untermauerte Bekämpfung der Juden 6 , um dieser einen „legalen“ Charakter zu verleihen. Die antijüdischen Maßnahmen, die kontinuierlich verschärft wurden, werden in vier Phasen der Entwicklung des vom
4 Vgl. Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933-1939,
München, 1998. und Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Vernichtung 1939-1945,
München, 2006.
5 Vgl. Eberhard Jäckel: Hitlers Herrschaft, Stuttgart, 1986, S. 98.
6 Vgl. Ebenda, S. 91.
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Arbeit zitieren:
Bachelor Damir Hajric, 2006, Die Haltung des deutschen Episkopats zur Judenverfolgung im Dritten Reich, München, GRIN Verlag GmbH
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