Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Einleitung 4
2 Sprachwandel unter dem Einfluss des Englischen 6
3 Der Anglizismus 7
4 Formen der Entlehnung 9
4.1 Evidentes Lehngut 9
4.1.1 Fremdwort und Lehnwort 9
4.1.2 Scheinentlehnungen 10
4.1.3 Lehnveränderungen 11
4.1.4 Lexikalische Scheinentlehnungen 12
4.1.5 Semantische Scheinentlehnungen 12
4.1.6 Mischkomposita 13
4.2 Latentes Lehngut 14
5 Exkurs: Denglisch 15
6 Werbung 17
6.1 Zum Begriff Werbung 17
6.2 Anzeigenwerbung 18
6.3 Zielgruppen der Werbung 19
6.4 Besonderheiten der Werbesprache 21
6.5 Gestaltung von Werbeanzeigen 23
6.5.1 Schlagzeile 24
6.5.2 Fließtext 24
6.5.3 Produktname 25
6.5.4 Bildelemente 26
6.5.5 Slogan 27
6.5.5.1 Slogan oder Claim 28
6.5.5.2 Funktionen von Slogans 29
7 Zur Verständnisfähigkeit englischer Slogans 33
7.1 Die Endmark-Studie von 2003 33
7.2 Die Endmark-Studie von 2006 34
8 Das Korpus 39
8.1 Der SPIEGEL 39
8.2 Glamour 39
1
8.3 Die Hypothesen 40
8.3.1 Überprüfung der Hypothese 1 41
8.3.2 Überprüfung der Hypothese 2 41
8.3.3 Überprüfung der Hypothese 3 46
9 Zusammenfassung und Ausblick 57
10 Verzeichnisse 60
10.1 Literaturverzeichnis 60
10.2 Tabellenverzeichnis 64
10.3 Internetverzeichnis 64
11 Abbildungsverzeichnis 65
12 Anhang 66
2
Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch – aber weil die deut-
sche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt
fließend Deutsch.
Rudi Carell
3
1 Einleitung
„Englisch ist heute die Lingua Franca der Welt und damit die Hauptquelle für die neuen Wörter in vielen anderen Sprachen.“ (Zimmer, Dieter 1997: 33) Angesichts der wachsenden Popularität der USA ist es nicht verwunderlich, dass die moderne deutsche Sprache Wortentlehnungen aus dem angloamerikanischen Sprachraum äußerst aufgeschlossen ist. Neben Wirtschaft, Musikkultur, Medizin, Sport, Wissenschaft und Technik, bedient sich insbesondere die Werbebranche einer Vielzahl von Anglizismen. Zahlreiche Unternehmen setzen auf die englische Sprache, wenn es darum geht, ihre Zielgruppe anzusprechen. Von wenigen englischen Ausdrücken bis hin zu ganz in englischer Sprache gehaltenen Anzeigen reicht dabei die Spanne der Verwendung englischsprachigen Wortguts.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, englischsprachige Werbeslogans in der deutschen Anzeigenwerbung anhand von drei Hypothesen zu analysieren. Diese lauten wie folgt:
Hypothese 1 (H1): Anglizismen in Werbeslogans besitzen meist einen schwachen Integrationsgrad.
Hypothese 2 (H2): Die Anzahl an Anglizismen in Werbeslogans ist seit 2003 gestiegen.
Hypothese 3 (H3): Bei Slogans gilt generell „das Prinzip der mehrfachen Wirkungsweise“.
Als Grundlage der Untersuchung liegen 83 Werbeslogans aus jeweils vier Ausgaben der Zeitschriften „Der SPIEGEL“ und „Glamour“ der Jahrgänge 2003 und 2007 vor. Das dort verwendete englische Sprachmaterial soll sowohl synchronisch als auch etymologisch untersucht werden, um dadurch den Integrationsgrad des Wortes darzustellen. Aufgrund des zeitlichen Rahmens dieser Arbeit, können die daraus entstandenen Resultate jedoch nicht repräsentativ, sondern nur exemplarisch präsentiert werden.
4
Ein Überblick über die Gliederung dieser Arbeit mag an dieser Stelle nützlich sein:
Welchen Einfluss Anglizismen im Laufe der Jahre auf die deutsche Sprache ausgeübt haben, soll in Kapitel 2 erläutert werden. Das nächste Kapitel soll veranschaulichen, mit welchen Anglizismen in der Untersuchung gearbeitet wird. Zusätzlich ist es notwendig, die Form der Entlehnung nachzuweisen, was in Kapitel 4 dargestellt wird. Dabei wird zwischen evidenten und latenten Lehngut unterschieden, wobei letzteres unberücksichtigt bleibt. Ein Exkurs in Kapitel 5 soll über das Sprachphänomen „Denglisch“ informieren. Da die vorliegende Arbeit mit Anglizismen in der Anzeigenwerbung arbeitet, wird im folgenden Kapitel der Oberbegriff „Werbung“ definiert. Inwieweit eine Zielgruppenanalyse in der Werbung durchgeführt und diese gebraucht wird, soll in einem Exkurs geschildert werden. Darüber hinaus wird sowohl die Sprache in der Werbung als auch die Gestaltung von Werbeanzeigen skizziert, wobei dem Slogan und seiner Funktionalität ein separates Unterkapitel gewidmet ist. Ferner setzt sich Kapitel 7 mit der Verständlichkeit und Akzeptanz englischen Wortguts in der deutschen Anzeigenwerbung auseinander, was anhand der Endmark-Studien der Jahre 2003 und 2006 veranschaulicht wird. Den Schwerpunkt der Arbeit bildet die darauf folgende Untersuchung der o.g. Hypothesen in Kapitel 8. Die Schlussbetrachtung in Kapitel 9 schließt die Arbeit mit einer Übersicht über die Ergebnisse und einem zusätzlichen Ausblick über noch nicht behandelte Fragestellungen, die sich aus der behandelten Thematik ergeben.
5
2 Sprachwandel unter dem Einfluss des Englischen
Wie alle Sprachen war und ist auch die deutsche Sprache unter dem Einfluss unterschiedlicher geistiger Strömungen, veränderter Lebensbedingungen und neuer gesellschaftlicher Strukturen einem ständigen Sprachwandel ausgesetzt. 1 Dabei war gerade der Einfluss englischer Entlehnungen in den vergangenen zwei Jahrhunderten prägend, was nicht zuletzt durch die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung der USA und die damit einhergehende Internationalisierung im 20. Jahrhundert herrührte. Die maßgeblichen Trans-porteure von Anglizismen sind die Massenmedien, die Werbe- und Unterhaltungsbranche und die 'Öffentlichkeit'. Begünstigt durch die starke Entwicklung der Medienlandschaft wurden englische Begriffe aus Wirtschaft, Sport und Film in rasanter Geschwindigkeit in Umlauf gebracht und von der deutschen Bevölkerung kurzerhand in den eigenen Wortschatz integriert. 2 Man gab sich nicht mehr die Mühe, zur Bezeichnung neuer Sachverhalte oder Gegenstände, die aus dem Ausland eingeführt wurden, deutsche Neuschöpfungen zu entwickeln. Stattdessen wurden die Sprachlücken mit Anglizismen gefüllt. Fraglich bleibt, ob dies aufgrund mangelnder Sprachloyalität und des stark angeknacksten Nationalgefühls im Bewusstsein der Verbrechen des Dritten Reichs 3 oder durch die äußerst positive Einstellung gegenüber den USA erfolgte. Werbefachleute, die berufsbedingt unter dem unentwegten Zwang stehen, längst Bekanntes immer wieder anders auszuschmücken, um ihren Produkten Exklusivität zu verleihen, bedienen sich gerne dieses verhältnismäßig simplen Mittels der Wortschatzerweiterung. Ferner werden Anglizismen besonders in der Werbesprache häufig bevorzugt, weil sie kürzer und prägnanter als ihr deutsches Pendant sind. 4 Ob nun die Zahl der Anzeigen, in denen Anglizismen in Werbeslogans vorkommen, seit 2003 gewachsen ist, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.
1 Vgl. Schütte (1996: 30)
2 Vgl. Schütte (1996: 33)
3 Vgl. Gawlitta (2000: 7)
4 Vgl. Schütte (1996: 34)
6
3 Der Anglizismus
Bevor in Kapitel 8 nicht nur auf die Häufigkeit, sondern auch auf den Integrationsgrad und die Funktionen von englischsprachigen Slogans in Werbeanzeigen eingegangen wird, sollten zum besseren Verständnis einige Begriffe erklärt und gegeneinander abgegrenzt werden. Der Ausdruck „Anglizismus“ wurde bereits mehrfach verwendet, blieb jedoch undefiniert. Pfitzner (1978: 13) definiert „Anglizismus“ als „ […] ein sprachliches Zeichen, dessen äußere Form aus englischen Morphemen bzw. einer Kombination englischer und deutscher Morpheme besteht, dessen Inhalt stets die Übernahme einer im englischen Sprachgebrauch üblichen Bedeutung voraussetzt.“ Während man in Hadumod Bußmanns Lexikon der Sprachwissenschaft die Definition ,,Spracheigenheit aus dem britischen Englisch“ 5 findet, wird der Begriff „Anglizismus“ häufig für sprachliche Entlehnungen 6 sowohl aus dem britischen, als auch dem amerikanischen Englisch, gebraucht. Auf diese Weise beschreibt Yang (1990: 7) den Anglizismus als Oberbegriff von Entlehnungen aus dem amerikanischen Englisch, dem britischen Englisch, sowie den übrigen Sprachbereichen wie Kanada, Australien, Südafrika, u.a. Folglich ist es schwierig die Entlehnungen aus dem Englischen nach ihrer britischen oder amerikanischen Herkunft zu sondern, um sie als solche benennen zu können. Fest steht, dass der Ursprung aufgrund historischer Zusammenhänge sicher im britischen Englisch (BE) liegt, viele so genannte Anglizismen aber aus dem amerikanischen Englisch (AE) nach Deutschland entlehnt wurden. 7 Demzufolge lässt sich eine genaue Differenzierung der Termini nicht durchführen, weshalb auf die Unterscheidung zwischen BE und AE in der vorliegenden Arbeit verzichtet, und der Oberbegriff „Anglizismus“ verwendet wird.
5 Siehe Bußmann, Hadumod (1990: 85)
6 Siehe Kapitel 4
7 Vgl. Carstensen/Galinsky (1975: 12)
7
Bohmann (1996: 19-20) unterteilt den Anglizismus in 4 verschiedene Typen, die in der Werbebranche verwendet werden:
1. Konventionaler Typ:
Die Anglizismen in dieser Gruppe werden als allgemein bekannt und im Sprachgebrauch fest integriert vorausgesetzt, obwohl sie sich in Orthographie und Phonetik häufig anders verhalten als ihr einheimisches Wortgut, z.B. Computer, Keks, Manager, cool, new, Jeans, etc. Dem Sprachgefühl vieler Deutscher zufolge werden diese Anglizismen nicht mehr als fremd empfunden.
2. Dem deutschen Phonem-Graphem-System angepasste Anglizismen:
Diese Anglizismen werden mit deutschem Morpheminventar, wie Suffixen oder Präfixen versehen. Dies geschieht insbesondere bei Verben, wie z.B. gestylt, gemanagt, gedownloadet, stoppen, etc.
3. Anglizistische Kombinationstypen:
Bei diesen Kombinationstypen handelt es sich um englische Wörter, die mit deutschen Wörtern, durch Anfügung eines Bindestrichs verbunden werden. Meist behalten jedoch die englischen Elemente ihre Orthographie, z.B. Open-Air-Knopf, stütz-soft Effekt, etc.
4. Neue Anglizismentypen:
Damit sind Anglizismen gemeint, die eigens für eine Werbekampagne kreiert wurden und noch nicht den Weg in die Allgemeinsprache gefunden haben. Anglizismen diesen Typus sind ausschließlich jüngeren Datums; entweder setzen sie sich in der Werbung durch oder bleiben ein einmaliger Werbegag, wie z.B. geswatchte Uhren (Werbung für Swatch); Sofa- Surfer, Online-Skater(Werbung für T-Online).
8
4 Formen der Entlehnung
Zuvor war von ,,sprachlichen Entlehnungen" die Rede. Dieses soll an dieser Stelle genauer beschrieben werden. Carstensen (1979: 90) z.B. unterscheidet das sprachliche Lehngut zwischen „evidenten“ (äußeren) und „latenten“ (inneren) Einflüssen. Zu dem evidenten Lehngut gehören das Fremdwort, das Lehnwort, die Scheinentlehnung und das Mischkompositum.
4.1 Evidentes Lehngut
4.1.1 Fremdwort und Lehnwort
Fremd- und Lehnwörter bilden die größte Gruppe innerhalb des englischen Worteinflusses. Yang (1990: 11) versteht unter dem Begriffspaar „Fremd-wort“ und „Lehnwort“ den Eindeutschungsgrad eines Anglizismus in die deutsche Sprache. Obgleich viele substantivische Anglizismen mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben werden, bezeichnet Yang weiterhin ein „Fremdwort“ als Lexem oder Lexemverbindung, das im Deutschen ohne phonologische, orthographische, morphologische und semantische Veränderung verwendet wird, wie z.B. Cowboy, Jeans, Quizmaster, Show, etc. Im weitesten Sinne sind diesem Bereich auch die Internationalismen zuzurechnen, d.h. international gebräuchliche, meist aus Wissenschaft und Technik, Kultur, Handel und Verkehr stammende Begriffe, die ähnlich der Fremdwörter weitestgehend unverändert in die Alltagssprache übernommen werden. Das Lehnwort hingegen gleicht sich dem Deutschen morphologisch, orthographisch und / oder phonologisch an, womit wesentliche Merkmale zur Unterscheidung von „Fremdwort“ und „Lehnwort“ gegeben sind 8 :
• Morphologische Anpassung:
Hierbei werden englischen Verben ein deutsches Invinitivmorphem –(e)n angehängt, wie es bspw. bei kidnappen für to kidnap, oder managen, für to manage der Fall ist. Soll ein Verb konjugiert werden, wird die deutsche
8 Vgl. Yang (1990: 11f)
9
Personalendung angefügt, wie ich stoppe, du stoppst, er / sie / es stoppt. Ebenso werden adjektivische Anglizismen in die deutsche Flexion einge-ordnet, wie z.B. ein cleverer Student, die cleveren Studenten. Darüber hinaus erhalten substantivische Lehnwörter die deutsche Pluralform, wie der Boss – die Bosse.
• Orthographische Anpassung:
Eine orthographische Veränderung liegt vor, wenn die englische c- Schreibungdurch die deutsche k- Schreibung ersetzt wird, wie comfort – Komfort, stewardess – Stewardeß, etc., oder wenn aus dem englischen sh ein deutsches sch wird, wie shock – Schock.
• Phonologische Anpassung:
Eine phonologische Anpassung der Anglizismen wird durch das deutsche Phonemsystem vorgenommen. So werden Anglizismen wie Start oder Stopp der deutschen Sprache angepasst, während Anglizismen wie Hit, Slip, Test u.a. der deutschen Lautung ähnlich sind und bereits für phonetisch integriert gehalten werden. T-Shirt, Surfing, Jeans, etc. werden als Fremdwort bezeichnet, da sie ihre ursprüngliche Phonetik beibehalten. Im Anschluss an Yang lässt sich für diese Arbeit schlussfolgern, dass ein Anglizismus nach den oben genannten Kriterien untersucht werden muss, um ihn von Fremd- und Lehnwort zu unterscheiden.
4.1.2 Scheinentlehnungen
Bohmann (1996: 25) versteht unter „Scheinentlehnungen“ Wörter, die in der deutschen Sprache mit englischem Sprachmaterial gebildet werden. Meist sind diese Wörter im englischen Sprachraum unbekannt oder haben eine andere Bedeutung, so dass es zu Verständnisproblemen kommt, wenn sie im Englischen gebraucht werden. Solche Wörter werden auch als ,,Pseudo-Anglizismen" bezeichnet. 9 Als Beispiel dafür bietet sich das Substantiv Handy an, das im Deutschen ein Mobiltelefon darstellt. Auf Englisch nennt
9 Vgl. Carstensen (1979: 90)
10
man ein solches Gerät jedoch cell phone oder mobile(phone), das Wort Handy existiert lediglich als Adjektiv und ist mit „handlich“ zu übersetzen. Das Gleiche gilt für den deutschen Ausdruck Smoking, der einen eleganten Anzug bezeichnet. Übersetzt wäre dieses Substantiv jedoch die Grundform des englischen Verbs to smoke, also „rauchen“. Jedoch wird ein Smoking in der englischen Sprache als dinner jacket oder tuxedo verstanden.
Laut Yang (1990: 13), der sich an Steinbach (1984: 34) orientiert, sind Scheinentlehnungen in drei sekundäre Kategorien zu gliedern: Lehnveränderungen, lexikalische Scheinentlehnungen und semantische Scheinentlehnungen, welche im Folgenden erläutert werden.
4.1.3 Lehnveränderungen
Carstensen (1979: 156 – 160) ordnet Lehnveränderungen in folgende vier Bereiche ein:
1. Kürzung von Einzelwörtern
Als dafür typisches Beispiel gilt Pulli, die im Deutschen gebildete und gebrauchte Kurzform für Pullover. Derartige Wortkürzungen haben zur Folge, dass der Begriff in der Ursprungssprache nicht mehr verständlich ist. Gleiches gilt für die Kürzungen Deo von Deodorant oder Profi von Professional.
2. Kürzung von Zusammensetzungen
Hierbei handelt es sich um die eigensprachliche Kürzung der englischen Komposita, die in der Ausgangssprache unbekannt sind. So ist das englische Discount store zum deutschen Discount verkürzt worden und bei dem englischen Kompositum Happy Ending ist das Suffix –ing ausgelassen worden: Happy End
11
3. Kürzungen von Phrasen
Diese Kategorie meint die Kürzungen von Einheiten von mehr als einem Wort. So ist Gin Tonic die Kurzform für das englische Gin and Tonic. Auch hier sind die Kurzformen in der Ursprungssprache nicht geläufig.
4. Morphologisch veränderte Formen
Morphologische Veränderungen sind bspw. bei Wörtern wie Mixpickles, aus dem englischen mixed pickles, oder Gentleman-Agreement aus dem englischen Gentleman´s agreement entstanden. Da man die unter der zweiten Kategorie eingeordnete deutsche Kürzung Happy End auch als morphologisch veränderte Form ansehen könnte, räumt Carstensen ein, dass der Übergang zu den oben genannten Kategorien fließend ist.
4.1.4 Lexikalische Scheinentlehnungen
Unter der Gruppe „Lexikalische Scheinentlehnungen“ versteht man Lexeme und Lexemverbindungen, die im Deutschen mit englischen Morphemmaterial gebildet worden sind, und entweder in ihrem Heimatland nicht existieren oder dort unter einer anderen Bedeutung bekannt sind. Als Beispiel wäre dafür das Wort Showmaster aufzuführen, das analog zum englischen Quizmaster gebildet wurde oder das Wort Teens, das sich an das englische teenager anlehnt. 10
4.1.5 Semantische Scheinentlehnungen
Unter einer semantischen Scheinentlehnung versteht man „die Übernahme eines englischen Wortes in seiner Originalform mit einer oder mehreren Bedeutungen ins Deutsche, wobei der Anglizismus jedoch in der Gastsprache semantische Eigenwege geht, indem er ein oder mehrere Bedeutungen annimmt, die das Wort im Englischen nicht hat“ (Carstensen 1980: 77). So bedeutet bspw. der Anglizismus flirt im Englischen eine Person, die flirtet, während damit im Deutschen die „Handlung der Person“ gemeint ist. Als weiteres
10 Vgl. Carstensen (1979: 90)
12
Beispiel dient die englische Entlehnung „Slip“, welche im Deutschen beispielsweise für eine spezielle Art der Unterhose steht, während es im Englischen „Unterrock“ oder „Unterkleid“ bedeutet.
4.1.6 Mischkomposita
Laut Bohmann (1996: 29) sind Mischkomposita Lexemverbindungen aus fremdsprachlichen und eigensprachlichen Material. Während einige Komposita ein englisches Vorbild haben, werden andere ohne englische Anlehnung im Deutschen gebildet. Dazu unterscheidet Carstensen (1979: 91f) drei Typen:
1. Das Mischkompositum mit englischem Vorbild, das nur teilweise ins Deutsche übersetzt wurde, wie „Haarspray“ nach dem englischen „hairspray“, oder auch „Nachtclub“ nach dem englischen „nightclub“.
2. Das Mischkompositum ohne englische Vorlage, bei welchem ein beliebiges deutsches Wort mit einem englischen verbunden wird, wird mit den Beispielen „Managerkrankheit“ oder „Online-Nutzung“ deutlich.
3. Das Kompositum, das mit Lexemen aus zwei verschiedenen Sprachen zusammengefügt ist, wie z.B. „Nightclub-Chef“. „Nightclub“ kommt wie oben erwähnt aus dem Englischen und das Wort „Chef“ aus dem Französischen.
In der Regel werden zumeist Substantive oder Substantiv-Komposita aus der englischen Sprache entlehnt, doch je mehr ganze Sätze in der Sprache der Anzeigenwerbung verwendet werden, desto größer wird auch der Anteil englischer Adjektive und Verben. Fink weist in seinen Untersuchungen aus dem Jahre 1997 nach, dass die Gliederung von Anglizismen nach grammatischen Wortarten sehr unterschiedlich ausfällt. Bei der Analyse von Werbeanzeigen verschiedener deutschsprachiger Zeitschriften kommt er zu dem Ergebnis, dass über 90% der Anglizismen Substantive sind, gefolgt von Adjektiven (weniger als 3%), sowie Verben und Adverbien (jeweils unter 1%). Als mögli-
13
che Schlussfolgerung führt Fink die einfachere Integration fremdsprachlicher Substantive auf, da Verben erst konjugiert und Adjektive dekliniert werden müssen. 11 Zur Veranschaulichung der verschiedenen Entlehnungsformen soll folgende Grafik dienen:
4.2 Latentes Lehngut
Laut Yang (1990: 15) versteht man unter „latenten Lehngut“ diejenigen Entlehnungen, die im Gegensatz zu „evidenten Lehngut“ ausdrucksseitig kein englisches Morphemmaterial besitzen. Da Entlehnungen, die nur aus deutschen Morphemen bestehen, schwer zu erfassen sind und damit nicht direkt zu der Gruppe der Anglizismen gehören, werden sie in dieser Arbeit außer Acht gelassen.
11 Vgl. Fink (1997: 114f)
12 Vgl. Yang (1990: 16) eigene Darstellung
14
5 Exkurs: Denglisch
„Der Klügere spricht Deutsch.“ – So lautet die Werbeaussage des „Vereins Deutsche Sprache“ (VDS) 13 , welcher das Ziel verfolgt, "die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern". Darüber hinaus tritt er dafür ein, dass sich die deutsche Sprache gegen die Überschwemmung des aus dem Englischen entlehnten Wortguts behauptet. 14 Im Zuge dessen wurde die Bezeichnung „Denglisch“, eingeführt. Dieses Kofferwort soll die Kontamination der beiden Lexeme „Deutsch“ und „Englisch“ verdeutlichen. Der VDS versteht „[…] darunter einen inhaltlich unklaren, regelarmen und deshalb ausdrucksschwachen Wortmischmasch aus deutschen und englischen Wörtern.“ 15 , wobei sowohl englische Wörter und Wendungen in den deutschen Sprachgebrauch integriert als auch grammatische Strukturen übernommen werden. Bsp.: „Der Flug wurde gecancelt.“ Hier wurde das englische Verb (to) cancel mit deutschem Morpheminventar, in diesem Fall mit dem Präfix –ge und dem Suffix –t, versehen. Zwar existiert die deutsche Entsprechung „gestrichen“ für das oben genannte „denglische“ Wort, es wird jedoch kaum noch genutzt. "Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf denglisch." formulierte der Dortmunder Statistiker Prof. Dr. Walter Krämer, Vorsitzender des "Vereins Deutsche Sprache", auf einer Versammlung der drei pfälzischen Regionalgruppen seiner Organisation am 6. Oktober 2004 in der Universität Mannheim. Dies sei wohl mit dem Bedürfnis zu erklären, gewöhnlichen Dingen und Sachverhalten eine scheinbar besondere Wirkung zu verleihen. 16 Selbst in der Sprache der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Musik und der Informatik hat „Denglisch“ Einzug erhalten. Im Sinne des Vereinszieles verleiht der VDS in unregelmäßigen Abständen den Titel „Sprachhunzer des Monats“ und jährlich den Titel „Sprachpanscher des Jahres“ an Personen, die im öffentlichen Sprachgebrauch Anglizismen oder „denglische“ Wortzusammensetzungen verwenden, obwohl es stattdessen gebräuchliche deutsche Lexeme gibt. So wurde z. B. im Jahr 2000 Andreas Heldrich, Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität München für den Vorschlag, die Fakultäten und Fachbereiche in departments umzubenennen, zum „Sprach-
13 DerVerein wurde 1997 als „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“ (VWDS) gegründet und im April 2000 in „Verein Deutsche Sprache“ (VDS) umbenannt.
14 Vgl. http://vds-ev.de/verein/satzung.php (Stand: 19.08.2007) 15 Siehe http://www.vds-ev.de/denglisch (Stand: 21.08.2007) 16 Vgl. http://www.vds69.de/aktuelles/regvers.htm (Stand: 19.08.2007)
15
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Magistra Artrium Agnes Bogatzki, 2007, Anglizismen in Werbeslogans, München, GRIN Verlag GmbH
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