I
GLIEDERUNG
1 EINLEITUNG 1
2 ENTWICKLUNGEN DES KLASSISCHEN BARTERING 2
2.1 Begriff Bartering 2
2.2 Tauschwirtschaft Geldwirtschaft. 3
2.2.1 Grundelemente des Naturaltauschs 4
2.2.2 Anforderungen an ein Tauschmittel 5
2.2.3 Funktionen des Geldes. 5
2.3 Erste Handels- und Währungsformen 6
2.4 Bartering Kompensationsgeschäft. 9
2.4.1 1. Definition des Kompensationsgeschäftes. 9
2.4.2 2. Definition des Kompensationsgeschäftes und Vergleich 11
2.4.3 Fazit 13
2.5 Bartering mit Ostblock- und Entwicklungsländern 16
2.6 Position des modernen Bartering 19
3 DIE MODERNE FORM DES BARTERING 21
3.1 Ursprung 21
3.2 Die kommerzielle Barter Industrie. 22
3.2.1 USA 22
3.2.2 Deutschland. 24
3.2.3 Barter Exchanges (Barter-Clubs) 24
3.2.4 Corporate Barter-Unternehmen. 25
3.2.5 Internationales Bartering 27
3.2.6 Statistiken. 28
3.3 Kurzdarstellung eines Corporate Bartergeschäftes. 29
3.3.1 Entstehung 29
3.3.2 Remarketing 30
3.3.3 Cash Convertible Credits 30
3.3.4 Ablauf 30
3.4 Bartering und TV-Werbung 31
3.4.1 Der deutsche TV-Werbemarkt 31
3.4.2 Programm-Bartering. 32
3.4.3 Corporate Barter mit TV-Werbung. 32
3.5 Soft Commodities. 35
3.5.1 Transportkapazitäten 35
3.5.2 Flugkontingente 36
II
GLIEDERUNG
3.5.3 Druckkapazitäten 36
3.5.4 Telekommunikation im Mobilfunk- und Festnetz 36
3.5.5 Autovermietung. 37
3.5.6 Hotelzimmerkontingente 37
3.5.7 Werbezeiten im Fernsehen 37
3.5.8 Printwerbung. 38
3.5.9 Außenwerbung. 39
3.5.10 Energie 39
3.5.11 Zusammenfassung 39
3.6 Die Anwendung der Soft Commodities im Corporate Barter 40
3.6.1 Beispiel 1: Modellwechsel. 40
3.6.2 Beispiel 2: Firmen-Akquisition. 41
3.6.3 Beispiel 3: Zu hochwertiges Produkt. 41
3.6.4 Beispiel 4: Falsches Produkt. 42
3.6.5 Beispiel 5: Marktveränderungen 43
3.6.6 Beispiel 6: Marktrückläufer 43
3.6.7 Beispiel 7: Überkapazitäten bei Abfüllanlagen 44
3.6.8 Beispiel 8: Saison-Ende. 44
3.6.9 Zwischenbetrachtung 45
3.7 Buchungsschema des Corporate Barter-Unternehmens. 47
3.8 Bilanzierungsschema des Barter-Kunden 51
4 ZUSAMMENFASSUNG UND KRITISCHE WÜRDIGUNG. 53
5 QUELLENVERZEICHNIS IV
6 ANLAGENVERZEICHNIS VII
III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Allgemeine und angewandte Kriterien des Bartering
Abbildung 2: Barter-Umsatz der nordamerikanischen Barter-Unternehmen
Abbildung 3: Barter-Unternehmen in den USA
Abbildung 4: Barter-Kunden in den USA.
Abbildung 5: Buchungsschema einer Bartertransaktion
Abbildung 6: Gewinn- und Verlustrechnung des Buchungsschemas
Abbildung 7: Bilanz des Buchungsschemas
Abbildung 8: Bilanz des Barter-Kunden am 30.06.1998
Abbildung 9: Hypothetische Bilanz des Barter-Kunden am 31.12.1998
Abbildung 10: Bilanz des Barter-Kunden am 31 07 1998
1 EINLEITUNG
Bartering ist so alt wie die Menschheit und so modern wie die heutige Wirtschaft. Das Verständnis und die vorhandenen Definitionen von Bartering sind aus diesem Grund sehr unterschiedlich und stark an die jeweilige Situation geknüpft, in der es angewandt wird. Aus der einfachsten Form des Bartering, die der Ursprung wirtschaftlichen Handelns war, hat sich im Laufe der Zeit ein modernes Geschäftswerkzeug entwickelt, das in den USA eine feste Position in der Wirtschaft einnimmt, in Deutschland allerdings noch kaum bekannt ist.
Um die Position des modernen Bartering in der heutigen Wirtschaft deutlich zu machen, sollen im Rahmen dieser Arbeit die verschiedenen Entwicklungsstufen des Bartering aufgezeigt und untersucht werden. Ihre Darstellung dient dabei als Hinführung zu dem modernen Bartering und veranschaulicht darüber hinaus, in welch unterschiedlicher Form und aus welchen verschiedenen Motivationen heraus Bartering eingesetzt werden kann. Die Sonderform wirtschaftlichen Handelns ist dabei eine von zwei Formen des modernen Bartering.
„There is something supremly logical about barter, and, while it can be applied in a variety of complex situations, it remains a simple technique“. 1
Diese Aussage trifft vor allem auf die Sonderform wirtschaftlichen Handelns zu. Ihre Darstellung ist das primäre Ziel dieser Arbeit. Die Anwendungsmöglichkeiten des Bartering in dieser modernen Form sind enorm vielfältig, so dass durch Bartering eine Reihe betriebswirtschaftlicher Probleme gelöst bzw. minimiert werden kann, wobei das grundlegende Prinzip immer gleich bleibt. Auf welche Weise diese Form des Bartering eingesetzt wird, soll am Beispiel von „Soft Commodities“ dargestellt werden, die im einzelnen beschrieben werden. Diese Soft Commodities sind das Fundament der modernen Barterform, auf dem alle Bartergeschäfte aufbauen und das die Funktionsweise dieser Geschäfte gewährleistet.
Im Rahmen dieser Arbeit soll ein ganzheitliches und dennoch detailliertes Bild des Bartering vermittelt werden, das vor allem die besondere Form des Bartering herausstellt, die in Deutschland bisher wenig bekannt ist. Dabei wird deutlich, dass ihre Bedeutung auch in Deutschland zukünftig wachsen kann und wird.
1 vgl. M. Gershman, Smarter Barter, Viking Penguin Inc., New York 1986, S. xii.
2 ENTWICKLUNGEN DES KLASSISCHEN BARTERING
2.1 BEGRIFF BARTERING
Der Begriff Bartering ist aus dem englischen „to barter“ = tauschen abgeleitet und betrifft allgemein die einfachste Form eines Gegen- bzw. Kompensationsgeschäftes: Zwei Unternehmen tauschen wechselseitig Ware, ohne dabei monetäre Zahlungen zu leisten. 2
Eine weitere, einfache Definition beschreibt ein Bartergeschäft als „ein Verbundgeschäft zwischen Wirtschaftssubjekten, bei dem Güter mit annähernd gleichem Wert ohne eine Geldzahlung ausgetauscht werden.“ 3
Für die erschöpfende Darstellung der relativ neuen Form des Bartergeschäftes, das diese Arbeit behandelt, reichen diese Definitionen nicht mehr aus. Es handelt sich hierbei um multilaterales Bartering, bei dem nicht nur ein reiner Warentausch, sondern auch Geldfluss stattfindet. Dies geschieht nach einem bestimmten System, welches in Kapitel 3 erläutert wird. Eine aktuelle Zahl, die sich auf alle praktizierten Formen der Tauschgeschäfte im internationalen Handel bezieht, besagt, dass 20% des Welthandels über Kompensationsgeschäfte abgewickelt werden, was einem Volumen von ca. 600 Mrd. US-Dollar entspricht. Der Anteil Deutschlands lässt sich nicht genau ermitteln. Dies liegt vor allem an der unterschiedlichen Definition und somit inhaltlichen Zuordnung von Kompensationsgeschäften. 4
Es wird von Bartering, Clearing (englisch = Verrechnung), Parallelgeschäften und anderen Formen gesprochen, wobei die Definitionen von Bartering Vorgehensweisen vom einfachen, bargeldlosen Tausch bis hin zu wesentlich komplexeren Ausgestaltungen abdecken.
Die Komplexität des Bartering liegt darin, dass es keine Standardform gibt, sondern die Geschäfte sehr unterschiedlich, je nach Bedarf der Partner, gestaltet werden können. Dadurch stimmen in der Theorie vorgenommene, genaue Begriffsabgrenzungen nicht immer überein oder berücksichtigen bestimmte Entwicklungen der Geschäftspraxis noch nicht.
Bartering hat sich seit den zwanziger und dreißiger Jahren, als es vorwiegend zur privaten Selbsthilfe in Kriegszeiten oder später auf staatlicher Ebene mit Entwicklungs- oder Ostblockländern betrieben wurde, zu einem modernen Geschäftswerkzeug entwickelt, das für Privatfirmen fast jeder Branche zunehmend Anwendung findet. Unabhängig von der begrifflichen Definition und des Entwicklungsgrades ist zunächst folgendes festzuhalten:
2 vgl. U. Nickel, Bartering, Hrsg. U.M. Universalkommunication Media Intensiv GmbH, Frankfurt 1996, S. 12.
3 vgl. A. Woll, Wirtschaftslexikon, R. Oldenburg Verlag, München 1996, 8. Auflage, CD-ROM, Stichwort „Bartergeschäft“.
4 vgl. U. Nickel, a.a.O., S. 12.
Der entscheidende Faktor ist das Prinzip, auf dem Bartergeschäfte beruhen. Produkte, für die ein Partner entweder keinen Bedarf hat oder für die er keine oder nur eingeschränkte Absatzmöglichkeiten sieht und von denen er sein Produktsortiment bereinigen möchte, werden gegen Produkte eingetauscht, die benötigt werden. Dabei erhält der andere Partner die Produkte, für die er Verwendung bzw. Weitervermarktungsmöglichkeiten hat. Dies geschieht auf vielfältige Art und Weise.
Durch diesen Mechanismus ist es möglich, „totes Kapital“ in Umlauf zu bringen und sinnvoll zu nutzen, so dass, global gesehen, Unausgeglichenheiten in einer Wirtschaftseinheit permanent beglichen werden können.
Da die Notwendigkeit, Güter aller Art zu tauschen schon seit Beginn des menschlichen Wirtschaftens besteht, lässt sich Bartering nicht nur als eine Form des Kompensationsgeschäftes im Außenhandel betrachten, sondern ebenso als der Grundstein aller daraus entstandenen Geschäftsformen. Darüber hinaus umfasst der Begriff Bartering im wesentlichen auch die relativ neue Form des Handelsgeschäftes, so wie sie später noch genau dargestellt wird. Bartering hatte im Laufe der Zeit in seinen verschiedenen Formen unterschiedliche Funktionen. Diese Unterschiede liegen nicht im Prinzip des Tauschhandels, sondern vielmehr in seinen Einsatz-und Gestaltungsmöglichkeiten sowie in seiner Position innerhalb der früheren und heutigen Wirtschaft. Aus diesem Grund soll vor allem der zeitliche Verlauf als Hintergrund der sachlichen Entwicklung die Unterschiede deutlich machen, die der Begriff Bartering impliziert.
2.2 TAUSCHWIRTSCHAFT GELDWIRTSCHAFT
Der naturale Tauschhandel war ursprünglich die einzige Form des Handels, bevor das Tauschmedium Geld existierte. Er entstand durch gelegentlichen Austausch von Überschüssen zwischen im wesentlichen Subsistenzwirtschaft treibenden sozialen Gruppen. Wegen der begrenzten Möglichkeiten dieses Naturaltauschs entwickelte sich der Tauschhandel schon früh über ein Tauschmittel (Güter und Leistungen), bis mit der Entstehung des Geldes eine erneute, entscheidende Ausweitung des Handels möglich wurde. In wirtschaftlichen Krisenzeiten mit -meist wegen galoppierender Inflation- fehlendem Vertrauen in den Wert des Geldes treten dem Tauschhandel ähnliche Formen auf, indem eine bestimmte Ware als Geld fungiert. 5
5 vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Hrsg. Bibliographisches Institut AG, Meyers Lexikonverlag,
Mannheim 1978, Band 23, S. 259.
2.2.1 GRUNDELEMENTE DES NATURALTAUSCHS
Um die Funktion des modernen Bartergeschäftes in der heutigen Wirtschaft einordnen zu können, ist es hilfreich, sich zunächst den grundsätzlichen Unterschied zwischen einer Tausch- und einer Geldwirtschaft vor Augen zu führen. Dies dient dem Ziel, die inhaltlichen Unterschiede zwischen der klassischen und modernen Form des Bartering zu verdeutlichen.
Grob gesagt, lässt sich der Unterschied zwischen einer Tausch- und einer Geldwirtschaft auf ein elementar einfaches Grundmuster zurückführen:
Im Unterschied zur naturalen Tauschwirtschaft werden in einer Geldwirtschaft die wirtschaftlichen Güter nicht mehr Zug um Zug gegeneinander ausgetauscht, sondern das Geld als allgemeines Tauschmittel zwischengeschaltet.
Bedient man sich eines Beispiels aus dem Russland unserer Tage, lassen sich die wesentlichen Elemente des naturalen Tauschs ableiten: ein Paar Schuhe gegen eine bestimmte Menge Fleisch. 6
- Der Hersteller eines Gutes (z. B. von Schuhen) muss einen Tauschpartner suchen, der an seinem Produkt interessiert ist und gleichzeitig ein Gut anzubieten hat, das jener gebrauchen kann (etwa Fleisch); die zu tauschenden Güter müssen den gegenseitigen Bedürfnissen entsprechen.
- Unter Umständen muss ein dritter oder vierter Partner beigezogen werden, damit die Übereinstimmung der Wünsche zustande kommt. Der Hersteller der Schuhe ist beispielsweise bereit, mehr Fleisch zu beziehen, als seinem Bedarf entspricht; er wird dafür vielleicht einen Bäcker suchen, der ihm gegen das nicht selber benötigte Fleisch Brot liefert.
- Die Wünsche der Partner lassen sich um so leichter aufeinander abstimmen, je allgemeiner das Bedürfnis ist, das mit den zu tauschenden Gütern befriedigt werden soll; sie sind dagegen um so schwieriger zu erfüllen, je spezieller die beiden Wünsche sind.
- Die Tauschpartner müssen sich über den Wert verständigen, den sie ihren Gütern gegenseitig zumessen. Die Bewertung erfolgt in der direkten Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten.
- Der Tauschvorgang muss sich auf einen räumlich begrenzten Umkreis beschränken, weil eine zu weiträumige Partnersuche und zu lange Transportwege einen übermäßigen Aufwand an Zeit, Arbeit und Transportleistungen bedeuten.
- Der Tauschakt muss sich in einem zeitlich begrenzten Rahmen abwickeln, damit die Sicherheit der Durchführung gewährleistet ist.
Mit diesen Auflagen bleibt der naturale Tauschverkehr, was den Kreis der zu tauschenden Güter sowie den räumlichen und zeitlichen Tauschradius anbetrifft, zwangsläufig in engen Grenzen gefangen. Diese Grenzen sind der Grund dafür, dass naturaler Tauschhandel heute -wenn überhaupt- nur noch in bzw. mit wirtschaftlich schwachen Ländern das Mittel zur Bedürfnisbefriedigung ist.
6 vgl. E. Leemann, Dynamik des Geldes, Orell Füssli Verlag, Zürich 1998, S. 15f.
2.2.2 ANFORDERUNGEN AN EIN TAUSCHMITTEL
Da man stets bemüht war, die Nachteile des Naturaltauschs auszuschalten, setzte man bestimmte Güter als allgemeines Tauschmittel ein und wickelte den Tauschvorgang indirekt über diese Güter ab. Wichtig ist, dass solche Güter bestimmte Bedingungen erfüllen: 7 Die Sicherheit, dass sie wiederum eingetauscht werden können, also auch für andere - Tauschpartnerakzeptabel sind.
Die Beständigkeit der Objekte; sie dürfen nicht der Gefahr unterliegen, während des - Tauschprozesseszugrunde zu gehen.
Ihre Aufteilbarkeit, um gegen wertmäßig kleine wie große Güter eingesetzt werden zu können. - IhreHandlichkeit im Umgang und leichte Transportierbarkeit. - IhreEinheitlichkeit, die eine leichte Prüfbarkeit ihrer Qualität ermöglichen soll. - DieseBedingungen sind gleichzeitig die Anforderungen an ein ideales Geld, woran erkennbar wird, dass unser heutiges Geld diesen Anforderungen weitestgehend entspricht. Im Prinzip ist der Einsatz von allgemeinen Tauschmitteln dieser Art nichts anderes als eine Rationalisierungsmaßnahme, da sie den Tauschverkehr und somit den ganzen Handel rundum vereinfachen.
2.2.3 FUNKTIONEN DES GELDES
Das allgemeine Tauschmittel wird erst dann zu Geld, wenn es durch Konvention oder Gesetz verbindliche Geltung als Zahlungsmittel erhält. Diese Verbindlichkeit besiegelt die Gewissheit, dass das allgemeine Tauschmittel wiederum im Tausch eingesetzt werden kann. Erst mit der vollständigen Beseitigung möglicher Zweifel an seiner Entgegennahme durch künftige Tauschpartner kann das allgemeine Tauschmittel seine Funktion erfüllen. So werden dem Geld folgende Funktionen zugeschrieben: 8
Allgemeines Tauschmittel: Durch die Zwischenschaltung des Geldes gewinnt der Tauschverkehr an Flexibilität. Es kann praktisch jede Art von Gut gegen Geld eingetauscht werden, gleichgültig, ob es einem allgemeineren oder spezielleren Bedürfnis entspricht. Der Geldgebrauch reduziert die Anzahl der erforderlichen Partnerkontakte und ermöglicht einen Tauschvorgang, der nicht durch räumliche Grenzen eingeschränkt wird.
Recheneinheit und Wertmesser: Der Wert jedes Gutes wird in Wertgrößen, Preisen und Löhnen ausgedrückt, wobei auch die Bewertung der Qualität einbezogen wird. Sie wird auf einen quantitativen Nenner gebracht und damit vergleichbar gemacht. Dies ermöglicht den unmittelbaren
7 vgl. E. Leemann, a.a.O., S. 17.
8 vgl. E. Leemann, a.a.O., S. 17.
Vergleich der Güter auf einen Blick. Über die Preise werden Angebot und Nachfrage gesteuert, bis beide Seiten ausgeglichen sind. Mit der Ausrichtung auf eine gemeinsame Recheneinheit verleiht Geld dem wirtschaftlichen Prozess eine feste kalkulatorische Grundlage. Wertaufbewahrungsmittel: Die Verfügbarkeit eines gewissen Geld- oder Kassenbestandes, also die Aufrechterhaltung einer entsprechenden Liquidität, erlaubt Geldbesitzern, Unterbrechungen in ihren Einnahmen auszugleichen. Das Geld verkörpert alle Tauschmöglichkeiten über die Zeit hinweg - vorausgesetzt, es behält seinen Wert.
Es wird deutlich, dass diese drei Funktionen, die das Geld erfüllt, in der heutigen Wirtschaft nicht wegzudenken sind. Nur durch Geld ist eine arbeitsteilige Wirtschaft möglich, da sich andernfalls jedes Individuum selbst mit allen benötigten Gütern versorgen müsste, so wie es in Entwicklungsländern teilweise heute noch der Fall ist.
Dadurch, dass Geld sich in praktisch jedes Gut eintauschen lässt, wird eine Spezialisierung und somit Weiterentwicklung ohne Versorgungsmangel erst möglich.
Diese Gesichtspunkte scheinen banal, verdeutlichen jedoch die „ultimative“ Wirkung von Geld. Durch die Erfüllung aller möglichen Bedürfnisse und die unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten wird Geld zum „absoluten Mittel und zum Selbstzweck“ 9 .
Auf die Bedeutung dieser Tatsache für das Bartering wird später noch genauer eingegangen. Die hier beschriebenen, sachlichen Aspekte der Entwicklung vom Tausch bis zum Geld sollen im Folgenden durch eine kurze Darstellung des zeitlichen und geschichtlichen Verlaufs veranschaulicht werden.
2.2.4 ERSTE HANDELS- UND WÄHRUNGSFORMEN
Blickt man zurück in die Vergangenheit, stellt man fest, dass z. B. die Alten Griechen Eisennägel als Währung verwandten. Die Römer gebrauchten Salz als Tauschmittel, weil es zum Konservieren von Nahrungsmitteln benötigt wurde und eine verbreitete Akzeptanz genoss. Ihre Soldaten wurden oftmals mit einem Sack Salz bezahlt, woher auch der Begriff „Salär“ (= Gehalt, Lohn) stammt. Bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. wurde Vieh ebenfalls von den Römern wegen der generellen Nachfrage als Währung gebraucht. Tiere waren allgemein bis hin zum 20. Jahrhundert ein Tauschmedium. In Teilen Afrikas wird sogar heute noch jemandes Reichtum an der Größe seiner Viehherde gemessen.
9 vgl. E. Leemann, a.a.O., S. 21.
Das Problem einer „Viehwährung“ ist der große Aufwand zur Pflege und Fütterung, weshalb „tote Ware“ als Währung mehr Sinn macht.
Andere Güter, die als Währung dienten, waren z. B. Bernstein, Perlen, Eier, Federn, Hacken, Elfenbein, Jade, Leder, Reis und Wodka. 10
Geld kann offensichtlich alles sein, was die Aufgabe von Geld erfüllt. Die Entwicklung bis zu unserem heutigen Geld ist daher ganz deutlich an der Begriffsherkunft erkennbar: Der englische Begriff „fee“ (= Gebühr, Honorar) wurde aus dem deutschen Wort „Vieh“ abgeleitet. Das lateinische Wort für Geld „pecunia“ kommt von „pecus“(= Vieh). 11
Was das heutige Bankgeschäft anbetrifft, kann man dieses eher als eine natürliche Folge des Warentauschs als des Währungstauschs sehen.
In der Griechischen Welt war die Basiseinheit von Gewicht die Drachme, was „eine Handvoll Korn“ bedeutet. Korn bzw. Getreide war die Basis des Handels im alten Mesopotamien und in Ägypten. Anders als bei einer Warenwährung wie Bernstein oder Federn war es hier die Ware selbst, die übertragen wurde. Getreide und andere Waren wurden zur Sicherheit in Königlichen Palästen und Tempeln gelagert. Da Getreide sperrig ist, wurden bald Empfangsbestätigungen (Quittungen) nicht nur an den eigentlichen Einzahler, sondern auch an Dritte als Transfermedium benutzt. In Ägypten war dieses Bankgeschäft das Resultat davon, dass man Getreideernten zentral in Lagerhäusern der Regierung unterbrachte. Geschriebene Aufträge für das „Abheben“ von Getreideportionen wurden als Zahlungsmedium gebraucht, um Schulden an andere oder an Steuereintreiber zu begleichen.
Als die Griechen unter Alexander dem Großen Ägypten eroberten und die Ptolemäer-Dynastie (von 323 v. Chr. bis 30 v. Chr.) entstand, wurde dieses Lagerhaus-Bankgeschäft noch kultivierter. Die verstreuten Kornspeicher der Regierung wurden zu einem Netzwerk von Getreidebanken mit einer Zentralbank in Alexandria, wo die Konten aller Staatsbanken geführt wurden. Zahlungen wurden ohne den materiellen Austausch von Getreide von Konto zu Konto transferiert. Dieses System hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem modernen Barter, bei dem ebenfalls Gutschriften und Belastungen auf Konten ohne die Verwendung von Bargeld vorgenommen werden. Auch nach der Einführung von Geldmünzen wurde dieses System beibehalten. Interner Handel wurde mit der Getreidequittung bestritten, die kostbaren Metalle waren für den Außenhandel reserviert.
10 vgl. T. L. Neal, G. K. Eisler, Barter & The Future Of Money, Master Media Limited, New York 1996,
S. 7.
11 vgl. M. Gershman, a.a.O., S. 16.
Jenes Bankgeschäft, das sich eher auf Währung als auf Waren stützt, wuchs aufgrund der großen Menge zirkulierender Münzen heran. „Münzentauscher“, die auf Plätzen vor Tempeln oder anderen öffentlichen Gebäuden ihre Tische aufstellten, tauschten darauf Münzen verschiedener Nationen aus, während sie durch eine Tauschgebühr einen Gewinn einbehielten. Das Wort „Bank“ stammt von dem italienischen Wort „banca“ ab, welches Schalter, Bank oder Arbeitstisch bedeutet. 12 Die Herkunft der Begriffe aus dem Finanz- und Bankwesen, deren Gebrauch heute für jedermann selbstverständlich ist, veranschaulicht die Rolle des Tauschs für die Entwicklungen bis hin zu unserem heutigen Geldsystem. Geld ist ohne Zweifel das komfortabelste Tauschmedium, da es so gut wie keinen Einschränkungen in der Handhabung unterliegt. In Situationen, in denen Geld jedoch nicht zur Verfügung steht, ist der klassische Warentausch oftmals eine Alternative, die einen Handel ermöglicht.
So wurde beispielsweise in den dreißiger Jahren verstärkter Tauschhandel betrieben. Hohe Inflation und starke Arbeitslosigkeit brachten die Menschen dazu, andere Tauschmittel als Geld zu verwenden. Die sogenannte „Zigarettenwährung“ existierte während und nach dem zweiten Weltkrieg. Zigaretten waren wertvoller als Geld, das unter Umständen in kurzer Zeit seinen Wert verlor. 13 Darüber hinaus waren Tauschzentralen üblich, in denen die Menschen privat Produkte und Güter aller Art tauschen konnten, um ihren Bedarf zu decken.
Die bisher beschriebenen Formen des Tauschhandels (der direkte Warentausch und der indirekte Tausch über Güter als Tauschmittel) machen deutlich, dass man mit der Entwicklung des Geldes im Laufe der Geschichte versuchte, die Nachteile einer Tauschwirtschaft auszuschalten und später nur in den Tauschhandel zurückfiel, um wirtschaftlich schwache Zeiten zu überbrücken. Auch heute sind in vielen Ländern noch finanzielle Probleme zu bewältigen. Deshalb wird das klassische Kompensations- bzw. Bartergeschäft vor allem dort angewandt. Weil ein reiner Tauschhandel immer Schwierigkeiten in der Umsetzung bedeutet, existieren viele verschiedene Formen des Kompensationsgeschäftes, die durch ihre unterschiedlichen Ausrichtungen die Probleme des einfachen Warentauschs umgehen sollen.
Der Begriff Bartering wird in diesem Zusammenhang sehr unterschiedlich verwandt. Inwiefern dies der Fall ist und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, soll die Gegenüberstellung zweier Definitionen des Kompensationsgeschäftes aus der aktuellen Fachliteratur im folgenden Kapitel darstellen.
12 vgl. T. L. Neal, G. K. Eisler, a.a.O., S. 7f.
13 vgl. o. V., Meyers Enzyklopädisches Lexikon, a.a.O., S. 259.
Definitionen der besonderen Form des modernen Bartering existieren in der geläufigen, deutschen Fachliteratur bisweilen nicht.
2.3 BARTERING KOMPENSATIONSGESCHÄFT
Kompensationsgeschäfte wurden bisher vor allem im Handel mit den ehemaligen Ostblockländern durchgeführt. Aus diesem Grund beziehen sich die folgenden Definitionen vorwiegend auf den grenzüberschreitenden Handel.
Im Handel unter den westlichen Industrieländern sind diese Geschäfte selten und beziehen sich dann meist auf Rüstungsgüter oder Staatsgeschäfte. 14 Die Gegenüberstellung dient an dieser Stelle vor allem folgenden Zielen: 1. Die in der deutschen Fachliteratur definierten Formen des Bartering sollen aufgezeigt werden. 2. Es soll verdeutlicht werden, dass sich diese Definitionen nicht in vollem Maße decken und der Begriff Bartering nicht eindeutig geklärt ist.
3. Die Gegenüberstellung der Definitionen erfolgt an dieser Stelle, da jenes Bartering, das sie beschreiben, sowohl zeitlich als auch sachlich an dieser Stelle einzuordnen ist: Es wird bis heute praktiziert, dient jedoch lediglich zur Erhaltung des Handels mit wirtschaftlich schwachen Ländern.
4. Der wichtigste Aspekt ist, dass sich die Definitionen zwar auf praktizierte Außenhandelsgeschäfte beziehen, jedoch auf das moderne Bartering, dessen Darstellung das Ziel dieser Arbeit ist, kaum zu übertragen sind.
2.3.1 1. DEFINITION DES KOMPENSATIONSGESCHÄFTES
Kompensationsgeschäfte sind Gegenseitigkeitsgeschäfte, bei denen der Importeur (manchmal auch mehrere Handelspartner in Ringgeschäften) in unterschiedlichen Variationen anstelle der geldmäßigen Bezahlung ebenfalls eine Warenlieferung oder Dienstleistung vornimmt. 15 Es gibt eine Reihe verschiedener Kompensationsgeschäfte, wobei die einzelnen Ausgestaltungen den Geschäften unterschiedliche Namen geben. Die Formen, die neben dem Bartergeschäft definiert werden, sind Gegen-, Parallel-, Junktim-, Buy-Back- (Rückkauf-) Geschäfte, Offset- und Clearinggeschäfte.
14 vgl. F.U. Jahrmann, Außenhandel, Kiehl Verlag, Ludwigshafen (Rhein) 1995, 8. Auflage, S. 66ff.
15 vgl. F.U. Jahrmann, a.a.O., S. 66f.
• Beim reinen Tauschgeschäft (Bartergeschäft) wird in einem einzigen Vertrag Ware gegen Ware vereinbart. Es erfolgen keine Geldbewegungen.
• Beim Gegengeschäft wird die gegenseitige Lieferung in Geld bewertet, es gibt auch hier nur
einen Vertrag. Entsprechen sich die Lieferwerte, liegt Vollkompensation vor, sonst Teilkompensation.
• Beim Parallelgeschäft verpflichtet sich der Exporteur in einem gesonderten Vertrag, Waren
vom Importeur zu kaufen. In manchen Fällen wird die Abnahmeverpflichtung des Exporteurs nicht auf den einen Importeur beschränkt, sondern bezieht sich auf alle Waren bzw. Warengruppen des Importlandes. Die Abnahmeverpflichtung ist in der Regel veräußerbar.
• Beim Junktimgeschäft verrechnet der Exporteur seine übertragungsfähige
Abnahmeverpflichtung gegenüber dem Importland unmittelbar mit einem anderen Importeur, der Waren aus diesem Importland bezogen hat bzw. beziehen will. Häufig erfolgen die Vereinbarungen zum gleichen Zeitpunkt im gegenseitigen Einvernehmen.
• Beim Buy-Back-Geschäft (in der Regel bezogen auf Industrieanlagen, Lizenzen oder Produktionsmittel) erfolgt die Bezahlung langfristig über die mit diesen Investitionsgütern hergestellten Waren.
• Bei Offsetgeschäften verpflichtet sich der Exporteur meistens im Zusammenhang mit
staatlichen Aufträgen Teilfertigungen bzw. Teillieferungen oder Unteraufträge von Unternehmen des Auftragslandes ausführen zu lassen. Die Aufträge des Exporteurs müssen nicht projektbezogen sein.
• Bei Clearinggeschäften werden staatliche Rahmenbedingungen getroffen, innerhalb derer Unternehmen beider Länder individuelle Geschäfte tätigen können, die auf Verrechnungskonten ausgeglichen werden. Der jeweilige Exporteur erhält die Bezahlung in inländischer Währung durch Belastung der Verrechnungskonten. Im Rahmen eines „Swing“ können befristete einseitige Überziehungen vereinbart werden. 16
Nach dieser Definition der Kompensationsgeschäfte ist Bartering der ausschließliche, bilaterale Tausch von Waren. Die übrigen Geschäftsformen sind vor allem durch ihre unterschiedlichen Abwicklungstechniken gekennzeichnet, auf die jedoch nicht weiter eingegangen werden soll. Im folgenden Kapitel wird eine zweite Definition des Kompensationsgeschäftes dargestellt. In dieser umfasst der Begriff Bartering mehr als den reinen bilateralen Warentausch und es werden zugleich Bestandteile der neuen Barterformen beschrieben.
16 vgl. F.U. Jahrmann, a.a.O., S. 66f.
2.3.2 2. DEFINITION DES KOMPENSATIONSGESCHÄFTES UND VERGLEICH
Unter Kompensationsgeschäft versteht man Abwicklungen, bei denen die Zahlung nur teilweise oder gar nicht in Geldform erfolgt. Dabei sind sowohl die Inzahlungnahme von Gebrauchtware und deren Anrechnung auf den Kaufpreis als auch ein direkter oder indirekter Naturaltausch in Waren denkbar. Es werden nach Arten, Qualitäten, Mengen und Lieferpunkten genau spezifizierte gegenseitige Warenlieferungen vereinbart. Ein Verkauf ist also davon abhängig, dass umgekehrt vom Abnehmer Güter oder Dienstleistungen gekauft oder für weitere Abnehmer vermittelt werden. Es sind somit immer mindestens zwei Geschäftspartner beteiligt (wobei diese auch als Koalitionen ausgebildet sein können). Jede Partei fungiert gleichzeitig als Abnehmer und Lieferant. Oft werden auch Absatzhelfer (Middlemen) eingeschaltet.
Grundsätzlich lassen sich Kompensationsgeschäfte nach vielfältigen Kriterien rubrizieren. Diese geben einen Gesamtüberblick über mögliche Gestaltungsformen: 17
• Tauschquote: Wird nur ein Teil der Gegenleistungen in Waren erbracht und der Rest in Devisen, handelt es sich um Teilkompensation (entweder als Restschuld des Importeurs bei Unterlieferung mit Gegenware oder als Restforderung des Importeurs bei Überlieferung mit Gegenware). Bei der Vollkompensation entspricht das Zweitgeschäft in vollem Umfang dem Hauptgeschäft.
• Anzahl der Beteiligten: Bei zwei Beteiligten spricht man häufig, wenngleich nicht
durchgängig, von einem Barter (Tauschgeschäft), bei mehr als zwei Beteiligten hingegen von einem Clearinggeschäft.
• Verwertung: Wird die getauschte Ware in vollem Umfang selbst eingearbeitet, handelt es sich
um eine Eigenkompensation. Wird die Tauschware hingegen durch Dritte eingesetzt, handelt es sich um eine Fremdkompensation.
• Abfolge der Transaktionen: Diese können gleichzeitig (im Regelfall) oder zeitlich versetzt
nacheinander erfolgen.
• Verbundenheit der in die Transaktionen einbezogenen Waren: Dabei kann es sich um verbundene Leistungen (Buy-Back-Geschäft) oder unverbundene Leistungen handeln.
• Anzahl der Verträge: Es können nur ein (gekoppelte Transaktionen) oder zwei und mehr
Verträge (nach außen hin ungekoppelte Transaktionen) zu Grunde liegen.
17 vgl. W. Pepels, Außenhandel, Cornelsen Verlag, Berlin 1997, S. 61ff.
Folgend die wichtigsten Formen des Bartering im Rahmen dieser Definition: 18 Klassisches Barter: Zwei Parteien vereinbaren Lieferung und gleichzeitige Gegenlieferung definierter Waren, wobei auf Geldzahlung völlig verzichtet wird. Es erfolgt vielmehr ein reiner Warentausch (Kompensationsgeschäft im engeren Sinne). Diese Form kommt jedoch zunehmend aus der Mode, vor allem weil bei dieser Konstruktion nur begrenzte Besicherungsmöglichkeit besteht (z. B. Eigentumsvorbehalt, Bürgschaft, Grundschuld) und weil Probleme bei der Beanspruchung von Gewährleistungsrechten, zusätzlich zu den im Außenhandel ohnehin schwerer durchsetzbaren Rechten, entstehen. Des weiteren treten vor allem die dem Naturaltausch eigenen Probleme auf, die zuvor beschrieben wurden.
Anmerkung: Das Klassische Barter dieser Definition entspricht dem Barter der 1. Definition: Klassisches Barter ist der bilaterale Tausch von Waren. Dreiecks-/Mehrecksbarter: Hier erfolgt der Warentausch nicht direkt zwischen Exporteur und Importeur (Eigenkompensation), sondern über einen/mehrere fallweise eingeschaltete(n) Dritte(n). Meist liefert der Exporteur die Ware an einen Importeur und dieser liefert die Kompensationsware an einen Dritten (Fremdkompensation). Diese Drittpartei zahlt dem Lieferanten die Rechnungssumme abzüglich Provision. Kann der Lieferant die gebarterte Ware nicht verwerten, bietet sich die Einschaltung einer Clearingstelle an, die diese wiederum gegen gewünschte, verwertbare Ware eintauscht (und dafür eine Clearinggebühr einbehält). Anmerkung: Beim Dreiecks-/Mehrecksbarter handelt es sich um eine erweiterte Form des Klassischen Barter, die in der 1. Definition nicht beschrieben wird: es können mehr als zwei Parteien beteiligt und Geldfluss mit eingeschlossen sein. Der Tausch vollzieht sich über Dritte. Diese grundsätzliche Struktur ist gleichermaßen in den später erläuterten, neuen Formen des Bartering wiederzufinden.
Modernes Barter (Countertrade): Die Lieferung erfolgt hier zeitgleich gegen Rechnung. Die Marktteilnehmer tauschen also bewusst wechselseitig Güter gegen jeweilige Zahlungen. Dies bleibt jedoch ein reiner Warentausch zwischen dem Exporteur und dem Importeur, wobei der Exporteur die Kompensationswaren selbst nutzt. Voraussetzung ist, dass die beiden Transaktionspartner in der Beurteilung von Angebot und Nachfrage in Bezug auf ihre Leistungen übereinstimmen. Dies ist notwendig, wenn es für den Exporteur schwierig ist, anderweitig eine akzeptable Verwertung der erhaltenen Güter zu erreichen.
Anmerkung: Nach dieser Definition ist das „Moderne Barter“ mit dem Begriff Countertrade gleichgesetzt, was im Rahmen des Außenhandels, auf den sich die in diesem und im letzten Kapitel dargestellten Definitionen beziehen, zweckmäßig ist. 18 vgl. W. Pepels, a.a.O., S. 63.
Allerdings ist festzuhalten: Countertrade ist eine Form des Modernen Bartering, jedoch nicht die einzige. Außerdem kann das Tauschgeschäft auch hier über Dritte abgewickelt werden und Geldfluss beinhalten. Welche weiteren, modernen Formen sich entwickelt haben, wird in Kapitel 3 ausführlich behandelt.
Barter-Ring: Er wird durch eine Übereinkunft von Unternehmen gebildet, die Kompensationsgeschäfte tätigen, um untereinander den bargeldlosen Leistungsaustausch zu forcieren. Die Abrechnung erfolgt nicht in Geld, sondern über Verrechnungskonten. Barter-Ringe sind im Inland üblich, im Außenhandel sind sie noch relativ selten, weil der Koordinationsaufwand als hoch anzusehen ist.
Anmerkung: Die hier erwähnten Barter-Ringe (auch „Barter-Club“, „Barter-Organisation“ oder „Barter Exchange“ genannt) stellen ebenfalls eine moderne Form des Bartering dar und werden später noch genauer erläutert. Zu beachten ist, das hier Verrechnungskonten geführt werden, über die der bargeldlose Tausch abgewickelt wird.
Bei dieser zweiten Definition von Kompensationsgeschäften wird das klassische Bartering mit dem Kompensationsgeschäft im engeren Sinne gleichgesetzt. Hinzu kommt, dass Bartering durchaus auch Devisenfluss, Teilkompensation, Fremdkompensation und mehr als zwei beteiligte Partner umfassen kann.
Die in der ersten Definition genannten Geschäftsformen wie Parallel-, Junktim- oder Offsetgeschäft werden auch hier erläutert. Da sie im engeren Sinne nicht Thema dieser Arbeit sind, werden sie nicht nochmals dargestellt.
Dreiecks-/Mehrecksbarter, Countertrade und Barter-Ringe werden in der ersten Definition nicht aufgeführt.
2.3.3 FAZIT
Die Gegenüberstellung der zwei Definitionen von Kompensationsgeschäften zeigt, dass für die Begriffsfindung des Bartering vor allem die Betrachtungsweise entscheidend ist. Bei der zweiten Definition fließen Komponenten in die Betrachtung mit ein, die die Bezeichnung „Bartering“ nach der ersten Definition ausschlössen.
Behält man das anfangs genannte Prinzip des Bartering, das Tauschen, im Auge, können im weiteren Sinne alle Kompensationsgeschäfte als Bartering bezeichnet werden. Alle Gegengeschäfte beruhen auf der Motivation, eine Leistung nur unter der Bedingung einer Gegenleistung zu erbringen, so dass durch die Verbundenheit der Transaktionen praktisch „nur“ ein Werteaustausch stattfindet. Da der Wert einer Ware von jeder Partei unterschiedlich eingeschätzt bzw. „bewertet“ werden kann (je nach den subjektiven Gegebenheiten), liegt die Motivation darin, durch einen Tausch die für sich jeweils wertvollsten Güter zu erlangen.
Arbeit zitieren:
Daniela Overländer, 1999, Bartering - Die Entstehung einer Sonderform wirtschaftlichen Handelns, dargestellt am Beispiel von Soft Commodities, München, GRIN Verlag GmbH
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