Beispielen mangelt es nicht. Bekannt wurde v.a. das des „Henkers von Sachsenhausen“ Paul Sakowski. 4
Dieses Thesenpapier wagt daher nicht, die Grenze zwischen Tätern und Opfern zu ziehen und zu beurteilen, sondern wird sich auf die (meist klare) Täterschaft des SS-Personals in den Lagern konzentrieren. Zumindest bis zum Anfang des Krieges waren sie nicht zwangsweise in die Lager abkommandiert, sondern aus den unterschiedlichsten Motiven freiwillig dort angetreten.
Die SS in den Lagern
Man nimmt der SS ihren Schrecken, bezeichnet man sie einfach als einen zügellosen Mörderhaufen. Die Organisation der SS war im Laufe der Zeit sorgsam auf- und ausgebaut worden und verfügte nach und nach über eine Million Mitglieder 5 , eigene Frontverbände, Wirtschaftsunternehmen und ein Netzwerk an bürokratischen Strukturen. Sie war ein Staat im Staate, ausgestattet mit den Insignien preußischer Manneszucht, einer eigenen Uniform und dem staatlichen Auftrag zur „Lösung von Sonderaufgaben“. Als Grundlage dieses Auftrags diente das Ermächtigungsgesetz von 1933.
Zunächst wurden die Gefangenenlager von lokalen Einheiten der SA, der Allgemeinen SS und der Polizei bewacht. 1934 wurde die Lagerbewachung im „Vorbildlager“ Dachau komplett von der SS übernommen, kurze Zeit später gliederte man die Wachverbände aus der Allgemeinen SS aus und integrierte sie direkt im KZ-System. Diese Verbände wurden ab 1936 als „Totenkopfverbände“ bezeichnet. Als nach Kriegsbeginn die „Totenkopfdivision“ hinter den Wehrmachtseinheiten ihren systematischen Vernichtungszug begann, wurden die Lücken in der Lagerbewachung wieder durch die Allgemeine SS abgedeckt. Die Totenkopfverbände waren mehr als nur eine Lagerwache. Nur ein Bruchteil war im eigentlichen Lagerbetrieb eingesetzt. Verglichen mit den Häftlingszahlen überproportional groß (1:1 Verhältnis 1939) und paramilitärisch organisiert galten sie als Keimzelle der Waffen SS. Die Zahl derer, die bei oder in einem Konzentrationslager gearbeitet hatten, lässt sich aufgrund der ständigen (Zwangs-) Verschiebungen zwischen Frontverbänden und La-
4 Hrdlicka,Manuela R.: Alltag im KZ. Das Lager Sachsenhausen bei Berlin, Opladen, 1992, S. 134ff.
5 Stand April 1945; zum Vergleich 1936: 2855 Mann
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gereinheiten nur schwer bestimmen. Insgesamt haben wohl 55000 SS-Leute in den Lagern gearbeitet, davon allerdings nur ein kleiner Teil im inneren Kommando- und Verwaltungsapparat.
Die soziale Zusammensetzung der Lager-SS
Um die relativ überalterte SS-Kader gefügiger und formbarer zu machen, wurden ab 1936 von der SS mit großem Erfolg gezielt jüngere Männer angeworben. Ende 1938 lag das Durchschnittsalter der SS schon bei 20,7 Jahren! Die Motive der jungen Männer waren vielfältiger Art: es winkte ein sozialer Aufstieg, vielleicht sogar in den Of£ziersrang ohne die sonst übliche Vorbildung, für viele schien es eine Möglichkeit, erstmals unabhängig vom Elternhaus ein festes Einkommen zu beziehen. Zudem lockte das Gefühl der Männergemeinschaft und zuletzt natürlich die schwarze Uniform.
Es ist verständlich, aber wohl zu einfach, wenn man - wie Kogon - die Lager-SS als rundweg anormal, deklassiert, hasserfüllt und geltungssüchtig bezeichnet. Polnische Autoren beschreiben die SS-Schergen im Lager als erschreckend unspektakulär, ein Abbild der deutschen Gesellschaft mit allen sozialen und beru¤ichen Kategorien. 6 Auffällig, aber nicht symptomatisch ist die hohe Anzahl gescheiterter Existenzen, die „negative Auslese des Adel, der Intellektuellen und des Bürgertums“ (Kogon), Leute, deren beru¤iche Karriere nicht recht vorrangig, oder die sich einfach vor der Front drückten.
„Die Ordnung des Terrors“
Drill und Kameraderie
Die SS belegte als reine Parteiorganisation mit umfangreichen Rang- und Statussymbolen eine Grauzone. Mittels Uniformen und Abzeichen sollte sich der SS-Mann nicht als Hilfspolizist, sondern vielmehr als „politischer Soldat“ sehen. Der Drill während der Ausbil- 6 Kogon,Eugen: Der SS-Staat, Frankfurt am Main, 1964, S. 349 und Armanski, Gerhard: Maschinen des
Terrors, Münster, 1993, S. 96.
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dung sollte die Männer den „inneren Feind“ - Mitleid und Schwäche - nie mehr vergessen lassen. Zwar wurde schon dort ein klares Feindbild geschaffen, doch zählte die Ideologie weit weniger das Bewusstsein absoluter Macht. Wenige Parolen und Bruchstücke bürgerlichen Denkens genügten zur politischen Bildung.
Die Eingliederung in eine überschaubare und berechenbare Ordnung gab Halt und Ge-borgenheit. Gleichzeitig befreite die Kameraderie vor Rechtfertigungs- und Legitimationszwängen. Diese Kameraderie schuf eine Komplizenschaft, die die Disziplin erheblich aufweichte, Zugeständnisse machte, Schwächen kaschierte, Fehler vertuschte. Eine Ursache dafür ist Eickes bewusstes Bemühen, eine Einheit in Abgrenzung zur Wehrmacht, d.h. ohne militärischen Geist, zu schaffen. Der SS-Mann sollte zu persönlichem, unkritischem Gehorsam, zu bedenkenloser Willfährigkeit erzogen werden.
Gefolgschaftstreue und Delegation
Absolute Treue gegenüber dem Einsatzführer - nicht aufgrund dessen Position oder den zugrundeliegenden Regeln, sondern allein bezüglich seiner Person - bestimmten das Sozialgefüge der SS. Für den Vorgesetzten bedeutete das zwar, dass er die Verantwortung übernahm, allerdings bekam er mit seinen Untergebenen ein sofort funktionierendes Werkzeug zur Durchsetzung seines Willens in die Hand. Der Untergebene war Handlanger, aber gleichzeitig von Überlegungen befreit. Nicht irgendein Regelwerk oder eine Ideologie, sondern allein der persönliche Wille des Vorgesetzten wurde zu Richtschnur erhoben - für Sofsky der „organisatorische Unterbau zur absoluten Macht.“ Die SS-Schergen versuchten Gruppenzugehörigkeit nicht nur durch die bloße Erfüllung von Befehlen zu erreichen. Man hatte ihnen beigebracht, dass der richtige SS-Mann den Befehl des Vorgesetzten vorausahne, d.h. in dessen Sinne selbstständig handle. Mit diesem Prinzip der Delegation entstand durch die Übererfüllung der Befehle eine Willkür, die die Macht der SS für die Häftlinge völlig unberechenbar werden ließ.
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Arbeit zitieren:
Markus Horeld, 1998, Das SS-Personal in den Konzentrationslagern, München, GRIN Verlag GmbH
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