Gliederung:
1.0 Einleitung 3
2.0 Verbreitungsgebiete 3
3.0 Definition und Inhalt des Brauchs 4
4.0 Untersuchungsmethode 5
5.0 Vorgehensweise bei der Vermeidung bestimmter Silben 5
5.1 Bestimmung der Vermeidungssilbe 5
5.2 Maßnahmen zur Vermeidung 7
6.0 Umgang mit Verständigungsproblemen 12
7.0 Folgen bei einer Missachtung des Brauchs 12
8.0 Fallbeispiel einer Xhosa- Familie 13
8.1 Vorstellung der Familienverhältnisse 13
8.2 Nennung der Meidungssilben und Erläuterung der Ersetzungsmöglichkeiten 14
9.0 Aktuelle Situation und Ausblick 18
10.0 Schlussbemerkung 18
11.0 Quellenangabe 20
1.0 Einleitung
In der folgenden Bearbeitung wird zunächst der Begriff Hlonipha allgemein definiert und die Art und Weise der Ausübung des Brauchs beschrieben. Dem allgemeineren Teil folgt eine genauere Ausführung mit diversen Sprachbeispielen. Das Hauptaugenmerk habe ich in diesem Teil auf die Ausführung des Brauchs in der Sprachgemeinschaft der Xhosa gelegt. Die für das Xhosa typischen Maßnahmen zur Meidung werden hier beschrieben. Am exemplarischen Beispiel einer Xhosa- Familie wird dann das Prinzip der außergewöhnlichen Schwiegermeidungssprache noch einmal vertiefend erläutert.
2.0 Verbreitungsgebiete
Die Verbreitung der Schwiegermeidungssprache Hlonipha beschränkt sich auf den Süden Afrikas. Sie ist dort in Lesotho, Swaziland und Südafrika zu finden. “... this phenomenon occurs among the Nguni [Zulu, Xhosa] and South Sotho people of South Africa…” (Finlayson 1982:25). Auch in den Sprachgruppen der Swati und Ndebele ist Hlonipha ein klarer Bestandteil des Alltags. 1 Diese Sprachen sind alle Bantusprachen und gehören zur Sprachfamilie Niger- Kongo.
1 Finlayson (1982:59)
3.0 Definition und Inhalt des Brauchs
Der Begriff Hlonipha lässt sich von ho hlonepha bzw. als modernere Form von ho hlompha ableiten, was im Southern Sotho „to respect, to honour“ bedeutet. In Paroz’s Southern Sotho-Englisch Wörterbuch ist der Begriff mit „to avoid certain words“ übersetzt. 2 Kropf und Godfrey (1915) beschreiben Hlonipha etwas umfassender mit „be bashful, respect, keep at a distance through reverence and to shun approach“. 3
Der Brauch Ísihlonípo sábáfâzi, kurz Hlonipha genannt 4 , beinhaltet also ein Respektverhalten einer Frau meist gegenüber den männlichen Verwandten ihres Mannes. Diese Respekterbringung erfolgt ab dem Tag der Hochzeit und wird u.a. durch die Sprache ausgedrückt: Die Frau “... must avoid all sounds related phonetically or morphophonemically to the names of her inlaws.“ (Van Rooyen 1968:35). Ebenso muss sie die gesamten Eigennamen ihrer angeheirateten (männlichen) Verwandten vermeiden. “Als Gründe für diese linguistische Form des Respekts wurde angegeben, daß der Schwiegertochter bewusst sein sollte, daß sie nicht in diese bestimmte Familie hineingeboren war und deshalb von den „natürlichen“ Töchtern unterschieden werden sollte.“ (Beck 1995:103).
Die Respekterbringung erfolgt in den meisten Fällen nur gegenüber männlichen Verwandten des Mannes, da die Gesellschaften patrilinear ausgerichtet sind. Folglich muss die Frau Silben aus den Namen der Brüder, Großväter und Urgroßväter des Mannes, solche aus den Namen des Schwiegervaters und dessen Brüdern vermeiden. Die zentrale Rolle bei der Silbenvermeidung spielt jedoch immer der Name des Schwiegervaters. In seltenen Fällen werden ebenfalls noch Namen von toten Verwandten bei der Vermeidung mit berücksichtigt.
Welche Familienangehörigen jedoch bei der Respekterbringung durch Silbenvermeidung einbezogen werden, ist regional verschieden. In manchen Gesellschaften wird den Frauen der Familie der gleiche Respekt entgegen gebracht, wie den Männern, wobei dann auch die Schwiegermutter besonders stark respektiert wird.
Neben dem Ausdruck ihres Respekts durch Sprache, erweisen die Frauen diesen aber auch durch verschiedene Verhaltensweisen, die ebenfalls unter dem Begriff Hlonipha zusammengefasst werden. Beispielsweise trägt die Frau ein Kopftuch, bedeckt ihren Körper und vermeidet direkte Nähe zu ihren Verwandten. Sie sollte als Zeichen ihres Respekts weder
2 Kunene (1958:159)
3 Finlayson (1982:38)
4 Beck (1995:103)
4
ihr Kind in Gegenwart des Schwiegervaters stillen, noch alleine in einem Raum mit ihm verweilen, nicht neben ihm sitzen, ihn berühren, seine Kleidung waschen oder gar aus dem selben Topf mit ihm essen. Erlaubt ist ihr lediglich das Bekochen und Ausbreiten seiner Schlafmatte. 5
Bei allen Facetten, die Hlonipha beinhaltet, steht in der folgenden Ausführung jedoch allein der sprachwissenschaftliche Aspekt von Hlonipha im Mittelpunkt. Übt die Schwiegertochter Hlonipha erfolgreich aus und erbringt somit ihrer Familie gegenüber Respekt, so kann sie “ im Gegenzug Respekt und Schutz von ihrer neuen Familie erwarten.“ (Beck 1995:103).
4.0 Untersuchungsmethode
Für die Untersuchung und Analyse des Brauchs wurden zweitausend Wörter von verschiedenen Familien gesammelt und ausgewertet.
Durch die Aufarbeitung und Speicherung des Wortinventars per Computer, wurde eine übersichtliche Informationswiedergabe gewährleistet. Die verschiedenen Informationen wurden so miteinander verbunden, ”…that it [die Information] can be interrogated, for example, to ascertain all the nouns which are parts of the body in all areas, or it could be narrowed down to list only certain words used in a particular region. It could also search to see if the same word is being used for different concepts…” (Finlayson 1982:41).
5.0 Vorgehensweise bei der Vermeidung bestimmter Silben
5.1 Bestimmung der Vermeidungssilbe
Die Anwendung der Schwiegermeidungssprache Hlonipha tritt ab dem Tag der Hochzeit in Kraft. Die Schwiegermutter und die älteste Schwägerin stellen der Frau an diesem Tag ihre Familie vor und nennen ihr die Namen der Verwandten, die in den Brauch einbezogen werden. Die Schwiegertochter ist dann auf sich allein gestellt und muss nun entscheiden,
5 Kunene (1958:159)
5
“... which words are closely enough related to such names to require substitutes...” (Kunene 1958:164). Sie überlegt sich dann als nächstes , welche Wörter sie stattdessen benutzen kann oder wie sie bestimmte Silben umgehen kann.
Das Kriterium für die Bestimmung der Silbe, die vermieden werden muss, ist die Gleichheit der Laute/ Silben der Wurzel des Eigennamens und der Wurzel des verwendeten Wortes. Dabei wird so vorgegangen, dass die Silbe im Eigennamen, die die Hauptbedeutung/betonung hat, bewussten Vermeidungsmustern der Sprecherin ausgesetzt wird. Bei der Vermeidung werden auch nur Silben in Betracht gezogen, die aus einem Konsonanten oder einer Konsonantenkombination gefolgt von Vokalen bestehen. Eine Silbe, die nur aus einem Vokal oder Nasal besteht, ist kein determinierender Faktor zur Silbenvermeidung. 6 7 Bei der Ersetzung der zu vermeidenden Silbe wird der Vokal meist beibehalten und nur der Konsonant wird ersetzt.
Die Frau prägt die neuen Worte/ Laute nach Instinkt, Gefühl und durch ihre Genialität. “ Her observance of the custom is in many cases, guided by a feeling or instinct for the correct thing.“ (Kunene 1958:162).
Es existieren aber auch einige gängige Verfahren zur Vermeidung der tabuisierten Silben, denen sich die Frau in erster Linie bedient (siehe unten). Die Komplexität der Vermeidungsregeln wird außerdem durch ein so genanntes Kernvokabular erleichtert. Es umfasst allgemein bekannte Hlonipha- Formen, die sich mit der Zeit im Alltagsvokabular der Sprachgruppen gefestigt haben. Diese Formen sind weit verbreitet und bekannt, da schon die Kinder von Kindheit an mit Hlonipha-Vokabular konfrontiert waren und diese Wörter teilweise übernommen haben. Hinzu kommt noch, dass die Eigennamen in den einzelnen Regionen nicht so stak variieren, so dass die Frauen oft gleiche Silben vermeiden müssen und dementsprechend gleiche Formen im Austausch benutzen. Auch die zahlreich vorhandenen Synonyme haben dazu geführt, dass jeweils eines der Synonyme in das Kernvokabular von Hlonipha übergegangen ist.
Man kann jedoch bei dem Vokabular keinesfalls von Standardformen sprechen, eher nur von allgemein bekannten Formen! 8
6 Kunene (1958:162)
7 Für das weitere Verständnis ist es wichtig zu wissen, dass die Auffassung von einer Silbe und die Trennung in Silben in den untersuchten Sprachen nicht immer unserem Verständnis und unserer gängigen Definition einer Silbe entspricht.
8 Kunene (1958:164)
9 alle folgenden Maßnahmen und Sprachbeispiele von Finlayson (1982:47ff.)
6
Quote paper:
Magistra Artium Maren Geller, 2005, Die Schwiegermeidungssprache Hlonipha, Munich, GRIN Publishing GmbH
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