I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Die Bedeutung des Eigenkapitals für Unternehmen 2
3. Der deutsche Mittelstand 4
3.1 Definition des Mittelstands 4
3.2 Die Finanzierungs- und Eigenkapitalsituation 6
4. Die Einflüsse durch Basel II 7
4.1 Die Entstehung und Zielsetzung von Basel II 7
4.2 Die Kreditvergabepolitik der Kreditinstitute und die neuen
Anforderungen an Unternehmen 9
5. Die Instrumente der Finanzierung. 10
5.1 Die Finanzierungsarten. 10
5.2 Die Beteiligungsfinanzierung 11
6. Private Equity. 12
6.1 Der Begriff Private Equity. 12
6.2 Die Historie 13
6.3 Der deutsche Private Equity Markt. 13
6.4 Die Charakteristika eines Private Equity Investments. 15
6.5 Die Beteiligungsgründe. 18
6.6 Die Investorensuche 19
6.7 Kritische Analyse der Einsatzmöglichkeit von Private Equity im
Mittelstand 20
7. Mezzanine-Kapital 23
7.1 Der Begriff Mezzanine 23
7.2 Die Charakteristika von Mezzanine-Kapital 24
7.3 Die rechtliche Behandlung von Mezzanine-Kapital 26
7.4 Das wirtschaftliche Eigenkapital 27
7.5 Die Vergütung der Mezzanine-Finanzierung. 28
7.6 Die Erscheinungsformen von Mezzanine-Kapital. 29
7.6.1 Das Nachrangdarlehen 29
7.6.2 Die typische stille Beteiligung 31
II
7.6.3 Die Wandel- und Optionsanleihe 32
7.6.4 Der Genussschein 34
7.6.5 Die atypische stille Beteiligung. 35
7.6.6 Die Klassifizierung der Erscheinungsformen 36
7.7 Kritische Analyse der Einsatzmöglichkeit von Mezzanine-
Kapital im Mittelstand. 36
8. Going Public. 38
8.1 Der Begriff Going Public 38
8.2 Das Marktsegment Entry Standard an der Frankfurter
Wertpapierb örse 39
8.3 Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Going Public. 42
8.4 Börsenkandidaten finanziert durch Private Equity 44
8.5 Kritische Analyse der Einsatzmöglichkeit des Going Public im
Mittelstand 46
9. Fazit 48
Anhang 1. 51
Anhang 2 52
Anhang 3. 53
Anhang 4 54
Anhang 5 58
Anhang 6 60
Literaturverzeichnis 62
III
Abkürzungsverzeichnis
Abs. = Absatz AfA = Absetzung für Abnutzung AG = Aktiengesellschaft AktG = Aktiengesetz BaFin = Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BGB = Bürgerliches Gesetzbuch BSP = Bruttosozialprodukt bspw. = beispielsweise BVK = Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften bez. = bezüglich bzw. = beziehungsweise ca. = circa DAX = Deutscher Aktienindex d. h. = das heißt DSGV = Deutscher Sparkassen- und Giroverband EK = Eigenkapital EU = Europäische Union EURIBOR = Euro Interbank Offered Rate e.V. = eingetragener Verein FAQ = Frequently Asked Questions f. = folgende [Seite] ff. = folgende [Seiten] FK = Fremdkapital FWB = Frankfurter Wertpapierbörse G10 = Group of Ten ggf. = gegebenenfalls GmbH = Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbHG = GmbH-Gesetz GPEB = German Private Equity Barometer GuV = Gewinn- und Verlustrechnung HGB = Handelsgesetzbuch
IV
Hj. = Halbjahr Hrsg. = Herausgeber Hs. = Halbsatz IAS = International Accounting Standards i. d. R. = in der Regel IfM = Institut für Mittelstandsforschung IFRS = International Financial Reporting Standards IHK = Industrie- und Handelskammer inkl. = inklusive IPO = Initial Public Offering i. S. = im Sinne Jg. = Jahrgang kalk. = kalkulatorisch KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau KG = Kommanditgesellschaft KMU = kleine und mittlere Unternehmen kurzfr. = kurzfristig langfr. = langfristig LL = Lieferung und Leistung M&A = Mergers & Acquisitions Mio. = Millionen Mrd. = Milliarden Nr. = Nummer OHG = Offene Handelsgesellschaft o. V. = ohne Verfasser RWB = Rendite-Wert-Beteiligungen S. = Seite SME = Small and Medium-Sized Enterprises sog. = so genannt u. a. = unter anderem UK = United Kingdom USA = United States of America US-GAAP = United States-Generally Accepted Accounting Principles u. U. = unter Umständen
V
var. = variabel vgl. = vergleiche Vol. = Volume wirtschaftl. = wirtschaftlich Xetra = Exchange Electronic Trading z. B. = zum Beispiel zzt. = zurzeit
VI
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ein Instrument allein reicht nicht mehr
Abbildung 2: Das finanzielle Gleichgewicht
Abbildung 3: Größenklassen nach HGB
Abbildung 4: Größenklassen nach IfM
Abbildung 5: Größenklassen nach EU
Abbildung 6: Entwicklung der Eigenkapitalquote von Unternehmen.
Abbildung 7: Die drei Säulen der Neuen Basler Eigenkapitalverein-
barung
Abbildung 8: Der Zusammenhang von Unternehmensfinanzierung,
Rating und Basel II
Abbildung 9: Die Finanzierungsarten
Abbildung 10: Private Equity - Transaktionen 2003 bis 2005.
Abbildung 11: Eckpunkte einer Private Equity-Finanzierung
Abbildung 12: Anteil der Private Equity-Investitionen am BSP
Abbildung 13: Formen von Mezzanine-Kapital
Abbildung 14: Mögliche Ausgestaltung der Vergütung einer
Mezzanine -Finanzierung
Abbildung 15: Klassifizierung von Mezzanine-Kapital
Abbildung 16: Drei Transparenzlevels an der FWB
Abbildung 17: Zulassungsvoraussetzungen an der Deutschen
B örse.
Abbildung 18: Bedeutung des IPO-Marktes für den Private Equity-
Markt
1
1. Einleitung
Das Thema Mittelstand hat Hochkonjunktur. 1 Jede Woche gibt es in Deutschland Tagungen, Kolloquien, Arbeitskreise und Konferenzen zur Lage der Unternehmen abseits der großen Börsennamen. Dabei sind sich die Politiker, Verbände, Banker und Berater stets einig: Kränkelt der Mittelstand, so geht es auch der ganzen Wirtschaft schlecht, da in 99 von 100 Betrieben hierzulande weniger als 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigt sind. Aus diesem Grund gilt der Mittelstand zu Recht als das Rückgrat der gesamten Volkswirtschaft. Während die DAX-Konzerne die Schlagzeilen in der Wirtschaftspresse beherrschen, wird oftmals übersehen, dass das Heer der eigentümergeführten Unternehmen der eigentliche Antriebsmotor für die wirtschaftliche Dynamik ist. 2
Dieser Motor wurde über Jahrzehnte mit einer billigen Kreditversorgung als Schmierstoff ausgestattet. In Deutschland gehört es zu den historischen Besonderheiten, dass Eigenkapital in der Nachkriegszeit rar blieb, während die Kreditkultur nachhaltig gepflegt wurde. 3 Eine tief greifende Strukturveränderung wurde allerdings über die internationalen Vorgaben wie die Eigenkapitalrichtlinien Basel II eingeläutet. 4 Es zeigt sich, dass ein Instrument wie der Kredit in der heutigen Unternehmensfinanzierung allein nicht mehr ausreicht. 5 Laut der „Unternehmensbefragung 2005“ der KfW Bankengruppe und der führenden Industrieverbände berichten 42 % der Manager von einer „spürbar schwieriger gewordenen Kreditaufnahme“.
Die niedrigen Eigenkapitalquoten wirken sich bei der Bonitätsbeurteilung der Unternehmen i. d. R. negativ aus, so dass hier ein wesentlicher Ansatzpunkt für alternative Finanzierungsinstrumente ins Spiel zu bringen ist. 6 Egal ob es sich um Factoring, Leasing, Private
1 Vgl. Köhler (2006a), S. 1.
2 Vgl. Köhler (2006b), S. C 1.
3 Vgl. Ahrweiler/Börner (2003), S. 5.
4 Vgl. Stadler (2004), S. 15.
5 Vgl. Köhler (2005a), S. B 1.
6 Vgl. Lachenmaier (2005), S. 26 f.
2
Equity oder mezzanine Produkte zwischen Eigen- oder Fremdkapital handelt, letztlich zielen alle Alternativen auf eine bessere Kapitalstruktur und eine höhere Eigenkapitalquote ab. 7
Abbildung 1: Ein Instrument allein reicht nicht mehr (Horsch (2005), S. B 1).
Nachfolgend werden nun die Einsatzmöglichkeiten von alternativen Finanzierungsinstrumenten beschrieben, welche speziell eine Verbesserung der Eigenkapitalsituation der Mittelständler versprechen. Nach einer Skizzierung des Eigenkapitals sowie des Mittelstands wird dessen aktuelle Finanzierungssituation im Kontext von Basel II dargestellt. Anschließend werden die, durch den Einsatz der Beteiligungsinstrumente Private Equity, Mezzanine-Kapital und dem Going Public entstehenden, möglichen Perspektiven für den Mit-telstand aufgezeigt und welche Konsequenzen daraus resultieren.
2. Die Bedeutung des Eigenkapitals für Unternehmen
Eigenkapital sind die in einem Unternehmen angelegten Mittel, die den Unternehmenseignern (z. B. Aktionären oder Gesellschaftern) gehören 8 und dabei langfristig zur Verfügung gestellt werden. 9 Dazu zählt vor allem das eingezahlte Kapital (Gesellschaftskapital) - bei einer Aktiengesellschaft spricht man von Grundkapital, bei einer GmbH von Stammkapital 10 -, die gesetzlichen, satzungsgemäßen
7 Vgl. Altenwerth (2005), S. 20 ff.
8 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2003), S. 3.
9 Vgl. Werner (2002), S. 15.
10 Vgl. AktG (2005), § 6 bzw. GmbHG (2005), § 5.
3
und freien Rücklagen sowie ein etwaiger Gewinnvortrag. 11 Bei Einzelfirmen und Personengesellschaften (OHG, KG) wird außerdem das in der Bilanz nicht ausgewiesene Privatvermögen der Inhaber bzw. persönlich haftenden Gesellschafter hinzugerechnet. 12
Gesetzliche Regelungen zum Eigenkapital findet man nur sehr spärlich. 13 Lediglich nach § 5 Abs. 1 GmbHG ist bei der Unternehmens-form GmbH eine Mindesteigenkapitalausstattung von 25.000 € ge-fordert. Bei der Aktiengesellschaft beträgt das Mindesteigenkapital nach § 7 AktG 50.000 €.
Als Finanzierungsregel soll das Unternehmen das finanzielle Gleichgewicht wahren. Dies bedeutet, dass es jederzeit seine Liquidität sichert, eine befriedigende Rentabilität erzielt und zugleich eine ausreichende Sicherheit aller Kapitalgeber im Auge behält. 14
Abbildung 2: Das finanzielle Gleichgewicht (in Anlehnung an Schierenbeck/Lister
(2002), S. 11).
In diesem partiellen Spannungsfeld der drei Kriterien stärkt das Eigenkapital die Sicherheit bzw. Überlebensfähigkeit des Unternehmens und verbessert zugleich die Kreditwürdigkeit. 15 Für das Unternehmen ist das Eigenkapital das Fundament des Finanzierungsaufbaus. Nur mit ausreichender Höhe des Eigenkapitals ist es für ein Unternehmen möglich, etwaige Gläubiger mit Fremdmitteln an der Finanzierung des Unternehmens zu beteiligen. 16 Der langfristige Wert und die Kosten der richtigen Kapitalstruktur muss von den Unternehmen erkannt und berücksichtigt werden. Eine bessere
11 Vgl. Gabele/Mayer (2001), S. 59, S. 62.
12 Vgl. Wurm/Möhlmeier/Skorzenski/Wierichs (2000), S. 153, S. 161, S. 168.
13 Vgl. Leopold/Frommann (1998), S. 9.
14 Vgl. Leopold/Frommann/Kühr (2003), S. 11.
15 Vgl. Leopold/Frommann (1998), S. 10.
16 Vgl. Bernecker/Seethaler (1998), S. 22.
4
Eigenkapitalausstattung der Unternehmen erhöht die Bereitschaft Investitions- und Innovationsrisiken zu übernehmen. Dies führt zu einer geringeren Anfälligkeit gegenüber konjunkturellen Abschwüngen und einer höheren Akquisitionsstärke. Insgesamt kann somit die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. 17
3. Der deutsche Mittelstand
3.1 Definition des Mittelstands
In Deutschland gibt es keine einheitliche Mittelstandsdefinition. 18 Als quantitative Kriterien werden typischerweise die Beschäftigungszahlen, der Jahresumsatz bzw. die Bilanzsumme gewählt. 19 Dem HGB kann man aus § 267 eine Umschreibung von Größenklassen für Kapitalgesellschaften entnehmen. Nach Abs. 2 handelt es sich um eine mittelgroße Kapitalgesellschaft, wenn zwei der Kriterien für eine kleine Kapitalgesellschaft überschritten und dabei gleichzeitig mindestens zwei eigene Kriterien eingehalten werden. Folgende Merkmale sind dabei zu beachten:
Eine weitere Grobstrukturierung der Größenklassen von Unternehmen hat das Institut für Mittelstandsforschung Bonn herausgegeben. 20 Seit 01.01.2002 gibt das Institut folgendes Raster aus:
Wolter (2002), S. 22).
17 Vgl. Weise (2003), S. 363.
18 Vgl. Kamp/Solmecke (2005), S. 618.
19 Vgl. Ahrweiler/Börner (2003), S. 6.
20 Vgl. Günterberg/Wolter (2002), S. 20.
5
Am 01.01.2005 hat auch die Europäische Union eine neue Empfehlung zur Definition von KMU herausgegeben. Auch hier wurden, wie bereits bei dem Raster der IfM, die finanziellen Schwellenwerte erheblich angehoben. Durch diese Anhebung erfolgte eine Berücksichtigung der Inflation und Produktivitätssteigerung der letzten Jahre. 21
(2003), S. 14).
Neben diesen quantitativen Definitionen steht die Personenbezogenheit im Vordergrund, da mittelständische Unternehmen zum größten Teil inhabergeführt sind. Lediglich 13 % der Unternehmen weisen nur einen von mehreren Gesellschaftern als Geschäftsführer auf oder werden durch einen angestellten Geschäftsführer geleitet. Das ausgeprägte Unabhängigkeitsstreben der Eigentümer-Unternehmer resultiert aus der starken Identifikation mit dem Unternehmen. 22 Dies lässt sich auch in der gewählten Rechtsform erkennen. Mit 70 % ist das Einzelunternehmen dominierend. Daneben wird zumeist die Rechtsform der GmbH oder OHG gewählt. Die Form der AG spielt dagegen bei den mittelständischen Unternehmen eine untergeordnete Rolle. 23
Mittelständische Unternehmen sind durch einen geringen Diversifikationsgrad gekennzeichnet. Es werden oftmals Nischenstrategien verfolgt. Sie bauen stabile, langfristige Lieferanten- und Kundenbeziehungen auf, da sie in engen Märkten agieren und eine hohe Standortverbundenheit aufweisen. Dies wirkt sich in Krisenzeiten positiv aus. 24
21 Vgl. European Commission (2003), S. 14.
22 Vgl. Ahrweiler/Börner (2003), S. 7.
23 Vgl. European Commission (2003), S. 18.
24 Vgl. Ahrweiler/Börner (2003), S. 8.
6
3.2 Die Finanzierungs- und Eigenkapitalsituation
Im Jahre 2003 gab es in Deutschland 3,38 Mio. mittelständische Unternehmen mit rund 19,98 Mio. Beschäftigten. 25 Das vorrangige Ziel der Unternehmensfinanzierung ist die nachhaltige Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit. 26
Die mittelständischen Unternehmen setzen bei der Finanzierung weiterhin in erster Linie auf den Cash Flow bzw. den Gewinn. 91 % messen diesen Instrumenten eine sehr hohe Bedeutung zu. Im Jahr 2004 lag der Prozentsatz sogar bei 94 %. 27 Die zweite bedeutende Finanzierungsart ist immer noch traditionell der klassische Bankkredit. 28 Dieser wird immerhin noch von 19 % der Mittelständler als wichtig eingestuft. 29
Mit einer durchschnittlichen Umsatzrentabilität von 4,7 % zeigte der Mittelstand im Jahr 2005 einen konstant niedrigen Wert. Der Perso-nalaufwand liegt bei mittleren Unternehmen (20,7 %) durchschnittlich höher als bei Großunternehmen (16,5 %). 30
Die zu niedrige Ausstattung mit Eigenkapital bleibt der wesentliche Grund für Notlagen im Mittelstand. 31 Bei den Mittelständlern liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote gerade einmal bei 10 %. 32 Diese Ausstattung mit Eigenmitteln ist im europäischen Vergleich gering. 33 Allerdings haben sich bereits die Zukunftsaussichten auch spürbar verbessert. 34 Obwohl die Eigenkapitalausstattung noch immer als kritisch angesehen werden kann, ist in den letzten sechs Jahren ein stetiger Anstieg der Quote zu verzeichnen. 35
25 Vgl. Günterberg/Kayser (2004), S. 5.
26 Vgl. Lachenmaier (2005), S. 27.
27 Vgl. Köhler (2006c), S. 25.
28 Vgl. IHK Schwerin (2004), S. 3.
16 Vgl. Köhler (2006c), S. 25.
30 Vgl. DSGV (2006), S. 39 ff.
31 Vgl. Köhler (2005b), S. 26.
32 Vgl. Koop (2005), S. B 7.
33 Vgl. Arbeitsgemeinschaft „Eigenkapital für den ‚breiten’ Mittelstand“ (2003), S. 2.
34 Vgl. Studie Handelsblatt (2006), S. 1.
35 Vgl. DSGV (2006), S. 32 ff.
S. 34).
Eine Entwicklung der Eigenkapitalausstattung zum Vorjahr im Vergleich der einzelnen Bundesländer kann dem Anhang 1 entnommen werden.
Eine angemessene Eigenkapitalausstattung ist der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands. Denn schließlich wird das Eigenkapital für weitere Finanzierungen vielfach vorausgesetzt. Bis die Unternehmen die Eigenkapitalquote aus eigener Kraft auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gebracht haben, werden selbst bei guter Wirtschaftslage i. d. R. jedoch einige Jahre vergehen. Der Mittelstand wird deshalb zügig handeln müssen. 36
4. Die Einflüsse durch Basel II
4.1 Die Entstehung und Zielsetzung von Basel II
Basel II stellt die bedeutendste Änderung des Bankenaufsichtsrechts seit Ende der 80er-Jahre dar. 37 Am 26. Juni 2004 haben die Notenbankgouverneure der Zehnergruppe (G10) und die Leiter der Aufsichtsbehörden dieser Länder der vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht vorgelegten Rahmenvereinbarung über die neue
36 Vgl. Lüthje (2005), S. 32.
37 Vgl. Drost (2005), S. 27.
8
Eigenkapitalempfehlung für Kreditinstitute (Basel II) zugestimmt. 38 Zum 01.01.2007 sollen diese Regelungen in Kraft treten. 39
Die neue Eigenkapitalvereinbarung besteht aus drei, sich gegenseitig verstärkenden Säulen. 40
Abbildung 7: Die drei Säulen der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung (in
Anlehnung an die KfW Bankengruppe (2003), S. 7).
Die erste bereits bestehende Säule beinhaltet die quantitativen Min-desteigenkapitalanforderungen. Diese geben vor, wie viel Eigenkapital ein Kreditinstitut vorhalten bzw. hinterlegen muss, um seine Risiken abzudecken. 41 Zukünftig ist neben einer differenzierten Eigenkapitalhinterlegung für Kreditrisiken im Rahmen von Basel II geplant, dass auch für das operationelle Risiko einer Bank Eigenkapital vorgehalten werden muss. 42
Die zweite Säule der neuen Regelung beinhaltet einen bankaufsichtlichen Überprüfungsprozess des individuellen Risikos einer Bank, da allein durch die erste Säule die Solvenz einer Bank und die Stabilität des Finanzsystems noch nicht hinreichend gewährleistet werden kann. Dieser Überprüfungsprozess zielt nun darauf ab, dass Banken
38 Vgl. Lüpken (2003), S. 21.
39 Vgl. Drost (2005), S. 27.
40 Vgl. Deloitte (2005), S. 21.
41 Vgl. Deloitte (2005), S. 27.
42 Vgl. Taistra (2003), S. 1.
9
ihre Risikosteuerungssysteme weiter verbessern. 43 Die dritte Säule sieht eine erweiterte Offenlegungspflicht der Banken vor, um dadurch die Marktdisziplin und -transparenz zu fördern. 44
4.2 Die Kreditvergabepolitik der Kreditinstitute und die neuen
Anforderungen an Unternehmen
Die Anwendung von Basel II kann für die Kreditinstitute eine Kostensteigerung im Kreditgeschäft bedeuten. Die Bank muss einen bestimmten Teil des Kreditvolumens eines jeden Kredits an Unternehmen als Eigenkapital vorhalten. 45 Für Unternehmen mit einem hohen Ausfallrisiko fällt diese Eigenkapitalhinterlegung höher aus als für solide Unternehmen. 46 Die jeweilige Risikoeinstufung erfolgt dabei über ein Rating. Der Begriff Rating bedeutet dabei die Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Schuldners. 47
Da die Eigenkapitalvorhaltung auch für die Kreditinstitute einen Kos-tenfaktor darstellt, werden die entsprechend höheren Eigenkapitalkosten bei risikobehafteten Kreditengagements an die Unternehmen weitergegeben. 48 Das Kreditinstitut steuert damit ihr Kundenportfolio je nach Risiko des Kreditengagements, indem es für riskantere Kredite entsprechend höhere Zinsen verlangt. 49 Hieraus kann man nun erkennen, dass die Begriffe „Unternehmensfinanzierung“, „Rating“ und „Basel II“ in einem engen Zusammenhang stehen. 50
Abbildung 8: Der Zusammenhang von Unternehmensfinanzierung, Rating und
Basel II (in Anlehnung an Disselkamp (2005), S. 40).
43 Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 180.
44 Vgl. Deutsche Bundesbank (2004), S. 201.
45 Vgl. Lüpken (2003), S. 1.
46 Vgl. Disselkamp (2005), S. 40.
47 Vgl. Hirschmann (2005), S. B 8.
48 Vgl. Altenwerth (2005), S. 20.
49 Vgl. Krämer (2004), S. B 4.
50 Vgl. Disselkamp (2005), S. 40.
10
Die Kreditkonditionen von den Unternehmen hängen maßgeblich von der Ratingnote ab. 51 Ein schlechtes Ratingergebnis bedeutet eine Verteuerung der Kredite, ein gutes Ergebnis kann zu günstigeren oder zumindest gleich bleibenden Finanzierungskonditionen in der Zukunft führen. 52 Aufgrund der möglichen höheren Zinsbelastung durch Basel II wird die traditionell hohe Finanzierung über die Hausbank eher uninteressant, da sie fast nicht mehr bezahlbar ist. 53 Entsprechend wichtig ist für den Mittelständler ein gutes Rating, welches u. a. wesentlich durch die Eigenkapitalquote beeinflusst wird. 54
Hier stehen nun drei Ansatzpunkte für den Mittelständler im Fokus:
• Eigenkapitalausstattung verbessern
• Finanzierungsstruktur stärker differenzieren
• Wertorientierte Unternehmensstrategie betreiben
Risikoreduzierende Maßnahmen und Informationspflichten müssen im Blickpunkt des Unternehmens stehen. Eine breite, haftende Basis ist nicht nur der wichtigste Risikopuffer für das Unternehmen selbst, sondern bei der Bonitätsprüfung und der Inanspruchnahme von Finanzierungsinstrumenten ein wichtiger Indikator für die Unternehmenssolvenz. 55
5. Die Instrumente der Finanzierung
5.1 Die Finanzierungsarten
Bevor die Finanzierungsalternativen im Detail behandelt werden, soll zunächst ein allgemeiner Überblick über die verschiedenen Finanzierungsarten gegeben werden. Dazu gehören erstens die Kapitalbeschaffung von außen in Form von Eigen- oder Fremdkapital (Außenfinanzierung) und zweitens die Kapitalbeschaffung aus dem betrieblichen Umsatzprozess (Innenfinanzierung). 56
51 Vgl. Güllmann (2005), S. 32.
52 Vgl. Altenwerth (2005), S. 20.
53 Vgl. Lachenmaier (2005), S. 26.
54 Vgl. Kamp/Solmecke (2005), S. 618.
55 Vgl. Walter (2005), S. 40.
56 Vgl. Wöhe/Bilstein (2002), S. 11.
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Michael Klenz, 2006, Möglichkeiten zur Stärkung des Eigenkapitals für den Mittelstand, München, GRIN Verlag GmbH
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