Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der
Pflege aus der pflegewissenschaftlichen und betriebswirt-
Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
„Eine Pflegekraft ist 4 bis 6 Minuten pro Stunde
beim Patienten
- und das ist noch ein guter Durchschnitt…“
Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
Vorwort
An dieser Stelle dankt der Verfasser allen, die ihm bei seiner Diplomarbeit geholfen und unterstützt haben. Besonderen Dank geht an seine Ehefrau und Kinder, die mit viel Geduld dem Verfasser zur Seite standen.
Ebenso möchte der Verfasser Herrn Prof. Dr. Thiele und Frau Prof. Dr. Thielhorn danken, dass sie die Rolle der Korrektoren übernommen haben. Herzlichen Dank auch für die kompetente fachliche Beratung und die mentale Unterstützung.
Diese Diplomarbeit wurde durch den Verfasser selbst recherchiert, erarbeitet und geschrieben. Die zur Hilfe genommene Literatur ist in den entsprechenden Passagen angegeben und im Literaturverzeichnis aufgeführt. Die Tabellen und Grafiken sind vom Verfasser selbst erstellt worden.
Die Bezeichnungen in dieser Arbeit betreffen immer beide Geschlechter, auch wenn sie in der männlichen Form geschrieben sind (Beispiel: der Patient, der Bewohner, etc.)
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
pflegewissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Sichtweise
Inhaltsverzeichnis
Abbildungen und Tabellen 7
1. Einleitung und Vorstellung der Fragestellungen 8
2. Was ist Pflege? 13
2.1 Ein ganz normaler Arbeitstag 13
2.2 Verschiedene Definitionen von Pflege 15
2.2.1 Pflegedefinition nach ICN 15
2.2.2 Pflegedefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 15
3. Das Aufgabenspektrum der Pflege. 18
3.1 Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation. 18
3.1.1 Was ist damit gemeint? 18
3.1.2 Ziele der Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation 18
3.1.3 Handlungsmöglichkeiten für die Pflege 19
3.1.4 Konsequenzen für die Pflege 21
3.2 Beratung / Information 22
3.2.1 Was ist damit gemeint? 22
3.2.2 Ziele der Beratung / Information 23
3.2.3 Handlungsmöglichkeiten für die Pflege 23
3.2.4 Konsequenzen für die Pflege 24
3.3 Gefühlsarbeit 24
3.3.1 Was ist damit gemeint? 24
3.3.2 Ziele und Handlungsmöglichkeiten für die Pflege 26
3.3.3 Konsequenzen für die Pflege 27
3.4 Caring 27
3.4.1 Bedeutung und Ziel des Caring 27
3.4.2 Anforderung des Caring an die Pflegenden 28
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
pflegewissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Sichtweise
3.5 Kommunikation. 29
3.5.1 Was ist damit gemeint? 29
3.5.2 Warum eine gelebte Kommunikation in der Pflege wichtig ist 30
3.5.3 Konsequenzen für die Pflege 31
3.6 Koordination, Kooperation und Vernetzung 31
3.7 Pflegewissenschaft 32
3.7.1 Gegenstand und Ziel der Pflegewissenschaft 32
3.7.2 Wird Pflegewissenschaft als Aufgabe verstanden? 33
3.8 Pflege im Krankheitsbezug 34
4. Der Arbeitsalltag aus betriebswirtschaftlicher Perspektive 36
4.1 Darstellung der Entwicklungen im deutschen Gesundheitssystem und die
Auswirkung auf die Pflege. 36
4.1.1 Die Eckdaten Einrichtungen, Bettenanzahl, Fallzahlen und Personalbestand 36
4.1.2 Kritik an der DRG-Einführung 37
4.2 Auswirkungen der Entwicklung auf die Pflegenden 38
4.3 Die Abbildung der Pflege unter DRG-Gesichtspunkten am Beispiel einer
urologischen Station 40
4.3.1 Vorstellung der Studie und der Forschungsfrage 40
4.3.2 Schwierigkeiten bei der Durchführung 43
4.3.3 Ergebnisse der Erhebung im Tätigkeitsbezug 44
4.3.4 Ergebnisse im Tätigkeitsbezug als Kostenfaktor 47
4.3.5 Weitere Ergebnisse der Erhebung 56
4.3.6 Ist der Pflegeaufwand durch die DRG abgedeckt? 57
4.3.7 Lösungsmöglichkeiten für die Problematik 59
4.3.8 Fazit des Projektes 61
5. Fazit / Diskussion 63
Literaturverzeichnis 74
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
Abbildungen und Tabellen
(Alle Abbildungen und Tabellen sind durch den Verfasser selbst erstellt)
Abbildung 1: Verteilung der Tätigkeiten in Minutenwerten .......................................................... 45 Tabelle 1: Einteilung der Tätigkeiten mit Minutenwerten pro Tag ................................................ 46 Abbildung 2: Verteilung des Arbeitsaufwands in Minuten / Tag................................................... 47 Tabelle 2: Einteilung der delegierbaren Tätigkeiten mit Minutenwerten pro Tag ......................... 48 Abbildung 3: Kostenverteilung für die einzelnen Tätigkeiten der Kategorie „Tätigkeit am
Patienten“ ............................................................................................................................................. 49 Abbildung 4: Kostenverteilung für die einzelnen Tätigkeiten der Kategorie „Tätigkeit ohne
Patientenbezug“ ................................................................................................................................... 50 Abbildung 5: Kostenverteilung für die einzelnen Tätigkeiten der Kategorie „Tätigkeit mit
indirektem Patientenbezug“................................................................................................................ 51 Abbildung 6: Herausrechnung delegierbarer Tätigkeiten der Kategorie „Tätigkeiten am
Patienten“ ............................................................................................................................................. 52 Abbildung 7: Herausrechnung delegierbarer Tätigkeiten der Kategorie „Tätigkeiten ohne
Patientenbezug“ ................................................................................................................................... 53 Abbildung 8: Herausrechnung delegierbarer Tätigkeiten der Kategorie „Tätigkeiten im
indirektem Patientenbezug“................................................................................................................ 55 Abbildung 9: Kennzahlen TUR-Blase.............................................................................................. 58 Abbildung 10: Kosten-Erlös-Vergleich Pflege ................................................................................ 58
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
1. Einleitung und Vorstellung der Fragestellungen
Die Geschichte der Krankenpflege lässt sich bis in die Frühzeit der menschlichen Entwicklung zurückverfolgen. Die Menschen züchteten Kulturpflanzen und sammelten Erfahrungen in deren Nutzung. In den Zeiten der Hochkulturen gab es bereits eine hoch entwickelte Heilkunst. So wurden etwa 800 Heilrezepte aus dieser Zeit gefunden und übersetzt. Im Christentum wurde das Ideal der Nächstenliebe geboren und der Begriff des „Dienstes am Menschen“ entstand. Die Institution des Diakonats wurde eingerichtet und mit ihr der Vorläufer der klassischen Krankenschwester oder des Krankenpflegers. Tatsächlich bestand die Aufgabe des Diakons, beziehungsweise der Diakonin, in vorwiegend niedrigen Dienstleistungen wie das Waschen und Salben von Kranken oder das Bekleiden und Bestatten von Toten. Das Verrichten karitativer Aufgaben wurde zum Ideal.
Während der Zeit der Kriege und Kreuzzüge wurde die Pflege der Verwundeten und Kranken von Frauen übernommen. Ebenso entstanden neben vielen Pflegeorden die kirchlich begründet waren, auch sogenannte weltliche Orden. Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung pflegten vorwiegend die Armen, da die Ärzte hauptsächlich den Reichen zur Verfügung standen. Während der Zeit der Inquisition wurden viele dieser Einrichtungen zerstört. In dieser Zeit etablierte sich die Pflege in öffentlichen Siechenhäusern, in denen die Patienten unter verheerenden hygienischen Verhältnissen von Frauen versorgt wurden, die in der Gesellschaft ein zweifelhaftes Ansehen genossen.
Im Jahre 1679 beschrieb ein Mediziner, Dr. med. Georg Detharding, in einem Lehrbuch zur Krankenpflege das Aufgabengebiet des Krankenwärters, nannte Auswahlkriterien für die Bewerber und formulierte Grundsätze der Krankenwartung. Schließlich wurde im Jahre 1781 in Mannheim durch Franz Anton May die erste öffentliche deutsche Krankenpflegeschule gegründet. Das Krankenhauswesen veränderte sich im frühen 19. Jahrhundert grundsätzlich. Im Jahre 1836 wurden in Kaiserswerth der Rheinisch-Westfälische Diakonissenverein und die Diakonissenanstalt als Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen gegründet. Die Krankenpflege wurde als eine religiöse Aufgabe erklärt. Die Ausbildung in der leiblichen Krankenpflege wurde der Ver-antwortung der Ärzte übergeben, die Auswahlkriterien für die Bewerber wurden streng gefasst und die Pflege zum medizinischen Hilfsberuf. In der weiteren Geschichte wurde die öffentliche
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
Krankenpflege weiter entwickelt. Die Ausbildung und das soziale Ansehen der Krankenschwestern wurden verbessert. Es entstanden immer mehr Krankenpflegeschulen, da die Fortschritte und die Entwicklung in der Medizin und den operativen Bereichen immer höhere Anforderungen an die Pflegenden stellten. Nach und nach festigte sich das Berufsbild der Krankenschwestern und bildete auch verschiedene Fachbereiche aus. Dennoch blieben die Arbeitsbedingungen trotz aller Fortschritte für die Pflegekräfte sehr schlecht.
Im 20. Jahrhundert teilte sich die Krankenpflege in drei Hauptgruppen auf. Neben den kirchlichen Vereinigungen entstanden weltliche Genossenschaften und freiberufliche Krankenpflegekräfte. Besonders letztere gelangen durch das Engagement der Rot-Kreuz-Schwester Agnes Karll zu mehr Rechten und Privilegien. Ebenso erlangte die Ausbildung der Pflegerinnen die staatliche Anerkennung. Seitdem hat sich die Ausbildung und Institution der Krankenpflege stetig weiter entwickelt. Besonders seit Einführung der 3-jährigen Ausbildung im Jahre 1965 und der Etablierung der Intensivmedizin entstanden spezielle Weiterbildungsprogramme für Pflegekräfte. Jedoch begannen auch die psychosozialen Aufgaben in den Hintergrund zu rücken. In der neueren Zeit begann die Pflege immer mehr sich an dem Konzept der ganzheitlichen und prozesshaften Patientenversorgung zu orientieren. Heute befindet sich die Pflege in dem Prozess der Professionalisierung, wodurch richtungsweisende Veränderungen für die Entwicklung der Pflege eingeläutet sind.
Aber nicht nur die Pflege selbst verändert sich. Heute findet im Gesundheitswesen eine verstärkte Marktorientierung statt und führt zu weitgreifenden Veränderungen in der Organisationsstruktur. Dies wirkt sich auch auf die Arbeitssituation der Pflegenden und die Qualität der Versorgung aus. Die pflegerische Fachkompetenz wird immer mehr ausgeklammert. Beispielsweise werden immer mehr Stellen im Bereich der Pflegedienst- und Stationsleitung von Abteilungsleitern ersetzt. Unsicherheit und Unzufriedenheit in der Pflege nehmen unter den Beschäftigten immer mehr zu. Derzeit muss die Pflege einen anhaltenden Abbau der Arbeitsplätze hinnehmen bei steigender Arbeitsbelastung. Diejenigen, die in der Pflege tätig sind, müssen diese Differenzen auffangen und mehr Arbeit bewältigen. Dabei spielt der wirtschaftlich effiziente Aspekt eine immer größere Rolle. Als weiterer Aspekt kommt hinzu, dass immer weniger Fachpersonal ausgebildet wird, da auch in den entsprechenden Schulen eingespart und gekürzt wird. In sofern wird ein Mangel an Fachpersonal immer mehr werden. Um dem zu begegnen hofft man auf eine verstärkte Koopera-
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
tion der beruflichen Pflege mit pflegenden Angehörigen und Laien. Natürlich ist diese Art der Zusammenarbeit sinnvoll und führt zu einem positiven Ergebnis in der Versorgung des Patienten, bietet aber keine qualitative Lösung für den Mangel an Fachpersonal. Diese ganzen Umstände machen die Umsetzung und Aufrechterhaltung qualitativ hochwertiger und fachlicher Pflege schwierig.
Dabei werden in Deutschland die Pflegekräfte zu einem großen Teil ihrer Arbeitszeit unter ihrer Qualifikation eingesetzt - das bedeutet, sie verrichten Tätigkeiten, die ihrem Berufsstand nicht angemessen sind.
Im Zuge der Professionalisierung und der wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklung in Deutschland ist es unumgänglich, dass über das Aufgabenfeld professioneller Pflegekräfte diskutiert wird. Die Pflege als einen Assistenzberuf der Medizin zu sehen ist nicht mehr zeitgemäß. Sie entwickelt sich in großen Schritten zu einer fundierten Wissenschaft, die alle Rechtfertigungen für eine selbständige Verantwortung aufweist.
Während seiner täglichen Arbeit in einem Haus der Maximalversorgung konnte der Verfasser über Jahre hinweg am eigenen Leib erfahren, wie fachlich qualifiziertes und kompetentes Personal im Stationsalltag eingesetzt wird. Dies beschreibt er als Beispiel einer Arbeitssituation im Alltag einer Pflegekraft. Er beobachtete nicht nur eine Verlagerung seiner Tätigkeiten, sondern auch deren Zunahme. Parallel dazu blieb ihm immer weniger Zeit für die Arbeit am Patienten oder Angehörigen, während die Arbeit im administrativen und verwaltungsnahen Bereich immer mehr zunahm. Dies ging an manchen Tagen soweit, dass er während seiner Schicht nur das Nötigste an seinen Patienten verrichten konnte und alles andere an Schüler und Praktikanten delegieren musste.
Obwohl die Pflegekräfte, trotzt Zeitmangel durch hohe Arbeitsintensität, immer noch diejenigen sind, die den Patienten am besten kennen, fiel dem Verfasser auf, dass in den Besprechungen vor und nach der ärztlichen Visite selten nach der pflegerischen fachlichen Beurteilung gefragt wurde. Im Grunde hatten die Pflegekräfte überhaupt kein Mitspracherecht - auch wenn die ärztliche Anordnung unlogisch und fragwürdig war.
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
Nach Meinung des Verfassers kann es nicht sein, dass Pflegende mehr oder weniger als „Mädchen für alles“ gesehen werden, die gerne die Akten abheften und die Patienten versorgen dürfen, aber ansonsten während der Arztvisite nicht gefragt sind. Somit stellt sich für ihn die Frage nach den eigentlichen Aufgaben der Pflege. Was sollen Pflegende tun und welchen Stand sollten sie haben? Können Pflegende in Deutschland ihren Beruf so ausüben, wie es ihrer Qualifikation entspricht? Oder werden fachliche Kompetenzen schlichtweg nicht genutzt oder missbraucht? Wieso werden Pflegende mit haushaltsnahen und verwaltungsnahen Aufgaben von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten? Wie kann man dieses Verhalten betriebswirtschaftlich akzeptieren? Entsprechend dieser Fragen lautet der Titel der Arbeit: Die „Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der pflegewissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Sichtweise.“
Um seine Erfahrungen auszudrücken und den beruflichen Alltag einer Pflegekraft darzustellen, beginnt der Verfasser seine Arbeit mit einem Beispiel aus dem Pflegealltag, wie er ihn selbst unzählige Male erlebt hat und wie Millionen andere Berufskollegen ihn Tag für Tag erleben. Dem gegenüber stellt er die international anerkannten Definitionen der WHO und des ICN, die aussagen, was unter dem Begriff der professionellen Pflege eigentlich zu verstehen ist. Nach Ansicht des Verfassers gehen eben aus diesen Definitionen Aufgaben der Pflege hervor, die als originär zu bezeichnen sind. In Kapitel drei hat der Verfasser diese Tätigkeiten mit Hilfe von Fachliteratur genauer betrachtet und dargestellt. Ebenso hat er zu vereinzelten Tätigkeiten die Handlungsfelder der professionellen Pflege sowie die Konsequenzen für Pflegende und Patienten näher beschrieben. Diese Tätigkeiten sollen darstellen, was das Tätigkeitsbild der Pflege umfasst und wie komplex der Beruf der Pflege eigentlich ist. Der Verfasser möchte zeigen, dass Pflege keinesfalls ein ärztlicher Hilfsberuf, sondern vielmehr als komplexe und kompetente Profession innerhalb der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung ernst zu nehmen ist. Als kompetenter Partner der Versorgung von Patienten und Bewohnern stellt die Pflege ein enormes Potential an fachlichen Ressourcen zur Verfügung, die derzeit noch wenig genutzt werden. Hier muss nach Ansicht des Verfassers ein Umdenken in der Gesellschaft, der Politik, der Gesetzgebung und innerhalb der Pflege selbst stattfinden, damit die Pflege entsprechend ihren Qualifikationen eigenver-antwortlich agieren und kooperieren kann.
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
Das dies Umdenken auch im Sinne der Betriebswirtschaft geschehen muss, wird im Kapitel 4 der Arbeit sehr deutlich. Hier nutzt der Verfasser die Daten einer Multimomentstudie, die er als Projektmitglied im Rahmen eines Lehr- und Forschungsprojektes in einer Offenburger Klinik erhoben hat. Gemäß des Themas dieser Diplomarbeit stellt der Verfasser die zeitliche Verteilung der einzelnen Aufgaben im Arbeitsalltag einer professionellen Pflegekraft dar und berechnet an Beispielen, wo zeitliche und finanzielle Ressourcen verloren gehen und wo Einsparungen vorgenommen werden könnten. Ziel dieser Berechnungen und Darstellungen ist zu zeigen, dass die übliche Art des Einsatzes von pflegerischem Fachpersonal nicht in das so sehr geforderte wirtschaftliche Denken passt. Es ist eindeutig, dass Potentiale der Pflege im Stationsalltag weder effektiv noch effizient genutzt werden. Die erhobenen Daten wurden vom Verfasser entsprechend seiner Fragestellungen ausgewertet und grafisch dargestellt. Dabei ist zu beachten, dass eine Einteilung von Tätigkeiten in einzelne Kategorien als subjektiv zu betrachten ist. Die Ergebnisse können, je nachdem wie die Einteilung vorgenommen wurde, unterschiedlich ausfallen. Jedoch ist der Verfasser der Überzeugung, dass in jedem Fall das Ergebnis zeigen wird, in welchen Bereichen der Pflege Zeit für die Arbeit am Patienten fehlt und wo noch Potentiale vorhanden sind. Das abschließende Fazit zeigt Themen auf, die derzeit diskutiert werden. Hier stellt der Verfasser noch einmal die berufliche Situation der Pflege und die gesetzlichen Rahmenbedingungen dar. Er stellt die Begründung zur Errichtung einer Pflegekammer zur Diskussion und spricht notwendige Veränderungen der Rahmenbedingungen an. Ebenso zeigt er Pro- und Kontrapunkte zur Frage der Delegation an Hilfsberufe und Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten und bezieht Position zum Thema Arbeitsteilung der Gesundheitsprofessionen.
In der professionellen Pflege ist vieles in Bewegung und einiges wird auf den Weg gebracht -und das ist gut so. Pflege ist ein wunderbarer Beruf mit unglaublich viel Kompetenz und Potential an Qualifikationen und Entwicklung. Pflegefachkräfte leisten einen enormen Beitrag zur Ver-sorgung der Bevölkerung. Nicht allein für ihren Verdienst an der Gesellschaft hat der Beruf der Pflege Aufmerksamkeit, Respekt und Achtung verdient und erfüllt alle Voraussetzungen als eigenständige Profession anerkannt zu werden. Und mit dieser Meinung steht der Verfasser sicher nicht alleine da.
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
2. Was ist Pflege?
2.1 Ein ganz normaler Arbeitstag
Dieser Abschnitt zeigt ein Beispiel für einen ganz normalen Arbeitstag einer Pflegeperson in der Praxis. Der Verfasser beschreibt in diesem Fall eine Frühschicht auf einer Station mit gastroenterologischem Schwerpunkt und einer Größe von 24 Patientenbetten. Obwohl es sich erfahrungsgemäß um ein Fachgebiet handelt, in dem es ein hohes Aufkommen an pflegebedürftigen und multimorbiden Patienten gibt, lässt sich der beschriebene Ablauf auf alle anderen Fachdisziplinen übertragen.
6.00 Uhr: Dienstbeginn auf Station. Die Pflegepersonen treffen umgezogen auf ihrem Arbeitsplatz ein.
6.05 bis 6.30 Uhr: Übergabe der Nachtschicht an den Frühdienst und Einteilung der Pflegepersonen zu den jeweiligen Bereichen
6.30 bis 7.00 Uhr: Kontrolle und ggf. Richten der Medikamente, danach Rundgang durch die Zimmer des jeweiligen Bereichs und Verteilung der Medikamente. Dabei Kontrolle der Vitalzeichen bei jedem Patienten, Lagerung der bettlägerigen Patienten, Vorbereitung einzelner Patienten für eventuell anstehende Untersuchungen
7.00 bis 7.30 Uhr: Richten und Anhängen der Kurzinfusionen bei den entsprechenden Patienten. Bei Bedarf Mundpflege durchführen und Patienten mit Zahnprothesen versorgen 7.30 Uhr: Austeilen des Frühstücks. Bei Bedarf das Essen richten oder anreichen. Patienten mit Ernährungssonde entsprechend mit Sondenkost versorgen. Die Essenskarten für den nächsten Tag kontrollieren und das entsprechende Essen bestellen. 8.00 Uhr: Essenstabletts wieder abräumen und Zimmerordnung herstellen. 8.15 bis 9.00 Uhr: Patienten lagern, zum WC begleiten oder entsprechend mit Urinflasche oder Steckbecken versorgen. Patienten, die „nur“ Unterstützung brauchen, beim Waschen helfen, Betten machen, weitere Untersuchungen vorbereiten oder anmelden 9.00 Uhr bis 9.30 Uhr: Frühstückspause für das Pflegepersonal
9.30 bis 11.30 Uhr: Bei allen Patienten, mit sämtlichen Pflegestufen, grundpflegerische und be-handlungspflegerische Versorgung durchführen und die Infusionsprogramme laufen lassen. Dabei auch die Betten frisch beziehen und die Zimmerordnung halten oder herstellen. Je nach Be-
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darf Patienten zu Untersuchungen bringen oder auf diese vorbereiten. Zwischendrin mit dem Stationsarzt und dem Chefarzt auf Visite gehen, die Visite ausarbeiten und entsprechende Anordnungen umsetzen und ausführen. Dazwischen müssen die Neuzugänge stationär aufgenommen und Entlassungen oder Verlegungen vorgenommen werden.
11.30 bis 12.00 Uhr: Die Mittagsmedikation richten und mit dem Mittagessen zusammen verteilen.
12.00 bis 12.30 Uhr: Gegebenenfalls Patienten bei der Nahrungsaufnahme helfen, das Essen für den nächsten Tag bestellen, Essenstabletts wieder abräumen und Zimmerordnung herstellen. 12.30 bis 13.00 Uhr: Dokumentation und Schreiben der Berichte, Ausarbeiten der ärztlichen Anordnungen
13.00 bis 13.45 Uhr: Große Übergabe der Frühschicht an den Spätdienst mit Übergabe im Stationszimmer und an den Patientenbetten. 13.45 Uhr: Liegengebliebene Arbeiten durchführen oder beenden 14.15 Uhr: Schichtende und Feierabend für den Frühdienst
Bei allen Tätigkeiten und zu jeder Zeit muss auf die Patientenklingel geachtet und entsprechend die Nöte und Bedürfnisse der Patienten versorgt werden. Ebenso werden alle eingehenden Telefonate entgegengenommen und behandelt oder Notfallszenarien bewältigt. Des Weiteren fallen etliche hauswirtschaftliche und administrative Tätigkeiten an, die hier nicht aufgezählt sind, aber dennoch vom Pflegepersonal durchgeführt werden. Hier sind beispielsweise die Medikamenten-und Materialbestellung, das Reinigen von Pflegeutensilien und Hilfsmitteln zum Einhalten der Hygienerichtlinien oder das Einstufen der Patienten in die PPR und das kodieren der DRG und ICD zu nennen.
Diese Darstellung zeigt einen typischen Alltag einer Pflegekraft auf Station in einem deutschen Krankenhaus. Ihr stehen die offiziellen Definitionen des Begriffes „Pflege“ gegenüber. Wenn man beides betrachtet, wird man sich schnell bewusst, dass zwischen Definition und Alltag ein nicht geringer Unterschied besteht. Es stellt sich die Frage, ob die Pflege ihrem eigentlichen Aufgabenspektrum gerecht werden kann, oder ob sich die Rahmenbedingungen für die Ausübung des Pflegeberufes in Deutschland ändern müssen.
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Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der
2.2 Verschiedene Definitionen von Pflege
In den folgenden Abschnitten werden die international anerkannten Definitionen für Pflege nach ICN und WHO vorgestellt. In diesen Definitionen wird nicht nur der Begriff der Pflege dargestellt, sondern auch das Handlungsfeld der professionellen Pflege beschrieben und erläutert.
2.2.1 Pflegedefinition nach ICN
Der Weltbund der professionellen Pflege (International Council of Nurses - ICN) definiert, nach der deutschen Übersetzung von DBfK, ÖGKV und SBK, Pflege folgendermaßen: „Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen. Pflege schließt die Förderung der Ge-sundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse, Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.“
(Original unter http://www.icn.ch/definition.htm, abgerufen am 25.02.2008)
2.2.2 Pflegedefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
„Der gesellschaftliche Auftrag der Pflege ist es, dem einzelnen Menschen, der Familie und ganzen Gruppen dabei zu helfen, ihr physisches, psychisches und soziales Potential zu bestimmen und zu verwirklichen, und zwar in dem für die Arbeit anspruchsvollen Kontext ihrer Lebens und Arbeitsumwelt. Deshalb müssen die Pflegenden Funktionen aufbauen und erfüllen, welche die Gesundheit fördern, erhalten und Krankheit verhindern. Zur Pflege gehört auch die Planung und Betreuung bei Krankheit und während der Rehabilitation, und sie umfasst zudem die physischen, psychischen und sozialen Aspekte des Le-
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Ronny Weiß, 2008, Kritische Betrachtungsweise des Aufgabenspektrums in der Pflege aus der pflegewissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Sichtweise, München, GRIN Verlag GmbH
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