Albert Renger-Patzsch. Programmatik -
Umsetzung - Werk
von Adrian Flasche
Inhaltsangabe
I) Einleitung
II) Programmatik
· Möglichkeiten der Fotografie
· Anspruch
· Grenzen der Fotografie
III) Umsetzung und Werk
· Umsetzung
· Die Wirkung des Ausschnitts
· Werk
· Kritik an ARP
IV) Fazit
V) Literaturlist
I) Einleitung
Albert Renger-Patzsch gilt fotohistorisch als der eigentliche Vertreter der "neusachlich"-realistischen Fotografie im Deutschland der 20er Jahre (weitere neusachliche Fotografen sind Karl Blossfeldt, Hans Fisler, August Sander und Helmar Lerski). In folgender Hausarbeit soll Renger-Patzsch′ fotografische Programmatik näher betrachtet werden, denn er hat sich mehrfach dazu schriftlich geäußert. Dabei soll beantwortet werden, ob seine Programmatik mit der Neuen Sachlichkeit identisch ist, oder ob es möglicherweise Unterschiede gibt. Was will Renger-Patzsch mit seinem Stil zu fotografieren bezwecken und zeigen? In welcher Tradition steht sein Ansatz - oder bricht er vielmehr mit bisherigen Fotostilen?
Darüber hinaus soll untersucht werden, wie Renger-Patzsch seine Programmatik umgesetzt hat und welche Werke aus dieser Programmatik heraus entstanden sind. Ist seine Umsetzung programmtreu, ist es diesem Fotografen gelungen, seinen programmatischen, also theoretischen Anspruch in die Praxis seiner Fotografien umzusetzen? Oder gibt es möglicherweise Differenzen und Inkonsequenzen zwischen philosophischem Anspruch und fotografischer Praxis?
II. Programmatik
Albert Renger-Patzsch (ARP) hat seine programmatischen Aussagen hauptsächlich in folgenden zwei Essays festgelegt: in dem 1927 erschienenen Aufsatz "Ziele" sowie in der 1937 veröffentlichten Schrift "Meister der Kamera erzählen". Darüber hinaus existiert eine weitere, späte Abhandlung aus dem Jahre 1966 mit dem Titel "Ein Vortrag, der nicht gehalten wurde". Im Folgenden wird überwiegend auf diese drei Essays Bezug genommen.
Da ARP ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit ist, wendet er sich gegen das Konstruieren und Montieren, wie es beim Bauhaus geschieht, ebenso wie gegen alle Formen des Piktoralismus sowie des Surrealismus. Damit steht er konträr zu seinen zeitgenössischen Kollegen Man Ray und Moholy-Nagy: ARP geht es gerade nicht um fotografische Effekte, sondern um Effektvermeidung, um einen "schnörkellosen Verismus" (Ronte, in: Wilde/Weski (Hrsg.), München 1997, S.7), der die Wirklichkeit schonungslos darstellen soll. Hiermit grenzt er seine Fotografie resolut sowohl von der Malerei als auch vom Piktoralismus ab. Fotografie ist bei ARP das visuell geleitete Erkenntnisinteresse, eine quasi ′wissenschaftliche′ Fotografie mit dem Anspruch der Dokumentation.
Fotografie kann für ihn nur mündig sein, wenn sie sich von der Malerei und allem Künstlerischen löst und mit den ihr eigenen Mitteln, die ihr ihre Technik ermöglicht, abbildet: "Das Geheimnis einer guten Photographie ... beruht in ihrem Realismus." (aus: "Ziele" (1927). Renger-Patzsch, in: Weski/Wilde (Hrsg.), München 1997, S.165). In diesem Zusammenhang spricht ARP auch von einer "fotografischen Fotografie", deren Aufgabe die "Wiedergabe der Wirklichkeit" sein soll, und zwar mit den ausschließlichen "Mitteln der Fotografie." Wichtig ist dabei, daß der Fotograf keinen künstlerischen Anspruch mehr erhebt, sondern eine entschieden nicht-künstlerische Haltung einnimmt, indem er eine Annäherung an die Wirklichkeit mit einer "dienenden" und "objektiven" Darstellung versucht. (vgl. Janzen, in: Weski/Wilde (Hrsg.), München 1997, S.9) Dokumentation und Abbildung anstatt Kunstwollen ist bei ARP das Ziel seiner Fotografie.
Möglichkeiten der Fotografie
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Kulturwissenschaftler M.A. Adrian Flasche, 1999, Albert Renger-Patzsch. Programmatik - Umsetzung - Werk, Munich, GRIN Publishing GmbH
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