„Beeindruckt von der hohen Bereitschaft vieler Menschen, sogar Morde [Milgram bezog sich hier vor allem auf die Verfolgung und Tötung der Juden im 2. Weltkrieg] auszuführen,
wenn der entsprechende Befehl einer herrschenden Autorität vorliegt, fragte sich Stanley Milgram, ob sich ein solcher Gehorsam auch unter experimentellen Bedingungen
herbeiführen lasse.“ (Mietzel 1996, S. 313)
Milgram konnte nicht verstehen, wie scheinbar normale und harmlose Menschen plötzlich in der Lage sein konnten, unschuldige Menschen, auch Frauen und Kinder aufs brutalste zu verfolgen und zu töten, nur weil es ihnen von einer scheinbaren Autorität befohlen wurde.
Die Idee für sein Experiment hatte Milgram 1960 als Student an der Princeton University, New Jersey, nachdem sein dortiger Mentor, Solomon Asch, mit einem Experiment, das erst später berühmt wurde, den enormen Druck nachwies, den eine Gruppe auf einen einzelnen auslösen kann. Aschs Versuchspersonen gaben bei einer Schätzaufgabe bewusst ein falsches Urteil ab, nur um sich gruppenkonform zu verhalten.
Milgram wollte daraufhin den Einfluss des Gruppendrucks in einer weniger harmlosen Situation testen. Würde sich eine Versuchsperson dazu bringen lassen, einem anderen Menschen grundlos Schmerzen zuzufügen? „Bei Vorversuchen wollte Milgram feststellen, wie weit die Versuchspersonen ohne Gruppendruck gehen würden. Dabei stellte sich heraus, dass die Gruppe gar nicht nötig war: Eine einzige Person reichte aus.“
(www. stjohannesglind, 2005)
In diesem Zusammenhang setze ich mich mit folgenden Schwerpunkten aus einander:
• (Wie) Hat sich Milgrams Experiment auf die Versuchsteilnehmer ausgewirkt?
• Ethische Probleme und Kritikpunkte am Experiment von Stanley Milgram
• Wäre ein derart umstrittenes Experiment noch heute durchführbar?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Durchführung des Experimentes von Stanley Milgram von 1961
2.2. Ergebnisse des Experimentes von Stanley Milgram von 1961
2.3. Wie erklärte sich Milgram die Ergebnisse seines Experimentes von 1961?
2.4. Hat sich Milgrams Experiment auf die Versuchsteilnehmer ausgewirkt?
2.4.1. „Individuen in Konfrontation mit Autorität“
2.4.2. Eine Befragung ehemaliger Versuchspersonen, 40 Jahre später
2.5. Ethik und Kritiken am Milgram Experiment
2.6. Wäre ein solches Experiment noch heute durchführbar?
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Milgram-Experiment zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autoritäten, um zu verstehen, warum scheinbar normale Menschen unter experimentellem Druck bereit sind, anderen Leid zuzufügen.
- Die experimentelle Methodik nach Stanley Milgram (1961)
- Die psychologischen Ursachen für Gehorsam gegenüber Autorität
- Die langfristigen Auswirkungen auf die Versuchsteilnehmer
- Ethische Kritikpunkte und die wissenschaftliche Rechtfertigung des Experiments
- Die heutige Relevanz und Durchführbarkeit solcher Studien
Auszug aus dem Buch
2. 2. Ergebnisse des Experimentes von Stanley Milgram von 1961
26 der 40 Versuchspersonen von 1961 gehorsam bis zum Schluss, d.h. sie verabreichten Elektroschocks bis 450 Volt.
Doch dies taten die „Lehrer“ nicht ganz freiwillig: Beobachter berichteten, so Milgram, der Konflikt des „Lehrers“ war zu erkennen. Einerseits wollten sie das Experiment abbrechen; sie hörten, wie sehr sich der „Schüler“ quälte; er bat schon bei 150 Volt das Experiment abzubrechen, bei 285 Volt schrie er nur noch, später reagierte der „Schüler“ gar nicht mehr. Ob er noch lebte, das wusste der „Lehrer“ nicht. Doch der „Versuchsleiter“, eine legitimierte Autorität, blieb hart. Jedes Mal, wenn die Versuchsperson zögerte, befahl er fortzufahren. Dies erfolgte nach einem festen Prinzip: war zu erkennen, dass die Versuchsperson nicht weitermachen wollte, sagte der Versuchsleiter mit Bestimmtheit: „Bitte, fahren Sie fort!“ (Milgram 1997, S. 38). Hatte er damit keinen Erfolg, sagte er folgendes: „Das Experiment erfordert, dass sie weitermachen!“; „Sie müssen unbedingt weitermachen!“; „Sie haben keine Wahl, Sie müssen weitermachen!“ (Milgram 1997, S. 38). Diese Aussagen benutzte der „Versuchsleiter“ stets in dieser Reihenfolge, wenn die Gefahr bestand, dass der „Lehrer“ das Experiment abbricht. Bei jedem Mal begann er mit der ersten Aussage. Erst wenn all diese „Anspornsequenzen“ ohne Wirkung auf die Versuchsperson blieben, wurde das Experiment abgebrochen.
Dies verdeutlicht, wie groß der Druck war, der auf die Versuchspersonen ausgeübt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Motivation Milgrams, der untersuchen wollte, inwieweit Befehle von Autoritätspersonen normales Handeln beeinflussen können.
2. Hauptteil: Der Hauptteil beschreibt die methodische Durchführung des Experiments, analysiert die erschreckenden Ergebnisse und diskutiert ethische Bedenken sowie spätere Folgeuntersuchungen.
2.1. Durchführung des Experimentes von Stanley Milgram von 1961: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau der Versuchsanordnung, bei der Probanden als „Lehrer“ agierten und unter Anweisung Schocks verabreichten.
2.2. Ergebnisse des Experimentes von Stanley Milgram von 1961: Es wird dargelegt, dass 26 von 40 Teilnehmern bis zur maximalen Schockstärke gehorchten, trotz sichtbaren psychischen Konflikts.
2.3. Wie erklärte sich Milgram die Ergebnisse seines Experimentes von 1961?: Milgram führt den Gehorsam auf das Gefühl der Teilnehmer zurück, als bloßes Werkzeug zu agieren und die Verantwortung an die Autorität abzugeben.
2.4. Hat sich Milgrams Experiment auf die Versuchsteilnehmer ausgewirkt?: Hier wird untersucht, welche Gefühle und Gedanken die Teilnehmer nach dem Experiment hatten und ob es langfristige Folgen gab.
2.4.1. „Individuen in Konfrontation mit Autorität“: Dieses Kapitel beleuchtet durch Befragungen die individuelle psychische Verfassung der Teilnehmer in Bezug auf ihren Gehorsam.
2.4.2. Eine Befragung ehemaliger Versuchspersonen, 40 Jahre später: Anhand von Lauren Slaters Recherchen wird analysiert, wie sich die Teilnahme über Jahrzehnte hinweg auf das Leben der Probanden auswirkte.
2.5. Ethik und Kritiken am Milgram Experiment: Es werden die massiven ethischen Vorwürfe hinsichtlich der psychischen Belastung der Probanden gegen Milgrams eigene Rechtfertigung abgewogen.
2.6. Wäre ein solches Experiment noch heute durchführbar?: Durch den Vergleich mit modernen Folgestudien wird erörtert, ob die Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autoritäten zeitunabhängig ist.
3. Fazit: Das Fazit resümiert die zeitlose Aktualität des Milgram-Experiments und das anhaltende Dilemma zwischen Gewissensentscheidungen und dem Gehorsam gegenüber Autoritäten.
Schlüsselwörter
Gehorsam, Autorität, Milgram-Experiment, Sozialpsychologie, Bestrafung, Schockgenerator, Verantwortung, Gruppendruck, Ethik, Menschenwürde, Lernverhalten, Konflikt, Versuchsleiter, psychische Belastung, Standfestigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das berühmte psychologische Experiment von Stanley Milgram aus dem Jahr 1961, welches die Bereitschaft von Menschen analysiert, einer Autoritätsperson zu gehorchen, selbst wenn dies die Zufügung von Schmerzen für andere bedeutet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Methodik des Versuchs, die psychologischen Erklärungsmodelle für Gehorsam, die ethische Kontroverse um die Belastung der Probanden sowie die Frage nach der zeitlichen Beständigkeit dieses Verhaltens.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt die Frage, wie weit ein Mensch in einer Situation, in der ihm befohlen wird, einem Opfer zunehmende Qualen zuzufügen, einer Autorität gehorcht und wann dieser Gehorsam verweigert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Studien und Publikationen, insbesondere von Stanley Milgram selbst, ergänzt durch neuere Langzeitbefragungen wie die von Lauren Slater.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung des Versuchsaufbaus, die Auswertung der Ergebnisse, die Analyse der Ursachen für das Verhalten sowie eine kritische Auseinandersetzung mit ethischen Standards in der Sozialpsychologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gehorsam, Autorität, soziale Konformität, psychische Belastung der Probanden und die Banalität des Bösen.
Warum konnte Milgram die Verantwortung der Probanden als „abgegeben“ bezeichnen?
Milgram argumentierte, dass die Teilnehmer in eine sogenannte „Agentur-Haltung“ verfielen, in der sie sich nur noch als Werkzeuge des Versuchsleiters sahen und die moralische Verantwortung für ihr Handeln auf diesen projizierten.
Welche Rolle spielt die ethische Kritik bei der Beurteilung des Experiments?
Die ethische Kritik ist zentral, da viele Experten das Ausmaß des psychischen Stresses für die Teilnehmer als unvertretbar ansahen, während Milgram die hohe Bereitschaft der Probanden, später an ähnlichen Studien teilzunehmen, als Entlastungsargument nutzte.
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- Franziska Misch (Author), 2006, Stanley Milgrams Experiment, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114537