Danksagung
Vor allem bedanke ich mich bei Frau Prof. Dr. Seiffge-Krenke für ihr Engagement und ihre außerordentlich anregende und hilfreiche Betreuung meiner Diplomarbeit. Ich danke auch Jörg von Irmer für seine Beratung in statistischen Fragen.
Ich danke meiner Familie für ihre beruhigende, humorvolle und unbedingte Unterstützung in den verschiedenen Phasen meines Schreibens. Meinen Freunden und Kommilitonen danke ich für die Hilfe bei der Verbreitung der Fragbögen sowie für die Ablenkung und Aufmunterung in der Freizeit. Vielen Dank an Uta und Aniya, die die Aufgabe übernommen haben, die Arbeit auf Rechtschreibung zu prüfen. Ein besonderer Dank geht an Jesper, der mir Rückhalt und Selbstvertrauen gab, mich zu jeder Zeit in meinem Vorhaben unterstützte und bestärkte und mich durch mein gesamtes Studium begleitet hat.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Theoretischer Hintergrund 3
2.1 Der Vater, geschichtlich-religiöser Mythos und Protagonist der modernen
Forschung 3
2.1.1 „Väterbilder“ und „Väterrollen“ in Geschichte, Religion und Psychologie 3
2.1.2 Die Phasen der Vaterforschung 5
2.1.3 Soziokulturelle Entwicklungen und ihr Einfluss auf die Vaterrolle - Konzepte
von Vaterschaft heute 6
2.1.4 Die Vaterforschung in den letzten Jahren - ein Überblick über den
gegenw ärtigen Forschungsstand 8
2.2 Der distinkte Beitrag der Väter für die Entwicklung ihrer Kinder 10
2.2.1 Bindung und Exploration 10
2.2.2 Die Interaktionen von Vätern und Kindern im Spiel 12
2.2.3 Die Betonung des Geschlechts des Kindes durch den Vater 12
2.2.4 Moralische und kognitive Entwicklung der Kinder 13
2.2.5 Der Vater als Ratgeber und Repräsentant der Außenwelt 14
2.2.6 Autonomieunterstützung und Identitätsfindung 15
2.3 Aspekte der Familienentwicklung und Merkmale verschiedener
Lebensphasen im Generationsvergleich 16
2.3.1 Soziokulturelle Entwicklungen und ihr Einfluss auf die
Generationsbeziehungen 16
2.3.2 Das frühe Erwachsenenalter 18
2.3.2.1 Entwicklungsaufgaben des frühen Erwachsenenalters 18
2.3.2.2 „Emerging Adulthood“ - eine Lebensphase zwischen Jugend und
fr ühem Erwachsenenalter? 21
2.3.2.3 Familien mit Kindern im frühen Erwachsenenalter 24
2.3.3 Das mittlere Erwachsenenalter 25
2.3.3.1 Aufgaben und Krisen des mittleren Erwachsenenalters 26
2.3.3.2 Leeres Nest - Krise oder Neuanfang für die Väter? 27
II
2.3.4 Zwei Einschätzungen einer Beziehung: Divergierende Sichtweisen von Eltern
2.4 Forschungsergebnisse zur Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter 35
2.4.1 Wie wichtig sind Väter für das Wohlbefinden junger erwachsener Kinder
- und umgekehrt? 35
2.4.2 Untersuchungsergebnisse zur Beziehungsgestaltung von Eltern und erwachsenen Kindern 38
2.4.3 Die Beziehung von Vätern und erwachsenen Kindern aus Scheidungsfamilien 46
2.4.4 Väter und Söhne, Väter und Töchter - zwei Beziehungen im Vergleich 49
2.5 Fragestellung und Hypothesen 53
3. Methode 55
3.1 Die Stichprobe 55
3.1.1 Selektionskriterien für die Stichprobe 55
3.1.2 Beschreibung der Stichprobe 55
3.2 Die Erhebungsverfahren 62
3.2.1 Die Voruntersuchung 62
3.2.2 Die Konstruktion des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens 63
3.2.3 IDEA: Inventory of the Dimensions of Emerging Adulthood 65
3.2.3.1 Die Skalenreliabilitäten des IDEA in der vorliegenden Stichprobe 66
3.3 Das Vorgehen bei der Datenerhebung 67
3.4 Angewandte statistische Verfahren 68
3.5 Hilfsmittel bei der statistischen Auswertung 70
4. Untersuchungsergebnisse 71
4.1 Ergebnisse der Faktorenanalysen 71
4.2 Erreichte Mittelwerte der Väter und Kinder auf den Vater-Kind-Beziehungsskalen 77
4.2.1 Die Skala 1: Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion 78
III
4.2.2 Die Skala 2: Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen 79
4.2.3 Die Skala 3: Autonomieunterstützung und Akzeptanz 80
4.2.4 Die Skala 4: Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung 80
4.2.5 Die Skala 5: Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung 81
4.2.6 Die Skala 6: Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung 82
4.3 Zusammenhänge zwischen den Skalen des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens 84
4.4 Ergebnisse zur Beziehungs- und Kontaktgestaltung zwischen den Vätern und den Kindern 86
4.5 Unterschiede in der Vater-Kind-Beziehung vor dem Hintergrund der Lebenssituation der Kinder und der Kontaktgestaltung zwischen ihnen und ihren Vätern 94
4.6 „Young adults“ und „emerging adults“ - andere Lebensphase, andere Vater-Kind-Beziehung? 96
4.7 Ergebnisse zur „Intergenerational Stake Hypothese“ 102
4.8 Väter und Söhne, Väter und Töchter 108
4.9 Der Einfluss einer Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter 109
5. Diskussion 114
5.1 Diskussion der Ergebnisse 114
5.1.1 Die Stichprobe 114
5.1.2 Die distinkten Funktionen der Väter - Ergebnisse der Kinder und ihrer Väter auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen 115
5.1.3 Die Vergleichskindergruppe ohne teilnehmende Väter 118
5.1.4 Die Kontakt- und Beziehungsgestaltung der Väter und Kinder 119
5.1.5 Das Konzept der „Emerging Adulthood“ 121
5.1.6 Die „Intergenerational Stake Hypothese“ am Beispiel der Väter und ihrer Kinder 123
5.1.7 Der Einfluss einer Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung 125
IV
5.1.8 Väter und Söhne, Väter und Töchter 126
5.1.9 Abschließende Bemerkung zu den dargestellten Ergebnissen 127
5.2 Methodenkritische Überlegungen 128
5.3 Forschungsausblick 129
6. Zusammenfassung 131
7. Literaturverzeichnis 132
Anhang
V
1. Einleitung
Die Vaterforschung ist eine vergleichsweise junge Forschungsrichtung, die sich erst seit etwa Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts etablieren konnte. Lange Zeit wurde vor allem die Rolle der Mutter für die Entwicklung des Kindes sowie die Bindung der Kinder zu ihren Müttern untersucht. Den Vätern wurde hingegen wenig Beachtung geschenkt. Inzwischen können die bedeutende Rolle des Vaters und seine distinkten Funktionen für die kindliche Entwicklung vor allem im Kleinkindalter bis hin in die Adoleszenz in der Forschung als belegt gelten. Allerdings, trotz eines erheblichen Anstiegs im Bereich der Vaterforschung, findet man nur wenige Forschungsarbeiten, die sich explizit mit der „normalen“ Beziehung von Vätern und ihren jungen erwachsenen Kindern befassen. Die vorliegende Arbeit versucht eine Antwort auf dieses Forschungsdefizit zu geben.
Ähnlich wie in der Vaterforschung entwickelte sich erst Ende des 20. Jahrhunderts ein intensiveres Interesse an der Gestaltung von Generationsbeziehungen im Erwachsenenalter. Seit den 80er Jahren steigt das Interesse an der Beziehung von Eltern und Kindern in dieser Lebensphase, was auch vor dem Hintergrund kultureller Entwicklungen zu verstehen ist. Gerade in Industrienationen ist die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten Jahren stark gestiegen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes ist die Lebenserwartung eines weiblichen Neugeborenen allein innerhalb von 6 Jahren von 80,8 Jahren (laut Sterbetafel 1998/2000) auf 81,5 Jahre (laut Sterbetafel 2002/2004), bei männlichen von 74,8 Jahren auf 75,9 Jahre gestiegen. In manchen Familien leben noch drei oder vier Generationen gleichzeitig - von den Urenkeln bis zu den Urgroßeltern - und die gemeinsam verbrachte Lebenszeit der Eltern mit ihren Kindern ist so lang wie nie zuvor. Infolgedessen ist die verstärkte Forschung in diesem Gebiet weiterhin erstrebenswert, um das Miteinander der Generationen besser verstehen zu können. Entsprechend findet man einen Zuwachs an Forschungsarbeiten über die Beziehung von Eltern im mittleren Erwachsenenalter und ihren jungen erwachsenen Kindern. Aspekte wie gegenseitige Unterstützung, Nähe, Kontakthäufigkeit, Konflikt und Zufriedenheit mit der Beziehung werden hier untersucht. Resultierend aus den vorhergehenden Überlegungen ist es daher das Ziel dieser Arbeit, mehr über die Ausgestaltung der Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter zu erfahren und auf diese Weise auch an die verstärkte Erforschung der Generationsbeziehungen anzuschließen. Es werden Väter und junge erwachsene Kinder mit Hilfe eines
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dafür konstruierten Fragebogens hinsichtlich ihrer Beziehung getrennt voneinander befragt. Unter Berücksichtigung aktueller soziokultureller Entwicklungen und Konzepte sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit klassischen Modellen zur Familienentwicklung werden Faktoren analysiert, die für die Beschaffenheit der Vater-Kind-Beziehung von Bedeutung sind. Dabei wird vor allem die gegenwärtige Lebensphase der Kinder in den Fokus gerückt.
Des Weiteren sollen Zusammenhänge zwischen soziodemographischen Daten und familiären Umständen wie beispielsweise der Scheidung der Eltern oder das Gründen einer eigenen Familie und verschiedenen Beziehungsvariablen der Vater-Kind-Beziehung untersucht werden.
Nicht zuletzt ist es ein zentrales Ziel dieser Arbeit, Aufschluss darüber zu geben, inwiefern die in der Forschung diskutierten distinkten Funktionen von Vätern für ihre Kinder auch für die Beziehung zwischen ihnen und ihren jungen erwachsenen Kindern Gültigkeit besitzen.
In Kapitel 2 wird zunächst ein Überblick über Väterbilder und -konzepte sowie über ihre Entwicklung in der Vaterforschung gegeben. Weiterhin werden die distinkten Funktionen der Väter für die Entwicklung ihrer Kinder erläutert und damit die Bedeutung der Väter für ihre Kinder aufgezeigt.
In einem nächsten Abschnitt des zweiten Kapitels werden die Lebensphasen, in der sich die jungen erwachsenen Kinder und ihre Väter befinden, hinsichtlich ihrer Aufgaben, Krisen und Veränderungen analysiert. Zudem wird auf Untersuchungen zur unterschiedlichen Wahrnehmung der Beziehung aus der Sicht zweier Generationen („Intergenerational-Stake-Hypothese“) eingegangen.
Der sich anschließende Abschnitt widmet sich der Darstellung von Forschungsergebnissen zur Beziehung zwischen Vätern und ihren erwachsenen Kindern. Diesem Abschnitt schließen sich die die Fragestellung und Hypothesen dieser Arbeit an. Kapitel 3 beschreibt die vorliegende Stichprobe und gibt Aufschluss über die methodische Vorgehensweise dieser Untersuchung.
Die unter 4. dargestellten Ergebnisse zur Beziehung zwischen Vätern und ihren jungen erwachsenen Kindern werden im letzten Kapitel auch im Hinblick auf mögliche weitere Forschungstätigkeiten kritisch diskutiert. Eine Zusammenfassung findet sich am Ende der vorliegenden Arbeit
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2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Der Vater, geschichtlich-religiöser Mythos und Protagonist der
modernen Forschung
Zu Beginn der theoretischen Betrachtung werden Väterbilder und - rollen in Geschichte sowie Religion und Psychologie erläutert. Weiterhin werden die Entwicklungen in der Vaterforschung bis in das 21. Jahrhundert erörtert und kulturelle Faktoren für Veränderungen im Vaterbild analysiert. Den Abschluss bildet ein Überblick über den gegenwärtigen Forschungstand.
2.1.1 „Väterbilder“ und „Väterrollen“ in Geschichte, Religion und Psychologie
Väterbilder finden sich vielfach und facettenreich in verschiedensten Bereichen. In der Religion fungiert der Gott des ersten Testaments als strafender und unbarmherziger Vater, der Gott des zweiten Testaments dagegen ist liebend und barmherzig. Abraham vereint gute und böse Seiten des Vaters, er ist der, der Sorge trägt und liebt, aber auch der, der bereit gewesen wäre, seinen eigenen Sohn Isaak zu opfern (Abramovitch, 1997). Das Bild des abwesenden Vaters zeigt sich in der Szene, in der Jesus am Kreuz um die Hilfe seines virtuellen Vaters, dem Gott-Vater, bittet und dieser ihn in der Stunde seines Sterbens nicht von seinem Leid befreit (Abramovitch, 1997). Das Sinnbild des abwesenden, distanzierten Vaters und seiner Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung, betrachtet aus verschiedenen Perspektiven, findet sich nicht nur in der Religion, sondern vielmehr auch im Fokus psychologischer Ansätze und Forschung wieder (z.B. Franz, Lieberz, Schmitz & Schepank, 1999; Parke, 1996, Petri, 2002; Pleck & Pleck, 1997; Seiffge-Krenke, 2002, 2003; Thomas, 1980; Werneck, 1998). In der frühen Psychoanalyse beispielsweise wird die Vaterfigur als distanziert und peripher beschrieben. Seiner Funktion wird erst während der ödipalen Phase Bedeutung beigemessen, indem er den Trennungsprozess von Mutter und Kind fördert. Er wird damit einerseits zur Quelle von Frustration, andererseits ebnet er den Weg für eine gelungene Kindesentwicklung, indem er eine zu enge Beziehung zwischen Mutter und Kind unterbindet (Shulman & Seiffge-Krenke, 1997).
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Aus entwicklungspsychologischer Sicht stellte der Vater lange Zeit lediglich eine zusätzliche Bindungsfigur dar, die Mutter blieb jedoch immer die wichtigste Bindungsperson für das Kind (Bowlby, 1969).
Betrachtet man die Vaterrolle im geschichtlichen Kontext, so hat sich diese im Zuge gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen seit dem 18. Jahrhundert stark verändert. Noch Anfang des 18. Jahrhunderts prägte Ignoranz das Verhalten der Väter vor allem gegenüber ihren Kleinkindern (Seiffge-Krenke, 2004), möglicherweise aufgrund der hohen Kindersterblichkeit im frühen Kindesalter. Gleichzeitig aber bot der Vater als Familienoberhaupt Schutz und Sicherheit für die Familie (Seiffge-Krenke, 2004). Die Rolle des Vaters zu dieser Zeit wird häufig als Patriarchat beschrieben. Frauen und Kinder unterwarfen sich der Autorität des Mannes (Fthenakis, 1999). Ab etwa 1830 veränderte sich die Rolle des Vaters. War er vorher durch fehlende Trennung von Familie und Arbeitsplatz aufgrund der in dieser Zeit dominierenden landwirtschaftlichen Familienhöfe stärker in das Familienleben eingebunden, wurde er immer mehr zum so genannten „distant breadwinner“ (Pleck & Pleck, 1997). Es deutete sich nach und nach eine geschlechterspezifische Aufgabenteilung an, in der vor allem in der Mittelschicht die Mütter für die Belange der Kinder aufkamen, während dem Vater die Rolle des Ernährers an einem außerhäusigen Arbeitsplatz zugetragen wurde. Seine Autorität bestand zu dieser Zeit vorwiegend in materieller Hinsicht (Fthenakis, 1999). Ende des 19. Jahrhunderts wurde vermehrt der Ruf nach väterlichem Engagement und „involvement“ innerhalb der Familie laut (Fthenakis, 1999). Pleck und Pleck (1997) benennen für diese Phase das Bild des „Dads“, der mit den Kindern Ausflüge und andere Aktivitäten unternimmt und das familiäre Zusammenleben damit trägt und fördert. Ein Idealbild, welches dem von heute überraschend ähnlich zu sein scheint. An diese Überlegung schließt sich LaRossa (1997) an, der in seinem Buch „The Modernization of Fatherhood“ darauf hinweist, dass Merkmale, die heute mit Vaterschaft in Verbindung gesetzt werden, bereits zu einem früheren Zeitpunkt der Geschichte zu finden sind. Zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges kam dem Vater wieder verstärkt die Rolle des Beschützers und Versorgers sowie die Funktion als Disziplinierungsperson zu (Fthenakis, 1999).
Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Forderungen an Vaterschaft ähneln einerseits dem von Pleck und Pleck (1997) beschriebenen Bild von Vaterschaft Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, andererseits stellen sie aber auch eine wesentliche Veränderung im Vaterbild dar. Die so genannten „Neuen Väter“ sind auf den ersten Blicks den „Dads“ ähnlich, bekommen aber darüber hinaus eine Position als „Co-Parent“ eingeräumt, womit
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eine gleichberechtigte Stellung und Bedeutung innerhalb der Kindererziehung über das erhöhte Engagement hinaus gemeint ist (Pleck & Pleck, 1997). Die „Neuen Väter“ als Vaterideal von heute sind aktiv, ansprechbar und involviert in das Alltags- und Gefühlsleben ihrer Kinder sowie ihrer Partnerin, und plädieren für eine egalitäre Aufgabenteilung in der Familie (Fthenakis, 1999; Seiffge-Krenke, 2004; Werneck, 1998). Was aber ist tatsächlich dran an den so genannten „Neuen Vätern“, auf deren Suche sich Werneck (1998) in Bezug auf den Übergang zur Elternschaft in Form einer Längsschnittstudie begab? Von den vor der Geburt ausgemachten „neuen Vätern“, die 13% der Gesamtgruppe der Väter ausmachten, waren drei Monate nach der Geburt des Kindes lediglich die Hälfte - nämlich 7% der Gesamtgruppe - übrig. Seiffge-Krenke (2004) zieht folglich das Fazit, dass sich das Idealbild der „Neuen Väter“ zumindest in Familien im frühen Stadium nicht bestätigen lässt.
Wie aber stellt sich die Rolle des Vaters erwachsener Kinder - dessen Generation altersgemäß weit vor der der vermeintlich „Neuen Väter“ angesiedelt ist - heute dar? Was wird von ihm erwartet, und wie zufrieden sind die erwachsenen Kinder mit seiner Rolle in ihrem Leben? Wie lässt sich die „verantwortungsvolle Vaterschaft“ (responsible fathering), um im Sprachgebrauch von Doherty, Kouneski und Erickson (1998) zu bleiben, in dieser Lebensspanne beschreiben? Das Bild des „good enough fathers“, welches Abramovitch (1997) zusammenfassend beschreibt, bietet sich möglicherweise als Annäherung zur Beschreibung eines „idealen“ Vaters an, der auch die Bedürfnisse der Kinder im Erwachsenenalter bedient. Danach ist der „ausreichend gute“ Vater nah, aber nicht zu nah, stark, aber nicht zu stark, beschützend, aber nicht einschränkend oder erdrückend.
2.1.2 Die Phasen der Vaterforschung
Auch innerhalb der Vaterforschung, die seit etwa Mitte der siebziger Jahre betrieben wird und in den letzten Jahren stetig zugenommen hat, vollzog sich ein Wandel, der in 3 Phasen eingeteilt werden kann (Seiffge-Krenke, 2001, 2002, 2003, 2004). In der ersten Phase der Vaterforschung wurden vor allem die Abwesenheit und der periphere Status des Vaters in den Vordergrund gestellt. Die Argumentation fußte dabei auf der geringeren Zeit, die Väter mit ihren Kindern verbringen, und unterstellte ihm geringere Involviertheit in familiären Angelegenheiten (Seiffge-Krenke, 2003). Die zweite Phase konzentrierte sich auf die Ähnlichkeit des Vaters mit der Mutter. Das Verhalten des Vaters wurde an dem der Mutter gemessen. Im Ergebnis entstand
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dadurch ein Defizitmodell über Vaterschaft, das sich, wie bereits beschrieben, auch dadurch ausdrückte, dass Vätern, wenn überhaupt, eine sekundäre Rolle für die Bindung des Kindes zugesprochen wurde (Seiffge-Krenke, 2002). Während also die ersten beiden Phasen das Bild von Vätern hinsichtlich ihres Einflusses auf die Kindesentwicklung als eher defizitär beschreiben, verfolgt die dritte Phase einen völlig anderen Ansatz. Hier steht nicht mehr der Vergleich mit der Mutter im Vordergrund, sondern gerade die Verschiedenheit wird betont und auf die wichtigen distinkten Funktionen von Vätern für die Entwicklung ihrer Kinder hingewiesen (Seiffge-Krenke, 2002). Allerdings standen hier zunächst vor allem die eher schädlichen Funktionen des Vaters im Vordergrund. (Seiffge-Krenke, 2002). Inzwischen findet man vermehrt Untersuchungen, die die wichtigen positiven und vor allem distinkten Funktionen von Vätern für ihre Kinder darstellen. Diese werden in Abschnitt 2.2 näher erläutert. Ergänzend zur Einteilung der Vaterforschung in drei Phasen, lässt sich die Einteilung von Werneck (1998) in vier Phasen darstellen. Vor allem Studien zur Vaterabwesenheit dominieren danach die erste Phase der Vaterforschung, während in Phase 2 entsprechend der Motivation, den Vater mit der Mutter zu vergleichen, vor allem Untersuchungen durchgeführt wurden, die methodisch an die der Mütter angelehnt waren. In Phase 3 und 4 entwickelte sich mehr und mehr ein Ansatz, der ausgehend von einer eher systemisch angelegten Orientierung die Einbeziehung gesellschaftlicher Entwicklungen und Bedingungen im Fokus hatte (Werneck, 1998; Fthenakis, 2001).
2.1.3 Soziokulturelle Entwicklungen und ihr Einfluss auf die Vaterrolle -Konzepte von Vaterschaft heute
Aus den vorhergehenden Abschnitten wurde deutlich, dass Erwartungen an die Vaterrolle einem starken Wandel unterliegen, der von sozialen und kulturellen Faktoren beeinflusst wird. Cabrera, Tamis-LeMonda, Bradley, Hoffert und Lamb (2000) diskutieren in ihrem Artikel „Fatherhood in the Twenty-First Century“ Hintergründe für die veränderten Rollenbilder von Vätern. Sie greifen dabei die weiter oben skizzierte Darstellung von Pleck und Pleck (1997) über die Entwicklung des Vaters vom Patriarchat zum „Co-Parent“ auf. Als Hintergrund für Veränderungen hinsichtlich der Vaterrolle nennen sie dominante Entwicklungen in den USA, die sich auch auf Deutschland übertragen lassen, wie beispielsweise die gestiegene Berufstätigkeit der Frauen, der
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Anstieg von Einelternfamilien und die damit gestiegene Abwesenheit der Väter in diesen Familien, bei gleichzeitig höherem Engagement derselben in intakten Familien. Cabrera et al. (2000) weisen auf die dadurch entstandene Verschiedenartigkeit von Familien sowie auf daraus resultierende unterschiedliche Erwartungen an die Väter hin. Möglicherweise ist es ähnlich wie LaRossa (1997) zu bedenken gibt, nämlich dass die Entstehung von moderner Vaterschaft nicht bedeutet, dass die „alten“ Vaterbilder nicht mehr existieren und gelebt werden. Es bestehen vielmehr mehrere Konzepte von Vaterschaft nebeneinander.
Dies hat interessante Implikationen für die Stichprobe der Väter dieser Untersuchung zur Folge. Die entsprechend älteren Väter der erwachsenen Kinder sind möglicherweise weniger als die jungen Väter heute vom Vaterideal der „Neuen Väter“ geprägt. Konform mit anderen bereits genannten Autoren geben Doherty et al. (1998) zu bedenken, dass Vaterschaft immer auch eine soziale Konstruktion der Gesellschaft ist, in der wir leben, und stark von unterschiedlichen, auch familiären, Kontextfaktoren abhängt, zum Beispiel in starkem Ausmaß von der ehelichen Zufriedenheit der Väter und Mütter (Cabrera et al., 2000; Parke, 1996; Parke & Brott, 1999). Auch der Einfluss von Arbeitszeiten der Mutter und des Vaters (Brayfield, 1995) sowie die Umstände und Erwartungen am Arbeitsplatz (Parke, 1999) spielen eine Rolle für die Gestaltung der Vaterschaft.
Bei der folgenden Darstellung von Vaterkonzepten der Gegenwart sollte daher nicht in Vergessenheit geraten, dass Idealbilder und Konzepte von Vaterschaft nicht mit den realen Gegebenheiten der heutigen Gesellschaft gleichzusetzen sind. Schließlich ist kultur- und gesellschaftsstrukturell bedingt eher von einer Vielfalt von Vaterrollen und Konzepten, als von einer einheitlichen Form der Vaterschaft auszugehen (Parke, 1996). Die Konzepte von Vaterschaft, die an dieser Stelle vorgestellt werden, bilden somit lediglich eine Auswahl der multiplen Ansätze in der Forschung und wurden im Hinblick auf die Fragestellung der Untersuchung ausgewählt. Fthenakis (1999) und Fthenakis und Minsel (2002) geben einen Überblick über bestehende Vaterschaftskonzepte. Sie verweisen dabei auf die Entwicklung innerhalb dieser Konzeptionen hin zu differenzierteren und umfassenderen Ansätzen (Fthenakis, 1999). Von besonderer Bedeutung ist laut Fthenakis (1999) das Konzept der „Generativität“. Vaterschaft wird hier entwicklungsbezogen und über Generationen hinweg betrachtet. Ein Fokus liegt dabei auf der sich weiterentwickelnden Beziehung von Vätern und ihren Kindern und dem Bestreben der Väter, die entwicklungsbedingten Bedürfnisse ihrer Kinder zu bedienen (Fthenakis, 1999).
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In einer Längsschnittstudie von Fthenakis und Minsel (2002) wurden Väter und ihre jugendlichen Kinder nach ihren Konzepten von Vaterschaft befragt (siehe dazu Tabelle 2.1): Aus Sicht der 333 befragten Väter ist vor allem die so genannte Brotverdienerfunktion in gleichem Ausmaß wie die soziale Funktion (z.B. „Offen sein für die Anliegen des Kindes“) von Bedeutung. Am wenigsten wichtig finden die Väter den Karriereverzicht zugunsten des Kindes. Bezüglich der Brotverdienerfunktion und des Karriereverzichts zeigen sich keine signifikanten Mittelwertunterschiede zwischen den Jugendlichen und ihren Vätern im Vaterschaftskonzept. Allerdings halten sie die soziale und instrumentelle Funktion (z.B. „dem Kind Wissen vermitteln“) für weniger wichtig als die Väter, was auch mit der Ablösung vom Elternhaus in dieser Lebensphase im Zusammenhang stehen dürfte (Fthenakis & Minsel, 2002).
Tabelle 2.1: Mittelwerte auf den vier Facetten des Vaterschaftskonzept aus der Sicht
instrumentelle Funktion 3.92 3.67 3.37 2.67 2.62 2.48 Karriereverzicht
* Endpunkt 1der Skala: „Das braucht ein Vater nicht zu tun“ Endpunkt 5 der Skala; „Das muss ein Vater unbedingt tun“ **ungenaue Angaben
Allerdings wurden in dieser Längsschnittstudie die Vaterschaftskonzepte junger Erwachsener nicht erfasst. Die Frage, wie junge Erwachsene ihre Beziehung zum Vater erleben und inwiefern soziale Funktionen ein paar Jahre später eine Rolle spielen, ist für diese Arbeit deshalb von besonderem Interesse.
2.1.4 Die Vaterforschung in den letzten Jahren - ein Überblick über den gegenwärtigen Forschungsstand
Im letzten Jahrzehnt konnte die Vaterforschung einen deutlichen Zuwachs verzeichnen (Seiffge-Krenke, 2004). Auf die Bedeutung der Väter für die Entwicklung ihrer Kinder und ihrer distinkten Funktionen wird in vielen Forschungsarbeiten hingewiesen (Cabrera et al., 2000; Kindler, 2000; Fthenakis, 1999; Lamb, 1997, Parke, 1995, 1996, 1999; Seiffge-Krenke, 2001,2002, 2003, 2004; Shulman & Seiffge-Krenke,
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1997; Werneck, 1998), die bereits Erwähnung fanden oder noch finden werden. Hierbei liegt der Fokus laut Seiffge-Krenke (2004) in jüngster Zeit auf den positiven Auswirkungen für die Kinder, wobei nach wie vor Untersuchungen über pathologische Beziehungen zu Vätern überwiegen. Es gibt daher bisher noch zu wenige Erkenntnisse über normale Vater-Kind-Beziehungen (Seiffge-Krenke, 2004), welche Gegenstand dieser Arbeit sind. Marsiglio, Amato, Day und Lamb (2000) regen daher an, zukünftig mehr Forschung in diesem Bereich zu betreiben.
Aktuelle Forschungsarbeiten bezüglich der Rolle des Vaters reichen von der Untersuchung von Vätern im familiären Kontext über die bereits dargestellte Diskussion über die „Neuen Väter“ und dem „Übergang zur Vaterschaft“ (Fthenakis & Minsel, 2002; Parke, 1996; Werneck, 1998). Neben der stark untersuchten Vaterabwesenheit (Franz, Lieberz, Schmitz, & Schepank, 1999; Petri, 2002; Radebold, 2000) wendet sich die Forschung dem gesellschaftlichen Kontext entsprechend auch vermehrt der Vater Kind-Beziehungen nach Scheidungen zu (Arditty & Prouty, 1999; Hetherington & Stanley-Hagan, 1997; Parke, 1996; Shapiro & Lambert, 1999). Des Weiteren findet man Untersuchungen zu früher und später Vaterschaft (Fthenakis, 1999; Parke, 1996, Marsiglio & Cohan, 1997), um nur einige der verschiedenen Forschungsfelder zu nennen. Ein großer Teil der Studien befasst sich zudem mit dem „well-being“ der Kinder im Zusammenhang mit der Beziehung zum Vater (Marsiglio et al., 2000). Es lässt sich demzufolge festhalten, dass der Vaterforschung gegenwärtig ein wesentlich breiterer und stärker kontextbezogener Zugang zu Grunde liegt (Lamb, 1997). Innerhalb der Vater-Kind-Forschung ist man des Weiteren dazu übergegangen, die Beziehung über das Kleinkindalter hinaus in den verschiedenen Alterstufen der Kinder zu untersuchen. So beinhaltet beispielsweise die Veröffentlichung Lamb (1997) verschiedene Kapitel, die die Vater-Kind-Beziehung vom Kleinkind bis zum Jugendlichen untersuchen. Allerdings machen Untersuchungen zur Vater-Kind-Beziehung im Jugendalter (Brotherson, Yamato & Acock, 2003; Shulman & Seiffge-Krenke ,1997) noch immer einen kleinen Anteil der Vaterforschung aus (Shulman & Seiffge-Krenke, 1997), und auch der Mangel an Längsschnittstudien wird kritisiert (Fthenakis & Minsel, 2000; Kindler, 2002; Seiffge-Krenke, 2004), wie man sie beispielsweise bei Werneck (1998), aber auch Kindler (2002) oder Fthnekais und Minsel (2002) findet. Auffallend ist, dass bei Darstellungen zum Stand der Vaterforschung Hinweise auf die Beziehung von Vätern und ihren erwachsenen Kindern fehlen. Zwar gibt es in den Studien zu Eltern und ihren erwachsenen Kindern, wie sie auch in dieser Arbeit vorgestellt werden, immer wieder Hinweise auf die Vater-Kind-Dyade (z. B. Buhl, 2000; Buhl,
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Wittmann & Noack, 2003; Cooney, 1994; Graf, Knotte & Walter, 2000). Studien, die sich jedoch ausschließlich dieser Beziehung widmen, sind deutlich unterrepräsentiert. Ziel dieser Arbeit ist es gerade aufgrund dieses Defizits, neue und umfassendere Erkenntnisse über die Vater-Kind-Beziehung zu erlangen. Infolgedessen soll diese Arbeit ganz im Sinne von Marsiglio et al. (2000) der normalen Beziehung von Vätern und ihren jungen erwachsenen Kindern Raum geben.
2.2 Der distinkte Beitrag der Väter für die Entwicklung ihrer Kinder
Der sich anschließende Abschnitt verdeutlicht die Rolle der Väter für die Entwicklung ihrer Kinder, indem die prominenten distinkten Funktionen von Vätern für ihre Kinder dargestellt werden, die unter anderem durch die Metaanalysen von Siegal (1987) und Russel und Saebel (1997) verdeutlicht wurden. Ihre Gültigkeit für die Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter soll anhand der Stichprobe dieser Arbeit überprüft werden. Es interessiert also vor allem die Frage, welche der in diesem Abschnitt beschriebenen Funktionen auch noch im späteren Leben der Kinder und Väter von Bedeutung sind.
2.2.1 Bindung und Exploration
Während Bowlby (1969) den Vätern als Bindungsfigur eine periphere Rolle einräumte und die Mutter als wichtigste Bindungsfigur proklamierte, stellen inzwischen viele Forscher diese strikte Bindungshierarchie in Frage und verweisen auf die Verschiedenheit von Vätern und Müttern in bindungsrelevanten Situationen (Seiffge-Krenke, 2004; Lamb, 1997; Werneck, 1998), die jedoch nicht mit unterschiedlicher Wertigkeit gleichzusetzen ist. Bowlby (1988) selbst löst in seinem Buch „A secure base: Parent-childattachment und healthy human development“ die ausschließliche Fokussierung auf die Mutter auf und räumt ein, dass Väter - wenn dies seiner Ansicht nach auch seltener der Fall ist - die Rolle der Mutter übernehmen können. Werneck (1998) sieht die Entwicklung in der Bindungsforschung hin zu einer Eltern-Kind-Triade als eine der bedeutendsten Vorraussetzung für die gegenwärtige Vaterforschung. Seiffge-Krenke (2004, S.202) bezeichnet die Bindung von Kindern und ihren Vätern als eine „etwas andere Bindung“. Sie bezieht sich dabei auf die Reaktionen der
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Väter im Fremde-Situationstest von Ainsworth, Blehar, Waters und Wall (1978) 1 und einer davon abgewandelten Version von Kitzling, Simoni und Bürgin (1999). Die Väter unterstützten ihre Kinder dabei in der Exploration, die nach Bowlby (1969, 1988) unmittelbar zur Bindung gehört. Seiffge-Krenke (2004) hebt entsprechend die Feinfühligkeit der Väter in Spiel und Exploration hervor. Sie zieht schließlich den Schluss, dass die Feinfühligkeit der Mutter in angstauslösenden Situationen und die Feinfühligkeit des Vaters für Neuerkundungen und Spiel das Bindungsverhalten des Kindes entscheidend prägen, ihm eine sichere Basis - a secure base (Bowlby, 1988) - bieten und ihm zum Aufbau sicherer Bindungsmuster verhelfen.
In Bezug auf die erwachsenen Kinder der Stichprobe dieser Arbeit ist es von Bedeutung, dass Bindungsverhalten nicht nur Kindern vorbehalten ist (Bowlby, 1988). Van Wel, ter Bogt und Raijmakers (2002) konnten zeigen, dass die Bindung zu den Eltern das Wohlbefinden der Kinder auch noch während des Erwachsenenalters stärkt. Es gilt also zu klären, inwiefern Väter ihre erwachsenen Kinder weiterhin bei der Erprobung von Neuem unterstützen oder ihnen möglicherweise in bindungsrelevanten Situationen Schutz und Sicherheit vermitteln können. Erste Hinweise liefert die Querschnittstudie von Markiewicz, Lawford, Doyle und Haggart (2006), die 682 Jugendliche und junge Erwachsene danach befragten, wen sie in verschiedenen bindungsrelevanten Situationen aufsuchen und welche Funktionen diese Personen dann erfüllen. Im Vergleich zu den Müttern und den Peers, wird der Vater von den Kindern am wenigsten aufgesucht. Dennoch, die Befunde decken sich mit dem oben beschriebenen Ansatz, dass auch Väter wichtige Bindungsfunktionen erfüllen, vor allem, wenn es um die Ermutigung zur Exploration der Umwelt geht. Wenn die Stichprobe der Kinder aus der Untersuchung von Markiewicz, Lawford, Doyle und Haggart (2006) den Vater als eine bindungsrelevante Person auswählten, dann war seine Funktion vor allem die einer sicheren Basis, von der aus die Kinder die Welt explorieren und Neues ausprobieren konnten
1 Nach Ainsworth et al. (1978) lässt sich die Qualität der Bindung anhand des Verhaltens des Kindes bei einer Wiedervereinigung nach einer vorhergehenden Trennung von einer Bindungsperson (Mutter oder Vater) beobachten.
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2.2.2 Die Interaktionen von Vätern und Kindern im Spiel
Väter gehen anders mit ihren Kindern um als Mütter. Besonders deutlich wird das in der Interaktion während des Spiels (Lamb, 1997). Väter neigen dazu, die Kinder im Spiel akustisch und visuell zu stimulieren - jedoch mit dem nötigen Feingefühl und ohne die Kinder zu überstimulieren (Lamb, 1997; Seiffge-Krenke, 2004). Ihr Spiel ist im Gesamten wilder (Seiffge-Krenke, 2003), während die Mütter mit den Kindern engen Körperkontakt halten und mehr in pflegerischer und sanfter Weise mit den Kindern umgehen (Lamb, 1997; Seiffge-Krenke 2004). Väter fördern die motorischen Fähigkeiten ihrer Kinder, indem sie mit ihnen Aktivitäten wie Fahrradfahren, Klettern, Fußballspielen unternehmen (Seiffge-Krenke, 2002).
Die Bedeutung des Vaters für die körperliche Entwicklung wird durch die Metaanalysen von Siegal (1987) sowie Russel und Saebel (1997) belegt. Der Fokus des Vaters auf spielerische und motorische Aktivitäten im Vergleich zur Mutter wurde in verschiedenen Untersuchungen und Übersichtsarbeiten umfassend dargestellt (Kindler, 2002; Parke, 1995, 1996; Parke & Brott, 1999; Seiffge-Krenke, 2002; Yogman, 1981; Yogman, Kindlon, & Earls, 1995) und die Bedeutung des väterlichen Spiels für die soziale und geistige Entwicklung der Kinder aufgezeigt (Yogman, 1981). Der Kontakt mit dem Vater ist aufregender, distanzierter, und die Kinder schätzen seine Andersartigkeit (Seiffge-Krenke, 2004). Diese Form der „feinfühligen Herausforderung“ hängt stark mit der Aufforderung zusammen, Neues zu entdecken (Seiffge-Krenke, 2004) und kann daher in Verbindung mit der oben dargestellten Anregung zur Exploration gesehen werden. Lamb (1997) zieht schließlich den Schluss, dass Mütter und Väter nicht nur einfach verschieden spielen, sondern dass das Spiel einen entscheidenden Teil der Vater-Kind-Beziehung darstellt.
2.2.3 Die Betonung des Geschlechts des Kindes durch den Vater
Rubin, Provenzano, und Luria (1974) konnte zeigen, dass Väter bereits kurz nach der Geburt ihre Kinder in Abhängigkeit vom Geschlecht anders beschreiben, nämlich Söhne als groß und stark, Mädchen eher als zart. Was bereits früh beginnt, setzt sich bis in das Kindes- und Jugendalter fort. Väter betonen mehr als Mütter das Geschlecht des
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Kindes und interagieren mit Söhnen anders als mit Töchtern (Lamb, 1997; Parke & Brott, 1999; Seiffge-Krenke, 2001, 2002, 2003, 2004; Werneck, 1998; Shulman & Seiffge-Krenke, 1997). Dies konnte auch Siegal (1987) anhand einer Metaanalyse, in die 39 Studien einbezogen wurden, vor allem in den Bereichen Disziplin, körperliche Aktivitäten und Spiel zeigen. Das Spiel mit der Tochter verläuft danach alles in allem etwas ruhiger und sanfter als das Spiel zwischen Vater und Sohn (Parke, 1999; Seiffge-Krenke 2001, 2003, 2004; Siegal, 1987). Väter erlauben ihren Söhnen mehr Unabhängigkeit und motivieren sie stärker, Neues auszuprobieren. Während Väter bei Söhnen mehr auf Disziplin und männliches Rollenverhalten achten sowie gemeinsame Interessen fördern, unterstützen Väter bei den Töchtern eher mädchenhaftes Verhalten und betonen die Unterschiede („daddy`s little girl“), während bei den Söhnen die Ähnlichkeit („der Sohn als Spiegel“) im Vordergrund steht (Seiffge-Krenke, 2001, 2002, 2003, 2004). Die Beziehung zum Sohn ist ambivalenter, gekennzeichnet durch Distanz einerseits und großem Engagement andererseits (Seiffge-Krenke, 2004). Die Beziehung von Vätern und Töchtern ist im Unterschied zur Vater-Sohn-Dyade durch mehr Nähe und Emotionalität und Intimität geprägt (Seiffge-Krenke, 2004). Die nötige Balance zwischen Nähe und Vertrautheit einerseits und der in der Phase der Adoleszenz nötigen Distanz andererseits wird nach Shulman und Seiffge-Krenke (1997) in der Regel durch den körperlichen Rückzug der Tochter vor dem Einsetzen der Geschlechtsreife dennoch gehalten. Die bisherigen Forschungsergebnisse weisen demzufolge auf deutliche Unterschiede in der Beziehung von Vätern und Töchtern und Vätern und Söhnen hin, deren Replizierbarkeit im Erwachsenenalter anhand der vorliegenden Stichprobe untersucht werden soll.
2.2.4 Moralische und kognitive Entwicklung der Kinder
Werneck (1998) gibt im Rahmen seiner Längsschnittstudie einen Überblick über Studien, die sich mit dem Einfluss des Vaters auf die kognitive und moralische Entwicklung befassen. Seiner Ansicht nach legt die Befundlage eine große Bedeutung des Vaters für die moralische Reifung, die kognitive Entwicklung und intellektuelle Leistung des Kindes nahe, was laut Werneck (1998) auch durch Studien über die Vaterabwesenheit gezeigt werden konnte. Auch Snarey und Maier (1993) geben die Befundlage anhand verschiedener Studien wieder und weisen auf die Bedeutung der Väter für die positiven kognitiven Entwicklungen und Auswirkungen hin, die sich bis in das frühe Erwachsenen-
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alter in Bezug auf sozio-emotionale und kognitive Fähigkeiten aufzeigen lassen. Yogman et al. (1995) demonstrierten, dass gerade in Familien mit niedrigem sozio-ökonomischen Status ein hohes „Father-Involvement“ die kognitive Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen kann. Dem schließen sich Parke und Brott (1999) in ihrer Beschreibung von Kindern involvierter und ansprechbarer Väter als emotional intelligent und intellektuell fähig an. Nach Parke und Brott (1999) ergaben Untersuchungen zu diesem Thema, dass die Väter kompetenter und erfolgreicher Töchter in deren Kindheit häufig sehr aktiv und involviert im Leben ihrer Kinder waren. Neben größerer emotionaler Intelligenz scheinen Kinder von sehr involvierten Vätern somit auf intellektuellem Niveau besser zu sein als andere (Parke & Brott, 1999; Snarey & Maier, 1993).
Der Einfluss der Väter auf die kognitive Entwicklung ihrer Kinder vollzieht sich auch über Fragen zur schulischen und beruflichen Ausbildung. So konnte Fthenakis (1999) in seinem Überblick über diverse Forschungsergebnisse zeigen, dass Jugendliche für bestimmte Themen lieber ihre Väter als Kommunikationspartner auswählten. So ist das Gespräch mit dem Vater eher an Problemlösungen sowie an der Planung beruflicher Schritte orientiert (Fthenakis, 1999).
2.2.5 Der Vater als Ratgeber und Repräsentant der Außenwelt
Die Funktion des Vaters als Ratgeber schließt sich an die vorhergehenden Ausführungen an. Der Vater bleibt auch während der Adoleszenz Ratgeber in Bezug auf schulische, berufliche und gesellschaftspolitische Fragen (Lamb, 1997; Seiffge-Krenke, 2001). Nach Parke (1995) übernimmt der Vater die Rolle des Lehrers und ist Repräsentant der Außenwelt. Der Vater dient als Vermittler von Erfahrungen und stellt aufgrund seiner Berufstätigkeit die Verbindung zu dieser äußeren Berufs- und Arbeitswelt dar (Seiffge-Krenke, 2004).
Im Hinblick auf die vorliegende Untersuchung stellt sich damit die Frage, ob der Vater in seiner Rolle als Ratgeber für die Kinder weiterhin zur Verfügung steht, und wie möglicherweise die Lebenssituation des Kindes mit der weiteren Ausführung der Rolle des Ratgebers in Zusammenhang steht. Nydegger und Mitteness (1996) zeigen anhand von Daten eine Stichprobe, die bereits 1991 im Rahmen einer Befragung von Vätern, Töchtern und Söhnen (genaue Darstellung siehe Abschnitt 2.4.4) erhoben wurde, dass Väter von Kindern im frühen Erwachsenenalter sich selbst weiterhin als Ratgeber und weniger als gleichberechtigte Partner gegenüber ihren Kindern sehen. Dies deckt sich mit Ergebnissen
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von Buhl et al. (2003), die hinsichtlich der Beziehung zum Vater bei Studentinnen noch stärkere kindliche Rollenmuster fanden als in der Beziehung zur Mutter, und der Vater zudem häufig als Ratgeber fungiert3 (siehe dazu auch Abschnitt 2.4.2)
2.2.6 Autonomieunterstützung und Identitätsfindung
Gerade in der Adoleszenz und gegebenenfalls auch noch im frühen
Erwachsenenalter tragen die Väter wesentlich zum Ablösungsprozess und zur Identitätsbildung ihrer Kinder bei (Fthenakis, 1999; Lamb, 1997). Dies zeigte auch die Metaanalyse von Siegal (1987), wonach die Väter die Unabhängigkeit ihrer Kinder stärken. Auch Cabrera et al. (2000) merken an, dass Väter, anders als die Mütter, ihre Kinder zu mehr Unabhängigkeit motivieren. Shulman und Seiffge-Krenke (1997) stellten in ihrem Buch „Fathers and adolescents“ die Bedeutung der Väter für den Ablöseprozess der Jugendlichen dar. Sie zeigten in ihrer Vergleichsstudie über deutsche und israelische Jugendliche und ihre Väter, dass diese im Vergleich zu den untersuchten Müttern ihren Kindern wesentlich früher größerer Unabhängigkeit zusprachen. Väter stellen für ihre Kinder durch den eher distanzierten und weniger intimen Kontakt ein gutes Vorbild im Abgrenzungsprozess dar, und die Jugendlichen fühlen sich in dieser Phase von ihren Vätern unterstützt (Shulman & Seiffge-Krenke, 1997). Diese geben ihnen den nötigen Raum für die Ablösung von den Eltern, hin zu mehr Autonomie (Shulman & Seiffge-Krenke, 1997; Seiffge-Krenke, 2004). Es liegt daher nahe, dass diese Funktion auch im frühen Erwachsenenalter, gerade bei der Etablierung eines eigenständigen Lebens in wesentlichen Bereichen wie Familie und Beruf von großer Bedeutung ist.
In Anbetracht der multiplen und vor allem distinkten Funktionen der Väter gibt es augenscheinlich keinen Zweifel an deren Bedeutung im Entwicklungsprozess ihrer Kinder. Zudem scheint das Engagement der Väter mit positiven Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten junger Erwachsener einherzugehen. Wie Seiffge-Krenke (2004) mit Verweis auf neuere Studien bemerkt, gibt es ferner keinen Zweifel daran, dass Väter darüber hinaus, wenn dies von Ihnen verlangt wird, durchaus auch „mütterliche Funktionen“ übernehmen können -und umgekehrt.
Es geht nach Seiffge-Krenke (2004) vielmehr um die Frage nach dem distinkten Beitrag von Vätern und bezogen auf diese Diplomarbeit darum, welche dieser Funktionen
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auch im späteren Lebensverlauf weiterhin von Bedeutung sind und welche möglicherweise durch andere abgelöst werden.
2.3 Aspekte der Familienentwicklung und Merkmale verschiedener
Lebensphasen im Generationsvergleich
Der sich anschließenden Abschnitt hat zum Ziel, die Vater-Kind-Dyade in den Kontext der Familienentwicklung einzubetten. Dies dient der Verdeutlichung des Rahmens, innerhalb dessen sich Generationsbeziehungen - und im konkreten Sinne die Vater-Kind-Dyade - einordnen lassen und berücksichtigt die Entwicklungsaufgaben und Krisen der jeweiligen Lebensphase der Väter und Kinder der vorliegenden Stichprobe.
2.3.1 Soziokulturelle Entwicklungen und ihr Einfluss auf die Generationsbeziehungen
Einige der gesellschaftlichen Faktoren der gegenwärtigen Zeit, wie beispielsweise verlängerte Ausbildungszeiten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen und die damit einhergehende längere finanzielle Abhängigkeit (Papastefanou & Buhl, 2002), der Rückgang der Geburtenrate, ein höheres Heiratsalter, die vermehrte Berufstätigkeit der Frauen, der Wunsch nach stärkerer Einbeziehung der Väter sowie vermehrte Scheidungen (Seiffge-Krenke, 2004), fanden bereits Erwähnung und werden auch die folgenden Abschnitte begleiten. Von besonderem Interesse für diese Arbeit sind dabei gesellschaftliche Faktoren, die sich auf das Zusammenleben der Erwachsenengenerationen beziehen.
Szydlik (2000) beschreibt in seiner umfangreichen deutschen Ost-West-Studie über Generationsbeziehungen den erheblichen Einfluss von Wohnentfernungen auf den innerfamiliären Kontakt. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund dieser Fragstellung von Interesse, da die Väter und Kinder in der vorliegenden Stichprobe nicht mehr in einem gemeinsamen Haushalt leben. Er weist daraufhin, dass, wenn Eltern und Kinder nah beieinander wohnen, erheblich mehr Möglichkeiten des Kontaktes und der gegenseitigen Hilfe entstehen und wahrgenommen werden. Dies ist von großer Bedeutung, da nach Daten des Alters-Survey von 1996 die geographischen Entfernungen der Wohnorte der Eltern und ihrer erwachsenen Kinder erstaunlicherweise gering sind (Szydlik, 2000, S. 89)
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und dies positive Implikationen für die gegenseitige Unterstützung zwischen den Generationen zulässt.
Auch Papastefanou (1997) zeigte in ihrer Untersuchung, dass etwa die Hälfte der ausgezogenen Kinder weiterhin in unmittelbarer Nähe der Eltern wohnen und der Kontakt regelmäßig ist und auch längerfristig erhalten bleibt. Szydlik (2000) verweist auf die häufig debattierte „Krise in der Familie“ und sieht die darüber geführte Diskussion eher skeptisch. Er kritisiert bei der Beschreibung des Zusammenlebens der Generationen den einseitigen Blick auf die Haushaltsstatistiken. Bertram (2000) weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass Haushalts- und Familienstrukturen nicht viel miteinander zu tun haben müssen und häufig ein falsches Bild entstehen lassen. Der Wandel der Haushalts- oder Wohnverhältnisse hin zur so genannten isolierten Kleinfamilie oder Singlehaushalten bedeutet nicht gleichermaßen den Wandel gelebter Beziehungen (Bertram, 2000).
An dieser Stelle muss nochmals auf die eingangs beschriebene Erhöhung des Lebensalters und der damit einhergehenden Veränderung der Bevölkerungsstruktur hingewiesen werden, die auch von Szydlik (2000) und Kinsella (1995) beschrieben wird. Diese Entwicklung führt gegenwärtig zu einer längeren gemeinsamen Lebenszeit der Generationen (Bertram, 2000; Schwarz, Trommsdorff, Albert & Mayer, 2005; Szydlik, 1995). Bertram (2000) und Szydlik (2000) eröffnen diesbezüglich eine interessante Sichtweise, die sich der Darstellung von Blieszner und Bedford (1995) sowie Hareven (1995) anschließt, indem sie darauf hinweisen, dass diese demographischen Entwicklungen es erst ermöglichen, dass das Idealbild der „guten alten Großfamilie“ - jedenfalls theoretisch - gelebt werden kann. Bertram (2000) prägt schließlich einen neuen Begriff für die Familienbeziehungen der heutigen Zeit. Er stellt nicht die Großfamilie gegen die isolierte Kleinfamilie, sondern führt eine neue Bezeichnung ein, die die Situation der Familien treffender umschreibt: die „multilokale Mehrgenerationenfamilie“ (Bertram, 2000, S. 118). Auch Bengtson (2001) verneint nicht den strukturellen Wandel innerhalb der Institution Familie aufgrund vermehrter Scheidungen und anderer gesellschaftlicher Entwicklungen, sieht jedoch ebenfalls keinen Rückgang der Bedeutung von Familie für ihre Mitglieder und stellt der vermeintlichen Krise Ressourcen, wie beispielsweise der Anstieg familiärer Bindungen innerhalb der Familienbeziehungen des 21. Jahrhunderts, gegenüber.
Zusammenfassend lässt sich schließlich formulieren, dass, wenngleich sich der gesellschaftliche Kontext von Familie gewandelt hat, sich dieser Wandel nicht in geringerer Solidarität und weniger engen Bindungen auszuwirken scheint. Dies bestätigen
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letztlich auch Ergebnisse der Studien über die Beziehungen von Eltern/Vätern und ihren erwachsenen Kindern, die unter 2.4 dargestellt werden. Diese zeigen zwar durchaus Einflüsse gesellschaftlicher Faktoren sowie familiärer Veränderungen, wie beispielsweise den negativen Einfluss einer Scheidung der Eltern auf die Beziehung zum Vater, lassen aber kaum Zweifel daran, dass zwischen den Generationen Solidarität gelebt wird. Dies wird auch durch die Studien von Szydlik (2000) und die Darstellung eigener Studienergebnisse von Bertram (2000) unterstrichen. Bertram (2000) spricht darüber hinaus von einer Intimität zwischen Eltern und ihren Kindern, die erst durch die Distanz, die sich durch getrennte Haushalte einstellt, gelebt werden kann. Die Vater-Kind-Dyade muss demzufolge als eine Beziehung verstanden werden, die sich in einem familiären Gefüge von stärkerer gesellschaftlicher Individualisierung einerseits (Seiffge-Krenke, 2004) und großer emotionaler Verbundenheit (Szydlik, 2000; Bertram, 2000) und Aufgeladenheit (Seiffge-Krenke, 2004) andererseits bewegt.
2.3.2 Das frühe Erwachsenenalter
Um Familienbeziehungen zu analysieren, sollten Veränderungen der Lebensphasen und damit verbundenen Rollen der Familienmitglieder einbezogen werden, womit den Anforderungen des Ansatzes einer „life-course-perspective“ entsprochen wird (Bengtson & Allen, 1993). Dieser Abschnitt widmet sich entsprechend dem frühen Erwachsenenalter. Dieses wird formal im Altersbereich von 18-29 Jahren (Krampen & Reichle, 2002) oder auch zwischen 18 und 40 Jahren (Papastefanou & Buhl, 2002) angesiedelt. Generell bleibt jedoch die Altergrenze allein schon aufgrund kultureller Unterschiede und gesellschaftlicher Veränderungen ungenau (Krampen & Reichle, 2002), was sich auch anhand der weiten Altersspanne abbildet. Nach Papastefanou und Buhl (2002) sollte zwischen der psychischen und ökonomischen Entwicklung der jungen Erwachsenen unterschieden werden, wobei sich letztere häufig später einstellt und die jungen Erwachsenen länger als in den Jahren davor finanziell von den Eltern abhängig sind.
2.3.2.1 Entwicklungsaufgaben des frühen Erwachsenenalters
Trotz der gegenwärtigen Ausrichtung der Entwicklungspsychologie auf die gesamte Lebensspanne berichten Krampen und Reichle (2002) von einem Defizit an
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Forschungsarbeiten zum frühen Erwachsenenalter. Nach Krampen und Reichle (2002) stehen in den wenigen Studien, vor allem die Übergangsphasen und Ablösungsprozesse bei den jungen Erwachsenen im Vordergrund, die im Folgenden betrachtet werden sollen. Nach seinem Konzept der „psychosozialen Krisen“ stehen sich nach Erikson (1966, 1998) im frühen Erwachsenenalter Intimität versus Isolation als Antithese gegenüber (siehe Tabelle 2.2). Das erstrebenswerte Ziel der Intimität mit einem Partner steht dabei im Gegensatz zur Gefahr der Isolation (Erikson, 1966, 1998). Erikson (1998) weist daraufhin, dass jeder Schritt im Ablauf der insgesamt acht Phasen im menschlichen Lebenslauf auf den davor liegenden aufbaut, die nächsten Schritte bestimmt und so Bedeutung für die Überwindung der folgenden Krisen hat (Erikson, 1998). Die Identitätsbildung im Jugendalter ist somit die Grundlage für die Erreichung von Intimität mit einem Partner im frühen Erwachsenenalter (Erikson, 1966). Gelingt es nicht, eine eigene Identität mit nötiger und reifer Distanzierung von dem, was dem eigenen Wesen schadet, aufzubauen, kann es nach Erikson (1966, S. 115) nur schwer zu einer „wahren Zweiheit“ mit einem Partner kommen. Nach Erikson (1966) wird sich der junge Erwachsene infolgedessen isolieren oder formale und weniger tiefe und kameradschaftliche Beziehungen führen. Eine zusammenfassende Darstellung seines Modells findet sich bei Ryff und Seltzer (1995). Die Autoren beschreiben darin, entsprechend der Gegenüberstellung von Intimität und Isolation als psychosozialer Krise, die von Erikson (1966, 1968) postulierten Übergänge in das Erwachsenenalter. Aufgeführt werden dabei der Aufbau einer beruflichen Karriere, die Partnersuche und schließlich die Familiengründung.
Tabelle 2.2: Psychosoziale Krisen im Erwachsenenalter (nach Erikson, 1998)
Es zeigt sich eine gute Passung mit dem Modell der Entwicklungsaufgaben nach Havighurst (1952), der ähnlich wie Erikson der Phase des frühen Erwachsenenalters bestimmte Aufgaben - insgesamt acht - wie Partnerwahl, Eheschließung, Familiengründung, Aufziehen der Kinder, Berufseinstieg und soziale Integration zuordnet. Havighurst (1952) geht in seinem Modell davon aus, dass sich lebensalterspezifische Entwicklungsaufgaben aus drei Quellen ergeben, nämlich aus den Bereichen biologische Reifung, kulturelle Normen und individuelle Wertvorstellungen, deren Anforderungen integriert werden müssen. Dabei finden sich hinsichtlich verschiedener Aufgaben, die er als wiederkehrende Aufgaben - unter Abgrenzung von einmaligen Aufgaben - bezeichnet, Vernetzung zwischen den insgesamt acht Phasen mit ihren entsprechenden Entwicklungsaufgaben. Zu nennen sind hier beispielsweise der Aufbau einer Partnerschaft oder aber das Finden einer altersgemäßen sozialen Gruppe, die Havighurst (1952) als lebenslange Aufgaben darstellt. Auch Havighurst (1952) geht demzufolge davon aus, dass die erfolgreiche Bewältigung oder aber die Nichtbewältigung einer altersspezifischen Entwicklungsaufgabe die Überwindung der nächsten Stufe positiv oder negativ beeinflusst. Die erfolgreiche Lösung einer Entwicklungsaufgabe macht das Individuum laut Havighurst (1952) glücklich und ist entscheidend für die Bewältigung der nächsten Stufe. Dass Scheitern an einer Entwicklungsaufgabe hingegen macht den Menschen unglücklich, und er erntet gesellschaftliche Missachtung (Havighurst, 1952). Zwar werden die oben beschriebenen Stufenmodelle in der Fachliteratur nach wie vor herangezogen und umschreiben zentrale Entwicklungsthemen (Krampen & Reichle, 2002). Allerdings scheint die stark normative Ausrichtung aufgrund der individualisierten Lebensläufe nicht mehr ganz zeitgemäß (Krampen & Reichle, 2002). Papastefanou und Buhl (2002) machen auf eine „Destandardisierung“ der Lebensläufe der jungen Menschen aufmerksam. Sie berichten, dass die normative Reihenfolge wie Schulabschluss, Beruf, Heirat, Familie nur noch von etwa der Hälfte der jungen Erwachsenen in dieser Abfolge durchschritten wird. Vielmehr werden diese Übergänge und Aufgaben in anderer Reihenfolge und zu anderen Zeitpunkten in Angriff genommen und sind mehr heterogen als homogen (Papastefanou & Buhl, 2002; Krampen und Reichle, 2002). Dies schließt sich den Ausführungen Marinis (1984) an, der bereits vor 20 Jahren davor warnte, sich zu sehr auf normative Erklärungen zu stützen. Zudem werden normative Kriterien zum Übergang und zur Markierung des Erwachsenenalters von den jungen Erwachsenen selbst eher abgelehnt, während sie psychologische Kriterien der Individualisierung im Zuge des Erwachsenwerdens vorziehen (Arnett, 2003).
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Prominente Kriterien sind dabei:
1. Verantwortung für Konsequenzen des eigenen Handelns übernehmen 2. unabhängig von anderen aufgrund eigener Werte Entscheidungen treffen 3. finanzielle Unabhängigkeit (Arnett, 2000a, 2003, 2004; Arnett, Ramos & Jensen, 2001)
Die Vorbehalte gegen die Normorientierung klassischer Entwicklungsmodelle bedeuten jedoch nicht, dass genannte Übergänge und Entwicklungsthemen per se nicht mehr von Bedeutung sind. Die Ergebnisse verschiedener Studien (u. a. Buhl, 2000; Lewis & Lin, 1996; Kaufmann & Uhlenberg, 1998) zeigen durchaus Zusammenhänge zwischen biographischen Übergängen sowie Entwicklungsaufgaben und Veränderungen im Leben der Eltern- oder Kindergeneration und der Art der Eltern-Kind-Beziehung. Unabhängig von den heterogeneren Lebensläufen der jungen Menschen ist daher schließlich allgemein die Beschreibung des frühen Erwachsenenalters als eine Zeit der Beziehungs- und Verantwortungsentwicklung vorherrschend (Krampen und Reichle, 2002).
2.3.2.2 „Emerging Adulthood“ - eine Lebensphase zwischen Jugend und frühem Erwachsenenalter?
Die im vorhergehenden Abschnitt skizzierte formale Altersspanne des frühen Erwachsenenalters ist ungenau (Krampen und Reichle, 2002) und umfasst einen Zeitraum, innerhalb dessen die Lebensumstände sehr verschieden sein können; so zum Beispiel bei einem 22 jährigen Studenten und einem 35 Jahre alten berufstätigen Familienvater. Sie werden beide formal in das frühe Erwachsenenalter eingeordnet, obwohl sie in ihrer Lebensform und - Auffassung möglicherweise divergieren. Es stellt sich somit die Frage nach einer engeren Eingrenzung. Vor diesem Hintergrund sind auch Konzepte für die weitere Ausdifferenzierung dieser Altersgruppe zu verstehen. Erste Anregungen für die Etablierung einer Phase zwischen Adoleszenz und Erwachsenenalter finden sich bei Keniston (1972) sowie bei Havighurst und Levine (1979), die ihre Argumentation auf Keniston (1972) aufbauen. Keniston (1972) beschreibt die Phase zwischen Adoleszenz und frühem Erwachsenenalter als „Youth“ (Jugend, aber nicht mehr Adoleszenz). Er begegnet damit dem von ihm benannten „Niemandsland“, in dem sich junge Menschen befinden, die sich psychologisch gesehen nicht mehr als Jugendliche erleben und dennoch auf sozialer
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Ebene nicht den Status eines Erwachsenen inne haben. Nach Keniston (1972) haben vor allem die verlängerten Ausbildungszeiten der Jugendlichen und die daraus resultierende längere Vorbereitungszeit auf das Erwachsenenalter die Notwendigkeit der Etablierung einer neuen Zwischenstufe hervorgerufen.
Das neuere Konzept des beginnenden Erwachsenenalters, im Folgenden „Emerging Adulthood“, nach Arnett (1998, 2000a, 2000b, 2002, 2003, 2004, 2006), das auf der Forschung mit jungen Menschen beruht (Reifman, Arnett & Colwell, 2006), ermöglicht schließlich die Einteilung des frühen Erwachsenenalters in zwei Stufen, dem beginnenden und dem jungen Erwachsenenalter, ferner entsprechend die Differenzierung in „emerging adults“ und „young adults“. „Emerging Adulthood“ als Phase vor dem jungen Erwachsenenalter umfasst nach Arnett (2000a, 2000b, 2002,2006) die Alterstufen 18-30 Jahren. Bedingt durch bereits erörterte soziokulturelle Veränderungen der letzten 30 Jahre, hat sich die Altersphase zwischen 20 und 30 zu einer von Adoleszenz und jungem Erwachsenenalter abgrenzbaren distinkten Periode entwickelt (Arnett, 2000b). Arnett (2002) sieht die Tatsache, dass die Übernahme erwachsener Rollen durch die jungen Leute erst wesentlich später erfolgt, als mit ursächlich für die Entstehung dieser neuen Lebensphase. Diese zeichnet sich nach Arnett (2000b) durch hohe Mobilität und starken Veränderungen in Beziehungen und beruflichen Aspekten aus. Es handelt sich danach um eine Phase der Identitätsfindung in den Bereichen Liebe, Beruf and Weltanschauung (Arnett, 2000a, 2004). Nach Arnett (2004) wird die Suche nach der eigenen Identität, die Erikson (1966) im Rahmen seines Modells „psychosozialer Krisen“ bereits im Jugendalter ansiedelt, während dieser Zeit intensiviert. Instabilität durch Wohnorts- oder Studienwechsel bei gleichzeitig vielen Möglichkeiten und Chancen der Lebensgestaltung sind weitere Marker dieser Lebensphase, die von den jungen Menschen sehr verschieden gestaltet wird (Arnett, 2004). Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Ausbildung und Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten bei geringer Verpflichtung gegenüber anderen und vergleichsweise großer persönlicher Freiheiten (Arnett, 2004). Dies verändert sich in der Regel in den Dreißigern, wenn eigene Kinder geboren und Familien gegründet werden und ein Eintritt in das junge Erwachsenenalter erfolgt (Arnett, 2004). Das beginnende Erwachsenenalter liegt nicht nur theoretisch zwischen der Adoleszenz und dem jungen Erwachsenenalter, die jungen Menschen dieser Altersgruppe selbst sehen sich in einer „In-Between“ Situation (Arnett, 2004, S. 14). Bei einer Umfrage beantworteten 60% der 18-25 jährigen die Frage, ob sie sich wie ein Erwachsener fühlen, mit „ja und nein“ (Arnett, 1998). Dies unterstreicht die Ausführungen Arnetts (2000a),
wenn er darauf hinweist, dass diese besondere Lebensphase nicht mit dem
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Erwachsenenalter gleichzusetzen ist, da die jungen Leute sich selbst nicht als solche erleben und auch keine vergleichbaren sozialen Verantwortlichkeiten und Rollen übernehmen, sondern sich erst auf den Weg dorthin begeben. Erst in den Dreißigern stellt sich bei vielen jungen Menschen Stabilität in Familie und Beruf ein, so dass an dieser Stelle die Bezeichnung „junges Erwachsenenalter“ passend erscheint (Arnett, 2000a, 2004). Keinesfalls aber handelt es sich bei den „emerging adults“ um Jugendliche, denn sie leben in der Regel nicht mehr mit ihren Eltern zusammen, stehen also offiziell nicht mehr unter deren Verantwortung, gehen nicht mehr zur Schule, sondern besuchen die Universität oder sind in einer Ausbildung und haben offiziell den Status eines Erwachsenen (Arnett, 2004).
Arnett (2000a) betont, dass das Alter allein als Indikator für die Einordnung der Person in eine der Lebensphasen unzureichend ist und letztlich mit persönlichen Lebensumständen des einzelnen zusammen hängt. Dabei geht er konform mit den Ergebnissen von Meulemann (1995), der bei einer Befragung deutscher ehemaliger Gymnasiasten feststellte, dass etwa 25% der Dreißigjährigen sich nicht erwachsen fühlen. Zudem ist die „Emerging Adulthood“ eine sich entwickelnde Lebensphase, die sich vorwiegend in den westlichen modernen Industrienationen und dabei vor allem in Mittel-oder Oberschichten wieder findet, die ein höheres Bildungsniveau sowie bessere und hoch professionalisierte Ausbildungsmöglichkeiten bereit stellen, und kann folglich nicht Länder und Regionen übergreifend angenommen werden (Arnett, 2000a, 2002). Die gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA, wie die Erhöhung des Heiratsalters und längere Ausbildungszeiten, können dennoch auf viele Länder Europas wie beispielsweise Deutschland, England, Frankreich, Spanien oder Schweden - um nur eine Auswahl zu nennen - übertragen werden (Arnett, 2006). In Deutschland lag das durchschnittliche Heiratsalter von Frauen im Jahr 2000 bei 28.4 Jahren und damit drei Jahre über dem der USA (Arnett, 2006). Es kann also davon ausgegangen werden, dass sich das Konzept der „Emerging Adulthood“ auch auf Deutschland übertragen lässt. Dies bedeutet für die jungen Erwachsenen der vorliegenden Stichprobe, dass sie sich zwar einerseits im formalen Altersbereich des frühen Erwachsenenalters zwischen 20 und 40 Jahren bewegen, sich aber andererseits in „emerging adults“ und „young adults“ differenzieren ließen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage nach möglichen Unterschieden innerhalb der Vater-Kind-Dyaden je nach Zugehörigkeit der Kinder zu den so genannten „emerging- oder young adults“.
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2.3.2.3 Familien mit Kindern im frühen Erwachsenenalter
Die „nachelterliche Phase“ (Papastefanou & Buhl, 2002, S. 268) ist die längste Phase im Familienzyklus überhaupt. Dennoch fokussieren die meisten Forschungsarbeiten auf Eltern mit jugendlichen Kindern, und Arbeiten zu Eltern und erwachsenen Kindern sind ungleich seltener (Papastefanou, 1997). Der Auszug der Kinder, der sich in aller Regel im frühen Erwachsenenalter vollzieht, leitet einen neuen Lebensabschnitt ein, indem sich die Beziehung zwischen den Eltern und Kindern mehr und mehr zu einer Beziehung zwischen Erwachsenen entwickelt (Seiffge-Krenke, 2004). Nach Graf et al. (2000), die Schülerinnen und Studentinnen hinsichtlich ihrer Beziehung zu den Eltern befragten und verglichen, werden die Beziehungen ausgeglichener, womit die Entwicklung hin zu mehr Gleichberechtigung und Partnerschaftlichkeit gemeint ist. Lewis und Lin (1996) weisen darauf hin, dass es in dieser Lebensphase über die benannte Gleichberechtigung hinaus zu einer Art Rollenumkehr kommen kann. Die erwachsenen Kinder versuchen dann, ihren Eltern einen neuen Lebensstil zu vermitteln.
Andererseits ist der einseitige Investitionsfluss von den Eltern an ihre Kinder zu diesem Zeitpunkt noch sehr ausgeprägt (Papastefanou, 1997; Papastefanou und Buhl, 2002) und kann finanziell eine große Belastung für die Familie darstellen (Seiffge-Krenke, 2004). Der Begriff „nachelterliche Phase“ kann nach Papastefanou (1997) in diesem Zusammenhang missverständlich sein, da er das Ende des elterlichen „Tätigwerdens“ ankündigt, was in dieser Phase keineswegs der Fall ist, wie auch Lewis und Lin (1996, S. 265), mit ihrem einleitenden Satz „ Parenthood never ends!“ deutlich machen. Während die Eltern also nach wie vor in die Kinder investieren, lösen und grenzen sich diese mehr und mehr von den Eltern ab, womit die distinkte Funktion der Autonomieunterstützung der Väter wieder ins Spiel kommt. Die Eltern selbst müssen, nachdem alle Kinder aus dem Haus sind, die Paarebene neu organisieren (Seiffge-Krenke, 2004) und können die gewonnne Zeit wieder für Unternehmungen als Paar nutzen (Papastefanou, 2002).
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Carter und McGoldrick (1988) formulieren entsprechend die folgenden Familienaufgaben in dieser Zeit:
1. Neuordnung des Ehesystems
2. Gleichberechtigte Beziehungen zwischen Kindern und Eltern etablieren 3. Die Familie auch für andere, wie zum Beispiel Schwiegertöchter und -Söhne, öffnen
Die vermehrten Scheidungen zu diesem Zeitpunkt im Familienzyklus zeigen allerdings, dass die dargestellte Phase im familiären Lebenslauf eine Zeit voller Neuorientierungen und Schwierigkeiten ist, deren Bewältigung auch von den Ressourcen der elterlichen Partnerschaft abhängt (Seiffge-Krenke, 2004). Seiffge-Krenke (2004) weist jedoch daraufhin, dass dies den meisten Familien dennoch gut gelingt. Insgesamt wird die Beziehung zwischen Eltern und Kindern durch die räumliche Trennung insgesamt entspannter, bei gleichzeitigem Anstieg des Austausches untereinander (Seiffge-Krenke, 2004). Buhl (2000) konnte in ihrer Befragung von 114 jungen Erwachsenen generell positive Beziehungen zu den Eltern feststellen und zeigte unter Annahme der Individuationstheorie in ihrer Untersuchung eine starke Verbundenheit zwischen Eltern und Kindern im frühen Erwachsenenalter, wobei es nach Papastefanou (1997) für die Eltern nicht immer leicht ist, die Balance zwischen Nähe einerseits und Distanz andererseits zu halten. Papastefanou und Buhl (2002) weisen daraufhin, dass die Ablösung von den Eltern nicht im Sinne einer Auflösung der emotionalen Nähe gemeint ist, sondern eher in Form einer Abgrenzung hin zu oben benannter Gleichberechtigung. Zu ähnlich positiven Einschätzungen kommen Bertram (2000) im Sinne der bereits zitierten „multilokalen Mehrgenerationenfamilie“ und Papastefanou und Buhl (2002), die die Beziehung als insgesamt harmonisch und aktiv beschreiben.
2.3.3 Das mittlere Erwachsenenalter
In den vorhergehenden Abschnitten wurde das frühe Erwachsenenalter mit seinen Herausforderungen, Krisen und gesellschaftlichen Veränderungen ausführlich erläutert. Es ist nun daran gelegen, die Lebensphase, in der sich die Väter der Stichprobe befinden, transparent zu machen und gegenüber zu stellen. Es wird damit das Ziel verfolgt, die
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unterschiedlichen Blickwinkel, aus der die Väter und Kinder ihre Beziehung wahrnehmen, verstehbar zu machen. Das mittlere Erwachsenenalter, in dem sich die meisten Väter der Stichprobe befinden, liegt nach Lindenberger (2002) in einem Altersbereich zwischen 35 und 65 Jahren. Bei Papastefanou und Buhl (2002) findet man die leicht abweichenden Altersgrenzen 40 bis 65 für das mittlere Erwachsenenalter, was ähnlich wie beim frühen Erwachsenenalter ein zusätzlicher Hinweis darauf ist, dass das Alter lediglich als Orientierung zu verstehen ist. Eine Beschreibung der Merkmale dieser Phasen hinsichtlich der familiären Entwicklung, wie sie bereits im Abschnitt über Familien mit jungen erwachsenen Kindern erfolgte, sowie ihrer Aufgaben und Krisen erscheint auch hier angemessen.
2.3.3.1 Aufgaben und Krisen des mittleren Erwachsenenalters
Unter Bezugnahme des bereits weiter oben dargestellten Modells der Entwicklungsaufgaben von Havighurst (1952) ist es in dieser Phase des Lebens die Aufgabe der Eltern, somit also auch der Väter, die Kinder loszulassen und ihnen dabei zu helfen, glückliche und kompetente Erwachsene zu werden. Die Entwicklungsaufgaben dieser Lebenszeit, die er zu seiner Zeit im Altersbereich von 30-55 Jahren ansiedelt, formuliert Havighurst (1952) im Einzelnen wie folgt:
1. Verantwortung als Staatsbürger übernehmen 2. Aufbau und Erhaltung eines bestimmten Lebensstandards 3. Den jugendlichen Kindern helfen, glückliche und kompetente Erwachsene zu werden 4. Angemessene erwachsene Freizeitaktivitäten entwickeln 5. Die Beziehung zum Lebenspartner neu ordnen 6. Die altersbedingten körperlichen Veränderungen akzeptieren und sich darauf einstellen 7. Sich der alternden Eltern annehmen
Die Eltern müssen folglich der Anforderung gerecht werden, die Kinder in das selbständige Leben zu entlassen und gleichzeitig altersbedingte Abbauerscheinungen an sich selbst zu akzeptieren. Die Aufgaben der Lebensmitte sind demnach auch geprägt von persönlichen Einschnitten und Verlusten. Dementsprechend wird die Lebensphase in der
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Forschung vorwiegend als Krisenzeit (midlife-crises) beschrieben. Bei den Männern stehen dabei Themen wie beruflicher Rückzug, verringertes Leistungsvermögen und der Rückgang sexueller Potenz im Vordergrund (Papastefanou, 1997). Es finden sich jedoch gleichermaßen Chancen über diese Verluste hinaus, so zum Beispiel das Wiederbesinnen auf die eigene Partnerschaft und das persönliche Wachstum in der Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenssituation (Papastefanou & Buhl, 2002). Erikson (1966, 1998) stellt in seinem psychoanalytischen Ansatz in dieser Lebensphase die Pole „Generativität“ versus „Stagnation“ gegenüber (siehe Tabelle 2.2). Mit Generativität ist dabei die Förderung und Erziehung sowie das Interesse an der nächsten Generation gemeint (Erikson, 1966). Erikson (1966) bezeichnet diese Phase als Wachstum der gesunden Persönlichkeit, welche also durchaus positive Komponenten enthält, die allerdings, wird sie nicht bewältigt, zu einem Entwicklungsrückschritt führt. Die Folge davon ist nach Erikson (1966, S. 118) „Stillstand und Verarmung in den zwischenmenschlichen Beziehungen“. In seinem Buch „Der vollständige Lebenszyklus“ überschreibt Erikson (1998) die Phase des mittleren Erwachsenenalters mit dem Begriff der Fürsorge für die nächste Generation, womit der Aspekt der Generativität greifbarer wird. Daneben umfasst Generativität die Fortpflanzungsfähigkeit sowie die Produktivität und schöpferische Kreativität, und damit auch die Schaffung neuen Lebens. Erikson (1998) stellt der Fürsorge die Abweisung gegenüber, womit er die krisenhafte Entwicklung meint, die nächste Generation nicht an den Erfahrungen der älteren Generation teilhaben zu lassen. An dieser Stelle lässt sich auf die bereits ausführlich dargestellte distinkte Ratgeberfunktionen der Väter verweisen, die offensichtlich in Zusammenhang mit Eriksons Generativität gebracht werden kann.
2.3.3.2 Leeres Nest - Krise oder Neuanfang für die Väter?
Aufgrund der vielen Untersuchungen zum so genannten „Empty-Nest-Syndrom“ im Sinne eines (wieder) kinderlosen Heims (z.B. Adelmann, Antoucci, Crohan & Coleman, 1989; Lewis, Freneau & Craig, 1979; White & Edwards, 1990) wird diesem Aspekt ein eigener Abschnitt gewidmet. Es herrscht bisher wenig Einigkeit darüber, ob es sich bei dem Übergang in die Nachelternschaft um eine echte Lebenskrise oder lediglich einen normativen Übergang handelt (Papastefanou, 1997). Gemäß der Fragestellung der vorliegenden Arbeit befasst sich dieser Abschnitt vor allem damit, wie die Väter mit der neuen Lebenssituation zurecht kommen - auch wenn es nach Papastefanou (1997)
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bedauerlicherweise wenige Untersuchungen gibt, die sich explizit auf Väter beziehen (z.B. Lewis et al., 1979; Lewis & Duncan, 1991) und nicht ausschließlich auf die Mütter fokussieren (z. B. Adelmann et al., 1989; Cooper & Gutman, 1987). Papastefanou (1997) weist in einem Überblick über Forschungsergebnisse zu diesem Thema daraufhin, dass ein großer Teil der Väter entgegen der „Krisentheorie“ mit der neuen Situation gut zurecht kommt und die wieder gewonnene Freiheit als großen Gewinn betrachtet. Nach Lewis und Lin (1996) sowie Seiffge-Krenke (2004) zeigen vor allem neuere Untersuchungen, dass die Mehrheit der Eltern diese Phase nicht als eine Krisenzeit erlebt.
White und Edwards (1990) befragten dazu in ihrer repräsentativen Längsschnittstudie zu drei Zeitpunkten - 1980 (N = 2033), 1983 (N = 1592) und 1988 (N = 1331) - verheiratete Personen hinsichtlich ihres Wohlbefindens und der ehelichen Zufriedenheit im Zusammenhang mit dem Auszug der Kinder. Die Ergebnisse zeigen, dass sich durch den Auszug der Kinder die eheliche Qualität verbessern kann und die Eltern einen zweiten Honeymoon erleben. Allerdings scheint dies nur unter der Bedingung, dass ein guter Kontakt zu den Kindern bestehen bleibt, der Fall zu sein. Die Elternrolle scheint demzufolge weiterhin von Bedeutung für das seelische Gleichgewicht der Eltern zu sein. Dennoch, ein Teil der Väter leidet auch unter dem Auszug der Kinder (Lewis & Duncan, 1991; Lewis et al., 1979), der sie in einer Lebensphase trifft, in der sie sich, wie weiter oben bereits angedeutet, beruflich eher zurücknehmen und mehr auf die Familie fokussieren. Während die Kinder auf höchstem Leistungsniveau agieren, nehmen die Väter an sich zudem erste Anzeichen von Alterungsprozessen wahr, was zu Neid und Konkurrenzgefühlen führen kann (Colarusso & Nemiroff, 1982; Papastefanou, 1997; Papastefanou & Buhl, 2002).
Dem entsprechen auch die Ergebnisse der Untersuchung von Lewis und Duncan (1991). Von den insgesamt 352 befragten Vätern aus Michigan und Indiana berichteten 41% von negativen Reaktionen und Stresserleben aufgrund des Auszuges ihrer Kinder. In einer Untersuchung von Lewis et al. (1979), in der die Autoren 118 Väter in der „Nachelternschaft“ bezüglich ihrer Befindlichkeit vor dem Hintergrund des Auszuges des jüngsten Kindes befragten, gaben 22% der Väter an, unglücklich über den Auszug des letzten Kindes zu sein. Es handelte sich dabei allerdings vorwiegend um sehr engagierte, ältere Väter, die die Qualität ihrer eigenen Partnerschaft als geringer einschätzten und den Verlust der Anwesenheit des Kindes durch diese nicht kompensieren konnten. 35% der Väter hingegen äußerten sich dem Auszug des Kindes gegenüber neutral und 42% zufrieden bis glücklich. Lewis und Lin (1996) schließen aus diesen Ergebnissen, dass
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lediglich eine Minderheit der - vor allem überinvolvierten - Mütter und Väter in dieser Zeit unter den neuen Lebensumständen leiden.
Papastefanou (1997) nennt zusammenfassend drei Einflussfaktoren für das positive oder negative Erleben der Nachelternschaft: Zum einen die äußeren Gegebenheiten, zum zweiten intrapersonale Merkmale und drittens die Art der familiären Beziehungen. Ein Aspekt der äußeren Gegebenheiten ist dabei der sozioökonomische Hintergrund (vgl. Lewis et al., 1979). Bezogen auf die Väter ist unter zweitens das Rolleverständnis, das vor allem auf die oben beschriebenen engagierten Väter abzielt, zu nennen. Die elterliche Partnerschaft ( Lewis et al., 1979) und der fortbestehende Kontakt mit dem Kind nach seinem Auszug scheinen bezogen auf den dritten Punkt - familiäre Beziehungen - von großer Bedeutung für die erfolgreiche Bewältigung der Nachelternphase zu sein. Dies schließt sich den Ergebnissen der bereits zitierten Studie von White und Edwards (1990) an, die, wie weiter oben ausgeführt, auf die Wichtigkeit des regelmäßigen Kontaktes zu den Kindern aufmerksam machten und zeigen konnten, dass das Ausüben der elterlichen Rolle für das Wohlbefinden der Eltern von Bedeutung bleibt.
Es dürfte in diesem Abschnitt deutlich geworden sein, dass das Erleben des kinderlosen Heims als Verlust oder Bereicherung für das eigene Leben von vielen Einflussfaktoren bestimmt wird und die Zeit nach dem Auszug der Kinder nicht allgemeingültig als Krise bezeichnet werden kann (Papastefanou, 1997). Ferner scheint es aber auch nicht gerechtfertigt, davon auszugehen, dass Väter generell vom Auszug der Kinder weniger betroffen sind als Mütter (Lewis et al., 1979; Papastefanou, 1997). Nach Papastefanou (1997), die einen Überblick über verschiedene Forschungsergebnisse zum „Empty-Nest-Syndrom“ liefert, scheint es generell zwischen den Reaktionen der Mütter sowie der Väter keine gravierenden Unterschiede zu geben. Allerdings konnte sie in eigenen Untersuchungen feststellen, dass Väter etwas häufiger als die Mütter die Beziehung zu ihren Kindern nach dem Auszug als entspannter und gleichberechtigter erleben.
Dennoch, die Bewältigung der Auszugs- und Nachauszugsphase scheint weniger eine Geschlechterfrage zu sein, als ein an familiären Beziehungen und Rollenverständnissen geknüpftes Phänomen, das individuell sehr verschieden erlebt werden kann.
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Lewis und Lin (1996, S. 365) zitieren entsprechend die Autoren Strong und DeVault (1993):
2.3.4 Zwei Einschätzungen einer Beziehung: Divergierende Sichtweisen von Eltern und Kindern über die Qualität ihrer Beziehung
2.3.4.1 Die „Developmental Stake Hypothese“
Das Phänomen, dass Eltern die Beziehung zwischen ihnen und ihren Kindern anders, im Sinne von qualitativ besser und enger einschätzen als ihre Kinder selbst, wurde 1971 von Bengtson und Kuypers als „developmental stake“ beschrieben und führte fortan zu reger Forschung, die im Großen und Ganzen die Developmental Stake Hypothese bestätigt (Aquilino, 1999; Böhmer, 2000; Buhl et al., 2003; Giarrusso, Stallings & Bengtson, 1995; Haarwood & Lin, 2000; Szydlik, 1995). Bengtson und Kuypers (1971) bezogen sich bei ihren Ausführungen auf eigene Ergebnisse einer Befragung von Eltern und ihren studierenden Kindern und suchten Erklärungen für die divergierenden Einschätzungen der beiden Generationen, die sich darin widerspiegelten, dass, obwohl die Mehrzahl beider Generationen generell enge Beziehungen untereinander beschrieb, die Kinder im Vergleich zu den Eltern größere Distanz und weniger Einstimmigkeit und Nähe angaben. Die befragten Studentinnen und Studenten berichteten im Gegensatz zu ihren Eltern häufiger vom so genannten „generational gap“ (Kluft der Generationen) in Bezug auf divergierende Werte und Moralvorstellungen. Doppelt so viele Eltern wie Studierende hingegen waren der Meinung, dass es diese Kluft nicht gäbe oder sie nicht grundlegender Art sei. Es machte also den Anschein, als wollte die junge Generation die Unterschiede zwischen ihnen und den Eltern deutlich maximieren, sich klar von ihnen abgrenzen und Gemeinsamkeiten minimieren, während die Eltern mögliche Differenzen herunter zu spielen versuchten (Bengtson & Kuypers, 1971).
Bengtson und Kuypers (1971) gingen davon aus, dass die Einschätzung einer Generation bezüglich einer anderen stark mit dem eigenen Standpunkt und der eigenen Lebenssituation korreliert. Dementsprechend versuchten die Autoren, die Erklärungen für
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die unterschiedliche Beziehungswahrnehmung vor allem in den Entwicklungsphasen zu finden, in denen sich die Eltern mittleren Alters und die jungen erwachsenen Kinder befanden. Unter Bezugnahme auf Havighurst (1952) und Erikson (1966) fokussierten sie dabei auf das Bedürfnis der Eltern nach generativer Kontinuität und Weitergabe ihrer eigenen Werte. Nach Bengtson und Kuypers (1971) sehen die Eltern ihre Kinder als „soziale Erben“ (möglicherweise vor dem Hintergrund erwähnter Einschnitte dieser Lebensphase und dem Wunsch, dem eigenen Leben Sinn zu verleihen), während die erwachsenen Kinder ein Bedürfnis nach Abgrenzung, Autonomie sowie Gründung einer eigenen Identität und eigener Lebensformen geltend machen. Beide Generationen bringen demnach sehr verschiedene Wünsche und Erwartungen (developmental stakes) in die Beziehung ein, die sie direkt oder indirekt an die andere Generation richten. Nach Bengtson und Kuypers (1971) beeinflusst dies entscheidend die Einschätzung der Beziehung zueinander und führt entsprechend zu der beschriebenen unterschiedlichen Wahrnehmung ihrer Beziehung.
2.3.4.2 Die „Intergenerational Stake Hypothese“ 25 Jahre später
Etwa 25 Jahre später bemühten sich Giarrusso, Stallings und Bengston (1995) um eine Revision der früheren „Developmental Stake Hypothese“. Giarrusso et al. (1995) präferieren dabei die Bezeichnung „Intergenerational-Stake-Hypothese“. Damit soll ausgedrückt werden, dass für die Erklärungen der beobachteten Unterschiede der Beziehungsbeschreibung der Eltern und Kinder nicht ausschließlich die individuellen psychologischen Entwicklungsstufen betrachtet werden. Vielmehr sollen auch von den Autoren als sozio-strukturell beschriebene Einflussfaktoren der Generationsbeziehungen hinzugezogen werden, wie zum Beispiel das jeweilige Investment der Generationen in die gemeinsame Beziehung.
Giarrusso et al. (1995) kritisieren an den Ausführungen von Bengtson und Kuypers (1971) die fehlende theoretische Grundlage und versuchten, unter Einbezug von Daten einer 20jährigen Längsschnittuntersuchung an drei Generationen, theoriegeleitete Erklärungsmodelle für die unterschiedliche Wahrnehmung der Eltern und Kinder zu finden. Die Autoren beziehen sich in ihrer Arbeit auf zwei Theorien, die Entwicklungs-theorie und die Austauschtheorie, die sie empirisch anhand ihrer Stichprobe überprüften. Während die Entwicklungstheorie (auch „life course perspective“) vor allem auf die Entwicklungsaufgaben und -stufen des Individuums sowie auf Veränderungen hinsichtlich
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der Beziehung zwischen den Individuen fokussiert - so wie sich diese Arbeit auch den verschiedenen Lebensphasen angenommen hat - legt die Austauschtheorie das Augenmerk vornehmlich auf den Kosten-Nutzen-Effekt einer Beziehung (Giarrusso et al., 1995). Dabei unterstellt sie, dass Menschen nach der Maximierung des Nutzens und Minimierung der Kosten in einer Beziehung streben. In der Eltern-Kind-Beziehung sind es vor allem die Eltern, die mehr in die Kinder investieren (Giarrusso et al, 1995). An anderer Stelle dieser Diplomarbeit wurde entsprechend auf den einseitigen Investitonsfluss hingewiesen. Diese Asymmetrie kann bei den Eltern ein unangenehmes Gefühl von Ungleichheit erzeugen (Giarrusso et al., 1995). Dieses Ungleichgewicht ließe sich entweder durch das Einstellen des eigenen Investments verändern (was für die Eltern eine eher unrealistische Alternative darstellt), oder aber durch das Schaffen eines Gefühls von Gleichheit (oder Ausgleichs), in dem die Beziehung von den Eltern als enger und näher empfunden wird und somit ihr Investment belohnt wird (Giarrusso et al., 1995). Giarrusso et al. (1995) gingen in ihrer Längsschnittuntersuchung davon aus, dass die Unterschiede in der Beziehungsbeschreibung bei Gültigkeit der Entwicklungstheorie besonders in bestimmten Lebensphasen ausgeprägt sind (z.B. wenn die Kinder sich in der Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter von den Eltern ablösen). Unter ausschließlicher Annahme der Exchange-Theorie sollte es sich jedoch um ein altersunabhängiges zeitkonstantes Phänomen zwischen Eltern und Kindern handeln (Giarrusso et al., 1995). Auch eine Kombination beider Theorien schlossen die Autoren in ihren Hypothesen nicht aus.
Nach Auswertung der Daten in Bezug auf Mittelwertunterschiede zwischen der Gruppe der Eltern und der Kinder zeigte sich jedoch nach Giarrusso et al. (1995) ein ausschließlicher Hinweis auf die Austauschtheorie. Die Größe des Unterschieds in der Beziehungsbeschreibung, zum Beispiel in Bezug auf affektive Solidarität, blieb entsprechend über die verschiedenen Messzeitpunkte konstant. Nach Giarrusso et al. (1995) scheint die „Intergenerational Stake Hypothese“ also eine generelle Gültigkeit für die Eltern-Kind-Beziehung unabhängig von bestimmten Entwicklungsstufen zu besitzen. Dies wird gleichermaßen für die Vater-Kind-Dyade und die Mutter-Kind-Dyade angenommen (Giarrusso et al., 1995). Im Gegensatz zu diesem Ergebnis werden allerdings in der Übersichtsarbeit von Marsiglio et al. (2000) geringere Korrelationen zwischen der Beziehungsbeschreibung von Vätern und Kindern, beispielsweise in Bezug auf Nähe zitiert als bei Mutter-Kind-Dyaden.
Giarrusso et al. (1995) konnten die Ergebnisse Bengtsons und Kuypers (1971) hinsichtlich der Existenz der „Intergenerational Stake Hypothese“ grundsätzlich
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replizieren, wobei sie von einer anderen theoretischen Erklärung - nämlich der Austauschtheorie - ausgingen und die „Intergenerational Stake Hypothese“ auf die Eltern-Kind-Beziehung generell beziehen und nicht ausschließlich auf Eltern und junge erwachsene Kinder.
Darüber hinaus zeigten sie, dass der Wunsch des Vaters, die eigenen Werte an die Kinder weiterzugeben, gemeinsam mit dem Autonomiebestreben der Kinder in der Jugend die Größe der Wahrnehmungsunterschiede in der Vater-Kind-Dyade für die gesamte Zeitspanne vorhersagen konnte.
Allerdings entsprachen nach Giarrusso et al. (1995) nur 51% der Eltern-Kind-Dyaden wirklich dem Antwortmuster der „Intergenerational Stake Hypothese“. Die anderen Dyaden erfüllten entweder ein entgegengesetztes Muster oder wiesen eine annähernde Übereinstimmung zwischen Kindern und Eltern auf. Ähnliche Ergebnisse bezüglich dreier unterschiedlicher Antwortmuster, wie sie auch Giarrusso et al. (1995) beschreiben, konnten auch in anderen Studien repliziert werden (Aquilino, 1999; Shapiro & Lambert, 1999; Trommsdorf & Schwarz, 2006). Aquilino (1999) beispielsweise markierte entsprechend drei unterschiedliche Antwortmuster hinsichtlich der Übereinstimmung von Eltern und Kinder bezogen auf verschiedene Beziehungsvariablen, wie beispielsweise die Beziehungsqualität. Allerdings stimmten in dieser Untersuchung ein erheblicher Anteil von 54% der Eltern-Kind-Dyaden in ihrer Beziehungsbeschreibung überein, und nur 25% entsprachen dem Antwortmuster entsprechend der „Intergenerational Stake Hypothese“. Die Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung von Shapiro (2004), der auch den Einfluss soziodemographischer Daten auf die unterschiedliche Wahrnehmung der Beziehung untersuchte, demonstrieren, dass die Beziehung vor allem im affektiven Bereich von den Eltern positiver eingeschätzt wird als von den Kindern. Die Kinder hingegen berichteten über häufigeren Kontakt als die Eltern, vor allem bei größerer geographischer Distanz. In Bezug auf Mütter und Väter konnte Shapiro (2004) zeigen, dass Väter eher die Häufigkeit des Kontaktes überschätzten als die Mütter. Hinsichtlich weiterer soziodemographischer Faktoren konnte lediglich ein leichter Einfluss des Familienstandes des Kindes, des Alters der Eltern und des Geschlechts nachgewiesen werden. Verheiratete Kinder älterer Eltern stellten mehr Hilfe und emotionale Unterstützung für ihre Eltern zur Verfügung. Eine hohe Übereinstimmung hinsichtlich der Beziehungsqualität innerhalb der Dyaden wurde vor allem bei gleichgeschlechtlichen Eltern-Kind-Paaren und bei Mutter-Kind-Dyaden erzielt (Shapiro, 2004).
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Nach Aquilino (1999) hingegen erwiesen sich jedoch weder das Alter noch das Geschlecht oder der ökonomischer Status als hilfreich für die Bestimmung der Clusterzugehörigkeit in hohe oder niedrige Übereinstimmung hinsichtlich der Beziehungsbeschreibung. Je höher allerdings der Bildungsstatus der Eltern war und je niedriger der der Kinder, umso eher zeigte sich ein der „Intergenerational Stake Hypothese“ entgegengesetztes Antwortmuster. Die Kinder berichteten demzufolge positiver von der Beziehung als die Eltern (Aquilino, 1999).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ergebnisse auf eine generelle Gültigkeit der „Intergenerational Stake Hypothese“ hinweisen, diese allerdings über die gesamte Lebensspanne hinweg anzunehmen ist (Giarrusso et al., 1995) und sich Ergebnisse von Harwood und Lin (2000) zufolge sogar auf der Großeltern-Enkel-Ebene manifestiert. Zudem zeigen die zuvor erwähnten Untersuchungen, dass es auch zu einem umgekehrten Bild oder aber annähernder Übereinstimmung von Eltern und Kindern kommen kann.
Nach Betrachtung der dargestellten Forschungsaktivitäten scheint es jedoch nicht eine prominente Erklärung für die Unterschiede in der Beziehungseinschätzung von Eltern und Kindern zu geben. Shapiro (2004) gibt entsprechend zu bedenken, dass nach wie vor verschiedene Perspektiven eingenommen werden sollten, um gültige Erklärungsansätze zu etablieren.
Nicht notwendigerweise schließen sich die verschiedenen Erklärungsansätze aus. Szydlik (2000) weist darauf hin, dass das Kontinuitätsstreben der Eltern (entsprechend Bengtson & Kuypers, 1971) nicht nur auf das mittlere Erwachsenenalter beschränkt ist, auch wenn dieser Aspekt vor allem zu diesem Zeitpunkt dominant sein mag. Genauso hält Szydlik (2000) auch den Wunsch nach Abgrenzung gegenüber den Eltern für eine lebenslängliche Motivation der Kinder. Aspekte wie das Autonomiestreben der Kinder und das Bedürfnis der Eltern nach Weitergabe eigener Werte scheinen also von Bedeutung, wenn auch nach Giarrusso et al. (1995) nicht ausschließlich auf bestimmte Entwicklungsphasen beschränkt.
Ausgehend von den beschriebenen Forschungsergebnissen scheint es sich demnach mehr um ein Zusammenspiel individueller Entwicklungsphasen, allgemeiner Generationsstrukturen und soziodemographischen Einflussfaktoren zu handeln, die auf die Beziehungseinschätzung von Eltern und Kindern wirken, wodurch die Notwendigkeit, multiple Perspektiven einzunehmen, wie Shapiro (2004) es fordert, offensichtlich wird. Deutlich geworden ist ferner das Erfordernis, zwei Sichtweisen, nämlich die der
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Eltern und der Kinder, zu beleuchten, um sich einer realen Beziehungsbeschreibung anzunähern (Aquilino, 1999).
Dieser Aufforderung folgt die vorliegende Diplomarbeit durch die getrennte Befragung von Vätern und erwachsenen Kindern. Es stellt sich für diese Untersuchung schließlich die Frage, inwiefern die dargestellten Ergebnisse auch hinsichtlich der Vater-Kind-Dyade bestätigt werden können, und welche Antwortmuster sich in Bezug auf die Beziehungsbeschreibung von Vätern und ihren jungen erwachsenen Kindern ergeben.
2.4 Forschungsergebnisse zur Vater-Kind-Beziehung im
Erwachsenenalter
Ging es im vorangehenden Abschnitt um die Beschaffenheit von Generationsbeziehungen im allgemeinen Sinne sowie um entwicklungspsychologische Aspekte darin, so ist es Ziel dieses Abschnittes, konkreter auf die Beziehungsausgestaltung von Vätern und Kindern im Erwachsenenalter einzugehen. Forschungsergebnisse aus Studien zur Eltern-Kind-Beziehung sowie Untersuchungen, die - wenn auch eher seltener der Fallexplizit auf die Vater-Kind-Beziehung fokussieren, geben einen Überblick über den bisherigen Stand der Forschung.
2.4.1 Wie wichtig sind Väter für das Wohlbefinden junger erwachsener Kinder - und umgekehrt?
Wenn eine Beziehung, in diesem Fall die Vater-Kind-Beziehung, das Forschungsinteresse auf sich zieht, so liegt wohl die Hypothese nahe, dass diese auch eine gewisse Relevanz für die zwei Generationen - also die Väter und Kinder - besitzt. Die distinkten Funktionen von Vätern für ihre Kinder, die in Abschnitt 2.2 erörtert wurden, stellen eine erste Grundlage für diese Vermutung dar. Bezogen auf das Erwachsenenalter wird in diesem Abschnitt das Augenmerk auf die Frage gelenkt, inwiefern die Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter die Väter und Kinder in ihrem psychischen Wohlbefinden oder aber Stresserleben beeinflusst und somit relevant ist. Zur Beantwortung der überschriebenen Frage dieses Abschnittes bietet es sich folglich an, Studien zum so genannten “well-being“ von Kindern und Eltern im
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Zusammenhang mit der Qualität ihrer Beziehung zueinander zu bemühen, deren Ergebnisse im Folgenden vorgestellt werden.
Allerdings beziehen sich diese Studien mit Ausnahme von Amato (1994) und Brotherson, Yamato und Acock (2003) nicht explizit auf die Vater-Kind-Beziehung sondern auf Eltern, es werden jedoch in den meisten Fällen Vater-Kind-Dyaden und Mutter-Kind-Dyaden unterschieden. Sofern die Ergebnisse sich hinsichtlich der Dyaden unterscheiden, wird dies in der folgenden Darstellung berücksichtigt. Brotherson, Yamato und Acock (2003) konnten unter Berücksichtigung von 362 Vater-Kind-Dyaden zeigen, dass eine gute Vater-Kind Beziehung einen moderat positiven Effekt auf das Wohlbefinden bei jugendlichen Söhnen und Töchtern hat. Sie fanden zudem einen positiven Zusammenhang zwischen starker Bindung von Vätern und ihren Kindern und der Qualität ihrer Beziehung.
Die Ergebnisse der Studie von Amato (1994), in der Väter, Mütter und ihre jungen erwachsenen Kinder im Rahmen einer umfangreichen und repräsentativen Studie hinsichtlich ihrer Beziehung zueinander im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden der jungen Erwachsenen befragt wurden, zeigen einen deutlichen Einfluss der Nähe (closeness) zu den Eltern und dem psychischen Wohlbefinden der Kinder. Nähe wurde dabei durch Fragen zum entgegengebrachten Verständnis der Eltern, Vertrauen, Respekt, Gerechtigkeit und Affekt abgebildet. Das Wohlbefinden der jungen erwachsenen Kinder wurde über die folgenden vier Dimensionen gemessen: Fröhlichkeit (happiness), Lebenszufriedenheit, Symptome psychischer Belastung und Selbstvertrauen (Amato, 1994). Bei einer getrennten Analyse der Mutter-Kind- und Vater-Kind-Paare wurde ein jeweils signifikant positiver Zusammenhang zwischen der Nähe zum jeweiligen Elternteil und dem Wohlbefinden der Kinder gefunden (Amato, 1994). Dies bedeutet, dass Väter einen eigenen Beitrag für das psychische Gleichgewicht der Kinder leisten, unabhängig von der Beziehung der Kinder zu ihren Müttern (Amato, 1994). Dies gilt vor allem für die Dimensionen Fröhlichkeit, Lebenszufriedenheit und Stresserleben der Kinder, lediglich bezogen auf das Selbstvertrauen zeigten die Ergebnisse einen größeren Einfluss der Nähe zur Mutter als zum Vater auf das „well-being“ der Kinder. Die Ergebnisse der weiter oben bereits zitierten holländischen Längsschnittstudie von van Wel et al. (2002), die insgesamt 1078 Jugendliche und junge Erwachsene einbezog, stellen die Bedeutung der Bindung von jungen erwachsenen Kindern an ihre Eltern heraus. Diese hatte dabei in beiden Altersgruppen großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Kinder, auch wenn sich dies in noch stärkerem Ausmaß bei den untersuchten Jugendlichen zeigte (van Wel et al., 2002).
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Daran schließen sich die Ergebnisse von Roberts und Bengtson (1993) an, welche darauf hin weisen, dass die Beziehung zu den Eltern bei erwachsenen Kinder zwar weniger als bei Jugendlichen das eigene Wohlbefinden beeinflusst, jedoch nach wie vor eine große Rolle spielt. Vielmehr demonstrieren Roberts und Bengtson (1993) in ihrer Untersuchung die Langzeiteffekte positiver Eltern-Kind-Beziehungen in der Jugend, die laut der Autoren zu einem stärkeren Selbstbewusstsein der Kinder im jungen Erwachsenenalter führten. Die Untersuchung von Barnett, Kibria, Baruch und Pleck (1991) zeigt ebenfalls die positive Korrelation zwischen der Eltern-Kind-Beziehung und dem psychischen Wohlergehen von erwachsenen Töchtern - Söhne wurden in dieser Studie nicht befragt. Die Ergebnisse verweisen zwar auf einen stärkeren Zusammenhang bei der Mutter-Tochter-Beziehung. Allerdings, wenn die Mutter nicht mehr lebte, war die Qualität der Vater-Kind-Beziehung von gleichermaßen großer Bedeutung für das Wohlbefinden und den erlebten Distress der Töchter (Barnett et al., 1991). Koropeckyj-Cox (2002) befragte Eltern mittleren und höheren Erwachsenenalters unter anderem hinsichtlich der Beziehung zu ihrem erwachsenen Kind und fand dabei negative Auswirkungen schlechter Eltern-Kind Beziehungen auf die psychische Gesundheit von Vätern und Müttern.
Nach Umberson (1992), die Personen im Alter von 24 bis 86 Jahren hinsichtlich ihrer Beziehung zu ihren jugendlichen und erwachsenen Kindern sowie zu deren eigenen Vätern und Müttern befragte, sind es ähnlich wie bei Koropeckyj-Cox (2002) vor allem die negativen Aspekte intergenerationaler Beziehungen, die mit erhöhtem Distress seitens der erwachsenen Kinder und der Eltern einhergehen. Dies zeigt sich vor allem darin, dass angespannte Beziehungen mit dem Vater mit stärkerem Distress der Kinder einhergehen, während umgekehrt die Auswirkungen sozialer Unterstützung und Kontakt zum Vater weniger bedeutend zu sein scheinen, als dies in den Beziehungen zu den Müttern der Fall ist. Generell zeigen die Ergebnisse eine größere Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung als der Vater-Kind-Beziehung für das psychische Wohlbefinden der Probanden (Umberson, 1992). Bezogen auf Familienstrukturen geht laut der Untersuchung von Umberson (1992) ein Kontakt mit dem Vater bei geschiedenen Kindern erstaunlicherweise mit mehr Distress, bei verheirateten Kindern mit weniger Distress, einher. Dies macht auf die Bedeutung familiärer Strukturen der Generationen aufmerksam. Es scheint also durchaus notwendig, diese bei der Untersuchung von Auswirkungen der intergenerationalen Beziehungen auf das Wohlbefinden der Generationen zu berücksichtigen. Unterstrichen wird dieser Zusammenhang durch die Ergebnisse von Roberts und Bengtson (1993), in
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deren Längsschnittstudie junge erwachsene Kinder, die bereits arbeiteten, weniger unter angespannten Beziehungen zu den Eltern litten als nicht Berufstätige. Zusammenfassend lässt sich aus den dargestellten Befunden ableiten, dass positive Beziehungen zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern das seelische Wohlbefinden auf beiden Seiten erhöhen und die psychologische Symptombelastung der erwachsenen Kinder, aber auch der Mütter und Väter verringert. Schlechtere Beziehungen scheinen im Zusammenhang mit größerem Stresserleben beider Elternteile sowie der Kinder zu stehen. Auch wenn nach Roberts und Bengtson (1993) dies noch stärker bei jugendlichen Kindern der Fall ist, gilt dies auch für das frühe Erwachsenenalter und erfährt besondere Relevanz, wenn man es mit den Worten Barnetts et al. (1991) ausdrückt, nämlich dass die Beziehung von Eltern und somit auch von Vätern und ihren erwachsenen Kindern nicht eine sehr lange, sondern vermutlich die längste Beziehung ist, welche die erwachsenen Kinder in ihrem Leben haben werden.
Um auf die vorangestellte Frage des Abschnittes zurück zu kommen, so ist diese schließlich wie folgt zu beantworten: Väter sind wichtig für das Wohlbefinden ihrer Kinder und leisten dabei einen von der Mutter unabhängigen Beitrag und nach Rohner und Veneziano (2001) darüber hinaus einen mindestens genauso bedeutenden. Umgekehrt sprechen die Ergebnisse dafür, dass auch die Kinder wichtig für die Zufriedenheit der Väter sind - und das möglicherweise ein gemeinsames Leben lang.
2.4.2 Untersuchungsergebnisse zur Beziehungsgestaltung von Eltern und erwachsenen Kindern
Das einleitend beschriebene gestiegene Interesse an Generationsbeziehungen im Erwachsenenalter schlägt sich in der Veröffentlichung entsprechender Studien nieder, von denen einige an dieser Stelle hinsichtlich prominenter Beziehungsvariablen vorgestellt werden. Einschränkend muss jedoch angemerkt werden, dass diese Untersuchungen, ähnlich wie die zuvor vorgestellten, mangels breiter angelegter Studien zu Vätern und erwachsenen Kindern auf Eltern und Kinder bezogen sind. Allerdings wird innerhalb dieser Studien häufig zwischen Mutter-Kind-Dyaden und Vater-Kind-Dyaden differenziert, so dass an dieser Stelle vorwiegend Ergebnisse zur Beziehung von Vater-Kind-Paaren Erwähnung finden.
Bevor differenziertere Ergebnisse dargestellt werden, muss an dieser Stelle vorab bemerkt werden, dass die Beziehungen von jungen erwachsenen Kindern und ihren Eltern
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generell in der Forschungsliteratur als eher positiv beschrieben werden, nämlich als harmonisch (Papastefanou & Buhl, 2002), eher eng und emotional, eher nah als distanziert (Bengtson & Kuypers, 1971; Lawton, Silverstein & Bengtson, 1994; Szydlik, 1995; Umberson, 1992) sowie entspannter, gleichberechtigter und partnerschaftlicher (Graf et al., 2000).
In einer umfangreichen Längsschnittuntersuchung von Richards, Bengtson und Miller (1989), in der Eltern im mittleren Erwachsenenalter zu Veränderungen in der Beziehungen zu ihren Kindern und eigenen Eltern befragt wurden, nahmen von den zwei Dritteln der Eltern, die eine Veränderung wahrnahmen, über 50% eine Verbesserung in ihren Beziehungen zu den jungen erwachsenen Kindern im Vergleich zu den Jahren davor wahr, was sich an obigen Betrachtungen zu Familien mit Kindern im frühen Erwachsenenalter anschließt.
Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch auf die Untersuchung von Graf et al. (2000) hingewiesen werden. Nach den Ergebnissen ihrer Querschnitts-Befragung von 113 Schülerinnen und 81 Studentinnen zeigten sich zwar ebenfalls Veränderungen hin zu einer stärker gleichberechtigten und entspannten Beziehung zwischen den Kindern und ihren Eltern, gleichzeitig aber wurde eine „emotionale Randposition“ (S.181) des Vaters mit steigendem Alter der Töchter deutlich. Die Forschungslandschaft scheint demzufolge kein durchweg einheitliches Bild aufzuzeigen, wie auch in den folgenden Abschnitten noch deutlich werden wird. Einen guten Überblick über entsprechende Forschungsarbeiten findet sich in den Übersichtsarbeiten von Lewis und Lin (1996) und Lye (1996). Die Autoren geben darin einen Überblick über untersuchte Aspekte der Beziehung von Eltern und ihren nicht mehr zu Hause wohnenden jungen erwachsenen Kindern, wie beispielsweise die Kontakthäufigkeit, die Beziehungsqualität, die instrumentelle und finanzielle Unterstützung, die Scheidung der Eltern sowie Geschlechterunterschiede und ihr Einfluss auf die Eltern-Kind-Beziehung.
Innerhalb dieser Themenbereiche bewegen sich auch die nachfolgend dargestellten Studien. Es bietet sich aus diesem Grund an, thematisch geordnet vorzugehen und die jeweiligen Ergebnisse der ausgewählten Untersuchungen gegenüber zustellen. Einen zusammenfassenden Überblick über die wichtigsten der im Folgenden vorgestellten Studien liefert die Tabelle des Anhangs A.
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Gegenseitige Unterstützung
Nach Lye (1996) wurde das Ausmaß gegenseitiger Unterstützung instrumenteller und emotionaler Art in der Forschung eher überschätzt, und die Forschungsergebnisse zu diesem Thema sind uneinheitlich. Lewis und Lin (1996) kommen jedenfalls zu dem Fazit, dass der Austausch gegenseitiger Unterstützung über die so genannte „Launching Phase“ hinweg Bestand hat. Wie bereits weiter oben erörtert, scheint in jedem Fall die instrumentelle Hilfe in Form finanzieller Unterstützung vorwiegend von den Eltern an die Kinder zu gehen und nicht umgekehrt (Papastefanou, 1997; Papastefanou & Buhl, 2002; Szydlik, 2000).
Amato , Rezac und Booth (1995) befragten hierzu in einer amerikanischen
Längsschnittuntersuchung 2033 2 verheiratete Personen im Alter von 55 Jahren sowie die im Haushalt lebenden Kinder im Alter von 19 Jahren und älter hinsichtlich des gegenseitigen Austauschs emotionaler aber auch instrumenteller Unterstützung. Dabei unterschieden sie zwischen dem Bitten um Hilfe und dem Erhalt von Hilfe. Bei ihren Untersuchungen erhoben die Autoren verschiedene unabhängige Variablen, wie die Qualität der Elternbeziehung, den Familienstand der Kinder, den gegenseitigen Affekt sowie die geographische Entfernung. Die Ergebnisse zeigten eine negative Assoziation zwischen der Scheidung der Eltern und dem Bitten der Kinder um Hilfe von ihren Eltern sowie zwischen der Scheidung der Eltern und dem Austausch von Unterstützung mit dem Vater, jedoch nicht mit der Mutter (Amato et al., 1995). Die eheliche Qualität spielte allerdings keine Rolle für den Austausch gegenseitiger Unterstützung. Ein positiver Affekt zum Vater hingegen war positiv mit dem Erhalt elterlicher Unterstützung verbunden, aber nicht mit der Unterstützung der Kinder für ihre Eltern. Generell zeigte sich, dass größere geographische Distanzen negativ mit gegenseitigen Hilfeleistungen im Zusammenhang standen. Auffallend ist an diesen Ergebnissen, dass die Scheidung der Eltern einen erheblich größeren Einfluss auf die Vater-Kind-Beziehung hatte als auf die Mutter-Kind-Beziehung. Dieses Ergebnis wird durch nachfolgend dargestellte Studien bestätigt. Spitze und Logan (1990) suchten in einer Telefonbefragung von 8500 Personen im mittleren und höheren Erwachsenenalter nach Faktoren, die das Empfangen der Eltern von sozialer Unterstützung durch die Kinder beeinflussen. Die Ergebnisse ihrer Querschnittsuntersuchung zeigten einen deutlichen Geschlechtereffekt. Eltern, die
2 Die Untersuchung fand zu insgesamt 4 Zeitpunkten statt. 1980 wurden 2033 Personen telefonisch kontaktiert von denen 65% bereit waren teilzunehmen. Die Kinder wurden 1992 zum 4. Erhebungszeitpunkt befragt.
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mindestens eine Tochter hatten, erhielten in dieser Stichprobe signifikant mehr Unterstützung als andere (Spitze und Logan, 1990).
Auch Rossi und Rossi (1990) sehen das Geschlecht als salienten Faktor in Bezug auf die intergenerationale Solidarität und Unterstützung sowie darüber hinaus auf die gesamte Beziehungsgestaltung. Danach wird in den Mutter-Tochter-Dyaden die meiste Hilfe ausgetauscht (Rossi & Rossi, 1990).
Im Rahmen einer Längsschnittuntersuchung von Silverstein, Parrot und Bengtson (1995), die 521 Kinder im mittleren Erwachsenenalter betrachtet, konnten die Autoren zeigen, dass Töchter in ihrer Hilfeleistung stark von Affekten beeinflusst werden. Je positiver der Affekt der Töchter gegenüber den Eltern, desto eher waren sie bereit diese zu unterstützen. Söhne hingegen begründeten Hilfeleistungen stärker über Generationsverpflichtungen und weniger über ihr Gefühl zu ihren Eltern. Die Daten der Untersuchung von Umberson (1992) stammten aus einem großen nationalen Sample der USA, das aus insgesamt 3618 Personen bestand. Es handelte sich dabei um Eltern und Kinder ab 24 Jahren, die hinsichtlich ihrer Beziehung zueinander befragt wurden. Umberson (1992) konnte zeigen, dass Väter im Vergleich zu den Müttern weniger von ihren Kindern unterstützt werden. Das Alter der Kinder war jedoch positiv mit der Unterstützung vom Vater korreliert. Eltern mit höherem Einkommen berichteten über weniger soziale Unterstützung durch die Kinder, wohingegen höhere Bildung seitens der Eltern mit mehr sozialer Unterstützung von den Kinder für ihre Eltern einherging.
Wie bereits weiter oben bemerkt, scheint die Befundlage hinsichtlich der gegenseitigen Unterstützung heterogen und es werden sehr verschiedenen Aspekte beleuchtet. Szydlik (2000) fasst in seinem Buch über die Solidarität zwischen den Generationen die Ergebnisse hinsichtlich intergenerationaler Transfers und Hilfeleistungen zwischen Eltern und erwachsenen Kindern außerhalb des Haushalts wie folgt zusammen: Das Geld fließt an die Kinder, die instrumentelle und emotionale Unterstützung sowie die dadurch aufgebrachte Zeit in umgekehrter Richtung von den Kindern an die Eltern. Ferner scheint in der Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern etwas weniger Unterstützung ausgetauscht zu werden. Auch unter einer elterlichen Scheidung scheint vor allem die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Vater-Kind-Dyade zu leiden, weniger innerhalb der Beziehung zwischen Müttern und Kindern. Gleichzeitig zeigt sich ein Geschlechtereffekt: So sind es offensichtlich die Töchter, die bei der innerfamiliären Hilfe einen größeren Beitrag leisten als die Söhne.
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Kontakthäufigkeit
Nach Lye (1996) stehen Eltern und Kinder in häufigem, oft wöchentlichem oder täglichem Kontakt zu einander, der sich über Besuche, Telefonanrufe und Briefe vollzieht. Bei dieser Feststellung bezieht sie sich unter anderem auf Lawton, Silverstein und Bengtson (1994) sowie auf Rossi und Rossi (1990), die sich in ihren Ergebnissen bezüglich des regelmäßigen Kontaktes zwischen Kindern und Eltern im Erwachsennalter gleichen. Dies entspricht auch der Untersuchung von Umberson (1992), bei der 75% der Eltern angaben, ihre Kinder einmal in der Woche oder öfter zu sehen. Die gleiche Aussage treffen 57% der Kinder in Bezug auf ihre Väter und 66% bezüglich ihrer Mütter. Die Ergebnisse von Lawton et al. (1994), die 1000 erwachsene Kinder ab 18 Jahren telefonisch befragten, zeigen entsprechend, dass in den meisten Fällen der weiter oben beschriebene häufige Kontakt besteht. Auch hier verringerte die Scheidung der Eltern den Kontakt zum Vater. Ein geringeres Einkommen der Kinder wiederum war mit mehr Kontakt zum Vater assoziiert (Lawton et al., 1994). Ein höherer Bildungsstatus sowie ein höheres Alter der Kinder standen dagegen mit weniger Kontakt zu beiden Elternteilen auch im Zuge geographischer Entfernung in Verbindung. Lawton et al. (1994) gingen zusätzlich der Frage nach, inwiefern ein positiver Affekt den Kontakt steigert oder umgekehrt der regelmäßige Kontakt zu einem positiveren Affekt führen kann. Dabei konnte bei der Vater-Kind-Beziehung ein positiver Affekt nicht die Häufigkeit des Kontaktes erhöhen, jedoch steigerte umgekehrt ein häufiger Kontakt den positiven Affekt zum Vater. Auch O`Connor, Allen, Bell und Hauser (1996) zeigten im Rahmen einer Längsschnittuntersuchung unter Einbezug 146 junger erwachsener Kinder (zum ersten Erhebungszeitpunkt noch Jugendliche), dass zwischen der Eltern- und Kindergeneration eine reger Kontakt besteht. Sie fanden dabei eine moderat positive Korrelation zwischen der Kontakthäufigkeit und der Beziehungszufriedenheit innerhalb der Vater-Kind-Dyaden. Cooney (1994) untersuchte die Eltern-Kind-Beziehungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 18 und 23 Jahren aus 257 intakten Familien und 228 Scheidungsfamilien. Dabei ergab sich, dass Kinder aus Scheidungsfamilien weniger Kontakt zu den Vätern hatten als das in Nicht-Scheidungsfamilien der Fall war. Signifikant wurde dieses Ergebnis allerdings nur bei den Söhnen, was möglicherweise mit dem bereits beschriebenen Geschlechtereffekt in Zusammenhang stehen könnte. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass prinzipiell ein eher hochfrequenter Kontakt zwischen den Generationen herrscht, wobei Einschränkungen diesbezüglich eher für die Vater-Kind-Dyade gelten, die offensichtlich anfälliger für familienstrukturell
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bedingte Umstände wie beispielsweise Scheidung ist, so wie es auch Doherty et al. (1998) in Bezug auf den Einfluss äußerer Faktoren auf die Vaterrolle vermuten.
Abgrenzung und Verbundenheit
Einige Studien zu erwachsenen Kindern und Eltern beschäftigen sich mit der Abgrenzung der jungen Erwachsenen von ihren Eltern einerseits und der Verbundenheit
andererseits, oft vor dem Hintergrund der Individuationstheorie 3 . Dabei scheint nach Buhl (2000) zwischen Eltern und Kindern generell eine hohe Verbundenheit zu bestehen. Sie befragte 114 junge Erwachsene im Alter von 18-32 Jahren (es wurden zusätzlich weitere 27 erwachsene Kinder im Alter von 33-63 befragt, die hier nicht näher betrachtet werden) hinsichtlich ihrer Beziehung zu den Eltern. Sie konnte zeigen, dass die Beziehung zum Vater am meisten in Bewegung ist. Nach Buhl (2000) wird diese ausgeglichener und partnerschaftlicher und die Konflikthäufigkeit nimmt mit dem Alter der Töchter ab. Generell zeigte sich weniger Antagonismus zum Vater, wenn die Kinder ausgezogen waren und in festen Partnerschaften lebten. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass junge Erwachsene, die selbst Eltern waren, eher schlechtere Beziehungen zu ihren Vätern hatten. Vor allem die Töchter berichteten dann über entsprechend weniger Wertschätzung durch den eigenen Vater.
Szydlik (1995) untersuchte im Rahmen des sozioökonomischen Panels, innerhalb dessen Daten durch die Befragung von 5921 Haushalten in Westdeutschland und 2179 Haushalten in Ostdeutschland erhoben wurden, die Enge der Generationsbeziehungen. Dabei zeigen die Ergebnisse konform mit den bereits dargestellten Befunden enge Beziehungen innerhalb der Dyaden, wobei, in Einklang mit dem weiter oben dargestellten Geschlechtereffekt, die Mütter und Töchter die engsten Beziehungen hatten. Die Beziehungen von Vätern und Töchtern waren enger, als die zwischen Vätern und Söhnen. Die Väter beschrieben die Beziehung enger als die Kinder (Buhl, 2000). Nach Silverstein und Bengtson (1997), die Beziehungstypen auf der Basis einer Untersuchung der Beziehung von 971 erwachsenen Kindern zwischen 21 und 72 Jahren (der Altersmittelwert lag bei 35 Jahren) und ihren Eltern generierten, waren 43% der Kinder eng verbunden oder standen zumindest in einem offenen und zugewandten Kontakt mit ihrem Vater. Weitere 14% der Beziehungen wurden als intim und vertraut
3 Die Individuationstheorie, die ursprünglich für die Kindheit und Adoleszenz postuliert wurde, aber auch für die Eltern-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter herangezogen wird, unterscheidet die Konstrukte Abgrenzung und Verbundenheit. Während eine positive, emotional verbundene Grundstimmung als konstant angenommen wird, verstärkt sich spätestens mit Beginn der Adoleszenz die Abgrenzung der Kinder von den Eltern (Buhl, 2000).
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eingeschätzt, obwohl aufgrund größerer Entfernungen der Wohnorte weniger Kontakt bestand. 27% der Kinder, also in etwa ein Drittel der Stichprobe, fühlte sich mit ihren Vätern nicht verbunden. Kritisch zu beurteilen ist allerdings die hohe Altersspanne der Kinder. So können Unterschiede hinsichtlich höherer oder niedrigerer Verbundenheit auch aufgrund der unterschiedlichen Kohortenzugehörigkeit entstehen. Nach Silverstein und Bengtson (1997) hatten ältere Kinder eher als jüngere Kinder unverbundene Beziehungen zu ihren Vätern.
Hinsichtlich Verbundenheit mit und Abgrenzung von den Eltern lassen sich auch Unterschiede zwischen studierenden und berufstätigen Erwachsenen ausmachen. Buhl et al. (2003) befragten 75 studierende und 55 berufstätige junge erwachsene Kinder und ihre Eltern. Die Ergebnisse dieser Befragung zeigen, dass die Verbundenheit der Studierenden zu den Eltern größer und die behaviorale Abgrenzung geringer war als bei den Altersgenossen, die bereits im Berufsleben standen. Es zeigt sich zudem, dass die Verbundenheit mit den Eltern mit steigendem Alter der Kinder weniger wird. Die Eltern der beiden Gruppen unterschieden sich jedoch nicht hinsichtlich ihrer Beurteilung über die Verbundenheit zu ihren Kindern. Allerdings wird diese konform mit der „Intergenerational Stake Hypothese“ und den bereits genannten Ergebnissen von Szydlik (2000) von den Eltern höher eingeschätzt als von den Kindern (Buhl et al., 2003). Auffallend ist auch hier, dass die Kinder sich mit dem Vater weniger verbunden fühlen als mit der Mutter und auch die Väter sich weniger verbunden mit ihren Kindern fühlen als die Mütter. Jedoch muss dies vor dem Hintergrund der generell eher großen Verbundenheit und positiven Einfärbung der Eltern-Kind-Beziehung gesehen werden. Es wäre demnach falsch davon auszugehen, dass Kinder sich ihren Vätern generell wenig verbunden fühlen. Vielmehr muss man formulieren, dass Kinder sich mit Müttern und Vätern eher eng verbunden fühlen, zu den Müttern allerdings in noch stärkerem Ausmaß.
Wie bereits weiter oben angemerkt, weisen Buhl et al. (2003) interessanterweise darauf hin, dass die befragten Kinder über eine eher geringe kognitive Abgrenzung zum Vater berichten und sie in Bezug auf den Vater in kindlichen Rollenmustern verharren. Nydegger und Mitteness (1996) zeigen entsprechend, dass die Väter selbst noch lange in einer Ratgeberrolle agieren und die Kinder sich ihnen gegenüber wenig einflussreich fühlen. Dies könnte ein Hinweis auf die Frage der Ausweitung der in Abschnitt 2.2 besprochenen distinkten Funktionen ins Erwachsenenalter hinein sein. Wobei damit noch ungeklärt bleibt, inwiefern die Kinder diese geringe Abgrenzung als hilfreich empfinden oder diese Ratgeberfunktion des Vaters überhaupt als solche wahrnehmen.
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Ambivalenz und Beziehungsqualität
Was sich in der vorhergehenden Überschrift „Abgrenzung und Verbundenheit“ bereits andeutet, nämlich eine Ambivalenz in der Eltern-Kind-Beziehung, ist Gegenstand verschiedener Studien (z.B. Böhmer, 2000) und wird von Luescher und Pillemer (1998) als neuer Ansatz zur Beschreibung von Generationsbeziehungen vorgeschlagen. Gemeint ist damit, dass Eltern und Kinder ihre Beziehung häufig als ambivalent im Sinne von positiv und verbunden einerseits oder aber auch schwierig und distanziert in bestimmten Bereichen andererseits erleben. Eltern und Kinder bewegen sich danach häufig in einem Spannungsfeld zwischen Eigenständigkeit und Abhängigkeit, zwischen Annäherung und Distanzierung (Böhmer, 2000).
Die Generationsambivalenz schließt sich letztlich an die oben aufgeführte Verbundenheit versus Abgrenzung bei Eltern und Kindern an. Vor dem Hintergrund dieser Ambivalenz von Generationsbeziehungen ließ die Arbeitsgruppe um Böhmer (2000) 72 Mütter und Väter und 52 Kinder ihre Beziehung auf einer Dimension mit den Polen Konvergenz und Divergenz einschätzen. Auf dieser Dimension sollten Annäherungstendenzen wie auch Distanzierung voneinander abgebildet werden. Konvergenz bedeutet dabei Gemeinsamkeit, Identifizierung, Nähe und Verbundenheit und wurde durch die Attribute fürsorglich, liebevoll, warmherzig und eng vertreten. Divergenz bedeutet entsprechend Abgrenzung und Distanzierung und wurde durch die Attribute kühl, oberflächlich, lose und erdrückend abgebildet. 39% der Kinder erlebten die Beziehung zum Vater als konvergent. 27% allerdings hielten ihre Beziehung zum Vater für wenig konvergent. Nur 10% der Eltern, Väter wie Mütter, sagten das über die Beziehung zu ihrem Kind. Knapp 30% der Kinder fanden ihre Beziehung zum Vater divergent oder sehr divergent (nur 5% der Kinder sagten das in Bezug auf die Mutter). Von den Eltern wurden nur sehr wenige Beziehungen als divergent bezeichnet, und wenn, dann ausschließlich bei Söhnen, nicht bei Töchtern.
Bezogen auf die Beziehungsqualität zeigte sich, dass Kinder stark zwischen Müttern und Vätern differenzieren, während die Eltern die Beziehung generell als positiv beschreiben (Einschätzung wurde anhand von Gesichstssymbolen getroffen). Nur gut 38% der Kinder wählten ein lachendes Gesicht zur Beschreibung der Beziehung zum Vater, während knapp 45% ein neutrales Gesicht für die Beschreibung der Beziehungsqualität als angemessen empfanden. Auch die Enge der Beziehung zum Vater wurde deutlich geringer eingeschätzt als die zur Mutter (siehe auch Szydlik, 1995). Es fällt folglich auf, dass die Beziehung zum Vater deutlich negativer eingeschätzt wird, was sich an die Studie von Graf et al. (2000) anschließt. Dennoch kommt auch
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Böhmer (2000) zu dem Schluss, dass die Beziehung zum Vater von der Mehrheit der Kinder als eher konvergent erlebt wird, wenn auch divergente Beschreibungen in der Beziehung zu ihm wesentlich häufiger gewählt werden, als dies bei der Beschreibung der Mutter-Kind-Beziehung der Fall ist.
Für die vorliegende Untersuchung ist es demnach von Interesse, wie „konvergent“ oder aber „divergent“ die Vater-Kind-Beziehung aus beiden Perspektiven erlebt wird. Möglicherweise können im Sinne einer Ambivalenz sowohl hohe divergente Anteile wie auch ausgeprägte konvergente Anteile gleichzeitig in verschiedene Bereichen vorherrschend sein.
2.4.3 Die Beziehung von Vätern und erwachsenen Kindern aus Scheidungsfamilien
Schon in den vorhergehenden Abschnitten wurde auf Studien hingewiesen, die negative Einflüsse einer Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung fanden. So zum Beispiel in der bereits beschriebenen Untersuchung von Cooney (1994), in der neben der geringeren Kontakthäufigkeit auch weniger Intimität in den Beziehungen von geschiedenen Vätern und ihren leiblichen erwachsenen Kindern gefunden wurde. In diesem Abschnitt sollen infolgedessen ausschließlich Studien betrachtet werden, die sich explizit mit der Wirkung der Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter beschäftigen. Arditty und Prouty (1999) befragten 24 Studentinnen und Studenten zwischen 18 und 24 Jahren in umfangreichen Interviews zu ihren Erinnerungen an die Scheidung der Eltern, zu ihrer jetzigen Beziehung zum Vater sowie nach einem möglichen Einfluss der Scheidung auf Veränderungen in der Vater-Kind-Beziehung. Die Autorinnen erhielten dabei ein große Bandbreite unterschiedlicher Beziehungsbeschreibungen der Studenten im Hinblick auf ihr gegenwärtiges Verhältnis zu ihrem leiblichen Vater. Bemerkenswert ist dabei, dass diese keinesfalls nur negativ eingefärbt waren, wie sie es vor dem Hintergrund anderer Forschungsbefunde vermuteten. Negative Veränderungen berichteten vor allem Kinder, die in ihrer Erinnerung sehr enttäuscht über den Rückzug und den geringen Einsatz ihres Vaters ihnen gegenüber nach der Scheidung waren. Sie berichteten über wenig Kontakt zum Vater nach der Scheidung und wenig Involvement seinerseits. Seine Rolle wurde in manchen Fällen auch der eines „Disneyland Daddys“ zugeordnet, der wenig Halt geben konnte. Als Folge davon berichteten einige der Kinder, dass sie sich ihrerseits stark vom Vater zurückgezogen und sich immer weniger in der Beziehung engagiert haben.
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Einige Kinder räumten ihren Vätern wenig Bedeutung für ihr jetziges Leben ein und glaubten, dass ihr Vater wenig über sie wisse. Manche Kinder sahen den Wegzug des Vaters nach der Scheidung als verantwortlich für eine lose, oberflächliche Beziehung zwischen ihnen. Eine Studentin berichtete beispielsweise, dass ihr Vater seit der Trennung acht Stunden entfernt von ihr wohne und sich der Kotakt daher verringert habe. Andere Studenten und Studentinnen hingegen hatten vor und auch nach der Scheidung enge und vertraute Beziehungen zu ihren Vätern. Sie berichteten von persönlichen Gesprächen und gemeinsamen Unternehmungen mit ihren Vätern, von denen sie profitierten und betonten seine Zugewandtheit ihnen gegenüber sowie seine finanzielle Unterstützung.
Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Berichte lässt sich folglich vermuten, dass eine Scheidung nicht notwendigerweise das Verhältnis zwischen Vätern und Kindern verschlechtern muss, worauf auch die Ergebnisse von Ahrons und Tanner (2003) verweisen. Sie befragten 173 erwachsene Kinder zwischen 21 und 52 Jahren 20 Jahre nach der Trennung der Eltern zur Beziehung zu ihren Vätern. Die Probanden waren Teil einer 20 Jahre andauernden Längsschnittstudie, die seit 1979 Scheidungsfamilien begleitete und die Beziehung der Familienmitglieder untersuchte. Von den befragten jungen Erwachsenen gaben 49% an, dass sich die Beziehung zu ihrem Vater verbessert habe, was selbst vor dem Hintergrund der allgemeinen Tendenz von Eltern Kind-Beziehungen, sich im Erwachsenenalter zu verbessern, ein sehr eindrückliches Ergebnis darstellt. Weitere 12% der Kinder waren der Meinung, dass die Beziehung seit der Scheidung gleich geblieben sei. Allerdings gaben 38% der Kinder eine Verschlechterung in der Beziehung zu ihren Vätern an. Die Ergebnisse zeigen damit deutliche Parallelen zu den Interview-ergebnissen von Arditty und Prouty (1999). Auch hier scheint das Bild eher heterogen und keinesfalls einheitlich negativ. Es waren vor allem Töchter, die eine Verschlechterung der Beziehung zum Vater nach der Scheidung empfanden (Ahrons & Tanner, 2003). Von den 23 Probanden, die ein extrem schlechtes Urteil über die Beziehung zu ihren Vätern abgaben, waren 75% weiblich. Die Vater-Tochter-Beziehung zeigte sich in dieser Untersuchung offensichtlich wesentlich belasteter durch die Scheidung als die Vater-Sohn-Beziehung. Die Autoren fanden einen weiteren Zusammenhang, der sich vorherigen Ausführungen dieser Arbeit anschließt. Kinder, die ihre Beziehung zum Vater schlechter einschätzten, gaben gleichzeitig an, weniger involvierte Väter gehabt zu haben (Ahrons & Tanner, 2003). Ahrons und Tanner (2003) fanden weiterhin einen positiven Zusammenhang zwischen einer Verbesserung der Beziehung auf der Elternebene nach der Scheidung und
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der Einschätzung der Kinder hinsichtlich positiver Veränderungen ihrer Beziehung zum Vater.
Alles in allem zeigen die Ergebnisse der Untersuchung von Ahrons und Tanner (2003), dass ein Großteil der Kinder trotz der Scheidung positive oder zumindest unveränderte Beziehungen zu ihren Vätern hatten. Allerdings weisen die Autoren einschränkend darauf hin, dass es sich in dieser Untersuchung um weiße Amerikaner handelte, die der Mittelschicht angehörten und sich die eher positiven Ergebnisse aus diesem Grund nicht unbedingt über ethnische Zugehörigkeiten und Schichten hinweg generalisieren lassen.
Da die vorliegende Arbeit daran interessiert ist, zwei Perspektiven einer Beziehung zu beleuchten, soll an dieser Stelle auch die Sicht der Väter ausgeführt werden. In einer Studie von Cooney und Uhlenberg (1990) wurden entsprechend 261 geschiedene und 594 verheiratete Väter im Alter von 50-79 Jahren zu ihrer Beziehung zu ihren erwachsenen Kindern, die zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre und älter waren, befragt. Dabei interessierte vor allem die Kontakthäufigkeit und inwiefern die Väter ihre Kinder als unterstützend erlebten und glaubten, sich bei Bedarf auf ihre Hilfe verlassen zu können. Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Väter, die noch mit der leiblichen Mutter des Kindes verheiratet sind, häufigeren Kontakt mit ihren erwachsenen Kindern pflegten als die Gruppe der geschiedenen Männer (Cooney & Uhlenberg, 1990). In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass 90% der verheirateten Väter angaben, in wöchentlichem Kontakt mit mindestens einem ihrer erwachsenen Kinder zu stehen, während nur 50% der geschiedenen Väter das von sich sagen konnten. Während keiner der verheirateten Väter angab, die erwachsenen Kinder nur etwa einmal im Jahr zu sehen oder zu hören, war dies bei einem Drittel der geschiedenen Väter der Fall (Cooney & Uhlenberg, 1990). Es ist vor diesem Hintergrund auch nicht überraschend, dass die Hälfte der geschiedenen Väter ihre erwachsenen Kinder nicht als potentielle Unterstützung in schwierigen Situationen erlebten, während dieser Ansicht nur etwa ein Fünftel der verheirateten Väter waren. Cooney und Uhlenberg (1990) fanden außerdem, dass die Varianz in den Beziehungen zwischen geschiedenen Vätern und ihren Kindern vor allem durch das Bildungsniveau der Väter sowie durch die geographische Distanz erklärt werden konnte. Geschiedene Väter mit höherem Bildungsniveau hatten ein signifikant niedrigeres Risiko eines Beziehungsabbruchs zu dem erwachsenen Kind als andere Väter (Cooney & Uhlenberg, 1990). Dies bestätigt möglicherweise den Hinweis von Ahrons und Tanner (2003), dass sich die Beziehung von Vätern und Kindern in Scheidungsfamilien in Abhängigkeit von der
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Schichtzughörigkeit unterscheiden und ist auch vor dem Hintergrund stärkerer sozialer und finanzieller Ressourcen dieser Familien zu verstehen (Cooney & Uhlenberg, 1990).
Welches Fazit lässt sich schließlich ziehen? Eines scheint unbestritten: Die Scheidung der Eltern stellt ein nicht unbeträchtliches Risiko für die Qualität der Vater-Kind-Beziehung dar, die offensichtlich stärker als die Mutter-Kind-Beziehung unter der Trennung der Eltern leidet. Es wäre aber dennoch falsch anzunehmen, die Scheidung der Eltern allein sei eine vorbestimmte Einbahnstraße in eine schlechte Vater-Kind-Beziehung. Bereits Cooney und Uhlenberg (1990) verweisen dementsprechend auf die Komplexität der Vater-Kind-Beziehung nach einer Scheidung. Die vorgestellten Ergebnisse und Beschreibungen der erwachsenen Kinder zeigen zwar einerseits, wie sich die Beziehung zum Vater verschlechtern kann, nämlich, wie in Folge des Rückzugs und der Enttäuschung der Väter und Kinder lose, oberflächliche und distanzierte Vater-Kind-Beziehungen entstehen können. Gleichzeitig sollten aber auch die von den Kindern selbst beschriebenen Chancen für einen Erhalt oder eine Verbesserung der Beziehung nicht unbeachtet bleiben. Hoffman und Ledford (1995) konnten zudem zeigen, dass Kinder durchaus selbständige und voneinander unbeeinflusste Beziehungen zu beiden Elternteilen haben können, unabhängig von der Paarbeziehung der Eltern.
Es scheinen letztlich die Umstände einer Scheidung, die sozialen und finanziellen Ressourcen und das Engagement der Väter sowie die Beziehung der Eltern nach der Scheidung und weniger die Scheidung selbst zu sein, die sich als einflussreich erweisen.
2.4.4 Väter und Söhne, Väter und Töchter - zwei Beziehungen im Vergleich
In Abschnitt 2.2 wurde im Zusammenhang mit den distinkten Vaterfunktionen die stärkere Betonung des Geschlechts des Kindes durch den Vater diskutiert. Es wurde dabei erläutert, dass Väter anders mit ihren Söhnen als mit ihren Töchtern umgehen, beispielsweise bei Söhnen Ähnlichkeiten und bei Töchtern Unterschiede betonen. In den Ausführungen ging es zumeist um Töchter und Söhne im Kindesalter oder in der Adoleszenz. Es stellt sich nun die Frage, inwiefern sich diese Verschiedenheit der Beziehungen auch im Erwachsenenalter wieder findet.
Nydegger und Mitteness (1991) verglichen in ihrer Untersuchung die Beziehung von erwachsenen Söhnen und Töchtern zu ihren Vätern, indem sie die Sichtweisen der
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Kinder und Väter einbezogen. Die Autorinnen dieser Studie befragten dazu 267 Männer im Alter von 45-80 Jahren, die zusammen insgesamt 582 erwachsene Kinder im Alter von 18 Jahren und älter hatten. Von diesen Kindern wurden insgesamt 62 Söhne und 62 Töchter befragt. Die befragten Kinder waren im Alter von 20 bis 50 Jahren. Unabhängig von der geringeren Zahl der befragten Kinder wurden die Väter in Bezug auf alle eigenen Kinder befragt.
Auf die Frage, ob es schwerer sei, Vater eines Sohnes zu sein als Vater einer Tochter, gaben 54% der Väter an, keine Unterschiede zu sehen. Allerdings war die Art der von den Vätern beschriebenen Themen und Probleme bei Söhnen und Töchtern sehr verschieden. Nach Ansicht der befragten Väter sind Söhne schwieriger zu kontrollieren, testen ihre Grenzen aus und verfolgen sturer ihre Ziele. Die Väter sahen sich vor allem für die Förderung der Unabhängigkeit und die ökonomische Sicherung der Zukunft ihrer Söhne verantwortlich. Töchter hingegen wurden als sensibler und emotional labiler, verletzlicher und gleichzeitig offen und vertrauensvoll beschrieben sowie als leichter zu leiten. Aufgrund dessen sahen die Väter ihre Funktion vor allem in der Sorge um das Wohlergehen und den Schutz ihrer Töchter (Nydegger & Mitteness, 1991). Um zu prüfen, ob auch die erwachsenen Kinder Unterschiede wahrnehmen, wurden die befragten Kinder aufgefordert, die Beziehung ihrer Geschwister zum Vater mit der eigenen hinsichtlich Ähnlichkeit zu vergleichen. 60% der Kinder berichteten dabei über wahrgenommene Beziehungsunterschiede beispielsweise in Bezug auf gemeinsame Aktivitäten. Besonders ausgeprägt war dies vor dem Hintergrund existierender gegengeschlechtlicher Geschwister (Nydegger & Mitteness, 1991). Deutlich wurde im Rahmen dieser Untersuchung auch, dass es Vätern leicht fiel ihre Söhne in ihre „männliche Welt“ zu integrieren und mit ihnen gemeinsame Interessen zu teilen, wohingegen ihnen die Welt der Töchter immer fremd und ihre Gefühle unverständlich zu bleiben schienen. Diese äußerten ihrerseits ihr Bedauern, sich nicht verstanden zu fühlen. (Nydegger & Mitteness, 1991). Die Väter der Stichprobe waren nach Nydegger und Mitteness (1991) dennoch eher motiviert, diese Unterschiede zu betonen und zu vergrößern, was sich letztlich an Befunde zu Vätern und Töchtern im Kindes- und Jugendalter anschließt.
Im Gegensatz zu der in Abschnitt 2.2 beschriebenen stärkeren Nähe der Väter zu ihren Töchtern als zu ihren Söhnen ließen sich in dieser Untersuchung keine Unterschiede feststellen. Lediglich die Art der Nähe wurde unterschiedlich dargestellt. Söhne und Väter erfuhren die Nähe über gemeinsame „side by side“ Aktivitäten, was auch die Untersuchung von Morman und Floyd (1999) demonstriert. Bei Töchtern und Vätern
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wurde Nähe eher über Kommunikation („face to face“) hergestellt (Nydegger & Mitteness, 1991).
Bezogen auf qualitative Aspekte der Vater-Sohn Beziehung spielen nach Nydegger und Mitteness (1991) zum einem die bereits weiter oben erwähnte Autonomieunterstützung, zum anderen die Karriere und Leistung des Sohnes eine große Rolle. Die Väter der Untersuchung erwarteten von den Söhnen nicht, besser zu sein als sie selbst, das Leistungsniveau sollte jedoch gehalten werden und eine so genannte „downward mobility“ im Sinne einer schlechteren beruflichen Stellung des Sohnes war nicht erwünscht. Hier scheint also auch das Thema Wettbewerb und Vergleich im Bereich Leistung von Bedeutung zu sein. Die Väter sahen sich auch hier als Ratgeber ihrer jungen erwachsenen Söhne im Bereich Beruf und Karriere (Nydegger & Mitteness, 1991). Allerdings nahm dies bei Söhnen über dreißig Jahren ab, und die Väter waren besser in der Lage, berufliche Entscheidungen ihrer Söhne zu akzeptieren, auch wenn diese nicht den eigenen Vorstellungen und Ansprüchen entsprachen.
Auch wenn die Väter äußerten, ihre Töchter nicht immer verstehen zu können, so waren sie laut Nydegger und Mitteness (1991) dennoch voller Stolz. Väter betonten die Intelligenz und Schönheit sowie die Wärme und Verletzlichkeit ihrer Töchter, bei denen es ihnen leichter fiel als bei den Söhnen, Fehler zu verzeihen (Nydegger & Mitteness, 1991). Aus dieser Haltung resultierte auch die Motivation, die eigene Tochter zu beschützen, was auch vor dem Hintergrund einer Heirat der erwachsenen Töchter nicht geringer wurde und sich vor allem in der Kritik am Schwiegersohn äußerte. 50% der befragten Väter verheirateter Töchter glaubten, dass der Schwiegersohn nicht in der Lage sei, gut für die Tochter zu sorgen (Nydegger & Mitteness, 1991). Nach Nydeggger und Mitteness (1991) kann dies aus der Perspektive der Tochter als Kritik und Kontrolle erlebt werden und zu starken Spannungen in der Vater-Tochter-Beziehung im Erwachsenenalter führen, die jedoch in der Regel vor dem Hintergrund der generell stabilen Beziehung von Vätern und Töchtern im Erwachsenenalter überwunden werden kann (Nydegger & Mitteness, 1991). Die Befunde von Nydegger und Mitteness (1991) zeigen deutlich, dass das Geschlecht des Kindes auch im Erwachsenalter einen großen Einfluss auf die Ausgestaltung der Vater-Kind-Beziehung hat. Es finden sich dabei durchaus Parallelen zu den Unterschieden, die bereits für das Kindes- und Jugendalter aufgezeigt wurden. Auch hier erscheinen Begriffe wie „Daddy´s little girl“ und der „Sohn als Spiegel des Vaters“ geradezu passend. Auch noch im Erwachsenenalter wird von den Söhnen vor allem im Leistungsbereich mehr erwartet und die Väter sind ihnen gegenüber kritischer.
51
Vor diesem Hintergrund ist es ein Anliegen dieser Arbeit, zu überprüfen inwiefern sich diese Ergebnisse auch innerhalb der vorliegenden Stichprobe zeigen lassen.
52
2.5 Fragestellung und Hypothesen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Beziehung von Vätern und ihren jungen erwachsenen Kindern. Es werden im Rahmen einer Querschnittsuntersuchung die Sichtweisen der Väter und der Kinder einbezogen und einander gegenüber gestellt. Dabei ist es Ziel dieser Arbeit, mehr über die Gestaltung und Qualität der erwachsenen Vater-Kind-Beziehung zu erfahren.
Über die Analyse möglicher Einflüsse demographischer Daten auf die Vater-Kind-Beziehung hinaus interessiert in dieser Arbeit die Frage, ob und inwiefern die umfassend beschriebenen distinkten Funktionen von Vätern, wie beispielsweise die der Ratgeberrolle, für Kinder im Erwachsenenalter Bestand haben. Dabei ist es ein Ziel dieser Arbeit zu hinterfragen, ob sich die Einschätzungen von Vätern und jungen erwachsenen Kindern hinsichtlich dieser Funktionen entsprechen oder aber voneinander abweichen.
Des Weiteren wird in dieser Arbeit Wert darauf gelegt, mehr über die konkrete Gestaltung des Kontaktes zwischen Vätern und ihren jungen erwachsenen Kindern zu erfahren. Fragen zur Häufigkeit des Kontaktes, der Art des gemeinsamen Austauschs sowie der Veränderung des Kontaktes stehen diesbezüglich im Fokus. Vor dem Hintergrund der im allgemeinen positiv beschriebenen Generationsbeziehungen im Erwachsenenalter, die sich durch eine hohe Kontakthäufigkeit und Verbundenheit auszeichnen, wird vermutet, dass sich dies in der vorliegenden Stichprobe der Väter und jungen erwachsenen Kinder widerspiegelt. Einschränkungen bezüglich dieser positiven Sichtweise ergeben sich möglicherweise vor dem Hintergrund einer stärkeren Distanz in der Vater-Kind-Beziehung im Vergleich zur Mutter-Kind-Beziehung. Allerdings ist davon auszugehen, dass Väter, die, wie in dieser Stichprobe der Fall, an einer Befragung zur Vater-Kind-Beziehung teilnehmen, an Beziehungsfragen interessiert sind und eher gute Beziehungen zu ihren Kindern pflegen.
Bezogen auf die Ergebnisse der weiter oben dargestellten Studien zur „Intergenerational Stake Hypothese“ wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich Übereinstimmungen zwischen Vätern und Kindern hinsichtlich der Zufriedenheit mit der gemeinsamen Beziehung zeigen. Es wird vermutet, dass sich auch hier positivere Einschätzungen der Väter im Vergleich zu ihren Kindern zeigen werden. Auch interessiert
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die Frage, wer nach Ansicht der Väter und Kinder stärker auf die Beziehung angewiesen oder in größerem Ausmaß an deren Erhalt interessiert ist. In neueren Studien zur "Intergenerational Stake Hypothese" - wie sie weiter oben dargestellt wurden - zeigten sich häufig drei verschiedene Antwortmuster hinsichtlich der Einschätzung der Beziehungsqualität: 1. positivere Einschätzung der Beziehung durch die Eltern, 2. annähernde Übereinstimmung oder aber 3. positivere Beschreibung der Beziehung durch die Kinder. Es ist daher ein weiteres Ziel der Diplomarbeit, eine Replizierbarkeit obiger Antwortmuster im Hinblick auf die vorliegende Stichprobe der Kinder und Väter zu überprüfen.
Weiterhin von Bedeutung für die Analyse der Vater-Kind-Beziehung ist das dargestellte Konzept der „Emerging Adulthood“. Es soll anhand der vorliegenden Kinderstichprobe überprüft werden, inwiefern sich diese in die Gruppen der „young adults“ und „emerging adults“ ausdifferenzieren lässt und ob sich diesbezüglich Unterschiede in der Beziehung zu den Vätern aufzeigen lassen.
Die vorgestellten Studien über Väter und Kinder aus Scheidungsfamilien konnten Einflüsse der Trennung der Eltern für die Vater-Kinder-Beziehung deutlich machen. Gleichzeitig wurde aber auch auf die heterogene Befundlage diesbezüglich hingewiesen. Es ist daher ein weiteres Anliegen der vorliegenden Arbeit, einen möglichen Einfluss der Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung in der vorliegenden Stichprobe zu überprüfen.
Im Zuge der dargestellte Unterschiede zwischen Vater-Sohn- und Vater-Tochter-Beziehungen werden zudem Vater-Sohn-Dyaden mit Vater-Tochter-Dyaden verglichen und Unterschiede aber auch mögliche Gemeinsamkeiten beschrieben.
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3. Methode
3.1 Die Stichprobe
Im folgenden Abschnitt wird die Stichprobe der vorliegenden Untersuchung hinsichtlich soziodemographischer Variablen beschrieben.
3.1.1 Selektionskriterien für die Stichprobe
Für die Erhebung der vorliegenden Stichprobe wurden im Vorfeld bestimmte Selektionskriterien festgelegt. Zum einen wurden in die Befragung nur Vater-Kind-Paare einbezogen, die getrennt voneinander wohnten. Dies bedeutet, dass die Kinder der vorliegenden Stichprobe bereits ausgezogen sein mussten. Dieses Selektionskriterium wurde gewählt, um einen möglichen Einfluss der Wohnsituation auf die Beziehung zwischen den Vätern und Kindern zu vermeiden und bezogen auf diesen Aspekt einheitliche Ausgangsbedingungen zu schaffen. Zudem galt für die Stichprobe der Kinder eine Altersvorgabe. Die Kinder sollten nicht jünger als 20 und nicht älter als 40 Jahre alt sein. Damit sollte eine Gruppe erwachsener Kinder betrachtet werden, die sich in einem annähernd ähnlichen Lebensabschnitt befinden und den Altergrenzen für das frühe Erwachsenenalter entsprechen (vgl. hierzu die Altersgrenzen in Abschnitt 2.3.2).
3.1.2 Beschreibung der Stichprobe
In die vorliegende Untersuchung wurden insgesamt 187 Probanden einbezogen. Dies waren 79 Väter und 108 junge erwachsene Kinder. Insgesamt bestand die Stichprobe damit aus 79 zusammengehörenden Vater-Kind-Paaren und weiteren 29 jungen erwachsenen Kinder, deren Väter nicht an der Befragung teilnahmen. Diese Gruppe der Kinder wurde in verschiedenen statistischen Analysen mit der Gruppe der Kinder, deren Väter teilgenommen haben, verglichen, stand jedoch nicht im Vordergrund der Untersuchung.
Die überwiegende Zahl der Väter (N = 79) und Kinder (N = 108) war deutscher Herkunft. 98% der Kinder und 95% der Väter besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit.
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Die Kinder
Die Gesamtgruppe der Kinder (N = 108) setzte sich aus 41 Söhnen (f% = 38) und 67 Töchtern (f% = 62 ) zusammen. Wie in Tabelle 3.1 auf der folgenden Seite zu ersehen, zeigen sich annähernd gleiche Anteile bei getrennter Betrachtung der zwei Kindergruppen. Das Alter der Gesamtkindergruppe lag zum Zeitpunkt der Befragung zwischen 20 und 38 Jahren und erfüllte somit das vorgegebene Selektionskriterium. Der Altersmittelwert der Gesamtkindergruppe betrug 26.6 Jahre (s = 4.02). Wie Tabelle 3.1 zeigt, ergab eine Betrachtung der Alterstruktur innerhalb der beiden Untergruppen der Kinder (N =79 und N = 29) nur geringfügige Unterschiede. Ein T-Test für unabhängige Stichroben zeigt dementsprechend keine statistisch signifikanten Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Gruppen [T(106) = .405, p = .687].
Das Auszugsalter der Gesamtgruppe der Kinder (N = 108) lag im Mittel bei 20.3 Jahren (s = 2.3). Eine getrennte Auswertung für die beiden Kindergruppen zeigte ebenfalls jeweils ein mittleres Auszugsalter von 20.3 Jahren (s = 2.4) bei den Kindern, deren Väter an der Untersuchung beteiligt waren, und einen Mittelwert von 20.4 Jahren (s = 2.2) in der Kindergruppe N = 29 [T(106) = -.287, p = .774]. Für die Gesamtgruppe der Kinder zeigten sich bezüglich des Auszugsalters keine Unterschiede zwischen Töchtern und Söhnen [χ²(60,018) = .928; p = .357] .
84% aller Kinder waren zum Zeitpunkt der Befragung unverheiratet. Allerdings gaben 44.4% der Kinder an, mit einem Lebens- oder Ehepartner eine gemeinsame Wohnung zu teilen und weitere 14.8% gaben an, eine Partnerschaft mit getrennten Wohnungen zu führen. Die verbleibenden 40.7% aller Kinder lebten allein und hatten keinen Partner. Es zeigte sich dabei ein Geschlechtereffekt bezogen auf die Gesamtgruppe der Kinder [χ²(2) = 8.667; p = .013]: Es wohnten demnach signifikant mehr weibliche Kinder gemeinsam mit einem Ehe- oder Lebenspartner in einem Haushalt als männliche Kinder.
Eigene Kinder hatten nur 10.1% (N = 12) der Kindergesamtgruppe. Wie die Abbildung 3.1 zeigt, handelt es sich dabei vor allem um junge erwachsene Kinder im Altersbereich ab 29 Jahren. Es zeigten sich keine Unterschiede zwischen Söhnen und Töchtern hinsichtlich der Variable „eigene Kinder“ in Bezug auf die Gesamtgruppe der 108 Kinder [χ² (3) = 1.883; p = .597].
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Alter
30
27 24 21
Abbildung 3.1: Alter der erwachsenen Kinder (N = 108) und Anzahl ihrer eigenen Kinder
Die folgende Tabelle 3.1 beschreibt die dargestellten demographischen Daten für die Gesamtkindergruppe sowie für beide Kindergruppen getrennt.
Tabelle 3.1: Getrennte Auswertungen für die Hauptkindergruppe (N = 79), die Vergleichs
26.6 4.0 26.7 4.3 26.4 3.3 Alter
20.3 2.3 20.3 2.4 20.4 2.2 Auszugsalter
Geschlecht
männlich 41 38.0 29 37.0 12 41.0 weiblich 67 62.0 50 63.0 17 59.0
Familienstand ledig 91 84.3 65 82.3 26 89.7 verheiratet 16 14.8 14 16.5 3 10.3 geschieden 1 0. 9 1 1.3 -- Partnerschaft/ Wohnsituation wohnen mit Partner 48 44.0 37 46.8 11 37.9
getrennt wohnend kein Partner/Singles 44
eigene Kinder
keine 1 Kind 2 Kinder 5 4.6 4 5.1 --
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Um zu überprüfen, ob sich die beiden Kindergruppen hinsichtlich der dargestellten Variablen unterscheiden, wurden Chi²-Tests berechnet. Diese ergaben für:
den Familienstand: χ²(2) = 1.039; p = .595 χ²(2) = 2.781; p = .249 die Partnerschaft: χ²(3) = 2.951, p = .399. eigene Kinder:
Demnach unterscheiden sich die beiden Kindergruppen statistisch nicht hinsichtlich dieser Variablen. Allerdings ist hier anzumerken, dass in der Kindergruppe, in der die Kinder ohne ihre Väter teilgenommen haben, lediglich ein Kind bereits selbst ein eigenes Kind hat. Auch zeigte sich, dass in der Kindergruppe N = 79 knapp 10% mehr Kinder bereits mit einem Partner zusammenleben und im Vergleich zur Kindergruppe N = 29 nur wenige Kinder eine Partnerschaft mit getrennten Wohnungen führen. Es finden sich bei den Kindern, deren Väter bei der Befragung mitgemacht haben, demnach zwei etwa gleich große Gruppen: die Kinder, die mit dem Partner zusammenleben und die, welche keinen Partner haben. Die Verteilung in der Kindergruppe N = 29 ist hinsichtlich der Variable Partnerschaft/Wohnsituation ausgewogener.
Eine getrennte Auswertung für beide Kindergruppen hinsichtlich möglicher Unterschiede zwischen Töchtern und Söhnen in Bezug auf die Variablen Familienstand, Partnerschaft/Wohnsituation und eigene Kinder ergab für die Gruppe der N = 79 Kinder, im Gegensatz zu den weiter oben dargestellten Chi²- Ergebnissen für die Gesamtgruppe der Kinder, keinen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der Kinder und der Variable Partnerschaft/Wohnsituation [χ²(2) = 2.811, p = .245]. Die Söhne und Töchter der Kindergruppe, deren Väter teilgenommen hatten, unterschieden sich hinsichtlich dieser Variable demnach nicht. In der Kindergruppe N = 29 war dies jedoch der Fall. Wie in der Gesamtgruppe auch, gab es hier mehr Söhne ohne Partner und gleichzeitig mehr Töchter, die die Wohnung mit einem Partner teilten [χ²(2) = 9.190; p = .01]. Tabelle 3.2 zeigt die Häufigkeitsverteilungen hinsichtlich der Variablen Partnerschaft/Wohnsituation und Geschlecht für beide Kindergruppen getrennt.
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Tabelle 3.2: Anteile der Töchter und Söhne in beiden Kindergruppen hinsichtlich der Variable
Partnerschaft/
Wohnsituation (N = 50) (N = 29) (N = 17) (N = 12)
wohnen mit Partner 54.0 34.5 58.8 9.0 getrennt wohnend 10.0 13.8 23.5 25.0
Hinsichtlich der Variablen Familienstand und eigene Kinder zeigten sich auch bei getrennter Auswertung der Kindergruppen N = 29 und N = 79 keine Unterschiede in Abhängigkeit vom Geschlecht.
Die Väter
Das Alter der Väter (N = 79) bewegte sich zwischen 41 und 70 Jahren bei einem Altersmittelwert von 57,7 Jahren (s = 6.67).
14 Väter (f% = 17.7) hatten nur ein Kind, 43 Väter (f% = 54.4) hatten zwei Kinder und 22 Väter (f% = 27.8) hatten insgesamt drei Kinder oder mehr. 58 von 79 Vätern lebten noch mit der Mutter des Kindes zusammen, was einem Prozentwert von 73.4 entspricht. Weitere 19 Väter (f% = 24.1) gaben an, von der Mutter des Kindes geschieden oder getrennt zu sein, zwei weitere Väter waren verwitwet (f% = 2.5). Ein Abgleich mit den Angaben der Kinder, deren Väter nicht teilgenommen hatten ergab, dass auch hier 72.4% der Väter noch mit der Mutter zusammen leben, folglich auch diesbezüglich keine Unterschiede bestehen. Im Vergleich zu den insgesamt 58 teilnehmenden Vätern (f% = 73.4), die noch mit der Mutter zusammen lebten, gaben dennoch 66 Väter (f% = 83.5) an, dass ihre Kinder bei ihnen und der Mutter des Kindes aufgewachsen sind. Diese Zahlenunterschiede ergeben sich vor dem Hintergrund einer Scheidung der Eltern zu einem späteren Zeitpunkt.
Das Bildungsniveau der Väter und Kinder
Die vorliegende Stichprobe ist durch ein hohes Bildungsniveau in der Kindersowie der Vätergruppe gekennzeichnet. Die Abbildungen 3.2 und 3.3 zeigen die Verteilung der Variablen Schulabschluss bei den Vätern und den Kindern (N = 108). Dabei zeigt sich, dass die Mehrheit aller Kinder und über 60% der Väter über ein Abitur verfügen.
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Abbildung 3.2: Verteilung der Variablen Schulabschluss bei den Vätern
Abbildung 3.3: Verteilung der Variablen Schulabschluss bei den Kindern (N = 108)
Tabelle 3.3 gibt bezüglich der Variablen höchster erreichter Schulabschluss, höchste abgeschlossene Berufsausbildung und Berufstätigkeit der Kinder in den beiden Kindergruppen und der Väter einen zusammenfassenden Überblick. Wie daraus zu ersehen, besitzen 43 Kinder und 43 Väter ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Weitere 51 Kinder der Gesamtkindergruppe sind Studenten.
Knapp die Hälfte der Kinder aus der Gruppe N = 29 sind Angestellte, also bereits berufstätig, während dies bei nur etwa 30% der Kinder aus der Gruppe N = 79 der Fall ist. Die Hälfte dieser Kinder studiert noch.
Von den Vätern waren zum Zeitpunkt der Erhebung noch knapp 80% berufstätig. Die übrigen Väter waren bereits berentet. Kein Vater dieser Stichprobe gab an, arbeitssuchend zu sein.
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Tabelle 3.3 : Beschreibung der vorliegenden Stichprobe anhand der Variablen Schulabschluss,
Schulabschluss
kein Abschluss Hauptschule Realschule 20 25.3 2 2.5 2 6.9 4 3.7 Abitur 48 60.8 75 94.9 27 93.1 102 94.4
Berufsausbildung
keine Ausbildung/Lehre 35 44.3 24 30.4 6 20.7 30 27.8 Studium 43 54.4 30 38 13 44.8 43 39.8
Berufstätigkeit Angestellte (r) 42 53.2 23 29.1 14 48.3 37 34.3
Selbständige (r) Student (in) Auszubildende (r) --5 6.3 --5 4.6 arbeitssuchend --2 2.5 --2 1.9 berentet 16 20.3 ------
EinVergleich der beiden Kindergruppen ergab jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der drei Bildungsvariablen. Die Kinder der beiden Kindergruppen unterscheiden sich demnach hinsichtlich des Bildungsniveaus und der Variablen Berufstätigkeit nicht voneinander. Die Chi²- Tests ergaben entsprechend für:
χ²(2) = 1.833, p = .400 den Schulabschluss: χ²(2) = 1,020, p = .601 die Berufsausbildung: χ²(5) = 6.809, p = .235. die Berufstätigkeit:
Um zu überprüfen, ob sich die Töchter und Söhne der vorliegenden Stichprobe bezüglich des Bildungsniveaus unterscheiden, wurde jeweils ein Chi²-Test für alle drei Bildungsvariablen gerechnet. Diese ergaben bezogen auf die Gesamtstichprobe der Kinder für:
χ²(2) = 3.575, p = .167 den Schulabschluss: χ²(2) = .299, p = .861 die Berufsausbildung: χ²(5) = 9.722, p = .084. die Berufstätigkeit:
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Die Söhne und Töchter dieser Stichprobe unterscheiden sich demnach nicht hinsichtlich ihres Bildungsniveaus. Nur eine leichte Tendenz zeigt sich in Bezug auf die Variable Berufstätigkeit. Im Verhältnis sind etwas mehr Frauen unter den Studierenden als Männer, während diese wiederum unter den Angestellten etwas mehr vertreten sind.
Zusammenfassend lässt sich schließlich sagen, dass sich zwischen den Kindergruppen keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der genannten demographischen Variablen aufzeigen lassen. Es handelt sich dabei folglich um annähernd homogene Gruppen.
Des Weiteren zeichnet sich die Stichprobe der vorliegenden Diplomarbeit gruppenübergreifend durch ein hohes Bildungsniveau aus.
Das Geschlecht der Kinder spielt lediglich in Bezug auf die Variable Partnerschaft/ Wohnsituation ein Rolle, wobei dies nur für die Gesamtgruppe der Kinder und die Kindergruppe N = 29 gilt. In der Gruppe der Kinder, deren Väter an der Befragung teilnahmen und die damit im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht, zeigten sich auch hinsichtlich dieser Variable keine signifikanten Unterschiede zwischen Söhnen und Töchtern.
3.2 Die Erhebungsverfahren
3.2.1 Die Voruntersuchung
Da sich, wie weiter oben dargestellt, in der Forschung wenige Arbeiten über die Vater-Kind-Beziehungen im Erwachsenenalter finden und zudem kein Instrument bekannt ist, das für die Fragestellung der vorliegenden Arbeit geeignet ist, wurde der Vater-Kind-Beziehungsfragebogen für das Erwachsenenalter eigens für diese Arbeit konstruiert. Dabei wurde ein exploratives Vorgehen mit den vorliegenden Erkenntnissen der Forschung verknüpft, um einerseits nah an der Stichprobe zu bleiben und gleichzeitig theoretische Aspekte aufgreifen zu können.
Für eine erste Orientierung wurden daher 25 junge erwachsene Kinder via E-Mail gebeten, fünf beschreibende Substantive, wie beispielsweise Nähe oder Distanz, zu nennen, die sie mit der Vater-Kind-Beziehung aus der Perspektive eines erwachsenen Kindes verbinden.
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Die von den jungen Erwachsenen genannten Substantive beschrieben das gesamte Spektrum positiver und negativer Beziehungsfacetten von Nähe über Distanz, Freude, Spaß, Geborgenheit, Anerkennung aber auch Autorität, Konkurrenz, Macht, Konflikt und Leid. So entstand ein erster Einblick in die Einschätzungen der jungen erwachsenen Kinder hinsichtlich der Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter.
3.2.2 Die Konstruktion des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens
In einem zweiten Schritt wurde eine Übersicht der aus der Forschung bekannten Vaterfunktionen sowie der aus der Eltern-Kind-Forschung bekannten Themen wie beispielsweise die gegenseitige Unterstützung erstellt und passende, von den Kindern genannte Substantive diesen Funktionen und Themen zugeordnet. Die von den jungen Erwachsenen genannten Beschreibungen, die sich keiner Vaterfunktion direkt zuordnen ließen, jedoch inhaltlich korrespondierten und wiederholt genannt wurden, wurden gruppiert und bildeten einen eigenen Aspekt der Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter.
In einem dritten Schritt wurden passende Items zu diesen Themenbereichen und Vaterfunktionen generiert sowie ausgewählte, von den erwachsenen Kindern genannte Substantive für die eher polarisierenden Items Nr. 79-103 (siehe Anhang B), die die positiven und negativen Beziehungsaspekte darstellen sollten, übernommen. Es wurden dabei zwei Fragebogenversionen konstruiert, eine für die Väter und eine für die Kinder. Die Items wurden, wie im folgenden Beispiel anhand des Items 3 dargestellt, immer gegenläufig formuliert:
Vaterversion: Ich finde es gut, wenn mein Kind eigene Wege geht. Kinderversion: Mein Vater findet es gut, wenn ich meinen eigenen Weg gehe.
Für alle 103 Items wurde ein vierstufiges Antwortformat gewählt, das wie folgt ausdifferenziert war:
1. trifft überhaupt nicht zu 2. trifft eher nicht zu 3. trifft eher zu 4. trifft voll und ganz zu
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Die Aussagen wurden in einem letzten Schritt so durchmischt, dass mehrere aufeinander folgende Items nicht der gleichen Themengruppe angehörten. Tabelle 3.4 zeigt die 17 übergeordneten Themen- und Funktionsbereiche alphabetisch geordnet, mit den Nummern der dafür generierten Items, wie man sie in den an die Probanden verteilten Fragebögen findet (siehe Anhang B). Sie bilden den mittleren Teil des gesamten Fragebogens.
Tabelle 3.4: Übergeordnete Themen/Funktionen mit dazu generierten Items des Vater-Kind-
Dererste Teil des Vater-Kind-Beziehungs-Fragebogens wurde mit Fragen zu klassischen soziodemographischen Daten gefüllt und durch die Abfrage themenspezifischer Angaben, wie beispielsweise der Frage nach einer Scheidung der Eltern oder dem Auszugsalter der Kinder, ergänzt. Im letzten Teil des Fragebogens wurden weitere Fragen zur Kontakt- und Beziehungsgestaltung gestellt sowie die generelle Zufriedenheit mit der Beziehung über vier verschiedene Stimmungsgesichter erfragt. Gerade letzteres sowie die Fragen danach, wer mehr an der Beziehung interessiert ist und diese auch stärker braucht, sollten Hinweise auf die bereits ausführlich erläuterte „Intergenerational Stake Hypothese“ zulassen.
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3.2.3 IDEA: Inventory of the Dimensions of Emerging Adulthood
Der IDEA von Reifman, Arnett und Colwell (2003) (siehe Anhang C) besteht aus insgesamt 31 Items und stellt ein Erhebungsinstrument dar, welches mit Hilfe von 6 Subskalen (siehe Tabelle 3.5) die zentralen Dimensionen des beginnenden Erwachsenenalters abbildet und somit auf dem weiter oben ausführlich erläuterten Konzept der „Emerging Adulthood“ beruht (siehe auch Arnett, 2004). Mit Hilfe des IDEA kann untersucht werden, in welchem Umfang sich die Probanden mit den Themen dieses Konzeptes identifizieren und sich damit in die Gruppe der so genannten „emerging adults“ einordnen lassen oder aber stärker der Gruppe der „young adults“ zuzuordnen sind (siehe dazu auch Abschnitt 2.3.2.2).
Tabelle 3.5: Skalen und Items des IDEA (nach Reifman et al., 2003)
Experimentation/Possibilities 1, 2, 4, 16, 21 Negativity/Instability 3, 6, 8, 9, 11, 17, 20 Other-Focused (Gegenskala) 13, 14, 18 Self-Focused 5, 7, 10, 15, 19, 22 Feeling "In-Between" 29, 30, 31
* genaue Itemformulierungen siehe Anhang B.1
Im IDEA werden die verschiedenen Merkmale der Phase des beginnenden Erwachsenenalters anhand von Beschreibungen der gegenwärtigen Lebensphase dargeboten, die von den Probanden anhand eines vierstufigen Antwortformats entsprechend dem des Vater-Kind-Fragebogens als voll und ganz zutreffend bis überhaupt nicht zutreffend bewertet werden können. Der folgende Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung soll dies demonstrieren:
Der IDEA von Reifman et al. (2003) wurde für die vorliegende Arbeit in die deutsche Sprache übersetzt (die verwendete deutsche Version findet sich im Anhang B.1)
65
und den Kindern zusätzlich zum Vater-Kind-Beziehungsfragebogen ausgeteilt. Dies diente zum einen der Überprüfung des Emerging-Adulthood-Konzeptes an der vorliegenden Stichprobe sowie der Analyse möglicher Einflüsse der Lebensphase der Kinder auf die Beziehung zu ihren Vätern. Die zwei folgenden Fragen wurden an das Ende des IDEA gestellt. Es sollte damit die weiter oben beschriebene Tendenz der jungen Erwachsenen, sich nicht richtig oder erst spät erwachsen zu fühlen, die auch durch die Skala „In-Between“ repräsentiert wird, überprüft und Hintergründe dieses Phänomens analysiert werden.
1. Würden Sie von sich selbst sagen, dass Sie den „Status“ eines Erwachsenen (z.B. in Bereichen wie Eigenverantwortung, Beruf, Wohnsituation, Familie, Finanzen, Weltanschauung, Identitätsfindung) vollständig erreicht haben? ja, zu 100% zu 70% zu 30% nein
2. Wenn Sie die letzte Frage nicht mit „100%“ beantwortet haben: Was müsste anders sein, damit Sie sich wie ein „Erwachsener“ fühlen?
Nach Reifman et al. (2006) liegen die Reliabilitäten der einzelnen Subskalen des
IDEA gemessen über die interne Konsistenz bei α = .70-.85 4 . In ihren Arbeiten bezüglich
der Anwendung des IDEA als Erhebungsinstrument verglichen die Autoren fünf Altersgruppen (18-23, 24-29, 30-39, 40-49 und 50 plus) hinsichtlich ihrer Werte auf den Subskalen. Die jüngste Gruppe erreichte auf den Subskalen höhere Werte als alle anderen Gruppen. Generell zeigte sich eine Verringerung der Werte mit steigendem Alter. Eine Ausnahme bildete dabei die Skala Other-Focused (Gegenskala zu Self-Focused), bei der sich ein umgekehrtes Muster zeigte (Reifman et al., 2006). Weiterhin zeigten die Autoren, dass Verheiratete zwischen 18-29 Jahren sowie beruflich stärker eingebundene Probanden dieser Altergruppe generell geringere Werte in den IDEA-Subskalen erreichten, die typisch für die Phase der „Emerging Adulthood“ sind. Ein entgegengesetztes Muster zeigte sich auch hier bezüglich der Gegenskala Other-Focused (Reifman et al., 2006).
3.2.3.1 Die Skalenreliabilitäten des IDEA in der vorliegenden Stichprobe
Die Reliabilitäten der einzelnen Skalen des IDEA liegen in der vorliegenden Stichprobe bei drei Skalen unter den von Reifman et al. (2006) dargestellten internen Konsistenzen. Die Ergebnisse der Reliabilitätsanalyse der IDEA-Subskalen sowie der
4 In Reifman et al. (2006) finden sich keine genaueren Angaben
66
IDEA-Gesamtskala ohne die Skala Other-Focused für die vorliegende Kinderstichprobe (N = 108) sind in Tabelle 3.6 aufgeführt.
Tabelle 3.6: Interne Konsistenzen der IDEA-Skalen für die vorliegende Stichprobe
Experimentation/Possibilities .840 Negativity/Instability .675 Other-Focused (Gegenskala) .658 Self-Focused .599 Feeling "In-Between" .803
Gesamtskala
3.3 Das Vorgehen bei der Datenerhebung
Es fanden insgesamt zwei Erhebungsphasen statt. In der ersten Erhebungsphase wurden die Fragebögen ausgedruckt oder via Email-Anhang an die Kinder und Väter verteilt. Dabei waren es zumeist die Kinder, die beide Fragebögen in Empfang nahmen und ihren Vätern den für sie bestimmten Fragebogen inklusive eines frankierten Rückumschlages aushändigten. Die Fragebogen konnten somit getrennt voneinander zurückgeschickt werden. Nicht alle Kinder und Väter machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Einige Väter gaben die Bögen wieder an ihre Kinder zurück, die ihrerseits das gesamte Fragebogenpaket zurückschickten. Es bestand zudem die Möglichkeit, einzelne Fragebögen per Fax zurück zu senden, was vereinzelt auch genutzt wurde. Allerdings lehnten einige Kinder im Vorfeld die Teilnahme an der Befragung ab, weil sie glaubten, dass ihr Vater sich nicht bereit erklären würde, daran teilzunehmen, oder aber weil kein oder ein zu schlechter Kontakt zum Vater bestand.
Die Befragung verlief anonym. Es bestand keine Möglichkeit, die Personen ihren ausgefüllten Fragebogen zuzuordnen. Lediglich eine Ziffer markierte zusammengehörige Fragebogenpaare.
Insgesamt wurden 115 Fragebogenpaare, somit 230 einzelne Fragebögen, auf diese Weise verteilt. Die Rücklaufquote innerhalb der acht Wochen Erhebungszeit lag bei etwas über 50%. Insgesamt 55 vollständige Fragebogenpaare zuzüglich 9 einzelner Kinderbögen ohne dazugehörige Väterbögen wurden zurück gegeben.
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Um eine größere Stichprobe zu realisieren, wurde die Befragung für weitere drei Wochen online gestellt. Über verschiedene Email-Verteiler, Psychologie-Foren und eine Homepage, die sich speziell mit Geschlechterfragen befasst, wurde für die Befragung geworben.
Am Ende dieser zweiten Erhebung standen nach Bereinigung der Daten, inklusive der als Printversion vorliegenden ausgefüllten Bögen, 79 vollständige Vater-Kind-Paare zuzüglich weiterer 29 ausgefüllter Kinderbögen (ohne zugehörigem Vaterfragebogen) für die folgenden Berechnungen zur Verfügung. Von den 29 Kindern, deren Väter nicht an der Befragung teilgenommen haben, stammen 20 Kinder aus der 2. Erhebungsphase.
3.4 Angewandte statistische Verfahren
Der Chi²-Test
Zur Überprüfung von Zusammenhängen kategorialer Merkmale wurden Chi²-Tests gerechnet. Diese dienten beispielsweise zur Überprüfung, ob sich hinsichtlich der Variable Geschlecht bei den Kindern Unterschiede in Bezug auf demographische Daten, wie zum Beispiel dem Schulabschluss oder dem Führen von Partnerschaften, aufzeigen lassen. Die Gruppe der Chi²-Tests arbeitet dabei über Kreuztabellen, mit Hilfe derer die Häufigkeiten in den Ausprägungen eines Merkmals auf den Stufen eines anderen Merkmals verglichen werden. Unter Einbezug der Randverteilungen und der erwarteten Häufigkeiten in den Zellen der Kreuztabelle unter der Vorraussetzung unabhängiger Variablen kann errechnet werden, ob sich die Häufigkeiten in den Ausprägungen des einen Merkmals auf den Stufen des anderen statistisch signifikant und somit über eine zufällige Verteilung hinaus unterscheiden.
Die Faktorenanalyse
Unter Anwendung zweier Faktorenanalysen wurde eine Datenreduktion erzielt und über die Zusammenhänge zwischen den Items des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens übergeordnete Beziehungsskalen - so genannte latente Variablen (Bühner, 2004) - des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens gebildet. Dies diente der Vergleichbarkeit der Antworten der Kinder und Väter hinsichtlich ihrer Beziehung zueinander. Eine sich der Faktorenanalyse anschließende Reliabilitätsanalyse dieser Skalen diente der Darstellung interner Skalenkonsistenzen nach Cronbachs Alpha.
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Die T-Tests
Diese Testverfahren prüfen auf Mittelwertunterschiede zweier Gruppen hinsichtlich einer metrischen Variable. Dabei muss zwischen T-Tests für unabhängige Stichproben und T-Tests für abhängige Stichproben unterschieden werden. Letztere wurden beim Vergleich der Mittelwertunterschiede der Kinder und Väter der vorliegenden Stichprobe auf den Beziehungsskalen angewendet, da es sich in diesem Fall um abhängige Gruppen handelt. Für rangskalierte Variablen bietet sich bei abhängigen Stichproben der Wilkoxon-Test an, bei unabhängigen Stichproben der Mann-Whitney-U-Test, da diese Tests über Ränge berechnet werden und damit für rangskalierte Variablen besser geeignet sind. Sie sind zudem robust gegenüber Verletzungen der Normalverteilung (Bortz, 1989; Rasch & Kubinger, 2006).
Einfaktorielle Varianzanalysen (Anova) oder F-Tests
Diese Verfahren unterscheiden sich von den T-Tests darin, dass die Einflussgröße in diesem Fall nicht binär sondern mindestens dreifach gestuft sein muss. Es werden damit mehr als zwei voneinander unabhängige Gruppen hinsichtlich einer metrischen Variable verglichen, um mögliche signifikante Mittelwertunterschiede aufzuzeigen. Es kann weiterhin eine Aussage darüber getroffen werden, inwiefern ein Einfluss der kategorialen Variable auf die metrische Variable besteht und wie groß der Anteil der Varianz in den Antworten ist, der durch diesen Einfluss erklärt werden kann. Dies wird durch die Prüfgröße Eta² dargestellt (Rasch & Kubinger, 2006) Sofern ein zuvor berechneter Levene-Test bei den T-Tests und den F-Tests keine Varianzhomogenität zwischen den Gruppen ergab, wurden jeweils die Prüfgrößen mit welchkorrigierten Freiheitsgraden übernommen und dargestellt.
Zusammenhangsmaße
Zur Überprüfung eines Zusammenhangs zwischen zwei metrischen Variablen dient der Korrelationskoeffizient nach Pearson. Dieser liegt zwischen -1 und 1 und zeigt somit Stärke und Richtung eines Zusammenhangs zweier Variablen an. Ein maximaler positiv gerichteter Zusammenhang liegt dabei bei einem Korrelationskoeffizient r = 1 vor. Ein r = 0 bedeutet, dass zwischen den getesteten Variablen kein Zusammenhang besteht (Rasch & Kubinger, 2006).
Insofern es sich bei den Variablen um mindestens eine ordinalskalierte Variable handelt, sollte für ein zuverlässiges Ergebnis der Spearman Rho Korrelationskoeffizient berechnet werden (Rasch & Kubinger, 2006).
69
Das Übereinstimmungsmaß
Zur Überprüfung der Übereinstimmung der Antworten der Väter und Kinder innerhalb der Vater-Kind-Dyaden wurde teilweise das Übereinstimungsmaß Cohens Kappa verwendet. Kappa prüft klassischerweise auf Übereinstimmungen zwischen verschiedenen Beurteilern. Im Falle einer vollständigen Übereinstimmung nimmt Kappa den Wert 1 an. Kappa wird im vorliegenden Fall umso kleiner, je mehr Vater-Kind-Dyaden hinsichtlich eines bestimmten Items nicht übereinstimmen, also die Väter und Kinder innerhalb eines Vater-Kind-Paares unterschiedliche Antworten wählen.
Dies lässt sich auch anhand von Kontingenztabellen darstellen. Dabei bildet die Diagonale in der folgenden Tabelle 3.7 die übereinstimmenden Vater-Kind-Paare ab. Je mehr Paare in der Peripherie liegen, desto kleiner wird Kappa. Cohens Kappa wird dann signifikant, wenn die beobachteten Übereinstimmungen nicht mehr nur durch Zufallsübereinstimmungen erklärt werden können.
Ein Problem dieses Verfahrens ist allerdings, dass die Abstände zwischen den Antworten der Beurteiler - im vorliegenden Fall sind dies die Väter und die Kinder - nicht berücksichtigt werden. So differenziert der Wert Kappa nur zwischen den Paaren, die auf der Diagonale (völlige Übereinstimmung), und solchen, die außerhalb der Diagonalen der Kontingenztafel liegen, unabhängig davon, wie ähnlich die Antworten der Väter und Kinder eines Paares sind. Aus diesem Grund ist es dringend notwendig, die untenstehende Kontingenztafel für eine angemessene Interpretation der Ergebnisse hinzuzuziehen.
Tabelle 3.7: Kontingenztabelle am Beispiel der Vater-Kind-Paare
3.5 Hilfsmittel bei der statistischen Auswertung
Alle statistischen Auswertungen wurden mit dem Statistikprogramm SPSS vorgenommen. Abbildungen, Tabellen und Grafiken wurde teilweise aus SPSS exportiert und im Textverarbeitungsprogramm Microsoft Word und Microsoft Excel weiter bearbeitet.
70
4. Untersuchungsergebnisse
4.1 Ergebnisse der Faktorenanalysen
Die erste Faktorenanalyse
Ein zentrales Ziel dieser Arbeit war es zu untersuchen, inwiefern die distinkten Vaterfunktionen, wie man sie bereits vom Kindes- bis in das Jugendalter gefunden hat, bei erwachsenen Kindern von Bedeutung sind. Vor diesem Hintergrund wurde in einem ersten Schritt eine gemeinsame Faktorenanalyse für Väter und Kinder (N = 187) über die Items 1-74 des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens gerechnet (Fragebögen siehe Anhang B), um mit Hilfe einer Datenreduktion eine Vergleichbarkeit der Väter- und Kinderdaten auf der Basis von übergeordneten Skalen herzustellen, die idealerweise vaterspezifische Funktionen repräsentieren sollten.
Unter Berücksichtigung des Screeplots, der Eigenwerte der Faktoren, der erklärten Gesamtvarianz sowie der varimaxroutierten Komponentenmatrix wurde eine Vier-Faktor-Lösung gewählt. Es werden damit insgesamt 45.523% der Gesamtvarianz aufgeklärt. Dabei erklärt der erste Faktor 16.630%, der zweite Faktor 11.384%, der dritte Faktor 8.837% und der vierte Faktor 8.672% der Gesamtvarianz. Die Ergebnisse der Reliabilitätsanalysen (interne Konsistenzen nach Cronbachs Alpha) werden wie folgt für jeden Faktor (im Folgenden als Skala bezeichnet) einzeln dargestellt. Die Items der vier Skalen sind den Tabellen 4.1-4.4 zu entnehmen. Die „fett“ markierten Items stellen die Markiervariablen dar.
Die Skala 1 wurde Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion genannt und umfasst insgesamt 13 Items. Die Items mit den Nummern 45, 50, 54, 56, 58, 59 und 62 luden negativ und wurden entsprechend umgepolt. Die Reliabilitätsanalyse
dieses Faktors ergab ein Cronbachs Alpha von α = .914, was einer hohen Reliabilität
entspricht (Bühner, 2004).
Die Skala 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, umfasst insgesamt 11 Items und ist ebenfalls durch eine hohe Reliabilität gekennzeichnet (α = .860).
Die dritte Skala, die mit Autonomieunterstützung und Akzeptanz überschrieben
wurde, besteht aus nur 9 Items, erreicht aber dennoch ein Cronbachs Alpha von α = .722.
Die Items 10, 12 und 25 mussten aufgrund negativer Ladungen umgepolt werden.
71
Die Skala 4, Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung, besteht aus 9 Items.
43 Wenn ich emotionale Unterstützung brauche, ist mein Vater für mich da.
45 Unsere Beziehung ist eher sachlicher Natur.
50 Ich verhalte mich meinem Vater gegenüber distanziert.
54 Die Beziehung zu meinem Vater ist wenig emotional.
56 Mein Vater verhält sich mir gegenüber distanziert.
58 Unsere Beziehung ist durch Verschlossenheit geprägt
59 Ich weiß wenig über meinen Vater.
62 Mein Vater weiß wenig über mich.
65 Wenn mein Vater emotionale Unterstützung braucht, gebe ich ihm diese.
Item Nr. Wortlaut Vaterfragbogen
21 Mein Kind und ich haben immer viele spannende Dinge unternommen.
26 Wenn wir uns treffen, steht der Spaßfaktor im Vordergrund.
36 Ich gebe ihr/ihm Geborgenheit.
43 Wenn mein Kind emotionale Unterstützung braucht, bin ich für es da.
45 Unsere Beziehung ist eher sachlicher Natur.
50 Mein Kind verhält sich mir gegenüber distanziert.
54 Die Beziehung zu meinem Kind ist wenig emotional.
56 Ich verhalte mich meinem Kind gegenüber distanziert.
58 Unsere Beziehung ist durch Verschlossenheit geprägt.
59 Meine Tochter/mein Sohn weiß wenig über mich.
62 Ich weiß wenig über meine Tochter/meinen Sohn.
65 Wenn ich emotionale Unterstützung brauche, bekomme ich diese von meinem Kind.
72
Tabelle 4.2: Faktor/Skala 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen Item Nr. Wortlaut Kinderfragebogen
8 Mein Vater ist eine Autoritätsperson für mich
11 Mein Vater hat mein Wertesystem stark geprägt.
14 Bei Fragen zu Beruf oder Studium schätze ich die Meinung meines Vaters sehr.
39 In vielen Bereichen ist mein Vater ein Vorbild für mich.
47 Mein Vater ist ein gebildeter Mann.
49 Mein Vater legt viel Wert auf die Bildung seiner Kinder.
52 Mein Vater versucht, mir sein Wissen zu vermitteln.
53 Noch heute will mein Vater meine geistige Entwicklung und Bildung fördern.
Item Nr. Wortlaut Vaterfragebogen
6 Ich weiß, was gut für mein Kind ist und kann ihm den Weg weisen.
8 Für mein Kind bin ich eine Autoritätsperson.
11 Ich habe das Wertesystem meines Kindes stark geprägt.
14 Bei beruflichen Fragen schätzt mein Kind meine Meinung sehr.
17 Mein Kind bewundert mich dafür, was ich geleistet habe.
18 Mein Kind möchte später eine vergleichbare Stellung in der Gesellschaft haben wie ich.
39 In vielen Bereichen bin ich für mein Kind ein Vorbild.
47 Ich halte mich für einen gebildeten Mann.
49 Ich lege viel Wert auf die Bildung meines Kindes.
52 Ich versuche, meinem Kind mein Wissen zu vermitteln.
Tabelle 4.3: Faktor/Skala 3, Autonomieunterstützung und Akzeptanz Item Nr. Wortlaut Kinderfragebogen
Item Nr. Wortlaut Vaterfragebogen
Tabelle 4.4: Faktor/Skala 4, Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung Item Nr. Wortlaut Kinderfragebogen
23 Im Leistungsbereich bin ich besser als mein Vater.
Item Nr. Wortlaut Vaterfragebogen
23 Im Leistungsbereich hat mich mein Sohn/meine Tochter eingeholt.
30
32
Wie die Auflistungen der Items pro Faktor zeigen, handelt es sich bei der Skala 1, Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion, um das positive und zugewandte Miteinander der Väter und Kinder und die gegenseitig wahrgenommene Unterstützung. Skala 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, beschreibt die bereits weiter oben beschriebene Ratgeberrolle des Vaters für seine Kinder, während die Skala 3, Autonomieunterstützung und Akzeptanz, die ebenfalls bereits erörterte Funktion des Vaters, die Kinder in ihrer Autonomie zu bestärken, darstellt. Die Skala 4 beschreibt den Leistungsbereich. Jedoch anders als in Skala 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, geht es hier mehr um Vergleiche zwischen der Leistung der Kinder und der Väter und enthält stärker kompetitive Tendenzen. Die Items, die sich auf Werte und Moralvorstellungen beziehen, sind hier stärker durch Beeinflussungswünsche des Vaters geprägt und zielen auf den Wunsch des Vaters ab, die Kinder dazu zu bringen, eigene Werte zu übernehmen, wobei Leistung hier als ein Wert verstanden werden kann. Bezogen auf die Frage nach der Bedeutung distinkter Vaterfunktionen für die jungen erwachsenen Kinder zeigt sich, dass die Skalen des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens prominente Aspekte, wie die Ratgeberfunktion des Vaters und die ebenfalls erläuterte Autonomieunterstützung durch die Väter repräsentieren.
Die Items 75-78, bei denen es sich um Beschreibungen extremer emotionaler Ausbrüche des Vaters in der Vergangenheit und gegenwärtig handelt, wurden nicht mit in die Analysen einbezogen, da Kinder und Väter in der überwiegenden Mehrzahl die Antwortstufe „trifft überhaupt nicht zu“ und „trifft eher nicht zu“ gewählt haben und deshalb wenig Varianzaufklärung durch diese 4 Items zu erwarten ist.
Die zweite Faktorenanalyse.
In einem zweiten Schritt wurde eine weitere Faktorenanalyse über die Items mit den Nummern 79-103 gerechnet (siehe ebenfalls Fragbogen im Anhang B). Vor dem Hintergrund der stärker polarisierenden Items im Vergleich zu den Items der vorhergehenden Faktorenanalyse wurde eine getrennte Analyse dieser Itemgruppe als angemessen erachtet. Erwartungskonform zeigte sich bei der auf gleicher Weise berechneten Faktorenanalyse eine Zwei-Faktorlösung mit inhaltlich entgegengesetzten Faktoren, die damit die Skalen 5 und 6 bilden. Dies wurde auf Grundlage des Screeplots, dem Eigenwertverlauf der Faktoren sowie der erklärten Gesamtvarianz der varimaxroutierten Faktoren entschieden. In Folge ergab sich eine erklärte Gesamtvarianz
75
durch die beiden Faktoren von 52.533%, wovon der erste Faktor 36.638% und der zweite Faktor 15.895% erklären konnte.
Insgesamt wurden damit zusätzlich 18 Variablen in die weiteren Analysen übernommen. Andere Variablen wurden aufgrund zu geringer oder uneindeutiger Ladungen nicht in die Skalen einbezogen oder zugunsten der Skalenreliabilitäten ausgeschlossen.
Daraus ergab sich für den Faktor 5, welcher positive Marker der Beziehung repräsentiert, eine Itemanzahl von 13, für den 6. Faktor, der negative Beziehungsmarker beschreibt, eine deutlich geringere Anzahl von insgesamt nur 5 Items. Das Item peinlicher/unangenehmer Kontakt wurde aufgrund negativer Ladung auf diesem Faktor umgepolt.
Die Reliabilitätsanalyse für Faktor 5, Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung,
ergab ein Cronbachs Alpha von α = .923 und ist damit, ähnlich wie Faktor 1, Gegenseitige
emotionale Unterstützung und positive Interaktion, durch eine besonders hohe Reliabilität gekennzeichnet (Bühner, 2004). Das Cronbachs Alpha des Faktors 6, der die negativen Marker der Vater-Kind-Beziehung abbildet, ist mit deutlich weniger Items dennoch als ausreichend reliabel anzusehen (α = .745). Die Tabelle 4.5 zeigt die Skalen 5 und 6 mit den dazugehörigen Items. Die Markiervariablen sind dick gedruckt.
Tabelle 4.5: Skala 5, Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung (links), Skala 6, Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung (rechts)
Negative Beziehungsmarker Positive Beziehungsmarker
Wärme Liebe Zuneigung Wertschätzung Glück und Zufriedenheit Verständnis Vertrauen
Nähe
Güte Verbundenheit Gerechtigkeit Sensibilität peinlicher/unangenehmer Kontakt (-)
76
Die Berechnung der dargestellten zwei Faktorenanalysen erbrachte demnach insgesamt 6 Skalen, die wie folgt benannt wurden:
1. Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion 2. Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen 3. Autonomieunterstützung und Akzeptanz 4. Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung 5. Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung 6. Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung
Auf diese 6 Skalen verteilen sich, wie weiter oben ausführlich dargestellt, insgesamt 60 Items. Die vier Faktoren der ersten Faktorenanalyse erklären 45.523% der Gesamtvarianz. Die Faktoren der zweiten Analyse klären gemeinsam insgesamt 52.533% der Gesamtvarianz auf.
4.2 Erreichte Mittelwerte der Väter und Kinder auf den Vater-Kind-
Beziehungsskalen
Der Vergleich der von den Vätern und Kindern erreichten Mittelwerte auf diesen 6 Skalen des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens, die ihrerseits bestimmte Vaterfunktionen und Beziehungsbeschreibungen beinhalten, dient der Klärung einer der zentralen Fragestellungen dieser Arbeit. Es soll damit untersucht werden, wie stark jeweils die Kinder und Väter ihre Beziehung durch diese Skalen vertreten sehen und ob sich signifikante Unterschiede in der Einschätzung der Väter und Kinder zeigen. In diesen Analysen wurden die Kinder, deren Väter nicht an der Befragung teilnahmen, getrennt von den anderen Kindern betrachtet und mögliche Mittelwertunterschiede auf den Skalen untersucht.
Die Skalenmittelwerte ergeben sich aus dem vierstufigen Antwortformat der einzelnen Items. Dabei steht die Zahl 1 für die Antwort „trifft überhaupt nicht zu“ und die Zahl 4 für die Antwort „trifft voll und ganz zu“ (siehe Fragebögen im Anhang B sowie Abschnitt 3.2.2). Hohe Werte (3-4) bedeuten also eher Zustimmung oder aber starke Zustimmung, während niedrige Werte (2-1) eher Ablehnung bis starke Ablehnung bedeuten. Anders formuliert sind höhere Werte der Kinder und Väter als Bestätigung zu verstehen, dass die durch die Skalen vertretenen Funktionen und Beziehungsaspekte sich in
77
ihrer eigenen Beziehung wieder finden. Die Abbildung 4.1 zeigt die erreichten Mittelwerte der Kinder und der Väter auf allen 6 Skalen.
3,5
3
2,5
2
M
1,5
1
0,5
0
*p < .05, ** p < .01
Abbildung 4.1: Mittelwerte der Väter und Kinder auf den 6 Beziehungsskalen
4.2.1 Die Skala 1: Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion
Die Väter (N = 79) erreichen auf der Skala Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion einen Mittelwert von M = 3.16 (s = .45). Der Mittelwert ihrer Kinder (N = 79) beträgt M = 3.10 (s = .60).
Der Mittelwert der Kinder, deren Väter nicht teilgenommen haben (N = 29), beträgt 2.87 (s = .78) auf der Skala 1 und liegt damit unter den Werten der anderen Kinder und Väter.
Um zu überprüfen, ob es auf dieser Skala einen Zusammenhang zwischen den Einschätzungen der Kinder und den Einschätzungen ihrer Väter gibt, wurde eine Korrelation nach Pearson gerechnet. Korreliert man die Mittelwerte der Kinder (N = 79) und der Väter (N = 79) auf der Skala Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion, zeigt sich bei einer zweiseitigen Testung ein hochsignifikant positiver Zusammenhang (r = .440, p < .01). Hohe Werte der Väter gehen demnach mit hohen Werten der Kinder einher und umgekehrt.
Zur Überprüfung möglicher Mittelwertunterschiede zwischen den Kindern und den Vätern wurde ein T-Test für abhängige Stichproben gerechnet. Hierbei ergab sich kein
78
signifikanter Unterschied in den Mittelwerten der Kinder und ihrer Väter auf dieser Skala [T(78) = -1.03, p = .319]. Die Mittelwerte der Kinder und Väter auf der Skala Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion sind damit statistisch nicht voneinander verschieden.
Um zu untersuchen, ob sich zwischen den beiden Kindergruppen statistisch relevante Mittelwertunterschiede zeigen, wurde ein T-Test für unabhängige Stichproben gerechnet. Anhand des Levene-Tests auf Varianzhomogenität der Gruppen konnte gezeigt werden, dass keine Varianzgleichheit herrscht, so dass bei der Auswertung der T-Wert mit welchkorrigierten Freiheitsgraden betrachtet werden musste. Dabei zeigte sich, dass sich die Mittelwerte der beiden Kindergruppen auf der Skala Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion nicht signifikant voneinander unterscheiden [T(40,9) = 1.47, p = .149].
4.2.2 Die Skala 2: Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen
Auf der Skala Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen erreichen die Väter einen Mittelwert von M = 2.78 (s = .37). Die Kinder der Väter erreichen auf dieser Skala einen höheren Mittelwert von M = 3.09 (s = .55). Der Mittelwert der Kinderkontrollgruppe (N = 29) liegt auf dieser zweiten Skala bei 2.83 (s = .61) und damit unter dem der anderen Kinder.
Auch bezüglich dieser Skala wurde überprüft, ob es einen Zusammenhang zwischen den Antworten der Kinder und denen ihrer Väter gibt. Dabei zeigte sich eine hochsignifikante positive Korrelation (r = .536, p < .01). Hohe Werte der Kinder auf dieser Skala gehen danach mit hohen Werten der Väter einher und umgekehrt. Der T-Test für abhängige Stichproben zeigt - wie auch in Abbildung 4.1 gekennzeichnet - einen hochsignifikanten Unterschied der Mittelwerte der Väter und Kinder auf der Skala Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen [T(78) = -5.187, p < .01]. Die etwas höheren Mittelwerte der Kinder unterscheiden sich demnach signifikant von den etwas niedrigeren Werten der Väter. Der T-Test für unabhängige Stichproben zeigt nur ein tendenzielles Ergebnis für die Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Kindergruppen. Die Kinder, deren Väter nicht teilgenommen haben, hatten tendenziell geringere Werte, stimmten den Aussagen dieser Skala also tendenziell weniger zu als die anderen Kinder [ T(106) = 1.848, p = .067].
79
4.2.3 Die Skala 3: Autonomieunterstützung und Akzeptanz
Auf der Skala Autonomieunterstützung und Akzeptanz liegt der Mittelwert der Väter bei 3.35 (s = .35). In der Kindergruppe (N = 79) wird im Mittel ein Wert von M = 3.38 (s = .41) erreicht, der damit über dem der Väter liegt. Auch hier wurde der Mittelwert für die Gruppe der Kinder berechnet, deren Väter nicht teilgenommen haben. Dieser liegt bei 3.33 (s = .44).
Eine zweiseitig getestete Korrelation nach Pearson zeigt einen hochsignifikant positiven Zusammenhang zwischen den Werten der Kinder und der Väter (r = .583, p < .01) auf dieser Skala.
Der T-Test für abhängige Stichproben wurde auch hier eingesetzt, um zu untersuchen, ob der Mittelwertunterschied zwischen den Kindern und den Vätern auf diese Skala statistisch signifikant ist. Es wurde also überprüft, ob die etwas höheren Werte der Kinder sich auch statistisch von den Werten der Väter unterscheiden. Die Ergebnisse des T-Tests zeigen, dass statistisch kein signifikanter Unterschied zwischen den Werten der Kinder und der Väter vorliegt [T(78) = -.82, p = .415], sich diese also statistisch nicht voneinander unterscheiden.
Der T-Test für unabhängige Stichproben zeigt auch zwischen den beiden Kindergruppen keine signifikanten Mittelwertunterschiede auf dieser Skala [T(106) = .52, p = .592].
4.2.4 Die Skala 4: Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung
Der Mittelwert der Väter liegt auf der Skala Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung bei 2.59 (s = .31). Ihre Kinder (N = 79) erreichen auf dieser Skala einen Mittelwert von M = 1.98 (s = .38). Der Mittelwert der anderen Kindergruppe N = 29 beträgt 2.12 (s = .54).
Eine zweiseitig getestete Korrelation nach Pearson zeigt im Gegensatz zu den anderen Skalen keinen signifikanten Zusammenhang zwischen den Werten der Kinder und ihrer Väter (r = -.05, p = .66).
Der T-Test für abhängige Stichproben dagegen zeigt hochsignifikante Mittelwertunterschiede zwischen den Kindern (N = 79) und ihren Vätern (N = 79) [T(78) = 10.825, p < .01]. Die Väter erreichen auf der Skala Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung demnach signifikant höhere Werte als die Kinder.
80
Im Bezug auf diese Skala werden die Mittelwerte auf den einzelnen Items beschrieben, um einen umfassenderen Einblick in die Antworten der Väter zu erhalten, die auf dieser Skala höhere Werte erreichten: Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Itemmittelwerte auf dieser Skala zeigt sich, dass diese bei den Vätern zwischen 1.4 und 3.2 liegen, sich also in einem mittleren Bereich zwischen Zustimmung und Ablehnung
bewegen. Dabei liegt der Mittelwert des Items 27 5 , welches den Wunsch des Kindes beschreibt, dem Vater zu zeigen, dass es viel erreichen wird, bei den Vätern bei 2.47 ( s = .78). Auf dem Item 33, welches beschreibt, dass das Kind es einmal “weiter bringen wird“ als der Vater, erreichen die Väter einen Mittelwert von 2.81 (s = .64). Die Väter geben zwar nicht an, dass sie sich im Bereich Leistung minderwertig gegenüber ihren Kindern fühlen (Item 32: M = 1.42, s = .63), dennoch scheinen sie tendenziell zu glauben, dass das Kind sie im Leistungsbereich eingeholt hat (Item 23: M = 2.89, s = .77). Auffallend ist in jedem Fall der vergleichsweise hohe Mittelwert der Väter (M = 3.18, s = .58) bezüglich des Items 44, im Vergleich zum Mittelwert der Kinder auf diesem Item (M = 2.34, s = .90) . Die Väter sind demnach eher der Meinung, dass die Kinder von den Werten ihrer Väter beeinflusst werden. Zudem geben sie an, ihren Kindern bei großer Leistung besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken (Item 71: M = 2.87, s = .75) Ein T-Test für unabhängige Stichproben mit welchkorrigierten Freiheitsgraden aufgrund ungleicher Varianzen zeigt, wie bei den anderen Skalen auch, keine signifikanten Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Kindergruppen [T(38,993) = -1.223, p = .133].
4.2.5 Die Skala 5: Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung
Aus den Analysen dieser Skala wurde ein Vater und ein Kind der
Hauptkinderstichprobe aufgrund fehlender Werte ausgeschlossen. Bei den Kindern, deren Väter nicht teilgenommen haben, mussten zwei Kinder aus gleichem Grund ausgeschlossen werden.
Der Mittelwert der Väter (N = 78) beträgt auf dieser Skala 3.43 (s = .40). Der Mittelwert der Kinder (N = 78) liegt etwas unter dem der Väter mit M = 3.27 (s = .56). Der Mittelwert der 27 Kinder, deren Väter nicht an der Befragung teilgenommen haben, beträgt 3.10 (s = .74).
5 genaue Itemformulierung siehe Tabelle 4.4
81
Korreliert man nach Pearson die Mittelwerte der Väter und ihrer Kinder auf dieser Skala, zeigt sich ein signifikanter moderat positiver Zusammenhang (r = .24, p = .035). Wie auch bei den vorherigen Skalen wurde ein T-Test für abhängige Stichproben gerechnet, um Mittelwertunterschiede zwischen Vätern und Kindern zu untersuchen. Es zeigte sich dabei ein signifikantes Ergebnis. Die Mittelwerte der Väter und ihrer Kinder auf der Skala 5 sind demnach statistisch voneinander verschieden [T(76) = 2.191, p = .032]. Die Kinder erreichen somit signifikant niedrigere Werte auf der Skala 5 als ihre Väter. Der T-Test für unabhängige Stichproben mit welchkorrigierten Freiheitsgraden zeigte auch keine Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Kindergruppen auf der Skala Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung [T(36,745) = 1.175, p = .181].
4.2.6 Die Skala 6: Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung
Aus den Analysen dieser Skala wurden ein Kinder und ein Vater der Hauptstichprobe aufgrund fehlender Werte ausgeschlossen, die jedoch zwei verschiedenen Vater-Kind-Paaren angehörten. Bei den Kindern, deren Väter nicht teilgenommen haben, mussten aus gleichem Grund zwei Kinder von den Berechnungen ausgeschlossen werden. Die Mittelwerte auf dieser Skala sind insgesamt niedriger als auf den anderen Skalen, was eine deutlich geringere Zustimmung bedeutet. Der Mittelwert der Väter (N = 78) beträgt 1.68 (s = .55). Der Mittelwert ihrer Kinder (N = 78) lautet 1.71 (s = .58) Die Kinder, deren Väter nicht an der Befragung teilgenommen haben (N = 27), erreichen einen etwas höheren Mittelwert von 1.83 (s = .54). Die zweiseitig getestete Korrelation nach Pearson ergab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen den Antworten der Väter und ihrer Kinder auf der Skala Negative Marker der Vater-Kind- Beziehung (r = .057, p = .622). Laut der Berechnung des T-Tests für abhängige Stichproben zeigt sich kein signifikanter Mittelwertsunterschied zwischen den Vätern und Kindern auf dieser Skala [T(76) = .059, p = .935].
Auch in diesem Fall ergibt der T-Test für unabhängige Stichproben zudem kein signifikantes Ergebnis [T(47,806) = -.961, p = .339]. Die Mittelwerte der Kindergruppen unterscheiden sich folglich hinsichtlich der Skala Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung statistisch nicht voneinander.
82
Die Mittelwertunterschiede der Kindergruppen, die auch in Abb. 4.1 zu ersehen sind, wurden auf keiner der 6 Skalen signifikant. Dennoch fällt auf, dass die Kinder, deren Väter nicht teilgenommen haben, systematisch höhere Werte auf den eher negativen Skalen und niedrigere Werte in den positiven Beziehungsskalen aufweisen. Zudem zeigte sich ein tendenzieller Mittelwertunterschied auf der Skala Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen [ T(106) = 1.848, p = .067]. Um zu prüfen, ob diese Unterschiede durch eine Zusammenführung der Skalen signifikant werden, wurden die Skalen 1, Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion, 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, 3, Autonomieunterstützung und Akzeptanz und 5, Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung, zusammengefasst. Auf dieser zusammengefassten Skala erreichten die Kinder, deren Väter an der Untersuchung teilgenommen haben einen Mittelwert von M = 3.2 (s = .43). Der Mittelwert der Kinder, deren Väter nicht teilgenommen hatten, lag bei M = 3.0 (s = .54). Ein T-Test mit welchkorrigierten Freiheitsgraden ergab auch auf der zusammengefassten Skala keine signifikanten Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Kindergruppen [T(38,532) = 1.745, p = .089]
In einem zweiten Schritt wurden die Skalen 4, Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung und 6 , Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung zu einer Skala zusammengefasst. Der Mittelwert der Kindergruppe, deren Väter an der Befragung teilgenommen hatten (N = 79), betrug M = 1.84 (s = .37). Der Mittelwert der anderen Kindergruppe lag bei M = 1.97 (s = .44). Ein T-Test auf Mittelwertunterschiede mit welchkorrigierten Freiheitsgraden ergab auch hier kein signifikantes Ergebnis [T(39,797) = -1.363, p = .181].
Die beiden Kindergruppen unterscheiden sich demnach weder auf den 6 einzelnen Skalen noch auf den zusammengefassten Skalen signifikant voneinander. Allerdings deuten die etwas größeren Varianzen in der Vergleichskindergruppe N = 29 gegenüber den kleinern Varianzen der Hauptkindergruppe N = 79 auf eine stärkere Ausnutzung aller vier Antwortstufen hin. Es zeigt sich damit eine breitere und weniger einheitlich rechts- oder linksgipflige Verteilung der Antworten der Kinder, deren Väter nicht an der Befragung teilnahmen.
83
4.3 Zusammenhänge zwischen den Skalen des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens
Um zu untersuchen, ob es Zusammenhänge zwischen den Antworten auf einer Skala mit den Antworten auf den anderen Skalen gibt, wurden die Werte der ersten 4 Skalen getrennt für die Kinder und Väter miteinander korreliert. Die folgenden Tabellen 4.6 und 4.7 zeigen diese Zusammenhänge für die Väter (N = 79) und deren Kinder (N = 79).
Tabelle 4.6: Zusammenhänge zwischen den Skalen 1-4 bei den Vätern
** Die Korrelation ist auf dem Niveau von .01 (2-seitig) signifikant.
* Die Korrelation ist auf dem Niveau von .05 (2-seitig) signifikant.
Tabelle 4.7: Zusammenhang zwischen den Skalen 1-4 bei den Kindern
Unterstützung
Signifikanz (2-seitig) 0 0,006 .699
Korrelation nach Pearson .581(**) 1 .073 .288(**) 2, Ratgeber Vorbild
Signifikanz (2-seitig) 0 0,01 .523
Korrelation nach Pearson .308(**) .288(**) 1 -0,219 3, Autonomie Akzeptanz
Signifikanz (2-seitig) .006 0,01 .052
Korrelation nach Pearson -0,044 .073 -0,219 1 4, Konkurrenz Leistung
Signifikanz (2-seitig) .699 .523 .052
** Die Korrelation ist auf dem Niveau von .01 (2-seitig) signifikant.
84
Bei den Vätern korrelieren die Antworten auf der Skala Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion mit den Antworten auf allen drei anderen Skalen signifikant positiv. Zusätzlich zeigt sich ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen der Skala 2, Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, und der Skala 4, Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung. Die Zusammenhänge bei den Kindern stellen sich anders dar. Die Skala 1, Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion, korreliert nicht mit der Skala Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung, sondern nur mit der Skala Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen und der Skala Autonomieunterstützung und Akzeptanz. Zudem besteht keine Korrelation zwischen der Skala Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen und der Skala Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung. Es zeigt sich jedoch, dass die Werte und damit die Antworten auf der Skala 2, Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, signifikant mit denen auf Skala 3, Akzeptanz und Autonomieunterstützung, korrelieren. Ein tendenzielles Ergebnis zeigt sich weiterhin darin, dass bei den Kindern die Autonomieunterstützung negativ mit der Konkurrenz im Leistungsbereich korreliert. Die Zusammenhänge zwischen den Antworten auf den Skalen 5 und 6, Positive beziehungsweise Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung, zeigen die Tabellen 4.8 und 4.9 getrennt für die Kinder und die Väter.
Tabelle 4.8: Zusammenhang zwischen Faktor 5 und 6 bei den Kindern
** Die Korrelation ist auf dem Niveau von 0,01 (2-seitig) signifikant.
Tabelle 4.9: Zusammenhang zwischen Faktor 5 und 6 bei den Vätern
** Die Korrelation ist auf dem Niveau von 0,01 (2-seitig) signifikant.
85
Bei den Kindern und Vätern der Stichprobe zeigen sich hochsignifikant negative Korrelationen zwischen diesen beiden Skalen. Hohe Werte auf der Skala 5, Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung, gehen mit stärkerer Ablehnung der Items der Skala 6, Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung, einher und umgekehrt. Bei den Kindern ist dieser Zusammenhang deutlich stärker als bei den Vätern.
4.4 Ergebnisse zur Beziehungs- und Kontaktgestaltung zwischen den
Vätern und den Kindern
Gemäß der Fragestellung der vorliegenden Arbeit wurden im letzten Teil des Fragebogens (siehe Anhang B) bei den Vätern und Kindern Fragen zur Kontakt- und Beziehungsgestaltung gestellt. Die Antworten der Probanden wurden mit Hilfe deskriptiver Statistiken und Chi²-Tests ausgewertet und werden im Folgenden beschrieben. Dabei werden die Antworten der Väter denen ihrer Kinder gegenüber gestellt. Die Kinder (N = 29), deren Väter nicht an der Untersuchung teilgenommen haben, werden dabei nicht betrachtet, da sich zum einen weder hinsichtlich der sechs Beziehungsskalen noch hinsichtlich der zusammengefassten Skalen signifikante Unterschiede zwischen den Kindergruppen zeigten und zum anderen ihren Antworten keine Antworten der Väter gegenübergestellt werden können.
Die geographische Entfernung
Die Angaben der Väter und Kinder auf diese Frage weichen erwartungskonform nur minimal voneinander ab. Diese minimalen Abweichungen sind vermutlich durch kleinere Unterschiede in der eingeschätzten Entfernung in Kilometerzahlen entstanden. Es werden in diesem Fall deshalb nur die Angaben der Väter wiedergegeben, da dies der Übersichtlichkeit der Ergebnisse dient. Dies gilt auch für andere Variablen des folgenden Abschnitts, insofern äußerst geringfügige oder keine Abweichungen festgestellt wurden. Wie der Abbildung 4.2 zu entnehmen ist, gaben insgesamt 39.2% der Väter an, nicht weiter als 30 Kilometer von ihren Kindern entfernt zu wohnen. 13.9% der Kinder und Väter leben 31-100 Kilometer entfernt. 34.2% der Väter und Kinder leben über 200 Kilometer voneinander entfernt, davon 10.1% in einem anderen Land. Es gibt demnach zwei größere Gruppen: die Väter und Kinder, die nah beieinander wohnen und die Väter und Kinder, deren Wohnorte weiter entfernt voneinander liegen. Zwischen 5 und 30
86
Kilometer voneinander entfernt wohnen knapp 40% der Kinder und Väter und über 200 Kilometer voneinander entfernt leben knapp 35% der Vater-Kind-Paare.
25 20 15 f% 10 5 0
Abbildung 4.2: Entfernung der Wohnorte der Kinder und ihrer Väter
Finanzielle Abhängigkeit
Die Frage, ob die Kinder noch finanziell unterstützt werden, verneinten 45.6% der Väter. Auch hier entsprechen sich die Zahlen, wenn man die Kinder, die diese Frage mit nein beantwortet haben (f% = 44.3%) mit den 1.3% der Kinder zusammenzählt, die angaben, nur von der Mutter finanziell abhängig zu sein. Daraus ergibt sich, dass insgesamt noch 54.4% der 79 Kinder finanziell vom Vater unterstützt werden. Etwa die Hälfte der Kinder ist demnach nicht mehr finanziell von ihren Eltern oder ihrem Vater allein abhängig.
Über den Umfang der finanziellen Abhängigkeit vom Vater herrscht weniger Einigkeit zwischen den Kindern und Vätern, so dass in diesem Fall die Sicht der Kinder und der Väter dargestellt wird. Tabelle 4.10 fasst die Ergebnisse zusammen.
Tabelle 4.10: Angaben der Kinder und Väter zum Umfang der finanziellen Unterstützung in
87
Initiator des Kontaktes
Die Antworten der Kinder und Väter sind der Randverteilung der Tabelle 4.11 zu entnehmen. 68 von 79 Vätern (f% = 86.1) und 66 der insgesamt 79 Kinder (f% = 83.5) gaben an, dass der Kontakt von ihnen beiden gleichermaßen hergestellt wird. Interessanterweise sind weitere 13.9% der Kinder der Meinung, der Kontakt gehe eher vom Vater aus und nur 2.5% glauben, dass sie selbst Initiator des Kontaktes sind. Die Väter sehen dies genau umgekehrt. Von den 13 Vätern, die nicht der Meinung sind, dass der Kontakt von beiden gleich ausgeht, sind 7 Väter (f% = 8.9) der Ansicht, ihr Kind initiiere den Kontakt und nur 4 Väter (f% = 5.1) halten sich selbst für den Initiator des Kontaktes. Bei den wenigen Kindern und Vätern, die nicht der Meinung sind, der Kontakt gehen von beiden gleich aus, wird also der jeweils andere als aktiver gesehen. Der Chi²-Test zeigt folglich einen signifikanten Unterschied zwischen den Antworten der Väter und Kinder [χ²(2) = 6.074, p = .048].
Die Berechnung des Übereinstimungsmaßes Kappa wird infolgedessen nicht signifikant, womit angezeigt ist, dass die Übereinstimmung innerhalb der Paare nicht über eine Zufallsübereinstimmung hinausgeht (Κ = .021, p = .792). Die damit angezeigte schlechte Übereinstimmung zwischen den Vätern und Kindern ist, wie Tabelle 4.11 zeigt, vor allem durch die fehlenden übereinstimmenden Vater-Kind-Paare auf den ersten beiden Antwortstufen dieser Variablen zu erklären und aus diesem Grund vorsichtig zu
interpretieren 6 . Es stimmen bei insgesamt 73.4% der Vater-Kind-Paare die Väter und Kinder überein, dass der Kontakt von beiden gleichermaßen hergestellt wird.
Tabelle 4.11: Anzahlen übereinstimmender und nicht übereinstimmender Paare bezüglich der Frage:
6 Es wird vor diesem Hintergrund auf die Angabe von Kappa in den folgenden Analysen verzichtet, da die Interpretation dieses Übereinstimmungsmaßes nicht mehr zuverlässig ist, sobald die Zahl übereinstimmender Paare auf einer Stufe der Diagonalen der Kontingenztabelle 0 beträgt oder einen sehr kleinen Wert annimmt.
88
Art und Häufigkeit des Kontaktes
Die folgende Tabelle 4.12 gibt einen Überblick darüber, wie die Väter und Kinder den Kontakt zueinander aufrechterhalten. Dabei stehen Besuche und Telefonate im Vordergrund.
Tabelle 4.12: Fallzahlen und Anteile der Väter und Kinder, die laut eigener Angaben die folgenden
SMS 21 26.6 15 19.0
Abbildung 4.3 zeigt die Verteilung der Antworten der Väter und Kinder hinsichtlich der angegebenen Kontakthäufigkeit. 18 Väter (f% = 22.8) geben im Vergleich zu nur 13 Kindern (f% = 16.5) an, fast täglich Kontakt mit ihren Kindern zu haben. Die Mehrheit, nämlich jeweils 52 Kinder und Väter (f% = 65.8 - dabei handelt es sich nicht in jedem Fall um zusammengehörende Vater-Kind-Paare) geben an, einen wöchentlichen Kontakt zu pflegen. Die verbleibenden Kinder und Väter sehen sich einmal im Monat oder alle drei Monate. Keiner der Väter oder Kinder gaben an, sich nur 1-2-mal im Jahr zu sehen oder zu hören.
50
40
30 f
20
10
Abbildung 4.3: Angaben der Kinder (N =79) und Väter (N =79) zur Kontakthäufigkeit in Fallzahlen
Um zu überprüfen, ob sich die Gruppe der Väter hinsichtlich ihrer Antworten zur Kontakthäufigkeit von der Gruppe der Kinder signifikant unterscheidet, wurde ein Chi²-Test gerechnet. Dabei zeigten sich jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede [χ²(3) = 2.092, p = .553].
89
Insgesamt 53 der 79 Vater-Kind-Paare (f% = 67.1) stimmten hinsichtlich ihrer Antworten überein. In 40 Fällen (f% = 50.6) waren sich die Väter und Kinder darüber einig, wöchentlichen Kontakt zu pflegen und bildeten damit die Mehrheit der übereinstimmenden Paare. Sofern keine Einigkeit innerhalb der Paare herrschte, waren es häufiger die Väter als die Kinder, die mehr Kontakt angaben. Die genauen Anzahlen übereinstimmender und nicht übereinstimmender Vater-Kind-Paare sind der Tabelle 4.13 zu entnehmen.
Tabelle 4.13: Anzahlen übereinstimmender und nicht übereinstimmender Paare bezüglich der
Auf die Frage, wie sich der Kontakt zwischen ihnen gestaltet, antwortete die überwiegende Mehrheit der Väter (f = 68, f% = 86.1) und ihrer Kinder (f = 64, f% = 81), dass sowohl persönliche Belange als auch sachliche Informationen ausgetauscht werden.
Zusammenfassend lässt sich demnach sagen, dass die Väter und Kinder in einem häufigen, meist wöchentlichen Kontakt zueinander stehen, und die Väter der Stichprobe, obgleich dieser Unterschied im Gruppenvergleich nicht signifikant wurde, wie aus Tabelle 4.13 und Abbildung 4.3 zu ersehen, etwas häufigeren Kontakt wahrnehmen als ihre Kinder. Die Mehrheit der Väter und Kinder glauben, dass der Kontakt von beiden gleichermaßen aufrechterhalten wird, und zwar vor allem durch Besuche und Telefonate. Dabei werden in der Regel persönliche und sachliche Belange ausgetauscht.
Wichtigkeit des Kontaktes
Des Weiteren wurde den Vätern und Kindern die Frage gestellt, wie wichtig ihnen selbst und dem jeweils anderen der regelmäßige Kontakt ist (genaue Formulierung siehe Fragebögen im Anhang B). Die Auswertungen der Antworten zeigen, dass die Bedeutung des regelmäßigen Kontaktes für den jeweils anderen leicht unterschätzt wird. Nur 70.9% der Kinder (N = 56) glaubten, dass der regelmäßige Kontakt ihrem Vater wichtig ist, obwohl mehr Väter, nämlich 84.8% (N = 67) dies von sich behaupten.
90
Auch umgekehrt zeigt sich diese Tendenz, allerdings in wesentlich kleinerem Ausmaß: 68% der Väter (N = 54) glauben, dass ihrem Kind der Kontakt wichtig ist, während dies bei 72.2% (N = 57) der Kinder der Fall ist. Insgesamt sagten 94.9% der Kinder und 97.5% der Väter, dass ihnen der regelmäßige Kontakt wichtig oder eher wichtig ist.
Um zu überprüfen, ob es sich in Bezug auf diese Fragestellung um statistisch relevante Unterschiede zwischen den Angaben der Väter und Kinder handelt, wurden zwei Chi²-Tests gerechnet. Danach unterscheiden sich die Antworten der Väter und Kinder auf die Fragen (1), wie wichtig dem Vater und (2), wie wichtig dem Kind der regelmäßige
Kontakt ist, statistisch nicht voneinander [1: χ²(2) = 4.799, p = .91; 2: χ²(3) = 1.481,
p = .687].
Es lässt sich demnach zusammenfassend festhalten, dass der Mehrheit der Väter und Kinder der regelmäßige Kontakt zueinander wichtig ist und sich diesbezüglich keine statistischen Unterschiede zwischen den Vätern und Kindern der Stichprobe zeigen.
Veränderung der Beziehung in den letzten Jahren
Die Kinder der Stichprobe sehen deutlich mehr Veränderung in der Beziehung -vorwiegend in den Jahren nach ihrem Auszug - als ihre Väter [χ²(3) = 24.572, p < .01], wie auch der Abbildung 4.4 zu entnehmen ist. Auf die Frage, ob sich ihre Beziehung zueinander in den letzten Jahren verändert hat, antworteten 23 von 79 Vätern (f% = 29.1) mit „nein, gar nicht“ gegenüber nur 6 von 78 Kindern (f% = 7.7) (ein Kind wurde wegen fehlender Daten aus dieser Berechnung ausgeschlossen). Während 20 der 78 in die Analyse eingeschlossenen Kinder (f% = 25.6) glauben, dass sich die Beziehung sehr verändert hat, schließen sich dieser Meinung wiederum nur 5 Väter (f% = 6.3) an.
f%
Abbildung 4.4: Angaben der Väter (N = 79) und Kinder (N = 79) hinsichtlich Veränderungen in ihrer
Es zeigt sich, wie aufgrund des Chi²-Tests zu erwarten, eine schlechte Übereinstimmung innerhalb der Paare. Nur insgesamt 22 (f% = 24.8) Vater-Kind-Paare stimmten hinsichtlich ihrer Antworten überein. Von diesen Paaren gab ein Paar (f% = 1.3) an, die Beziehung habe sich gar nicht verändert, bei 5 Paaren (f% = 6.3) waren Väter und Kinder der Meinung, die Beziehung habe sich kaum verändert. Ein wenig Veränderung sehen 10 übereinstimmende Paare (f% = 12.7) und bei 6 Paaren (f% = 7.6) waren die Väter und Kinder der Meinung, die Beziehung habe sich sehr verändert. Bei den Kindern (N = 66) und Vätern (N = 45), die eine Veränderung der Beziehung wahrnehmen und aufgrund dessen das folgende Item zur „Art der Veränderung“ beantworteten, beschreibt die Mehrheit diese mit stärkerer Gleichberechtigung. Bei den Kindern sind dies insgesamt 66.7% und bei den Vätern 80% [χ²(2) = 2.394, p = .302]. Abbildung 4.5 verdeutlicht die Antworten der Kinder und Väter.
f%
Abbildung 4.5: Antworten der Vätern (N = 45) und Kindern (N = 66) hinsichtlich der Art Veränderungen ihrer Beziehung in Prozent
Die Kinder (N = 19) und Väter (N = 8), die sich für die Antwortkategorie „sonstige Veränderungen“ entschieden hatten, nannten die folgenden Aspekte, die mit Ausnahme der Nennung eines Kindes eine Verbesserung der Beziehung anzeigen:
Väter: Kinder:
mehr Wärme mehr Vertrauen intensiverer Gedankenaustausch mehr gegenseitiger Respekt
Die Antworten der Kinder und Väter auf die Frage nach einer Verschlechterung oder Verbesserung der Beziehung sind aus Tabelle 4.14 zu ersehen.
Tabelle 4.14: Fallzahlen und Anteile der Väter und Kinder, die eine Verbesserung, Verschlechterung
besser 42.3 62.8 33 49
schlechter 1 1.3 2 2.6
weder noch 56.4 34.6 44 27
*Ein Kind und ein Vater wegen fehlender Antwortdaten ausgeschlossen
Nur ein Vater und zwei Kinder sehen eine Verschlechterung der Beziehung. Mehr Kinder als Väter sehen eine Verbesserung der Beziehung, während die größere Gruppe der Väter auch hier keine Veränderungen wahrnimmt [χ²(2) = 7.526, p < .023]. Die genauen Zahlen übereinstimmender Vater-Kind-Paare sind aus Tabelle 4.15 zu ersehen.
Tabelle 4.15: Fallzahlen übereinstimmender und nicht übereinstimmender Vater-Kind-Paare
Nur bei insgesamt 44 Paaren der 77 in die Analyse einbezogenen Paare (57.1%) stimmen die Kinder und Väter überein. 25 dieser 44 Paare (f% = 56.8) gehen von einer Verbesserung aus und bei 19 Paaren (f% = 43.2) sehen weder Väter noch Kinder eine Veränderung der Beziehungsqualität. Es gibt keine Paare, innerhalb derer Väter und Kinder einstimmig angeben, die Beziehung habe sich verschlechtert. Bei 24 (f% = 31.2) von 77 untersuchten Vater-Kind-Paaren sehen die Kinder eine Verbesserung der Beziehungsqualität, die Väter nehmen jedoch keine Veränderung wahr.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Väter weniger Veränderungen in den Beziehungen zu ihren Kindern wahrnehmen als ihre Kinder. Wenn Veränderungen wahrgenommen werden, dann sieht die Mehrheit der Kinder und Väter diese vor allem in Bezug auf eine stärkere Gleichberechtigung. Die Beschreibungen der Väter und Kinder hinsichtlich anderer Veränderungen zeigen Entwicklungen zu mehr Nähe in den
93
Beziehungen auf. Bezüglich der Beziehungsqualitiät sehen mehr Kinder als Väter Verbesserungen in den letzten Jahren.
4.5 Unterschiede in der Vater-Kind-Beziehung vor dem Hintergrund
der Lebenssituation der Kinder und der Kontaktgestaltung
zwischen ihnen und ihren Vätern
Um der Frage nachzugehen, ob Unterschiede in der Kontaktgestaltung zwischen den Vätern und ihren Kindern sowie die Lebenssituation der Kinder einen Einfluss auf die Vater-Kind-Beziehungen haben, wurden mit F-und T-Tests mögliche Mittelwertunterschiede auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen untersucht. Als Einflussvariablen dienten hierbei die Entfernung der Wohnorte, die finanzielle Abhängigkeit der Kinder, die Kontakthäufigkeit zwischen den Vätern und den Kindern, die berufliche Situation (berufstätig vs. in Ausbildung/Studium) sowie die Partnerschafts- und Wohnsituation der Kinder.
Dabei erwies sich nur die Variable Kontakthäufigkeit als entscheidend. Die genauen Skalenmittelwerte der Kinder und Väter sowie die F-Werte sind der Tabelle 4.16 der folgenden Seite zu entnehmen. Wie aus dem jeweiligen Eta² in Tabelle 4.16 zu ersehen, liegt die durch die Kontakthäufigkeit aufgeklärte Varianz in den Beziehungsskalen zwischen 11% und 17%.
Bei den Kindern ging häufigerer Kontakt mit dem Vater mit höheren Werten auf der Skala 1, Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion, auf der Skala 2, Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, sowie auf der Skala 5, Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung, einher. Zudem hatten die Kinder, die angaben, ihre Väter fast täglich zu sehen, die niedrigsten Werte auf der Skala 6, Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung. Die Abbildung 4.6 der Seite 96 verdeutlicht das Ergebnis. Die Väter, die häufigeren Kontakt (vor allem fast täglichen) mit ihren Kindern angaben, hatten höhere Mittelwerte auf der Skala 2, Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, und auf der Skala 5, Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung. Ein tendenzielles Ergebnis zeigte sich zudem auf der Skala 1, Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion. Danach hatten die Väter, die angaben ihre Kinder häufiger zu sehen, höhere Werte auf dieser Skala.
94
Da sich in diesen Berechnungen allein die Variable Kontakthäufigkeit als einflussreich erwies, wurde auf der Suche nach Gründen für die zwar nicht signifikanten aber dennoch systematischen Mittelwertunterschiede der Kindergruppen auf den 6 Beziehungsskalen untersucht, ob sich die Kinder aus den zwei Gruppen hinsichtlich der Häufigkeit des Kontakts zu ihren Vätern unterscheiden. Allerdings zeigt der Chi²-Test, dass hinsichtlich dieser Variable keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Kindergruppen bestehen [χ²(4) = 6.763 p = .149].
Tabelle 4.16: Skalenmittelwerte und Standardabweichungen der Kinder auf den Stufen der Variablen
Emotionale Unterstützung
Kinder N = 79
Ratgeber und Vorbild
Kinder N = 79
Autonomie und Akzeptanz
Väter
N
= 79
Kinder N = 79
Konkurrenz und Leistung
Kinder N = 79
Positive Beziehungsmarker
Kinder N = 78
Negative Beziehungsmarker
Kinder N = 78
* auf dem Niveau von .05 signifikant ** auf dem Niveau von .01 signifikant
95
Abbildung 4.6: Skalenmittelwerte der Kinder (N = 79) auf den 4 Stufen der Variablen Kontakthäufigkeit
4.6 „Young adults“ und „emerging adults“ - andere Lebensphase,
andere Vater-Kind-Beziehung?
In Abschnitt 2.3 wurde im Zuge einer Darstellung der Lebensphase, in der sich die jungen erwachsenen Kinder der vorliegenden Stichprobe befinden, das Konzept der „Emerging Adulthood“ vorgestellt. Dabei wurde angemerkt, dass sich diese Lebensphase vor allem in höheren Bildungsschichten vollzieht. In Anbetracht der in Kapitel 3 beschriebenen Stichprobe der vorliegenden Arbeit, die durch ein hohes Bildungsniveau gekennzeichnet ist, ist davon auszugehen, dass dieses Kriterium erfüllt ist. Es stellt sich daher die Frage, ob sich die Kinder dieser Stichprobe in zwei Gruppen differenzieren lassen, nämlich zum einem in die so genannten „emerging adults“ und zum anderen in die „young adults“ und inwieweit diese Gruppenzugehörigkeit die Vater-Kind-Beziehung beeinflusst. Anders ausgedrückt wird auf diese Weise untersucht, ob und wie sich unterschiedliche Lebenssituationen der Kinder auf die Vater Kind-Beziehung auswirken.
Der vorangehende Abschnitt konnte bereits zeigen, dass einzeln ausgewählte und betrachtete Variablen, wie zum Beispiel die finanzielle Abhängigkeit vom Vater oder die berufliche Situation der Kinder in der vorliegenden Stichprobe offensichtlich keinen Einfluss auf die Vater-Kind-Beziehung haben. Möglicherweise zeigen sich Unterschiede jedoch dann, wenn, wie dies in der Gesamtskala des IDEA (Reifman et al., 2003) der Fall ist, verschiedene Aspekte der Lebensphasen betrachtet und aufaddiert werden.
96
Die N = 29 Kinder, deren Väter nicht an der Untersuchung teilnahmen, hatten, wie weiter oben dargestellt, auf den Beziehungsskalen, die eher positive und zugewandte Aspekte beschrieben, geringere Mittelwerte als die anderen Kinder. Sie beschrieben demnach die Beziehung zu ihren Vätern etwas negativer. Allerdings wurden diese Unterschiede nicht signifikant und auch in Bezug auf demographische Daten, die diese Unterschiede möglicherweise erklären könnten, zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Kindergruppen.
Um der Frage nachzugehen, ob sich die beiden Kindergruppen hinsichtlich ihres IDEA-Gesamtscores unterscheiden, womit möglicherweise eine Erklärung für unterschiedliche Werte auf den Beziehungsskalen erbracht würde, wurde ein T-Test für unabhängige Stichproben gerechnet. Wie bereits weiter oben erläutert, stehen hohe Werte im IDEA-Gesamtscore für eine Lebensphase, die hinsichtlich prominenter Kriterien der beschriebenen „Emerging Adulthood“ entspricht (siehe dazu auch Abschnitt 2.3). Niedrige Werte hingegen zeigen an, dass die Kinder den Beschreibungen der gegenwärtigen Lebensphase als unabhängig und frei, ohne Verantwortung für andere, experimentell und instabil, weniger zustimmen. Diese Kinder wären demnach eher „adult“ als „emerging adult“.
Das Ergebnis des T-Tests für unabhängige Stichproben zeigt, dass die Kinder, deren Väter nicht an der Befragung teilnahmen, einen signifikant höheren Mittelwert auf der IDEA-Gesamtskala von M = 83.03 hatten als die N = 79 Kinder, deren Mittelwert bei M = 78.23 lag [T(106) = -2.162, p = .033]. Die Kinder, deren Väter nicht an der Untersuchung teilnahmen, sehen ihre gegenwärtige Lebensphase demnach stärker durch die IDEA-Beschreibungen vertreten, wählten folglich öfter zustimmende Antwort-kategorien als die Kinder, deren Väter an der Befragung teilnahmen, und sind im Sinne des IDEA infolgedessen eher „emerging adults“ als „young adults“. Allerdings lässt sich dieser Unterschied in den zwei Kindergruppen, wie bereits weiter oben dargestellt, weder aufgrund der Altersmittelwerte, noch aufgrund der finanziellen Abhängigkeit [χ²(1) = 2.679, p = .102], der geographischen Entfernung [χ²(5) = 1.287, p= .936] oder der beruflichen Situation [χ²(5) = 6.809, p = .235] der Kinder erklären. Hinsichtlich des selbst eingeschätzten Erwachsenenstatus zeigen sich ferner keine Unterschiede zwischen den beiden Kindergruppen (χ²(3) = 2.844, p = .416). Die Unterschiede bleiben demnach auf die IDEA-Gesamtskala beschränkt.
97
Im Folgenden werden wieder ausschließlich vollständige Vater-Kind-Paare betrachtet. Es soll gemäß der Fragestellung überprüft werden, ob sich die 79 Kinder erstens hinsichtlich ihrer IDEA-Werte in zwei Gruppen differenzieren lassen und zweitens, wie sich dies aus Sicht der Kinder und ihrer Väter auf die Vater-Kind-Beziehung auswirkt. Wie Abbildung 4.7 zeigt, gibt die Mehrheit der N = 79 Kinder auf die Frage nach dem selbst eingeschätzten Erwachsenenstatus an, sich zu 70% erwachsen zu fühlen.
Abbildung 4.7: Selbst eingeschätzter Erwachsenenstatus der Kinder (N = 79)
Die Kinder, die sich nicht zu 100% erwachsen fühlten, nannten vor allem normativ geprägte Kriterien, die ihnen zum Übergang in ein vollständig erwachsenes Leben fehlten; so vor allem die finanzielle Eigenständigkeit, das Finden eines geeigneten Jobs sowie die Gründung einer eigenen Familie, gefolgt von dem Wunsch nach mehr Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein.
Der selbst eingeschätzte Erwachsenenstatus sowie der IDEA-Gesamtscore stehen theoriekonform im Zusammenhang mit dem Alter der Kinder. Ein höheres Alter der Kinder ging danach mit einem etwas niedrigeren IDEA-Gesamtscore einher. Die älteren Kinder sahen ihre derzeitige Lebensphase demnach weniger stark durch die Beschreibungen der IDEA-Items vertreten (r = -.293, p < .01) Zudem schätzten sie sich selbst als erwachsener ein als die jüngeren Kinder (Spearman Rho: r = .33, p < .01).
Die Werte der Kinder (N = 79) auf der IDEA-Gesamtskala waren mit dem bereits dargestellten Mittelwert von 78.22 (s = 10.1) bei einem Maximum von 102 und einem Minimum von 65 annähernd normalverteilt. Der Modalwert lag bei 68 und der Median betrug 84.
Gemäß der Fragestellung wurden zwei neue kontrastierende Kindergruppen auf Grundlage der IDEA-Gesamtwerte gebildet. Um eine klare Unterscheidung dieser beiden
98
Gruppen zu gewährleisten, wurde von einem Mediansplit abgesehen und die Bildung zweier „Extremgruppen“ auf Grundlage der oberen und unteren Quartile (Perzentil 25 = 74, Perzentil 75 = 84) vorgezogen. Infolgedessen entstanden aus der ursprünglichen Kindergruppe (N = 79) zwei neue Kindergruppen, die sich hinsichtlich ihrer IDEA-Werte deutlich unterschieden.
Bei der Gruppe der Kinder mit niedrigen Werten (N = 22) handelte es sich folglich um Kinder, deren Lebensphase weniger den Kriterien der „Emerging Adulthood“ entspricht, während die Lebensphase der Kindergruppe mit höheren Werten (N = 20) stärker durch die IDEA-Beschreibungen vertreten wird. Um diese beiden Gruppen namentlich besser unterscheiden zu können, wird infolgedessen zwischen den „emerging adults“ mit hohen IDEA-Werten und der Gruppe der „young adults“ mit vergleichsweise niedrigen Werten auf der IDEA-Gesamtskala unterschieden. Es wurde bereits erwähnt, dass ein höheres Alter mit niedrigeren Werten auf der IDEA-Gesamtskala einherging. Vergleicht man das Alter der „emerging adults“ (M = 26.24, s = 5.2) mit dem Altersmittelwert der „young adults“(M = 28.364, s = 4.2), so zeigt sich, dass die Kinder mit niedrigen Werten auf der IDEA-Gesamtskala im Mittel zwei Jahre älter sind als die Kinder der anderen Gruppe. Es handelt sich, wie das Ergebnis des T-Tests zeigt, dabei jedoch um keinen statistisch signifikanten Altersunterschied [T(40) = 1.448, p = .155].
Um zu untersuchen, ob sich die Beziehungen der „emerging adults“ zu ihren Vätern von den Beziehungen der „young adults“ zu ihren Vätern unterscheiden, wurden die Mittelwerte dieser beiden Kindergruppen auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen miteinander verglichen. Die Abbildung 4.8 stellt die signifikanten Ergebnisse grafisch dar.
1,5 1 0,5 0 Abbildung 4.8: Skalenmittelwerte der „young adults“ (N = 22) und “emerging adults“ (N = 20) im
Es zeigte sich, dass die „young adults“ im Mittel signifikant höhere Werte auf der Skala 2, Der Vater als Rageber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, erreichten als die „emerging adults“ [T(28,02) = 2.127, p = .042]. Anders ausgedrückt sehen die „emerging adults“ demnach ihre Väter weniger stark als Ratgeber und Vorbilder als die so genannten „young adults“. Ein tendenzielles Ergebnis zeigt sich auf der Skala 1, Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion. Hier erreichen ebenfalls die „young adults“ höhere Werte [T(32,39) = 1.898, p = .067]. Auf den anderen Skalen konnten keine signifikanten oder tendenziellen Mittelwertunterschiede gefunden werden. Um zu überprüfen, ob sich die gefundenen Unterschiede auch aus Sicht der Väter replizieren lassen, wurden auch hier T-Tests für alle 6 Beziehungsskalen gerechnet und somit die Mittelwerte auf der IDEA-Gesamtskala der Väter der „young adults“ mit denen der Väter der „emerging adults“ verglichen.
Auf keiner der 6 Beziehungsskalen unterschieden sich die Mittelwerte der beiden Vätergruppen signifikant oder tendenziell voneinander. Im Gegensatz zu den Kindern unterschied sich die Beziehungswahrnehmung der Väter demnach nicht in Abhängigkeit von der von den Kindern gegenwärtig beschriebenen Lebensphase.
Da sich die Gruppe der „young adults“ auf der Skala 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, signifikant von den so genannten „emerging adults“ unterscheiden, wurde vermutet, dass sich diese beiden Gruppen auch hinsichtlich anderer Variablen unterscheiden. Die Verteilung der Fallzahlen und Anteile der erwachsenen Kinder auf den Stufen der Variablen, hinsichtlich derer signifikante Unterschiede zwischen den „emerging adults“ und „young adults“ gefunden wurden, sind der Tabelle 4.17 zu entnehmen.
100
Tabelle 4.17: Fallzahlen und Anteile der „emerging adults“ und „young adults“ bezüglich
Partnerschaft/
Wohnsituation
finanzielle
Abhängigkeit
Berufstätigkeit*
angestellt selbständig Azubi 4 20.0 1 5.3 Student 11 55.0 6 31.6
* aus der Gruppe der „young adults“ wurden 2 Hausfrauen und ein Arbeitssuchender ausgeschlossen
Die Ergebnisse der Chi²-Tests ergaben für:
χ²(2) = 11.163, p < .01 die Partnerschaft/Wohnsituation: χ²(5) = 19.982, p < .01 die geographische Entfernung: χ²(1) = 6.313, p = .012 die finanzielle Abhängigkeit: χ²(3) = 13.397, p < .01. und die Berufstätigkeit:
Wie die Tabelle 4.17 zeigt, wohnt die Mehrheit der „young adults“ mit einem Partner zusammen, während über die Hälfte der „emerging adults“ Singles sind. Weiterhin zeigt sich, dass die „young adults“ näher bei ihren Vätern wohnen. 82.4% der „young adults“ wohnen nicht weiter als 100 Kilometer, 50% sogar nur maximal 30 Kilometer von den Vätern entfernt, während insgesamt 75% der „emerging adults“ 100 Kilometer und mehr von ihren Vätern entfernt leben. Ferner wird deutlich, dass knapp 64% der „emerging adults“, aber nur 25% der „young adults“ finanziell unterstützt werden.
101
Dies ist auch vor dem Hintergrund der beruflichen Situation zu verstehen. Wie der Tabelle 4.17 zu entnehmen ist, sind 63% der „young adults“ bereits berufstätig, bei den „emerging adults“ sind dies nur 25% der erwachsenen Kinder. 75% dieser Kinder befinden sich noch in der Ausbildung.
Ein tendenzieller Unterschied zeigt sich des Weiteren in Bezug auf die Kontakthäufigkeit [χ²(3) = 7.522, p = .057]. Danach haben die „young adults“ etwas mehr Kontakt zu ihren Vätern als die „emerging adults“. Während knapp 32% der „young adults“ fast täglichen Kontakt mit ihren Vätern pflegen, machen dies nur 15% der „emerging adults“. Zudem gab kein Kind aus der Gruppe der „young adults“ an, nur vierteljährlichen Kontakt mit dem Vater zu haben, allerdings war dies bei 20% der „emerging adults“ der Fall.
Zudem zeigt sich, dass die „young adults“ tendenziell etwas weniger Veränderungen in der Beziehung zum Vater innerhalb der letzten Jahre wahrnahmen als die „emerging adults“ [χ²(3) = 7.501 p = .058].
In Bezug auf die von den erwachsenen Kindern berichtete Zufriedenheit mit der Beziehung unterschieden sich die beiden Gruppen nicht signifikant voneinander, wobei dennoch eine leichte Tendenz erkennbar ist [χ²(2) = 5.064, p = .079]. 77.3% der„young adults“ wählten im Vergleich zu nur 50% der „emerging adults“ zur Beurteilung der Beziehungszufriedenheit das fröhlichste der vier zur Auswahl gestellten Stimmungsgesichter (siehe Fragebögen im Anhang B) und scheinen demzufolge etwas zufriedener mit ihrer Beziehung zum Vater zu sein. 3 Kinder (f% = 15) aus der Gruppe der „emerging adults“ wählten das dritte und damit eher unzufriedene der vier Stimmungsgesichter, wohingegen dieses von keinem der „young adults“ ausgewählt wurde.
Keine Unterschiede zwischen den „young adults“ und „emerging adults“ ergaben sich im Hinblick auf die Gestaltung des Kontaktes, die Art der Beziehungsveränderung oder eine Verbesserung oder Verschlechterung der Beziehung.
4.7 Ergebnisse zur „Intergenerational Stake Hypothese“
Die Annahmen und Studien zur „Intergenerational Stake Hypothese“ wurden im zweiten Kapitel der Diplomarbeit ausführlich erörtert. Infolgedessen ist es ein Anliegen zu untersuchen, ob sich das Phänomen, dass Eltern und in diesem Fall die Väter die Beziehung zu ihren erwachsenen Kindern positiver einschätzen als ihre Kinder, in der
102
vorliegenden Stichprobe bestätigen lässt. Ferner interessiert es, inwiefern sich diesbezüglich drei verschiedene Antwortmuster, nämlich erstens, Übereinstimmung der Väter und Kinder in der Beziehungsqualität, zweitens, positivere Beschreibung der Beziehung durch die Kinder oder drittens, durch die Väter, zeigen. Eine Begründung für die unterschiedlichen Einschätzungen der Eltern und erwachsenen Kinder ist, wie weiter oben dargestellt, die Annahme, dass Eltern nach Kontinuität und Aufrechterhaltung der Beziehung und Weitergabe ihrer Werte an die Kinder streben, während die Kinder sich eher von den Eltern abgrenzen. Vor diesem Hintergrund wurden die Kinder und Väter dieser Studie gefragt, wer ihrer Ansicht nach stärker am Erhalt der Beziehung interessiert ist und diese stärker braucht. Tabelle 4.18. fasst die Antworten der Väter und ihrer Kinder diesbezüglich zusammen.
Tabelle 4.18: Antworten der Kinder und Väter in Häufigkeiten und Prozent
Wer hat stärkeres
Interesse an der Beziehung? Kind 2 2.5 2 2.5 Vater 4 5.1 4 5.1 beide gleich 73 92.4 73 92.4
Wer braucht die Beziehung mehr? Kind 5 6.3 5 6.3
Die Chi² Tests ergaben für:
χ(2) = 0.00, p=1.0 „Interesse an der Beziehung“: χ(2) = 2.959, p = .228. „Wer braucht die Beziehung?“:
Wie die Ergebnisse der Chi²-Tests sowie die Häufigkeitstabelle 4.18 zeigen, fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Antworten der Kinder und der Väter. Es fällt vielmehr überraschenderweise auf, dass sich die Häufigkeiten und Prozentwerte der Antworten der Väter und ihrer Kinder auf den drei Antwortstufen der Frage nach dem Interesse an der Beziehung vollständig entsprechen. 92.4% der Väter und
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Kinder sind demnach der Meinung, dass beide ein gleich starkes Interesse am Erhalt der Beziehung haben.
Bei der Frage, wer die Beziehung stärker braucht, wird deutlich, dass, obwohl die Mehrheit der Kinder und Väter auch hier davon ausgeht, dass beide die Beziehung gleich stark brauchen, dieser Meinung etwas mehr Väter als Kinder sind. Doppelt so viele Kinder wie Väter gehen davon aus, dass der Vater die Beziehung eher braucht als sie selbst. Die Tabellen 4.19 und 4.20 zeigen die übereinstimmenden und nicht übereinstimmenden Paare bezüglich der dargestellten Variablen. Die größte Gruppe der Paare in den Tabellen 4.19 und 4.20 sind die, innerhalb derer die Väter und die Kinder einstimmig angaben, dass beide ein gleich starkes Interesse an der Beziehung haben und auf diese gleichermaßen angewiesen sind. Es zeigt sich entsprechend, dass bezüglich der Frage nach dem Interesse an der Beziehung innerhalb der Mehrheit der Paare, nämlich bei 69 Paaren (f% = 87.34), eine exakte Übereinstimmung darüber herrscht, dass beide ein gleiches Interesse an der Beziehung haben, womit eine hohe Anzahl übereinstimmender Paare angezeigt wird.
Tabelle 4.19: Anzahl übereinstimmender und nicht übereinstimmender Vater-Kind-Paare bezüglich
Hinsichtlich der Frage, wer die Beziehung am meisten braucht, sind es nur 65.8% der Paare, bei denen die Kinder und Väter in ihren Antworten übereinstimmen. Abgesehen von einem Paar, handelt es sich auch in diesem Fall ausschließlich um Paare, innerhalb derer die Väter und Kinder die Frage mit „beide gleich“ beantworteten. Die zweitgrößte Gruppe sind dagegen die 12 Paare (f% = 15.28), bei denen die Kinder glauben, dass die Beziehung von den Vätern stärker gebraucht wird als von ihnen selbst, während ihre Väter der Meinung sind, beide seien auf die Beziehung gleichermaßen angewiesen.
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Tabelle 4.20: Anzahl übereinstimmender und nicht übereinstimmender Vater-Kind Paare
Die generelle Beziehungszufriedenheit
Die Frage nach der generellen Zufriedenheit mit der Beziehung am Ende des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens sollte eine zusammenfassende Einschätzung der Väter und Kinder abbilden und dient der Beantwortung der Frage, ob die Väter die Beziehung positiver erleben als ihre Kinder. Die der Einschätzung dienenden vier Stimmungsgesichter zur Beschreibung der Beziehungszufriedenheit (siehe Fragebogen im Anhang B) wurden sprachlich in die Ausprägungen gut, eher gut, eher schlecht und schlecht übersetzt. Die Abbildung 4.9 gibt die Antworten der Väter und Kinder wieder. Vor dem Hintergrund einer generell hohen Beziehungszufriedenheit wird deutlich, dass die Väter die Beziehung signifikant positiver einschätzen als die Kinder [χ²(3) = 9.524, p = .01].
f%
40 30 20 10
Abbildung 4.9: Antworten der Väter (N = 79) und Kinder (N = 79) zur Beziehungszufriedenheit in Prozent
83.5% der Väter aber nur 62% der Kinder wählten das fröhlichste der vier Stimmungsgesichter zur Beschreibung der Zufriedenheit mit der Beziehung, welches für eine gute Beziehungsqualität steht. Etwa ein Drittel der Kinder entschied sich für das kleinere lächelnde Gesicht, welches der Beschreibung eher gut in der oben stehenden Abbildung 4.9 entspricht. Dieses wählten hingegen nur 13.9% der Väter. Auffallend ist,
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dass sich kein Vater und kein Kind für das Gesicht entschied, welches der Beschreibung schlecht zugeordnet ist.
Die Ergebnisse des Chi²-Tests wurden durch die Ergebnisse des Wilkoxon-Tests zum Vergleich von Mittelwerten für ordinalskalierte Variablen bestätigt (Z = -3.124, p < .01). Zur Berechnung dieses Tests auf Mittelwertunterschiede wurde den jeweils gewählten Stimmungsgesichtern von gut bis schlecht die Zahlen 1-4 zugeordnet. Die Väter erreichten auch hier signifikant niedrigere Werte auf dem Item Zufriedenheit mit der Beziehung (M = 1.19, s = .45), waren demnach zufriedener mit der Beziehung als die Kinder (M = 1.44, s = .62). Dies entspricht auch den weiter oben erläuterten signifikanten Mittelwertunterschieden zwischen den Vätern und Kindern auf der Skala Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung, auf der die Väter den positiven Beziehungsmarkern stärker zustimmten als die Gruppe der Kinder.
Um zu prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Beziehungszufriedenheit der Kinder und Väter gibt, wurden den Antwortkategorien beziehungsweise den Stimmungsgesichtern erneut die Zahlen 1-4 zugewiesen, wobei eine „1“ auch hier für gute und eine „4“ für schlechte Beziehungen stand. Eine zweiseitige Korrelation nach Spearman für ordinalskalierte Variablen zeigte dabei einen signifikant positiven moderaten Zusammenhang zwischen den Antworten der Kinder und Väter (r = .230, p = .42). Hohe Beziehungszufriedenheit bei den Vätern ging damit auch mit einer höheren Zufriedenheit der Kinder einher und umgekehrt.
Die Antwortmuster der Paare in Bezug auf die Beziehungszufriedenheit In einem letzten Schritt wurde untersucht, ob sich hinsichtlich der Beziehungszufriedenheit der Väter und Kinder auch in dieser Stichprobe die im zweiten Kapitel beschriebenen drei verschiedenen Antwortmuster aufzeigen lassen. Zur besseren Darstellung der Ergebnisse erfolgte erneut eine Zuordnung der Zahlen 1- 4 zu den jeweiligen Stimmungsgesichtern. Durch die einfache Subtraktion der Werte der Kinder von den Werten der Väter auf diesem Item konnten drei Gruppen identifiziert werden: 1. Übereinstimmende Bewertung der Beziehungszufriedenheit (Ergebnis der Subtraktion ist die Zahl 0), 2. stärkere Zufriedenheit der Väter (Ergebnis der Subtraktion sind die Zahlen -1 bis -3) und 3. stärkere Zufriedenheit der Kinder (Ergebnis der Subtraktion sind die Zahlen 1-3). Wie Abbildung 4.10 zeigt, stellt die Gruppe der Paare, in der die Väter und Kinder gleiche Stimmungsgesichter zur Angabe der Beziehungszufriedenheit auswählten, die größte der drei dar, gefolgt von den Vater-Kind-Paaren, bei denen die Väter zufriedener mit der Beziehung sind als ihre Kinder.
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f%
Abbildung 4.10: Drei Antwortmuster der Vater-Kind-Paare (N = 79) in Bezug auf die generelle Beziehungszufriedenheit
Die Tabelle 4.21 zeigt entsprechend in der Diagonalen die Vater-Kind-Paare, bei denen die Väter und Kinder hinsichtlich ihrer Beziehungszufriedenheit übereinstimmen. Auffällig ist auch hier, dass dies vor allem Paare mit höchster Beziehungszufriedenheit sind, während sich auf den beiden anderen Stufen wesentlich weniger übereinstimmende Vater-Kind-Paare finden. Die insgesamt 23 Paare, bei denen die Väter die Beziehung positiver einschätzen, entsprechen den in Abbildung 4.10 dargestellten 29.1%. Die verbleibenden 5 Paare entsprechen den obigen 6.3% der Vater-Kind-Paare, bei denen das Kind zufriedener mit der Beziehung ist als der Vater. Insgesamt stimmen 35.4% der Paare nicht überein. Wie aber der Tabelle 4.21 zu entnehmen, gibt es jedoch nur insgesamt 4 Vater-Kind-Paare, deren Antwortdifferenzen mehr als eine Antwortstufe umfasst. Die nicht übereinstimmende Paare liegen demnach hinsichtlich ihrer Antworten nicht weit auseinander.
Tabelle 4.21: Anzahlen übereinstimmender und nicht übereinstimmender Vater-Kind-Paare bezüglich
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse des letzten Abschnittes eine signifikant positivere Beziehungseinschätzung der Vätergruppe im Vergleich zu den Kindern, allerdings vor dem Hintergrund einer generell hohen Zufriedenheit. Des Weiteren konnten
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drei Antwortmuster innerhalb der Paare identifiziert werden. Dabei war die größte Gruppe mit 64.6% aller Paare diejenige, in welcher die Kinder und Väter hinsichtlich ihrer Beziehungszufriedenheit übereinstimmten, gefolgt von knapp 30% der Paare, bei denen die Väter gemäß der „Intergenerational Stake Hypothese“ zufriedener mit der Beziehung waren als ihre Kinder.
4.8 Väter und Söhne, Väter und Töchter
Die in Kapitel 2 vorgestellten Studien und distinkten Vaterfunktionen legen einen Unterschied in der Beziehung von erwachsenen Töchtern und Söhnen zu ihren Vätern nahe. Diese Vermutung sollte anhand der vorliegenden Stichprobe durch einen Vergleich der Werte der Söhne mit denen der Töchter auf allen 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen überprüft werden. Da die vorgestellten Studien zeigen, dass die Väter und die Kinder Unterschiede in den Beziehungen wahrnehmen, sollten diese sich auch im Vergleich der Skalenwerte der Väter von Söhnen mit denen der Väter von Töchtern zeigen. Die Gruppe der 79 Kinder, deren Väter an der Befragung teilgenommen haben, setzte sich, wie bereits beschrieben, aus 29 Söhnen und 50 Töchtern zusammen, die im Folgenden miteinander verglichen werden. Identische Anzahlen gelten entsprechend für die Väter der Söhne und Töchter.
Die T-Tests für unabhängige Stichproben zum Vergleich der Mittelwerte der Töchter und Söhne auf allen 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen ergaben auf keiner der Skalen signifikante oder tendenzielle Mittelwertunterschiede. Auch zwischen den Vätern der Söhne und den Vätern der Töchter ergaben die T-Tests auf keiner der Vater-Kind-Beziehungsskalen signifikante oder tendenzielle Ergebnisse.
Entgegen der Erwartung ließen sich demzufolge auf keiner der 6 Skalen des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens signifikante Unterschiede zwischen den Vater-Sohn- und Vater-Tochter-Beziehungen der vorliegenden Stichprobe aufzeigen.
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4.9 Der Einfluss einer Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung im
Erwachsenenalter
In Abschnitt 2.4.3 wurde der Einfluss einer Trennung oder Scheidung der Eltern auf die Vater-Kind-Beziehung beschrieben. Dabei zeigte sich einerseits, dass die Vater-Kind-Beziehung offensichtlich stärker unter einer Trennung der Eltern leidet als die Mutter-Kind-Beziehung. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die Befunde heterogen und letztlich die Umstände einer Scheidung von großer Bedeutung für die spätere Vater-Kind-Beziehung sind.
Aufgrund dessen sollte anhand der vorliegende Stichprobe überprüft werden, ob sich die Väter und Kinder aus Scheidungsfamilien hinsichtlich ihrer Beziehung zueinander von den Kindern und Vätern aus „intakten“ Familien unterscheiden. Um dieser Frage nachzugehen, wurden die Väter und ihre Kinder aus intakten und Scheidungsfamilien jeweils hinsichtlich ihrer Mittelwerte auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen mit Hilfe von T-Tests verglichen.
Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass die N = 29 Kinder, deren Väter nicht an der Befragung teilnahmen, wie in Kapitel 3 beschrieben, zu gleichen Anteilen aus intakten und Scheidungsfamilien stammten, wie die Kinder der Hauptstichprobe. Die Scheidung der Eltern kann folglich nicht für die Mittelwertunterschiede auf den 6 Beziehungsskalen zwischen den beiden Kindergruppen verantwortlich sein. Es werden im Folgenden nur die Hauptkindergruppe und ihre Väter analysiert.
Wie bereits in der Beschreibung der Stichprobe dargestellt, waren 19 der 79 Väter von den Müttern der Kinder getrennt oder geschieden und 2 Väter verwitwet. Die verbleibenden 58 Väter (f% = 73.4) lebten zum Zeitpunkt der Befragung noch mit den Müttern ihrer Kinder zusammen. Die verwitweten Väter wurden von den folgenden Berechnungen ausgeschlossen. Entsprechend der Anzahlen der Väter aus intakten und Scheidungsfamilien wurden für die folgenden Analysen auch 19 Kinder aus Scheidungsfamilien und 58 Kinder aus intakten Familien einbezogen Die Abbildung 4.11 zeigt die Mittelwerte der Kinder aus Scheidungsfamilien und intakten Familien auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen im Vergleich.
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3,5 3 2,5 2 M 1,5 1 0,5 0
*p < .05, **p < .01
Abbildung 4.11: Mittelwerte der Kinder aus Scheidungs- und intakten Familien auf den 6 Beziehungsskalen,
Auf der Skala 1, Gegenseitige emotionale Unterstützung und positive Interaktion, erreichten die Kinder aus Scheidungsfamilien signifikant niedrigere Werte als die Kinder aus intakten Familien. Die Kinder aus Scheidungsfamilien gaben demnach weniger gegenseitige emotionale Unterstützung und geringere positive Interaktion zwischen ihnen und ihren Väter an als die anderen Kinder [T(75) = 2.545, p = .013]. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich auf der Skala 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen. Auch dort haben die Kinder aus Scheidungsfamilien signifikant niedrigere Werte als die anderen Kinder [T(75) = 3.775, p < .01].
Keine signifikanten Mittelwertunterschiede fanden sich jedoch auf den Skalen 3 und 4, Autonomieunterstützung und Akzeptanz sowie Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung [T(75) = 3.775, p = .507; T(75) = -1.630, p = .107]. Hier unterschieden sich die Kinder aus beiden Gruppen nicht.
Auf Skala 5, Positive Marker der Vater-Kind-Beziehung, erreichten die Kinder aus Scheidungsfamilien wieder signifikant niedrigere Werte [T(74) = 3.004, p < .01], wohingegen die Kinder aus intakten Familien signifikant niedrigere Werte auf der Skala 6, Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung, erreichten (T(74) = 3.348, p = .018).
Der Vergleich der Mittelwerte geschiedener Väter mit denen der Väter, die noch mit der leiblichen Mutter der Kinder zusammenlebten, ergab lediglich auf der Skala 2, Der Vater als Ratgeber und Vorbild beruflicher und moralischer Fragen, signifikant niedrigere
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Werte bei den von den Müttern geschiedenen Vätern [T(75) = .645, p < .01]. Der Mittelwert der Gruppe geschiedener Väter betrug entsprechend M = 2.6 (s = .28), der Mittelwert der Väter, die noch mit der Mutter des Kindes zusammenlebten, lag bei M = 2.8 (s = .38).
Es wurde im Theorieteil auf Studien hingewiesen, die zeigen, dass zwischen Kindern und Vätern aus Scheidungsfamilien häufig weniger Kontakt besteht als zwischen Vätern und Kindern aus intakten Familien. Auch dies wurde anhand der vorliegenden Stichprobe aus Sicht der Kinder und der Väter überprüft. Die 19 geschiedenen Väter gaben signifikant weniger Kontakt mit ihren Kindern an als die anderen 58 Väter [χ²(3) = 12.987, p < .01]. 17 der 58 Väter (f% = 29.3) aus intakten Familien gaben an, fast täglich Kontakt mit ihrem Kind zu haben, während dies bei nur einem von insgesamt 19 geschiedenen Vätern (f% = 5.3) der Fall war. Wie Tabelle 4.22 zeigt, haben die meisten Väter aus beiden Gruppen wöchentlichen Kontakt zu ihren Kindern. Lediglich insgesamt 3 Väter sehen oder hören ihre Kinder nur alle 3 Monate. Dies sind ausschließlich Väter, die nicht mehr mit der Mutter des Kindes zusammenleben.
Tabelle 4.22: Fallzahlen und Anteile bezüglich der Angaben zur Kontakthäufigkeit mit dem Kind aus
wöchentlich 13 68.42 37 63.79
monatlich 2 10.53 4 6.90
Wie auch aus Tabelle 4.23 zu ersehen, zeigt sich ein ähnliches Ergebnis aus der Sicht der Kinder. Die Väter und Kinder aus intakten Familien haben nach Angaben der Kinder häufigeren Kontakt miteinander [χ²(3) = 23.870, p < .01]. Zudem geben doppelt so viele Kinder aus Scheidungsfamilien im Vergleich zu ihren Vätern an, sich nur alle 3 Monate zu sehen. Dies entspricht dem oben bereits beschriebenen Ergebnis, dass Väter offensichtlich häufigeren Kontakt zu ihren Kindern wahrnehmen als die erwachsenen Kinder.
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Tabelle 4.23: Fallzahlen und Anteile bezüglich der Angaben zur Kontakthäufigkeit mit dem Vater aus
wöchentlich 10 52.63 40 68.97
monatlich 3 15.79 5 8.62
In einem weiteren Schritt wurde untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der Qualität der Elternbeziehung in intakten Familien und der Qualität der Vater-Kind-Beziehung besteht. Auf dieser Weise sollte die theoretische Darstellung der Elternbeziehung als ein Einflussfaktor auf die gelebte Vaterschaft und Vater-Kind-Beziehung überprüft werden.
Das folgende Item diente zur Erhebung der Partnerschaftsqualität der Eltern aus der Sicht der Kinder und Väter:
Wenn Sie noch mit der Mutter zusammen leben, wie schätzen Sie Ihre Partnerschaft ein?
Bitte zutreffendes unterstreichen: ☺ ☺ ☺ ☺ ☺ (1) (2) (3) (4) (zugeordnete Zahlen)
Die Kinder sollten entsprechend die Beziehung der noch zusammen lebenden Eltern einschätzen (genaue Formulierung des Items für die Kinder siehe Kinderversion des Fragebogens im Anhang B.1).
Die Angaben auf diesem Item wurden - wie auch bezüglich der Frage nach der Zufriedenheit mit der Vater-Kind-Beziehung erläutert - den oben stehenden Zahlen von 1-4 zugeordnet und in einem nächsten Schritt mit den Angaben zur Zufriedenheit mit der Vater-Kind-Beziehung korreliert.
Der Spearman Rho Korrelationskoeffizient für ordinale Variablen zeigt einen signifikant positiven Zusammenhang zwischen der von den Vätern berichteten Beziehungsqualität zu ihren Frauen und ihrer Zufriedenheit mit der Vater-Kind-Beziehung (r = .334, p < .01). Verheiratete Väter, die eine positive Partnerschaft beschrieben, waren demnach auch zufriedener mit der Beziehung zu ihren Kindern.
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Entsprechendes zeigte sich auch aus Sicht der Kinder. Kinder aus intakten Familien, die die Partnerschaft ihrer Eltern positiv beurteilten, waren zum Zeitpunkt der Befragung zufriedener mit der Beziehung zu ihren Vätern (r = .451, p < .01).
Zusammenfassend zeigen die Auswertungen dieses Abschnittes einen negativen Einfluss der Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung, der jedoch stärker von den Kindern als von den Vätern erlebt wird. Kinder und Väter aus Scheidungsfamilien haben zudem weniger Kontakt als Kinder und Väter aus intakten Familien, wobei dies vor dem Hintergrund eines generell häufigen Kontaktes in beiden Gruppen zu sehen ist. Auch in intakten Familien spielt die Beziehung der Eltern eine Rolle für die Vater-Kind-Beziehung. Aus Sicht der Kinder und der Väter standen gute Partnerschaften der Eltern positiv mit der Zufriedenheit von Vätern und Kindern hinsichtlich ihrer Beziehung zueinander im Zusammenhang.
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5. Diskussion
5.1 Diskussion der Ergebnisse
Ziel dieser Arbeit war es, mehr über die Vater-Kind-Beziehung im
Erwachsenenalter zu erfahren. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den distinkten Vaterfunktionen und der Frage nach ihrer Gültigkeit über das Kleinkindalter und die Adoleszenz hinaus. Daneben interessierten die konkrete Gestaltung des Kontaktes zwischen den Vätern und ihren Kinder sowie die wechselseitigen Perspektiven ihrer Beziehung. Ferner stellte sich die Frage nach der Bedeutung der Lebensphasen der Kinder und Väter für die Gestaltung ihrer Beziehung. Auch der Einfluss des Geschlechts des Kindes sowie einer Scheidung der Eltern als familienstrukturelle Veränderung auf die Vater-Kind-Beziehung wurde hinterfragt. Die Ergebnisse der Untersuchung werden im Folgenden im Hinblick auf die Fragestellung und die bisherigen Forschungsbefunde diskutiert.
5.1.1 Die Stichprobe
Im Ursprung war die vorliegende Arbeit auf die Befragung von Vater-Kind-Dyaden ausgelegt, um die Darstellung wechselseitiger Perspektiven zu ermöglichen. Allerdings standen nach Beendigung der Erhebungsphasen Daten von 79 Vater-Kind-Dyaden zuzüglich einer im Vorfeld nicht vorgesehenen weiteren Kindergruppe (N = 29), deren Väter nicht an der Befragung teilgenommen hatten, zur Verfügung. Zwei Drittel dieser Kindergruppe entstanden durch die zweite Erhebungsphase, die online durchgeführt wurde. Zu Vergleichszwecken wurde diese Gruppe mit in die weiteren Analysen einbezogen und wird hinsichtlich ihrer Werte auf den Beziehungsskalen getrennt von denen der zusammengehörenden Väter und Kinder in Abschnitt 5.1.3 diskutiert. Die übrigen Diskussionsabschnitte gelten ausschließlich den vollständigen Vater-Kind-Paaren. Signifikante Unterschiede zwischen den Töchtern und Söhnen der Stichprobe zeigten sich bezüglich des Führens von Partnerschaften. Töchter wohnten und lebten häufiger mit einem Partner zusammen als Söhne. Dieser Unterschied zeigte sich allerdings nur in der Kindergesamtgruppe. Bei einer getrennten Betrachtung der zwei Gruppen zeigte
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sich, dass sich dieses Ergebnis für die im Fokus dieser Arbeit stehenden 79 Kinder, deren Väter an der Untersuchung teilgenommen hatten, nicht aufrechterhalten ließ. In dieser Kindergruppe unterschieden sich die Töchter und Söhne auch nicht im Hinblick auf das Führen von Partnerschaften.
Die gesamte Stichprobe der Kinder und Väter ist durch ein hohes Bildungsniveau gekennzeichnet und muss daher als selektiv beurteilt werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind demzufolge vornehmlich auf die oberen Bildungsschichten zu beziehen und müssen auch vor diesem Hintergrund diskutiert werden.
5.1.2 Die distinkten Funktionen der Väter - Ergebnisse der Kinder und ihrer Väter auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen
Eine zentrale Fragestellung der vorliegenden Diplomarbeit bezog sich darauf, inwiefern sich die dargestellten distinkten Vaterfunktionen, wie beispielsweise die Ratgeberfunktion, auch in erwachsenen Vater-Kind-Beziehungen aufzeigen lassen. Die Auswertungen der Ergebnisse zeigen, dass die Väter als Ratgeber und Vorbilder in beruflichen und moralischen Fragen sowie als Förderer der Eigenständigkeit ihrer erwachsenen Kinder auch in diesem Lebensabschnitt von großer Bedeutung bleiben. Dies schließt sich an die Ergebnisse von Nydegger und Mitteness (1996) an, die zeigten, dass Väter sich selbst noch lange in der Ratgeberrolle erleben sowie an die Untersuchung von Buhl et al. (2003), nach der die Väter auch bei jungen erwachsenen Kindern weiterhin als Ratgeber fungieren. Allerdings nehmen die Kinder der vorliegenden Stichprobe ihre Väter stärker als Ratgeber wahr als die Väter dies selbst tun. Im Hinblick auf die Autonomieunterstützung und die vom Vater entgegengebrachte Akzeptanz unterscheiden sich die Väter und ihre Kinder nicht. Diese wird von beiden Seiten gleichermaßen hoch eingeschätzt. Die Kinder fühlen sich demnach von ihren Vätern in ihrer Eigenständigkeit gefördert und akzeptiert und diese teilen die Einschätzung ihrer Kinder. Folglich scheint die Autonomieunterstützung als distinkte Funktion der Väter, wie sie für das Kleinkind auch in Form einer Ermutigung zur Exploration sowie für das Jugendalter in Form einer Förderung der Abgrenzung von den Eltern beschrieben wird (Shulman & Seiffge-Krenke, 1997), auch im späteren Leben der Kinder Bestand zu haben. Es zeigt sich zudem aus Sicht der Kinder und Väter eine eher hohe Einschätzung der gegenseitigen Unterstützung in den Vater-Kind-Dyaden.
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Trotz dieser einheitlichen Ergebnisse treten die Väter augenscheinlich stärker als ihre Kinder in eine Art Leistungswettbewerb. Der stark kompetitive Charakter der Items der Skala 6, Konkurrenz und Wettbewerb im Bereich Leistung, führt bei den Kindern offensichtlich zu einer geringeren Zustimmung. Die Kinder vergleichen sich entsprechend weniger mit ihren Vätern als umgekehrt.
Für eine mögliche Interpretation dieses Ergebnisses bieten sich die Ausführungen von Colarusso und Nemiroff (1982) und Papastefanou (1997) sowie Papastefanou und Buhl (2002) an, die darauf verweisen, dass sich bei den Vätern, bedingt durch die Wahrnehmung erster altersbedingter Abbauerscheinungen und dem langsamen Rückzug aus dem Berufsleben, Neid und Konkurrenzgefühle gegenüber ihren Kindern entwickeln können, die ihrerseits auf höchstem Leistungsniveau agieren. Für die Kinder stellen die Väter vor diesem Hintergrund möglicherweise keine Konkurrenz dar, und es ist für sie infolgedessen nicht von Bedeutung, sich mit den Vätern zu vergleichen oder in einen Wettstreit zu treten, gerade weil diese sich ohnehin bald aus dem Berufsleben zurückziehen werden. Es wäre also denkbar, dass die Väter für die Kinder keine Referenzgruppe im Bereich Leistung darstellen und die Kinder ihre Väter folglich gar nicht als ernstzunehmende Konkurrenten verstehen. Diese unterschiedlichen Perspektiven der Kinder und Väter mögen auch eine Erklärung dafür sein, dass keine Zusammenhänge zwischen den Antworten der Kinder und der Väter auf dieser Skala gefunden wurden, während sich auf den anderen drei Skalen der ersten Analyse vergleichsweise hohe Korrelationen zwischen r = .44 und r = .58 nachweisen ließen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber auch die Tatsache, dass die Werte der Väter - wenn auch signifikant höher als die der Kinder - auf der Skala Konkurrenz und Wettbewerb im Bereich Leistung im Vergleich zu den anderen Beziehungsskalen geringer waren, dementsprechend nicht von einem starken Konkurrenzverhalten oder -gefühl der Väter auszugehen ist. Bei näherer Betrachtung der einzelnen Itemmittelwerte der Skala zeigte sich zudem, dass diese sich bei den Vätern im mittleren Antwortbereich zwischen trifft eher nicht zu und trifft eher zu bewegten. Die Väter gaben nicht an, sich minderwertig zu fühlen, wobei die sehr direkte Formulierung dieses Items möglicherweise zu einer Reaktanz bei den Vätern geführt haben könnte. Allerdings stimmten sie der Aussage, dass die Kinder sie im Leistungsbereich eingeholt, haben eher zu. Letztlich wird der stärkere und wertende Fokus der Väter vor allem bezogen auf die Leistung der Kinder deutlich sowie die Tendenz der Väter ihren Kindern bei größerer Leistung mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
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Ferner wird deutlich, dass - wie aufgrund der dargestellten Befundlage über Eltern und erwachsene Kindern vermutet wurde - generell zugewandte, verbundene und nahe Beziehungen zwischen den Kindern und ihren Vätern bestehen, eine These, die durch die eher geringe Zustimmung im Hinblick auf die negativen Beziehungsmarker und die hohe Zustimmung bezüglich positiver Beziehungsmarker unterstützt wird. In Anbetracht der Ergebnisse scheint gemäß der Untersuchung von Fthenakis und Minsel (2002) auch in der vorliegenden Stichprobe die soziale Funktion des Vaters einen hohen Stellenwert einzunehmen.
Bezüglich der beiden Skalen, Positive Marker und Negative Marker der Vater-Kind- Beziehung, zeigt sich im Hinblick auf die positiven Marker eine moderate Korrelation zwischen den Antworten der Väter und Kinder, während die Antworten der Väter und Kinder auf der Skala Negative Marker der Vater-Kind-Beziehung nicht im Zusammenhang standen und sich auch nicht signifikant voneinander unterschieden. Des Weiteren muss - um die Arbeit von Böhmer (2000) aufzugreifen - vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse von eher konvergenten als divergenten Beziehungen ausgegangen werden. Hohe Werte in den jeweils negativen und positiven Beziehungsmarkern, wie es bei hoher Ambivalenz zu erwarten wäre, zeigen sich in der vorliegenden Stichprobe nicht. Die generell etwas kritischere Haltung der Kinder im Vergleich zu der ihrer Väter könnte jedoch Ansätze einer Ambivalenz - möglicherweise auch vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen mit dem Vater - enthalten.
Die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Beziehungsaspekten stellen sich - abgesehen von der negativen Korrelation zwischen positiven und negativen Beziehungsmarkern - für die Väter und Kinder nicht einheitlich dar. Bei den Vätern steht die wahrgenommene gegenseitige Unterstützung und positive Interaktion zwischen ihnen und ihren Kindern in starkem Ausmaß mit der Ratgeberfunktion, aber auch mit der Autonomieunterstützung ihrer Kinder und dem kompetitiven Leistungsvergleich im Zusammenhang. Väter, die dementsprechend mehr emotionale Unterstützung in der Beziehung wahrnahmen, sahen sich stärker als Ratgeber und Autonomieunterstützer, verglichen sich gleichzeitig aber auch stärker mit ihren Kindern im Bereich Leistung. Der größte Zusammenhang bei den Vätern zeigte sich zwischen der Funktion als Ratgeber einerseits und dem Leistungsvergleich mit ihren Kindern andererseits. Der Aspekt des Leistungsvergleichs steht aus Sicht der Kinder nicht im Zusammenhang mit anderen Beziehungsaspekten, nur tendenziell zeichnet sich ein negativer Zusammenhang mit der empfunden Autonomieunterstützung und Akzeptanz
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durch den Vater ab. Dagegen steht aus ihrer Perspektive die emotionale Unterstützung noch stärker mit der Ratgeberfunktion des Vaters im Zusammenhang als aus Sicht der Väter. In Vater-Kind-Beziehungen, die nach Ansicht der Kinder durch eine hohe emotionale Zugewandtheit gekennzeichnet sind, fungieren die Väter folglich stärker als Ratgeber als in Vater-Kind-Dyaden, die durch geringere emotionale Unterstützung gekennzeichnet sind.
Ein weiteres interessantes Ergebnis zeigt sich darin, dass die Kinder, die ihre Väter in größerem Ausmaß als Ratgeber empfinden, sich gleichzeitig in ihrer Autonomie bestärkt fühlen. Diese Kinder nehmen offensichtlich den Rat des Vaters nicht als Bevormundung wahr. Dies ist auch vor dem Hintergrund beachtenswert, dass die Väter, die sich stärker als Ratgeber ihrer Kinder wahrnehmen, gleichzeitig auch in einen stärkeren Wettbewerb im Leistungsbereich treten. Möglicherweise sehen die Väter ihre Funktion als Ratgeber weniger abgekoppelt von ihrer eigenen, vor allem beruflichen Leistung und der ihrer Kinder, die sie unter Umständen als „Erben ihrer Leistungswerte“ betrachten. Bezogen auf die zentrale Frage nach dem Fortbestehen distinkter Vaterfunktionen kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die Ratgeber- und Vorbildfunktion sowie die Autonomieunterstützung als distinkte Beiträge der Väter, wie sie Seiffge-Krenke (2002, 2004) sowie Shulman und Seiffge-Krenke (1997) beschreiben, auch für erwachsene Kinder von Bedeutung sind.
5.1.3 Die Vergleichskindergruppe ohne teilnehmende Väter
Bei den 29 Kindern, deren Väter nicht an der Befragung teilnahmen, fanden sich hinsichtlich demographischer Variablen keine bedeutenden Unterschiede zu der im Vordergrund stehenden Hauptgruppe der 79 Kinder, deren Väter an der Befragung teilgenommen hatten.
Allerdings zeigten sich, obgleich nicht signifikant, systematische Mittelwertunterschiede auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen. Die 29 Kinder der Vergleichsgruppe sehen die Beziehung zu ihren Vätern weniger positiv und sprechen diesen im Vergleich zu den anderen Kindern weniger die Funktion eines Ratgebers zu. Als Begründung für dieses Ergebnis konnten weder soziodemographische noch familienstrukturelle Unterschiede, wie zum Beispiel eine Häufung von Scheidungskindern in dieser Gruppe, geringere Kontakthäufigkeit oder aber weitere geographische Entfernungen herangezogen werden. Einzig auf der IDEA-Gesamtskala erreichten diese
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Kinder signifikant höhere Werte, was sie im Vergleich zur Hauptkindergruppe stärker als „emerging adults“ kennzeichnet. Dies stellt einen möglichen Erklärungsansatz für die systematischen Unterschiede auf den Vater-Kind-Beziehungsskalen dar, da sich diesbezüglich Parallelen zur Gruppe der „emerging adults“ innerhalb der Hauptkindergruppe zeigen, die ihre Väter im Vergleich zu den „young adults“ der Hauptkindergruppe ebenfalls weniger als Ratgeber sehen. Allerdings sollten die nicht signifikanten Mittelwertunterschiede zwischen den beiden Kindergruppen nicht überbewertet werden. Eine Erklärung ergibt sich unter Umständen auch vor dem Hintergrund, dass 20 der 29 Kinder den Fragebogen im Internet ausfüllten und ein Grund für die Nichtteilnahme ihrer Väter an der Befragung auch Schwierigkeiten mit dem Medium Internet sein könnten. Gleichzeitig schafft eine Befragung im Internet eine noch anonymere Bedingung, so dass die Probanden gegebenenfalls weniger beeinflusst oder sozial erwünscht antworteten als die Kinder, die für die Teilnahme an der Befragung in persönlichen Kontakt mit ihren Vätern treten mussten. Vor diesem Hintergrund könnten sich die negativeren und möglicherweise weniger sozial erwünschten Sichtweisen der Kinder der Vergleichsgruppe - dargestellt durch die Werte auf den 6 Vater-Kind-Beziehungsskalen - erklären.
5.1.4 Die Kontakt- und Beziehungsgestaltung der Väter und Kinder
Ein weiterer zu betrachtender Gegenstand der vorliegenden Arbeit war die Darstellung der Kontakt- und Beziehungsgestaltung zwischen den Kindern und ihren Vätern. Dabei wurde deutlich, dass die Kinder und Väter der 79 untersuchten Dyaden wie vermutet häufigen, in der Regel wöchentlichen Kontakt miteinander pflegen, was die Ergebnisse der dargestellten Studien zur Kontakthäufigkeit bestätigt. Entgegen der Ergebnisse von Lawton et al. (1994) scheint der hohe Bildungsstand der Stichprobe den Kontakt zueinander nicht zu verringern.
Erstaunlich ist dennoch die Tatsache, dass die Väter und Kinder bei 33% der Paare zu unterschiedlichen Einschätzungen der Kontakthäufigkeit bezüglich ein und derselben Beziehung gelangten. Die Väter nahmen zweimal so häufig mehr Kontakt zwischen sich und den Kindern wahr. Es kann jedoch keine Aussage darüber getroffen werden, ob es die Väter sind, die den Kontakt überschätzen oder die Kinder, die ihn unterschätzen. Ersteres würde sich der „Intergenerational Stake Hypothese“ anschließen.
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Es wurde weiterhin deutlich, dass beide - Väter und Kinder - den Kontakt zu einander aufnehmen und er ihnen gleichermaßen wichtig ist. Es passt entsprechend in die Befundlage dieser Arbeit, dass die Väter und Kinder sowohl sachliche Fragen miteinander klären, aber auch persönliche Belange besprechen, was noch einmal die Bedeutung und die soziale Funktion der Väter unterstreicht, die lange Zeit unterschätzt wurde. Bedeutsam ist jedoch, dass die Kinder im Vergleich zu ihren Vätern mehr Veränderungen in der Beziehung wahrnehmen. Dies ist möglicherweise auch vor dem Hintergrund des im Theorieteil dieser Arbeit diskutierten Kontinuitätsstreben der Eltern beziehungsweise der Väter und des Wunsches nach Abgrenzung und dem Aufbau eigener Lebensstile der Kinder andererseits zu verstehen. Generell scheint die Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter noch Bewegung, vor allem in Richtung einer stärkeren Gleichberechtigung und mehr Verbundenheit.
Die Tatsache, dass deutlich mehr Kinder als Väter eine Verbesserung der Beziehung sehen, wohingegen die Väter scheinbar weniger sensitiv auf eine qualitative Veränderung reagieren, lässt vermuten, dass die Väter - ohne es selbst zu reflektieren -und die Kinder ihre Haltung zueinander im Vergleich zu früher verändert haben. Dies würde nicht nur durch den Aspekt der stärkeren Gleichberechtigung in den Beziehungen der 79 Vater-Kind-Dyaden bestätigt - wie sie beispielsweise auch Graf et al. (2000) demonstrieren. Vielmehr bestätigt sich dies auch anhand der Beschreibungen der Väter und Kinder dieser Stichprobe. Sie berichten entsprechend über stärkere Verbundenheit und Nähe sowie Vertrauen. Die Kinder nehmen zudem ihre Väter als ihnen zugeneigter und anhänglicher wahr. Letztere scheinen sich demzufolge aus Sicht der Kinder selbigen stärker zuzuwenden als früher, möglicherweise auch vor dem Hintergrund eines allmählichen Rückzugs aus dem Berufsleben und einer (Rück-) Besinnung auf die Familie.
Die Kontakthäufigkeit zeigte sich als einzige Variable von Bedeutung für die durch die 6 Skalen des Vater-Kind-Beziehungsfragebogens vertretenen Beziehungsaspekte. Kinder, die angaben, häufigeren Kontakt mit ihren Vätern zu haben, empfanden mehr gegenseitige emotionale Unterstützung, sahen ihren Vater stärker als Ratgeber und Vorbilder und beurteilten die Beziehung insgesamt positiver. Aus Sicht der Kinder scheint ein häufiger Kontakt demnach stark mit der Bewertung der Vater-Kind-Beziehung im Zusammenhang zu stehen. Dies trifft für die Väter vor allem im Hinblick auf ihre Ratgeberrolle ebenfalls zu.
Es kann in dieser Untersuchung nicht geklärt werden, ob ein häufiger Kontakt zu stärker verbundenen Vater-Kind-Beziehungen führt oder aber ob Väter und Kinder, die
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sich stärker verbunden fühlen und eine gute Beziehung aufrecht erhalten, häufiger den Kontakt zueinander suchen. Denkbar im Sinne dynamischer Beziehungsprozesse wäre jedoch eine wechselseitige Beeinflussung von Kontakt und Affekt in der Vater-Kind-Beziehung.
Im Gegensatz zu den Ergebnissen von Buhl et al. (2003) ließen sich keine Unterschiede zwischen berufstätigen Kindern und Kindern, die zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch in der Ausbildung waren, erkennen.
5.1.5 Das Konzept der „Emerging Adulthood“
Nur 9% der 79 jungen erwachsenen Kinder fühlen sich vollständig erwachsen. 64% der Kinder gaben hingegen an, sich nur zu 70% erwachsen zu fühlen. Dies schließt sich an die Ergebnisse von Meulemann (1995) und Arnett (1998) an, die, wie im zweiten Kapitel dargestellt, zeigten, dass sich ein großer Teil der jungen Erwachsenen noch nicht erwachsen fühlen.
Trotz der im Theorieteil dargestellten Vorbehalte gegen normative Kriterien zur Beschreibung des Übergangs in das Erwachsenalter scheinen diese nach wie vor von Bedeutung zu sein. Die Kinder nennen, vermutlich vor dem Hintergrund der finanziellen Abhängigkeit und des überwiegend langen Bildungsweges, vor allem die finanzielle Absicherung, den Berufseinstieg und das Gründen einer Familie als bedeutend für das Gefühl, wirklich erwachsen zu sein. Es sind, wie bereits vermutet, normative aber auch psychologische Kriterien, wie die Selbstbestimmtheit und das Selbstvertrauen, die eine wichtige Rolle für den Übergang in das Erwachsenenalter zu spielen scheinen. Im Rahmen dieser Arbeit wurde weiterhin der Frage nachgegangen, ob sich Kinder, deren Lebensphase stärker durch Kriterien der „Emerging Adulthood“ repräsentiert wird, in ihrer Beziehung vom Vater im Vergleich zu jungen Erwachsenen, deren Lebensphase bereits durch mehr Stabilität gekennzeichnet ist, unterscheiden. Unterschiede zwischen den „young adults“ und den „ emerging adults“ zeigten sich in Bezug auf die Ratgeberfunktion und die wahrgenommene gegenseitige Unterstützung. Die „young adults“ sehen ihre Väter im Vergleich zu den „emerging adults“ stärker als Ratgeber und die emotionale Unterstützung wird größer eingeschätzt.
Während Variablen wie die Berufstätigkeit, die Partnerschaftssituation, die geographische Entfernung der Wohnorte oder aber auch die finanzielle Abhängigkeit für sich allein betrachtet keine Unterschiede in der Beziehungsbeschreibung bezogen auf alle
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79 Kinder ergab, scheint die Lebensphase als eine aufaddierte Größe zu wirken, die letztlich alle zuvor genannten Variablen vereint: In den künstlich gebildeten Gruppen der „emerging adults“ war die Hälfte der Kinder noch Singles, 75% lebten mehr als 100 Kilometer von den Vätern entfernt und 75% der „emerging adults“ waren noch in der Ausbildung sowie finanziell vom Vater abhängig. Genau gegensätzlich verhielt es sich dagegen bei den „young adults“, die mehrheitlich in der näheren Umgebung ihrer Väter wohnten, zu 63% finanziell unabhängig und berufstätig waren und zumeist in festen Partnerschaften lebten. Die von Arnett (z. B. 2000a, 2000b, 2002, 2004 ) postulierten unterschiedlichen Lebensumstände der „ emerging adults“ im Vergleich zu den „young adults“ ließen sich demnach auch anhand der vorliegenden Stichprobe bestätigen. Es stellt sich vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse die Frage, warum gerade die „young adults“ ihre Väter ausgeprägter als Ratgeber wahrnehmen als die „emerging adults“. Denkbar wäre, dass sich erstere aufgrund einer stabileren Lebenssituation sowie einer größeren persönlichen Reife und der sich daraus ergebenden geringeren Notwendigkeit, sich vom Vater abzugrenzen, besser auf seine Ratschläge einlassen können, ohne sich in ihrer Autonomie eingeschränkt zu fühlen. Man könnte zudem vermuten, dass die Lebenssituationen der „young adults“ stärkere Parallelen zu der des Vaters zeigen, so dass die Kinder ihre Väter öfter um Rat bitten und die Väter mehr Möglichkeiten haben, ihren Kindern hilfreiche Ratschläge zu geben. Denkbar wäre auch, dass die „young adults“ vor dem Hintergrund einer größeren Verantwortung gegenüber anderen, wie beispielsweise einem Partner oder einem Arbeitgeber, vor größeren Herausforderungen stehen und folglich auf Vorbilder mehr angewiesen sind als die „emerging adults“. Diese hingegen legen nach Arnett (2004) ihren Fokus auf die Entwicklung einer eigenständigen Identität, die auch eine stärkere Abgrenzung vom Vater nach sich ziehen kann, und begegnen dem Leben und seinen Herausforderungen experimenteller.
Vor diesem Hintergrund überrascht es schließlich nicht, dass die „emerging adults“ weniger gegenseitige emotionale Unterstützung in der Vater-Kind-Beziehung beschreiben, die, wie bereits dargestellt, in einem positiven Zusammenhang mit der Ratgeberfunktion des Vaters steht. Ferner weisen die Ergebnisse von Reifman et al. (2006) eine geringere Orientierung der „emerging adults“ an anderen Menschen aufgrund einer stärkeren Selbstfokussierung auf, was eine Begründung für die geringere gegenseitige Unterstützung zwischen ihnen und ihren Vätern darstellen könnte. Interessanterweise erscheinen die Väter von der Lebensphase ihrer Kinder unbeeindruckt. Die Väter von „young adults und „emerging adults“ unterscheiden sich
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folglich hinsichtlich ihrer Beziehungswahrnehmung nicht signifikant voneinander. Dies schließt sich an die bereits dargestellten Befunde an. Die Vater-Kind-Beziehung unterliegt aus Sicht der Väter offensichtlich einem geringeren Wandel als aus Sicht der Kinder.
5.1.6 Die „Intergenerational Stake Hypothese“ am Beispiel der Väter und ihrer Kinder
Die vorliegende Arbeit untersuchte weiterhin, ob die Väter der Stichprobe die Beziehungen zu ihren Kindern positiver im Sinne von näher und verbundener beschreiben als ihre Kinder. Auch interessierte in diesem Zusammenhang die Frage, wer ein größeres Interesse an der Beziehung hat und ob die Väter und Kinder die Beziehung unterschiedlich stark brauchen.
Die Untersuchung ergab, dass die Kinder und Väter der Stichprobe ein gleich großes Interesse am Erhalt der Vater-Kind-Beziehung haben. Es scheint allerdings eine leichte Tendenz dahingehend zu geben, dass die Kinder glauben, die Väter seien stärker als sie selbst auf die Beziehung angewiesen.
Bezüglich der generellen Beziehungszufriedenheit zeigte sich wie vermutet auch anhand der vorliegenden Stichprobe eine signifikant positivere Einschätzung der Beziehung seitens der Väter, was der „Intergenerational Stake Hypothese“ entspricht. Es wurde in Kapitel 2 im Zuge der Darstellung der Untersuchung von Giarrusso et al. (1995) auf das unterschiedliche Investment der Generationen hingewiesen, dass im Sinne der Austauschtheorie eine Erklärung für die positivere Beziehungsbeschreibung der Eltern, beziehungsweise der Väter sein könnte. Bezogen auf die vorliegende Stichprobe zeigte sich zumindest in Bezug auf das finanzielle Investment, dass über die Hälfte der jungen erwachsenen Kinder noch finanziell von ihren Vätern unterstützt werden. Allerdings muss an dieser Stelle auch bemerkt werden, dass keines der 79 Kinder und keiner der 79 Väter die Vater-Kind-Beziehung für schlecht hielt. Die vorliegende Stichprobe ist demnach generell - trotz der signifikant positiveren Einschätzung der Väter - durch eine hohe Beziehungszufriedenheit charakterisiert. Eine weitere Analyse galt der Frage, ob sich dieses Antwortmuster auf alle Vater-Kind-Dyaden bezieht oder aber auch andere Muster erkennbar werden. Damit wurde überprüft, ob sich die dargestellten Ergebnisse von Giarrusso et al. (1995) und Aquilino (1999), die drei verschiedene Antwortmuster fanden, anhand der vorliegenden Stichprobe replizieren lassen.
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Wie anhand der in Kapitel 2 dargestellten Untersuchungen zu vermuten, zeigten sich diese drei Antwortmuster auch in der vorliegenden Stichprobe, womit die Ergebnisse der Autoren bestätigt werden. Innerhalb der Mehrheit der Paare, nämlich bei 64.6%, stimmten die Kinder und Väter hinsichtlich ihrer Einschätzungen bezüglich der Beziehungszufriedenheit exakt überein. Dies entspricht in etwa den Ergebnissen von Aquilino (1999), der seinerseits zeigte, dass 54% der Eltern-Kind-Paare hinsichtlich der Beziehungsqualität übereinstimmten. Nur bei einem Drittel der untersuchten Paare der vorliegenden Stichprobe zeigte sich hingegen ein Antwortmuster im Sinne der „Intergenerational Stake Hypothese“. Innerhalb der restlichen 6.3% der Paare war das Kind mit der Beziehung zufriedener als der Vater.
Es gibt demnach zwei wesentliche Erkenntnisse. Im Gruppenvergleich zeigt sich ein deutlicher Unterschied in der Beziehungszufriedenheit zwischen der Gruppe der Väter und ihrer Kinder, der die „Intergenerational Stake Hypothese“ bestätigt. Betrachtet man aber die Paare einzeln, zeigt sich, dass nur bei rund 35% der Paare die Väter und Kinder nicht zu exakt gleichen Einschätzungen kommen. Nur bei knapp 30% der Paare schätzen die Väter die Beziehung positiver ein als ihre Kinder. Die Übereinstimmung der Väter und Kinder ist demnach innerhalb der meisten Paare hoch.
Es zeigt sich auch hier, dass die größte Gruppe übereinstimmender Paare aus den Vater-Kind-Paaren besteht, die deutlich zufriedener mit der Beziehung zu sein scheinen. Es ist eine Erkenntnis dieser Arbeit, dass sich Übereinstimungen innerhalb der Paare vor allem in Bezug auf positive Einschätzungen zeigten und diese Paare zudem die Mehrheit bildeten. Eine mögliche Interpretation dieses Ergebnisses wäre somit, dass die Väter und Kinder, die in einer zugewandten und generell harmonischen Beziehung zueinander leben, diese trotz unterschiedlicher Blickwinkel sehr ähnlich beschreiben. Umgekehrt deuten die Ergebnisse daraufhin, dass Unstimmigkeiten in den Beziehungen häufig nur von einer der beiden Personen wahrgenommen oder reflektiert werden, wobei letzteres wieder stärker auf die jungen erwachsenen Kinder zutrifft. Sofern die Kinder die Beziehung schlechter als ihre Väter beurteilten, schienen die Väter die Spannungen weniger wahrzunehmen oder zu thematisieren und waren gegebenenfalls in ihrem Urteil über die Beziehung von diesen weniger negativ beeinflusst. Denkbar wäre auch, dass die möglicherweise einseitig erlebten Spannungen von den Kindern nicht zum Ausdruck gebracht werden, so dass die Väter wenig Gelegenheit bekommen, diese zu realisieren und sich ihnen zu stellen.
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5.1.7 Der Einfluss einer Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung
Betrachtet man den Einfluss einer Trennung oder Scheidung der Eltern auf die Vater-Kind-Beziehung, zeigt sich eine heterogene Befundlage, jedoch überwiegen die Hinweise auf negative Einflüsse der Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung. Die Auswertungen der vorliegenden Arbeit zeigen deutliche Unterschiede in den Beziehungsbeschreibungen der Kinder aus intakten Familien und Scheidungsfamilien. Erstere beschrieben bessere Beziehungen zu ihren Vätern, indem sie zum einen mehr Unterstützung wahrnahmen, was den Ergebnissen von Amato et al. (1995) entspricht, den Vater in größerem Maße als Ratgeber sahen und im Vergleich zu den Kindern aus Scheidungsfamilien den positiven Beziehungsmarkern in größerem Maße zustimmten, während sie negative Beziehungsmarker wie zum Beispiel Sorgen, Belastung und Konflikt eher ablehnten.
Die Väter unterscheiden sich dagegen nur im Hinblick auf die Ratgeberfunktion. Auch die Väter aus intakten Familien nehmen sich stärker als Ratgeber und Vorbild ihrer Kinder wahr als die Väter aus Scheidungsfamilien. Weitere Unterschiede zeigten sich aus Sicht der Väter jedoch nicht. Auch bezüglich dieser Frage scheinen die jungen erwachsenen Kinder demnach sensitiver für die verschiedenen Beziehungsfacetten zu sein und urteilen entsprechend kritischer als ihre Väter.
Die Tatsache, dass die geschiedenen Väter der vorliegenden Stichprobe weniger als Ratgeber und Vorbilder ihrer Kinder fungierten, lässt sich möglicherweise auch vor dem Hintergrund der geringeren Kontakthäufigkeit dieser Kinder und Väter im Vergleich zu den Kindern aus intakten Familien erklären, auf die auch Cooney (1994) hinweist. Die Väter der vorliegenden Stichprobe, die selteneren Kontakt zu ihren Kindern haben, sind gegebenenfalls weniger stark in deren Lebensfragen involviert und kommen infolgedessen nicht in die Rolle eines Ratgebers, so dass die Kinder wichtige Fragen mit anderen Personen ihres nahen Umfeldes besprechen. Auch Arditty und Prouty (1999) weisen entsprechend darauf hin, dass ein Teil der von ihnen befragten erwachsenen Kinder aus Scheidungsfamilien angaben, ihre Väter wüssten wenig über sie und sich diese Kinder infolgedessen noch stärker von ihren Vätern zurückzogen. Einschränkend muss jedoch auch hier auf den generell häufigen Kontakt zwischen den Vätern und Kindern der vorliegenden Stichprobe hingewiesen werden. Etwa die Hälfte der Scheidungskinder gibt immerhin einen wöchentlichen Kontakt an. Für diese Kinder dürfte die obige Interpretation weniger zutreffen. Allerdings gibt die andere Hälfte der
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Scheidungskinder an, ihre Väter einmal im Monat oder sogar nur alle drei Monate zu sehen oder zu hören, so dass in diesen Fällen davon ausgegangen werden kann, dass aktuelle berufliche oder persönliche Fragen eher mit anderen nahe stehenden Personen geklärt werden und die obige Interpretation somit für diese Kinder und Väter plausibel erscheint. Zusammenfassend konnte demnach auch in dieser Arbeit ein negativer Einfluss der Scheidung auf die Vater-Kind-Beziehung bestätigt werden, womit sich dieses Ergebnis an die Befunde und Annahmen vorhergehender Forschungsarbeiten anschließt.
Des Weiteren zeigte sich, dass nicht nur die Trennung der Eltern, sondern auch negativ erlebte Elternbeziehungen in „intakten Familien“ aus Sicht der Kinder und der Väter der vorliegenden Stichprobe im Zusammenhang mit der Zufriedenheit der Väter und Kinder mit ihrer Beziehung zueinander stehen. Die jungen erwachsenen Kinder und ihre Väter, die die Elternbeziehung positiv einschätzten, waren folglich zufriedener mit der Vater-Kind-Beziehung. Die Beziehung der Eltern, ob getrennt oder zusammenlebend, erweist sich demnach als bedeutend für die Art der Beziehung junger erwachsener Kinder und ihrer Väter.
5.1.8 Väter und Söhne, Väter und Töchter
Die in Kapitel 2 vorgestellten Forschungsergebnisse deuteten einstimmig darauf hin, dass sich Vater-Sohn-Beziehungen von Vater-Tochter-Beziehungen unterscheiden. Diese Annahme wurde für das Erwachsenenalter durch die Untersuchung von Nydegger und Mitteness (1991) gestützt.
Es ist daher umso erstaunlicher, dass sich in der vorliegenden Stichprobe diesbezüglich keine Unterschiede in den Beziehungen aufzeigen ließen, weder aus Sicht der Töchter (N = 50) und Söhne (N = 29), noch aus Sicht der Väter (N = 79). Nur ein leichter tendenzieller Geschlechtereffekt wurde gefunden: Die Töchter nahmen etwas mehr emotionale Unterstützung in der Beziehung zum Vater wahr als die Söhne. Die Ähnlichkeit der Vater-Sohn- und Vater-Tochter- Beziehungen hinsichtlich der untersuchten Beziehungsaspekte liegt möglicherweise darin begründet, dass sich die Töchter und Söhne der vorliegenden Kinder-Hauptgruppe (N = 79) hinsichtlich keiner der demographischen Variablen unterscheiden. Die Ratgeberfunktion des Vaters vor allem im beruflichen Bereich spielt vor dem Hintergrund des hohen Bildungsniveaus beider Geschlechter offensichtlich für Töchter und Söhne eine große Rolle. Aber auch in den
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Bereichen Leistung und Leistungsvergleiche, die durch die Skala 6, Wettbewerb und Konkurrenz im Bereich Leistung, repräsentiert werden und nach Nydegger und Mitteness (1991) vor allem in Vater-Sohn-Beziehungen bedeutsam sind, fanden sich keine Unterschiede zwischen Vater-Sohn- und Vater-Tochter-Beziehungen. Entgegen der in Kapitel 2 dargestellten Befunde fühlen sich die Söhne und Töchter zudem gleichermaßen in ihrer Autonomie unterstützt und von ihren Vätern in ihrer Persönlichkeit akzeptiert. Die vor dem Hintergrund der dargestellten Forschungsergebnisse nahe liegende Erwartung, dass die Väter bei ihren Söhnen stärker die Unabhängigkeit und Autonomie fördern als bei ihren Töchtern, lässt sich für die erwachsenen Kinder der vorliegenden Stichprobe demnach nicht bestätigen
Denkbar wäre auch, dass das eingesetzte Verfahren für Geschlechterunterschiede in Vater-Kind-Beziehungen nicht sensitiv ist, möglicherweise auch verstärkt durch die ähnlichen sozialen Umstände und hohen Bildungshintergründe der Vater-Sohn- und Vater-Tochter-Paare. Möglicherweise hätten sich zudem andere Ergebnisse gezeigt, wenn die Väter und Kinder eigene Beschreibungen ihrer Beziehung hätten generieren müssen, so wie es bei Nydegger und Mitteness (1991) der Fall war.
5.1.9 Abschließende Bemerkung zu den dargestellten Ergebnissen
Eines wurde aufgrund der vorliegenden Diplomarbeit deutlich: Die zuverlässige Darstellung einer Beziehung erfordert immer eine aufrichtige Analyse mindestens zweier Blickwinkel. Die Darstellung lediglich einer Perspektive muss demnach schlussendlich zu einem fehlerhaften Ergebnis führen. Es zeigten sich im Hinblick auf die vorliegende Stichprobe mindestens zwei Beziehungen, die der Darstellung bedurften, die Vater-Kind-Beziehung aus der Sicht der Väter und selbige aus der Sicht ihrer Kinder. Übereinstimmungen innerhalb der Paare gab es in der Regel immer dann, wenn es sich um Beziehungen handelte, die von beiden Seiten als positiv empfunden wurden. Die Wahrnehmung der Kinder scheint generell sensitiver für Veränderungen in der Vater-Kind-Beziehung. Sie nehmen zudem im Vergleich zu ihren Vätern häufiger eine Verbesserung der Beziehung in den letzten Jahren wahr. Ob dies durch die persönliche Veränderung der Kinder im frühen Erwachsennalter bedingt ist oder die Väter sich ihren Kindern (wieder) mehr zuwenden als in den Jahren vor dem Auszug der Kinder, kann aufgrund der vorliegenden Arbeit nicht abschließend geklärt werden. Die Lebensphase der Kinder und Väter scheint zumindest aus Sicht der Kinder von großer Bedeutung für die
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Gestaltung und Wahrnehmung ihrer Beziehung. Denkbar wäre, dass die Tendenz der Väter, die Beziehung für konstanter zu halten als ihre Kinder, auch daraus resultiert, dass die Väter aufgrund beruflicher Aufgaben und infolgedessen geringerer Aufmerksamkeit gegenüber ihren Kindern weniger sensibel für Veränderungen gerade in der späten Adoleszenz waren. Dass die meisten Kinder und einige Väter von mehr Nähe in der Beziehung im Vergleich zu den Jahren zuvor berichten, mag ein Hinwies darauf sein, dass sich die Väter, möglicherweise auch die Kinder, wieder stärker dem anderen zuwenden. Die Väter knüpfen damit möglicherweise in ihrem Erleben direkter an die Jahre an, die von weniger Spannungen in der Beziehung geprägt waren und nehmen damit die Beziehung in ihrer Qualität konstanter wahr als die Kinder.
Abschließend zeigt sich in Anbetracht der Ergebnisse der vorliegenden Arbeit eines besonders deutlich: Die Väter spielen für ihre Kinder und die Kinder für ihre Väter eine wichtige, entscheidende und vor allem distinkte Rolle - auch im Erwachsenenalter. Ihre Beziehungen sind durch gegenseitige emotionale Unterstützung, große Akzeptanz und Zugewandtheit gekennzeichnet - trotz der in einigen Bereichen dargestellten divergierenden Betrachtungsweisen. Die Väter sind Ratgeber und Vorbilder im Leben ihrer Kinder und fördern dennoch oder gerade aufgrund dessen ihre Autonomie.
5.2 Methodenkritische Überlegungen
Ein Ziel der vorliegenden Diplomarbeit war es, die Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter aus zwei Perspektiven darzustellen. Ein Problem ergab sich dabei aus der methodischen Vorgehensweise. Die Teilnahme der Väter und Kinder an der Befragung war - vor allem in der ersten Erhebungsphase - abhängig von einem Mindestkontakt zwischen den Vätern und Kindern, da in der Regel die Kinder ihre Väter um die Teilnahme an der Untersuchung baten. Kinder mit bestehendem, aber stark angespanntem Kontakt lehnten im Vorfeld die Teilnahme ab, so dass aufgrund dessen generell eher positive Beziehungen erfasst wurden. Eine getrennte Zusendung der Fragebögen an die jeweiligen Adressen der Väter, ohne dass die Kinder Kontakt mit ihren Vätern hätten aufnehmen müssen, wäre gegebenenfalls hilfreich gewesen.
Des Weiteren sollte zukünftig ein einheitliches Vorgehen bei der Datenerhebung gewählt werden. Zwei unterschiedliche Vorgehenswiesen - wie sie aufgrund der zusätzlichen Online-Erhebung erfolgten - schaffen unterschiedliche Ausgangs-
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bedingungen, die die Probanden gegebenenfalls in ihrem Antwortverhalten beeinflussen können.
Ein weiterer Kritikpunkt an dieser Arbeit ist die hohe Selektivität der Stichprobe in Bezug auf das Bildungsniveau. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind daher nicht repräsentativ für andere Bildungsschichten und können somit nur für Familien mit einem höheren sozioökonomischen Status gelten.
Eine Querschnittsuntersuchung wie die vorliegende Diplomarbeit ermöglicht zudem keine zuverlässigen Aussagen über die in der Vergangenheit gelebten realen Beziehungen, die hier ausschließlich durch die Sichtweisen der Kinder und ihrer Väter dargestellt werden konnten. Die Veränderungen in der Beziehung, die von den Kindern und auch von den Vätern - wenn auch weniger stark - wahrgenommen wurden, unterliegen Erinnerungseffekten. Eine Befragung zu aufeinander folgenden Zeitpunkten besitzt eine entsprechend höhere Aussagekraft hinsichtlich der Beziehungsentwicklungen in einem festgelegten Zeitraum.
5.3 Forschungsausblick
Sich anschließende Forschungsarbeiten zur Vater-Kind-Beziehung sollten verschiedene Bildungsschichten in die Analysen einbeziehen. So könnten Unterschiede in Vater-Kind-Beziehungen vor dem Hintergrund unterschiedlicher sozioökonomischer Ressourcen analysiert werden.
Weiterhin wäre es von Interesse, den Bereich Leistung im Sinne eines kompetitiven Vergleichs der Väter mit ihren Kindern näher zu untersuchen, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, ob sich die Väter tatsächlich stärker mit ihren Kindern messen und ob dies durch ein Minderwertigkeitsgefühl der Väter im Bereich Leistung oder aber durch ein Gefühl der Überlegenheit begründet wird.
Die Ergebnisse der vorliegenden Diplomarbeit zeigen Veränderungen in der Vater-Kind-Beziehung, die sich in der späten Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter vollzogen haben. Mit Hilfe von Längsschnittuntersuchungen, die in der späten Adoleszenz beginnen, würde eine Darstellung dieser Veränderungen im Zeitverlauf gelingen und somit eine Aussage darüber ermöglichen, wie sich die Beziehungen der Väter und Kinder zu einen früheren Zeitpunkt darstellten. Dabei sollten wichtige Lebensveränderungen und
129
-hintergründe, wie eine Partnerschaft oder der Berufseinstieg der Kinder, aber auch der Renteneintritt der Väter vor dem Hintergrund einer Neuorientierung auf die Familie in die Analysen einbezogen werden.
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6. Zusammenfassung
Seit Mitte der 70er Jahre wird dem Vater ein größeres Forschungsinteresse zuteil. Sein distinkter Beitrag für die Entwicklung der Kinder gilt für das Kleinkind- und Jugendalter als belegt. Zu nennen sind hier beispielsweise seine Funktion als Ratgeber und Repräsentant der Außenwelt aber auch die Explorations- und Autonomieunterstützung. Zur Vater-Kind-Beziehung im Erwachsennalter gibt es bisher wenig klare Befunde, jedoch werden die Generationsbeziehungen im Erwachsenenalter seit etwa 25 Jahren stärker in den Fokus gerückt. Es wurde gezeigt, dass die Beziehungen von Kindern zu ihren Eltern im Erwachsenenalter ausgeglichener werden und eine hohe Verbundenheit aufweisen. Allerdings wird im Rahmen der „Intergenerational Stake-Hypothese“ auch die positivere Sicht der Eltern - demnach auch der Väter - auf die Beziehung diskutiert. Im Zuge soziokultureller Veränderungen wurden zudem Konzepte wie das der „Emerging Adulthood" entwickelt, um den verlängerten Übergang der jungen erwachsenen Kinder in das Erwachsenenalter zu beschreiben.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde die Beziehung von 79 jungen erwachsenen Kindern und ihren Vätern mit Hilfe eines dafür entwickelten Fragebogens untersucht. Es wurde überprüft, ob die distinkten Funktionen der Väter auch für junge erwachsene Kinder von Bedeutung sind und wie ganz konkret der Kontakt und die Beziehung zueinander gestaltet und erlebt wird. Auch ein möglicher Einfluss der Lebensphase der Kinder auf die Vater-Kind-Beziehung wurde untersucht. Die Befragung der Väter und der Kinder ermöglichte die direkte Gegenüberstellung zweier Perspektiven. Die Ergebnisse zeigen, dass der Vater als Ratgeber auch für erwachsene Kinder von Bedeutung ist und gleichzeitig die Eigenständigkeit und Autonomie der Kinder fördert. Die Beziehungen der Väter und Kinder dieser Stichprobe zeichnen sich durch einen häufigen und engen Kontakt aus, in dem auch die gegenseitige emotionale Unterstützung eine große Rolle spielt. Allerdings zeigte sich auch, dass die Väter die Beziehung positiver einschätzen als ihre Kinder. Die Kinder nehmen mehr Veränderungen in der Beziehung wahr und scheinen demzufolge sensitiver für Entwicklungen in der Vater-Kind-Beziehung als ihre Väter sowie etwas kritischer in ihrer Beziehungsbeschreibung. Die Lebensphase der Kinder hat aus ihrer Sicht, nicht aber aus Sicht der Väter einen Einfluss auf die Beziehung. Zudem wirkt sich eine Scheidung der Eltern vor allem aus der Kinderperspektive negativ auf die Vater-Kind-Beziehung im Erwachsenenalter aus.
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Anhang
Anhang A: Übersicht ausgewählter in Abschnitt 2.4 dargestellter Studien 1
Anhang B: Der Vater-Kind-Beziehungsfragebogen 7 B.1: Kinderversion 7 B.2: Vaterversion 19
Anhang C: Originalversion IDEA (Reifman et al. 2003) 29
Anhang B: Der Vater-Kind-Beziehungsfragebogen
B.1: Kinderversion
Es folgen Fragen zu Ihrer Person und Ihrem lebensgeschichtlichen Hintergrund:
männlich weiblich Geschlecht:
Alter: ______Jahre
Staatsangehörigkeit (Doppelnennung möglich)
deutsch andere:_______________
höchster erreichter Schulabschluss:
kein Abschluss Hauptschule Realschule (Fach-) Abitur
höchste abgeschlossene Berufsausbildung:
Ausbildung/Lehre keine Studium
hauptsächliche Berufstätigkeit zurzeit (bitte nur eine Nennung):
Auszubildende(r) Student
(in) Angestellte
( r ) Selbstständige
(r)
Familienstand:
ledig geschieden verheiratet verwitwet
7
Wie viele Kilometer wohnen Sie jetzt von Ihrem Vater entfernt?
unter 5 km 5-30 km 31-100 km über 100 km über 200 km anderes Land
Sind Sie finanziell von Ihren Eltern/Vater/Mutter abhängig?
Wenn Sie von Ihren Eltern/Mutter/Vater finanziell abhängig sind, dann kreuzen Sie bitte an, in welchem Umfang dies in etwa der Fall ist.
unter 10% 11%-30% 31%-50% 51%-70% 71%-100%
Wie halten Sie den Kontakt zu Ihrem Vater (bitte Zutreffendes ankreuzen, Mehrfachnennung möglich)
Telefon SMS e-mail Briefe Besuche
Von wem geht der Kontakt hauptsächlich aus?
von mir von beiden gleich von meinem Vater
Wie oft findet ein Kontakt statt?
Wie gestaltet sich der Kontakt?
eher Austausch persönlicher Belange eher sachlicher Informationsaustausch beides
Wie wichtig ist Ihnen der regelmäßige Kontakt?
wichtig eher wichtig eher weniger wichtig nicht wichtig
Was glauben Sie, wie wichtig Ihrem Vater der regelmäßige Kontakt ist?
wichtig eher wichtig eher weniger wichtig nicht wichtig
Hat sich Ihre Beziehung zum Vater in den letzten Jahren verändert und seit wann?
Wenn sie sich verändert hat, wie hat sich die Beziehung zu Ihrem Vater in den letzten
eher Rollentausch eher stärkere Gleichberechtigung
Sonstiges:______________________________________________________
Ist die Beziehung aus Ihrer Sicht eher besser oder eher schlechter geworden?
schlechter besser weder noch
Was glauben Sie, wer zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Beziehung eher braucht?
ich mein Vater beide gleich
Wer ist an deren Erhalt stärker interessiert?
ich beide gleich mein Vater
Wie zufrieden sind Sie alles in allem mit der Beziehung zu Ihrem Vater?
Bitte zutreffendes unterstreichen: ☺ ☺ ☺ ☺ ☺
Der 1. Teil ist geschafft. Auf der nächsten Seite nur noch ein paar Fragen
zum Schluss.
16
Bitte beantworten Sie abschließend die zwei folgenden Fragen:
Würden Sie von sich selbst sagen, dass Sie den „Status“ eines Erwachsenen (z.B. in Bereichen wie Eigenverantwortung, Beruf, Wohnsituation, Familie, Finanzen, Weltanschauung, Identitätsfindung) vollständig erreicht haben?
zu 70% ja, zu 100% nein zu 30%
Wenn Sie die letzte Frage nicht mit „100%“ beantwortet haben: Was müsste anders sein, damit Sie sich wie ein „Erwachsener“ fühlen?
_________________________________________________________________________ _______________________________________________________________________
Vielen Dank für die Teilnahme!
18
B.2: Vaterversion
Es folgen Fragen zu Ihrer Person und Ihrem lebensgeschichtlichen Hintergrund:
Alter: ______Jahre
Staatsangehörigkeit (Doppelnennung möglich)
andere:_______________ deutsch
höchster erreichter Schulabschluss:
Hauptschule kein Abschluss Realschule (Fach-) Abitur
höchste abgeschlossene Berufsausbildung:
Ausbildung/Lehre keine Studium
hauptsächliche Berufstätigkeit zurzeit (bitte nur eine Nennung):
Familienstand:
verheiratet ledig geschieden verwitwet
Haushalt (bezieht sich nur auf (Ehe-) Partner, nicht auf Kinder)
Wie viele Kinder haben Sie?
2 Kinder 1 Kind 3 Kinder und mehr
Geschlecht des Kindes, auf das sich dieser Fragebogen bezieht
männlich weiblich
19
Wie viele Kilometer wohnen Sie jetzt von Ihrem Kind entfernt?
unter 5 km 5- 30 km 31-100 km über 100 km über 200 km anderes Land
Ist Ihr Kind finanziell von Ihnen abhängig?
ja nein
Wenn Ihr Kind finanziell von Ihnen abhängig ist, dann geben Sie bitte in Prozent an, in welchem Umfang dies in etwa der Fall ist.
unter 10% 11%-30% 31%-50% 51%-70% 71%-100%
Wie halten Sie den Kontakt zu Ihrem Kind (bitte Zutreffendes ankreuzen, Mehrfachnennung möglich)
Telefon SMS e-mail Briefe Besuche
Von wem geht der Kontakt hauptsächlich aus?
von mir von meinem Kind von beiden gleich
Wie oft findet ein Kontakt statt?
Wie gestaltet sich der Kontakt?
eher Austausch persönlicher Belange eher sachlicher Informationsaustausch beides
Wie wichtig ist Ihnen der regelmäßige Kontakt?
wichtig eher wichtig eher weniger wichtig nicht wichtig
Was glauben Sie, wie wichtig Ihrem Kind der regelmäßige Kontakt ist?
wichtig eher weniger wichtig eher wichtig nicht wichtig
Hat sich Ihre Beziehung zu Ihrem Kind in den letzten Jahren verändert und seit wann?
Wenn sie sich verändert hat, wie hat sich die Beziehung zu Ihrem Kind in den letzten Jahren gewandelt?
eher stärkere Gleichberechtigung eher Rollentausch
Sonstiges________________________________________________________
Ist die Beziehung aus Ihrer Sicht eher besser oder eher schlechter geworden?
schlechter besser weder noch
Was glauben Sie, wer zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Beziehung eher braucht?
ich mein Kind beide gleich
Wer ist an deren Erhalt stärker interessiert ist?
ich mein Kind wir beide gleich
Wie zufrieden sind Sie alles in allem mit der Beziehung zu Ihrem Kind?
Bitte zutreffendes unterstreichen: ☺ ☺ ☺ ☺ ☺
Vielen Danke für Ihre Teilnahme!
28
Anhang C: Originalversion IDEA (Reifman et al. 2003)
Reifman, A., Arnett, J.J., & Colwell, M.J. (2003, August). Inventory of the Dimensions of Emerging Adulthood (IDEA). Paper presented at the 111th Annual Convention of the American Psychological Association, Toronto, Canada. Views of Life Survey
For the first part of the survey, please think about this time in your life. By “time in your life,” we are referring to the present time, plus the last few years that have gone by, and the next few years to come, as you see them. In short, you should think about a roughly five-year period, with the present time right in the middle. For each phrase shown below, please place a check mark in one of the columns to indicate the degree to which you agree or disagree that the phrase describes this time in your life. For example, if you “Somewhat Agree” that this is a “time of exploration,” then on the same line as the phrase, you would put a check mark in the column headed by “Somewhat Agree” (3). Be sure to put only one check mark per line.
29
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Dipl.-Psych Susanne Pfaff, 2007, Väter und erwachsene Kinder - Wechselseitige Perspektiven einer Beziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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