Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Begriffsbestimmung der Deflation 4
3. Ermittlung von Inflations- (Deflations-) Raten 5
3.1 Der Verbraucherpreisindex 5
3.2 BIP-Deflator 7
3.3 Messprobleme der Indices 7
4. Ursachen der Deflation 8
4.1 Monetäre Ursachen 9
4.2 Realwirtschaftliche Ursachen 9
4.2.1 Konsum- und Investitionszurückhaltung 9
4.2.2 Finanz- und Geldpolitik des Staates 10
4.2.3 Außenwirtschaftliche Ursachen 11
5. Auswirkungen der Deflation 12
5.1 Wachstumsdeflation 12
5.2 Kassenhaltungsdeflation 12
5.3 Kreditdeflation 13
5.4 Konfiskationsdeflation 15
6. Theoretische Erklärungsansätze zur Deflation 15
6.1 Der quantitätstheoretische Ansatz von Fisher 16
6.2 Der liquiditätstheoretische Ansatz von Mishkin 17
7. Schluss 19
Literaturverzeichnis 21
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1. Einführung
Anfang 2000 wurde in den USA und in Westeuropa wieder stärker über deflatorische Risiken diskutiert. Dabei wurde insbesondere auf die Gefahr hingewiesen, dass beide Wirtschaftszonen auf eine Entwicklung zusteuern, die ähnliche Formen annimmt, wie sie in Japan seit Anfang der 90er Jahre beobachtet werden konnte. 1 In diesem Zusammenhang war jedoch in der „Berliner Zeitung“ vom 17. Januar 2003 folgendes zu lesen:
„Die Bundesregierung sieht keinen Anlass für Deflationsängste in Deutschland und Europa. Jeder Vergleich mit Japan, wo die Volkswirtschaft immer noch unter den Folgen des Einbruchs der Aktien- und Immobilienpreise Anfang der 90er- Jahre leidet, gehe ins Leere. Auch für ein Abgleiten in eine sich verstärkende negative Preisspirale auf Gesamtwirtschaftlichem Niveau Kennzeichen einer Deflation- liegen wenig Anzeichen vor…“. 2
Es ist festzustellen, dass die Deflation in der vielfältigen Fachliteratur stets im Schatten der Inflation zu stehen scheint. Eine mögliche Erklärung dafür kann sein, dass Deflationen seltener als Inflationen auftreten. Ferner ist festzustellen, wie schwierig es ist, Deflation im Voraus zu erkennen. Das Beispiel Japan in den 90er Jahren beweist die extremen Schwierigkeiten, aus einer Deflations- und Stagnationsspirale herauszukommen, wenn man einmal in sie gefallen ist. Ziel meiner Arbeit ist es daher, das im Schatten der Inflation stehende Phänomen der Deflation näher zu beleuchten. Insbesondere die Ursachen und theoretische Ansätze zur Erklärung von Deflationen stehen dabei im Vordergrund. In dieser Hausarbeit wird nach einer Definitionsfindung zunächst die Ermittlung der Inflations-(Deflations-) Rate anhand des Verbraucherpreisindexes behandelt. Anschließend werde ich vier verschiedene Arten von Deflation differenzieren und ihr Zusammenwirken in der heutigen Welt darstellen. Dann werden einige wichtige Ursachen deflationärer Entstehungen dargestellt, unterteilt in monetäre und realwirtschaftliche Gründe. Im dann folgenden Kapitel werde ich zwei theoretische Ansätze von Ökonomen erläutern, die die möglichen Wirkungsketten zu erklären versuchen.
1 Vgl. Powel (2002), S. 14 f.
2 Vgl. www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/dump.fegi/2003/0118/wirtschaft/0048/ (Zugriff am 10.12.2004).
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2. Begriffsbestimmung der Deflation
Bislang besteht keineswegs Übereinstimmung darüber, was unter dem Begriff der Deflation zu verstehen ist. 3 Anfänglich dominierten unter den Beschreibungen von Deflation jene, die auf die Währung eines Landes bezogen waren. Haberler versteht beispielsweise unter Deflation einen Rückgang der Geldmenge oder der Kreditsumme einer Volkswirtschaft. Ein einmaliges Sinken der Geld- oder der Kreditmenge rechtfertigt jedoch noch nicht die Rede von einer Deflation. In „Prosperität und Depression“ definiert er die Deflation wie folgt:
“Die Deflation im Sinne eines allmählichen Abnehmens der Gesamtnachfrage nach Gütern, ausgedrückt in Geld, spielt im Kontraktionsprozess eine wichtige Rolle.“ 4
Die weiteste Verbreitung fand die Charakterisierung der Deflation als ein andauernder Rückgang des Preisniveaus einer Volkswirtschaft. Demnach muss die Änderungsrate des Preisniveaus über einen längeren Zeitraum hinweg negativ sein. 5
Klatt bezeichnet die Deflation als „Unterkonsumtion“ und grenzt sie als eine Konstellation von Angebotüberschuss auf dem Gütermarkt und Nachfrageüberschuss auf dem Arbeitsmarkt ab. 6 Die folgende Beschreibung der Deflation habe ich als Grundlage meiner Arbeit gewählt, da sie die verschiedenen Komponenten zusammenfasst:
„Unter Deflation versteht man (…) den absoluten Rückgang des generellen Preisniveaus in einer Volkswirtschaft, meist bezogen auf alle Güter und Dienstleistungen, die vom Durchschnittskonsumenten gekauft werden, gemessen über den Konsumentenpreisindex. Im tiefsten Sinn bedeutet dies einen Anstieg der Kaufkraft einer Geldeinheit. Deflation resultiert daher letztlich aus Verschiebungen von Geldangebot und Geldnachfrage einer Volkswirtschaft, also Veränderungen der so genannten Geldrelation.“ 7
Man soll die Deflation jedoch nicht mit der Disinflation als ähnliches Phänomen verwechseln, in der zwar das Preisniveau sinkt, aber mit positiven Wachstumsraten.
3 Vgl. Feldsieper (1980) ,S. 133.
4 Haberler (1964), S. 308 zitiert in Kasten (2000) S.30.
5 Vgl. Feldsieper (1980), S. 133.
6 Vgl. Klatt (1989), S. 203 f.
7 Mises (1998), S. 408.
4
3. Ermittlung von Inflations- (Deflations-) Raten
Im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird die Entwicklung der Preise im Zeitverlauf erfasst und ausgewiesen, um die Inflations- bzw. Deflationsrate zu berechnen. Unklar bleibt jedoch, welche Preise es sein sollen, die das Preisniveau einer Volkswirtschaft bestimmen und auf welche Weise man zu einer Beurteilung der Veränderungen des Preisniveaus gelangt. Wenn in der Praxis von Inflation bzw. Deflation die Rede ist, dann wird darunter stillschweigend der Anstieg bzw. Abstieg des Verbraucherpreisindexes (früher bekannt als die Preisindices für die Lebenshaltung) verstanden. Der VPI wird gleichermaßen für Entscheidungen über wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Herbeiführung und/oder Erhaltung eines stabilen Preisniveaus als Indikator der Entwicklung des Preisniveaus in Deutschland herangezogen.
In diesem Kapitel werde ich den Verbraucherpreisindex und den BIP-Deflator als bedeutsame Indices erörtern. Anschließend werde ich die Messprobleme darstellen, um ein allgemeines Bild über das Preisniveau zu schaffen.
3.1 Der Verbraucherpreisindex
Der Verbraucherpreisindex ist ein wichtiger Bestandteil des preisstatistischen Berichtssystems in Deutschland. 8 Der VPI misst die durchschnittliche Preisveränderung aller Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden. Er bildet die Veränderung der Verbraucherpreise umfassend ab. Berücksichtigt werden Güter des täglichen Bedarfs (z.B. Lebensmittel, Bekleidung) sowie Mieten und langlebige Gebrauchsgüter (z.B. Kraftfahrzeuge, Kühlschränke), ebenso aber auch Dienstleistungen (z.B. Friseur, Reinigung, Versicherungen). Die folgende Abbildung zeigt das Wägungsschema des Verbraucherpreisindex in Deutschland vom Mai 2003:
8 Vgl. im Folgenden Statistisches Bundesamt 2003 unter http://www.destatis.de/themen/d/thm_preise.htm (Zugriff am 10.12.2004)
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Abbildung 1: Verbraucherpreisindex
Quelle: Statistisches Bundesamt 5/2003
Der VPI dient verschiedenen Zwecken:
1. Der VPI ist ein Indikator für die Beurteilung der Geldwertstabilität und wird
2. Er dient zur Wertsicherung wiederkehrender Zahlungen in Preisgleitklauseln
3. Er ist Grundlage für die Deflationierung von Wertgrößen in der
Der VPI ist ein Laspeyers-Preisindex mit festem Basisjahr, d.h. die Indexwerte beziehen sich auf die Verbrauchsstrukturen des Jahres, das als Basisjahr festgelegt wird. Normalerweise erfolgt die Neugewichtung in Fünf-Jahres-Abständen. Das aktuelle Basisjahr ist das Jahr 2000.
Die Verbrauchsstrukturen werden bis zur Einführung eines neuen Basisjahrs konstant gehalten.
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Im VPI für Deutschland werden die Preisveränderungen von etwa 750 genau beschriebenen Waren und Dienstleistungen zusammengefasst. Diese werden mit dem Ziel ausgewählt, den Verbrauch der privaten Haushalte hinreichend genau zu repräsentieren.
3.2 BIP-Deflator
Der BIP-Deflator „bereinigt“ das Bruttoinlandsprodukt. Zur Errechnung des Deflators wird ein Basisjahr zugrunde gelegt. Im Gegensatz zum Verbraucherpreisindex wird hier aber die Gewichtung nicht alle 5-10 Jahre gestaltet, sondern periodisch mittels des Paasche-Preisindex 9 berechnet. Man errechnet das BIP des Basisjahres mit den aktuellen Marktpreisen, um das nominale BIP zu bestimmen. Dann dividiert man das nominale BIP durch den jeweiligen Preisindex, um das reale Bruttoinlandsprodukt zu erhalten. Dies wird als der BIP-Deflator bezeichnet.
Der BIP-Deflator umfasst alle Komponenten wie den Konsum, Staatsausgaben, Nettoexporte und Investitionen. Vorteilhaft an dieser Methode ist, dass pro Komponente ein jeweiliger Deflator ermittelt werden kann.
3.3 Messprobleme der Indices
In der Praxis treten einige Schwierigkeiten auf, die die Genauigkeit und die Aussagefähigkeit der Indices in Frage stellen:
1. Wahl des Basisjahres
Bei der Wahl des Jahres sollte die inländische Wirtschaft möglichst störfrei, sprich stabil sein.
2. Präferenz und technischer Fortschritt
Eine Berücksichtigung der Präferenz und des technischen Fortschritts in der Berechnung des Indices ist nicht vollständig möglich (z.B. der enorme PC-Preisverfall in den 90er Jahren). 3. Zusammensetzung des Warenkorbes
Wie bereits in Punkt 3.1.1 angesprochen kann aus rein technischen Gründen nur eine begrenzte Auswahl von Gütern und Dienstleistungen vorgenommen werden.
9 Die Paasche-Indexformel basiert auf ähnlich einfachen Überlegungen wie die Laspeyres-Formel. Der wesentliche Unterschied ist die
Betrachtungsperiode der beiden.
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Haslinger sieht vier weitere Schwierigkeiten bei der Berechnung der Indices: 10 1. Die Preise und Mengen der einzelnen Güter und Dienstleistungen ändern sich nicht nur absolut, sondern auch relativ, d.h. die Proportionen der Preise und Mengen zueinander verändern sich ebenfalls.
2. Bei den meisten Gütern und Dienstleistungen sind die Preis- und Mengenänderungen nicht voneinander unabhängig. Im Normalfall sind geringere Mengen mit einem höheren Preis dieses Gutes bzw. dieser Dienstleistung verbunden und umgekehrt. 3. Güter ändern sich im Zeitablauf. Neue Güter kommen auf den Markt, veraltete Güter werden nicht weiter produziert.
4. Die Qualität vieler Güter und Dienstleistungen verändert sich.
4. Ursachen der Deflation
Um in eine deflationäre Entwicklung zu gelangen, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Neben einem Überangebot von Gütern und Dienstleistungen muss eine Abnahme der umlaufenden Geldmenge vorliegen. Ebenfalls muss sich die Volkswirtschaft in einer rezessiven Lage befinden.
Empirisch gesehen gingen den weltweit bekannten Deflationen so genannte „Blasen“ voraus. Überbewertete Aktien- bzw. Immobilienmärkte waren beispielsweise vor der Weltwirtschaftskrise 1929 zu beobachten. 11 Auch bei der Deflation in Japan war bis zum Jahreswechsel 1989/1990 zu beobachten, dass die Spekulanten Aktienkurse und Immobilienpreise in Tokio auf aberwitzige Höhen trieben. 12 Konzerne, Banken und Haushalte kauften in dieser Zeit meist auf Pump. Als die Börse zusammenbrach, konnten die Kredite nicht mehr bedient werden. Die fallenden Aktienkurse und Immobilienpreise trieben die Anleger dann in den Ruin. Somit ging der Konsum bei steigendem Angebot zurück (Überschussangebot im Gütermarkt), was zur Folge hatte, dass bei rückläufigem Güternachfrage die Preise sanken. Dementsprechend sank auch das Preisniveau.
In diesem Kapitel werde ich Bedingungen darstellen, die das Eintreten der Deflation verursachen. Die Ursachen werden nach ihren monetären und realwirtschaftlichen Gründen abgegrenzt.
10 Vgl. Haslinger (1995), S. 156.
11 Vgl. Schilling (1999); S.158.
12 Vgl. im Folgenden http://www.Zeit.de/archiv/1999/11/199911.weltkonjunktur.n.xml (Zugriff am 10.12.2004).
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4.1 Monetäre Ursachen
Die Quantitätsgleichung: M * V= Y r * P beschreibt die theoretische Gleichheit zwischen
der Geldmenge (M) und der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) mit dem realen Sozialprodukt (Y r ) und dem Preisniveau (P).
Die Gleichung besagt, dass bei steigendem Preisniveau auch die Geldmenge steigen muss und umgekehrt. Wenn aber beispielsweise das Preisniveau über einen längeren Zeitraum sinkt und die Geldmenge jedoch konstant bleibt, kann man von einer Gleichgewichtsstörung sprechen (bei konstantem V und Y r ). Dies führt zu einem Überschuss an Geldangebot und damit zu einem deflationären Prozess. Bei Feldsieper (1980) tritt die Abweichung vom monetären gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht dauerhaft nur dann ein,
„wenn - endogen, vor allem aber exogen bedingt - die Geldversorgung der Wirtschaft nicht in dem Maße zunimmt, wie dies zur Finanzierung eines zunehmenden Transaktionsvolumens in der Wirtschaft erforderlich ist. Mit anderen Worten: mit deflationären Erscheinungen ist immer dann zu rechnen, wenn bei unveränderten Zahlungsbedingungen die Rate der Geldmengeexpansion - dauerhaft und spürbarhinter der Wachstumsrate des potentiellen gesamtwirtschaftlichen Angebots zurückbleibt.“ 13
Wichtig ist zu beachten, dass die monetäre Sphäre aus historischen Gründen eine enge Beziehung zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau sieht.
4.2 Realwirtschaftliche Ursachen
In diesem Abschnitt werden drei Ursachen einer Deflation beschrieben, die realwirtschaftlich begründet sind.
4.2.1 Konsum- und Investitionszurückhaltung
Wenn sich eine Volkswirtschaft im Abschwung eines Konjunkturzyklus befindet, reagieren die Menschen im Allgemeinen vorsichtig. Sie erwarten eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und damit insbesondere eine Verschlechterung ihrer Einkommenslage. Oder sie fürchten sogar um ihren Arbeitsplatz. Daraus resultiert eine Zurückhaltung der
13 Vgl. Feldsieper (1980), S. 133.
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Konsumausgaben. In dieser Phase produzieren die Unternehmen immer noch bei höheren Kapazitäten, so dass bei fallender Güternachfrage mit gleich bleibendem Güterangebot eine Nachfragelücke auf dem Gütermarkt entsteht. Fallende Preise der Güter sind die Folge der Nachfragelücke. Als folge dessen halten sich die Unternehmen zurück. Es wird nur das Nötigste investiert, um Gewinne bei rückläufigen Umsätzen verbuchen zu können. Im Anfangsstadium versuchen die Unternehmen zu rationalisieren. Dann treffen sie auch Gegenmaßnahmen in Form von Entlassungen, die aufgrund des fehlenden Einkommens der Entlassenen wiederum zu weiteren Zurückhaltungen der Haushalte bei ihren Konsumausgaben führen. Niedrige Gewinne der Unternehmen dämpfen ihre Lust weiter zu investieren und damit reagieren diese auch nicht mehr auf niedrigen Zinsen (Investitionsfalle). Kapitalanleger reagieren oft als Folge der rückläufigen Gewinnerwartungen der Unternehmen mit dem Verkauf ihre Anteile. Dies führt zu fallenden Aktienkursen im Aktienmarkt. Der Teufelskreis führt weiter zu einer tieferen und tieferen Deflation.
4.2.2 Finanz- und Geldpolitik des Staates
Der Staat kann durch seine Finanz- und Geldpolitik eine Deflation verursachen. Eine kontraktive Finanzpolitik des Staates führt beispielsweise zu einer Steuererhöhung und damit zu einer Konsumzurückhaltung der Haushalte, da sie weniger Geld zur Verfügung haben. Ein anderes Beispiel sind Ausgabenkürzungen des Staates, um das Staatsdefizit zu verringern. Der Staat investiert weniger, staatliche Aufträge gehen zurück und die Unternehmen produzieren dementsprechend weniger. Bei sinkender Produktion werden weniger Arbeitskräfte benötigt, Entlassungen auf dem Arbeitsmarkt werden vorgenommen und das führt zu sinkenden Konsumausgaben der privaten Haushalte. Und damit setzt sich der Teufelkreis fort.
Bei einer restriktiven Geldpolitik der Zentralbank des Staates kann beispielsweise die Steigerung des Zinssatzes eine Maßnahme des Staates sein, die zu einer Deflation führt, wie die Erhöhung der Mindestreserve. Der Verkauf von Devisen oder Wertpapieren von der Zentralbank an die Kreditinstitute bewirkt eine Erhöhung der Mindestreserve. Durch den Verkauf tauscht die Notenbank Devisen oder Wertpapiere gegen Zentralbankgeld. Die Banken haben nun im Vergleich zu vorher weniger Geld für die Giralgeldschöpfung 14 zur Verfügung und sind in ihren Möglichkeiten eingeschränkt, Kredite zu vergeben. Die Refinanzierung verteuert sich, da andere Formen der Refinanzierung mit höheren
14 Giralgeld nennt man das Guthaben auf Bankkonten, die ohne Kündigungsfrist jederzeit abgehoben werden können.
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Finanzierungskosten verbunden sind. Die Kreditinstitute werden die Kreditzinsen anheben. In folge dessen werden Unternehmen und Haushalte tendenziell weniger Kredite aufnehmen und weniger Investitions- oder Konsumgüter kaufen. Insgesamt wird also die Güternachfrage sinken, die Güterpreise geraten unter Druck. Wenn die Unternehmen die sinkenden Preise aufgrund starrer Löhne und starrer Preise für Vorprodukte nicht kompensieren können, ist mit Produktionsrückgängen und Entlassungen zu rechnen. Die Folge ist eine steigende Arbeitslosigkeitsrate.
4.2.3 Außenwirtschaftliche Ursachen
Auch wirtschaftliche Erscheinungen im Ausland können Auslöser eines deflationsbringenden Angebotsüberschusses sein. Wenn die Nachfrage aus dem Ausland weg bricht, weil beispielsweise die Konjunktur im Ausland lahmt, kann dies auch die eigene Volkswirtschaft treffen. Vor allem sind Länder betroffen, die einen großen Exportanteil haben. Auch die Aufwertung der eigenen Währung kann eine mögliche Ursache einer Deflation sein. Produkte, die im Inland produziert werden, werden teuer für die Kunden in ausländischen Märkten, die sie mit ihrer eigenen Währung bezahlen. Importprodukte hingegen aus dem Ausland werden günstiger. Dies schlägt sich direkt im inländischen Preisniveau nieder. Außerdem wirkt sich eine Aufwertung der eigenen Währung auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen eines Landes aus. Die Unternehmen sind dann gezwungen, bei gegebenen Arbeitskosten, ihre Preise zu reduzieren und müssen damit auf Teile ihre Gewinne verzichten. Ein Angebotsüberschuss im Inland kann auch entstehen, wenn sich ausländische Märkte abschotten. Protektionistische Maßnahmen wie beispielsweise höhere Zölle können unter anderem dazu beitragen, dass Produkte aus dem Ausland sich so verteuern, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig im Vergleich zu den im Inland produzierten Produkten sind.
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5. Auswirkungen der Deflation
In diesem Kapitel werde ich die Auswirkungen einer Deflation anhand vier verschiedener Arten darstellen. 15 Die unter 5.1 und 5.2 dargestellten Deflationen haben ihre Ursache auf der Geldnachfrageseite, die unter 5.3 und 5.4 beschriebenen Deflationen im Gegensatz dazu auf der Geldangebotsseite.
5.1 Wachstumsdeflation
Unter dieser Art von Deflation versteht man einen allgemeinen Preisrückgang, der durch Produktivitätsgewinne erreicht wird und damit von der Geldnachfrageseite herrührt. Wenn Produktivitätssteigerungen und ein Investitionsboom die Effizienz des Wirtschaftssystems verbessern (steigende Grenzproduktionen und damit steigende Grenzerträge), werden die Unternehmen durch den Wettbewerb anderer Unternehmen getrieben, mehr Produkte auf dem Markt anzubieten. Die dadurch implizit steigende Nachfrage nach Geld, um Investitionen in der Produktion zu tätigen, führt bei gegebenem Geldangebot zu einer Steigerung des Wertes des Geldes (Nachfragelücke). Infolgedessen können sich die Konsumenten mit ihrem Geld mehr leisten, denn sie müssen weniger Geld für eine Produkteinheit bezahlen. Diese Art der Wachstumsdeflation war im 19. Jahrhundert normal und auch ein Kernpunkt des disinflationären Prozesses der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Produktivitätseffekte der „New Economy“ waren ebenso mitverantwortlich für den Rückgang der Inflationsrate in den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts, ebenso wie der durch die Globalisierung und den Rückzug des Staates aus dem Wirtschaftsleben sich verschärfende Wettbewerb. 16 Diese positiv zu beurteilende Art der Deflation wird erst dann gefährlich, wenn andere deflatorische Impulse dazu kommen.
5.2 Kassenhaltungsdeflation
Diese Art von Deflation wird genauso wie die Wachstumsdeflation durch die Geldnachfrageseite verursacht. Gemeint ist, dass der Wille der Konsumenten und Investoren, über eine längere Zeitperiode Kasse zu halten, im starken Maße ansteigt. Im extremen Fall tritt eine so genannte Kassenhaltungsdeflation, inzwischen auch bekannt als „Japan-Effekt“,
15 Vgl. J.T Salerno ( 2002).
16 Vgl. Krämer (2000).
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auf. Gelähmt von Zukunftsangst wollten die Menschen in Japan in den 90er Jahren fast nur noch risikoloses Vermögen, nämlich Geld, halten. Dadurch stieg die Nachfrage nach Geld. Eine Kassenhaltungsdeflation entsteht beispielsweise in schweren Rezessionen, bei Naturkatastrophen, bei Kriegsgefahren oder wie im Fall Japan nach dem Schock des Verlustes des Glaubens an die eigene ökonomische Unbesiegbarkeit. Im Fall Japan fiel beispielsweise der Nikkei-Index von seinem höchsten Stand von über 40000 Punkte(1989) auf 16000 innerhalb von zwei Jahren.
Bei gegebenem Geldangebot und dadurch massiv steigender Geldnachfrage steigt der Wert des Geldes, was mit anderen Worten zu einem allgemeinen Preisverfall führt. In dieser Situation ist von einer Liquiditätsfalle zu sprechen, womit speziell gemeint ist, dass die Zentralbanken in dieser Phase mit ihrer Geldpolitik nahezu machtlos sind. Auch durch die Steigerung des Geldangebotes und durch sinkende Zinsen kommt es nicht zu Investitionen oder Konsum, sondern nur zu einer erhöhten Kassenhaltung.
Diese Art von Auswirkung wird oft in der Literatur als Deflationsspirale bezeichnet. Die Spirale entsteht, indem die Zurückhaltung der Konsumenten zu sinkenden Güterpreisen führt (Überschuss an Güterangebot) und dadurch die Produktionskapazitäten der Unternehmen sinken. Dies führt dann zu einer sinkenden Nachfrage nach Arbeit (Überschuss an Arbeitsangebot). Die steigende Arbeitslosigkeitsrate führt wiederum zu einer größeren Zurückhaltung der Konsumenten und dementsprechend zu weiter fallenden Preisen(steigende Güternachfragelücke). 17
5.3 Kreditdeflation
Diese Art von Deflation wird von der Seite des Geldangebotes verursacht. Nach einem langen „Boom“ und rasanter Kreditexpansion kam es nach dem Platzen von Blasen in der Vergangenheit mehrmals zu schweren Bankkrisen, die den ökonomischen Prozess der Geldschöpfung behinderten. 18 So war es für die Zentralbanken nicht mehr möglich über das Bankensystem die geplante Geldmenge zur Verfügung zu stellen. Ziel der Zentralbank ist es, durch das Zur-Verfügung-Stellen von Zentralbankgeld die Banken in die Lage zu versetzen, Kredite zu vergeben und so, in der Funktion eines Multiplikators für die Nichtbanken, Geld zu schaffen. Dies funktioniert aber nur, wenn ein gesundes Banksystem vorhanden ist. Ein wesentliches Beispiel für eine Kreditdeflation verkörpert Japan, wo in den 90er Jahren so viele faule Kredite entstanden, dass die normale Funktionalität des Banksystems nicht mehr
17 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Deflationsspirale (Zugriff 10-19. 12.2004).
18 Der Begriff Bank wird gleichbedeutend mit dem Begriff Kreditinstitut gebraucht.
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gegeben war. In dieser Situation sind die Banken nicht mehr fähig, oder bereit, neue Kredite zur Verfügung zu stellen. Keynes beschreibt diesen Vorgang mit ausgesprochener Klarheit:
„For the banks, being aware that many of their advances are in fact „frozen“ and involve a larger latent risk than they would voluntarily carry, become particularly anxious that the remainder of their assets should be as liquid and as free from risk as it is possible to make them. This reacts in all sorts of silent and unobserved ways on new enterprises. For it means that the banks are less willing than they would normally be to finance any project which may involve a lock-up of their resources.” 19
Als Folge der Zurückhaltung der Banken wird die Versorgung der Nichtbanken mit Liquidität gehemmt. Dies führt zu einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität. So werden Unternehmen (und genau so auch Haushalte) als Nichtbanken nicht mit Liquidität versorgt und können ihre Schulden durch die Aufnahme von Krediten nicht mehr tilgen. Dies führt zu sinkenden Produktionskapazitäten und zu Entlassungen von Arbeitskräften, um Kosten zu minimieren, im schlimmsten Fall auch zu Zahlungsunfähigkeit der überschuldeten Unternehmen. Als folge dessen leiden die Banken nicht nur unter beträchtlichen Gewinneinbußen, sondern sie müssen auch faule Kredite und erhöhte Rückstellungen abschreiben. Das führte in der 90er Jahren in Staaten wie Norwegen, Schweden, Finnland und Japan auf Grund der lang anhaltenden wirtschaftlichen Rezession zu zahlreichen Zusammenbrüchen von Banken. In der folgenden Tabelle werden die Einbrüche der Gewinne der Banken in Beispielländern dargestellt:
Abbildung 2: Gewinne der Geschäftsbanken vor Abzug der Steuern in Prozent des
Gesamtvermögens
Quelle: Bank of England, OECD Economic Outlook
19 Keynes (1972), S. 153 f.
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5.4 Konfiskationsdeflation
Dieser Deflationstyp liegt dann vor, wenn die Wirtschaftssubjekte von der Politik oder der Bürokratie ihrer Geldhaltung beraubt werden. Dies trifft beispielsweise zu, wenn die Bankkonten eingefroren werden. Dadurch fällt das Geldangebot schockartig, was den Wert des Geldes dementsprechend dramatisch steigen lässt. Diese deflatorische Auswirkung wird als Maßnahme von den Autoritäten ergriffen, um eine Kreditdeflation zu stoppen. Allerdings wird dadurch lediglich eine Deflation durch eine andere ersetzt. Diese Art von Deflation hemmt die gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten und trat in vielen so genannten „Emerging Markets“ in den letzten beiden Jahrzehnten auf, wie in Brasilien, Russland, Ecuador und - wie im Folgenden beschrieben - auch in Argentinien. Mit der Freigabe des Wechselkurses für den Peso hatte Argentinien Anfang 2000 einen grundlegenden Kurswechsel in seiner Währungspolitik vollzogen. Die feste Bindung der Währung an den US-Dollar über ein "Currency Board" hatte das Land in eine tiefe Krise geführt. Zwar war es gelungen, die dramatischen Inflationstendenzen zu Beginn der 90er Jahre zu durchbrechen. Die Wirtschaftspolitik hatte aber keinen Spielraum, die entstehende deflationäre Entwicklung zu verhindern oder zu bekämpfen. Als der US-Dollar Mitte der 90er Jahre deutlich aufgewertet wurde, führte dies dazu, dass allmählich Deflationstendenzen zu erkennen waren. In 2000/2001 geriet Argentinien dann - bei stetig steigender Auslandsverschuldung -in eine Deflation. 20
6. Theoretische Erklärungsansätze zur Deflation
Seit dem Ausbruch der Großen Depression in den 1930er Jahren wurden theoretische Erklärungsansätze auf sehr unterschiedliche Art und Weise entwickelt. In diesem Kapitel werde ich exemplarisch zwei Ansätze beschreiben. Neben dem quantitätstheoretischen Erklärungsansatz von Irvin Fisher (1933) werde ich den liquiditätstheoretischen Ansatz von Mishkin (1977-1978) erläutern. Auf Grund des geringen Umfangs der Hausarbeit werde ich nicht auf die kritischen Anmerkungen der Theorien eingehen. 21
20 http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/wochenberichte/docs/02-12-1.html
21 Zu kritischen Anmerkungen vgl. u.a. Wolfson (1996).
15
6.1 Der quantitätstheoretische Ansatz von Fisher
In seinem 1933 erschienenen Aufsatz „The Debt Deflation Theory Of Great Depressions“ stellt Irvin Fisher eine Theorie vor, die die Große Depression als ein monetäres Phänomen erklärt. Fisher behauptet, dass sich Deflation und Schulden bedingen:
„Evidently debt and deflation go far toward explaining a great mass of phenomena in a very simple logical way.” 22
Aber gleichsam betont er, dass eine hohe Schuldensumme nicht unbedingt als eine Überschuldung zu sehen ist. Ein Schuldner ist auch nicht zwangsläufig illiquide, nur weil sein Rückzahlungstermin näher rückt. Oftmals können kurzfristige Verbindlichkeiten verlängert werden oder er kann neue Schulden aufnehmen. Erst wenn ein wirtschaftlicher Pessimismus bzw. ein wirtschaftlicher Abschwung hinzukommt, verschlechtert sich die Lage der Schuldner. Erstreckt sich aber eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage über einen längeren Zeitraum, kann es zu einer Überschuldung kommen. Dies wird stattfinden, wenn die Kreditgeber ihre Darlehen zurückfordern.
Auch eine Steigerung des Zinssatzes kann zu einer Überschuldung führen, weil dies zu einem Rückgang der Wertpapierpreise beiträgt. Die mögliche Verkettung der Konsequenzen bei der Rückzahlung der Schulden beschreibt Fisher wie folgt: 23
1. Die Schuldner beginnen, ihr Sachvermögen in Form von Notverkäufen zu veräußern, um liquide Mittel zu haben.
2. Eine Verringerung der Geldmenge und das Abbremsen der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes finden durch die Banken in Form einer Einbehaltung des Geldes statt. 3. Das Preisniveau sinkt wegen der Verringerung der Geldmenge bzw. der Steigerung der Währung („swelling of the Dollar“).
4. Fallende Netto-Unternehmenswerte führen zu Zahlungsunfähigkeitsproblemen der Unternehmen.
5. Die Gewinne der Unternehmen sinken allmählich bis zum Zeitpunkt, wo nur noch Verluste entstehen.
6. Um die Verluste aufzufangen, reduzieren die Unternehmen ihre Produktion und ihren Handel und entlassen schließlich Arbeitskräfte. Fisher argumentiert damit, dass der Rückgang der Ausbringungsmenge erst dann gewährleistet ist, wenn die Geldmenge
22 Fisher (1933), S. 341 f. zitiert in Kasten (2000), S. 72.
23 Vgl. Fisher (1933), S.340 ff.
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und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinken. Wegen der Quantitätsgleichung muss als Folge dessen das Preisniveau sinken.
7. Ein Zustand von Pessimismus und Vertrauensverlust wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und der schlechten Unternehmenszahlen entsteht. 8. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt durch die Zurückhaltung der Haushalte. 9. Komplizierte Störungen der Zinsen („complicated disturbances in the rates of interest“) führen dazu, dass zwar die Zinsen im monetären Sinne sinken, im realwirtschaftlichen Sinne aber steigen.
Ferner führt diese Theorie zu einer Spirale, weil die Schuldner weiter, um liquide zu bleiben, dazu gezwungen sind, weitere Notverkäufe zu tätigen. Diese Spirale ist nichts anderes als die Verkettung des Prozesses. Fisher betont, dass der Prozess wesentlich durch den Rückgang der Preise bestimmt wird.
6.2 Der liquiditätstheoretische Ansatz von Mishkin
Eine andere Vorgehensweise zur Betrachtung einer Schulden-Deflation bietet Frederic S. Mishkin in seinem Aufsatz „Household Balance Sheet“. 24 Mishkin versucht die rückläufige Konsumfrage, im Gegensatz zu Fisher, durch einen liquiditätstheoretischen Ansatz zu erklären und führt die Weltwirtschaftkrise 1929 bis 1933 an. Unterstellt wird den Haushalten ein Portfolio, das zwar individuell gestaltet wird, aber in seiner Anwendung auf die Gesamtheit zu übertragen ist. Es besteht zum einen aus Finanzaktiva und zum anderen aus Sachaktiva (Aktivseite).
Die Finanzaktiva sind dadurch gekennzeichnet, dass sie einen hohen Liquidationsgrad besitzen, d.h. sie sind marktgängiger und können daher mit geringen Informations- und Transaktionskosten schnell und reibungslos in Zahlungsmittel umgetauscht werden. Die Sachaktiva spielen eine doppelte Rolle. Zum einen bilden sie den Vermögenswert der Haushalte und zum anderen stellen sie eine Form langlebiger Konsumgüter dar. Das Halten von langlebigen Konsumgütern erlaubt den Haushalten eine Liquiditätspräferenz, wie Keynes sie nur für die Unternehmen vorgesehen hatte. Ihr Liquiditätsgrad ist niedrig, also ist der
24 Vgl. Mishkin (1978), S. 924 ff.
17
Umtausch in Zahlungsmittel aufwendiger. Zudem werden sie auf vollkommenen Märkten gehandelt, wie zum Beispiel auf dem Immobilienmarkt. 25
Auf der Gegenseite stehen die verschiedenen Schuldtitel der Haushalte, wie zum Beispiel Darlehen und Verbindlichkeiten (Passivseite). Nimmt die Zahlungsfähigkeit der Wirtschaftssubjekte (Haushalte) ab, so wird ein Vermögensportfolio präferiert, das ihnen die größtmögliche Zahlungssicherheit und eine schnelle Liquidierbarkeit bietet. Nimmt nun der Kapitalwert der Finanzaktiva ab, dann sinkt auch die Nachfrage nach Sachaktiva (langlebige Güter), weil sie einen niedrigen Liquidationsgrad besitzen.
Mishkin beleuchtet das Entscheidungsproblem der Haushalte bezüglich ihren Schulden, da Schulden von den Haushalten subjektiv bemessen werden, d.h. eine „Schmerzgrenze“ bezüglich der Schulden und deren Höhe wird individuell festgesetzt. Wenn die effektiven Schulden über die „Schmerzgrenze“ (akzeptable Schulden) hinaus steigen und die Haushalte ihre Schulden nicht termingerecht zurückzahlen können, dann werden sie ihre Nachfrage nach Sachaktiva einstellen. Als folge dessen geht die gesamte Nachfrage zurück. Mishkin hat eine negative Korrelation zwischen der Höhe der Schulden und der Nachfrage nach Sachaktiva gefunden. Eine positive Korrelation ist zwischen der Höhe der Finanzaktiva und der Nachfrage nach Sachaktiva zu finden. Die Liquiditätshypothese ist Gegenstand empirischer Untersuchungen von Mishkin 26 und von Kearl und Mishkin 27 Sie untersuchten in den Vereinigten Staaten ökonomisch, ob sich Änderungen im Portfolio der privaten Haushalte auf deren Ausgaben für Wohnungsvermögen und langlebige Konsumgüter im Zeitraum 1956 - 1972 auswirken. 28
Als Ergebnis identifizierten sie statistisch signifikante Einflüsse der Höhe der Finanzaktiva und der Schulden auf die Konsumausgaben:
1. Steigen die Finanzaktiva um eine Geldeinheit an, nehmen die Ausgaben für
2. Steigen die Schulden um eine Geldeinheit an, sinkt die Nachfrage nach
25 Vgl. Mishkin (1978), S. 931. Mishkin bedient sich für seine Ausführungen der Daten der Weltwirtschaftskrise ab 1929. Er beschreibt in
seinem Aufsatz, dass die deflationäre Entwicklung von den Sektoren der Immobilien und langlebigen Güter ausging. Die Nachfrage gingen
hier 1930 bis zu 40% rapide zurück.
26 Vgl. Mishkin (1978), S. 926.
27 Vgl. Kearl / Mishkin (1977), S. 1571 ff.
28 Die statistische Darstellung erfolgt in Preisen von 1958.
18
Daraus resultiert eine asymmetrische Reaktion der Haushalte auf Veränderungen der Aktiv-und Passivseite. Dementsprechend halten sich die Haushalte bei Ausgaben mehr zurück, wenn sie weniger Geld zur Verfügung haben als ihre Bereitschaft zu konsumieren, wenn sie denselben Betrag mehr zur Verfügung haben.
In einem nächsten Schritt analysierte Mishkin die Reaktion der Konsumausgaben der privaten Haushalte auf Portfolioänderungen während der Großen Depression. Weil die Bilanzbewegungen in diesem Zeitraum nicht vollkommen dokumentiert sind, überträgt er die für die Nachkriegsperiode gewonnenen Koeffizienten auf die Große Depression. Seinen Untersuchungen zufolge bietet die Liquiditätshypothese eine plausible Erklärung für die Schwere des Abschwungs in der Zeit nach 1929. Mishkin vergleicht den realen Rückgang der Ausgaben für langlebige Konsumgüter, wie er sie entsprechend seiner Liquiditätshypothese erwarten würde, mit dem tatsächlichen Sinken der Konsumgüterausgaben in Preisen von 1958. Er kommt zu dem Ergebnis, dass “the severity of the Great Depression seems to have been significantly enhanced by the deterioration in households balance sheets“. 29 Auch wenn Mishkin für seine Theorie nur lückenhafte Daten aus der Zeit der Großen Depression zur Verfügung hatte, schafft er dennoch viel Plausibilität mit seinen Schlussfolgerungen.
7. Schluss
Auf Grund des Umfanges dieser Hausarbeit habe ich mich auf die wesentlichen Aspekte des Phänomens konzentriert habe.
Die dargestellten Arten und Ursachen einer Deflation deuten die Vielfältigkeit dieses Phänomens hin. In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, welche beträchtlichen Konsequenzen eine Deflation auf eine Wirtschaft haben kann.
Meiner Meinung nach ist das Verhalten der Menschen sowohl in ihrer Rolle als Unternehmer, als auch in ihrer Rolle als private Konsumenten bei der Entstehung einer Deflation entscheidend. Dies erklärt sich vor allem durch das teilweise irrationale Verhalten der Menschen durch ihre Ängste und Befürchtungen.
Ob in der heutigen Zeit noch immer eine Gefahr der globalen Deflation besteht, ist fraglich. Dennoch sollte die Gefahr, eine deflationäre Entwicklung in Deutschland zu erleben, nicht unterschätzt werden. Stagnierende Wachstumsraten, steigende Arbeitslosenzahlen, steigende
29 Mishkin (1978), S. 931.
19
Rohstoffpreise und die Zurückhaltung des Konsums sind, wie ich bereits beschrieben habe, mögliche Auslöser dieses Phänomens. Auch die Aufwertung des Euros kann dazu beitragen, weil dadurch die Wettbewerbsfähigkeit beschädigt werden kann. Immerhin ist Deutschland, genau so wie Japan, ein Exportland.
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Arbeit zitieren:
Assi Rutzki, 2004, Ursachen und Auswirkungen der Deflation , München, GRIN Verlag GmbH
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