Inhalt
Einleitung 3
1. Annahmen zur Ausgangssituation. 5
1.1 Jugend- und Jugendgenerationsbegriff 5
1.2 Multiplikatoreffekte/ exponentielle Entwicklung 6
2. Bestandsaufnahme aktueller Grundvoraussetzungen 7
2.1 Stichworte? - Keine Stichworte 7
2.2 Generation multicasting 9
2.3 Generation abgestumpft 10
3. Der angestrebte Definitions- Kategorisierungsversuch 11
3.1 Erwartungen der Jugendlichen 11
3.2 Ansprüche an Jugendliche 12
3.2.1 Generation Multicasting II 12
3.2.2 Überforderung von Jugendlichen? 13
3.2.3 Generation abgestumpft II 13
4. Zur Möglichkeit neuer Kategorien folgender Jugendgenerationen 14
4.1 Schlechter Zeitpunkt / guter Zeitpunkt 14
4.2 Was kommt nach der Generation Multicasting? 14
Literatur : 16
Onlineressourcen : 17
2
Einleitung
Wohl spätestens seit Goethes „Leiden des jungen Werther“ steht die Medienrezeption von Jugendlichen scheinbar permanent zur Diskussion. War zu Zeiten des Sturm und Drang Annahme, ein Buch, welches einen Suizid mit Zufriedenheit und Hoffnung verbinde, sei in der Lage Jugendliche eben zum Selbstmord zu bewegen 1 , so ist die heutige Situation fast nicht davon zu unterscheiden.
Im Jahr 2008 wird immer noch davon ausgegangen, dass abstraktes Töten, so es mit Punktgewinn und Spaß in Verbindung gebracht wird, die Betrachtung von Filmen mit Gewaltszenen oder pornographische Liedtexte in Popsongs Menschen zur Nachahmung der damit vermittelten Inhalte verleiten können. Aber schon mit Goethe selbst hätte die darum entbrannte Diskussion, wenn auch zynisch so doch einfach und klar, als beendet erklärt werden können. Er schrieb:
„Und nun wollt Ihr einen Schriftsteller zur Rechenschaft ziehen und ein Werk verdammen, das, durch einige beschränkte Geister falsch aufgefasst, die Welt höchstens von einem Dutzend Dummköpfen und Taugenichtsen befreit hat, die gar nichts besseres tun konnten, als den schwachen Rest ihres bisschen Lichtes vollends auszublasen.“ 2
Der Jugendliche wird also schon lange als der sprichwörtlich als Affe geltende Nachahmer bezeichnet, der oft mit Inhalten konfrontiert wird, die er nicht versteht. Und er wird eingeschätzt, als würde er aufgrund einer Art klassischen Konditionierung über Belohnungsmechanismen dazu angetrieben, Handlungen zu vollziehen, derer Auswirkungen er sich, so macht es jedenfalls den Eindruck, nicht bewusst sein kann. Es scheint also, als gäbe es in Bezug auf heutige und damalige „Unterhaltungsindustrie“ eine grundsätzlich pessimistische Einstellung gegenüber Jugendlichen. Diesen wurde und wird immer noch qua Mangel an Erfahrungen eine Unfähigkeit nachgesagt, die Effekte menschlichen Tätigwerdens zur Genüge abschätzen zu können.
1 vgl. Jeßing, Benedikt; Wertherfieber; in: Lutz, Bernd; Wild, Inge (Hrsg.); Goethelexikon; Metzler; Weimar; 2004; S. 396f, 471 Hier wird insbesondere betont, dass es keinen Nachweis für vermehrte Suizidversuche durch den von Goethe veröffentlichten Text gibt.
2 vgl. Schirach, Ferdinand von; Schirachs Einspruch - Werther; in Onlineressource: http://www.schirach.de/einspruch/?p=14 letzter Zugriff: 22.07.2008
3
Diese Fähigkeit, egal ob sie vorhanden ist oder nicht, liegt aber nicht im Fokus des folgenden Aufsatzes. Vielmehr soll der Unterschied betont werden, dass zu Zeiten Goethes die Wahrnehmung von als problematisch geltenden Medieninhalten im Vergleich zu heute auf einzelne aufeinander folgende Wahrnehmungen limitiert war. Dieser überaus wichtige Unterschied soll die Annahme einer grundsätzlichen emotionalen und intellektuellen Abstumpfung 3 von Jugendlichen beleuchten helfen. Dazu wird vorausgesetzt, bis ins späte 20. Jahrhundert stand der Empfänger von Medien stets vor der Wahl, ob er sich auf ein Buch oder ein Theaterstück oder ein Gesellschaftsspiel oder auf die Tageszeitung und so fort einließ. Und selbst als sich zu Zeitungen und Büchern Radios sowie kurze Zeit später auch Fernseher hinzugesellten, bestand sicher oft der Zwang, sich auf eines dieser Geräte zu bestimmten Zeitpunkten zu beschränken.
Seit aber Radios, Fernseher, Mobiltelefone und Computer zu den wichtigsten Geräten der alltäglichen Unterhaltung geworden sind, kann angenommen werden, dass eine Vielzahl der aufgezählten Medien gleichzeitig zur Wirkung kommen. Es stellt also überhaupt keine Schwierigkeit mehr dar, als Jugendlicher, aber auch als Mediennutzer überhaupt, gleichzeitig Radio zu hören und beispielsweise Computer zu spielen. Diese Tätigkeiten können außerdem mit gleichzeitiger Kommunikation mit Spielgefährten via Internet verbunden werden. Erweitert um die Möglichkeit, es läuft neben dem Computer auch noch der Fernseher, ist man schnell dabei, vier Medien gleichzeitig erfassen zu wollen, wo ein paar Jahre zuvor die Verbindung von Grammophon und Morgenlektüre der Zeitung das Höchstmaß an Medienkombination war.
Wollte man von diesem Ausgangspunkt den Versuch unternehmen, eine übergreifende Bezeichnung für die Lebensweise und das Selbstverständnis von Jugendlichen im beginnenden 21. Jahrhundert zu finden, kommt man an der These nicht vorbei, dass ein Medienangebot, wenn es so umfassend ist wie das heutige, wenigstens in der Wahrnehmung abstumpfend wirken könnte. Darauf aufbauend könnten eventuell auch emotionale und intellektuelle Abstumpfung durch, aus der schieren Menge resultierend, unreflektierte Mediennutzung erklärt werden. Denn mit der Annahme, das Gehirn kann nur in begrenztem Maße die gebotene Menge an Informationen verarbeiten, ist eine weitere Vermutung
3 zu diesen und anderen mit der „Jugend als Problem“ definierenden Begriffen vgl. insbesondere: Griese, Hartmut M.; Aktuelle Jugendforschung und klassische Jugendtheorien; LIT; Berlin; 2007; S. 133
4
verbunden: Die nahe liegende Nullhypothese, dass unter diesen Umständen, gerade wegen so intensiv eingeübter Mediennutzung, eine verbesserte Wahrnehmung vieler Sachverhalte gleichzeitig entsteht, kann nicht so weit reichen wie die Hypothese einer zwangsläufig zu antizipierenden Überforderung.
Deshalb müssen im ersten Kapitel zunächst die nötigen Begriffe zu diesem Thema „Jugend/Jugendgeneration“ und „Medien-Angebots-Potenzierung“ erläutert werden. Danach soll durch Versuche, die heutige Jugend mit Begriffen wie „Internet“, „Fernseher“ oder „Groschenroman“ zu umschreiben, ein Angebot für einen weitergehenden Generationsbegriff gemacht werden. Das ist zwar nur auf theoretischer Ebene möglich, gestattet aber durchaus Ableitungen zur weiteren Entwicklung darauf folgender Jugendgenerationen. Für den letzten Abschnitt der Arbeit ist deshalb geplant, aus den voran stehenden Überlegungen zur Bedeutung des vorgeschlagenen Begriffes, Tendenzen hin zu wieder neuen Jugendgenerationen abzubilden.
Für den Fall, der dem Titel entsprechende Begriff „Generation Multicasting“ bietet ein funktionierendes Erklärungsmuster, könnte damit in weiteren Arbeiten versucht werden, mit diesen Folgerungen andere aktuelle Generationenmodelle zu beschreiben. Zum Beispiel wären diese Überlegungen eventuell mit Begleiterscheinungen wie dem bereits diagnostizierten Rückgang von Generationskonflikten 4 oder dem gleichzeitigen Anstieg von Gewalttaten innerhalb der heutigen Jugendgeneration 5 in Verbindung zu bringen.
1. Annahmen zur Ausgangssituation
1.1 Jugend- und Jugendgenerationsbegriff
Wie bereits angeschnitten gehört zum Begriff des Jugendlichen eine antizipierte Unerfahrenheit was die Auswirkungen von persönlichen Handlungen angeht. Durch begrenzte Möglichkeiten der Wahrnehmung weitgreifender aber auch einfacherer Sachverhalte, einen erwartbar geringen Erfahrungsschatz und einem naturgemäßen Entbehren von Praxis beim Tragen von Verantwortung sind Jugendliche über ihr geringes Lebensalter hinaus mit Attributen zu beschreiben, die Einschränkungen bedeuten. Aber auch das notgedrungene Übernehmen von Erfahrungen der ihnen
4 vgl. Kunz, Harry; Kein Generationenkonflikt in Sicht; in: Forum Kommune - Politik Ökonomie Kultur; Heft 1; 2003; S. 38f
5 Schneekloth, Ulrich; Politik und Gesellschaft: Einstellungen, Engagement, Bewältigungsprobleme; in: Shell Deutschland Holding (Hrsg.); Jugend 2006; Ffm; 2006; S. 140
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Arbeit zitieren:
Roland Quiatkowski, 2008, Generation Multicasting, München, GRIN Verlag GmbH
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