Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen. III
Verzeichnis der Abbildungen IV
Verzeichnis der Tabellen VI
1 Einleitung 1
2 Theorie. 4
2.1 Bedeutung der Ausdauer für das Handballspiel 4
2.1.1 Untersuchungen zum quantitativen Belastungsumfang 4
2.1.2 Untersuchungen zur Belastung im Handball anhand physiologischer Parameter 7
2.2 Ausdauertraining im Sportspiel. 14
2.2.1 Ausdauertraining in den großen Mannschaftsspielen. 16
2.2.2 Ausdauertraining im Handball 19
2.3 Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse. 28
2.3.1 Erholungsfähigkeit nach Sprintbelastungen 28
2.3.2 Adaptation des aeroben Metabolismus nach intensivem Sprintintervalltraining33
2.4 Zusammenfassung und Herleitung der Fragestellung 35
3 Methode 38
3.1 Untersuchungsplan 38
3.2 Stichprobe. 40
3.2.1 Trainingsgruppe. 41
3.2.2 Kontrollgruppe 42
3.3 Untersuchungsdurchführung 42
3.3.1 Cooper-Tests. 43
3.3.2 Trainingsintervention 44
3.4 Datenverarbeitung und statistische Auswertung 45
3.5 Herleitung der operationalisierten und statistischen Hypothesen. 46
4 Ergebnisse. 51
4.1 Deskriptive Statistik 51
4.2 Prüfung auf Normalverteilung. 54
4.3 Überprüfung der Stichprobenvergleichbarkeit 54
I
4.4 Hypothesenprüfung 55
4.4.1 H-1: Gruppenvergleich der Laufleistung im Posttest 55
4.4.2 H-2: Gruppenvergleich der Herzfrequenzen am Ende des Posttests. 56
4.4.3 H-3: Veränderung der Laufleistung von Pretest zu Posttest in der TG 56
4.4.4 H-4: Veränderung der Herzfrequenz am Ende von Pre- und Posttest in der TG 57
4.4.5 H-5: Veränderung der Laufleistung von Pretest zu Posttest in der KG. 57
4.4.6 H-6: Veränderung der Herzfrequenz am Ende von Pre- und Posttest in der KG57
4.5 Zusammenfassung der Ergebnisse 58
5 Diskussion 59
5.1 Interpretation und Einordnung der Ergebnisse. 59
5.1.1 Betrachtung der Laufleistung im Cooper-Test 59
5.1.2 Betrachtung der Nachbelastungsherzfrequenzen. 62
5.2 Methodenkritik 63
5.2.1 Der Cooper-Test 63
5.2.2 Stichprobenauswahl. 64
5.2.3 Herzfrequenzmessung 65
5.3 Fazit und Ausblick. 66
6 Zusammenfassung 68
7 Literaturverzeichnis. 69
II
Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen
ATP, ADP, AMP = Adenosintriphosphat, -diphosphat, -monophosphat BMI = Body-Mass-Index bpm = beats per minute (Schläge pro Minute) CT1/CT2 = Cooper-Test 1 / Cooper-Test 2 CS = Zitratsynthase Hf / Hf max = Herzfrequenz / maximale Herzfrequenz HIT = hochintensives Intervalltraining IAS = individuelle anaerobe Schwelle KG = Kontrollgruppe KP = Kreatinphosphat KZA, MZA, LZA = Kurz-, Mittel-, Langzeitausdauer l = Liter M / MW = Mittelwert Min = Minute MIT = Dauertraining moderater Intensität mmol = Millimol µmol = Mikromol RSA = repeated-sprint ability (Sprintausdauer) SD = Standardabweichung SE = Standardfehler Sek = Sekunde SIT = Sprintintervalltraining T = Test bzw. Testzeitpunkt TE = Trainingseinheit TG = Trainingsgruppe v3 / v4 = Leistungsfähigkeit an der 3- bzw. 4-mmol-Laktatschwelle VO 2max = maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit
III
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1: Durchschnittliche Laktatwerte in der 1. und 2. Wettkampfsimulation. S. 10 Abb. 2: Die Herzschlagfrequenzen im Wettkampf von 3 Spielern
Abb. 3: Die mittlere Herzschlagfrequenz der Feldspieler (n=12) im Trendverlauf der 1. und 2. Halbzeit. S. 11 Abb. 4: Herzfrequenz- und Laktatleistungskurven im Feldstufentest im Juli (ST1) und Oktober (ST2). S. 21
Relativer Anteil (Mittelwert ± SD) der verschiedenen Trainings-Abb. 5:
und Wettkampfformen im Saisonverlauf. S. 24 Abb. 6: Zusammenhang zwischen dem Umfang von Ausdauertraining
Abb. 7: Zusammenhang zwischen dem Umfang von Ausdauertraining
Abb. 8: Etappenstruktur und Verteilung der Trainingsinhalte im langfristigen entwicklungsgemäßen Trainingsaufbau Hallenhandball. S. 27 Abb. 9: Durchschnittliche Kraftleistung in einem 10 x 6 Sek.-Sprinttest
Abb. 10: Power output (expressed as a peak power output) and blood pH
Abb. 11. VO 2max und IAS-Leistung von MIT und HIT im Stufentest. S. 32 Abb. 12: Gesamtleistung im 5 x 6-Sek-Sprinttest für MIT und HIT. S. 32 Abb. 13: Zeit bis zum erschöpfungsbedingten Abbruch des Ausdauertests am Untersuchungsbeginn und Untersuchungsende. S. 34 Abb. 14: Aktivität der Zitratsynthase (CS) und Glykogenkonzentration
Abb. 15: Entwicklung der Ausdauerleistungsfähigkeit im Altersgang bei männlichen Kindern bzw. Jugendlichen. S. 41 Abb. 16: Erholungsverlauf der TG nach einem 30-sekündigen Sprint. S. 45 Abb. 17: Laufleistung der TG in Pre- und Posttest inklusive Mittelwerte. S. 51 Abb. 18: Laufleistung der KG in Pre- und Posttest inklusive Mittelwerte. S. 52 Abb. 19: Gruppenvergleich der mittleren Laufleistung in Pre- und Posttest. S. 52 Abb. 20: Gruppenvergleich der Coopertestleistung. S. 52 Abb. 21: Mittlere Herzfrequenzen beider Gruppen am Ende von Pre-
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1: Absolute Häufigkeiten (f abs ), Mittelwerte (x) und Standard-
Tab. 2: Mittelwerte (x) und Standardabweichungen (sd) der Aktionsvariablen während der Anlaufphase. S. 6 Tab. 3: Videoanalyse und Laktatbestimmung im Wettkampf. S. 9 Tab. 4: Mittlere prozentuale Nutzung der max. Herzfrequenz [%Hf max ]
Tab. 5: Durchschnittliche Ausdauerleistungsfähigkeit (gemessen an
Tab. 6: Laufgeschwindigkeiten bei 4mmol/l Laktat (v4) in den Feld-
Tab. 7: Mittelwerte der Sprintzeiten über 5m, 10m, 20m und 30m
Tab. 8: The training programs performed by the high-intensity interval group (HIT) and moderate-intensity continuous group (MIT). S. 31 Tab. 9: Wertungstabelle zur Einschätzung der Ausdauerleistungsfähigkeit von Jungen über die im Cooper-Test erreichte Streckenlänge. S. 39 Tab. 10: Anthropometrische Daten der Trainingsgruppe. S. 41
VI
Tab. 11: Anthropometrische Daten der Kontrollgruppe. S. 42 Tab. 12: Zeitlicher Ablauf der Untersuchung. S. 43 Tab. 13. Abschätzung der mittleren Belastungsintensitäten in den Trainingseinheiten in Prozent. S. 53 Tab. 14: Test auf Normalverteilung innerhalb der Trainingsgruppe (Kolmogorov-Smirnov). S. 54 Tab. 15: Test auf Normalverteilung innerhalb der Kontrollgruppe (Kolmogorov-Smirnov). S. 54 Tab. 16: Ergebnisse des t-Tests zur Stichprobenvergleichbarkeit. S. 54 Tab. 17: Ergebnisse des t-Tests zum Gruppenvergleich der Leistung im Posttest. S. 55 Tab. 18: Ergebnisse des t-Tests zum Leistungsvergleich der Trainingsgruppe von Pre- und Posttest. S. 56 Tab. 19: Ergebnisse des t-Tests zum Leistungsvergleich der Kontroll-
1 Einleitung
„Immer wieder zieht die Dynamik des Handballspiels die Zuschauer durch den ständigen Wechsel in Angriff und Verteidigung, den Kontrast athletischer Wucht und behänder Eleganz, überraschender Schnelligkeit und Ausdauer - gepaart mit technischer Raffinesse, mit Beharrlichkeit und Variationsreichtum der spielerischen Konzeption - in ihren Bann“ (Tittel, 1974, S. 33).
Die obige Beschreibung lässt zum einen die Faszination erkennen, welche vom Handball ausgeht und deutet gleichzeitig auf der anderen Seite die Komplexität dieser Sportart an. Eben jene Komplexität bezieht sich nicht nur auf den Verlauf des Spiels, sondern auch auf die notwendigen Leistungsvoraussetzungen, um im Handball erfolgreich bestehen zu können. Die Spielsituationen verlangen zu ihrer Bewältigung ständig koordinativtechnische, konditionelle, kognitive und psychische Voraussetzungen in unterschiedlicher Ausprägung und Proportion zueinander. Aus dem Bereich der konditionellen Anforderungen kommt der Ausdauer, als Grundlage einer über die gesamte Spieldauer hohen Leistungsfähigkeit, eine besondere Bedeutung zu.
Definitionsversuche für den Ausdauerbegriff sind in der sportwissenschaftlichen Literatur zahlreich zu finden, Hollman und Hettinger (2000, S. 262) fassen es in folgender Formulierung zusammen: „Ausdauer ist charakterisiert durch die Fähigkeit, eine gegebene Leistung über einen möglichst langen Zeitraum durchhalten zu können. Somit ist Ausdauer identisch mit Ermüdungs-Widerstandsfähigkeit“.
Nach Weineck (2007, S.229) lässt sie sich außerdem, je nach Betrachtungsweise, in verschiedene Arten unterteilen:
- unter dem Aspekt des Zeitumfangs in Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer - unter dem Aspekt der Energiebereitstellung in (überwiegend) aerobe und (überwiegend) anaerobe Ausdauer
- unter dem Aspekt der Sportartspezifität in allgemeine und spezielle Ausdauer Jede Sportart ist durch ein spezifisches Beanspruchungsprofil gekennzeichnet, aus welchem sich die notwendigen Leistungsvoraussetzungen und damit auch die spezifischen Ausdaueranforderungen ergeben. Die Grundlage für das Training dieser speziellen Ausdauer bildet jedoch immer die Entwicklung einer allgemeinen Ausdauer (oder auch Grundlagenausdauer). Im Kinder- und Jugendtraining ist diesem Aspekt besondere
1
Aufmerksamkeit zu widmen. Pfeiffer und Schlegel (2000) stellen in diesem Zusammenhang fest, dass das Nachwuchstraining vorrangig durch einen perspektivischen Charakter gekennzeichnet ist, in dem Leistungsvoraussetzungen für die weitere Erhöhung der Trainingsanforderungen und der Belastbarkeit in den verschiedenen Trainingsetappen geschaffen werden (vgl. Martin, Rost, Krug und Reiß, 1998, zitiert nach Pfeiffer et al., 2000, S. 101). Insofern besteht die Notwendigkeit sowohl die allgemeinen konditionellen Fähigkeiten zu schulen und zu entwickeln, gleichzeitig jedoch auch die handballspezifische Ausbildung im athletischen, technischen und taktischen Bereich nicht zu vernachlässigen. Dem daraus resultierenden Zeitaufwand wird versucht durch Schwerpunktsetzungen innerhalb der verschiedenen Alterstufen Rechnung zu tragen, die sich dann in den sog. Rahmentrainingskonzeptionen des DHB niederschlagen. Dennoch erfordert eine optimale Talentförderung ein hohes Trainingspensum, um die jugendlichen Sportler erfolgreich in die nationale Spitze zu führen. Sportbetonte Schulen bieten hier hervorragende Möglichkeiten, die jedoch nicht jedem Mitglied eines regionalen oder überregionalen Kaders offen stehen. So trainieren viele jugendliche Sportler in Vereinen, bei denen mehr als zwei wöchentliche Trainingseinheiten nicht realisiert werden können. Hier stellt die Trainingsplanung eine besondere Herausforderung für die Verantwortlichen dar, wenn der langfristige Leistungsaufbau gelingen soll. Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur wissenschaftlichen Betrachtung des Ausdauertrainings im Jugendleistungshandball liefern. Dazu wird in einem ersten Teil der theoretische Bezugsrahmen für ein empirisches Trainingsexperiment dargelegt, welches im zweiten Teil besprochen wird. In Kapitel 2.1 soll zunächst die Bedeutung der aeroben Ausdauer für das Handballspiel anhand quantitativer Belastungskennziffern sowie physiologischen Parametern belegt werden. Anschließend werden in Kapitel 2.2 exemplarisch Studien vorgestellt, die sich mit dem Ausdauertraining in den Sportspielen und speziell im Handball befasst haben. Die Herleitung der eigentlichen Fragestellung für den empirischen Teil der Arbeit geht vor allem auf neuere in Kapitel 2.3 aufgeführte Erkenntnisse zurück.
Das Ziel des empirischen Trainingsexperiments soll demnach darin liegen, die Wirksamkeit einer bestimmten Trainingsmethode zur Verbesserung der aeroben Ausdauer zu analysieren, um so gegebenenfalls Empfehlungen für ein zeiteffizientes Ausdauertraining in der Wettkampfperiode ableiten zu können. Die zugrunde liegende methodische Vorgehensweise wird in Kapitel 3 erläutert. Die Ergebnisse der
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angewendeten leistungsdiagnostischen Verfahren werden deskriptiv dargestellt und statistisch analysiert (Kapitel 4). In Kapitel 5 werden sie in den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand eingeordnet. Eine kurze Zusammenfassung der Arbeit findet sich in Kapitel 6.
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2 Theorie
2.1 Bedeutung der Ausdauer für das Handballspiel
Der Stellenwert der Grundlagenausdauer für das Handballspiel lässt sich zum einen an der zeitlichen Dimension eines Wettspiels und zum anderen am Umfang der dabei zurückgelegten Laufstrecken ablesen. Mehrere Autoren, u.a. Böttcher (1998), Sichelschmidt und Klein (1986), Hunfeld (1991) sowie Kuchenbecker und Zieschang (1992), haben dazu durch Spielbeobachtungen ermittelte Ergebnisse veröffentlicht, mit dem Ziel, ein Belastungsprofil der Sportart entwickeln zu können. Andere Sportwissenschaftler versuchten die physiologische Belastung anhand von im Wettspiel erhobenen Parametern wie Blutlaktat, Herzfrequenzverläufen oder Ammoniakkonzentrationen zu bestimmen; beispielsweise Böttcher (1998) oder Haralambie & Eder (1979, 1981, 1982).
2.1.1 Untersuchungen zum quantitativen Belastungsumfang
Hunfeld (1991, zitiert nach Brings, Platen und Hoffman, 1998, S. 26) analysierte das Bewegungsprofil einer Rückraumspielerin der 1. Bundesliga anhand der Beobachtungen von vier Meisterschaftsspielen. Dabei ergaben sich, gemessen an der Einsatzzeit, folgende prozentuale Anteile der Laufgeschwindigkeit: 12,8% niedrige Laufgeschwindigkeit (2,3-3,5 m/s), 5,2% mittlere Laufgeschwindigkeit (3,6-5,0 m/s) und 2,3% hohe Laufgeschwindigkeit (>5,0 m/s). Dazu kamen 13,4% Stehen, 9,9% Antritte bzw. Sprints und 0,6% Sprünge. Den weitaus größten Anteil nahm jedoch das Gehen mit 55,8% ein. Böttcher (1998, S. 98-100) untersuchte in jeweils sechs Spielen zweier Herrenmannschaften der 2. Bundesliga jene Spieler, welche die komplette Spielzeit von 60 Minuten durchspielten. Diese legten dabei eine Gesamtlaufstrecke zwischen 3902 und 4328 Metern zurück, so dass sich im Durchschnitt 4134 m ergaben. Mit Ball wurden dabei im Mittel 69 m zurückgelegt, ohne Ball 4066 m. Auf das Laufen entfielen durchschnittlich 3145 m (76,1%), auf das Gehen 590,2 m (14,3%) und auf Sprints 399,5 m (9,6%), wobei die Abgrenzungen dieser Einteilung nicht genauer benannt werden. Manchado, Hoffmann, Valdivielso und Platen (2007, S. 368-373) registrierten bei Spielbeobachtungen der Frauenhandballeuropameisterschaft 2004 die tatsächlichen Belastungszeiten der deutschen Spielerinnen sowie die Dauer der hochintensiven
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Angriffsphasen. Dabei ergaben sich pro Spiel durchschnittlich 76 (SD = 10,2) intensive Angriffsphasen, bei einer mittleren Dauer von 5,72 (SD = 0,37) Sekunden. Die Gesamtspieldauer lag im Durchschnitt bei 72 Minuten, wovon sich etwa 43 Minuten lang der Ball im Spiel befand. Die gemittelte Einsatzzeit der Spielerinnen betrug 41,7 (SD = 5,1) Minuten.
Anhand dieser Untersuchungen wird jedoch deutlich, dass der Vergleich der Daten zum Belastungsumfang und dessen Verteilung sich überaus schwierig gestaltet, da beispielsweise kein einheitliches Bewertungsraster zur Differenzierung der Bewegungs-formen angewendet wird. Kuchenbecker et al. (1992, S. 32) kritisieren in diesem Zusammenhang auch das Vorgehen, die ermittelten Belastungskennziffern im Sinne einer Gleichverteilung auf die Gesamtspielzeit oder die effektive Spielzeit zu beziehen. Sie entwickelten daher ein zweistufiges Untersuchungskonzept. In einem ersten Schritt werden Spielphasen relativer Ruhe und belastende Spielphasen voneinander abgegrenzt und ihre Dauer und Abfolge in einer „Spielphasenstrukturanalyse“ mittels Spielbeobachtung erfasst. Als zweiter Schritt erfolgt eine Anforderungsanalyse der belastenden Spielphasen hinsichtlich der durchgeführten Aktionen unter Berücksichtigung positionsspezifischer Unterschiede. Tabelle 1 zeigt die ermittelten absoluten Häufigkeiten und Vergleichswerte zur Dauer in Sekunden für die einzelnen Spielphasen.
Dazu wurden insgesamt 22 Spiele der 1. und 2. Herrenbundesliga ausgewertet. Es zeigt sich, dass Belastungen und Pausen beim Spiel gegen eine formierte Abwehr annähernd
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gleich sind: Die durchschnittliche Dauer eines Anlaufs betrug 9,2 Sekunden, die Pausen zwischen zwei Anläufen im Mittel 9,9 Sekunden. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die belastenden Spielphasen lediglich 47% der Angriffsdauer einnehmen. So ergibt sich ein Belastungs-Pausen-Verhältnis von nahezu 1:1, was ausreichend Zeit für aktive Erholungsprozesse bietet (vgl. Kuchenbecker et al., 1992, S. 32-35). Im zweiten Untersuchungsschritt analysierten Kuchenbecker et al. (1992, S. 34-36) positionsspezifisch Anzahl und Dauer der Phasen in denen Angreifer Laufbewegungen mit und ohne Ball vollzogen oder aber nicht in das Spielgeschehen einbezogen waren. Außerdem wurden die Anzahl der Ballkontakte, Stoß- oder Absetzbewegungen, Sperren, Wurfabschlüsse und Einzelaktionen (1 vs. 1) erfasst. Tabelle 2 stellt die Ergebnisse zur durchschnittlichen Anzahl und Dauer der Anläufe sowie der anteilsmäßigen Aktivität dar. Es zeigte sich, dass die durchschnittliche Anlaufdauer mit rund neun Sekunden verhältnismäßig kurz ist (90% der Anläufe lagen unter 15 Sek.). Somit können die schnellkräftigen Antritte überwiegend durch die Inanspruchnahme des anaerob-alaktaziden Stoffwechsels realisiert werden. Das Belastungs-Pausen-Verhältnis fällt insgesamt günstig aus (über alle Positionen gemittelt etwa 1:2). Dennoch betonen Kuchenbecker et al. (1992, S. 37), dass sich immer wieder erhebliche Belastungsspitzen durch die Reihung mehrerer belastender Phasen ohne nennenswerte Unterbrechung ergeben. In diesen Situationen sei eine gut ausgebildete aerobe Leistungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung, da sie die Regenerationsfähigkeit im Sinne des oxydativen Laktatabbaus in nachfolgenden Phasen relativer Ruhe maßgeblich beeinflusst.
Zusammengefasst zeichnen die Ergebnisse aller Studien das Bild einer unregelmäßigen Belastungsverteilung über die Spielzeit mit insgesamt moderaten Gesamtlaufstrecken. Das Belastungsprofil des Wettspiels lässt sich am Besten intervallartig oder intermittierend
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charakterisieren. Inwieweit die Regeländerung im Jahr 2002 (Einführung der „schnellen Mitte“) zu einer Veränderung dieser Belastungsstruktur oder einer Verschiebung des Belastungs-Ruhe-Verhältnisses geführt hat, wurde bisher nicht wissenschaftlich untersucht (Steinhöfer, 2003, S.227-230). Allerdings zeigt ein Vergleich der Studien von Kuchenbecker et al., Manchado et al. und den statistischen Erhebungen des Internationalen Handballverbandes zu den Weltmeisterschaften 2005 und 2007 einen Anstieg der durchschnittlichen Angriffe pro Spiel. Kuchenbecker et al. (1992, S. 35) erfassten in 22 Herrren-Bundesligaspielen im Durchschnitt 45,3 Angriffe. Die deutsche
Frauennationalmannschaft kam während der EM 2004 im Mittel auf 57,5 Angriffe, während bei den Weltmeisterschaften 2005 im Finale 78 und im „kleinen Finale“ 69 Angriffe gelaufen wurden. Bei der Herren-WM 2007 wurden ebenfalls je 69 Angriffe im Finale und im Spiel um Platz Drei gezählt (vgl. Manchado, 2007, S.371). Insgesamt betrug die durchschnittliche Angriffsdauer aller WM-Spiele 27 Sekunden; der Spitzenwert in einem deutschen Bundesligaspiel liegt mit 22 Sekunden noch einmal deutlich darunter (Petersen, Schuhknecht und Oltmanns, 2007, S. 172). Dies deutet auf eine gesteigerte Spieldynamik im Sinne eines erhöhten Spieltempos hin. Böttcher (1998, S. 132) stellt zwar fest, „daß [sic] ein höheres Spieltempo keine Veränderung der konditionellen Anforderungen an sich mit sich bringt“, dennoch wären genauere Untersuchungen bezüglich des Belastungs-Ruhe-Verhältnisses interessant.
2.1.2 Untersuchungen zur Belastung im Handball anhand physiologischer Parameter
Um genauere Aussagen über die physiologische Beanspruchung im Handball machen zu können, besonders im Hinblick auf die Inanspruchnahme der energiebereitstellenden Systeme, wurden von verschiedenen Autoren Untersuchungen durchgeführt, die
beispielsweise die Aufzeichnung der Herzfrequenz oder aber die Bestimmung von Laktat-oder Ammoniakwerten im Wettkampf umfassten. Dabei fällt jedoch auf, dass eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse nur eingeschränkt möglich ist, da einige Autoren ihre methodische Vorgehensweise nur eingeschränkt dargestellt haben (beispielsweise Luck, Miedlich, Köhler und Hierse, 1985, S. 156-159 oder Sichelschmidt et al., 1986, S. 4-12). Sie beschreiben lediglich ihre Messdaten. Böttcher (1998, S. 77) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Untersuchungsmethodik und -durchführung die Ergebnisse erheblich beeinflussen können. Daher sind gerade bei Laktatuntersuchungen die Intensität und der Umfang der Vorbelastung sowie die Ernährung der Sportler zu
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berücksichtigen und Vorsicht bei der Interpretation der erhobenen Werte geboten. Erste sehr genau dokumentierte Ergebnisse zu Laktatbestimmungen finden sich bei Haralambie und Eder (1979, 1981 und 1982).
In einer ersten Untersuchung von acht Handballern im Rahmen eines offiziellen Turniers wurden in unregelmäßigen Abständen Blutproben zur Laktatmessung entnommen. Die Werte lagen größtenteils im Bereich zwischen zwei und sechs mmol/l, ihre Vergleichbarkeit ist jedoch auf Grund unterschiedlicher Messzeitpunkte fraglich (vgl. Haralambie et al., 1979, S. 250-251). Um zu aussagekräftigeren Ergebnissen zu gelangen untersuchten Haralambie und Eder (1981, S. 228) später 50 Handballspieler von internationalem Leistungsniveau bis hin zur Kreisklasse hinsichtlich ihres Laktatstoffwechsels im Wettspiel. Den Probanden wurde im Ruhezustand, während eines Spiels und nach Spielende Blut entnommen und anschließend Blutlaktat und Blutglukose bestimmt. Es zeigte sich, dass etwa 66% der während des Spiels erhobenen Werte oberhalb der anaeroben Schwelle von 4 mmol/l lagen. Nach ruhigeren Spielphasen ermittelte Werte waren erwartungsgemäß niedriger als Werte nach intensiven Belastungen (beispielsweise Tempogegenstößen). Sie registrierten keinen signifikanten Anstieg des Blutlaktatspiegels nach Belastungsende im Vergleich zum Ruhewert.
In einer weiteren Untersuchung wurden acht Teilnehmer des Finales der deutschen B-Jugendmeisterschaft 1981 hinsichtlich ihrer Blutlaktatkonzentration getestet. Diese lag nach Spielende zwischen 2,4 und 6,2 mmol/l. Die höchsten Werte ergaben sich bei den Spielern, die auch die größte Temperaturzunahme (auf bis zu 40,1° C) und den größten Gewichtsverlust (bis zu 3,4%) über die Spielzeit aufwiesen, was als Zeichen für einenach Einsatzzeit variierende - teils sehr starke Beanspruchung des jugendlichen Organismus gedeutet wird (vgl. Haralambie et al. 1982, S. 35-36). Heimsoth und Reiche (1987, S.568-572) kombinierten Laktatbestimmungen und Videoanalysen um ein Bild der tatsächlichen Leistungsanforderung an den Handballspieler zu erhalten. Dafür testeten sie drei Bundesligamannschaften und ein Regionalligateam im Wettkampf. Die Messzeitpunkte des Blutlaktats lagen vor dem Spielbeginn, nach Auswechslungen, in der Halbzeit und nach dem Spielende. Die in Tabelle 3 dargestellten Ergebnisse geben Aufschluss über die absolute Sprintzeit, die längsten Einzelsprintzeiten sowie die maximal registrierte Laktatkonzentration.
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Hochintensive Belastungsanforderungen sind zahlenmäßig begrenzt und von so kurzer Dauer, dass sie anaerob-alaktazid realisiert werden können. Die ermittelten Laktatmaximalwerte unterstützen die Vermutung, dass eine ausreichende Regeneration im Spielbetrieb möglich ist, da keine nennenswerte, ermüdungsbedingte Laktatakkumulation festgestellt werden konnte.
Böttcher (1998, S. 85-129) führte eine umfangreiche Untersuchung durch, bei der Spielbeobachtung, Herzfrequenzmessung sowie Laktat- und Ammoniakmessungen kombiniert wurden. Da laut Regelwerk das Tragen des eingesetzten Gerätes zur Ermittlung der Herzfrequenz im Wettkampf nicht zulässig ist, wurden die Daten in zwei möglichst realitätsnah gestalteten Wettkampfsimulationen erhoben. Probanden waren zwölf Handballspieler aus Ober- und Regionalligen. Hinsichtlich der Laktatmessungen wurde großer Wert auf vergleichbare Ausgangsbedingungen gelegt: Die Probanden wurden instruiert, sich im Vorfeld kohlenhydratreich zu ernähren und das letzte Training spätestens zwei Tage vor dem Test zu absolvieren. Nach der ersten Halbzeit lag der Laktatmittelwert mit 4,45 bzw. 4,67 mmol/l (1. bzw. 2. Wettkampfsimulation) nur knapp oberhalb der fixierten anaeroben Schwelle. Nach Spielende wurde mit 3,26 bzw. 3,86 mmol/l ein signifikant niedrigerer Durchschnittswert registriert (siehe Abb. 1).
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des Ohrläppchens ermittelt. Urhausen, Schwarz, Bellon, Weiler, und Kindermann (1991, S. 545-548) stellten fest, dass bei andauernden, intensiven Belastungen Ammoniak im Muskel entsteht. Bei längeren Ausdauerbelastungen, die mit einem hohen Verbrauch an gespeichertem Glykogen einhergehen, verlaufen Laktat- und Ammoniakanstieg nicht mehr parallel, stattdessen kommt es zu einem Anstieg der Ammoniakkonzentration bei gleichzeitigem Abfall des Blutlaktats. Da für die Ammoniakkonzentration jedoch keine Referenzwerte oder Normtabellen vorliegen, ist eine Interpretation nur bei gleichzeitiger Berücksichtigung von Laktatwerten und Herzfrequenz möglich. Insgesamt zeigte sich allerdings, dass der durchschnittliche Wert in beiden Wettkampfsimulationen sowohl zur Halbzeit als auch bei Spielende relativ konstant bei 40 µmol/l lag. Die Analyse der Herzfrequenzmessungen ergab eine durchschnittliche Beanspruchung zwischen 150 und 180 Schlägen pro Minute (bpm). 77% der Spielzeit lagen die Spieler in diesem Frequenzbereich, 10% oder 6 Minuten im Bereich zwischen 180 und 190 bpm; höhere Herzfrequenzen traten nicht auf. Die individuellen Frequenzverläufe (siehe Abb. 2) lassen deutlich einen situativen Belastungscharakter des Spiels erkennen - auf hochintensive Belastungen mit deutlichem Hf-Anstieg folgen immer wieder in unregelmäßigen Intervallen ruhigere Spielphasen mit relativ starkem Pulsrückgang.
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Darüber hinaus zeigte sich, dass die durchschnittliche Trendlinie der Herzfrequenz aller Feldspieler in der zweiten Spielhälfte signifikant niedriger lag als in der 1. Halbzeit (siehe Abb. 3).
(Umwandlung von zwei Molekülen ADP zu jeweils einem Molekül ATP und AMP) aufrechterhalten. Infolgedessen steigt der Adenosinmonophosphatgehalt in der Muskelzelle. Das AMP wird, wenn es nicht zu ADP und ATP aufgebaut werden kann, im sog. Purin-Nukleotid-Zyklus zu Ammoniak/Ammonium abgebaut - der Blutammoniakspiegel steigt. Diese veränderte Stoffwechselsituation wird in der Regel von einer Überhöhung der Hf begleitet (vgl. Steinbrecher-Damm, 1994, S. 159, zitiert nach Böttcher, 1998, S. 128). Da sich jedoch weder die Herzfrequenz noch die Ammoniakkonzentration am Ende der Spielzeit gesteigert, sondern eher verringert darstellten, zweifelt Böttcher die Erschöpfung der Glykogenspeicher an. Als Ursache für den Abfall von Blutlaktat und Hf nimmt er einen generellen Rückgang der Spieldynamik und des Spieltempos in der zweiten Halbzeit an, was er durch die Daten der Videoanalyse bestätigt sieht: Sowohl
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Arbeit zitieren:
Hajo Nehls, 2008, Ausdauertraining im Jugend-Leistungshandball, München, GRIN Verlag GmbH
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