Gliederung
1. Einleitung 3
2. Sozialkapital - Definition. 3
2.1. Sozialkapital nach Fukuyama. 3
2.2. Sozialkapital nach Coleman und Putnam 4
3. Sozialkapital und regionalwirtschaftliche Entwicklung an einem Beispiel 5
3.1. Italien 5
3.2. Vale dos Sinos (Brasilien) 6
4. Kritik an bestehenden Theorien von Udo Staber 10
4.1. Kontextualisierung nach Staber. 13
5. Fazit 17
6. Literaturliste 18
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1. Einleitung
Diese Hausarbeit bearbeitet die Thematik des Sozialkapitals und ihrer Wirkung zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Region. Sozialkapital als ein fördernder Faktor in der ökonomischen Entfaltung einer Region wurde in den letzten Jahrzehnten stets positiv bewertet, so zum Beispiel zur Jahrtausendwende von der Weltbank und der OECD. Gleichzeitig empfahlen diese bedeutenden Organisationen, dass es in die wirtschaftlichen und politischen Bilanzen aufgenommen werden sollte. Mit dieser Hausarbeit möchte ich auf die Frage eingehen, inwiefern Sozialkapital einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Region hat. Im ersten Teil komme ich zu einer Definition von Sozialkapital, die ich anhand von Theorien der drei renommierten Wissenschaftler Fukuyama, Coleman und Putnam darstellen werde. Sie waren die Ersten, die Sozialkapital beschrieben haben und die ersten Versuche starteten, es zu messen. Anschließend zeige ich zwei Erfolgsgeschichten aus Italien und Brasilien, in denen Sozialkapital eine maßgebliche Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Regionen gespielt hat. Im letzten Abschnitt dieser Hausarbeit möchte ich die Sichtweise von Udo Staber darstellen, der die bisherigen Bewertungen von Sozialkapital als zu allgemein und zu positiv kritisiert. Ihm fehlt es meistens an empirischer Genauigkeit, da die vorliegenden Studien sehr oft Ergebnisse und Rückschlüsse von scheinbar vergleichbaren Forschungen in ihre Messungsszenarien integrieren würden, die aber auf die individuellen Situationen nicht übertragen werden könnten. Seine innovativen Vorschläge, wie in der Zukunft Sozialkapital gemessen werden kann, um Ungenauigkeiten und Widersprüche in den Resultaten zu vermeiden, werde ich einzeln auflisten und vorstellen.
2. Sozialkapital - Definition
2.1. Sozialkapital nach Fukuyama
Fukuyama verbindet Sozialkapital sehr stark mit der Kultur eines Landes oder einer Region. Das gegenseitige Vertrauen innerhalb einer Gesellschaft ist die Voraussetzung für das Entstehen vom Sozialkapital.
„Die Fähigkeit des Einzelnen, mit anderen zusammenzuarbeiten, hängt wiederum davon ab, in welchem Grad eine Gemeinschaft Normen und Werte teilt und dazu in der Lage ist, individuelle Wünsche den Interessen größerer Gruppen unterzuordnen. Auf der
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Basis solcher gemeinsamer Werte erwächst Vertrauen, und Vertrauen besitzt (...) einen erheblichen, messbaren wirtschaftlichen Wert.“ (FAUST/MARX S.9)
Das Vertrauen also als das wichtigste Element entwickelter, liberaler Demokratien. Hinzu kommt, dass die kulturellen Verhaltensmuster und ererbten ethischen Gewohnheiten, die in Form von wechselseitiger Loyalität, einem Moralkodex gegenüber den Menschen und sozialem Vertrauen zum Vorschein kommt, die Voraussetzung für das gute Funktionieren z. B. der wirtschaftlichen Institutionen ist. Die sittlichen Verhaltensmuster werden durch das nächststehende Umfeld erlernt, also durch die Familie, Freunde, Nachbarn und das gesellschaftliche Umfeld. Die traditionellen religiösen und ethischen Systeme wiederum dienen als Kanäle, durch die die notwendigen moralischen Werte transportiert werden, um die kulturell bedingte Kooperation herzustellen. (FAUST/MARX S.9)
„Fukuyama stellt damit einen direkten Zusammenhang zwischen dem moralischen Verhalten auf individueller Ebene und kulturellen Normen und Werten auf der Systemebene her.“ (FAUST/MARX S.10)
Somit ist es eine Sitte des gegenseitigen Vertrauens, die dazu führt, dass die einzelnen Beteiligten eine uneigennützige Auffassung verinnerlichen, die wiederum erneut derartige Handlungsweisen antreibt.
2.2. Sozialkapital nach Coleman und Putnam
Coleman betrachtet Sozialkapital als ein Kapitalvermögen des Individuums, das aus sozialen Beziehungen resultiert.
„Soziales Kapital wird über seine Funktion definiert. Es ist kein Einzelgebilde, sondern ist aus einer Vielzahl verschiedener Gebilde zusammengesetzt, die zwei Merkmale gemeinsam haben. Sie alle bestehen nämlich aus irgendeinem Aspekt einer Sozialstruktur, und sie begünstigen bestimmte Handlungen von Individuen, die sich innerhalb der Struktur befinden. (...) Anders als andere Kapitalformen wohnt soziales Kapital den Beziehungsstrukturen zwischen zwei oder mehr Personen inne“. (COLEMAN 1995, S. 392.)
Coleman erklärt das Sozialkapital als kooperatives Handeln, das von nutzenmaximierenden Eigenschaften der einzelnen Akteure geprägt wird. Die Überlegung soll wie gefolgt verstanden werden: Nach Einführung bestimmter Interaktionen in ein Netzwerk entsteht eine hohe Erwartungswahrscheinlichkeit weiterer Interaktionen, wodurch die gesamte Motivbeschaffenheit der Verhaltenskonstellation einer kompletten Veränderung innerhalb der einzelnen Akteure unterliegt. Wenn das Verhalten der Akteure bei einem einmaligen Spiel zusätzlich von der Unsicherheit
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überschattet sein sollte, besteht die Gefahr, dass Kooperation als Strategie sich nicht entwickeln wird. Wobei bei einer erwarteten Vielzahl von Wiederholungen der Spielsituation es zu einer Entwicklung der Kooperation kommen kann. Unter diesen Handlungen verbirgt sich die Erwartung eines höheren Nutzen, d. h., der
wirtschaftliche Nutzen kann sich bei einer wiederholten Kooperation von beiden potenziellen Partnern entwickeln. In diesem Zusammenhang wird das Vertrauen anders als bei Fukuyama interpretiert. Es ist kein „metaphysisches Grundvertrauen“, sondern „die rationale Wahl einer Handlungsalternative unter Risiko.“ (FAUST/MARX, S.11) Putnam schließt sich Colemans Überlegungen im Bezug auf Sozialkapital an, parallel interpretiert er den Mechanismus des Vertrauens jedoch ein bisschen anders. Das Vertrauen als entscheidender Faktor soll nicht nur innerhalb der Gruppe zur Entstehung von Kooperation beitragen, sondern durch kulturelle Internalisierung auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene Ergebnisse zeitigen. Putnams Argumentationsweise lässt sich anhand seines Werkes Making democracy work am Beispiel Italiens sehr gut darstellen.
3. Sozialkapital und regionalwirtschaftliche Entwicklung an einem Beispiel
3.1. Italien
Die schlechtere wirtschaftliche Entwicklung Süditaliens im Vergleich zu der Norditaliens begründet Putnam durch die unterschiedlichen historischen Voraussetzungen, die schon im Mittelalter ihren Ursprung hatten. Die Unterschiede zwischen Nord- und Süditalien im Zusammenhang mit bürgerlichen Sittsamkeiten und politischen Strukturen ließen sich schon im 12. Jahrhundert erkennen. (PUTNAM 1993, S.126) Wichtig zu erwähnen ist, dass der Norden durch horizontale Beziehungen geprägt ist, wogegen der Süden sich durch vertikale und hierarchische Strukturen auszeichnet.
In diesem Zusammenhang argumentiert Putnam, dass das Verhaltensmuster „Nicht kooperieren“ in Süditalien zu einer Internalisierung führte. Dies bewirkte die Entwicklung der kulturellen Muster Süditaliens, die bis zum heutigen Tag fortbestehen. Die Verbesserung institutioneller Rahmenbedingungen in Süditalien konnte ihre Wirkung nicht entfalten, weil die internalisierte Nichtkooperationsnorm, die in informellen Institutionen weitergegeben wurde, ein Hindernis bei der Steigerung der ökonomischen Leistungsfähigkeit und demokratischer Performanz war. Die Überlegungen ergänzt Putnam durch die so genannte „spieltheoretische Einsicht, dass
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Arbeit zitieren:
Studentin Anna Cwalian, 2008, Sozialkapital und Regionalentwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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