Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Zielgruppe Muslimische Patienten 4
3. Sprachliche Schwierigkeiten in der Interaktion zwischen Krankenhausmitarbeitern und
ausl ändischen Patienten 5
4. Kulturelle Differenzen 6
4.1. Angehörige 6
4.2. Glaube 7
4.3. Medizinische Maßnahmen 8
4.4. Intimsphäre und gegengeschlechtlicher Umgang 9
4.5. Umgang mit Tod und Trauer 10
4.6. Umgang mit Schmerz 10
5. Notwendige Konsequenzen. 11
5.1. Bereich der stationären Versorgung 11
5.2. Bereich Aus - und Weiterbildung 12
5.3. Dolmetschen 12
6. Resümee 13
7. Reflexion des Seminars 15
8. Quellenverzeichnis 16
2
1. Einleitung
Umgezogen ist jeder schon einmal. Man verpackt sein Leben in Kisten, wechselt Wohnung und Wohnort. Am Zielort ist dann alles neu und anders: die Nachbarn, die Einkaufsmöglichkeiten, der Weg zur Arbeit oder zur Schule. Meistens ist dieser Umzug auch mit einer Verbesserung der Lebensumstände verbunden. Der Weg zur Arbeit ist kürzer, die Wohnung komfortabler oder die Gegend schöner. Aber was ist, wenn man in ein neues Land zieht, mit einer fremden Sprache, einer fremden Kultur? Auch für Migranten kann der Umzug in ein anderes Land ein Vorteil sein, der Kontakt zu einer anderen Kultur bringt dennoch viele Herausforderungen mit sich. Diese Ausarbeitung wird sich damit beschäftigen, wie schwierig es ist einander zu verstehen, wenn kulturell unterschiedlich geprägte Handlungsweisen im Gesundheitssystem in Deutschland aufeinandertreffen. Handlungsweisen in Bezug auf Krankheit, Schmerz, Scham, Sterben oder aber auf Familie können den zunehmend internationaler werdenden Krankenhausaufenthalt prägen. Im Folgenden wird aufgezeigt, dass der Besuch im Krankenhaus eine große Belastung sowohl für Migranten, als auch für Pfleger oder Ärzte sein kann. Denn im weitesten Sinne hat das Krankenhaus auch eine Art eigener Kultur.
Da das Thema Interkulturelle Kommunikation im Krankenhaus ein sehr weites ist, beziehe ich mich an dieser Stelle auf die Zielgruppe der muslimischen Patienten. Diese bildet in Deutschland die größte zugewanderte Migrantengruppe. Außerdem sind die kulturellen Unterschiede der religiösen Vorstellungen durch den Islam besonders different und somit prägend für die Kommunikation im Krankenhaus zwischen Patient und Angestellten.
Eine Studie der Charité Berlin, die verschiedene ausländische Patienten erfasste, ergab, dass 30% der Untersuchten türkische Patienten waren und 64% der Gesamtgruppe Moslems. Innerhalb der 1 , was meine Auswahl der Gesamtgruppe wiesen 54% keine bis geringe Deutschkenntnisse auf Zielgruppe und die Wichtigkeit der Thematik Sprache verdeutlicht. Die Kernfrage Interkultureller Kommunikation lautet, welche Faktoren die Entstehung von Missverständnissen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kultur beeinflussen. 2 Diese Missverständnisse werde ich im Folgenden schildern.
Zuerst stelle ich die Zielgruppe „Muslimische Patienten“ vor und beginne dann die Problematik zwischen Klinikpersonal und den muslimischen Patienten darzustellen. Hierbei beginne ich mit der Herausforderung der sprachlichen Barriere zwischen ausländischem Patient und Krankenhausmitarbeiter.
Weiterhin schildere ich die kulturellen Differenzen und zeige Unterschiede in Bezug auf das Besuchsverhalten der Angehörigen und den Glauben der Patienten und die daraus resultierenden Handlungsweisen im Krankenhaus. Ergänzend weise ich die Problematik hinsichtlich der medizinischen Maßnahmen, dem differenten Schmerzempfinden und der Einstellung zu Tod und Trauer hin.f. Ebenfalls beschreibe ich, in wieweit eine unterschiedliche Intimsphäre sowie besondere
1 http://www.charite.de/psychiatrie/forschung/transkulturelle.html ( 21. Mai 2008, 12.06 Uhr).
2 Dreißig, Verena (2006): Interkulturelle Kommunikation im Krankenhaus - eine Studie zur Interaktion zwischen Klinikpersonal und Patienten mit Migrationshintergund, S. 21.
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Verhaltensweisen angesichts gegengeschlechtlicher Krankenpfleger oder Ärzte die Interaktion zwischen beiden Parteien erschweren können.
Im fünften Teil der Ausarbeitung weise ich auf nötige Veränderungen im Gesundheitssystem hin, welche die interkulturelle Kommunikation verbessern könnten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Thematik des Dolmetschens im Krankenhaus. Hier werde ich die aktuelle Situation, Problematik und einen Zukunftsausblick anhand eines Beispiels schildern. Schlussendlich ziehe ich ein Resümee zur Situation der Interkulturellen Kommunikation im Krankenhaus.
An dieser Ausarbeitung ist zu beachten, dass alle kulturellen Verhaltensweisen, die geschildert werden, nicht auf alle türkischen Muslime zutreffen. Hier werden lediglich die meist beschriebenen Konfliktsituationen aufgezählt. „DEN Muslim gibt es genauso wenig, wie DEN Christen“ (Becker 2006, S. 16). Sinn dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen wo es zu Problemen in der Kommunikation zwischen Krankenhausangestellten und türkischen Muslimen kommen kann, woran sich die bestimmten Verhaltensweisen begründen und wie die Situation in Zukunft verbessert werden kann (siehe 4. Notwendige Konsequenzen).
2. Definition der Zielgruppe Muslimische Patienten
In Deutschland leben heute 3,3 Millionen Muslime 3 , wovon 1.7 Millionen aus der Türkei stammen 4 . Sie bilden heute neben den katholischen und evangelischen Christen die drittgrößte Religionsgemeinschaft innerhalb der Bundesrepublik. Dem zu Folge ist deutlich, dass diese Gruppe von Menschen auch einen großen Anteil von Patienten im Krankenhaus bildet. Im Folgenden wird die Zielgruppe türkischer Muslime vorgestellt.
1950 lebten in der BRD 500.000 Migranten. In den 60er Jahren gab es einen erhöhten Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften, so dass Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen im Auftrag der deutschen Regierung nach Deutschland kamen. 1961 wurde, nach Italien, Spanien und Griechenland auch mit der Türkei ein Abkommen vereinbart. Angedacht war eigentlich ein begrenzter Aufenthalt der Gastarbeiter, heute leben viele dieser Migranten aber schon in der dritten oder vierten Generation in Deutschland.
Allerdings bestimmt dieser Teil der türkischen Migranten nicht das Gesamtbild. Viele der heutigen in 5 . Andere türkische Deutschland lebenden Türkinnen sind ihrem Mann oder ihren Eltern nachgezogen Migranten die mit interkultureller Kommunikation im Krankenhaus konfrontiert werden sind Touristen, die ihre Verwandten in Deutschland besuchen wollen, oder Asylbewerber. 6
3 Religionswissenschaftlicher Informations- und Mediendienst (2006). Muslime mit Deutschen Pass: 1.000.000. Deutschstämmige Muslime: ca. 15.000. http://www.remid.de/remid_info_zahlen.htm (28.05.2008, 10.09 Uhr)
4 Statistisches Bundesamt Deutschland (2007)
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/Auslaen
discheBevoelkerung/Tabellen/Content50/TOP10,templateId=renderPrint.psml (21.05.2008, 13.20 Uhr).
5 Vgl. Link, Karola (1998): Interkulturelle Kommunikation im Krankenhaus, Maßnahmen der
Familienzusammenführungen von 1973, im Zusammenhang der Anwerbung von Gastarbeitern. S.42.
6 Vgl. Grottian, Giselind (1991): Gesundheit und Krankheit in der Migration, S. 86, 100, 119.
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Die meisten türkischen Migranten stammen ursprünglich aus ländlichen Gebieten. Oft haben diese Menschen auch schon eine Binnenmigration erlebt, bevor sie von der Türkei nach Deutschland übersiedelten.
Besonders für Frauen ist der Wechsel des Heimatlandes problematisch. In der Regel kümmerten sich diese in der Heimat eher um den Haushalt und um die Familie. Kommen diese Frauen nun nach Deutschland beginnen sie zu arbeiten, und kümmern sich ebenfalls um die häuslichen Pflichten. Auch die in der Türkei verwurzelte Tradition dass die Schwiegertochter zur Familie des Mannes zieht und die Mutter entlastet, entfällt oft in Deutschland, da der Sohn meist einen eigenen Haushalt gründet 7 . Häufig arbeiten die Migranten aufgrund der mangelhaften Kenntnis der deutschen Sprache als Hilfsarbeiter und sind somit durch die steigende Arbeitslosigkeit betroffen. Aus diesem Grund fürchten viele der Migranten, ihren Arbeitsplatz durch Krankheit zu verlieren und meiden deshalb Krankschreibungen und Krankenhausaufenthalte. Allerdings sind türkische Migranten tatsächlich öfter von Krankheiten oder gar Unfällen betroffenen als andere Bevölkerungsgruppen, da sie häufig unter schlechteren Bedingungen wohnen oder arbeiten 8 .
Islam bedeutet „Ergebung in den Willen Gottes“. Dies muss beachtet werden, wenn türkische Patienten mit islamischem Hintergrund im Krankenhaus betreut werden. Dieser Satz sagt aus, dass Allah das Schicksal der Menschen lenkt und für dieses verantwortlich ist. Weiterhin ist der Islam nicht nur ein Glaube. Er gibt den Gläubigen auch bestimmte Verhaltensregeln auf und prägt so ihre Art zu leben. Jeder gläubige Muslim richtet sich nach den fünf Pflichten des Islams: Das Glaubensbekenntnis, das Pflichtgebet, das Fasten (Ramadan), die Armensteuer und die Wallfahrt nach Mekka. Besonders das Gebet und das Fasten können im Krankenhausaufenthalt zu Problemen führen. Dies wird allerdings noch in 4.2. genauer erläutert.
3. Sprachliche Schwierigkeiten in der Interaktion zwischen Klinikpersonal und Migranten
Die Problematik der Verständigung im Bezug auf die unterschiedlichen Sprachen fällt als erstes auf, wenn man an die Kommunikation zwischen Krankenhausangestellten und ausländischen Patienten denkt.
Diese wird auch von den Angestellten als bedeutendste Ursache für Kommunikationsprobleme benannt 9 .
Schon während der ersten Untersuchung im Krankenhaus ergeben sich Probleme, wenn der Patient die deutsche Sprache gar nicht oder kaum spricht und somit nicht schildern kann, was genau seine Symptome sind. Hier kann dann oft nur durch Körpersprache oder Einfühlungsvermögen der Angestellten gemutmaßt werden, was dem Patienten fehlt.
Weiterhin gibt es oft Verständigungsschwierigkeiten in Bezug auf kleine Missverständnisse in der Sprache.
7 Vgl. Becker, Silke (2006): Muslimische Patienten - Ein Leitfade zur interkulturellen Verständigung in Krankenhaus und Praxis, S. 11.
8 Vgl. Becker: Muslimische Patienten, S. 11/12.
9 Vgl. Dreißig: Interkulturelle Kommunikation im Krankenhaus, S. 114.
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Arbeit zitieren:
Britta Binnewies, 2008, Interkulturelle Kommunikation im Krankenhaus am Beispiel muslimischer Patienten, München, GRIN Verlag GmbH
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