Inhaltsverzeichnis:
A. Übersicht der Arbeit 3
B. Eine Untersuchung der Konjunktion weil mit Verbletzt- und
Verbzweitstellung unter besonderer Betrachtung ihrer Semantik 4
1. Einführung 4
2. Forschungsmeinungen zu Konstruktionen, die beide weil -
Varianten erlauben 5
a) Gaumanns These der semantischen Gleichwertigkeit 5
b) Kellers Position und ihre Schwächen 6
c) Uhmanns „Semantische Hypothese“ 7
3. Verschiedene Regeln für die weil - Verwendung 8
a) Günthners Ansätze 8
b) Die drei Restriktionen Küpers 9
c) Uhmanns „Pragmatische Hypothese“ 10
4. Konstruktionen, bei denen nur eine weil 2 - Verwendung möglich ist 11
a) weil 2 bei reduktiven Schlüssen 11
b) Andere Konstruktionen mit weil 2 12
C. Abschließende Betrachtungen 13
Literaturverzeichnis S. 14
2
A. Übersicht der Arbeit
Meine Arbeit setzt sich mit der Konjunktion weil mit Verbzweit- und Verbletztstellung auseinander. Der Hauptuntersuchungsgegenstand wird dabei die Semantik sein, aber es werden auch andere Teilgebiete der Linguistik zur Sprache kommen. Es soll vorwiegend auf die verschiedenen Forschungsmeinungen eingegangen werden und so ein Überblick über die unterschiedlichen Ansichten gegeben werden. Die Arbeit ist in vier große Abschnitte gegliedert. Der erste Teil soll zum Thema hinführen und einige Begriffe aufzeigen, die in der behandelten Literatur vorkommen. Dabei wird vor allem auf die Bezeichnungen faktisches weil und epistemisches weil eingegangen werden. Es werden auch bereits die ersten Thesen zur Semantik vorgestellt.
Im zweiten Teil werden zunächst die Konstruktionen untersucht, bei denen die Verwendung beider weil - Varianten möglich ist. An Hand eines Satzpaares als Beispiel wird zunächst die Forschungsmeinung aufgezeigt, die bei einem solchen Fall von einer semantischen Gleichwertigkeit ausgeht. Ein Vertreter dieser Ansicht ist Gaumann, die Gegenposition ist durch Keller vertreten. Ein Ausgleich dieser kontroversen Positionen könnte sich durch Uhmanns „Semantische Hypothese“ ergeben, die ebenfalls kurz vorgestellt werden soll. 1
Der dritte Abschnitt meines Aufsatzes beschäftigt sich dann mit den verschiedenen Regeln zur weil - Verwendung. Während Keller den weil - Gebrauch mit nur einem Satz beschreibt, haben Günthner und Küper versucht, mit mehreren Regeln den Gebrauch von weil mit Verbletzstellung und weil mit Verbzweitstellung voneinander abzugrenzen. 2 Auch Uhmann hat sich zu dieser Thematik geäußert und eine „Pragmatische Hypothese“ aufgestellt.
Im letzten Teil der Arbeit werden dann die Fälle untersucht, die nur die Verwendung von weil mit Verbzweitstellung ermöglichen. Besonders interessant sind hierzu die sogenannten reduktiven Schlüsse, mit denen sich unter anderem Uhmann beschäftigt. Auch andere Beispiele, wie sie vor allem Keller vorstellt, werden noch behandelt werden.
Am Ende meiner Arbeit werden noch abschließende Betrachtungen stehen. Es soll auch ein Ausblick auf andere interessante Themenkomplexe zu der Thematik „weil mit Verbzweitstellung“ gegeben werden.
1 Gaumann (1983), Keller (1993) und Uhmann (1998).
2 Günthner (1993) und Küper (1991).
3
B. Eine Untersuchung der Konjunktion weil mit Verbletzt- und Verbzweitstellung unter besonderer Betrachtung ihrer Semantik
1. Einführung
Während der fortschreitenden Verbreitung der Konjunktion weil mit Verbzweitstellung (im Folgenden bezeichnet als weil 2 ) zunächst vor allem mit Vorurteilen und Ablehnung begegnet worden ist, haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten viele Sprachwissenschaftler mit dieser Erscheinung beschäftigt. Es wurde gezeigt, dass dieses Phänomen zwar noch meist auf den mündlichen Sprachgebrauch beschränkt ist, jedoch nicht von der geographischen Lage und dem sozialen Standard des Sprechers abhängig ist. 3
Nach der Erkenntnis der syntaktischen Veränderungen bei der Verwendung von weil, hat man sich auch verstärkt mit den semantischen Abweichungen der weil 2 - Sätze beschäftigt, denn neuere Grammatiken haben längst erkannt, dass auch der inhaltliche Aspekt bei Kausalkonstruktionen eine große Rolle spielt. So formuliert etwa die Duden-Grammatik von 1966: „Der Inhalt des einen Satzes begründet den Inhalt des anderen.“ 4 Wenn also die Verwendung eines Kausalsatzes in starkem Maße von dem Inhalt des Satzes abhängt, dann erscheint es angebracht, die neuen grammatischen Konstruktionen die im Zusammenhang mit der Konjunktion weil stehen, auch auf ihre semantischen Unterschiede hin zu untersuchen.
Aber gerade die semantische Betrachtung von weil 1 und weil 2 hat zu unterschiedlichen Ansichten in der Forschung geführt und so ist über die Frage, ob sich bei der Verwendung von weil 2 ein Bedeutungsunterschied zu der Verwendung von weil 1 ergibt, kontrovers diskutiert worden. Beide Forschungsmeinungen sollen im Folgenden aufgezeigt werden.
Bei der Analyse der weil - Konstruktionen soll also das besondere Augenmerk auf der semantischen Bedeutung von weil 2 liegen. Es ist allerdings unvermeidbar, dass syntaktische und pragmatische Überlegungen ebenfalls eine Rolle spielen, denn wie auch Küper betont, kann „eine adäquate Behandlung der Kausalverknüpfer in einer Sprachtheorie [...] nicht innerhalb nur einer Komponente [...] erfolgen.“ (Küper 1984: 15).
Zu Anfang sollen noch ein paar Begriffe und Definitionen vorgestellt werden, die von den im Literaturverzeichnis aufgeführten Sprachwissenschaftlern verwendet werden.
3 u.a. in Wegener (1993) S. 289 f und Günthner (1993), S. 39 f.
4 Der große Duden (1966) S. 550.
4
Die Bezeichnung für die verschiedenen weil - Formen differenzieren von Aufsatz zu Aufsatz, weshalb ich sie neutral als weil 1 (für das weil mit Verbletztstellung) und weil 2 (für das weil mit Verbzweitstellung) bezeichnen möchte. Oftmals finden sich die Bezeichnungen faktisches weil (für weil 1 ) und epistemisches weil (für weil 2 ). 5 Für Keller bezeichnet das faktische weil „etwas Konkretes [und] unmittelbar Wahrnehmbares“ von dem auf das epistemische weil als „etwas im Vergleich dazu Abstrakteres und nicht unmittelbar Wahrnehmbares“ geschlossen werden kann (Keller 1993: 227). Laut Wegener nimmt weil 1 Bezug auf die reale Welt, während weil 2 sich auf den Sprechakt selbst bezieht (Wegener 1993: 295). Dieser Ansatz findet sich auch bei Gaumann. Sie verwendet zwar nicht die Bezeichnungen faktisch und epistemisch, geht aber ebenfalls davon aus, dass weil 2 die Begründung für die Sprechhandlung selbst angibt (Gaumann 1983: 113). Das heißt, weil 2 erklärt, warum der Sprecher eine Aussage tätigt oder nicht. So beantwortet der faktische weil - Satz für Keller normalerweise die Frage „Warum ist das so?“, die epistemische weil - Verwendung gibt dagegen die Antwort auf die Frage „Woher weißt du das?“ (Keller 1993: 227). Keller geht mit seinen Thesen sogar noch weiter und bezeichnet weil 2 als einen „metaphorischer Ausdruck“. Seiner Meinung nach durchläuft weil 2 einen „Metaphorisierungsprozess“ bei dem eine Übertragung von Äußerem auf Inneres stattfindet (Keller 1993: 220). Deutlich gegen diesen Ansatz wendet sich Willems, der Keller eine sachfremde Definition des Begriffs Metapher vorwirft, da das Gegensatzpaar Inneres - Äußeres zwar eine Merkmal der Metapher sein kann, jedoch kein „definitorische[r] Zug“ (Willems 1994: 264).
2. Forschungsmeinungen zu Konstruktionen, die beide weil - Varianten erlauben Bei der Betrachtung von weil - Sätzen stößt man auf Konstruktionen, bei denen beide Fälle der weil - Verwendung möglich sind. Zur Untersuchung eines solchen Falles soll das folgende Minimalpaar dienen: 6
(1) Er ist nach Hause gegangen, weil er Kopfweh hatte. (2) Er ist nach Hause gegangen, weil er hatte Kopfweh.
a) Gaumanns These der semantischen Gleichwertigkeit
Gaumann kommt in ihrer Arbeit zu dem Schluss, dass in einem solchen Fall keine Bedeutungsunterschiede vorliegen. Die Varianten seien „funktionale Varianten“ und würden damit „in unterschiedlichen textuellen und situativen Kontexten eingesetzt“, sie
5 So u.a. bei Keller (1993), Wegener (1993), Günthner (1993).
6 Übernommen aus: Keller (1993) S. 221.
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Arbeit zitieren:
Kerstin Schwenke, 2004, Eine semantische Untersuchung der Konjunktion 'weil' mit Verbletzt- und Verbzweitstellung, München, GRIN Verlag GmbH
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