Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Spracherwerbsforschung 3
3 Phasen des Erstspracherwerbs 6
3.1 Entwicklung der Lauterzeugung 6
3.2 Grammatische Entwicklung 8
4 Erklärungsansätze zum Erstspracherwerbs nach Chomsky 11
4.1 Das Language-Acquisition-Device-Modell 12
4.2 Das Prinzipien- und Parametermodell 14
5 Fazit 16
6 Literaturverzeichnis 18
7 Onlinequellen 19
2
1 Einleitung
Jeder Säugling wird in eine Gesellschaft hineingeboren, in der hauptsächlich mit Hilfe des Mediums Sprache kommuniziert wird. Kaum geboren, schon wird es von allen Seiten angesprochen.
Sprache wird hier verstanden als „Kommunikationsmittel des Menschen, gekennzeichnet durch die Verwendung arbiträrer (willkürlicher) gesprochener oder geschriebener Symbole mit festgelegter Bedeutung.“ 1 Durch Sprache erschließen wir uns die Welt. Wie aber ist es möglich, dass ein Kind scheinbar spielend leicht seine Muttersprache erwirbt, wo doch auch mancher Erwachsene immer wieder Neues und Unbekanntes in seiner Sprache entdeckt.
Wie also erwirbt das Kind seine Erstsprache? Passiv durch Imitation oder aktiv durch Beobachten seiner Umwelt?
Über die Art und Weise, in der sich Spracherwerb vollzieht, gibt es viele Theorien.
In dieser Arbeit möchte ich mich näher mit dem Behaviorismus und dem Nativismus beschäftigen und auf die Grundlagen dieser Theorien eingehen.
2 Die Spracherwerbsforschung
Seit jeher haben Menschen großes Interesse daran, wie Sprachfähigkeit entsteht und welche Sprache die “Ursprache” ist.
Um diese Ursprache zu entdecken, hat bereits im siebten Jahrhundert vor Christus der ägyptische König Psammetich I. ein Isolationsexperiment durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden „ welche die älteste Sprache der Welt sei“ 2 . Hierfür überließ der König, laut Herodot, einem Schafhirten zwei Neugeborene, die dieser unter seiner Herde großzog. Der Hirte sollte mit den Kindern nicht kommunizieren, sondern ihnen lediglich zu bestimmten Zeiten Milch seiner Ziegen geben. 3 . „ So handelte und befahl Psammetich, weil er, sobald die Kinder über das bedeutungslose Wimmern hinaus waren, zu hören
1 http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761570647/Sprache.html, letzter Zugriff 27.08.2008
2 Klann- Delius, Gisela. Spracherwerb, Verlag J.B. Metzler Stuttgart; Weimar, 1999, S. 7
3 Vgl. Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New
York, 1995, S.228
3
wünschte, in welcher Sprache sie zuerst sprechen würden“ 4 . Die erste Äußerung, die die Kinder machten und die der Schafhirte als Wort identifizierte, war das Wort becos. „Und als Psammetich dies ebenfalls gehört hatte, erkundigte er sich, welches Volk irgendetwas becos nannte; und so fand er heraus, dass die Phryger Brot bei diesem Namen nennen 5 . Daraus schloss Psammetich, dass das Volk der Phryger älter sei, als das der Ägypter, doch „Psammetichs Schlussfolgerung war falsch, da wir heute wissen, dass Phrygisch nur eine von mehreren Sprachen war, die sich in jener Epoche entwickelt hatten 6 .
Ein anderes Experiment dieser Art führte Friedrich II von Hohenstaufen, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (1194- 1250), durch. „Überliefert ist der Versuch, Kinder von jeder Sprachvermittlung durch die Außenwelt abzuschneiden, um herauszufinden, ob sie beginnen würden, die nach der Bibel menschliche Ursprache, das Hebräische, oder eine andere Sprache zu sprechen“ 7 . Da aber niemand mit den Kindern sprach und die Kinder offensichtlich „nicht leben [konnten] ohne Händeklatschen und Gebärden und fröhliche Mienen und Schmeicheleien“ 8 erfuhr der Kaiser nicht, welche die Ursprache ist, denn die Kinder starben, bevor sie sprechen konnten 9 . Der indische Großmogul Akbar der Große (1542- 1605) war nicht auf der Suche nach der Ursprache, sondern vertrat die These, „[…]dass Sprache sich durch Kontakt mit anderen Menschen entwickele. Diese Annahme suchte er ebenfalls durch ein Isolationsexperiment zu belegen 10 . Er ließ Neugeborene in einem abgeschiedenen Serail, wo sie von stummen Ammen betreut wurden. Als Akbar der Große das Haus einmal besuchte, war kein Laut von den mittlerweile vierjährigen Kindern zu hören 11 . Schon im vierzehnten Jahrhundert verfolgte dieser Herrscher eine für die damalige Zeit sehr
4 Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.228 5 ebd.
6 ebd.
7 http://www.geocities.com/tillbergner/FII.html, letzter Zugriff 11.07.2008 8 Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.228 9 Vgl. http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/5c3c9c98- bc25-4970-bc00-84ddb8c2a2a7.aspx, letzter Zugriff 10.07.2008 10 Klann- Delius, Gisela. Spracherwerb, Verlag J.B. Metzler Stuttgart; Weimar, 1999, S. 9 11 Vgl. Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.228
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moderne Auffassung. Denn er war nicht auf der Suche nach einer Ursprache, sondern eher nach der Ursache des Sprachelernens bei Kindern. Nach diesen eher grausamen Experimenten begannen in der Mitte des 19.Jahrhunderts die Periode der so genannten diary studies 12 . „Zu den Wissenschaftlern, die sich […] dieser Methode bedienten, gehörten August Schleicher und Charles Darwin.“ 13 Doch lag zu dieser Zeit der Forschungsschwerpunkt auf der Sprachursprungsfrage und weniger der Betrachtung des Spracherwerbs als eigener Forschungsschwerpunkt 14 . Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Tradition der Tagebuchaufzeichnungen durch die, sich vor allem in Amerika durchsetzenden, large sample studies. In diesen Studien mit großen Gruppen von Kindern wird nur beobachtbares Verhalten erfasst, während „ innere Kräfte oder Prozesse als nicht messbare Größen [ausgeklammert
werden] 15 . In dieser Phase der Spracherwerbsforschung lag nun das Augenmerk darauf, den durchschnittlichen, normalen Verlauf des Erstspracherwerbs zu erfassen 16 . Dies wurde vor allem auch durch die technischen Möglichkeiten der Tonaufzeichnung ermöglicht. 17 In der bis heute andauernden Phase des Spracherwerbs, in der vor allem in Längsschnittstudien mit den selben Kindern über einen längeren Zeitraum geforscht wird, liegt das Hauptinteresse der Forscher darin, „die frühe kindliche Grammatik zu erfassen und zu erklären.“ 18
12 Vgl. Klann- Delius, Gisela. Spracherwerb, Verlag J.B. Metzler Stuttgart; Weimar, 1999, S. 10 13 Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.228 14 Vgl. Klann- Delius, Gisela. Spracherwerb, Verlag J.B. Metzler Stuttgart; Weimar, 1999, S. 11 15 Klann- Delius, Gisela. Spracherwerb, Verlag J.B. Metzler Stuttgart; Weimar, 1999, S. 13 16 Vgl. ebd.
17 Vgl. Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.228 18 Klann- Delius, Gisela. Spracherwerb, Verlag J.B. Metzler Stuttgart; Weimar, 1999, S. 14
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3 Phasen des Erstspracherwerbs
„Die Aneignung einer Sprache ist Teil der menschlichen Ontogenese. Die entscheidenden Spracherwerbsprozesse (beim monolingualen Erstspracherwerb) vollziehen sich im Vorschulalter, also in den ersten fünf bis sechs Lebensjahren.“ 19 Für die meisten Eltern ist der Moment, indem ihr Kind mit etwa 12 Monaten sein erstes Wort spricht, der Zeitpunkt, wo es anfängt Sprechen zu lernen. Doch beginnt dieses Sprechenlernen schon viel eher.
3.1 Entwicklung der Lauterzeugung
Laute kann das Ungeborene bereits drei Monate vor seiner Geburt wahrnehmen und unterscheiden, doch selbst erzeugt es Laute erst nach seiner Geburt. 20 In den ersten Lebenswochen (etwa bis zur achten Lebenswoche) beziehen sich die lautlichen Äußerungen des Kindes vor allem auf sein körperliches Befinden 21 . Diese meist körperlichen Bedürfnisse, wie Hunger, Schmerz oder Unbehagen, führen zu reflexiven Geräuschen. Wohingegen die Atmung, Nahrungsaufnahme und andere physische Vorgänge vegetative Geräusche verursachen 22 . Reflexive Geräusche machen sich durch einen Schrei bemerkbar. „Ein normaler Schrei besteht aus einer Reihe von einsekündigen Lautausstößen, die von kurzen Pausen unterbrochen werden. 23 Diese Schreie weisen ab der zweiten Lebenswoche ein differenziertes Klangmuster auf, das unterschiedliche affektive Zustände des Kindes anzeigt 24 . Die ersten Lautäußerungen haben zwar noch keine sprachspezifischen Merkmale, dennoch bilden sie „grundlegende Eigenschaften der späteren Sprache.“ 25 Denn der „Luftstrommechanismus
19 Schwarz, Monika. Einführung in die Kognitive Linguistik, A. Francke Verlag Tübingen und Basel, 2.Auflage, 1996, S. 106 20 Butzkamm, Wolfgang; Butzkamm, Jürgen. Wie Kinder sprechen lernen. Kindliche Entwicklung und die Sprachlichkeit des Menschen, A. Francke Verlag Tübingen und Basel, 2. Auflage, 2004, S. 5
21
Vgl. Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.236 22 ebd.
23 Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.236 24 Vgl. Klann- Delius, Gisela. Spracherwerb, Verlag J.B. Metzler Stuttgart; Weimar, 1999, S. 22 25 Crystal, David. Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache, Campus Verlag Frankfurt/Main; New York, 1995, S.236
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Josephin Reichert, 2008, Erstspracherwerbstheorien nach Noam Chomsky, Munich, GRIN Publishing GmbH
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