Inhalt
1. Wortdefinition
2. Epochenbegriff der Aufklärung
2.1 Geschichtliche Grundlagen
2.2 Kulturelle und Gesellschaftliche Voraussetzungen
2.3 Ausbreitung der Aufklärung
3. Auswirkung der Aufklärung
3.1 Philosophie
3.2 Wissenschaft
3.3 Religion
3.4 Kunst und Literatur
3.5 Politik Recht und Wirtschaft
4. Die Problematik der Aufklärung
5. Literaturverzeichnis
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1. Wortdefinition
Um herauszufinden, was das Wort „Aufklärung“ bedeutet, kann man prüfen, wie das Verb „aufklä- ren“ bzw. das Substantiv „Aufklärung“ in der deutschen Sprache verwendet werden: So führt z.B. ein Pilot einen Aufklärungsflug durch, um unbekanntes Terrain zu erkunden, ein Kriminalkommis- sar klärt ein Verbrechen auf oder ein Irrtum wird aufgeklärt. Das Gemeinsame an diesen Beispie- len ist, dass „Licht ins Dunkel“ gebracht wird. Das heißt Unbekanntes wird bekannt, Unwissen durch Wissen ersetzt oder die Wahrheit wird aufgedeckt.
Daraus lässt sich schließen, dass Aufklärung nicht nur ein Epochenbegriff ist, sondern allgemein den Zuwachs an Wissen und Erkenntnis bezeichnet.
2. Epochenbegriff der Aufklärung
Die Aufklärung ist eine gesamteuropäische Bewegung, sie ging in Deutschland von 1720 bis 1785, also wurde sie vom Barock und der Klassik umrahmt. Diese Epoche wird Aufklärung genannt, weil hier zum ersten Mal das Ziel der Verbreitung von Wissen und Erkenntnis in den Vordergrund ge- stellt wurde. Auch in der Renaissance (16. Jahrhundert) traten schon einmal aufklärerische Ansät- ze auf.
2.1. Geschichtliche Grundlagen
Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) lasteten lange auf Deutschland, das zu jener Zeit in viele Fürstentümer zersplittert war. Das größte Land in Deutschland war Preußen, dem es unter der Führung von Friedrich dem Großen (1740 – 1786) gelang, zu einer Führungsmacht in Europa aufzusteigen, da Frankreich durch Erbstreitigkeiten geschwächt war. Zur gleichen Zeit begann in den englischen Überseekolonien ein Unabhängigkeitskampf gegen England und am 4. Juli 1776 erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika, der erste demokrati- sche Bundesstaat der Geschichte, die Unabhängigkeit gegenüber der britischen Krone (Declarati- on of Independence). Im Jahr 1789 folgte die Verfassung der USA.
2.2. Kulturelle und gesellschaftliche Voraussetzungen
Ausschlaggebend für die Aufklärung waren viele kulturelle Veränderungen. Durch das aufstreben- de Bürgertum und die damit einhergehende Pressefreiheit war es den Bürgern ermöglicht, Ände- rungsforderungen in Politik und Gesellschaft, Religion und Wissenschaft, Kunst und Literatur sowie der Wirtschaft zu stellen. In der Zeit vor der Aufklärung war das politische System in Europa von dem Absolutismus beherrscht und die Gesellschaft war in drei Stände unterteilt (siehe 3.5., Seite:
5) Die religiösen Überzeugungen der Menschen waren stark von Aberglaube und Furcht vor dem Teufel geprägt. Die Wissenschaft wurde sehr von der Kirche beeinflusst und zum Teil sogar kon- trolliert. Die Kunst konnte nicht frei stattfinden, da die Künstler von ihren Geldgebern, meistens dem Adel, abhängig waren.
2.3. Ausbreitung der Aufklärung
Die geistige Bewegung der Aufklärung entstand Ende des 17. Jahrhunderts zunächst in England und Frankreich. In England war sie das Ergebnis einer langen politischen und geistigen Auseinan- dersetzung (Locke, Hume und Bacon).
In Frankreich entwickelte sich die Aufklärung deutlich aggressiver. So wurde weniger diskutiert, da- für wurden aber umso mehr Forderungen nach Veränderung gestellt. Montesquieu forderte die Einführung eines konstitutionellen Staates. Publizistisch wirkungsvoll verbreitet wurden die aufklä-
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rerischen Gedanken durch Voltaire. Ihren Höhepunkt fand die Aufklärung in Frankreich mit der französischen Revolution 1789.
London und Paris waren die Zentren der Aufklärung, dort trafen sich die Bürger zu Diskussions- und Leserunden, den sogenannten „Lesekreisen“.
In dem „Flickenteppich“ Deutschland verbreitete sich die Aufklärung nur schleppend, da es keine zentrale kulturelle Metropole wie London oder Paris gab. Aus diesem Grund waren die Aufklärer auf andere Wege der Verbreitung ihres Gedankenguts angewiesen. So wurden ganz besonders in Deutschland Briefwechsel und Zeitschriften zur Kommunikation genutzt.
3. Die Auswirkungen der Aufklärung
Die Aufklärung wirkte auf viele Bereiche des kulturellen Lebens radikal ein.
3.1. Philosophie
Die Philosophie ist die Mutter der Aufklärung. Der Rationalismus des 17. Jahrhunderts von Philosophen wie René Descartes oder Gottfried Wilhelm Leibniz legt entscheidende Grundlagen für die Aufklärung, genauso wie der englische Empirismus eines Thomas Hobbes, John Locke, George Berkeley oder David Hume. Während der Rationalismus nur die Vernunft als einziges Erkenntnisprinzip gelten lässt, setzt der Empirismus die sinnliche Erfahrung dagegen. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant überwindet in seinem Hauptwerk Kritik der reinen Vernunft diesen Gegensatz und vollendet damit die philosophische Aufklärung.
Kant ist es auch, der in seinem berühmt gewordenen Aufsatz Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? aus dem Jahr 1784 die gültige Definition des philosophischen Aufklärungsbegriffs im Allgemeinen wie der Epoche formuliert:
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstan- des zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ Ein zentraler Begriff der Aufklärungsphilosophie ist der Begriff der Humanität. Humanität bedeutet, dass der Mensch, indem er dem oben genannten Wahlspruch folgt, sein Denken und Handeln immer stärker von allgemeinen Gesetzen der Vernunft statt von zufälligen und willkürlichen Gefühls- und Triebregungen bestimmen lässt, so dass er sich aus Einsicht und in freier Selbstbestimmung einordnen kann in die vernünftigen Gesetze des Universums. Darin liegt seine Menschenwürde, die ihn vor allen anderen Geschöpfen auszeichnet und ihm unveräußerliche Menschenrechte verleiht.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Aufklärungsphilosophie ist Jean Jacques Rousseau's Idee des Gesellschaftsvertrags und der daraus folgenden Volkssouveränität als Fundament aller staatlichen Herrschaft, womit dem absolutistischen Gottesgnadentum jede Grundlage entzogen wird.
3.2. Wissenschaft
Die Aufklärung brachte große Erfolge im Bereich der Naturwissenschaft und Technik. Francis Ba- con führte die experimentelle Methode in die Naturwissenschaft ein und beförderte mit seinem Grundsatz „Wissen ist Macht“ die Entwicklung der technischen Naturbeherrschung. Isaac Newtons physikalische Mechanik lieferte eine zusammenhängende rationale Erklärung der Naturerschei- nungen. Aus dieser Grundlage entstanden wichtige technische Erfindungen, wie der Blitzableiter von Benjamin Franklin oder die Dampfmaschine von James Watt.
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Der Chemiker Antoine Lavoisier analysierte die Zusammensetzung von Wasser und Luft.
3.3. Religion
Für das Christentum wurde durch die Aufklärung ein starker, bis in die Gegenwart andauernder Umwandlungsprozess eingeleitet. Dieser begann damit, dass man die Bibel nicht mehr als Offen- barung Gottes, sondern als ein historisches Dokument, welches von Menschen geschrieben wur- de, betrachtete. Dadurch wurde die Bibel kritisch in Frage gestellt. Ebenfalls entwickelte sich der Toleranzgedanke, welcher das Judentum und den Islam mit dem Christentum gleichstellt. Der Deismus ist eine in England entstandene Richtung rationaler Theologie, die die Meinung ver- tritt, Gott habe zwar den Schöpfungsakt vollzogen, greife aber ansonsten nicht mehr in die Welt ein, deren Lauf stattdessen durch die menschliche Vernunft geregelt werde.
3.4. Kunst und Literatur
Freiheit und Autonomie wurden auch für die Kunst und die Literatur gefordert. Sie sollte weder im Dienst eines Fürsten, zur Unterhaltung der Hofgesellschaft, noch in dem der Kirche stehen. Außer- dem wendete sich die Kunst bzw. Literatur nicht mehr nur an einen bestimmten Stand oder eine begrenzte Gemeinde, sondern prinzipiell an alle Menschen. Ebenfalls distanzierte sich die Kunst immer mehr von alten Normen und Regeln, z.B. brachte Klopstock als erster eigene Empfindungen und Gefühle in seine Erzählungen und Gedichte ein. Allerdings konnten um 1800 in Deutschland erst 25% der Bevölkerung, zumeist wohlhabende Bürger, lesen und schreiben, eine Zahl, die je- doch durch die damals eingeführte Schulpflicht stetig anstieg. Der bedeutendste deutsche Dichter der Aufklärung ist Gotthold Ephraim Lessing, der in seinem Drama Nathan der Weise die Idee der religiösen Toleranz propagierte.
3.5. Politik, Recht und Wirtschaft
Das politische Ziel der Aufklärung war es, Mittel- und Westeuropa von dem damals herrschenden Absolutismus zu befreien.
Der Absolutismus ist eine Regierungsform, bei der der Herrscher seine Macht uneingeschränkt ausüben kann; dies bedeutet, dass es keine kontrollierenden oder an Regierungsentscheidungen beteiligte Organe gibt, wie z.B. eine Volksvertretung. Beim Absolutismus geht man davon aus, dass der Herrscher von Gott zu seinem Amt berufen wurde und auch nur von Gott wieder ent- machtet werden kann, das heißt durch den Tod. Die Thronfolge wird, wie schon bei den Römern, durch Vererbung geregelt.
Dieser absolute Herrscher stand an der Spitze einer in drei Stände aufgeteilten Gesellschaft. Der Stand der Kleriker (Geistlichkeit) und der Adelsstand waren gleichgestellt. Die Kleriker waren nicht etwa arme Leute, sondern im Besitz großer Landstriche. Außerdem war es ihnen freigestellt, Steuern abzugeben. Die Adeligen waren ebenfalls von der Steuer befreit und durften zudem nicht arbeiten. Sie finanzierten ihren luxuriösen Lebensstil über die Verpachtung ihrer Ländereien und der damit einhergehenden Gebundenheit der Bauern an ihren Herren.
Dem dritten Stand gehörte die Mehrheit der Bevölkerung an, in Frankreich waren es am Vorabend der Revolution 1789 rund 97%. Zum dritten Stand zählten sowohl wohlhabende Bürger (Bourgeoi- sie) als auch Bauern und Handwerker. Sie mussten für die höheren Stände aufkommen. Der inoffizielle vierte Stand setzte sich aus dem „Abschaum“ zusammen, z.B. Prostituierte, Bettler, Söldner und fahrende Musikanten.
Wichtige weitere Ziele waren Gleichberechtigung, jeder Mensch habe das Recht auf Leben, Frei- heit, Eigentum und Streben nach Glück, und die Einführung der Gewaltenteilung (Legislative, be- schließt Gesetze; Exekutive, führt die Gesetze aus; und Judikative, überwacht und kontrolliert die Einhaltung der Gesetze). Die Gewaltenteilung sollte eine willkürliche Herrschaft (Absolutismus)
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verhindern. Bei Wirtschaftsfragen vertraten die Aufklärer den Liberalismus, der verlangt, dass sich der Staat je- der Einmischung in die Wirtschaft enthalte, da sie auf den gesunden Menschenverstand vertrau- ten. „Das Grundgesetz der Wirtschaft ist das freie Spiel der Kräfte auf dem Markt.“ (A. Smith).
4. Die Problematik der Aufklärung
Zunächst war die Aufklärung ein gewaltiger Fortschritt in der Befreiung von den Fesseln des Feu- dalismus und irrationalen Aberglaubens. Heute jedoch haben wir gemerkt, dass die Aufklärung, wenn sie allzu einseitig nur die Vernunft und das Rationale gelten lässt, auch große Gefahren in sich birgt. Das kann man z.B. an der Zerstörung der Natur, der Möglichkeit der Manipulation durch die Gentechnik und vielen anderen Erscheinungen der modernen Welt sehen.
Am Ende des Aufklärungszeitalters hat das schon der spanische Maler Francisco Goya erkannt und in seiner Radierung Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer (1797/98) dargestellt:
Günter Grass kommentiert das Bild mit folgenden Worten:
„Man kann [...] auch sagen , dass die schlafende oder träumenden Vernunft eine andere Gefahr in sich birgt: dass sie sich absolut setzt. Das Bekenntnis zur Vernunft [darf] nicht erstarren zur Gläu- bigkeit der Vernunft gegenüber. Der Prozess der europäischen Aufklärung hat von den Anfängen her viel mehr Offenheit bewiesen. Bei Montaigne ist das Irrationale, das auch zum Menschen ge- hört, noch einbezogen in den Vernunftbegriff, und dann setzte sich die Aufklärung absolut, schied alles das aus, diffamierte es als irrational, setzte es frei - nur so wurde es dann auch als Gegen- kraft, als Ungeheuer politisch wirksam, weil nicht mehr eingebunden. Die Vernunft verabsolutierte sich zum Machbaren, zu einem platten Fortschrittsbegriff. [...] Vielleicht sollen wir heute begreifen, dass die Ergebnisse der Vernunft einer ständigen Revision bedürfen."
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5. Literaturverzeichnis
Biermann / Schurf (Hg.): Themen, Texte und Strukturen. Deutschbuch für die Oberstufe,
Berlin: Cornelsen Verlag, 1999, S. 206-232
Gigl, Klaus J.: Deutsche Literaturgeschichte, Freising: Stark Verlag, 1993, S. 55-68
Grabert / Mulot / Nürnberger: Geschichte der deutschen Literatur, München: Bayrischer
Schulbuch Verlag, 1978, S. 83-95
Grass, Günter: Essays, Reden, Briefe, Kommentare. Werkausgabe in 10 Bänden, hg.
von V. Neuhaus, Darmstadt: Luchterhand Verlag, 1987, S. 886 f.
Hoffmann / Rösch: Grundlagen, Stile, Gestalten der deutschen Literatur, Berlin: Cornel-
sen Verlag, 1994, S. 87-122
Oelmüller, Willi: Aufklärung, in: Handbuch philosophischer Grundbegriffe Bd. 1, Mün-
chen: Kösel Verlag, 1973, S. 141-154
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Arbeit zitieren:
Joshua Leßmann, 2008, Die Aufklärung, München, GRIN Verlag GmbH
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