Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 3
Hauptteil 4
1. Allgemeiner Teil 4
1.1. Das „Leitmotiv“ 4
1.1.1. Das „Leitmotiv“ in der Musikwissenschaft 4
1.1.2. Das „Leitmotiv“ in der Literaturwissenschaft. 4
1.1.3. Die Funktion der Leitmotivtechnik bei Thomas Mann 5
2. Analyseteil 7
2.1. Die Figurenreihe der Todesboten 7
2.1.1. Der Reisende 7
2.1.2. Der „falsche Jüngling“ 7
2.1.3. Der Gondolier. 8
2.1.4. Der Straßensänger 8
2.2. Die Bedeutung der Motivkette 8
2.3. Die Funktion der Todesboten 10
2.4. Tadzio als „lieblicher Psychagog“ 11
2.5. Die Leitmotivik der Hadesstadt Venedig 12
2.6. Die Wirkung der Leitmotivtechnik auf den Leser 13
Schlussbetrachtung 14
Quellen - und Literaturverzeichnis. 15
2
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ auf die von Mann angewandte Leitmotivtechnik und die Funktion der Leitmotive im Textzusammenhang untersucht werden.
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich daher allgemein zunächst mit der Frage, wie der Begriff „Leitmotiv“ zu definieren ist und woher er stammt. Im Anschluss daran wird betrachtet, wie Thomas Mann ihn versteht und welche Funktionen er der Leitmotivtechnik in seinen Werken zuschreibt.
Der Hauptteil der Arbeit befasst sich schließlich mit der Analyse von zentralen, sich wiederholenden Motiven in „ Der Tod in Venedig“. Die Zielsetzung dieses Teils ist es, diese Motive herauszuarbeiten und sie anhand der Kriterien des ersten Teils als „Leitmotive“ zu identifizieren und zu deuten. Dabei soll besonders ihre Funktion im Textzusammenhang betrachtet werden. Zuletzt wird die Wirkung der Leitmotivtechnik auf den Leser geprüft.
3
Der Begriff „Leitmotiv“ wird als Fachterminus in der Literaturwissenschaft verwendet, stammt aber eigentlich aus der Musikwissenschaft. Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs, jedoch bezeichnet er immer ein „regelmäßig wiederkehrendes Ausdrucks- oder Bedeutungselement in literarischen oder auch musikalischen Kunstwerken“. 1
1.1.1. Das „Leitmotiv“ in der Musikwissenschaft
Die Bezeichnung „Leitmotiv“ wurde erstmals in der Musikwissenschaft verwendet, um einen „charakteristischen Melodieteil mit symbolischer Bedeutung“ 2 zu benennen, der sich an ähnlichen Stellen eines Werkes wiederholt. Als erster verwendete Richard Wagner diese wiederkehrenden Melodieteile, die er als eine „charakteristische Verbindung und Verzweigung thematischer Motive“ 3 verstand. Der Begriffsname „Leitmotiv“ stammt jedoch nicht von ihm, sondern von Jähns und Federlein, die ihn 1871 unabhängig voneinander verwendeten, um die sich wiederholenden musikalischen Motive bei Weber und Wagner und ihre Funktion im Werk zu beschreiben. 4
Musikalische Leitmotive sind in den Opern Webers oder den Musikdramen Wagners tonsymbolische Repräsentationen; sie dienen zur Charakterisierung von bestimmten Personen, Gegenständen oder Situationen 5 und verbinden so Szenen, strukturieren das Stück und verschaffen ihm so mehr Bedeutungskraft und Sinntiefe. 6
1.1.2. Das „Leitmotiv“ in der Literaturwissenschaft
Der Terminus des „Leitmotivs“ wurde aus der Musikwissenschaft in die Literaturwissenschaft entlehnt und wird in dieser
1 Christoph F. Lorenz: „Leitmotiv“. In: Harald Fricke, Georg Braungart (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. 3., neubearb. Aufl. Bd. 2. Berlin/ New York: De Gruyter 2000. S.339. Nach der ersten Nennung einer Literaturangabe eines Textes verwende ich im weiteren den unterstrichenen Teil der Literaturangabe als Kurzangabe, unter dem dieser im Literaturverzeichnis zu finden ist.
2 Gero v. Wilpert (Hg.): Sachwörterbuch der Literatur. 7., verb. und erw. Aufl. Stuttgart: Kröner1989. S.507.
3 Richard Wagner: Gesammelte Schriften und Dichtungen. 4. Aufl. Bd.4. Leipzig 1907. S.322.
4 Vgl.: Reallexikon, S.399.
5 Vgl.: Otto F. Best (Hg.): Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch 1994.
6 Vgl.: Paul Gerhardt Klussmann: Die Struktur des Leitmotivs in Thomas Manns Erzählprosa. In: Rudolf Wolff (Hg.): Thomas Mann - Erzählungen und Novellen. Sammlung und Profile. Bd. 8. Bonn: Bouvier 1984. S.9.
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Es gibt also verschiedene literaturwissenschaftliche Definitionen, die sich auf jeweils unterschiedliche Phänomene beziehen, deren Gemeinsamkeit die Erzähltechnik der Wiederholung ist. Zwei Definitionen sollen hier näher betrachtet werden: Die erste Definition des Begriffs „Leitmotiv“ bezieht sich auf eine einzelne Wortfolge, die einprägsam wörtlich oder ähnlich immer wieder auftaucht. 8 Ein Leitmotiv hat hier die Funktion charakteristische Elemente herauszuheben und zu wiederholen, fügt aber nichts Neues hinzu. In Manns „Tristan“ ist es zum Beispiel die Wortfolge „blaues Äderchen“, die wiederholt in verschiedenen sprachlichen Variationen benutzt wird.
Da die erste Definition sehr eng gefasst ist und den Begriff „Leitmotiv“ einschränkt, erscheint die zweite Definition geeigneter: Hier bezeichnet der Begriff „Leitmotiv“ komplette Beschreibungen von Situationen, Figuren, Orten Gegenständen oder charakterlichen Merkmalen, die in Variationen wiederholt auftreten. 9 Leitmotive sind dabei nicht mehr zwangsläufig an eine ähnliche Wortfolge gebunden. Es können wie in der Musik auch im sprachlich-stilistischen Bereich verschiedenartige Formulierungen durch Variation, Kontrastbildung, Erweiterung oder Verkürzung bei einer Motivwiederholung genutzt werden. 10 Zusätzlich sind Leitmotive an ihre Funktion im Textzusammenhang gekoppelt. Der Wortbedeutung nach ist ein Leitmotiv ein Motiv, das leitet. Es soll also die Funktion erfüllen, einen Text zu strukturieren 11 und es soll sich mit einem oder mehreren anderen Motiven verbinden können 12 , um z. B. gleiche oder ähnliche Figuren, Situationen, Orte, Gegenstände oder Gefühle in einen Zusammenhang zu bringen, indem es Assoziationen hervorruft. Es bilden sich Motivzusammenhänge, die Leitmotiven durch die Verbindung mit vergangenen oder zukünftigen Motiven oft symbolische 13 und vielschichtige Bedeutung geben.
1.1.3. Die Funktion der Leitmotivtechnik bei Thomas Mann
Für Thomas Mann ist die oben beschriebene „leitende“ Funktion von Leitmotiven, also der Begriff von „Leitmotiv“ als kompositorisches und strukturierendes Element, von zentraler Bedeutung für sein Werk. So schreibt er im „Zauberberg“, dass sowohl Leitmotive als auch
7 Klussmann, S.8.
8 Vgl.: Sachwörterbuch der Literatur, S.507.
9 Vgl.: Ulfert Ricklefs (Hg.): Das Fischer Lexikon Literatur. Bd. 2. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch 1996. S. 1330./ Reallexikon, S.399.
10 Vgl.: Klussmann, S.13.
11 Vgl.: Reallexikon, S.638.
12 Vgl.: Fischer Lexikon, S.1330.
13 zusätzliche Bedeutungen die neben oder „über“ der eigentlichen Bedeutung bestehen.
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Arbeit zitieren:
Theuer Eun Soon, 2003, Die Leitmotivtechnik in Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig", München, GRIN Verlag GmbH
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