Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 6
Tabellenverzeichnis 7
Einleitung 8
I. THEORETISCHER TEIL 9
1 Stimme 10
1.1 Stimme als Schlüssel des menschlichen Denkens 10
1.2 Stimmwirkung 10
1.3 Zusammenhang zwischen Sprechen und Hören 11
1.4 Inhalt des Gesagten 11
1.5 Flirtstimme 12
2 Frauenstimmen 13
2.1 Merkmale der Frauenstimme 13
2.2 Biologische Gegebenheiten 14
3 Partnerwahl 16
3.1 Motive 17
3.2 Einflussfaktoren 17
3.3 Kulturelle Unterschiede 18
4 Persönlichkeit 19
4.1 Persönlichkeitspsychologie vs. Alltagspsychologie 20
4.2 Persönlichkeitsentwicklung 20
4.3 Fünf Dimensionen der Persönlichkeit 22
4.4 Kritikpunkte am Fünf-Dimensionen Ansatz 24
4.5 Persönlichkeit und Stimme 24
4.6 Kulturelle Unterschiede 25
5 Akustische Merkmale der Stimme 26
5.1 Tonhöhe (F0) 26
5.2 F0 Stimmumfang (Range) 27
5.3 F0 Standardabweichung 27
5.4 Lautstärke 27
5.5 Sprechgeschwindigkeit 28
3
5.6 Sprechpausen 29
5.7 Betonung 30
5.8 Andere stimmliche Merkmale 31
6 Zusammenfassung 32
II. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG 33
7 Ziel und Schwerpunkt 34
7.1 Fragestellung 34
7.2 Methoden 35
7.3 Sprachmaterial 35
7.3.1 Sprecherinnen 36
7.3.2 Technik 36
7.3.3 Fernsehsendung „Herzblatt“ 37
7.4 Hörer 38
7.5 Fragebogen 38
7.5.2 Das Polaritätsprofil 39
7.6 Durchführung 40
8 Auswertungen des Fragebogens 41
8.1 Auswahl einer Partnerin 41
8.1.1 Ergebnisse der Hörerpräferenzen 41
8.1.2 Präferenzprofil in der Sendung 43
8.1.3 Vergleich der Präferenzen: Studie und Fernsehsendung 43
8.1.4 Präferenzunterschiede auf Grund der demographischen Daten 44
8.2 Hörerurteile auf dem Polaritätsprofil 46
8.3 Faktoranalyse 47
Zusammenfassung der Perzeptionsergebnisse 54
9 Allgemeiner Höreindruck der Autorin 55
10 Akustische Analyse 59
10.1 Merkmale der Grundfrequenz (F0) 59
10.1.1 Mittlere Grundfrequenz (F0) 59
10.1.2 Gegenüberstellung der F0 Mittelwerte und Hörerurteile 61
10.1.3 Stimmumfang und Standardabweichung 62
10.2 Sprechgeschwindigkeit 64
4
10.3 Pausen 65
10.4 Betonung 66
10.5 Stimmqualität /Stimmklang 68
10.5.1 Jitter 68
10.5.2 Shimmer 69
11 Zusammenfassung 71
Ausblick 73
III. ANHANG 74
Literaturverzeichnis 75
Anhang A Fragebogen 81
Anhang B Hörerpräferenzen 84
Anhang C Präferenzprofile nach demographischen Daten 86
Anhang D Mittelwerte des Polaritätsprofils 88
Anhang E Faktoranalyse 89
Anhang F Ergebnisse der Grundfrequenzmessungen 93
Anhang G Messwerte der Stimmstabilität 94
Anhang H Betonungskurven 95
5
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Präferenzprofil der Hörer bei der Wahl einer Partnerin
Abbildung 2: Präferenzprofil bei der „Wahl einer Partnerin“ nach der Alterstruktur
Abbildung 3: Polaritätsprofil der meist und der am wenigsten präferierten Sprecherinnen
Abbildung 4: Screeplot
Abbildung 5: Faktorenwerte der Sprecherinnen der ersten Sendung
Abbildung 6: Mittlere Grundfrequenzwerte (F0) aller Sprecherinnen
Abbildung 7: Streuungsdiagramm der Eigenschaften angespannt-entspannt und der
mittleren Grundfrequenz
Abbildung 8: Variation der Grundfrequenz der Sprecherinnen
Abbildung 9: Korrelation zwischen F0 Range und den Merkmalen rau-klar
Abbildung10: Gegenüberstellung der gemessenen Sprechgeschwindigkeit und der
Hörerurteile beim Merkmalspaar langsam-schnell
Abbildung 11: F0 Satzkonturen Sprecherin K25
Abbildung 12: Stimmstabilität der Sprecherinnen
Abbildung 13: Polaritätsprofil der meist präferierten Sprecherinnen
Abbildung 14: Präferenz der Hörer bei der „Wahl einer Partnerin“ nach dem Bildungsgrad
Abbildung 15: Präferenz der Hörer nach Nationalität
Abbildung 16: Präferenz der Hörer nach Bekanntheit der Sendung „Herzblatt“
Abbildung 17: Faktorenwerte der Sprecherinnen- Sendung 2
Abbildung 18: Faktorenwerte der Sprecherinnen- Sendung 3
Abbildung 19: Faktorenwerte der Sprecherinnen- Sendung 4
Abbildung 20: Faktorenwerte der Sprecherinnen- Sendung 5
Abbildung 21: Faktorenwerte aller Sprecherinnen
Abbildung 22: F0 Satzkonturen Sprecherin K11
Abbildung 23: F0 Satzkonturen Sprecherin K24
Abbildung 24: F0 Satzkonturen Sprecherin K12
6
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Auswahl einer „Partnerin“ in der Sendung „Herzblatt“ 43
Tabelle 2: Varimax -Faktoren 50
Tabelle 3: Sprechgeschwindigkeit in Silben/Sekunde 64
Tabelle 4: Dauer und Anzahl der Pausen 66
Tabelle 5: Hörerpräferenzen bei der „Wahl einer Partnerin“ 84
Tabelle 7: Grundfrequenzmerkmale: Mittelwert, Minimum, Maximum, Range und
Standardabweichung 93
Tabelle 8: Stimmstabilität: Jitter und Shimmer 94
7
Einleitung
Gegenstand dieser Studie ist die Untersuchung der Stimmen der Frauen, die von Männern als Partnerin bevorzugt werden. Es wird der Frage nachgegangen, über welche stimmlichen Besonderheiten die Frauen verfügen, die als Partnerin bevorzugt werden. Der Schwerpunkt liegt nicht in der Untersuchung des Inhalts des Gesagten, sondern der stimmlichen Eigenschaften und des Sprechstils der Sprecherinnen. Im Alltag ist die Kommunikation vieler Menschen auf ihre Stimme begrenzt, z.B. beim Telefonieren, wo die nonverbale Kommunikation keine Rolle spielt. Jeder erlebt angenehme sowie unangenehme Gespräche. Obwohl sich Menschen nicht sehen, entstehen positive oder negative Gefühle, die nicht nur aus dem Inhalt, sondern auch aus dem Sprechausdruck entstehen.
Die Partnerwahl beginnt häufig mit dem Flirten. Neben vielen anderen Faktoren darf die Bedeutung der Stimme beim Flirten und der Partnerwahl zwischen Mann und Frau nicht vernachlässigt werden. Oft wird der Partnerkontakt bzw. der Flirt durch rein mündliche Kommunikation (z.B. telefonisch) hergestellt. Bei einer solchen Begrenzung haben die Stimme und Sprechweise einen großen Einfluss darauf, ob man die gewünschte Wirkung beim Gesprächspartner erzielt. Es geht dabei um Gefühle, die durch die Stimme auf Seiten des Sprechers ausgedrückt und beim Hörer hervorgerufen werden. In der zwischenmenschlichen Kommunikation ergeben sich allein durch den Sprechausdruck ziemlich große Variationsmöglichkeiten in der Wahrnehmung einer Äußerung. Weil die Berücksichtigung sämtlicher Variationsmöglichkeiten den Rahmen dieser Untersuchung gesprengt hätte, wird in dieser Arbeit die Aufnahme und Verarbeitung von sprachlichen Äußerungen nur in einem Ausschnitt ihrer Komplexität dargestellt.
Der erste Teil der Arbeit enthält einen kurzen Überblick über die bisherigen Studien zu Partnerwahl, Persönlichkeitsmerkmalen, Frauenstimmen sowie allgemeinen akustischen Merkmalen der Stimmen.
Im zweiten Teil wird die empirische Studie zur Auswahl der Partnerin anhand ihrer Stimme präsentiert. Als Material dienten Stimmaufnahmen von Frauen aus einer „Flirt-Fernsehsendung“. Die Sprechsignale werden darin auf seine Hörerwahrnehmung untersucht. Danach erfolgt eine verbale Beschreibung der Sprechaufnahmen. Anschließend werden die Ergebnisse der akustischen Analyse dargestellt.
Tabellen, Graphiken und der Fragebogen werden im dritten Teil, dem Anhang dargestellt.
8
I. THEORETISCHER TEIL
9
1 Stimme
Ein erheblicher Anteil der persönlichen Wirkung ist der Stimme zuzuschreiben. Die Hörer 1 sind in der Lage, bewusst oder unbewusst die Persönlichkeit und die Emotionen eines Menschen durch seine Stimme zu erkennen. Es ließen sich in vielen Untersuchungen einige Stimmeigenschaften feststellen, die positive oder negative Reaktionen bei Hörern hervorrufen.
1.1 Stimme als Schlüssel des menschlichen Denkens
Der bedeutendste Faktor menschlicher Kommunikation ist die gesprochene Sprache. Das zeigt sich auch deutlich bei Neugeborenen. Ein wichtiges Signal des Neugeborenen außerhalb des Körpers seiner Mutter ist seine Stimme. Der zunächst organische Schrei wird von der Mutter in kurzer Zeit als ein Zeichen erkannt. Das Zeichen des Bedürfnisses, des Wunsches und der Hilflosigkeit löst bei der Mutter eine Reaktion aus. Diese ersten Signale des Kindes sind mit dem Überlebensmotiv verbunden (Anzieu 1982, S. 131). Dadurch erhält die Stimme eine Schlüsselposition. Für eine normale psychische Entwicklung des Kindes stellt das Sprechen den letzten Beweis dar (Anzieu 1982, S. 132). Die Wichtigkeit des menschlichen Denkens in Abhängigkeit von Sprache und Stimme wird in der Literatur immer wieder bestätigt (vgl. Rosi, 1958).
1.2 Stimmwirkung
In der lautsprachlichen Kommunikation können die Hörer zunächst Kinder- Frauen- und Männerstimmen unterscheiden. Die menschliche Stimme kann jedoch nicht nur auf die Geschlechter bezogen werden; sie verrät viel mehr über eine sprechende Person. Eine Stimme wird von den meisten Hörern als angenehm empfunden, wenn die durchschnittliche Stimmhöhe in der Indifferenzlage 2 des Sprechers bzw. der Sprecherin liegt. Eine Stimme, die kraftlos und monoton klingt, wird keiner energiegeladenen, faszinierenden, prickelnden
1 Damit sind dort, wo die Autorin allgemein und nicht nur von den Teilnehmern dieser Studie spricht, sowohl weibliche als auch männliche Personen gemeint.
2 Stimmlage, die nicht angestrengt hoch oder tief, sondern entspannt und natürlich klingt
10
Persönlichkeit zugeschrieben, selbst wenn die sprechende Person über ein aufregendes Ereignis berichtet. Sprechende Personen mit diesen Stimmeigenschaften haben es schwer, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erhalten (Eckert/Lever 1994, S. 7). Nicht zuletzt spielt auch das Älterwerden bei Stimmeigenschaften eine wichtige Rolle. Bei Frauen geht die Stimme allgemein in die Höhe, wird rauer, verliert ihre Fülle und Leuchtkraft und das Sprechtempo lässt nach, bis auf einige Ausnahmen (Fahrmann, 1967, S. 303).
Die Unterschiede in der sprachlichen Mitteilung sind ziemlich komplex. Wie eine sprechende Person auf den Zuhörer wirkt, hängt von individuellen oder gruppenspezifischen Einstellungen, Werten sowie Normen einer Gesellschaft ab. Die Stimme und die Sprechweise können unterschiedliche Schichtzugehörigkeit, Bildungsgrad, Machtposition sowie Status in der Gesellschaft widerspiegeln. Die Stimme wird laut Eckert und Lever (1994, S. 161) als Ausdruck von Stimmung bezeichnet. Diese These fand in verschiedenen Studien zum emotionalen Ausdruck ihre Bestätigung.
1.3 Zusammenhang zwischen Sprechen und Hören
Dass nicht nur das Sprechen allein, sondern auch das Zuhören für die menschliche Kommunikation wichtig ist, haben viele Sprechwissenschaftler erkannt. Die Wirkung des Sprechens ist ein Rezeptionsprozess, der sich in Perzeption und Reaktion gliedert und von Sprachwahrnehmung, Wahrnehmung des Sprechausdrucks und Wahrnehmung der Sprecherpersönlichkeit ausgeht (Stock 1991, S. 31). Stock und Suttner (1991, S. 66) bezeichnen den Sprechausdruck als Signal der Sprecherintention in Verbindung mit dem gesprochenen Text, der unterbewusst erzeugt wird. Nach Kaulhausen (1940, S.10) ist jeder Sprechende zugleich Hörender, Verstehender und Antwortender. Kaulhausen berichtet von Adam Müller, der 1920 zeigte, dass Reden und Hören eine Einheit bilden, ohne sie philosophisch erklären zu können.
1.4 Inhalt des Gesagten
In der Alltagskommunikation stellt die Trennung der Sprechmerkmale von dem Inhalt des Gesagten für die Sprechwissenschaft eine Schwierigkeit dar. Stock und Suttner (1991, S. 63) haben unter Verweis auf Studien einiger anderer Autoren auf das Problem des Inhalts bei
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Äußerungen hingewiesen. Sie berichten von Phillis, J. Studie von 1970, der zusammen mit anderen Autoren, herausgefunden hatte, dass Alter, Reife und Erfahrung bei dem Sprechausdruck nicht vernachlässigt werden dürfen. Nach Phillis Studie reagieren jüngere Kinder sensibler auf nichtlinguale stimmliche Merkmale, während ältere Kinder und Erwachsene mehr auf den verbalen Inhalt achten. In den Studien Sendlmeiers und Siegmunds (2005, S.169) konnte festgestellt werden, dass der Sprechstil unabhängig von inhaltlichen Aspekten zu bewerten ist. Nach Ansicht von Trömel-Plötz (1984, S. 47) wird das schöne, liebenswürdige Sprechen, bei dem die Inhalte weniger wichtig sind, zwischen den Gesprächspartnern beim Flirt praktiziert.
1.5 Flirtstimme
Bei einer romantischen Situation wird oft eine Stimmeigenschaft gewählt, die sich durch eine Behauchung kennzeichnet. Die behauchte Stimme klingt ruhig und sanft. Da bei dieser Stimmgebung die Kehlkopfmuskulatur in der Regel entspannt ist, schwingen die Stimmbänder sehr schwach. Die Stimmritze wird nicht völlig geschlossen. Die Luft entweicht und es treten „hauchige“ Geräusche auf. Durch seine Assoziation größerer Intimität wird diese Stimmgebung mehr oder weniger in angemessener Weise für Flirts benutzt. Laut Eckert und Lever (1994, S. 163) werden Frauenstimmen mit mäßigem Flüsteranteil bzw. leicht behaucht, aber nicht kraftlos oder schüchtern von vielen Männern als angenehm bewertet. Ihnen wird zudem Sexappeal zugeschrieben (Eckert/Lever, 1994, S. 73).
In den Medien wird die Stimme der Frau Susanne Müller als „erotischste Stimme Deutschlands“ bezeichnet. Sie hat eine tiefe Sprechlage mit Behauchung gewohnheitsmäßig angenommen. Ihre berufliche Karriere in den Medien und auch in der Fernsehsendung „Herzblatt“, die als empirisches Material für diese Arbeit verwendet wurde, ist auf ihre Stimme zurückzuführen.
12
2 Frauenstimmen
Sprachliche Aktivitäten sowie jegliches Handeln überhaupt werden durch Normen gesteuert. Die Normen werden von den Mitgliedern einer Gesellschaft anerkannt und befolgt, andernfalls sanktioniert. Das wirkt sich auch auf die stimmlichen Merkmale von Männern und Frauen aus. Frauen sind mehr als Männer darauf angewiesen, sich sprachlich zu definieren, weil die Frauen nicht so offenkundig über einen professionellen Status wie Männer verfügen (Trömel-Plötz 1984, S. 52f). Die Autorin spricht von einer „double-bind“ Situation. Wenn eine Frau ernst genommen werden will, dann müsse sie wie ein Mann reden, wirke dann aber männlich und werde als Frau entwertet. Trömel-Plötz (1984, S. 15f) spricht von einer Sprachdiskriminierung. Ihrer Ansicht nach wird der Mann, selbst in der Sprache (linguistisch betrachtet), als Norm und die Frau eher als Ausnahme angesehen. Braun (2000, S. 1) bestätigt dies, fügt aber hinzu, dass das Frauensprachverhalten nicht immer negativ gesehen wird. In einigen Betrieben werden weibliche Führungskräfte bewusst aufgrund ihrer „kommunikativen Kompetenz“ eingesetzt. Anderseits werden Frauenstimmen emotionale Elemente zugeschrieben, die sie zusammen mit nonverbaler Kommunikation nutzen, um Männer zu verführen. Solche verbalen Elemente werden nicht von Männern erwartet (Lenz 1981, S. 97). Frauen können mit ihrer Rede menschliche Beziehungen herstellen, was Männer oft in ihren Äußerungen vernachlässigen (Schlüter-Kiske 1987, S. 59).
2.1 Merkmale der Frauenstimme
Auf Grund des stimmlichen Ausdrucks können Hörer Frauenstimmen identifizieren. Allgemein reden Männer und Frauen unterschiedlich hoch. So realisieren Männer im Allgemeinen tiefe Töne, während Frauenstimmen etwa eine Oktave über den Männerstimmen liegen. Das wirkt sich auch auf die Wahrnehmung bei den Hörern aus. Es herrscht die Meinung, dass Frauen gefühlsbetont und Männer dagegen sachlich reden. Eine Geschlechtsabhängigkeit wirkt sich auch auf die Kompetenz und Effizienz aus. Frauen werden weniger Kompetenz und weniger Effizienz zugeschrieben. Frauen sprechen in einer abgeschwächten, verschönernden und liebenswürdigen Form (Trömel-Plötz 1984, S. 47). Das führe dazu, dass sich die Frauen als Kommunikationspartnerin dadurch weniger behaupten können.
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Berger (1984, S. 86f) berichtete kritisch von Addington W. (1968) Studie, der herausgefunden habe, dass die Hörer eine Frau mit behauchter Sprechweise, weiblicher, hübscher, schlanker, angespannter und oberflächlicher einschätzen. Ebenso zeigte sich, dass eine behauchte und eine sehr vorn gesprochene Tongebung sich negativ auf die Kompetenzbeurteilung auswirkte. In mehreren Studien wurde festgestellt, dass Frauenstimmen immer tiefer werden. Dieses Sprechmerkmal wurde insbesondere bei Geschäftsfrauen in Führungspositionen sowie Frauen in Medien festgestellt (vgl. Sendlmeier 2005).
Frauen neigen dazu, mit ihrer Stimme am Ende des Satzes hochzugehen. Dieser Effekt wird beim Sprechen normalerweise bei der Frageform und nicht bei Aussagesätzen verwendet.
Dieser Effekt führt dazu, dass Frauenstimmen, die am Satzende hochgehen, an Prägnanz und Kraft verlieren (Schlüter-Kiske 1987, S. 44). In den Studien von Wittlinger und Sendlmeier (2005, S. 102) wurde das Ansteigen der Frauenstimme am Ende einer sinnerfassten Einheit als unsicher und unsympathisch bewertet, wenn die Aussage nicht als Frage gemeint war.
Eine negative Beurteilung bekommen Frauenstimmen, die leise sind. Das wird als Unsicherheit bewertet. Anderseits wird eine Frau, die laut, deutlich und damit selbstsicher spricht, nicht wirklich als feminin bezeichnet.
Schlüter-Kiske (1987, S. 44) ist der Ansicht, dass sich eine Frau, die gehört werden will, um eine sichere, hinreichend laute Stimmführung bemühen müsse. Die Angst, die eine Frau daran hindere, lauter zu reden, liege in dem tief verankerten Mythos der „schrecklich“ hohen, schrillen, hysterischen Stimme, die nur Frauen, die mit ihrer Stimme hochgehen, zugeschrieben wird (Schlüter-Kiske 1987, S. 43).
2.2 Biologische Gegebenheiten
Für die zwischenmenschliche Kommunikation ist die Sprache eine der wichtigsten Mittel. Im Laufe der Zeit hat sich die Wissenschaft mit der Frage, wie eine Sprachproduktion funktioniert, auseinandergesetzt. In dieser Arbeit wird eine kurze Zusammenfassung der Sprachproduktion dargestellt.
Atmung, Phonation und Artikulation gehören zu den Bereichen der Sprachproduktion. Kehlkopf, Rachen und Mund bilden einen Resonanzraum.
14
Das menschliche Sprachsignal entsteht wie jedes akustische Signal dadurch, dass der Luftstrom in Bewegung gesetzt wird. Durch Einatmung dehnt sich die Lunge aus. Es baut sich ein Druck auf und durch das Ausatmen kann die Luft zum Sprechen genutzt werden. Den oberen Teil der Luftröhre bildet der Kehlkopf. Seine ursprüngliche Funktion ist der Schutz der Luftröhre vor dem Eindringen der Nahrung. Zu den wichtigen Teilen des Sprechapparats gehören die Stimmbänder, die sich am unteren Ende des Kehlkopfes befinden. Mit dem aufgebauten Druck werden die Stimmbänder in Schwingung versetzt und auseinander gestoßen. Nachdem der Druck aufgebaut ist, schließen sich die Stimmbänder aufgrund ihrer Elastizität sowie einer Saugwirkung wieder und das ganze beginnt erneut (Bernoulli-Kräfte).
Oberhalb der Stimmbänder befindet sich ein Raum, der aus dem Rachen, der Mundhöhle und der Nasenhöhle besteht und Ansatzrohr genannt wird. Durch Positionswechsel der Lippen, des Kiefers, der Zunge im Ansatzrohr sowie der Positionsänderung des Kehlkopfs werden verschiedene Laute erzeugt.
Die Stimmlippen haben bei Männern, Frauen und Kindern unterschiedliche Längen. So sind die Stimmlippen bei Männern länger als bei Frauen und bei diesen wiederum länger als bei Kindern. Bereits aus diesem Grund klingen deren Stimmen anders.
Physiologisch ist die Tonhöhe von der Länge und der Dicke der Stimmlippen (Stimmbänder) abhängig. Je länger die Stimmbänder sind, desto tiefer ist der Grundton und je kürzer die Stimmlippen sind, desto höher ist der Grundton. Eine dünne Stimmlippe klingt hoch, dagegen schwingt die dickere Stimmlippe langsamer und somit tiefer.
Sprecherspezifische Merkmale sind nicht nur zwischen den verschiedenen, sondern auch unter gleichen Geschlechtern vertreten. Diese Unterschiede sind von den organischen Gegebenheiten wie Größe und Form des Kehlkopfs, Volumen und Kraft der Atmungsorgane, Form und Volumen des Mundes und der Nasenhöhle, sowie von Größe und Form des Kiefers, der Zunge und der Lippen abhängig.
Verschiedene lautsprachliche Äußerungen eines Sprechers sind nicht nur auf physiologische Besonderheiten, sondern auch auf persönliche Gewohnheiten (Settings) der Artikulatoren und der Stimmbildungsorgane zurückzuführen.
15
3 Partnerwahl
Am Beginn enger Paarbeziehungen steht die Partnerwahl. Wie wichtig die Partnerwahl für die meisten Menschen ist, zeigt sich auch durch die enge Beziehung zwischen Mann und Frau im täglichen Leben. Die folgende Studie befasst sich mit der Wahl eines gegengeschlechtlichen Partners. Davis (1988, zit. nach Klein, 1991, S. 32) spricht von einer engen Paarbeziehung, wenn sich eine Bekanntschaft oder Freundschaft qualitativ verändere. Diese Veränderung sei oft durch Aufnahme sexueller Beziehungen charakterisiert.
In vielen Untersuchungen bezieht sich die Partnerwahl auf die Wahl eines Ehepartners. Laut Asendorpf und Banse (2000, S. 41) wurden in Deutschland bis zum Anfang der 70er Jahre die Begriffe Partnerschaft und Ehe fast synonym verwendet. Die Organisationsform einer Partnerschaft ist allerdings kulturell und historisch sehr verschieden. Ob es um ein Zusammenleben mit dem Partner mit oder ohne Ehe als Institution einer Partnerschaft geht, wird in dieser Arbeit nicht diskutiert.
Bei einer freien Partnerwahl, die in der westlichen Kultur praktiziert wird, wird vorausgesetzt, dass die betreffenden Personen die Möglichkeit haben, sich zu begegnen. Durch eine räumliche Nähe wie beispielsweise dem gleichen Wohnort, der gemeinsamen Schule und Arbeit oder bei Freizeitveranstaltungen kommt es zu häufigem Kontakt (Klein 1991, S. 34f).
Der Entstehung einer Partnerschaft wird in verschiedenen Medien sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Im sozialen Umfeld wird die Partnerwahl mit großem Interesse verfolgt. Dieses Thema ist vor allem Gegenstand der Psychologie und Soziologie, die versuchen, die Kriterien der Partnerwahl durch verschiedene Ansätze zu beschreiben. Die Partnerwahl wurde aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, dem genetischen, psychoanalytischen, kulturellen u.a. Es zeigte sich allerdings, dass eine Vielzahl von Variablen die Partnerwahl beeinflusst. In bisherigen Studien wurde zwar die Kommunikation in Betracht gezogen, aber kaum oder gar nicht der Sprechausdruck der Partner, welcher den Schwerpunkt dieser Studie ausmacht.
Die Partnerwahl erfordert eine ernste Entscheidung, da sie viele Konsequenzen mit sich ziehen kann, vor allem bei einer langjährigen Beziehung.
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3.1 Motive
Die Partnerwahl ist durch individuelle Faktoren gekennzeichnet. Liebe und Zuneigung scheinen in westlichen Kulturen die wichtigsten Faktoren der freien Partnerwahl zu sein. Die Wahl eines Partners bzw. einer Partnerin wird in vielen Studien als Anfang einer längeren Beziehung angesehen. Es wird davon ausgegangen, dass die unterschiedlichen Ziele in einer Partnerschaft durch gemeinsame Interaktion zu erreichen seien. Byrne (1971, zit. nach Klein, 1991, S. 32) erklärt, dass solche Faktoren, die eine befriedigende Interaktion bzw. deren Belohnungswert erhöhen, für die Partnerwahl bedeutsam seien.
So scheinen der Wunsch nach Anerkennung, Austausch, Sexualität, Streben nach materieller Sicherheit im weitesten Sinne (Macht, sozialer Status) sowie Bestätigung in einer Partnerschaft fundamentale menschliche Bedürfnisse zu sein (Centers, 1975; Winch, 1958; zit. nach Klein 1991, S. 32). Asendorpf und Banse (2000, S. 10) gehen davon aus, dass Beziehungspsychologie sich nicht auf Individuumspsychologie zurückführen lässt. Ihrer Ansicht nach sind Beziehungen dyadisch charakterisiert und werden wesentlich durch individuelle Motive bestimmt.
3.2 Einflussfaktoren
Obwohl in der westlichen Kultur die freie Partnerwahl üblich ist, wird die Auswahl dennoch begrenzt. Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, auf welche die meisten Personen nur geringen bzw. keinen Einfluss haben. Vor allem demographische, soziale, ökonomische sowie psychologische Merkmale können als Einflussfaktoren für die Wahlmöglichkeit einer Partnerin bzw. eines Partners verantwortlich sein.
So wird in dem Zeitraum, in dem ein Partner bzw. eine Partnerin gesucht wird, nur eine begrenzte Anzahl von passenden Personen getroffen, die als potenzielle Kandidatin bzw. potenzieller Kandidat in Frage kämen (Woll & Cozby, 1987, zit. nach Klein, 1991, S. 35).
In vielen Studien wird berichtet, dass für Männer als auch für Frauen das Alter und die physische Attraktivität wichtige Faktoren der Partnerwahl zu sein scheinen. Allerdings ergaben sich einige Unterschiede. Es zeigte sich, dass Frauen eher ältere Männer und Männer eher jüngere Frauen bevorzugen (Klein 1991, S. 59). Einige Studien belegen, dass die physische Attraktivität für Männer bei der Partnerwahl wichtiger sei als für Frauen. Die
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Frauen dagegen legen mehr Wert auf den sozialen Status der Männer (vgl. Asendorpf 1996, S. 299; Klein 1991, S. 58). Es sind in der Literatur unterschiedliche Hypothesen zu dieser Aussage zu finden. Daher bleibt die subjektive Beurteilung der Attraktivität offen. Partner werden aus soziologischer Sicht nach ihrem reproduktiven Wert ausgewählt. Das wird dadurch erklärt, dass eine physische Attraktivität der Frauen als Hinweis auf Gesundheit und damit Fruchtbarkeit assoziiert wird. Dagegen soll der soziale Status der Männer Schutz und Sicherheit für Nachkommen bieten. Andere Theorien gehen von einer ungleichen Verteilung der sozialen Macht unter Männern und Frauen aus sowie davon, dass Frauen und Männer unterschiedliche Ansichten zu Partnerschaften haben (vgl. Klein, 1991, S. 58f).
In vielen Studien wurde eine auffällige Ähnlichkeit zwischen Partnern festgestellt. Durch gemeinsame Ausbildung, Beruf, gleiches Milieu lässt sich schwer feststellen, ob die Ähnlichkeit der Partner auf Umwelt- oder auf Erbeinflüsse zurückzuführen ist (Klein, 1991, S. 41). Dieser Problematik begegnen Asendorpf und Banse (2000, S. 12f) mit dem Wahrscheinlichkeitseffekt. Sie gehen davon aus, dass durch Ausbildung, Beruf, gleiches Milieu, Menschen mehr Gelegenheit haben, ähnliche Einstellungen und Werte zu entwickeln und dadurch häufiger und besser in Kontakt zu einander kommen. Andererseits haben sie aber weniger Gelegenheiten, Menschen aus anderen sozialen Kreisen zu begegnen.
3.3 Kulturelle Unterschiede
Die Partnerwahl ist ein besonders sensibler Bereich. Die Betonung auf gegenseitige Sympathie und Liebe wird für eine freie Partnerwahl in westlichen Ländern vorausgesetzt. Dies ist möglich durch soziale und rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau, die nicht in allen Kulturen selbstverständlich ist. Trotzdem wird die Partnerwahl im Westen indirekt durch die Familie beeinflusst (Klein 1991, S. 34f).
Es stellt sich die Frage, auf welchen Grundlagen die Partnerwahl in anderen Kulturen basiert. In asiatischen und afrikanischen Kulturen wird die Partnerwahl aufgrund Entscheidungen von Familien praktiziert (Trommsdorff, 1991, S. 186). Kulturelle Unterschiede in einer Beziehung zeigen sich auch in den räumlichen, verbalen, nonverbalen, emotionalen Bereichen sowie in der Einstellung zur Intimität. Im östlichen Kulturraum dominieren sozial- und gruppenbezogene Werte. Dagegen haben im Westen individualistische Werte große Bedeutung. Diese unterschiedliche Orientierung wirkt sich auf die Wahl eines Partners bzw.
18
einer Partnerin aus. So werden in individualistisch orientierten Kulturen bei der Partnerwahl für eine enge Beziehung individuelle Ziele verfolgt und subjektive Entscheidungen getroffen, während in gruppenbezogenen Kulturen die Partnerwahl durch die soziale Umwelt bestimmt wird. Es sind auch Mischformen in beiden Kulturen vertreten (Trommsdorff, 1991, S. 211). So bewerten z.B. im Gegensatz zu deutschen und amerikanischen Studenten japanische Studenten romantische Liebe negativer. Grund für eine solche Bewertung japanischer Studenten sollen die negativen Facetten der Verliebtheit sein wie Eifersucht und Verwirrtheit, die ein harmonisches Zusammenleben gefährden können (vgl. Asendorpf & Banse 2000, S. 40; Trommsdorff, 1991, S.198). Asendorpf und Banse sowie Trommsdorff vertreten die Meinung, dass es keine generalisierende Bewertung einer Kultur geben darf. Persönlichkeits-oder Beziehungstests sollen außerdem durch verschiedene kulturspezifische Bedingungen angepasst werden, damit die Ergebnisse zwischen Kulturen verglichen werden können. Kulturspezifische Unterschiede sind im Kontext auf Kommunikationsverhalten (Körperkontakt) und im Kommunikationsinhalt (Bereitschaft „intimer“ Mitteilung) untersucht und bestätigt worden (Trommsdorff 1991, S. 206f).
4 Persönlichkeit
Der Ausdruck „Persönlichkeit“ wird wahrscheinlich aus dem Lateinischen per (durch) und sonare (klingen) abgeleitet. Das soll also „durchklingen“ bedeuten. Die Frage, was unter Persönlichkeit zu verstehen ist oder welche Persönlichkeitseigenschaften einem Mensch zuzuschreiben sind, konnte in der bisherigen Forschung nicht so einfach beantwortet werden.
Einen Ausgangspunkt für die Persönlichkeitsbeschreibung findet man schon bei der Temperamentslehre des Hippokrates (460-377 v. Chr.). Durch Vorherrschen eines von vier Körpersäften Blut, Schleim, Gelber Galle bzw. Schwarzer Galle entwickelte er Temperamentstypologien. So gab es in seiner Ordnung Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker und Melancholiker als vier Temperamentstypen (vgl. Asendorpf 2001, S. 128; Amelang u.a. 2006, S. 244). Ebenso wurde versucht, einen Zusammenhang zwischen körperlichen Merkmalen und psychischem Verhalten zu finden, der aber einen geringen oder gar keinen Effekt lieferte.
Der Versuch, die Vielzahl von Variablen, die auf das Erleben und Verhalten eines Menschen wirken, verschiedenen Typen zuzuordnen, hat sich bis in die heutige Zeit gehalten.
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Magister Ankica Uletilovic, 2007, Der Einfluss der Stimme auf die Partnerwahl, Munich, GRIN Publishing GmbH
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