Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Sophokles´ Ödipus 3
2.1 Ödipus´ tragische Geschichte 4
2.2 Ödipus´ Schicksal 8
2.3 „Tragödienartig“ 9
3 Die Krise der Tragödie 10
3.1 Die Definitionen des Tragödienbegriffs 10
3.2 Krise und Hoffnung 12
4 Die moderne Tragödie: Gides´ Ödipus 14
5 Resümee 16
6 Literaturverzeichnis 17
1 Einleitung
Hat sich die Tragödie wirklich gewandelt über die Jahrhunderte? Anzunehmen ist es, aber dass die Tragödie tot ist, ist vielleicht zu viel gesagt. Im Folgenden soll anhand der sophokleischen Tragödie Ödipus gezeigt werden, worin die vielen tragischen Elemente des Stücks liegen und dass sich die Tragödie in ihrer Interpretation zwar gewandelt haben mag, tragödienartige Elemente aber je nach Sichtweise immer zu sehen sind.
2 Sophokles´ Ödipus
Sophokles, 496 v. Chr. in Colonus Hippius geboren, gestorben 406/405 v. Chr. in Athen, war ein klassischer griechischer Dichter und gilt neben Aischylos und Euripides als der größte der bekannten antiken, griechischen Tragödiendichter. Die Tragödie „König Ödipus“ ist Sophokles' dramatische Bearbeitung (436-433 v. Chr.) des Ödipus-Mythos und neben den weiteren Bearbeitungen durch Aischylos, Euripides, Xenokles, Meletos, Hölderlin, Gide u. a., die einzige aus der Antike in die Gegenwart überlieferte Fassung. Das Theaterstück ist in Sprache, Dramaturgie und Psychologie ein Meisterwerk der klassischen Weltliteratur aus der Blütezeit der altgriechischen Kultur. 1
Ödipus, von seinen Eltern König Laios und Jokaste nach Bekanntwerden des Fluchs, dass er einmal seinen Vater erschlagen und seine Muter heiraten wird, ausgesetzt, wird vom korinthischen König Polybos aufgenommen. Nachdem er durch einen Orakelspruch erfährt, was er seinen Eltern antun wird, verlässt er seinen Ziehvater. Auf einer Wanderung erschlägt er in einem Streit einen Mann, nicht ahnend, dass es König Laios, sein Vater, ist. Somit ist der erste Teil der Prophezeiung erfüllt. Durch sein Wissen befreit er die Stadt Theben von der Sphinx und erhält als Belohnung Jokaste, Witwe des Laios und seine Mutter, zur Frau und wird König von Theben. Somit ist auch der zweite Teil der Prophezeiung erfüllt. Nun setzt der eigentliche Teil des Dramas ein. Da Theben
1 Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/König_Ödipus und http://de.wikipedia.org/wiki/Sophokles.
20.03.2007.
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schon längere Zeit von einer Seuche heimgesucht wird, wird das Orakel um Hilfe gefragt. Kreon überbringt seinen Spruch:
„Phoibos, der Herr: man soll des Landes Befleckung, als auf diesem Grund genährt,
vertreiben, statt unheilbar fortzunähren“ 2
Daraufhin beschließt Ödipus eine Rechtsverhandlung zur Festsetzung von Laios Mörder
in dessen Verlauf er ihn verflucht, nicht wissend, dass er es ja selbst ist, dem er den Fluch auferlegt. Im weiteren Verlauf der Tragödie wird durch Befragung mehrerer Zeugen klar, wer Ödipus wirklich ist und was er getan hat. Ödipus wendet seine vorgesehene Bestrafung bei sich selbst an, indem er sich blendet und aus der Stadt vertreiben lässt.
Die Art und Weise, wie Ödipus die Untersuchung des Falls angeht, die im Folgenden für ihn so drastisch enden soll, ist der Punkt, an dem sich die wahre Tragik des Stückes entfaltet. Hier zeigt sich Tragik in ihrer reinsten Form, die Form, die diese Tragödie zu einer der bekanntesten, meistzitierten und behandelten überhaupt gemacht hat.
2.1 Ödipus´ tragische Geschichte
Im Folgenden beginnen wir an dem Punkt des Dramas, an dem Ödipus rechtliche Schritte zur Festsetzung des Schuldigen, wegen dessen Taten Theben von der Seuche heimgesucht wird, einleitet. Hier zeigt sich die Tragik in ihrer ganzen Größe und Tiefe.
Die Herleitung der geeigneten Form der Untersuchung, hat das Tragische in sich: Man muss urteilen, fordert das Orakel, und so zieht Ödipus daraus nicht nur die Berechtigung, ein Urteil zu fällen, sondern auch die Notwendigkeit, rechtliche Schritte einzuleiten. 3 Sophokles´ Stück zeigt, wie durch Ödipus Wahl der rechtlichen Untersuchung und seine darauf folgende Selbsterkenntnis, die Rechtsform an sich zusammenbricht. Nach Menke ist Ödipus´ Geschichte eine
2 Sophokles: König Ödipus. Übersetzt von Schadewald, W.. Frankfurt / Main, 1955. 96 - 11.
3 Vgl.: Menke, C.: Die Gegenwart der Tragödie. Versuch über Urteil und Schuld. Frankfurt / M.
2005. S. 28.
4
„Abfolge von Urteilsgestalten“ 4 : Zunächst Ödipus´ Deutung des Orakelspruchs, dann die Wandlung der Untersuchungsform bis zu Ödipus´ Selbsterkenntnis zum Schluss. Diese Abfolge unterwirft ihn einem tragischen Wandel vom Richter, zum Verfluchten und dann Verdammten. Betrachtet man diese Abfolge genauer, dann beginnt Ödipus´ tragische Geschichte mit dem Moment, als er sich nach der Befragung Kreons dazu entscheidet, eine rechtliche Untersuchung des Falls durchzuführen:
„Nun denn! Von Grund auf abermals werd Ich es aufklären!“ 5 So nimmt er durch sein „Ich“ die Aufgabe auf sich, eine fatale Entscheidung natürlich. Denn so ist er Richter und Angeklagter in einer Person, Bestrafender und Bestrafter. Auch durchbricht er die herkömmliche Form der Rechtssprechung durch das Orakel, da er die Urteilspassivität der Thebaner beenden und ein klares Zeichen setzen möchte. Die herkömmliche Ritualpraktik des Orakels läuft wie folgt ab: Es wird ein Urteilsgeschehen exekutiert, daraufhin folgt die Wahl des Sündenbocks, der bestraft, obwohl er nicht der wahre Täter ist, und aus der Stadt getrieben wird und somit die Stadt gereinigt ist von den Sünden. Menke bringt in diesem Zusammenhang die Begriffe „Handlungssubjekt“ und „Urteilssubjekt“ auf 6 : Durch Ödipus´ Frage nach dem Opfer und auch nach der Handlung, wird die Tat gegenständlich, im Gegensatz zum Reinigungsritual der Orakelpraxis, wo Tat, Opfer und Täter diffus bleiben. Dort geht es nur um eine Befleckung, worauf eine Reinigung folgen muss, Ödipus jedoch fügt dem Untersuchungsablauf jedoch etwas Konkretes hinzu: Subjekte. Ein Opfer, einen Täter, eine Handlung. Indem Ödipus Kreon nach rechtlichen Gesichtspunkten zum Orakelspruch befragt, gibt er dem Spruch selbst eine rechtliche Form. Was zu Anfang noch ein Orakelspruch war, wandelt sich somit in eine Rechtsuntersuchung mit dem Auftrag zu dessen Untersuchung, Beurteilung und Bestrafung. 7 Ödipus fordert von sich selbst, das größtmögliche Wissen über die Tat zu gewinnen. Wissen aus zwei Perspektiven heraus: der des Opfers und der des Täters. Ödipus´ möchte nicht nur Wissen ansammeln, sondern gewinnen, verstehen und dann abwägen. Es zeigt sich immer
4 Vgl.: Ebenda. S. 25.
5 Sophokles: König Ödipus. 132- 13.
6 Vgl.: Menke, C. S. 34.
7 Vgl.: Ebenda. S. 30.
5
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Stefanie Vomhof, 2007, Der Wandel der Tragödie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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